Mein letzter Eintrag liegt nun schon einige Zeit zurück.
Ich weiß gar nicht, ob es mir schlechter geht, aber besser auf jeden Fall nicht.
Vor ein paar Tagen wurde ich von einer mir unbekannten Person wegen eines dummen Missverständnisses bedroht, zwar nur im Internet, aber dennoch hat mich das ziemlich getroffen.
Bevor mir klar wurde, wie diese Person zu mir steht, habe ich ihr noch in meinem guten Glauben von meinem Tagebuch hier erzählt. Es schmerzt, zu wissen, dass jemand diese Texte liest, der sich über meine Schmerzen freut.
Ich sehe zwar nicht unbedingt aus, wie ein 'Weichei', aber wie sagt man - Harte Schale, weicher Kern. Ich kann Feindseligkeiten nicht gut ertragen. Sie treffen mich, machen mich traurig, lassen mich nicht schlafen. Es ist so traurig, mein Leben, irgendwie.
Schicksalsschläge nennt man das wohl. Die letzten der verganenen Monate: meine Tante kriegt Krebs. Meine Großmutter Lungenentzündung. Mein Vater bestätigt, dass er eine 'depressive Neigung' hat. Ich verliere meine Partnerin am 24.12. . Ich verliere eine Mitbegründerin des Fanclubs, den ich leite. Ich kriege Bindehautentzündung und kann nur mit Sonnenbrille vor die Tür gehen, es ist zu grell.
Ich kann nicht mit zu meinen Verwandten nach NRW fahren, weil ich seelisch zu instabil bin.
Die Vorbereitungen des Klinikaufenthalts gestalten sich als sehr schwierig; keiner weiß so richtig, welche Formulare wie ausgefüllt und wo eingereicht werden müssen.
Und nicht zuletzt meine erwähnte erneute Schlafstörung. Ich lege mich ins Bett, nehme eine eigentlich viel zu hohe Dosis Tabletten auf einmal, um schlafen zu können - es funktioniert dennoch nicht. Ich liege wach. Denke nach. Wirken die Tabletten nicht mehr? Bin ich süchtig geworden? Immun? Abhängig?
Ich stehe wieder auf. Schreibe Pfad. Konfrontiere mich mit meinem nicht lebenswertem Leben. Esse mein drittes Abendessen. Zwänge, denen ich mich nicht entziehen kann. Schaue fern bis tief in die Nacht.
Wann wird alles besser?
Septron - Herz aus Stahl
Aus Stahl hat man mich gebaut
nur eine Nummer ziert mein Haupt
Mein Leben ist nicht wesentlich
denn Menschmaschinen liebt man nicht
Herz aus Stahl,
Herz aus Stahl
erlöse mich von dieser Qual
man hat es einfach eingebaut
unter meine Eisenhaut
in mir kocht schwarzes Blut
es hat schon viel zu lang geruht
es sehnte sich in dieser Zeit
nach einer Hand voll Menschlichkeit
Herz aus Stahl,
Herz aus Stahl
Ich lass dir diesmal keine Wahl
zeig mir die Liebe oder ich
bau dich aus und töte mich
Das Herz, dass ihr mir geschenkt
hat mich so sehr abgelenkt
in mir entfachte es einen Krieg
denn ich verstand nun, wie man liebt
Herz aus Stahl,
Herz aus Stahl
erlöse mich von dieser Qual
Ihr habt es einfach eingebaut
unter meine Eisenhaut
Leben ist gleich Qual
auch für ein Herz aus kaltem Stahl
Das Ende ist noch nicht in Sicht
denn ich lebe ewiglich
Herz aus Stahl,
Herz aus Stahl
ich lass dir diesmal keine Wahl
zeig mir die Liebe oder ich
bau dich aus und töte mich
Seit einiger Zeit habe ich wieder Kontakt zu meiner Ex-Ex-Freundin. Lena. Sie ist auch ein Thema meiner Beiträge gewesen. Der frühen Beiträge. Ich bin sehr froh über das, was wir inzwischen haben. Wir waren zwei Jahre zusammen. Sehr schmerzvolle Jahre, für uns beide...
So painful my Fight...
Diary of Dreams - the Valley
Jetzt ist es anders, jetzt sind wir, nach einem Jahr keinem Kontakt, wieder ein fester Bestandteil unseres Lebens. Lena, i am your last line of defence.
Ich mag es. Das Gefühl. Ich weiß nicht, wie es für sie ist, aber ich stehe voll und ganz hinter ihr. Vielleicht mehr denn je.
Ich glaube, ich war schon immer ihr Rettungsanker. Derjenige, den man anruft, wenn niemand anders mehr Halt und eine Schulter geben kann. Der, zu dem man kommt, wenn man weiß, dass andere über die Situation oder über sie selbst schlecht urteilen würden.
And every Morning Sun
wakes up the Sadness once again
Diary of Dreams - the Valley
Mein Versprechen an dich. Lena. Der letzte Verteidigungswall. Vielleicht hätten wir immer nur Freunde sein sollen. Bei diesem Satz habe ich Gänsehaut. Nun sind wir Freunde. Für mich bist du meine beste Freundin. Vielleicht war es noch nie meine Art, Hilfe oder ein Gespräch zu suchen, dass es mir besser geht. Ich denke, ich war schon immer eher der Einzelgänger. Zu groß das Misstrauen, andere treffen mich. Verletzen mich. Dennoch hattest du die Chance, mich zu verletzten. Du warst nicht die einzige, die es auch tat. Aber ich verzeihe dir. Ich habe dich ja auch verletzt. Aber ich schweife ab. Was ich noch sagen wollte, ist, dass ... Selbst ich traue mir manchmal nicht. In mir wohnt ein Tier. Ich denke an ASP. Schwarzer Schmetterling. Die kleine Ballade. In dem Lied wird, finde ich, leichtfertig mit dem Thema umgegangen. Dennoch trifft es auf mich zu.
Ich bin ein Kämpfer. Einzelkämpfer. Ich bin und bleibe Single. Der Entschluss steht - er fordert Tränen. Aber es ist der richtige Weg. Freundschaft ist alles, was zählt; alles, was möglich ist; alles, was ich will.
Lena, ich bin sehr froh über das, was wir haben. Die unumstössliche Wahrheit. Ich bin deine Insel, auf die du dich immer retten kannst.
I am your last line of defence.
geschrieben von: SoulReaper696
Not an Addict...
Es ist kalt hier, obwohl die Heizung an ist. In mir, da ist es kalt.
Es gibt ja nicht mehr viele, die mir wichtig sind. Eine, zwei, vielleicht noch eine dritte. Das war's. Traurige Erkenntnis...
Noch schlimmer, scheinbar habe ich eine der dreien verloren. Zuviel ist passiert, zuviele Schläge haben wir uns verpasst, zu oft uns enttäuscht.
Breath it in and breath it out
and pass it on it's almost out
We're so creative and so much more
We're high above, but on the floor
It's not a habit, it's cool
I feel alive
If you don't have it your on
the other side
The deeper you stick it in your veins
The deeper the thoughts there's no more pain
I'm in heaven, I'm a god
I'm everywhere, I feel so hot
It's not a habit, it's cool
I feel alive
If you don't have it your on
the other side
I'm not an addict - maybe that's a lie
It's over now, I'm cold, alone
I'm just a person on my own
Nothing means a thing to me
Oh, nothing means a thing to me
It's not a habit, it's cool
I feel alive
If you don't have it your on
the other side
I'm not an addict - maybe that's a lie
Free me, leave me
Watch me as I'm going down
Free me, see me
Look at me I'm falling
And I'm falling.........
It is not a habit, it is cool
I feel alive I feel.......
It is not a habit, it is cool
I feel alive
It's not a habit, it's cool
I feel alive
If you don't have it your on
the other side
I'm not an addict - maybe that's a lie
I'm not an addict, I'm not an addict, I'm not an addict
K's Choice - Not an Addict
geschrieben von: SoulReaper696
Die ganze Nacht nicht geschlafen.
Geweckt mittags vom Elektriker.
Stress mit meiner Mutter, sie macht nen Terz wegen EINER GURKE.
Bald habe ich geburtstag. Leck mich fett.
Auch das noch.
Es wird ein schwarzer Tag.
Jeder Tag ist schwarz, aber der 21. wird schwärzer als der Hintergrund dieses Forums.
Ich höre Papa Roach, eigentlich voll die schlechte Band, aber: Eine Jugenderinnerung.
*zähne aufeinander beisst*
:mad:
geschrieben von: SoulReaper696
Jeder Abend ist gleich...
Filme, Essen, Musik, Zigaretten, Gespräche, den Hund rausbringen, Simpsons, die letzte Zigarette, immer mehr Tabletten, ins Bett legen.
Manchmal geht es - meistens. Meistens kann ich einschlafen. Liege noch etwas wach, bis die Tabletten kommen, wirken, auf leisen Schuhen heranschleichen und einem die Sinne nehmen.
Manchmal klappt es aber auch nicht. Ich denke. Mein Bett ist so leer. Und das trifft mich so intensiv, und es gibt kein Entkommen.
Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ja, ja. Klinik. Das dauert eben. Und ich glaube trotzdem nicht, dass das auf einen Schlag alles besser machen wird. Mein Leben ist unglaublich anstrengend, jeder Tag ist, als würde ich geprüft werden, ob ich es noch wert bin, weiterzuleben...
Nein, das ist es nicht, ich finde nicht die richtigen Worte.
Zigarette...
Ich bin ein Kämpfer, ja...und es gibt auch schöne Momente...aber ich leide trotzdem...
Ich ertrage es nicht, alleine zu sein und ich ertrage es nicht, immer wieder Medikamente nehmen zu müssen, um schlafen zu können. Ja, ich bin ein Kämpfer, aber ich bin das kämpfen satt. Ich habe keine Lust mehr. Alles verlangt nach Kraft, nach Willensstärke, nach ... die Hoffnung nicht verlieren.
Ich würde mir so sehr wünschen, dass mich mal jemand in den Arm nimmt. Und nur festhält. Nichts weiter tut. Mich nur ruhen lässt.
Aber da ist niemand. Lisa ist weg, kann nicht kommen, wegen dem Hund. Lena ist vergeben, und auch nicht die richtige dafür. Wen gibt es sonst noch? Niemanden. Soll ich jetzt zu einer professionellen gehen, und sie bitten, mich zu umarmen?
Um Himmels Willen. Ich bin fertig mit der Welt, fertig mit dem Leben, fertig damit, zu kämpfen. Es gibt kein Entkommen. Entweder, ich halte es aus, bin weiterhin ein Kämpfer (Kämpfe ich auf verlorenem Posten?), ein Kämpfer ohne Glück, oder ich bringe mich um. Friss oder stirb. Komm schon, Mann, aufgeben ist keine Lösung. Aber ist dieses Leben lebenswert? Ist dieses Leben das Leben wert? Das erleben wert?
Ich weiß es nicht. Ich bin so müde. Des Lebens müde. Auf mich allein gestellt. In mir lebt keine Liebe mehr. Keine Freude. Kein Glück. Nur Schmerz und Verzweiflung.
Ja, ich werde weiter machen.
Aber wofür?
Zusatz: (Ich hatte das zuerst als neuen Beitrag eingesetzt, aber das wäre der Beginn einer neuen Seite, und das will ich dann doch nicht. So wichtig ist dieser Eintrag doch nicht.)
Heute Abend ist Party(12.03.). Fetish Party.
Da wird Sandra defitiv nicht sein, ich komme aus dem Haus, kann mal wieder laut Musik hören, meine tollen Stiefel anziehen, es wird mir gut tun.
Ich freue mich sogar schon ein kleines bisschen. Und schlafen kann ich eh nicht.
Fein fein.
Ab geht die Post!
geschrieben von: SoulReaper696
Mein Geburtstag ist vorbei. War nicht grad der schönste Tag, hätte aber auch weitaus schlimmer sein können.
Ich hatte mein Gespräch, das Erste, in der Klinik. In ungefär drei Wochen geht es los.
Als ich sagte, dass ich desöfteren Phantasien davon habe, Menschen meine Klinge durch den Schädel zu rammen, hat sie sehr verwundert und erschrocken geschaut. Waffen sind in dieser Klinik verboten, Herr Grave.
Ja, das macht mir nichts aus.
Alkohol ist auch verboten, und wir behalten uns vor, unsere Patienten spontan Pusten zu lassen. Auch in Ordnung. Alkoholabhängig bin ich ja nicht.
Aber Tablettenabhängig!
Letzte Nacht habe ich versucht, ohne Antidepressiva zu schlafen. Ich schlief also von halb 11 bis halb 1 Nachts und war dann bis morgens um 10 wach. Macht schon Freude, sowas.
Also in ungefär drei Wochen geht es los. Das ist heftig. Wird sicherlich die schwerste Zeit meines Lebens. Menschenskinder, muss ich viele Dinge mitnehmen. Sie werden auf Station 15 sein, die Aufenthaltsdauer beträgt in der Regel 8 - 12 Wochen. Drei Monate!
Na fein. Ich habe mir einen neuen Laptop besorgt, dass ich mich während dieser doch recht langen Zeit um meinen Fanclub kümmern kann und auch diesen Pfad weiterführen kann. Ja, eine der Aufgaben innerhalb der Gruppen- und Einzeltherapien ist, dass sie sich selbst reflektieren und Texte verfassen. Na fein. Ich werde sie hier veröffentlichen. Ich gehe einfach mal davon aus, dass das nicht verboten sein wird.
Ich habe extra einen Web-Stick bestellt. Und ich brauche noch ein Cooling Pad für den Laptop. Mein Modell ist bekannt dafür, zu überhitzen - das ist schlecht für die CPU.
Es gibt so vieles, an das ich denke. Drei Monate....
Wer kümmert sich um Thekla? Ich muss den Kühlschrank leer essen. Ich werde fast meine gesamte Kleidung mitnehmen müssen.
Lena wird sich hoffentlich um Thekla und meinen täglichen Bedarf kümmern. Zigaretten, Filter, Kombucha, Prepaid Karten für meine Internet-Nutzung. Und vielleicht mal eine kleine Umarmung?
Die Ärztin hat gesagt, dass es auch sein kann, dass ich spontan einen Anruf bekomme, wenn einer der anderen Patienten kurzfristig entlassen wird, und ich dann schon am nächsten Tag anreisen kann/muss. Wow, ich muss mich doch erstmal an diese ganze Klinik-Kiste gewöhnen! So etwas zu tun, verlangt schon Arbeit und sich-damit-auseinandersetzen, bevor man dort aufgenommen wird...
geschrieben von: SoulReaper696
Pain Management!
Letzte Nacht Konzert von Diary of Dreams im k17 in Berlin. Mit Lena. Meiner Ex. Die jetzt meine Schwester ist.
Als wir in dem Konzertsaal standen, Adrian und die anderen Jungs (und nun auch Mädels) auf der Bühne. Requiem 4.21 hat mich fertiggemacht. Total. Dort unten in der Kälte... Ich habe geweint. Meine Schwester stand direkt vor mir. Ich habe sie umarmt, am Bauch. Sie hat ihre warmen Hände auf meine gelegt. Meine Stirn war an ihren Hinterkopf gelegt. So schön. So schön war das. So intensiv. Ich weiß nicht, ob sie gemerkt hat, dass ich weine. Ich glaube aber, sie hat es gefühlt. Es war sehr schön, wir waren uns sehr nah, verbunden. In diesem Moment gab es nur sie und mich. Ganz allein standen wir vor der Bühne, es hat nur die Musik existiert, die Stimme, die Worte, ihre Haare, meine Tränen.
Später dann auf der Party, habe ich meine Traumfrau gesehen. Irgendwie...abstrakt, dass ich, einer der besten Tänzer dort, von allen angesehen werde. Allen Mädchen.
Es ist ein tolles Gefühl, mit den schönsten und denen, die am besten Tanzen können, in der Mitte der Tanzfläche einen kleinen Kreis zu bilden und sich gegenseitig anzustacheln und zu bewundern. Komplimente werden verteilt und gegeben. Bewundernde Blicke. Meine Traumfrau, auch in unserem Kreis. Asiatin, klein, wunderschön. War mit ihrem Freund da. Selbst, wenn sie Single wäre - ich würde es nicht schaffen, sie anzusprechen. Zu groß die Bewunderung dieser Vollkommenheit. Es war eine Frau, an der einfach alles gepasst hat. Es war schwer, zu gehen, Abschied zu nehmen. Auch, wenn ich kein einziges Wort mit ihr gewechselt habe und uns abgesehen vom Wahn nach Tanz nichts verband - ich konnte meinen Blick nicht abwenden von ihr.
Ich bin zur Einsamkeit verbannt. Ich ... kann momentan mit Beziehungen nicht umgehen. Zuviele wilde Tiere leben in mir - lauern auf eine Möglichkeit, mir meine positiven Empfindungen in rasende Panik zu verwandeln und mein geplagtes, todkrankes Inneres in den Abgrund der Verzweiflung zu stossen.
Das war vielleicht etwas melodramatisch. Ich denke nicht, ich schreibe.
Als ich mit meiner Schwester vorhin wieder heim kam, war ein grosser Umschlag im Briefkasten. Die Klinik.
Die Überschrift war im Adressen-Fenster zu sehen.
Aufnahmetermin
rrrrrrrrrrrromms. Das Wort hat gesessen. Aufnahmetermin. Es wird bald losgehen. Angst? Trauer? Als ich vergangene Nacht Requiem hörte, dachte ich an die Klinik. Ein Teil von mir wird bald für immer zu Grabe getragen. Wenn ich daran denke, kribbelts mich. Das ist bei mir das erste Zeichen für anrollende Tränen. Verzweiflung! Mit den Jahren gewöhnt man sich irgendwie an die wilden Tiere. Man schätzt sie. Man pflegt sie.
geschrieben von: SoulReaper696
Aphex Twin - gwely mernans
Das Lied des Tages.
Ich habe viel geschlafen nach dem Konzert. Wir waren ja gegen 11 wieder bei mir Zuhause, ich habe meine Schwester dann noch zum Bahnhof zurück gebracht, und Zigaretten gekauft. Danach aß ich Pommes. Sie schmeckten nicht. Der Teller steht noch neben mir. Ist fast voll.
Dann schlief ich. Man sollte meinen, dass man nach einer durchtanzten Nacht lange schläft. Ich nicht. Ich legte mich gegen 13 Uhr hin, um 18 Uhr war ich wieder wach. Aber was solls. Ich bin meine Schlafstörung ja gewohnt, und bin froh, wenn ich überhaupt einschlafen kann.
Jedenfalls war ich wieder wach. Okay. Fein. Ich habe noch so viele Dinge zu tun, bevor ich in die Klinik muss. In 10 Tagen. Zehn. Okay. Es wird gehen. Ich bin wie ein Floß, momentan. Manchmal schwappt Wasser über den Rand. Aber ich schwimme. Ich treibe. In Zehn Tagen kriege ich ein Paddel. Dann kann ich die Richtung selbst bestimmen.
Ich war schwimmen, in den letzten Stunden. Und in der Sauna. Es gibt ein Angebot, einer Kette von Schwimmbädern hier in Hamburg. Mitternachtssauna. Schwimmen und Saunieren von 21 - 2 Uhr für 20 €, das ganze Schwimmbad ist Textilfrei. Ein angenehmes Gefühl, so genommen zu werden, wie man ist.
Oft passiert es mir, dass ich jemandem von meiner Krankheit erzähle und die Person dann versucht, mir zu sagen, wie ich dies und jenes denn besser zu tun hätte. Versucht mich zu ändern. Klar brauche ich veränderung. Aber nicht auf die Art, die manche Leute versuchen, mir aufzuzwingen.
In den letzten Stunden wurde ich so genommen und akzeptiert, wie ich bin.
geschrieben von: SoulReaper696
Mir setzt die Einsamkeit grade sehr zu. Es ist ätzend, alleine zuhause zu sitzen, mir ist Kalt. Fast alle, die ich kenne, haben einen Partner, kennen es nicht, keine Umarmung zu bekommen, eben nicht liebgehabt zu werden.
Und so trage ich mein Leid.
Goethes Erben - Das Ende
geschrieben von: SoulReaper696
Jetzt ist es so, dass ich meine Schwester eben zu Sandra geschickt habe, damit sie die restlichen Sachen von mir abholt. Sandra war aber nicht zuhause. Echt ätzend. Vielleicht wird es noch was im Laufe des Tages. Ätzend. Ätzend!
Ich werd gleich zu meiner Ärztin fahren und mir neue Tabletten holen. Ich habe keine mehr.
Ah. Letzte Nacht war auch toll. Meine Schwester ruft mich gegen 22 Uhr an: "Hey, meine Mutter hat mich grade angerufen, hat gesagt, sie bringt sich um und hat wieder aufgelegt. Kannst du hinfahren und nach dem rechten sehen?!
Ich bin also mit Polizei und Rettungswagen hingeprescht. War total betrunken, sie ist alkoholikerin. Jetzt ist sie in der geschlossenen Abteilung.
Schöner Abend.
geschrieben von: SoulReaper696
Heute ist Freitag...noch Vier Tage. Vier, vier, vier. So viel noch zu tun, so viel schon erledigt. Der Fanclub wird auf meine (halbe) Abwesenheit vorbereitet. Das Magazin wird Sonntag verpackt, sodass ich es Montag als eine der letzten Handlungen abschicken kann. Ich muss den Laptop noch mit allen Daten des Fanclubs versehen. Listen, Texte, Passwörter, Kontodaten. Am Sonntag das letzte Diary Konzert vor der Klinik. Mit Teilen der Fanclub-Member. Wird ... interessant.
Gestern habe ich meine Wohnung komplett aufgeräumt. Die Küche ist ordentlich, das Bad sauber, der Schreibtisch so gut wie leer. Alles ist an seinem Platz. Wenn ich wiederkomme, soll alles hübsch sein - auch wenn ich nach der Klinik umziehen werde, weg aus diesem Haus voller Alkoholiker, Gangmitglieder und Hartz-4-Empfänger. Hier ist kein Umfeld zum Gesund-Werden.
Ich hätte so gern eine Badewanne in der neuen Wohnung. Und am liebsten eine Dachgeschosswohnung. Irgendwie mag ich diese schrägen Wände. Gegen die Fenster in Dachgeschosswohnungen lässt sich auch schwerer ne Decke hängen, sodass ich mich nicht mehr vor der Welt da draussen verstecken kann.
Gestern habe ich in der Klinik nochmal angerufen und ein paar Dinge gefragt. Es wird zusammen gegessen, im Speisesaal. Ouch. Ich bin wenig kontaktfreudig und auch nicht gesellig. Gibt es einen Tisch extra für erklärte Einzelgänger? Ich möchte einen Platz, bitte.
Mir graust es vor dem Gedanken, mit meinem Tablett in diesem Speisesaal zu stehen und so dermassen bescheuert aus der Wäsche zu schauen, weil ich nicht weiß, wo ich mich hinsetzen soll. Und dann erbarmt sich einer mit mir, weil er sieht, dass ich da schon 5 Minuten stehe. Oder ich gehe von mir aus irgendwo hin, weil ich sehe, dass da ein Platz frei ist. Ich glaube, es wird auf zweiteres hinauslaufen. Aber das ist mir unangenehm.
(Danke für 10.000 Hits)
geschrieben von: SoulReaper696
So. Koffer packen. Irgendwie nehme ich alles mit, was ich habe. Alle Hosen, alle Socken, alle Hemden....
Nun wird es wirklich offiziell. Das ist anstrengend. Komisch. Belastend. Aber es muss ja gemacht werden. Komm schon, Mann, reiss dich am Riemen.
Ich ziehe das jetzt durch.
Diorama - Masquerades & Faces
geschrieben von: SoulReaper696
Das Konzert ist vorbei. Das Konzert von Diary of Dreams. Das letzte Konzert vor meinem Klinikaufenthalt. Das letzte, was mir wirklich Spaß machen wird, vor der Klinik.
Nun ist es Real. Es wird immer realer werden nun, mit jeder Stunde. Die Zeit, die nun noch ablaufen wird, ist inzwischen leicht abzuzählen. 34 Stunden ungefär noch. Vorfreude weicht ziemlich rasender Angst, was dort passieren wird. Dass nun meinem Dämon an die Gurgel gegangen wird. Ich sagte ja, dass man sich irgendwie dran gewöhnt. Wie ein Finger zuviel, der zwar stört, aber man lernt, damit zu leben. Irgendwie habe ich Angst davor, was dort mit mir passieren wird. Werde ich mich verändern? Werde ich nachher nicht mehr der sein, der ich momentan vielleicht noch bin? Was werde ich dort erleben? Vor welche Aufgaben werde ich gestellt? Wird man mich zwingen, mit meinem Dämon aug-in-aug zu ringen? Bin ich mächtiger als er? Ja, ich habe Angst. Sehr grosse Angst. Ungewissheit.
geschrieben von: SoulReaper696
So. Mein letzter Eintrag vor der Klinik.
Meine Schwester ist hier. Sitzt im Bett und telefoniert mit ihrem Freund.
Ich schaue Wolfsheim's Kompendium und rauche.
Vorhin gabs Essen. Abschiedsessen. Kräuterhuhn. War Lecker.
Und dann später, bei mir, noch Döner und Walnusseis mit Schoko und Himbeer-Soße.
Ich hatte zwei Döner und dann halt noch einen Riesenteller Eis.
Nun tut es echt weh. Viel zu viel gegessen. Zwei Abschiedsessen.
Aber ich denke gar nicht so viel nach. Das ist gut.
Ich rauche noch ein paar, trinke mein letztes Bier (Duckstein - man soll sich ja mal was gönnen zum Abschluss) und dann legen wir uns.
Ich wollte mich noch bedanken, weil zwei aufmerksame Leser/innen (?) ein paar aufmunternde Worte geschrieben haben. Glaubt mir - ich habe eure Nachrichten sehr gewissenhaft gelesen.
Wir 'sehen' uns in der Klinik....
geschrieben von: SoulReaper696
So, jetzt bin ich noch ein bisschen alleine, bevor ich von meinem Bruder abgeholt werde.
Meine Schwester war ja bis eben hier, die ganze Nacht über, damit ich in der letzten Nacht nicht alleine bin.
Eben haben wir uns umarmt. Mehrmals....
Auf einmal meinte sie, dass sie ja gar nicht weinen wollte, wenn sie noch bei mir ist. Das hat mich schon sehr berührt.
Schön, dass es sie gibt.
geschrieben von: SoulReaper696
13.04.2010
Nachmittags
Ich bin in der Klinik angekommen. Mein Bruder hat mich ja hingebacht. Insgesamt hatte ich 5 Koffer & Taschen dabei. Aber es schien, normal zu sein – es gab grosse Gestelle, wo man die Koffer aufladen konnte um die Gepäckstücke auf sein Zimmer zu bringen.
Mein Zimmer-Nachbar ist ein ziemlich bulliger Typ, der nicht viel redet. Skinny, Tattoos…wie ich.
Ich hatte sehr viele Untersuchungen. EKG, Blut abnehmen, Alkoholkontrolle (pusten…).Gleich habe ich ein Therapie-Gespräch. Das erste. Es ist immer sehr anstrengend, sich direkt mit seinen Gedanken und Sorgen auseinanderzusetzen. Aber ich bin ja genau dafür hier. Ich bin gespannt, wie die Gruppentherapien ablaufen. Ob jeder ein bisschen sagen soll, wie meine Selbst-Vorstellung sein wird…
Gibt viele Gedanken, momentan. Ich weiß noch nicht, was ich von dem ganzen hier halten soll. Klar, ich werde es durchziehen. Aber… es ist seltsam hier. Alle scheinen fröhlich zu sein. Es ist ein eigenartiger Gedanke, jemanden zu sehen, der eine Zigarette raucht und lacht, obwohl man weiss, dass es ihm überhaupt nicht gut geht, sonst wäre er ja nicht hier.
Ich höre Bat for Lashes, die Band, dessen Konzert Sandra und ich zusammen besucht haben. Bei manchen Liedern schmerzt es, aber irgendwie ist es auch schön. Eine tolle Sängerin.
Jetzt bin ich in der schwierigen Situation, was dass Essen angeht. Klar, ich muss essen, aber irgendwie traue ich mich nicht. Ich glaube, heute Abend werde ich mir diese Situation noch ersparen, aber morgen früh muss ich was essen. Irgendwie wird das schon gehen. Vielleicht lerne ich bis dahin ja noch ein paar Leute kennen, wo ich mich dann zusetzen kann oder die mich vielleicht sogar mitnehmen würden, das würde mir vieles erleichtern. Vielleicht treffe ich ja jemanden von meiner Station auf dem Raucher-Platz.
Eine Herz-Untersuchung (Ultraschall) steht mir auch noch bevor, heute Abend. Es ist die Befürchtung da, dass ich einen angeborenen Herzfehler habe, der als Kind nicht zum Vorschein kam, weil er sich erst mit den Jahren ausweitet. Tja, heute Abend werde ich mehr wissen. Ich bin gespannt. Aber, ehrlich gesagt, ist das grade nicht mein grösstes Problem. Solange ich mich nicht am Herzen operieren lassen muss, ist alles gut.
Ich frage mich grade, wo meine Externe Festplatte hin ist, die ich extra mit diversen Filmen & Dokumentationen vorbereitet habe. Ich glaube, ich habe sie liegengelassen, auf meinem schwarzen Tisch in meiner Wohnung. Ich habe aber auch ein paar Staffelboxen von OC mitgenommen und unter anderem die Live-DVD, die wir gestern Abend noch angeschaut haben.
Ich brauche dringend eine Uhr. Man darf die Handys in der Klinik ja nicht anhaben, und ich habe keine Uhr dabei. Naja, meine Eltern wollen mir eine mitbringen, wenn sie mal herkommen.
Grade ist mein Mitbewohner rausgegangen. Das ist echt ein Brecher. Naja. Sehen ja nie freundlich aus, so Leute. Mir kommt zwar der Gedanke, dass er so griesgrämig dreinschaut wegen mir, aber ich gebe mein bestes, mir da nicht zu sehr einen Kopf drum zu machen.
Liebe Maddy, danke für deine Oreo’s. Ich esse grade einen. Du bist eine tolle Person.
geschrieben von: SoulReaper696
13.04.2010 17:00 Uhr
Jetzt habe ich das erste Psychotherapeutische Gespräch (oder so) absolviert.
Er ist an sich ein ganz netter, kommt auch aus Hamburg.
Es gibt hier auf meiner Station einen Bereich, in dem sehr viele Sofas und Stühle und Tische stehen. Dort kann man sich mit anderen Patienten der Station treffen und sich austauschen, unterhalten.
Grade ist mein Mitbewohner ziemlich bestimmt zur Türe hinaus gegangen. Klang eigenartig, ich habe ja Kopfhörer auf, um ihn nicht zu sehr zu stören. Er hat auf der anderen Seite des Zimmers (in dessen Mitte sich ein Sichtschutz aus Holz befindet, der sich über die ganze Länge des Schreibtisches ausstreckt), ziemlich laut irgendwas auf den Boden geknallt. Naja, jetzt ist er wieder da und hat mir, sehr freundlich, angeboten, mir ein bisschen von der Klinik zu zeigen. Damit hätte ich nicht gerechnet. Naja, wer weiß, was in diesem Bullen von Mann vorgeht. Ist mir alles recht, solange ich nicht das Gefühl bekomme, dass er wütend wegen mir ist. Das wäre schlimm.
Ich wundere mich etwas, dass ich nun ‚schon‘ sechs Stunden hier bin, und noch niemanden gesehen habe, der weint. Naja, vielleicht ist das ja nicht üblich. Ist ja auch schlimm, irgendwie, zu weinen – aber auf der anderen Seite ist weinen Ja ein Ventil. Ein Ventil, das mir fehlt. Ich kann nicht weinen. Ok, doch, ich kann weinen – aber dazu muss schon was wirklich schlimmes passieren oder mich berühren, wie zum Beispiel Diary bei dem Konzert in Berlin. In Berlin war das Weinen ja irgendwie schön.
Ich bin sehr gespannt auf Morgen. Morgen ist meine erste Gruppentherapie, morgen gehe ich das erste mal im Speisesaal essen. Mein Therapeut hat gesagt, dass es meist so ist, dass die gesamte Station zusammen zum Essen geht. Ich fände es wirklich schlimm, wenn ich in dieser Gruppe nicht aufgenommen und als Aussenseiter dastehen würde. Ich hoffe, dass das nicht passiert.
Lena, ich trage dein Armband. Und ich gehe jetzt rauchen. Und Kombucha trinken. Das gönn ich mir.
geschrieben von: SoulReaper696
Tagebuch Nr. 3
15.04.10
Nun bin ich in einem anderen Krankenhaus. Zurück in Hamburg in der Universitätsklinik.
Als ich am Dienstag angereist bin, hat man festgestellt, dass an meinem Herzrhytmus etwas nicht stimmt, ich wurde bestimmt von 10 verschiedenen Ärzten untersucht in den letzten zwei Tagen. Nun ist es also diagnostiziert, dass mein herz zu groß ist und dass meine Herzklappe nicht richtig schliesst. Vorhin war Chefarzt-Visite, in dem der behandelnde Arzt gesagt hat, dass meine Herzklappe eben nicht passend ist. Es klang nicht so, als wäre das noch abzuklären, es klang nach unumstösslicher Wahrheit. Daraufhin meinte der Chefarzt, wir müssten operieren, um diesen Fehler zu korrigieren, und wenn wir es nicht tun würden, könnte es lebensbedrohlich werden. Romms. Das hat gesessen! Wird also eine Operation am offenen Herzen werden. Schönen Dank auch.
Ich darf jetzt nicht mal mehr meine Laptoptasche tragen oder Treppen runter (!!!) gehen. Ich soll jeglichen Stress oder Anstrengung vermeiden. Hervorragend. Seit ich das mit dem Herzen weiß, merke ich es viel Intensiver. Und die Therapie ist jetzt natürlich erstmal wieder unterbrochen. Es ist wohl auch so, dass die Operation, die scheinbar unausweichlich vor mir liegt, „eine grosse Operation mit Einsatz der Herz-Lungen-Maschine“ wäre. Hervorragend. Ganz klasse, ich freue mich tierisch. Alle schlimmen Krankheiten der Welt, die Konferenz des Krankseins wird stattfinden in Herrn Grave’s Körper, Raum 719. Echt jetzt, so ein Scheiß hat mir grade noch gefehlt. Und wenn es nur das wäre.
Wenn ich sehr viel Pech habe, dann kriege ich in zwei Wochen meinen OP-Termin. So, und wenn sich meine Psychosomatische Klinik da querstellt und sagt, dass es nicht möglich ist, mich nur für zwei Wochen aufzunehmen und dann wieder vorläufig zu entlassen, ist das echt ätzend – die Wartezeiten auf einen Klinikplatz sind ja biszu mehrere Monate lang.
Und dann muss ich auf jeden Fall noch zur Reha. Ich hoffe, dass ich vielleicht die Reha auch in meiner Psycho-Klinik machen kann, parallel. Jetzt habe ich grade eine Venenverweilkanüle bekommen. Fuck off.
geschrieben von: SoulReaper696
16.04.10 18:51 Uhr
Jetzt ist es also sicher. Heute Morgen hatte ich ein ‚Schluck-Echo‘, weswegen man betäubt wird und einem dann eine Sonde durch den Hals bis zum Herz geführt wird. Die Untersuchung hat den Verdacht bestätigt, dass meine Herzklappe nicht dicht ist und infolgedessen mein Herz auch zu groß wurde. Ich werde als Operiert. Am offenen Herzen. Es ist eine grosse Operation, wird vier Stunden dauern.
Am Montag habe ich noch Untersuchungen , CT und MRT oder so. Und ein Gespräch mit dem Operateur, wo unter anderem entschieden wird, welche Art Herzklappe eingesetzt werden soll. Entweder vom einem Schwein, die muss aber ungefär alle 15 Jahre ausgewechselt werden, oder eine aus Plastik, die hält ewig, ich müsste aber mein Leben lang blutverdünnende Medikamente nehmen, weswegen Verletzungen wesentlich gefährlicher werden würden.
Naja, also der Termin am Montag, am Dienstag fahre ich dann zurück in die Psycho-Klinik, meine Sachen holen und mich von der Gruppe verabschieden. Dienstag Nachmittag dann zurück nach Hause. Mittwoch ist es dann so gedacht, ich würds mir wünschen, dass meine Eltern mir dann einen kleinen Urlaub an der Ostsee, Travemünde vielleicht, spendieren, bis zu meinem nächsten termin wegen dem Herzen, 29.04.; danach werde ich dann denke ich meine Operation haben. Die muss drei Tage im Vorfeld vorbereitet werden, mit Untersuchungen und so. Dann die OP. Danach zwei Wochen zur Nachsorge im Krankenhaus. Danach habe ich dann erstmal Reha. Biszu 5 Wochen. Danach muss ich dann sicherlich noch etwas warten, ich rechne mit einem Monat ungefähr, bis ich dann zurück in die Psycho-Klinik kann, in der ich dann nochmal drei Monate bleiben ‚darf‘.
Das bedeutet, alles in allem werde ich so im September oder so was mit dem Ganzen durch sein. 2010, das Krankenhausjahr.
Sie werden mir einen 20 cm langen Schnitt direkt auf den Oberkörper setzen. Wird ne fette Narbe. Danke Schön!
geschrieben von: SoulReaper696
Eintrag Nr. 5
17.04.2010 19.40 Uhr
Aha, ich werde Operiert, am Herzen. Tag für Tag finde ich mich mehr damit ab. Denke gar nicht so viel darüber nach. Das gute, das einzig gute an der Sache ist, dass ich mich bei dieser Krankheit nicht um meinen Gesundheitsfortschritt kümmern muss. Ich kann mich einfach hinlegen, und warten, dass die Medikamente und die Ärzte tun, was sie tun müssen. Nicht wie bei meinen Depressionen – da muss ich ja aktiv mitarbeiten. Bei meinem Herz kann ich mich ins Bett legen, OC und Fernsehn schauen, und das wars.
Es ist also jetzt so, dass ich am Montag noch ein paar Untersuchungen habe, CT und MRT. Und es wird am Montag dann wohl auch der OP-Termin festgelegt. Am Dienstag Morgen fahre ich dann zurück in die Psycho Klinik, hole meine restlichen Sachen und verabschiede mich von der Gruppe, in der ich war. Dann, ab Donnerstag, fahre ich an’s Meer. Nach Travemünde. Meine Mutter und ich buchen zwei Hotelzimmer, im dem grössten Hotel dort, dass man vom Balkon auch das Meer sehen kann. Am 29.04. habe ich dann einen weiteren Arzttermin in der Herzklinik. Ich denke mal, dass der OP-Termin dann Anfang Mai sein wird. Vor der OP muss ich drei Tage hier sein, für vorbereitende Untersuchungen. Nach der OP dann zwei Wochen Nachsorge in der Herzklinik, danach 4-5 Wochen Reha, danach dann ca. einen Monat auf freien Therapieplatz in der Psychoklinik warten, und dann nochmal 3 Monate in der Psychoklinik.
2010, das Krankenhausjahr…
geschrieben von: SoulReaper696
Eintrag Nr. 5
19.04.2010 17:30
Der Termin, wann ich wieder stationär gehe, steht fest - 14.05.2010.
Na, das ist doch okay.
Was mich viel mehr nervt, sind meine Eltern, insbesondere meine Mutter, die es partout nicht verstehen will,
warum ich keine Lust habe, in der Wohnung unter ihnen zu wohnen.
Auch versteht sie nicht dass ich lieber im Krankenhaus bin, als die Nacht bei denen zu verbringen.
"Ja, du kannst es dir heute hier doch so gemütlich machen! Kannst baden, was essen, tun und lassen, was du willst..."
Nein, danke. Ehrlich, nein. Ich bin 22 und nicht 15.
Eine gewisse Distanz sollte gewahrt werden.
Ich glaube, sie wollte nie, dass ich erwachsen werde. Abgesehen davon denke ich eh, dass sie lieber ein Mädchen wollte,
als einen Jungen. Tja, so wurden wir beide enttäuscht.
Wenn sie sagt, hey komm doch zu uns du machst dir bei uns ne schöne Zeit, könnte ich mit der Faust gegen Stahlgitter schlagen.
Diese Frage & das Unverständnis, warum ich das nicht will, recht mich total auf. Ich könnte schreien, wenn ich
sowas hören muss. Das ist so abstrakt!
Nahezu lächerlich, ich kann nicht verstehen, dass sie nicht nachvollziehen kann, dass ich nicht so viel in der Wohnung von denen
sein will. Naja, ich muss es ja auch nicht.
Es gibt ja auch helle Momente, ab kommenden Donnerstag fahre ich ja mit ihr zusammen nach Travemünde, ans Meer, etwas
Urlaub machen.
Ein Hotel, zwei Zimmer, sie fährt Sonntag wieder, ich bleibe dann bis nächste Woche Mittwoch.
Das geht. Und darauf freue ich mich auch schon.
Wie gesagt, helle Momente. Wenige, aber es gibt sie.
geschrieben von: SoulReaper696
Silke Bischoff - Marry me (unplugged)
Wir hatten so eine schöne Woche!
Ich erinnere mich noch, wie ich in der endlos langen Schlange bei Toom stand, mit dir am Telefon, und du mir von deinen Sorgen erzählt hast. Dass du mal weg möchtest, Urlaub brauchst, eine Pause, einfach mal hinaus. Ich kenne das Gefühl gut, hatte ja selbst kürzlich die Chance, mal wegzukommen. Das war ganz schön, die vier Tage am Meer. Aber die Zeit mit dir war weitaus schöner, obwohl wir 'nur' bei mir heime waren.
Ich hätte niemals erwartet, dass wir mal zusammen in der Schlange bei Toom stehen würden.
Vor zwei Wochen habe ich nichtmal gedacht, dass wir uns jemals sehen würden. Du wohnst doch so weit weg, diese Strecke ist doch kaum zu überwinden! Quatsch. Du hast mir gezeigt, wie leicht es geht, diese Entfernung zu überbrücken.
Ich fand die Zeit mit dir wunderschön; ich habe mich schon so sehr an dich und deine Anwesenheit gewöhnt, dass ich richtig das Gefühl habe, dass ein Teil von mir fehlt. Wahnsinn - nach so kurzer Zeit!
Die gemeinsame Zeit mit dir war... es war, als würden wir in einer anderen Welt sein. Die alltäglichen Dinge gab es nicht mehr, wurden unwichtig. Ich habe nur noch Augen für dich. All mein Gefühl, meine Zuneigung, mein Wunsch nach Nähe bezieht sich nur noch auf dich.
Dann ging ja alles ganz schnell, und ich bin froh, dass es so war. Ich bereue nichts. Ich trage meine Erinnerungen mit Stolz, ich bin froh, dich zu haben.
Nun gibt es kompromisslos nur noch dich. In meinen Gedanken bin ich ímmer bei dir. Und bald, in ein paar Monaten, machen wir es entgültig...
geschrieben von: SoulReaper696
Es ist echt extrem, wie sehr sie mir fehlt. Sie ist grade mal seit ca. 9 Stunden weg und ich habe das Gefühl, dass mir ein Bein oder ein Arm oder sonst was wichtiges fehlt.
Gerade habe ich Google Maps angeschaut. Als sie noch hier war, hat sie mir den Ort gezeigt, in dem sie wohnt, und auch genau auf ihr Haus gezoomt. Es ist abgefahren, daran zu denken, dass in dem Moment, als das Bild vom Satelliten gemacht wurde, sie vielleicht grade zuhause war, irgendwie also auch auf dem Foto war. Es ist komisch, zu sehen, wo sie wohnt, und doch noch nie dort gewesen zu sein. Obwohl wir uns so nahe sind, ist sie so weit weg.
Es ist sehr schwer, damit umzugehen. Es macht mich traurig, dass die, die ich liebe, so weit weg von mir ist.
Ich habe zu nichts richtige Lust. Ohne sie macht alles nicht halb so viel Spaß, wie wenn sie bei mir in der Nähe ist.
Jetzt, da sie weg ist, ist alles irgendwie grauer.
Die Musik hat weniger Bass, die Marmelade ist weniger süß, die Luft ist kälter, mein Bett leerer.
Ich mag das nicht. Ich mag es nicht, ohne sie zu sein.
Aber ich muss. Noch.
Meine Gefühle, die ich jetzt habe, bestärken nur meinen Entschluss.
geschrieben von: SoulReaper696
Es ist schon schwer für mich, eine Beziehung zu führen. Oft fühle ich mich einfach so unsicher.
Wie sage ich, was ich fühle, ohne dass mein Partner es falsch versteht?
Wie ist es möglich dass sie mich trotz meiner ganzen Eigenarten aufrichtig liebt?
Ich empfinde mich selbst als Anstrengend. Meine Panik-Schübe sind teilweise so komplex, dass ich nicht mal beschreiben kann, um welche Problematik es eigentlich grade geht. Ich weiß, dass ich sie unbedingt will, und ich bin fest überzeugt davon, dass sie die richtige für mich ist. Wir ähneln uns einfach in sehr vielen Punkten.
Trotzdem ist es so, dass ich nicht jedes Mal, wenn ich ein Problem habe, mit ihr darüber sprechen kann. Es würde die Beziehung einfach vergiften. Ich habe sowas schonmal erlebt. Ich hatte versucht, immer, wenn es mir schlecht ging, Halt und Schutz von meiner Partnerin zu kriegen. Das schlimme aber ist, dass mich meine Partnerin in meinem Wahn nicht immer auffangen kann. Manchmal konnte sie mir einfach nicht helfen. Und diesen Punkt hat sie damals als Begründing genannt, warum sie nicht mehr mit mir zusammen sein konnte: "Es tut so weh, dich leiden zu sehen, ohne dass ich dir helfen kann."
Das verstehe ich schon. Also bedeutet es, dass ich eine Krankheit habe, die ich in gewisser Weise - zumindest manchmal - vor meiner Partnerin verheimlichen muss. Das ist irgendwie echt schlimm. Und extrem anstrengend. Wie viel kann ein einzelner Mensch ertragen?
Manchmal weiß ich echt nicht mehr, was ich tun soll. Ich habe nun eine tolle, wunderschöne Freundin, die mir so liebe SMS schreibt, und wenn wir reden, und sie mir was liebes sagt, rührt sie mich ganz tief. Aber ich habe so viele Selbstzweifel, das ist echt schlimm. Ich bin echt fertig.
Wir wollen ja zusammenziehen, sie vermisst mich so. Und ich sie. Klar, ich höre schon, wie Bekannte von mir zu mir sagen: "Mensch ey, das ist total überstürzt und nicht das richtige für dich, mach das bloß nicht!!"
Aber irgendwie ist mir das egal. Ich weiß, dass das ganze sehr schnell geht mit uns, aber trotzdem, ich habe das Gefühl, dass es das richtige ist, mit ihr und mir. Ich will sie bei mir haben, für immer, auf jeden Fall.
Also wir wollen es jetzt so machen, dass ich ja meine Herz-OP habe am 17.5., ins Krankenhaus muss ich wieder zurück am 14.05.
Nach der Operation muss ich wohl noch so eine Woche im Krankenhaus bleiben, einfach zur Nachsorge, um zu schauen ob alles 'gut funktioniert'.
Dann die Reha-Zeit. Drei Wochen gymnastische Übungen usw. in einer anderen Klinik. Ich habe schon geschaut, es gibt eine, die ist ganz in der Nähe von meiner Partnerin. Das ist schön, denn den Aufenthalt zahlt die Krankenkasse - und man kann frei wählen, wo man die Reha machen will. Ich werde die Reha also in der Nähe von ihr machen. Das ist schön. Aber irgendwie auch eine seltsame Situation. Ich habe noch nie Reha gemacht, ich weiß nicht, wie das ist.
Wenn wir über das Herz-Thema reden, sagt sie immer Sachen zu mir wie "Wir schaffen das schon" oder "Es wird alles gut gehen."
Wie ist das? Ich bin in dem Reha-Zentrum, in meinem Zimmer, sie kommt rein...Ich bin grade dabei, mir ein T-Shirt anzuziehen, und sie sieht meine Narbe auf der Brust. Ich habe einfach Angst, dass sie davon geschockt ist oder es abstossend findet. Wir haben auch darüber schon geredet. Sie ist so toll; sie hat gesagt dass sie auch einige Macken an ihrem Körper hat, mich also nachvollziehen kann und das kein Problem sein wird...
Ich finde den Gedanken auch seltsam, dass wir dann mehr oder weniger den ganzen Tag miteinander verbringen werden, und uns dann Abends aber wieder verabschieden müssen, weil ich in der Klinik schlafen muss und sie Zuhause. Vielleicht ist es möglich, dass ich an den Wochenenden bei ihr Zuhause bin, ich weiß es nicht. Es gibt so viele Dinge, so viele Fragen, die geklärt werden müssen.
Es ist eine aufregende Zeit. Alles verändert sich, ist im Umschwung. Auf der einen Seite freut mich das, auf der anderen Seite ist es unheimlich anstregend. Ich bin zu sensibel, als dass ich gut mit solchem Stress umgehen kann. Ich brauche Ruhe, Stabilität, meine Frau.
geschrieben von: SoulReaper696
Auf jeden Fall muss ich endlich anfangen, mehr Möglichkeiten zu finden, mich zu beruhigen. Wege aus der Angst, oder so. Wege aus dem Wahn. Ich will es unbedingt. Während ich diesen Entschluss fasse, habe ich eine Gänsehaut.
Ich bin einfach nur total wütend, auf meine Depressionen. Diese Dreckscheiße hat mir so viel zerstört - und ich werde es nicht mehr zulassen, dass mir meine Krankheit noch mehr von meinem Leben zerstört. Ich muss dieses Gefühl, diese Enscheidung nur irgendwie halten. Stark sein. Das ist heftig.
Ich fühle mich, als wäre die letzten Jahre ständig mit langen Messern auf mich eingestochen worden. Ich liege am Boden und aus mir suppt voll das Blut raus. Ich muss aber trotzdem aufstehen und jetzt verdammt nochmal kämpfen, sonst bin ich bald voll am Arsch.
Scheiß Krankheit, scheiß Depressionen!
Mir bietet sich einer wirklich himmelsgleiche Welt. Ich muss nur das Leid und die Verzweiflung aus meinem Leben verbannen.
Stärker sein als die Schwärze!
Ich fühle mich wie ein Krieger, irgendein brutaler, schreckenerregender Kämpfer und ich brülle dieses von schwarzem Gift triefende Monster an, das vor mir steht und die Krallen nach mir ausschlägt.
Ich bin nahe am weinen grade aber ich bin innerlich so entschieden, dass ich diese Hure von zerstörerischer Krankheit zerfleischen werde wie die verdammten Psychos in den Splatterfilmen. Ich werde mich aufführen wie ein Irrer, aber ich werde diesen Bastard in mir bekämpfen und töten.
Ich bin so voller Wut gerade, dass ich Gänsehaut bekomme, immer wieder.
Ich will diese Scheiße nicht mehr. Mein Leben!
Meine Partnerin hat mir eben eine SMS geschrieben. Ich freue mich. Sie ist hier. Seelisch. In ihren Gedanken.
Ich kämpfe für uns, und ich lasse die Missgeburt ausbluten, wie sie mich hat ausbluten lassen. Ich bin stärker! ICH.
Heute ist wirklich ein wunderbarer Tag. Echt, ich komm kaum aus der Freude raus.
Zuerst ist heute mein Computer abgeschmiert. Sieht aus wie ein Grafik-Fehler, auf jeden fall kann ich froh sein, wenn ich die Kiste im abgesicherten Modus hochgefahren kriege. Das Teil ist also so gut wie Schrott, und ich kann mir keine Ersatzteile kaufen.
Okay, zum Glück habe ich noch einen Laptop, aber der ist auch eher ein bisschen anfällig für irgendwelche Systemfehler, sodass das auch keine zuverlässige Alternative ist. Echt herrlich. Ich habe tief durchgeatmet, bin ein bisschen verzweifelt durch die Wohnung gelaufen, aber ich habe das überwunden.
Okay, raus auf die Strasse - zur Krankenkasse, klären ob ich Krankengeld beziehen kann und ein paar andere Dinge wegen der Operation abklären. Bei der Krankenkasse angekommen, erklärte man mir, dass ich keinen Anspruch auf Krankengeld hätte, und dass ich sowieso noch für 2009 monatlich 140 € nachzahlen müsse, weil ich 2009 in keinem ausreichenden Arbeitsverhältnis war, sodass ich meine Beiträge hätte selber zahlen müssen, was ich aber versäumt habe. Schönen Dank auch. Ich will mir gar nicht ausrechnen, wie viel das ist.
Im Endeffekt bedeutet das jetzt, dass ich ab heute wieder anfangen muss, Flaschen zu sammeln und zu schnorren.
Ich bin einfach total abgebrannt, und wenn ich das mit dem Umziehen zu meiner Partnerin durchziehen will, und nebenbei auch noch meine ganzen Schulden bezahlen will, muss ich jedes Geld nehmen, das ich kriegen kann.
Und ich werde auch anfangen, alles zu verkaufen, was ich irgendwie entbehren kann. Toller Tag!
Vorhin war ich ja unterwegs, und da habe ich gehört, dass ich eine SMS gekriegt habe. Ich hab auf mein Handy gesehen, aber da war nichts. Keine neue Nachricht. Ich könnte aber schwören dass ich den Ton gehört habe. Nun denke ich die ganze Zeit, dass meine Partnerin mir eine Nachricht geschickt habe. Ich will sie aber nicht fragen, weil ich nicht will, dass sie denkt, dass ich klette.
Dieser Tag macht mir echt Rückenschmerzen. Stressbedingte.
Ich nehme jetzt erstmal ein paar Glücklichmacher.
Ist echt zu viel für mich.
geschrieben von: SoulReaper696
Es ist schon beruhigend für mich, wenn ich mit ihr reden kann. Gerade zum Beispiel schreiben wir im Internet, über ICQ.
Meistens sind wir auch auf einer Linie, und verstehen uns ganz gut.
Das lässt mich dann für einen Moment vergessen, dass ich so starke Verlustängste habe.
Momentan komme ich einigermassen mit der Situation klar, obwohl es mich schon ärgert, dass sie von einem völlig Fremden auf youtube angemacht wurde, weil sie ja als Tänzerin in einem Video mitmacht. Aber damit werde ich wohl einfach leben müssen.
Wird schon...
geschrieben von: SoulReaper696
Liebste M.,
Manchmal weiß ich leider nicht, was das richtige ist:
dir ehrlich und offen sagen, wie schlecht es mir geht und was ich mir immer und immer wieder für gleiche Fragen stelle und dich damit vielleicht überfordern?
Oder sollte ich lieber schweigen, es dir nicht zeigen, wenn es mir schlecht geht, und dich schonen?
Niemand sieht gern diejenigen, die man mag, leiden.
Deswegen werde ich also versuchen, dir nicht immer zu zeigen, wenn es mir grade mies geht. Ich versuche nur, irgendwie klarzukommen.
Es ist nicht gerade leicht, dass du so weit weg bist. Du fehlst mir sehr, und ich weiß nicht, wie oft ich dir das noch sagen kann, bevor es dich langweilt oder sogar nervt. Ich habe einfach immer total Panik davor, irgendetwas falschzumachen, und deswegen denke ich viel zu viel nach, was auch nichts leichter macht.
In den schwierigen Situationen sage ich mir immer wieder, dass du mir doch gerade vor kurzem erst gesagt hast, dass du mich sehr magst, dass ich dir fehle, dass du es dir genauso wie ich wünscht, mit mir zusammenzuwohnen.
Ich versuche, so fest an deine Worte zu denken, wie ich kann. Ich gebe wirklich mein bestes. Beisse innerlich die Zähne ganz fest aufeinander.
Ich will es wirklich schaffen - für uns. Ich hoffe, und wünsche mir von ganzem Herzen, dass du geduldig und aufopferungsvoll mit mir sein wirst.
Ich gebe mein bestes - Versprochen!!
dein Partner
geschrieben von: SoulReaper696
Als ob mein Leben noch nicht schwer genug wäre....
Abgesehen davon, dass ich Depressiv bin (seelisch krank) und dazu noch einen schweren Herzfehler habe (körperlich krank), dazu noch eine Freundin habe, die ich sehr liebe, sie aber leider über 800 Kilometer von mir weit weg wohnt, und sie auch schwer krank ist (eine chronische, unheilbare Krankheit), bin ich jetzt noch mit einer Ex-Freundin gesegnet, die sich zwar in einer Partnerschaft befindet - mich trotzdem gestern einfach geküsst hat. Natürlich wollte ich das gar nicht.
Oh man, bin ich ausgeflippt. Was soll man in so einer Situation tun?
Wenn ich es meiner Partnerin sage, vertraut sie mir vielleicht nicht mehr. Vielleicht glaubt sie nicht, dass ich es nicht wollte. Vielleicht kann sie mich nie wieder küssen, ohne dass es ihr wehtut!
Ich war so verzweifelt, dass ich wieder geschnitten habe. So tief, dass ich nun einen Verband tragen muss.
Ich habe es ihr gesagt, gestern Abend. Sie hat geweint. Nicht wegen des Kusses, sondern weil ich nach dem Kuss nicht das Gespräch mit ihr gesucht habe, sondern weil ich lieber geschnitten habe als mit ihr darüber zu reden. Sie hat gesagt, dass sie mir verzeiht. Ich habe ihr gesagt, dass ich nie wieder so etwas tun werde, sondern immer zuerst mit ihr reden werde.
Ich liebe sie mehr als alles auf der Welt, das habe ich gesagt. Ich würde es nicht aushalten, sie zu verlieren.
Eisbrecher - Ohne Dich
geschrieben von: SoulReaper696
Eben hat sie mir am Telefon gesagt, dass sie lieber nicht möchte, dass ich beim Amphi Festival dabei bin.
Sie hat auch versucht, mir das zu erklären, und findet, dass man, wenn man mit seinem Partner irgendwo ist, das Hauptaugenmerk auf dem Partner liegt. Deswegen findet sie, dass man, wenn man mit seinem Partner dort ist, Sachen vom Festival verpasst, die man sonst erlebt hätte.
Es geht hier um ihren Freiraum, den ich ihr unbedingt lassen will.
Ich vertraue ihr ja, ich weiß, dass sie niemals etwas tun würde, dass unsere Beziehung auf's Spiel setzen würde.
Und ich sehe es auch so wie sie, dass es etwas anderes ist, ob man nun mit seinem Partner weggeht oder nicht. Für sie bin ich gerne Stark.
Meine einzige Sorge ist, dass ich nicht auf sie aufpassen kann. Ich habe einen sehr starken Beschützerinstinkt - ich finde das richtig so. Wenn es nicht so wäre, dann würde das ja bedeuten, dass sie mir egal oder zumindest weitaus weniger wichtig ist.... Also sollte es so sein, dass ich Angst habe, dass ihr was passiert.
Aber für uns werde ich stark sein.
Dieses Glück darf und wird niemand zerstören (können).
Alles für uns ! ! !
geschrieben von: SoulReaper696
Meine Ängste machen mich echt fertig. Ich liebe meine Partnerin, und ich vertraue ihr auch, das ist definitiv so.
Leider gibt es aber ein aber: Ich habe furchtbare Verlustängste.
Ich glaube, dass andere, wenn sie in meiner Situation wären, sie schon lange Ex gegangen wären.
Ich frage mich manchmal, woher ich die Kraft nehme. Ich bin so müde, ich habe als Stresssymptom schlimme Rückenschmerzen.
Was seltsam ist, ist dass ich tagsüber vergleichsweise viele Antidepressiva nehme, zum schlafen aber keine mehr brauche. Wenn ich mich frage, wieso, fällt mir nur die Antwort ein, dass wir gemeinsam in diesem Bett lagen. Und sie hat mir ein kleines Kuscheltier geliehen, für die Zeit der OP. Aber dieses Kuscheltier hilft mir schon jetzt ungemein. Ich fühle mich am wohlsten, wenn ich im Bett liege und das Kuscheltier halten kann.
Ein T-Shirt, das nach ihr riecht, habe ich auch hier. Das ist schön.
geschrieben von: SoulReaper696
Morgen wird es ernst.
Morgen früh werde ich in's Krankenhaus zurückgehen.
Die schwerste Zeit meines Lebens.
Ich bin dabei, die letzten Gespräche mit Freunden und Verwandten zu führen, vor der Operation.
Nun ist also doch alles anders.
Weil abzusehen war, dass am Montag zwei Notfall-OP's sein werden, wurde mein OP-Termin auf Dienstag Früh verlegt.
Noch mehr warten; noch mehr diese Sache vor sich her schieben.
Ok, lässt sich nicht ändern - Pech.
Meine Partnerin ist toll.
Sie hat mir heute so eine liebe SMS geschickt....
Ich freue mich immernoch darüber.
geschrieben von: SoulReaper696
Wir sind wie Eisblumen, viel zu schön für den Tag
Liebling, ich möchte dir danken. Das Gespräch, das wir gestern hatten, war total schön. Ich habe noch lange über das nachgedacht, was du gesagt hast. Manchmal wirft es mich um, was für Gefühle du in mir auslösen kannst. Es ist, als würde ich warmen Kakau trinken - weich, süß, beruhigend.
Am liebsten würde ich dir jeden Tag danken dafür, dass du so wunderschöne Dinge mit mir machst. Was du einfach manchmal zu mir sagst, ist wie eine weiche Decke, in die du mich einhüllst. Durch dich wird mein Leben so viel lebenswerter.
Wenn ich aufstehe, sind meine Gedanken bei dir. Ich halte dein Kuscheltier fest, wenn ich einschlafe & aufwache.
Wenn ich unterwegs bin, habe ich deinen Ring, die Herzen, die uns verbinden und deinen Schal. Es ist einfach wunderschön.
Ich liebe dich.
Wir sind wie Eisblumen, wir blühen in der Nacht
geschrieben von: SoulReaper696
15.05., ganz schön lange her.
Fast schon ein bisschen albern, jetzt wieder hier reinzuschreiben, nach so langer Zeit.
Also die Operation ist rum, ich habe sie Überlebt - aber nur knapp. Wäre fast verblutet, bla bla, ich war drei Tage durchgehend in Narkose. Weil sie mich nicht direkt wieder zunähen konnten, weil ich sonst in den Bauchraum geblutet hätte. Abgefahren.
Die Halluzinationen von den Medikamenten (so 30 verschiedene, kein Witz), in der Nacht....das war krank. Einmal, weiß ich noch, da habe ich vor mir eine Frau gesehen in einem Kleid, und ein Mann war da mit einem gelben Fahrrad. Ich war überzeugt, wenn ich nichts trinke, stirbt die Frau. In dieser Nacht habe ich glaube ich 4 Liter Wasser getrunken.
Hatte mal einer von euch Schluckauf, nachdem ihm der Brustkorb aufgesägt, 3 Tage offengelassen und dann mit Draht wieder zusammengebunden wurde? Ich hatte nie gedacht, dass ich mal wegen eines Schluckaufs nach Morphium schreien würde. Apropos, man sagte mir, ich hätte im Wahn um mich geprügelt, sodass man mich in den 11 Tagen auf Intensivstation zeitweise ans Bett gebunden hatte. Psychoooooo xD
Raus aus dem Krankenhaus (Meine kleine hat mich sogar extra im Krankenhaus besucht, ist extra 850 km gefahren, von Bayern halt), das war fein. Huiii....und wir waren, weil ich dann auch entlassen wurde, alle zusammen bei meinen Eltern...mei...das war ja was. Komisches gefühl, meine Partnerin meinen Eltern vorzustellen. Naja.
Dann Reha.
Zum Kotzen, die Zeit. Ich habe tatsächlich sogar wirklich mehrmals spucken müssen, von den Schmerzmitteln. War ne tolle Zeit. Haha.
Nach der Reha habe ich sie dann bei sich zuhause besucht. Zum ersten Mal. War eigenartig, das Leben in Bayern ist ganz anders als in Hamburg. Aber es hat mir gut gefallen, also habe ich mir in der Woche nen Job gesucht, ne Wohnung, und das wars dann. Ich wohne jetzt mit ihr zusammen in einer hübschen, grossen und trotzdem günstigen Wohnung (in Bayern!!!!!), und abgesehen davon, dass die Firma mich wieder gekündigt und ich sie verklagt habe, läuft eigentlich alles super.
Auch mit dem Herzen - eigentlich war die Überlegung, ob wir ne Transplantation machen sollten, aber es hat sich etwas erholt, und ich Ruhe mich jetzt erstmal weiter aus.
geschrieben von: SoulReaper696
Ich glaube, dies ist als neuer Abschnitt in meinem Pfad zu sehen.
Eigentlich sollte ich, ob der Grösse dieses Themas, einen komplett neuen Pfad öffnen, aber ich will diesen hier auch nicht komplett "stilllegen".
Daher bleiben wir hier.
Die neue Überschrift lautet:
Zwei Striche
Melanie ist schwanger.
geschrieben von: SoulReaper696
Irgendwie fühle ich ich mich unwohl. Nicht, dass ich das Kind nicht will, es ist nur abgefahren, was dieses Jahr so alles für mich bereithält. Herzoperation, 850-km-Umzug, die Schwangerschaft...
Ich muss mich einfach erstmal auf diese neue Situation einstellen. Mich daran gewöhnen.
Ein mächtiger Haufen Umstellungen.
Ich bin müde. Ich würde gerne etwas schlafen, aber das geht nicht:
Ich muss zuerst frühstücken, dann Wäsche ab- und aufhängen, dann Dinge bei eBay einstellen, die ich nicht mehr brauche (Geld scheffeln!), danach hole ich Melanie von ihrer Fachschule ab, wir gehen zu ihrem Frauenarzt um zu schauen, wie sich ihre Tabletten (sie hat Morbus Crohn, eine chronische Darmentzündung) mit der Schwangerschaft vertragen. Danach bringe ich sie zurück zur Schule, gehe kurz einkaufen, dann mache ich Mittagessen, danach muss ich aufräumen und die Küche ist nach gestern Abend auch recht verwüstet. Wir haben nämlich die zwei Striche mit (alkoholfreien) Coconut-Kiss-Cocktails, Mini-Cordon-Bleu's und Wedges gefeiert. Boah. In dem Bauch meiner Partnerin wächst ein kleiner Mensch.
In acht Monaten werde ich mein Kind in den Händen halten.
Ich kann nur ungläubig den Kopf schütteln.
Ich bin schon jetzt absolut überwältigt.
geschrieben von: SoulReaper696
Nun ist es unumstössliche Wahrheit:
Sie ist schwanger.
Wir waren eben bei ihrem Frauenarzt. Der hat sie mit so einem Röntgenstab untersucht, oder so. Neben mir liegt so ein Ultraschallbild. Da ist eine graue Fläche, und mitten drin ein kleiner, schwarzer Fleck. Das ist die "Eiblase" oder so. Zu sagen, dass das mein Kind ist, geht zu weit (weil sie wohl erst vor 3-4 Wochen empfangen hat) aber da wird mein Kind bald wachsen. In ihrem Bauch.
Neben dem Bild liegt der positive Schwangerschaftstest.
Und eine Probepackung "Stilleinlagen", die soll man sich wohl in den BH tun. Überhaupt liegen hier super viele Broschüren, Magazine, Flyer - alles von dem FA, die Empfangsdame hat uns eine ganze Leinentasche vollgepackt mit dem Infomaterial.
Ernährungspläne, Vitamin-Präparate-Ratgeber, Toxoplasmose in der Schwangerschaft? Herrje! Das wird ... toll.
geschrieben von: SoulReaper696
Vorhin war ich in der Stadt, auf der Suche nach einem "Babybuch":
Das ist eine Mischung aus Tagebuch und Fotoalbum.
Es hat 20 € gekostet. Nun können wir dort Namen reinschreiben, die uns gefallen, Ultraschallbilder einkleben, unsere Erfahrungen reinschreiben, und so weiter. Es liegt drüben, auf dem Wohnzimmertisch. Aussen ist es mit Stoff bezogen, es sind Bären drauf und Hasen und Füchse und Igel und Katzen und noch andere Tiere.
Eben habe ich noch eine email geschrieben an meinen Anwalt, der die Firma verklagt, bei der ich gearbeitet hat und die mich ohne Grund gefeuert hat. Ich will wissen, wielange es noch dauern wird, bis ich mein restliches Geld bekomme. Und jetzt stelle ich noch ein paar Dinge bei eBay rein:
Ein paar Kopfhörer, einen transportablen DVD-Player (mit Bildschirm), und was ich noch so auf dem Dachboden finde, was kein Mensch braucht.
Apropos: Hat einer von euch Mitlesern eventuell
a) einen Kinderwagen
b) ein Kinderbett
c) einen Laufstall
d) einen Wickeltisch
e) Klamotten oder
f) sonstige Dinge für Kinder,
die ihr mir verkaufen würdet?
Selbstverständlich würde ich es auch geschenkt nehmen, wenn ihr nichts dafür haben wollt. Oder Tauschen? Fragen kann man ja. :D
Aber Porto würde ich euch definitiv mindestens erstatten. Logisch.
geschrieben von: SoulReaper696
Ihre Eltern wissen es jetzt.
Sie hatte bei Facebook in ihren Status geschrieben "ich werde mami!".
Das hat ein Arbeitskollege ihres Vaters gesehen, und der kam zu ihm, um zu gratulieren. Nun, das war wohl eine Überraschung. Gestern Abend rief ihre Mutter an, und war wohl ziemlich entsetzt, aber auch extrem negativ.
"Wie konntest du nur, gerade jetzt, dein Studium kannst du direkt vergessen, das ist doch schrecklich!" Und dann hat sie scheinbar einfach aufgelegt.
Dass sie erschrocken ist, werfe ich ihr nicht vor. Finde ich in gewisser Weise sogar nachvollziehbar. Was ich allerdings nicht in Ordnung finde, ist dass sie in diesem Ton mit Melanie gesprochen hat. Was wir am wenigsten brauchen können, ist unnötigen Stress. Niemand hat was davon, dass sie auf diese Art und Weise an die Sache herangeht.
Und zum zweiten finde ich es nicht okay, dass ihre Mutter ihr nicht mal die Möglichkeit gegeben hat, sich auch zu äussern. Melanie's Schule zeigt sich sehr kooperativ ("Mach einfach weiter, solange es geht, dann machst du eine Kinderpause und wenn du wieder fit bist, kommst du zurück"), Geld wird auch schon reinkommen. Es gibt immer einen Weg, und es ist ja nun auch nicht so, dass wir chronisch Pleite sind oder so.
Was wir jetzt brauchen, sind eine Familie und Freunde, die unsere neue Situation zumindest akzeptieren.
Ich habe es meinen Eltern noch nicht gesagt. Irgendwie habe ich Angst davor. Nicht, dass ich glaube, sie werden mich verstossen oder so. Ich finde nur, dass sie es nicht verdient haben, so erschreckt zu werden. Ich befürchte, es gibt keine sanfte Methode, sowas mitzuteilen. Höchstens, dass ich ab und zu immer wieder Andeutungen mache, wenn ich direkt gefragt werde, aber verneine. Was mir aber auch nicht so recht gefallen will, weil ich das Gefühl habe, indirekt mein Kind zu verleugnen, und zweitens weil ich am liebsten sofort allen auf der Welt sagen würde, dass ich Vater werde.
Es fällt mir gerade wirklich schwer, meine Eltern nicht einfach anzurufen und denen das zu erzählen.
geschrieben von: SoulReaper696
Ist alles etwas viel momentan.
Was mich am traurigsten macht, ist, dass wir kaum noch Kontakt zueinander haben. Sie geht wieder zu ihrer Schule. So eine Uni-ähnliche Einrichtung. Ist ja auch egal, jedenfalls sehen wir uns nun den ganzen Tag nicht mehr. Das einzige körperliche, was zwischen uns noch stattfindet, ist ein (kurzer) Kuss zum Abschied morgens und ein ebenso kurzer Kuss wenn wir im Bett liegen, jeder auf seiner Seite, zum Gute-Nacht-sagen. Wenn sie nach Hause kommt, sprechen wir sehr wenig. Sie sitzt am Laptop, schaut Fern. Ich sitze daneben, in mir schreit es nach Aufmerksamkeit....ein Glücksfall, wenn ich ein Lächeln von ihr bekomme. Es tut weh, das zu schreiben, aber momentan habe ich mehr das Gefühl, wir wären WG-Partner. Da sind so gut wie keine Zärtlichkeiten mehr zwischen uns. Und wenn, dann geht es von mir aus. Nichts, was ich mache, ist noch gut genug. Gerade vor 10 Minuten noch musste ich mir einen endlos genervten Seufzer anhören und danach eine giftige Aussage, dass wenn ich die Socken schon zusammenlege, wenigstens auch die richtigen zusammensortieren soll. Manchmal habe ich das Gefühl, niemand kann es ihr recht machen. Ich zahle ihr die Wohnung, Strom, Wasser, teure Lebensmittel, Stoffe zum Nähen, einfach alles, was sie mehr oder weniger braucht. Sie nimmt nicht mal die Tabletten, die wichtig sind für das Baby, was sie im Bauch hat. Zumindest nicht regelmässig. Oft muss ich sie daran erinnern. Ich bin langsam einfach an der Grenze meiner Kräfte. Immer muss ich der Starke sein. Der, der ihre Launen erträgt; der, der vernünftig reagiert und nicht zurückschreit. Ich bezahle alles und kriege nichts dafür zurück ausser Unfreundlichkeit und Kälte. Immer soll ich kämpfen. Immer soll ich wissen, was das richtige ist. Da wird mir echt übel. Ich könnte heulen. Und mein Herz tut weh. Dieser Stress ist zu viel. Aber was soll ich tun? Ich verlasse sie nicht, ich liebe sie ja. Aber ich glaube, wir sollten mal reden. Weil so, wie es jetzt ist, kann es auch nicht bleiben. Wieso ist es eigentlich niemals leicht?
geschrieben von: SoulReaper696
Vorhin beim Kardiologen:
"Die Medikamente verbessern ihre gesundheitliche Lage nicht. Ich denke, wir sollten mal über das Einsetzen eines Defibrillators nachdenken."
Herrlich
geschrieben von: SoulReaper696
Also es ist jetzt schon erstaunlich.
Ich hab gestern dann mit ihr Gesprochen über meine Sorgen und wie es mir geht. Sofort hat sie sich dann zu mir gesetzt und sich an mich dran gedrückt. Ich glaube, manchmal traut sie sich einfach nicht.
Naja, danach hatte sie dann noch die Idee, dass wir ja schwimmen gehen könnten um auch mal was zusammen zu machen. Haben wir dann auch gemacht. Das war wirklich schön, und entspannend. In einer Therme, mit super warmem Wasser, und so extra Becken mit Salzwasser, Schwefel und noch was, das hab ich wieder vergessen. Aber es war ein wirklich schöner Abend. Sollten wir wiederholen.
geschrieben von: SoulReaper696
Mhm, eigentlich weiß ich gerade gar nicht so richtig, was ich schreiben soll, aber ich mache es trotzdem. Schaden tut es bestimmt nicht.
Meine Nase ist so dermaßen verstopft, dass ich dadurch Kopfschmerzen habe. Das ist echt bitter. Ich war gestern beim Arzt (wie so oft) und der hat festgestellt, dass ich wohl iwas hab im Rachen, entzündet oder so. Wenn ich sowas höre, denke ich immer sofort an's Herz. Bakterien können nämlich sehr schnell die empfindlichen Herzklappen angreifen. Und eine erneute Herzklappen-OP wäre der absolute Horror für mich.
Das ist sowieso so eine Sache. Gestern sah ich im Fernsehn eine Frau, die sich Fett im Kinnbereich hat absaugen lassen, und eine andere, die Brustimplantate bekommen hat. Klar weiß ich nicht, wie weh sowas tut, aber die haben getan, als wäre ihnen gerade ein Bein ausgerissen worden. Ich denke dann immer nur, dass solche Leute mal meine Operation (und die Folgebeschwerden) durchstehen sollten. Ganz abgesehen von dem aufgesägten (und mit Draht wieder zusammengebundenen) Brustkorb und der 20 cm Narbe (mit vier Löchern darunter, von Kabeln und Schläuchen), gibt es da immernoch meinen linken Unterarm, der ab dem Ellebogen komplett extrem berührungsempfindlich ist (Nervenschaden aufgrund eines Lagerungsfehlers), was wahrscheinlich nie mehr aufhören wird...dort kann ich Berührungen nicht ertragen. Dann meine Nasenschleimhäute, die durch die Schläuche, die sich mehrere Tage in meiner Nase aufhielten, derart gereizt und empfindlich sind, dass sie manchmal immernoch bluten und somit trotz regelmässiger Anwendung von einer speziellen Salbe noch nicht verheilt sind.
Und jetzt reden wir mal von den Tabletten!
Morgens sechs verschiedene, Mittags zwei, und abends drei. Beta-Blocker, Marcumar (Blutverdünner - Hey, cool, ich habe die Ehre, ein Medikament nehmen zu dürfen, das mich zum Bluter macht!), dazu noch wirklich riesige Medis gegen meine Halsbeschwerden (1000 mg Dosierung - Meine Leber & Nieren singen freudige Lieder). Tja, dann wäre da noch meine Augenmigräne. Ja, sowas gibts. Beängstigende Sache: Du sitzt irgendwo, oder gehst die Strasse entlang - plötzlich hast du einen wabernden schwarz-gräulichen Fleck in deinem Gesichtsfeld, der sich langsam bewegt. Du denkst, du hättest grade eins mit nem Vorschlaghammer gekriegt. Cool. Von der Kurzatmigkeit, der ständigen Sorge, ob man morgen überhaupt noch lebt (War das Herzrasen ein Alarmzeichen? Haben die Keime im Hals auf die Klappen übergegriffen? Wieso muss die Klingel so schrill sein, dass ich mich erschrecke, dass mein Herz ein paar Schläge aus dem Takt kommt? Wie kriege ich die Einkäufe die Treppen hoch, ohne mit Herzinfarkt alle Treppen wieder runterzupurzeln?), und die Tatsache, dass ich eventuell - wahrscheinlich - wieder operiert werde, ist auch eine wunderschöne, Pfirsichhaut-weiche, cremeweiß-weiche Vorstellung der Zukunft.
Die Halluzinationen, die ich nach der ersten Op von den Massen Morphium bekam, die mir, flüssig und direkt, in den Hals gespritzt wurden, waren auch toll. Eine habe ich besonders gut in Erinnerung: Es war Nacht, ich war wach (Ich, der sonst immer auf der Seite oder auf dem Bauch einschlief, konnte das auf einmal nicht mehr. Wie gesagt, aufgesägter Burstkorb. Dreh dich damit mal auf die Seite, bleibe zwei Minuten liegen. Drehe dich zurück. Das Gefühl, wie sich deine Rippen langsam und schabend unter der frischen Narbe wieder auseinanderziehen wie Hände nach dem Gebet, grosses Kino.) Also, ich war wach, und sah vor mir einen Mann mit einem gelben Fahrrad und direkt daneben eine Frau mit blauem Kleid. (Zum Glück kann ich mich an die wirklichen Horror-Halluzinationen nicht mehr erinnern. Auf jeden Fall war es schrecklichst. Ich hatte nie mehr Angst, als damals. Es war so real. Und ich war so dermaßen hilflos...) Ich war überzeugt, wenn ich nicht einen Schluck trinke, stirbt die Frau. Den Gedanken hatte ich in dieser Nacht bestimmt 60 Mal. Die Pfleger waren irgendwann reichlich genervt, weil sie ständig neues Wasser bringen mussten - ich konnte ja nicht laufen.
Ah, und noch was: Habt ihr mal gepinkelt, nachdem ihr 4 Tage lang durchgehend einen Katheter in der Harnröhre hattet?
Also. An alle, die da draussen über die Schmerzen eines kleinen Eingriffs jammern oder sich ärgern, weil sie 100 € beim Pokern verloren haben: Lacht euch selber aus. Oder an, meinetwegen. Schätzt euch glücklich, denn ihr habt es leicht, glaubt es ruhig. Und lebt euer Leben, solange es noch ein Leben ist, und ihr keine Tage damit füllen müsst, Schwerbehindertenausweis-Anträge auszufüllen; gegen Arbeitgeber zu klagen, die euch während der Zeit, in der ihr Krankgeschrieben wart, rauszuwerfen oder sich nach dem Erklimmen von 10 Stufen hinsetzen zu müssen, weil ihr denkt, wenn ihr noch eine kleine Körperliche Belastung auf euch nehmen müsst, explodiert euer Herz wie ein Luftballon, der mit zuviel Wasser gefüllt ist.
geschrieben von: SoulReaper696
Es ist erstaunlich, wie ich mit manchen Nachrichten umgehe. Gerade hat mein Kardiologe angerufen, und verkündet, dass die Facharztklinik in München es definitiv für sinnvoll hält, mir einen Herzschittmacher einzusetzen. Also nochmal Narkose. Nochmal Katheter. Nochmal Schmerzmittel. Noch eine Narbe. Mehr Krankenhaus-Essen. Nochmal getrennt von meiner Freundin sein. Ich bin weniger ängstlich oder panisch, sondern eher wütend. Ich finde es unfair und unprofessionell, dass ich zwei Mal operiert werden muss. Zum Zeitpunkt der ersten Operation konnten die Ärzte noch nicht wissen, dass ich dieses Gerät mal brauchen würde, aber es ist trotzdem extrem ... belastend. Auf der anderen Seite reagiere ich irgendwie erstaunlich kalt. Es ist eine Operation, ja, aber weit weniger schlimm als die Herzklappen-Operation, die ich bereits hinter mir habe. Diese Operation ist wohl eher vergleichbar mit einer Blinddarm-OP, und dauert auch nicht länger als 30 Minuten. Das Gefühl, in eine Narkose zu sinken, ist trotzdem furchtbar. Da muss ich dann wohl durch. Wie durch schon so vieles. Mich würde interessieren, wie andere mit meiner Situation umgehen würden. Panisch rumschreien? Weinen? Die Operation verweigern?
Ich habe kalte Finger. Die kriege ich immer, wenn ich traurig bin. Oder schlechte Nachrichten, bzw. Rückschläge bekomme, wie eben. Denn traurig bin ich gerade nicht.
geschrieben von: SoulReaper696
Mein heutiger Tag:
- Hausarzt. Blut abnehmen, wie jede Woche, um zu sehen, ob die Blutverdünnung hoch genug dosiert ist.
- Auf dem Heimweg zwei mal hingefallen, sehr schmerzhaft, seinen Arm nach hinten zu reißen mit frischer OP-Narbe von der ICD-Transplantation.
- Zum Tierheim gefahren und drei kleine Katzen nach Hause geholt.
- Melanie weinend und mit schmerzverzerrtem Gesicht vorgefunden: Starke Schmerzen im Becken links. Notarzt gerufen, nun ist sie im Krankenhaus.
- Dann fahre ich gleich mal zu meinem Kardiologen, weil ich Nachts so starke Herzschmerzen habe, dass ich nicht schlafen kann. Danach fahre ich dann ins Krankenhaus.
Ich liebe mein Leben.
geschrieben von: Radetzki
Wo bist Du ?? So viele Fragen türmen sich auf, seit Du nicht mehr schreibst.......