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Wer weiß was darüber? Ausbildung, Schule, Klasse wiederholen, ect.

(Klicke hier, um das Thema mit vollen Farben / Abbildungen zu betrachten)



geschrieben von: Julya

Liebe Mit-Nachtweltler,

ich brauche mal Eure Hilfe, weil ich mich nicht gut genug damit auskenne.
Ich schildere mal die Situation:

Es geht um meine Kollegin. Sie und ihr Mann sind vor rund acht Jahren mit ihrer damals kleinen Tochter unter schwierigsten Umständen aus dem Iran nach Deutschland geflüchtet. (Sie werden politisch verfolgt, da sie modern und demokratisch sind. :mad: )
Sie haben bis vor einem Monat mit vier Personen (sie haben eine weitere Tochter bekommen) in einer viel zu kleinen Zwei-Zimmer-Sozialwohnung gelebt.
Meine Kollegin ist eine studierte Frau und ihr Mann ist Ingenieur. Sie haben im Iran immer gut gelebt und mussten alles zurücklassen. Die ersten Jahre in Deutschland haben sie weder eine Arbeitserlaubnis bekommen, noch durften sie einen Deutschkurs machen. Sie haben deutsch durchs Fernsehen gelernt und auch sonst wurden ihnen immer wieder Steine in den Weg gelegt. Noch dazu ist der Mann krank und muss alle paar Monate operiert werden.
Alles in Allem also eine schwierige Ausgangssituation, um ihren Kindern einen guten Start zu ermöglichen. Und genau da liegt auch das Problem.
Die große Tochter (16 Jahre) besuchte bis letzte Woche die Realschule und hat, obwohl sie ein pfiffiges Mädchen ist, einen nicht besonders guten Abschluss gemacht. Meine Kollegin kann nicht gut genug deutsch sprechen, um sich mit den Lehrern und dem Schulleiter auseinanderzusetzen. Die Klassenlehrerin der Tochter ist offen ausländerfeindlich und beurteilt die Schüler sehr ungerecht.
Nun ist es so, daß die Tochter am liebsten die zehnte Realschulklasse wiederholen würde, ihr aber gesagt wurde, daß sie das nur könnte, wenn die Klassenlehrerin zustimmt und das tut sie nicht.
Auch eine andere Schule käme in Frage, aber auch da müssen angeblich die vorherigen Lehrer zustimmen.

Weiß jemand von Euch, an wen man sich wenden kann, oder ob das stimmt? Eine weiterführende Schule käme wahrscheinlich auch nicht in Frage, da der Notendurchschnitt nicht gut genug ist. (Hauptfächer alle Note 4)
Meine Kollegin ist sehr verzweifelt, da ihre Tochter nach dem Sommer weder einen Ausbildungs-, noch einen Schulplatz hat. Vielleicht gibt es ja auch eine duale Ausbildungsmöglichkeit? Ich habe davon leider zu wenig Ahnung und hoffe, daß Ihr als Schüler, oder vielleicht sogar als Lehrer mir einen Tipp geben könnt, was ich machen kann. Ich würde ihr so gerne unter die Arme greifen, da ihr die Sprachbarriere so viele Möglichkeiten nimmt.


Ich danke Euch und wünsche Euch ein sonniges Wochenende.


~Julia~



geschrieben von: Cagliostro

Das staatliche Schulamt in deiner Stadt.
Wenn es keine Stadt ist, dann der Landkreis.



geschrieben von: Creobotra

schulamt, oder sogar oderschulamt. ich hab auch schon so einige sachen mitgekriegt, dass "vorschriften" manchmal auch sehr großzügig ausgelegt werden dürfen und sogar ausnahmegenemigungen erteilt werden. es ist meist eine frage des beamten, der vor einem sitzt. und mit einem "da kann man nichts machen" sollte man sich auch nicht immer zufrieden geben, wie gesagt, es gibt einige möglichkeiten.



geschrieben von: SinRaziel

Weitere Möglichkeit wäre noch ein Freiwilliges Soziales Jahr, um erst einmal kurze Überbrückungsphasen zu haben und ggf. die Sprache noch ein bisschen aufzupolieren, Verbindungen zu knüpfen etc.

Das ist ein Weg, den viele Schulabgänger gehen, wenn sie keinen Ausbildungsplatz mehr bekommen haben.

Viel Glück wünscht

Raz



geschrieben von: Julya

Danke schonmal für die Antworten. Ich werde mich mal schlau machen, wie man hier am besten ans Schulamt kommt. (Die Stadt ist übrigens Hamburg)

Creo, ich denke nämlich auch, daß da manchmal ziemlich willkürlich entschieden wird und da könnte man dann ja auch mal willkürlich für sie entscheiden. Nur, wie gesagt, die Mutter kann nicht genug deutsch, als daß sie sich mit entsprechenden Stellen rumärgern kann.

An ein freiwilliges soziales Jahr hatte ich auch schon gedacht, aber ich glaube, das wäre nichts für sie, da sie eher in die kreative Richtung möchte, aber bevor sie nichts macht, käme es bestimmt auch in Frage.

Achso.. vielleicht war das missverständlich ausgedrückt: Die Tochter spricht perfektes Deutsch. Bei ihr merkt man nichtmal mehr einen Akzent.

Ich gehöre zwar nicht zur Familie, aber vielleicht kann sogar ich mal mit dem Schulamt sprechen. Es kann doch einfach nicht sein, daß die Zukunft eines jungen Mädchens so aufs Spiel gesetzt wird...



Ich bin weiterhin dankbar über Antworten, vielleicht auch von Leuten, die ähnliches gemeistert haben.


Herzliche Grüße



geschrieben von: Apex

Ich würde auch den zuständigen Schuldirektor oder gleich das Schulamt empfehlen. Eventuell kann man da etwas machen, es kann ja nun nicht angehen, dass jemandem der lernwillig ist solche Steine in den Weg gelegt werden.

Was das FSJ angeht, immer auch mal an das FÖJ denken...ist zwar jetzt auch nicht unbedingt im kreativen Bereich, aber einfach bei den Stellenbeschreibungen nachschauen. Manchmal ist da etwas dabei, was viel kreative Arbeit beinhaltet (mitgestalten von Zeitschriften, Webauftritten, Ausstellungen etc.).



geschrieben von: Hrefnadis

Hab auch eine Iranerin im Bekanntenkreis, die sind hier in Deutschland gut organisiert, vielleicht wäre der Familie auch geholfen, wenn sie sich mit den iranischen Vereinen hier in Deutschland auseinandersetzen würden. Ich kann mir vorstellen, dass diese auch intern und unbürokratisch Nachhilfe- oder Deutschkurse zur Vorbereitung vermitteln können. Immerhin studieren sehr viele der Kinder der hochgebildeten iranischen Elite hier im Lande selbst. Wäre einen Versuch wert. Hamburg müsste dafür eigentlich groß genug sein. Hier in Berlin wäre sowas sicherlich machbar.

Grüße und viel Glück



geschrieben von: Zombie

Hallo,

In einigen Bundesländer ist das über das Schulgesetzt geregelt (z.B. Bayern). Dort wird durch die Klassenkonferenz entschieden, nicht durch den Klassenlehrer. Das Hamburger Schulgesetz sagt allerdings darüber nichts aus. Ich hab zumindest auf die Schnelle nichts gefunden. Also würde ich mal das Schulamt empfehlen.

Ansonsten könnte man es über das Berufskolleg versuchen (falls es in Hamburg sowas gibt). Bei uns gibt es glaube ich die zweijährige Form die man soweit ich weiß ohne vorherige Ausbildung machen kann. Vielleicht gibt es sowas in Hamburg ja auch...



geschrieben von: Sternenstaub

Genau, Berufskolleg. Manche bieten nach der 10 ein berufsbildendes Jahr an, das geht sicher als Überbrückung. Ansonsten versteh ich echt nicht warum sie sie nicht wiederholen lassen - bei uns in NRW ging das immer freiwillig...



geschrieben von: Julya

Ich danke Euch sehr für die hilfreichen Tipps!

Ich habe ja auch mal freiwillig eine Klasse wiederholt. Da ich damals noch minderjährig war, mussten meine Eltern einfach einen Antrag schreiben, so einfach war's. Ich glaube, die Schule macht denen das extra schwer.
Ich werde mich die Woche um weitere Schritte kümmern.

Vielen Dank und liebe Grüße!



geschrieben von: Ceryni

Ich würde auch das Berufskolleg empfehlen. Das hab ich damals nach meiner Mittleren Reife gemacht, wobei die auch ziemlich mies ausfiel.
Es gibt da 3 Bereiche, soweit ich das noch in Erinnerung habe, und die vorherige Schule hat da nicht mitzureden. Und wenn sie nach einem Jahr eine Lehrstelle findet, so kann sie das BK verlassen und muß nicht noch das 2. Jahr dazu nehmen.


Vielleicht kann die Familie sich ja an die IZH wenden und dort noch Unterstützung einholen. Laut einem Pressebericht soll die IZH die größte islamische Gemeinde nach London haben.



geschrieben von: berenike

falls noch aktuell ( kenne das problem aus der arbeit):
- termin beim schuldirektor, problem ansprechen und notfalls mit dem schulamt drohen ( meldung,etc.)
- das schulamt hat ermessensspielraum,d.h. sie können entscheiden, dass das mädchen die klasse wiederholen kann !
- gleichzeitig eventuell einen termin zur berufsberatung - meistens sind die sehr kooperativ und kennen wesentkich mehr möglichkeiten
- eine möglichkeit, die wir hier auch manchmal versuchen ist ein jahrespraktikum in dem bereich, in dem man eine ausbildung machen möchte ( in einem oder 2 betrieben) viele rutschen dann in dem betrieb in eine ausbildung oder haben bei der bewerbung tortz schlechter noten vorteile, da "berufserfahrung"

falls noch fragen offen - einfach melden

berenike



geschrieben von: swanheart

Zitat:
Original geschrieben von Sternenstaub
[...]Ansonsten versteh ich echt nicht warum sie sie nicht wiederholen lassen - bei uns in NRW ging das immer freiwillig...


Auch nicht so ohne weiteres. Es kann auch sein, dass sie- allen schlechten Noten zum Trotz- zu gut ist.
Ich selber habe damals die 12 auf Antrag wiederholt. Bei mir ging es relativ problemlos. Bei einer Freundin sah es anders aus. Sie war in zwei Fächern ein oder zwei Punkte "zu gut", reden mit den Lehrern half nichts. Sie musste ihre letzten Klausuren mit aller Gewalt vor die Wand setzen um schlecht genug zum Wiederholen zu sein.





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