Es war Zeit, die ich wohl falsch investiert hatte... Knapp 9 Jahre an einer Seite, die sich mehr und mehr entfernte - und doch, obwohl es seit fast einem Jahr schon vorbei ist, bleibt ein bitterer Geschmack auf der Zunge, der einfach nicht verschwinden will.
"...ich helfe dir, kein Problem..." Das klingt derzeit nach einem liebevoll gesprochenen, aber dann eiskalt gebrochenen Versprechen. Während ich um meine Existenz kämpfen muss, nicht weiß wie es Morgen weitergehen soll, hast du dich in einer Art und Weise verändert, die mich sprachlos macht. Vergessen scheint die Zeit zu sein, wo man zweimal überlegte, ob man sich etwas leisten kann... Hey, ich kann es ja durchaus verstehen, du hast eben einen Fang gemacht, einen wirklich guten Fang sogar. Nur... Bitte, erzähl mir nicht von der nächsten Fahrt, dem nächsten Trip, dem nächsten Konzert - es tut weh. So verdammt weh...
9 Jahre lang habe ich verzichtet, dir gegeben, dir verziehen... Es ist still hier. Nach einem Jahr habe ich feststellen müssen, das viele der Freunde lieber bei dir geblieben sind, dort geblieben sind wo es etwas gibt. Niemand von denen war jemals hier, auf den 27 Quadratmetern, die mir geblieben sind. Niemand...
Geblieben ist nur mein nightlight, mein kleiner Träumer, ein Mensch der auf mich wartete... Wie ich hat auch sie nichts von materiellem Wert, und doch hilft ihre Stimme, ihre Nähe, ihre Wärme mir über die Tage hinweg...
Eine Liebe. Ein Leben.
Es ist still hier.
-Augen auf-
geschrieben von: Julya
Irgendwann wird es besser, irgendwann schmerzt es weniger. Ich weiß, ein schwacher Trost für das Jetzt und Hier. Vielleicht wird es Jahre dauern, aber es wird besser...
Es tut mir leid. Von Herzen.
geschrieben von: Deacan
...just a new day...
Familie - so habe ich euch einst bezeichnet. Halt habe ich nur dadurch gefunden, das ich immer genau wusste, wo ich euch finden kann, das ihr einfach einmal ein offenes Ohr für mich hattet...
Muss man immer erst schreien, zeigen das man blutet, das man erstickt, das man irgendwie nicht mehr kann - ehe man etwas Zeit bekommen darf?
Ich habe noch immer die gleiche Mailadresse, die gleiche Handynummer... Muss man erst bitten und betteln, ehe man gehört wird?
T... Wie groß war einst die Wiedersehensfreude? Wie lange standen wir im Flur, umarmten uns, waren sprachlos... And now?
M... Ich wünsche dir von ganzen Herzen alles Glück der Welt, gehe den Weg den du eingeschlagen hast, behalte dein Ziel im Blick. Ich hoffe die Feier war großartig - ich wäre gerne dabei gewesen, aber man lädt sich bekanntlich nicht selbst ein.
C... Nächsten Monat ist es dann bei dir soweit. Keine Angst, ich halte vorsorglich die Distanz zu dir ein. Finde dein Glück und sei bitte ehrlich, tu keinem so weh wie mir...
Das Album mit den Bildern von einst wird leerer, die Farben verblassen.
geschrieben von: Deacan
Wie gut kenne ich dich eigentlich? Ich war überrascht, ja für einige Momente sogar sprachlos, als die Nachricht auftauchte...
Nicht vergessen...
Ich wurde nicht vergessen! Und das von genau zwei Personen, mit denen ich so gut wie nie echten, tiefen Kontakt hatte... Hey - Danke, ihr zwei! Es tut gut, mal zur Abwechselung auf einer fremden Couch sitzen zu dürfen, einen Kaffee zu trinken und frei über das Leben (oder das was man dafür hält) reden zu können...
Und du, kleines Nachtlicht? Wir haben die schlimmen Dinge bereits gemeistert, du bist umgezogen, hast hier - keine 200 Meter entfernt - eine wunderschöne Wohnung bekommen... Die Therapie läuft auch...
All die Ängste sind ausgestanden, Kleines. Es kann weiter gehen. Es muss sogar...
geschrieben von: Deacan
...steh auf...
...für den nächsten Schlag mitten ins Gesicht.
Während man mich noch nett begrüßt, lieb "Hallo" sagt, mir einen schönen Abend wünscht - dreht man im Hintergrund bereits wieder am Rad des Wandels.
Ist es eigentlich zu viel verlangt, einem ehrlich ins Gesicht zu sagen "Hey, danke fürs arbeiten. Ja, 165 Euro im Monat sind nicht wirklich viel und ja wir wissen, für dich ist es viel Geld, aber versteh doch bitte..."
Ja, ich hab verstanden. Sehr gut sogar...
Hast du nichts - dann bist du nichts.
Alles was kam war ein Einschreiben. Nichts weiter.
Frohe Weihnachten.
geschrieben von: Deacan
Ein wundervoller Tag draußen, meine Liebe an meiner Seite...
"Tach, S."
Ich erkenne diese Person nicht sofort, vielleicht weil ich sie am liebsten komplett aus meiner Erinnerung streichen wollte.
Und ich will nicht auf die vermeintlich freundlichen Worte reagieren. Um nichts in dieser Welt...
Ein weiterer Schritt nach vorn, nur vorbei an dieser Person, nur vorbei...
"Ich habe noch dein Zeug..."
Ach ja? Mein Blick geht hinüber zu meiner besseren Hälfte, zu meinen kleinen nightlight. Auch sie ist verdutzt, weiß nicht wie sie meine Reaktion - oder besser die nicht vorhandene Reaktion auf diese Situation - interpretieren soll.
Noch ein Schritt. Und noch einer. Ich lasse die Person einfach stehen, habe ihr nichts zu sagen, will ihr nicht zuhören.
"Aber ich..."
Mein kleines nightlight schweigt, bleibt aber dicht an meiner Seite. Ich höre nur noch Wortfetzen und mit jedem weiteren Schritt wird die Stimme hinter mir leiser.
"War das deine Mutter?"
Dieser Satz kommt fast geflüstert zu mir herüber und ich nickte als Antwort, wenn auch nur zögerlich.
"Meine Erzeugerin, ja. Mehr nicht..."
Es gibt Dinge, die darf man nicht verzeihen.
geschrieben von: Deacan
...wie oft noch?
Seit Sonntag bin ich wieder allein, getrennt weil "Lügen dir nicht weh tun können". Die Wahrheit wäre um ein Vielfaches erträglicher gewesen und hätte nicht zu dem geführt, was danach geschehen ist...
Nach 2 Nächten in der Geschlossenen, nach drei Tagen ohne Wasser und Nahrung, habe ich meine Entlassung geschafft - unter richterlichen Auflagen. Jetzt beginnt der Kampf gegen mein inneres Ich... Einer von uns beiden wird dabei auf der Strecke bleiben, die Chancen stehen 50:50.
geschrieben von: Julya
Alter Freund, wenn Du wüsstest, wie sehr ich das nachfühlen kann...
Ich kriege heute nichtmal ein 'Es wird irgendwann wieder gut' hervor. Ich weiß nämlich nicht, ob es das wird.
Eine Umarmung im Geiste...
~Julia~
geschrieben von: Deacan
Die Stille hier in meiner winzigen Wohnung schreit mich an, lacht mich, brüllt mir ins Gesicht...
Keine 500 Meter Luftlinie entfernt lebt das, was mich bislang am Leben erhalten, was mich dazu gebracht hat, jeden Morgen aufzustehen, in den Spiegel zu lächeln, meinen Hass, meine Wut, all die Kälte in mir im Zaume zu halten. Jetzt fühlt es sich so an, als würde ich von innen erfrieren, egal was ich tue, egal was ich denke oder schreibe.
Ich will...
Ich willl abends einschlafen und träumen können.
Ich will nicht nur meinen Herzschlag spüren.
Ich will...
...so vieles. Vielleicht zu viel?
geschrieben von: Deacan
...Ruhe...
...Stille...
...innerer Frieden...
Ich verspüre eine seltsame Ruhe in mir, seitdem ich davon erfahren habe. Die anderen 50 % sind ja bereits vor einiger Zeit verschwunden und jetzt... Jetzt gilt es nur noch ein paar Scherben und etwas Staub zu beseitigen, um dann - endgültig - mein Familienbuch zu schließen.
Deacan
geschrieben von: Deacan
Der Antrag ist abgegeben, eine letzte Unterschrift auf die letzte, die allerletzte Seite gesetzt...
Von jetzt an interessiert mich der Lauf der Dinge nicht mehr, es ist jetzt an dir, werter (Halb)Bruder B., für diesen letzten Akt der Scheinheiligkeit zu sorgen. Ich weiß inzwischen, welchen Status, ja welches Negativimage ich bei den Leuten in eurer Straße inne habe.
Scheinheiligkeit auf euer Seite eben. Die eigenen Versäumnisse leugnen, alles auf den Sohn schieben, auf den, der nie gewollt war. Möglicherweise hat sie in mir, in meinen Gesicht, meinen Augen eben meinen Erzeuger gesehen...
Ich mag nicht mehr spekulieren. Nur noch eines: meinen Frieden haben.
Deacan
geschrieben von: Deacan
...its done.
Alles was bleibt ist Asche.
Der Wind wird sie fortwehen, bis niemand sie mehr sehen kann und schon bald wird sich niemand mehr erinnern...
Das Gesicht dazu habe ich bereits getilgt, der Name wird immer leiser und eines Tages wird sein Klang auf ewig verstummen.
Jemand hat mal gesagt, das Wahrheit einfach weh tun muss. Jedoch verspüre ich nichts dergleichen, jetzt wo alles was mit meiner "Familie" zu tun hatte, verschwunden ist. Vielleicht muss ich es anders herum betrachten: mir muss diese Wahrheit nicht mehr schmerzen, denn ich lebe schon zu lange damit. Der Schmerz wird irgendwann zu einem Teil von dir, er ist dann wie ein tiefer Atemzug in einer kalten Winternacht - ohne ihn wäre ich nicht hier, er hält mich am Leben.
Menschen kommen und gehen wieder, sie begleiten dich ein Stück des Weges, versuchen dich auf ihren Pfad zu ziehen. Sie verstehen nicht, das man diese Begleitung eigentlich nicht will, das jeder Schritt der eigene sein muss. Sie verstehen nicht, das ich mich immer nur einer Person öffne, einer Person mein Innerstes zeige, einer Person sage, wo ich noch keine Narben auf meinem anderen Ich trage...
Danke Eve, danke es dich gibt.
Dieser Morgen gehört nur dir...