[Annette Lapin - guérilla d'une vie moderne] - German Gothic Board

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Annette Lapin - guérilla d'une vie moderne

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geschrieben von: Adore

Little Johnny

Es war reiner Zufall. Hättest du nicht so plötzlich den Kontakt zu mir abgebrochen und dich diesmal tatsächlich wie der größte Sauarsch aufgeführt, wäre wohl alles anders gekommen. Nachdem ich mich Freitag Abend mit einem großen Glas aufgespritzem Weißwein und Sex and the City in den Schlaf lullte, um einfach aufzuhören an dich zu denken und die Gedanken hundertmal durch den unsichtbaren Fleischwolf zu jagen, beschloss ich Samstag Mittag als ich mich mehr aus dem Bett rolle, als daraus erhob, dass ich etwas tun müsse; dass ich raus müsse, aus dieser leergefegten Wohnung, aus all dieser Tristesse. Und wie macht der moderne Mensch das heutzutage? Er kauft sich die Leere einfach weg. Ja richtig, ich beschloss ein wenig über die Breite Einkaufsstraße im Zentrum zu flanieren, in Shorts und Netzstrümpfen, die Haare streng zum Dutt aufgesteckt und mit Gleichgültigkeit gegenüber den anderen Menschen.
Eigentlich halte ich nix von diesen Szene-Shops, weil die Teile einfach überteuert sind, für das, dass sie minderwertig in China produziert werden, um dem Käufer jegliche Kreativität in der Auslebung und Gestaltung ihres Outfits wegnehmen, aber ich ließ mich dennoch hineinziehen, um mir eventuell ein paar Inspirationen zu holen. Außer mir und der Verkäuferin waren nur zwei Mädels da, die die Kleiderständern durchforsteten.
Eines der Gesichter kannte ich. Auch den Namen dazu, auch, wenn es Jahre her ist, dass ich sie das letzte Mal gesehen hatte. Das war lange vor deiner Zeit. Damals war ich noch ein unschuldiges Rotkäppchen, unwissend, was menschliche Nähe überhaupt ist. Bevor ich den Laden wieder verließ, fasste ich mir ein Herz und sprach sie an. Mein Gesichter-Gedächtnis lügt nie. Ich hatte recht. Sie war es. Wir unterhielten uns ein wenig und sie fragte, was ich abends vor hätte. Ich erklärte ihr, dass ich endlich mal in den einzigen Gruftclub viennois1 gehen wollte, aber mein bester Freund keine Zeit hätte. Sie meinte, sie gingen mit Sicherheit hin und ich solle sie doch einfach begleiten. Sie gab mir ihre Nummer, die mir vor langem abhanden gekommen war und mit einem Lächeln hinter dem Gesicht trabte ich wieder in die Stadt hinaus. Ich kaufte ein wenig ein und vertrieb mir den Nachmittag, bis ich dann noch eine Freundin besuchte, von der ich meine Schneiderpuppe holen wollte und die mir ihre neue Wohnung zeigen wollte.
Sie war wiedermal so süß. Sie hatte extra Kuchen gekauft und wir verplauderten den Abend, bis ich mich dann im Schutz der Dämmerung auf den Weg zurück nach Hause machte, weil mein Magen schon Hunger schrie.
Es ist schade, dass sie jetzt am anderen Ende der Stadt wohnt. Sonst würde ich sie wohl öfter besuchen. Aber egal, ab September geht es sowieso wieder los, dass wir einander jeden Tag sehen. Sie fehlt mir nämlich manchmal ein wenig, das kleine Plappermäulchen.
In der Métro gafften die Leute mich und mein Püppi reichlich dämlich an, und manche knüpften davon ausgehen ein Gespräch, das ich in meiner guten Laune nicht abwehren konnte. Irgendwie war die Welt halbwegs geflickt, weil ich wusste, ich würde diesmal NICHT nach Hause kehren und mich vor der Glotze oder meinem PC in den Schlaf heulen, weil die Einsamkeit mich auffrisst.
Nachdem ich bei Sex and the City meine Spaghetti in mich hinein schaufelte und dann eine halbe Ewigkeit brauchte, um mich fertig zu machen, lief ich bereits der Tram nach, um nicht mit so viel Verspätung anzukommen. Anstelle der Métro ging ich zu Fuß, weil ich es für schneller erachtete.
Ich gabelte sie auf und bevor wir loszogen wie ein schwarzes Rudel, wurde mir noch die holde Männlichkeit des Kreises vorgestellt.
In den Kellergewölben tranken wir das einzige Bier, dass es mir die Kehle hinunter lässt und Gesprächsfetzen flogen durch den Raum, der mit kaltem Rauch und dumpfem Lärm und verdunstetem Schweiß gefüllt war. Es war ein gutes Gefühl, in dieser schwarzen Masse nicht außen vor zu sein, wie ich es sonst gewöhnt bin.
Immer wieder blieb mein Blick auf diesem verschmitzen Lächeln und den wunderschön mandelförmigen braunen Augen hängen, die ihn kreuzten. Er war ein Johnny Depp auf Augenhöhe, mit den leicht dunkel unterstrichenen Lidern und dem schelmischen naturschwarzen Bärtchen.
Je ne peux pas nier qu'il me plaisait du premier coup. Le timbre sombre de sa voix, sa façon réservée et ses yeux vigilants me facinait et captivait. Pourtant il ne m'en a pas couté de parler avec lui. Normalement je n'y arrive pas du tout, mais comme je l'ai déjà dit, je n'ai plus rien à perdre. Il faut que je vive, que je sorte de cette impasse. Sinon, ça m'écrasera.
À la fin de la soiree je ne comprenais plus rien. Il était tout près de ma copine retrouvée. Il l'a prise par les hanches et l'a embrassée. Si tous les deux auvait été célibatairs cela ne m'aurai pas autant irrité. Pourquoi y a-t-il des femmes qui peuvent avoir tout: un homme genil à la maison et un chaud lapin pour embrasser et niquer?
2
Als er bereits gehen wollte, drückte er mir noch sein Visitenkärtchen in die Hand und ließ sich dann nochmal von ihr zurückhalten. Im Endeffekt marschierten wir zu fünft die nächtlichen Straßen entlang, weil die Bude bereits dicht gemacht hatte. Er hielt ihre Hand und ich konnte mich von seinem Freund anbraten und bequatschen lassen.
Und jetzt, nachdem man mich allein wieder in meine Wohnung entlassen hat, da geistert mir sein Gesicht vor dem inneren Auge herum. Aber bevor ich das in Verliebtheit ausarten lasse, sollte ich erstmal ausloten wie meine Chancen stehen. Sonst habe ich gleich wieder die nächste Misere am Hals. Als hätte ich mit den Männern nicht schon genügend Scherereien. Belassen wir es typisch österreichisch mal bei: mal sehen.

1 wiener
2 Ich kann nicht leugnen, dass er mir auf Anhieb gefiel. Die dunkle Klangfarbe seiner Stimme, seine zurückhaltende Art und seine wachsamen Augen faszinierten und fesselten mich. Dennoch, es fiel mir nicht schwer mit ihm zu sprechen. Normalerweise schaffe ich das überhaupt nicht, aber wie bereits gesagt, ich habe nichts mehr zu verlieren. Ich muss leben, aus diese Sackgasse verlassen, sonst wird es mich erdrücken.
Am Ende des Abends verstand ich nichts mehr. Er war meiner wiedergefundenen Freundin ganz nahe. Er nahm sie an den Hüften und küsste sie. Wenn beide ledig gewesen wären, hätte es mich nicht so sehr gereizt. Warum gibt es Frauen, die alles haben können: einen netten Mann zu Hause und einen geilen Typen zum küssen und ficken?



geschrieben von: Adore

Flucht nach vorne

Vor einigen Wochen schrieb sie diesen Satzausschnitt in einem Brief an mich, der an meine Individualität, Eigenständigkeit und Selbstbestimmung appellierte. Ich hielt es ehrlich gesagt für Bullshit, aber nach diesem Tritt in den Arsch, den er, mein altes Herz, mir verpasst hatte, habe ich praktisch keine Wahl als mich ebenfalls abzuwenden. Mich jetzt noch tiefer in der Sucht nach ihm und seiner Nähe zu verrennen würde mein geistiges Ende bedeuten. Ich kann mich nicht weiter drehen wie ein Kreisel, denn die Schwindelanfälle haben bereits tiefe Schäden hinterlassen.
Nichts muss sich ändern, außer meiner Verbohrtheit. Und um diese abzulegen, muss ich wieder Neues, oder besser gesagt Anderes zulassen können. Zu deutsch, ich muss ihn irgendwie in meinem Kopf ersetzen. Er muss verdrängt werden, so lange, bis das Zittern des Entzuges von einem springenden und Purzelbaum schlagenden Herzen überschattet wird.

Johnny, sag mir, was mache ich bloß? Bin ich dabei mir einzureden, ich könnte dich mögen? Was, wenn ich dich tatsächlich mögen würde?
Bevor ich auf dein Angebot bezüglich des Mitwirkens an einer neuen Produktion schrieb, musste ich, neurotisch wie ich oft bin, mal Nachforschungen anstellen. Erst mal dein Gesicht wieder suchen. So langsam entschwand mir die Schärfe meiner Erinnerung und ich zweifelte an dem, was ich so charmant gefunden hatte. Dein Gesicht bekam die Züge von vielen anderen, die ich kenne und ich war nicht mehr sicher, was davon Wahrheit, was ein wilder starker Cocktail aus anderen Visagen war.
Als ich dann so nebenbei heraus fand, dass du sieben Jahre mehr auf dem Buckel hast als ich, da fühlte ich mich wie ein echtes Küken. Flauschiges Fell und noch ein echter Grünschnabel. Du hast bereits ein Leben mit Arbeit und Wohnung, während ich in meines gerade eben mit einem Fuß hinein stolpere.
Vielleicht ist es kein Wunder, dass du nicht so prahlerisch bist, wie die anderen Männer die ich kenne, du bist wohl einfach schon erwachsen geworden. Aber meine Gute meinte wiederum, dass ich genau das bräuchte. Dennoch, ich weiß nicht, ob ich dir geistig gewachsen bin, aber das Gefühl plagt mich bei allen Menschen, zu denen ich aus welchen Gründen auch immer durch einen natürlichen Instinkt aufsehe. Manche haben eben diese Art, die ich nicht beschreiben kann, die mir vermittelt, dass sie auf ihre Weise etwas darstellen, das bewundernswert ist. Ich frage mich dann oft, was diese Leute mit mir anfangen können; was sie an meiner Seite hält, weil ich mich selbst als Persönlichkeit nicht offiziell wahrnehmen kann. Ich bin wie ich bin, aber ich sehe daran nichts Außergewöhnliches. Ich war immer so, auch wenn ich mich in ständigem Wandel fühle, so bleibt doch Gewisses unveränderlich starr in meiner Seele verankert; lässt sich nicht mehr herausreißen.
Doch egal, wer ich bin, ich bin es, die den Blick nach vorne heften und loslaufen muss, weil das niemand anders für mich erledigen kann. Keine Kraft der Welt kann mich an fiktive Ziellinien durch den Staub schleifen. Das Starten funktionierte an manchen Tagen ganz gut, irgendwann in mitten dieser vierundzwanzig Stunden, fing ich einfach an zu rennen, aber es dauerte oft nur bis zum Einbruch der Dunkelheit oder des nächsten Morgengrau bis ich wieder kehrt machte und mich in Illusionen und Leid verrannte.
Das muss aufhören, weil es die Stimmungsschwankungen immer stärker macht. Es dehnt die Schere immer weiter auseinander und reißt mich entzwei in diesem Auf und Ab. Ich muss mich wieder auf einen Fixpunkt konzentrieren, der sich nicht in Zwiespalt verliert, weil ich die Spannung in mir nicht mehr aushalte. Meine Nerven sind nicht aus Draht oder Elasthan. Irgendwann würden sie brechen, sich zerfasern, hielte ich weiter an ihm fest.
Vielleicht klammere ich mich deshalb an die utopischen Fantasien zu denen mich dein Lächeln verführte. Ein erwachsenes Leben mit einem Stadtmenschen, mit einem Hauch Verrücktheit der den Alltag partiell auslöscht.
Johnny, du spornst mich zu neuer Hoffnung an, auch wenn ich keinen Schimmer habe, wie ich das bewerkstelligen soll. Aber ich werde das schaffen. Und ich bin alt genug um es selbst in die Hand zu nehmen. Ich weiß nicht, wie oft ich mir noch vor jeder Handlung sagen muss, dass ich nichts mehr zu verlieren habe, aber es beruhigt mich irgendwie.
So schrieb ich dir also. Geschäftlich und sachlich, alles wohl überlegt versteht sich. Ich habe drei Tage über dieser kurzen Nachricht gebrütet um sie endlich für würdig zum Abschicken zu befinden.
Heute fand ich in meinem Postkasten bereits eine Antwort. Du meintest, du hättest dich gefreut, dass ich mich immer noch für das Projekt interessiere und auch, dass wir einander am Wochenende kennen gelernt hätten. Du wolltest wissen, wie es mir ginge. Deine zahlreichen Rechtschreibfehler ließen mich unweigerlich an geistige Verwirrung denken.
Da ich die nächsten vier Wochen abgeschnitten von dieser Scheiß-Stadt-Trubel-Welt in meiner Heimat verbringen werde, fand ich, ich sollte dir noch kurz antworten. Es gehört sich schließlich so, wenn sich jemand nach dem Befinden erkundigt oder? Beim Tippen konnte ich mir ein Dauergrinsen nicht verkneifen. Ich kam mir vor wie ein kicherndes Schulmädchen, aber es hat sich herrlich unbeschwert, regelrecht wolkig angefühlt. Vielleicht war es nur Freundlichkeit von deiner Seite, wer weiß, aber es gibt mir dennoch Ansporn, mich nicht gleich wieder zur Flucht nach Hinten getrieben zu fühlen. Es war wie diese lautlose Geste, bei der man den Zeigefinger leicht und kontinuierlich zur Handfläche einrollt und wieder zurück um jemanden zu locken.
Du verlockst mich ohne es zu wissen zu Tagträumen, die nichts mit meiner Vergangenheit zu tun haben, und dafür bin ich dir im Stillen dankbar, egal was passiert.
Ich würde dich gerne wieder sehen, um heraus zu finden, ob es nichts als Zauber ist, der nach dem Fall des Feenstaubes einfach vergeht, oder ob mehr dahinter stecken könnte, als ich in mir selbst vermute. Bis dahin darf ich mich weiter in rosa Zuckerwatteschafe einpacken und meine Schwärmereien über eine erfüllte Wunschbeziehung mit jemanden, auf den ich einfach alles, was ich gerne habe projiziere, fortführen.

Du bist ein hübscher Kerl, aber das ist es nicht. Die „Schönen“ sind doch immer Ärsche. Aber die anderen auch. Zu diesem Schluss kam ich letzten Endes nach den letzten sieben Monaten. Dennoch, deine Zurückhaltung und Unaufdringlichkeit, die Tatsache, dass du nicht damit prahlst wie und wer du bist, hinterlässt bei mir den Eindruck, dass du keine Täuschungsversuche unternimmst. Aber vielleicht brauchst du das auch bloß nicht, weil ich dich nicht interessiere. Wer weiß das schon so genau ...



geschrieben von: Adore

Jusqu'à l'excès1

Seit ich hier bin und meine freien Tage habe, die leider viel zu viel einsame Freizeit beinhalten, schöpfe ich jede Tätigkeit bis zur Bewusstlosigkeit aus. Ja geradezu, bis zur Besinnungslosigkeit. Einfach so lange, bis nichts mehr Sinn oder Gewicht hat. Weder er, unsere Vergangenheit, noch irgend etwas anderes.
Es gab Tage, da trank ich bis zu Schwindelerscheinung und dem unangenehmen Morgen und an manchen lag ich einfach bloß so lange vor der Glotze, bis mein Hirn alles ausblendete, inklusive dessen, was da eben am Bildschirm flimmerte. Ich schlief so lange, bis ich nicht mehr liegen konnte. Ich las, bis ich Kopfweh bekam und nur nur noch an Jean-Paul Sartre denken konnte. Ich trat in die Pedale, bis mich die Erschöpfung fast umzuwerfen drohte. Ich stopfte Essen in mich hinein, bis mich die Übelkeit in die Knie zwang und ich mich wimmernd hin und her rollte.
Und bei all dem ist mir so vieles entschwunden, aber auch einiges klar geworden. Mich halbbetrunken zwischen lauter alten Bekanntschaften wiedergefunden, merkte ich erst, wie viele Kontakte ich unwillkürlich im Laufe meiner Beziehung mit ihm abgebrochen und regelrecht verkümmern habe lassen. Je enger die Intimität zu ihm wurde desto mehr verlor ich den Bezug zu meinem Umfeld und zog mich in eine Isolation zurück, in der nur le couple2 existierte. So reich mich diese Zeit an Erfahrungen gemacht hat, so sehr hat sie meine Freundschaften und Bekanntschaften zerworfen und verarmen lassen. Heute ist es schwer all das wieder einzufordern nur weil ich nun ohne ihn bin. Wir sind in alle Winde zerstreut und zusammen zu finden ist nicht mehr so leicht wie damals. Die Pflichten des täglichen Lebens stellen sich uns unweigerlich entgegen, wie Steinblöcke. Man sieht einander nicht mehr jeden Tag aus dem Zwang einer Schulgemeinschaft heraus, oder weil man immer wieder an den gleichen Orten ausgeht. Viele haben diese Orte – wie ich für diese lange Zeit – völlig verlassen und lassen ein unbevölkertes Schlachtfeld aus leeren Kindergesichtern zurück.
Ich fühle mich alt und zwar genau dort, wo ich meine Jugend verbracht habe. Wo Räusche und Gelächter mich durch die Nacht trieben, weil der Schmerz mich sonst schon damals übermannt hätte. Als Steppenwölfin, die ich nach und nach unwillkürlich wurde habe ich die Finsternis und die darin enthaltenen Lichtpunkte durchstreift und nach Augen durchforstet, die mir die Furcht, die Einsamkeit, die kreisenden Gedanken über Lebensunfähigkeit nehmen.
Wenn ich heute in der Dunkelheit mit Bleistiftabsätzen und Brustpanzern ausziehe, so stelle ich fest, dass sich manche Dinge nicht geändert haben. Ich bin immer noch in meiner Einsamkeit, in meiner mir selbst gesponnenen Unmöglichkeit mich neuen Gruppen anzuschließen gefangen. Niemand sieht die Stäbe. Womöglich hält man mich für einen unabhängige junge Frau, die selbstbestimmend ist. Aber das einzige, das ich bestimme ist mich aufzuraffen und wieder in eine Menge zu schmeißen, die keinen Halt gibt. Obwohl ich dort immer fest am Boden stehe, werde ich das Gefühl des freien Falls ohne Schutzschirm nicht los. Die leichte Angreifbarkeit ist für mich wahrlich unübersehbar. Meine Unsicherheit ist mir meilenweit voraus. Dennoch, in mancher Hinsicht habe ich dazu gelernt. Hin und wieder schaffe ich es auf Menschen zu zu gehen, auch wenn ich nüchtern bin. Ich bin offener geworden, aber vielen fällt es schwer das zu glauben oder zu sehen. Meine Einsamkeit muss oft wie bodenlose Arroganz wirken.
Afin de me consoler et pour réduire cette angoisse en moi je fais encore les mêmes choses qu'avant.3 Eigentlich hat es nie aufgehört. Nicht einmal während meiner Beziehung. Weil es ein unschuldiges Gedankenspiel ist. Weil es nichtig ist und dennoch eine Wichtigkeit nur für mich hat, die niemand begreifen würde. Es schlummert in mir und irgendwann kommt es unvermeidlich an die Oberfläche. Es ist ein Geheimnis, weil es unschicklich ist.

Nymphchen. Als ich mit sechzehn Nabukov las, da wurde mir erst klar, wie ich es betiteln müsse. In meinen Träumen zwischen Dämmerung und Zwielicht haben starke Männer nichts verloren. Die Inspiration liegt in der Jugend, in ihrer Unerfahrenheit, in ihrer Unvoreingenommenheit, in ihrer heiteren unbeabsichtigten Unverschämtheit. Zu meiner Verteidigung muss ich an dieser Stelle anmerken, dass ich nicht pädophil bin, mit kleinen Kindern habe ich nichts am Hut.
Was einen Nympchen von einem normalen Jungen, der einige wenige Jahre jünger ist als ich, unterscheidet kann ich nicht beschreiben. Es ist der Jagdinstinkt, der sie auswählt. Es passiert schon beim ersten Anblick und frisst sich in die hintere Schädeldecke ein. Ich könnte jedes Nymphchen der letzten fünf Jahre immer noch problemlos identifizieren. Sie tauchen nicht übermäßig oft auf, aber wenn sie in der Masse stehen, fällt mein Blick ohne Zögern auf sie, wird von ihnen angezogen wie von einem mehrfarbigen Lichtkegel – und bleibt haften.
Schon seit Anbeginn der ersten Entdeckung gab es Regeln, die sich bis heute ungeschrieben in mir halten, wie unantastbare Gesetzmäßigkeiten irgendeiner Naturwissenschaft.
„Man spricht sie nicht an. Man fasst sie nicht an. Man lässt sie einfach sein.“
Warum? Es würde jeglichen Zauber zerstören. So wie es gehandhabt wird, wirbelt ihr Eintreten oder Auftreten immer wieder in Millisekunden alles auf, als würde man mit Stahlkappenstiefeln auf einem staubigen Dachboden mit Holzbrettern aufstampfen. Begierde, Faszination, Phantastereien, Traumgespinste, Besänftigung.
Es kribbelt wie halbgeschlüpfe Verliebtheits-Schmetterlinge im Bauch und beruhigt wie Versöhnungssex. Dabei sind es nur Blicke. Nur einmal von Kopf bis Fuß und wieder hoch. Dabei noch ein wenig beim Gesicht verweilen, bevor man wieder die Augen niederschlägt. Ein kurzer Blick auf den Nacken, die Finger, die Gelenke, die Schlüsselbeine, die feine Haut.
Irgendwie ist aber zu beobachten, dass der Drang der Magie dahinter auf den Grund zu gehen und sie eventuell in eine Realität zu entfesseln bei jedem Nymphchen ein wenig größer wird.
Beim Opfer, das meine in der Nacht blau-grün reflektierenden Augen in diesem Lebensabschnitt auserkoren haben, war ich schon kurz davor.
Dieses Exemplar hat einen extrem breiten Mund mit schmalen Lippen die beim Lächeln fast zur Gänze verschwinden. Ein Blick auf seine schmal mandelförmigen Augen ist unter den dunklen ins Gesicht gekämmten Haaren nur bei eingehender Betrachtung zu erhaschen. Mittelgroß, schlacksig, kindlich-burschenhaft, fast schon wie ein lebensechtes Püppchen für verruchte Spielereien im Kopf. Nicht mehr Kind aber auch noch nicht Mann. Eine kostbare Zwischenform, die gedanklich zur Vorstellung der Lehrmeisterin aufschwingt. Es täte gut, wenn mal jemand zu mir aufblicken würde. Je ne connais pas réellement le sentiment de la supériorité.4
Egal wie sehr ich mich in Träumereien verliere, so behalte ich doch die Kontrolle. Im Hinterkopf bleibt das Wissen, dass es unschicklich ist. Es gehört sich nicht, wie man so schön sagt, sich an die Unschuld von hinten anzupirschen und sie zu benutzen, bis nichts mehr davon übrig ist. Der Glanz würde nachlassen, während der Hunger darauf nur immer noch größer werden würde. Lieber nur so tun. Es ist, wie den Hunger mit Wassertrinken austricksen. Wie lange das funktioniert, kann ich nicht sagen. Bis jetzt hatte ich immer ein halbwegs erwachsenes Ass im Ärmel, dem man nicht mehr viel Rauben konnte. So blieben die Vorstellungen im Kopf und niemand kam zu schaden.
Aber es ist nicht nur der Respekt vor der Unschuld, der mich zurückhält, sondern auch die Angst vor der Zurückweisung. Wenn nicht einmal jemand, der völlig unwissend ist, mich annehmen würde, dann stehen meine Chancen doch reichlich schlecht, oder?
Naja, völlig egal, Nymphchen, sie sind die Ausflucht aus der gedanklichen Sackgasse und aus der Vernunft in einer gesunden Beziehung. Gegessen wird zu Hause. Das muss ja nicht heißen, dass das Schlemmermenü weniger heiß serviert wird. Der exzessive Appetitanreger bleibt aber im Verborgenen.



geschrieben von: Adore

Rückfall der Meteorschauer

„Je nous prêtais la force de traverser
Un ciel crachant des pluies de météores
Je nous voyais bravant les pires dangers
Créant des souvenirs pour en faire un trésor

Mais ça monte, ça lutte
Ça me saisit
Ça tire, ça brûle
Ça jaillit

[...]

Ce soleil qui rallumait les restes de mes bougies
Se dit épuisé d'avoir trop brillé
[...]“1

Dich nur einmal für Sekunden wieder lebendig, nicht als Vorstellung oder Erinnerung zu sehen, hat völlig ausgereicht um wieder alles hoch kommen zu lassen. Das Vermissen. Das Ekelgefühl im Bauch. Die Schwere der Einsamkeit ohne dich.
Aufs Neue kann ich nicht mehr aufhören Gespräche und Briefe in meinem Kopf an dich zu spinnen. Alles was ich anfasse fühlt sich nach dir an, schmeckt nach dir, hat deinen Duft. Hat die Aura unserer Vergangenheit.
Scheiße, wie erwachsen du in diesem schlichten schwarzen Hemd aussahst, mit den streng zurück gebundenen Haaren. Ich hatte es geahnt. Dass das Genie auf dich gewartet hatte. Ich hätte an diesem Abend zu Hause bleiben sollen, weil es so verdammt weh tut. Ich fühle wieder diesen Glaskasten, in den du mich verfrachtest. Ich kann hier nicht hinaus.
Und immer wieder frage ich mich, wie du es schaffst, wie du es zum Teufel nochmal machst, einfach so mit der Einsamkeit in deinem Herzen umzugehen. Und wieso ich das nicht (mehr) kann. Ich weiß, dass ich dazu fähig war, doch heute bin ich nur noch ein Wrack, das nicht eine Minute allein verbringen will. Allein der Gedanke daran allein sein zu müssen, lässt mich vor Angst zittern und lässt meinen Atem stoßend werden.
Dabei weiß ich doch, dass das Alleinsein an sich nichts schlimmes ist; dass es bereichernd sein kann; dass man die Augen und den Horizont so viel weiter öffnen kann, als wenn da jemand in der Sonne vor einem steht.
Aber all das hilft mir nicht. Nicht immer.
Ich verliere mich manchmal wieder für Stunden in Büchern, oder einem Spaziergang, aber sobald diese Sensation nachlässt, beginnt sich wieder alles nur um dich zu drehen. Außer, wenn ich andere treffe. Dann unterhält man sich wieder ein wenig über Banalitäten oder deren Schmerzen. Oder aber, man tut so, als sei man schon bereit für diese unendliche Weite, die die Einsamkeit birgt. Ich weiß doch, sie ist eine Chance. Ist die Chance so viel von sich zu lernen, so viel neues in sich auf zu saugen, sich wieder in die Welt außerhalb der vier Wände zu wagen. Und doch begreife ich nicht, wieso es mir so schwer fällt alles so zu akzeptieren wie es nunmal ist und davon zu profitieren. Ich habe die Freiheit alles zu tun, was ich will, aber ich habe Angst davor zu scheitern. Früher warst du mein Vorwand und meine Zuflucht.
Du hast nie verstanden, woher ich all die Versagensängste nehme. Vielleicht könntest du es heute, wenn du weißt, wie es mich immer noch jeden Tag zerreißt, bei dir versagt zu haben. Nicht fähig gewesen zu sein, dich zu halten. Dich, der du doch gar nicht so hohe Ansprüche an mich gestellt hast. Hast du? Oder hast du mir still etwas abverlangt?
Immerhin spüre ich doch jetzt im Nachhinein, dass ich selbst so vieles sabotiert habe. Aber warum? Was hat mir gefehlt? Was hast du zu viel von mir verlangt?
Die Angst das durchzumachen, was ich seit dem letzten halben Jahr durchstehe, hat mich davon abgehalten dich zu verlassen, obwohl ich auch gespürt habe, dass etwas nicht stimmt. Und alles was dann nachher passiert ist, war doch auch nur Sabotage von meiner Seite. Ich habe dich so lange traktiert, bis du die Nerven verloren hast.
Doch was hat mir das alles gebracht. Ich habe dich verloren. Für immer. Und genau das zu wissen, tut mit jedem noch so winzigen Blick auf deine Gestalt weh wie tausend Wunden.
Ich werde sie nicht stopfen können, das weiß ich, denn selbst wenn ich den Mond wieder sehe, so blutet es auch noch in mir, obgleich alles mit ihm nur einen Bruchteil der Intensivität all dessen, was ich mir dir erlebt habe, ausmacht. Sie verblassen ein wenig, aber nur um beim Anblick wieder rot und pulsierend hervor zu treten und weh zu tun.
Doch was soll es. Egal wie viele Auswege ich suche, um doch noch mal irgendwann deine Freundschaft zurück zu erlangen, weil du mir ans Herz gewachsen bist, keiner von ihnen hat eine reale Chance. Ich bin mir darüber im Klaren, aber ich kann nicht aufhören. Ich muss dich zu einem Außenstehenden transformieren. So wie damals den Mond. Dafür gibt es allerdings kein Rezept. Es muss irgendwie passieren, wie Beziehungen einfach passieren, irgendwie unterbewusst durch unseren Willen heraufbeschworen.
Darum ist es auch so trostlos dir Johnny nach zu hetzen; weil es mit keinem klappt, auf den ich es abgesehen habe; weil die Idealisierung bereits vor der Beziehung vor der Trennung passiert und das einfach nicht mein Profil ist. Das Ideal ist immer etwas unerreichbares und somit stehe ich mir selbst schon im Wege, weil ich an das glaube. Ich habe bereits jetzt, wo ich dich und du mich doch noch gar nicht kennst, bereits das Gefühl, dass du etwas Besseres seist als ich; dass du nicht nur in der Nahrungskette über mir stehst, sondern ich der Herausforderung nicht gewachsen bin. Was, wenn du mich nicht willst? Lieber nicht versuchen, als nicht scheitern? Aber vielleicht bist du gar nicht so großartig, sonst hättest du doch eine Frau an deiner Seite, oder etwa nicht?
Vielleicht muss ich einmal den Schritt zum Erobern wagen. Immerhin wäre Frankreich und sein Volk nicht so groß geworden, wenn sein Stolz ihm nicht vermittelt hätte, es sei mächtiger als alles andere; es sei unbesiegbar; es sei es wert, dass ihm die Welt gehört. Ich will ja nicht die ganze Erde und ihre Bewohner, ich möchte nur einen Partner für meine Reisen durch die echte und die gedankliche Welt. Einfach jemanden, mit dem ich teilen kann, was mir widerfährt, was ich erlebe, was mich berührt. Ich platze an manchen Tagen vor Erfahrungen, vor Emotionen und wenn er zur neige geht und ich sie nicht teilen kann, überwältigen sie mich in ihrer Schwere und drücken mich zurück in ein dunkles kaltes Loch. In das Loch, in dem es niemanden interessiert, ob ich existiere und wie.



geschrieben von: Adore

Fantome du passé1

Meine Kleidung, mein Haar und die gesamte Oberfläche meiner Haut riechen nicht nur nach Mann. Meine Körperdecke hat den Geruch von dir, mein Herz, von Schweiß, von Alkohol, von Vermissen, von der Möglichkeit weiterer Lügen, von ewigem Herzsplitten, davon, nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander sein zu können. Die Herznote ist nach acht Monaten immer noch genau zu unterscheiden, von all den Zusatzkomponenten. Sie ist ein Geheimnis, das ohne Namen schlummert und alle Schlachtfelder überdauert, selbst wenn einem Kanonenpulver scharf in die Nase strömt.
Wahrlich, ich habe versucht mit dir abzuschließen, dich hinaus zu werfen, wie einen räudigen Köter vor die Tür zu setzen, in einer sternenklaren Nacht, weil ich dachte, du wolltest es so. In all der Zeit in der ich abgeschnitten von dir war, konnte ich kaum Worte auf diese blitzeblanken weißen Seiten bannen. Habe gefürchtet, sie würden, erst einmal in meinem Kopf in anständige Phrasen gepackt und fein säuberlich geordnet durch die Blut- und Nervenbahnen durch meinen ganzen Körper bis ins schäbige Herz geleitet.
Doch wie ich eigentlich längst begriffen haben sollte, kann sich die Welt innerhalb einer Woche zweimal überschlagen und nichts mehr so erscheinen lassen, wie man es für wahr hielt. Ich weiß nicht mehr was ich glauben darf, um mir nicht selbst weh zu tun; um mir nicht wieder das Herz von rostigen Lehrlingsklingen in Stücke hacken zu lassen.

Ich weiß nicht was es war, das alles so geschehen ließ, wie es gestern der Fall war. Sie hat mir heute versichert, sie hätten nicht Tische gerückt, also warum holt mich der Geist unserer gemeinsamen Vergangenheit mit deiner Gegenwart, die mich wieder zerbrechlich macht, plötzlich ein? Warum jetzt? Warum so? Warum auf eine entmystifizierte Weise, die ich nicht erwartet hatte? Warum dennoch so bezaubernd?

Ich habe es getan, dich ignoriert, selbst als du ganz dicht an meinem einsamen geknickten Ego vorbei streiftest und sogar für Augenblicke verweiltest. Auf Grund dessen, dass ich dachte, du würdest mich nicht sehen wollen, habe ich versucht, dich auch nicht zu sehen. Habe den Kopf in alle Richtungen gedreht nur, um deinem Anblick auszuweichen. Es hätte einfach zu sehr in die Brust gestochen. Gedankenhagel wäre ausgelöst worden, der mich unter seinen Golfball großen Körnern wieder einmal bis zur Schneeschmelze unter sich begraben hätte. Ich wollte deine Entscheidungen endlich respektieren und nicht noch mehr falsch machen. Ich habe geglaubt ich wüsste von einer Endgültigkeit, die in Wahrheit nie existiert hat.
Du kamst dicht an mein Ohr, als ich mich im Gespräch mit dem Genie befand, drängtest dich förmlich dahin, um dir Gehör zu verschaffen. Entschuldigungen, Erklärungen, Erleichterungen und so viele andere Worte aus deinem Munde, die darin endeten, dass wir den Raum hinaus in die beschützende Finsternis verließen. Nur du und ich auf einer Parkbank hinter der kleinen Dorfkapelle auf die der Mond hinunter zwinkert. Wissend. Sich vielleicht über uns lustig machend.
Irgendetwas bindet uns. Und sobald du deine Hemmschwelle etwas tiefer gelegt hast, gibst du es zu. Doch in mir schlummert zu viel Angst davor, dass sich dahinter wieder nur leere Lügen verstecken, die trotz allem eine Schlagkraft besitzen, die einen bis ans Ende der Welt befördert. Wieder bei dir zu sein, über deine Arme zu streichen und dir in die Augen blicken zu können, fühlt sich an, wie immer. Egal wie oft ich dich verteufele, irgendetwas haftet an und in dir, das mich anzieht, das mir das Gefühl gibt, dass der Platz neben dir richtig und gut ist; dass es für den Moment ausreichend ist und ich nichts weiter brauche. Egal ob freundschaftlich oder in Verwirrung. Dennoch, das Misstrauen, das sich wieder von neuem hervor traut, weil zu viele Enttäuschungen mich zurück in meine Höhle weit weg von dir gedrängt haben, legt sich wie ein luftdichter Film auf meine Haut. Ich ersticke in meiner Furcht davor, dass ich mich wieder täuschen lasse und du mich hängen lässt, und ertrinke im Angstschweiß. Und während ich so lange es geht, den Kopf über der Flüssigkeit zu halten versuche, ist jedes Lächeln echt. Jeder Kuss, jedes Streichen meiner Hände über deinen Kopf, deinen Rücken, kommen nicht aus dem Schoße sondern dem Herzen.

Als du etwas unbefriedigt, aber dennoch scheinbar zufrieden mich umschlingend einschliefst kamen tausend Zweifel auf mich herab gesunken. Wirst du dich an deine Versprechungen erinnern? Wird sich etwas verbessern zwischen uns? Werde ich wieder in einen Wahn, in diese Abhängigkeit verfallen? Werde ich bei dir wieder sein können, was ich erst wieder zu sein lerne? Oder wird sich auch diese Nacht als eine Erinnerung in Schall und Rauch auflösen und alle darin gesagten Worte zu Fabeln werden, die auf ihre Verwirklichungen lauern bis zum Tag des jüngsten Gerichtes? Wirst du bereit sein, mir bei klarem Verstand deine Freundschaft zu beweisen? Oder wirst du wieder neunundneunzig Schritte rückwärts machen und mich in der Kälte lassen?
Ich ertrug meine eigenen Fragen durchschnitten von deinem regelmäßigen schweren Atem nicht. Ich stand auf, wohl wissend dein Wecker würde erst in einer Stunde klingeln und las meine Sachen in der Finsternis vom knarrenden Holzboden auf. Eine kurze Notiz der Erklärung und ich schlich mich durch die Tür.
Die Straßen waren menschenleer, wie ausgeputzt von all dem menschlichen Mist, der sie bei Tage und Anbruch der Dämmerung durchstreift. Ich fühlte mich ein wenig, als wäre ich einen eigenen Willen gefolgt. Als wäre ich für mich gegangen und nicht, um anderen irgend etwas beweisen zu müssen.
Der warme sanfte Druck deiner Hände auf meiner nackten Haut verblasst langsam in der Erinnerung. Was bleibt ist das Wissen, dass es diesmal keine Explosion war und ich somit nicht wieder aus der Realität gesprengt worden bin. Ich glaube diesmal würde nur ein kleiner Teil von mir wegbrechen, wenn du wieder deine Meinung änderst.
Ich bin wohl auch aufgebrochen um nicht zu sehen, wie sich dein Gesicht beim Erwachen durch Bereuen verzieht, wenn du auf mich niederblickst und dir mit der Hand den schweren Kopf hältst.
Vielleicht wäre es besser gewesen dich früher an diesem Abend mit deinen Freunden heimfahren zu lassen. Aber du hattest mich gebeten dich zu fahren. Wäre ich nicht da gewesen, wärst du früher zur Ruhe gekommen; hättest deinen Rausch ausschlafen können. Was, wenn du im Morgengrauen bei hundertzehn Stundenkilometern auf der Landstraße der Erschöpfung nur für Sekunden nachgegeben hast? Würde man mich informieren? Würde man mich beschuldigen? Muss ich mir Sorgen machen, oder ist das schon wieder meine unendliche Fähigkeit zu übertreiben?
Ich fühle diesmal keinen Triumph, wie beim letzten Mal. Nicht die kindliche Überschwänglichkeit dich zurück überredet zu haben. Weil ich dich zu nichts aufgefordert habe. Alle Versprechen kamen nur von dir. Ich habe dir keinen Anlass gegeben. Ich glaube, dass mein Leben weiter gehen wird wie in den letzten Wochen. Ohne dich. Weil ich mich nicht mehr in Hoffnungen verstricke. Die Bande zwischen uns wird sich nie ganz auftrennen, dessen bin ich sicher, aber es ist wie es ist, ich hänge wohl nicht mehr zur Gänze an deinem seidenen Faden. Ich bin nicht mehr die Marionette, die dich im Endeffekt überfordert. Ich habe so oft gesagt, ich würde keine Forderungen mehr stellen und mich jedes mal in mir getäuscht. Vielleicht habe ich dieses eine mal recht. Vielleicht habe ich die flüsternden Geister doch irgendwie in die Ecke verwiesen, als ich die Kerzen ausblies und in den Kasten stellte, den Tisch zu Seite rückte und das Licht im Keller anmachte.



geschrieben von: Adore

Aphelium

Ich entsinne mich nicht mehr des Tages an dem ich zum letzten Mal einen Sonnenuntergang gesehen habe. In seiner vollen dramatischen Schönheit der Vergänglichkeit. Dabei könnte ich mich jeden Abend aufs Neue davon bezaubern lassen, weil sie immer wiederkehrt. Egal wie viel man dagegen wettet, die Sonne steht jeden Tag wieder für mich auf, bringt mir ihr Strahlen, ihr Licht, ohne das ich an innerer Finsternis vergehen würde. Sobald sie scheint, kann ich alles Mögliche in Schach halten, das mich bei grau-bedecktem Himmel schon nach dem ersten Augenaufschlagen in seinen Griff nimmt.
Sonne. Ohne ihre wohltuenden Goldfäden in der Luft, der gesamten Atmosphäre gibt es kein Leben an dieser Oberfläche. Nur die, die schon lange in die Tiefen des Meeres oder der Erde zurückgedrängt wurden haben gelernt ohne sie zu leben. Sie sind dunkel, hässlich aber mit atemberaubenden Begabungen ausgestattet, um diesem Mangel zu trotzen. Sie sind hart geworden, weil sie dieses sanfte Streicheln nie mehr spüren durften.
Ich hatte geglaubt so zu enden, als deine Stille in ihrer unumstößlichen Vollkommenheit über mich herein brach, wie eine endlose Sonnenfinsternis über die Welt. Irgendwie hätte ich schon gelernt ohne dein Licht zu leben. Mutation ist schließlich in jedem Lebensabschnitt möglich und durchquert sogar die Generationen.
Von selbst ausgelöschter Fixstern, der abgebrannt und verraucht war, hätte ich gedacht, du fielst vom Himmel; irgendwann aus dem weiten Firmament meines persönlichen Horizonts.
Doch nach der ersten elliptischen Umdrehung, bei der du versuchtest auszubrechen, in neue Bahnen zu gelangen, kamst du wie ein Boomerang zurück und ich weiß nicht was ich davon halten soll.
Vielleicht wäre es besser gewesen, du hättest es nie getan. Dann müsste ich jetzt nicht wieder zweifeln und das Schlimmste vermuten. So sehr ich es auch gerne tun würde, kann ich das alles nicht glauben; kann ich nicht aufhören alles was du im Nebel zu mir sagtest als Lüge, als Vorwand, als Mittel zum momentanen Zweck zu entlarven. Du hast mich so oft zurück gestoßen, dass ich bereits wieder damit rechne, als sei es ein Naturgesetz von dir ins Abseits geworfen zu werden.
Und es bricht mir wieder das Herz entzwei. Diesmal ein bisschen weniger, weil die Zweifel die ganze Zeit über nicht verschwunden sind, aber es blutet dennoch mit der selben roten Intensität wie Liebe. Immer wieder.
Hör auf, hör auf mich immer wieder entzwei zu spalten; mich aufzubrechen; mich in ein Niemandsland zu ziehen, von dem wir wissen, dass nichts dort von Beständigkeit ist und ein jeder nur hinter seinem eigenen Stacheldraht steht, weil einfach nichts mehr geht, weil nichts mehr einfach geblieben ist. Die Komplexität dieser beiden Leben, die sich sporadisch im Gespräch oder noch seltener in der Berührung vereinen scheint zu hoch um sie wieder reduzieren zu können.
Warum, immer wenn ich dabei bin dieses kompliziert gesponnene Netz abzustreifen, warum hältst du mich immer wieder ab, obwohl du weißt, dass du mir damit den Schädel abreißt und mich in unendliches Seufzen stürzt? Sag mir, denkst du jemals darüber nach, wie ich mich fühle? Machst du dir auch nur den geringsten Gedanken darüber, dass du mich wieder aufs Drahtseil schickst?
Ich kann dir doch nichts mehr wert sein, wenn du mich für deine kurzzeitige Befriedigung und dein in deinen Augen reines Gewissen, immer wieder anlügst.
Ich hasse es ein Herz zu haben. Kann man das bei euch im Krankenhaus nicht irgendwie herausnehmen lassen? Vielleicht würde mich das im Kopf an den Ort katapultieren, der am weitesten von meiner Sonne entfernt ist. Irgendwohin, ans Ende dieser fiktiven Galaxie, in der alles nur im Kreis des Schmerzes rotiert.



geschrieben von: Adore

Zurück in die Zukunft

Du hast dich mehr oder weniger an das gehalten, was du von dir gegeben hattest. Aber um winzige Nuancen abgeändert. Aus einem ganzen Nachmittag wurden zwei Stunden, aus einem netten Abend eine zerrüttet unklare Angelegenheit. Aus einem Treffen in ungewohnter Umgebung eine Unmöglichkeit. Aus meinem Pinselstrich auf deiner Haut, die rote Karte.
Ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Wenn du nüchtern bist, bis du so zurückhaltend und schwer zu durchschauen. Wenn du betrunken bist, traue ich deinen Worten nicht über den Weg und seit neuestem neigst du selbst da zur Vernunft.
Du fragst und sagst so viele Dinge, die ich einfach nicht verstehen kann, egal wie oft ich mit der Stirn gegen diese Worte anrenne, sie in alle Richtungen drehe und wende, sie auf den Kopf stelle und in sich auflöse und neu zusammen setze.
Natürlich, uns beiden ist klar, dass eine Beziehung aus so vielen Gründen nicht funktionieren kann. Meine Ausbildung, die räumliche Distanz, die auseinander geworfenen Einzelziele, die Meinung der restlichen Welt, die Angst vor einem Rückfall in die Lethargie der konservativen Standardbeziehung. Und doch, irgendetwas ist da. Es rumort. Es tut gut und reißt uns doch in zwei.
Soll nicht.
Kann nicht.
Darf nicht.
Geht nicht.
Und immer wenn wir endlich an dem Punkt sind, beide in Offenheit den Mund auf zu machen, endlich entfliehen zu lassen, was uns im Alltag oder Schlaf peinigt, da ist die Zeit zu kurz. Da ist sie verwischt, verschwommen, zerronnen wie Sand zwischen den unfähigen Fingern und das Zögern und Schritte überlegen beginnt einen neuen Kreislauf mitten ins Verhängnisvolle.
Deine Abwesenheit macht mir das Herz schwer, weil ich dich liebe und du es einfach nicht verstehst wieso. Natürlich kann ich irgendwie ein wenig begreifen, dass es dir nicht in den Schädel will, dass ich meine Gründe habe, weil du dich niemals so sehen kannst, wie ich es tue. Und ich im Gegenzug kann mir nicht erklären, warum du es uns beiden wieder so schwer machen musst, wo du doch weißt, was für wahnsinnige Dämonen in mir schlummern. Du weißt doch ganz genau, dass sich immer wieder alles von neuem entfacht; dass ich keine kleinen Finger nehme – auch nicht die ganze Hand, sondern dir diese gleich abbeiße, damit du deswegen ein wenig länger bei mir verweilen musst. Es ist nie genug und das weißt du in dir drin, aber du verstehst es nicht, weil du keine Ahnung vom Lauf der Zeit meiner inneren Uhr hast. Ich bin durch die Hölle gegangen, als diese Stille war, aber irgendwie gab es langsam einen Wink darauf, dass es der Weg hinaus aus der Verwirrung ist, doch du springst unverhofft aus dem Gebüsch, aus dem Dickicht hervor wie der böse Wolf und bietest mir eine verlockende Abkürzung zum Glück an, von der du weißt, dass sie nicht das ist, was sie sein sollte.
Ja verdammt nochmal: Es wäre vielleicht wirklich besser gewesen ich hätte nie wieder ein Wort mit dir gewechselt, hätte nie wieder deine Stimme gehört und deine Hand in meiner gehalten; hätte nie wieder das Gefühl gehabt, dass du mich doch irgendwie ein wenig zum Atmen brauchst um zu überleben. Doch wie ist das möglich? Du bist doch so gut ohne mich zurecht gekommen? Und jetzt, wo ich versuchte das selbe zu tun, da legst du dich um meinen Mund wie ein Beatmungsgerät. Unterschätze doch nicht immer wieder aufs Neue meinen Hang zur Abhängigkeit von Menschen. Wie kann es sein, dass du das immer noch nicht schnallst? Egal wie oft ich dir versichere, dass ich mit dir befreundet sein kann, weil ich ja ach so stark bin, so müsstest du doch wissen und spüren, dass es eine Lüge ist; dass ich es nicht aus Freundschaft sondern immer noch aus den Resten einer vertrockneten Liebe tue. Kannst du das Lächeln nicht unterscheiden? Merkst du nicht, dass ich meilenweit davon entfernt bin, mit der Situation umgehen zu können? Und du, ich würde gerne wissen, wie du es tust beziehungsweise ob du es denn wirklich kannst.
Ich weiß nicht mehr was ich glauben soll. Ist dein Begehren nur niederer Drang oder steckt da noch ein Funke Zuneigung mit drin? Ist deine Abweisung nur Selbstschutz? Aus Angst vor neuem Erblühen oder aus Bereuen?
Ich fühle mich so machtlos gegen dich und es ärgert mich. Ich füge mich deinem trunkenen Begehren weil ich nicht mehr weiß, ob ich dich sonst je wieder berühren darf und ich unterwerfe mich deiner Strenge, weil ich meine Hoffnung nach all den Versuchen immer noch nicht totschießen konnte. Ich glaube der Lauf ist nach den zahlreichen Schüssen schon verzogen und verrostet. Es tut gewiss nicht mehr so weh wie beim ersten Schnitt, weil man irgendwann abgestumpft wird, aber eine Verletzung ist und bleibt ihrem Namen getreu.
Ich wünschte ich hätte die Kraft und Stärke dir zu befehlen, mich nie wieder zu beachten, weil es der einzige Weg ist jegliches Gefühl langsam und stetig erst zu verstümmeln und schließlich völlig abzuschlachten. Solange du auch nur irgendwie meine Hand hältst oder zumindest offensichtlich nach ihr greifst, solange werde ich nicht im Stande sein mich aufzuschwingen und darüber hinweg zu kommen.

Eigentlich ist das, was wir haben genau das, was ich im Moment brauche, aber du kannst es nicht begreifen, weil ich nicht den Augenblick finde, es dir verständlich zu machen. Es ist genau, was es sein sollte. Es ist Freundschaft mit körperlicher Anziehung und gelegentlicher Berührung, die auf sanfte Weise Distanz wahrt. Es ist jedem seine Freiheit lassen und doch irgendwie unsichtbar miteinander verbunden sein. Es wäre genau, was für mich Beziehung im Moment bedeutet; zur Zeit ihre einzige mögliche Form – wenn es doch nur funktionieren würde. Ich sage dir das aber nicht, weil dieses Wort dich auffahren lässt, als hättest du die Gefahr der Belastung der vergangenen geheuchelten Zweisamkeit gewittert.
Begreifst du nicht? Ich habe dir immer gesagt, dass es mir egal ist, wen du fickst. Alles was ich wollte war die einzige Frau in deinem Herzen zu sein. Ich sage dir. An diesen Worten hat sich nichts geändert. Du hast es getan, es unbewusst auf die Probe gestellt, du hast dich verführen lassen von zwei Tonnen Schwesternpower. Na und? Du hast sowieso eine auf die Schnauze bekommen und da merkst du plötzlich, dass es auch Frauen gibt, die schlimmer sind als ich, obwohl sie nichts über dich wissen. Jetzt wo du anderes kennst, bin ich plötzlich wieder kostbar, aber der Preis ist noch zu hoch für dich. Du glaubst immer noch wenn wir es wieder als Beziehung titulieren würden, verlörst du auf einen Schlag deine Freiheit zu tun und zu sein, wie und was du willst.
Es tut mir Leid, dass ich mich – aus welchen Gründen auch immer – nicht damit zufrieden geben kann nur eine Freundin zu sein. Ich weiß, ich müsste das, aber ich glaube das tut uns beiden nicht gut und unnötig weh. Warum bist du immer noch nicht bereit wieder aufs Ganze zu gehen? Du sagst doch selbst, dass du etwas Rückhalt gebrauchen könntest ...



geschrieben von: Adore

Dans le nit1

Hey Johnny, I think you gotta know that the last night still seems so unreal to me. My compliments, you're fucking good. Interprete this sentence however you want to.2

Ich bin wieder hier und sobald ich mich hinein stürze und nicht hängen lasse, da schimmert das Leben wieder und die ganze Stadt pulsiert und atmet trotz ihrer offensichtlichen Hässlichkeit.
Nichts von dem was von gestern Abend bis heute Nachmittag passiert ist, war geplant, sonst hätte es wohl auch nie stattgefunden. Es war genau diese Art von gewissenlosem Passieren-Lassen, die das Leben allein in all seiner Eigenheit schreibt ohne uns um Erlaubnis zu fragen.
Einmal über seinen Schatten zu springen kann für wenige Augenblicke die ganze Welt vor einem ausbreiten. Bunte Lichter, süßer Nektar übermalt von kitschiger Achtziger-Jahre-Musik und durchwachsen von deinen Blicken all das wirkte wie ein Strudel, der mich vollends in sich sog, immer tiefer hinein trieb. Regenbogenfarben schillernd waren die kleinen Neckereien und Anspielungen, die sich zwischen Alltagsgesprächen aus unseren Mündern kämpfen. In diesen Momenten war alles völlig in Ordnung, weil es einfach lief, immer weiter und weiter, wie ein elektronischer solarbetriebener Hamster in seinem Rad. Die ganze Welt schien sich vor und zurück und überhaupt nur noch um uns zu drehen. Der Schwindel und Rausch, der sich daraus ergab hielt an, bis nichts mehr vom konsumierten Alkohol mehr durch die Arterien floss, also bis zu dem Moment als ich dich aus der fahrenden Metro auf dem Kai gehend noch ein letztes Mal ansah.
Dein erster Kuss zu später Stunde hatte in seiner Hastlosigkeit, Zartheit, Vorsicht eine Wucht, die mich fast vom bereits wackelnden Hocker geworfen hätte. Alles löste sich im Dröhnen in Berührung und darin Versinken auf. Es gab keine Regeln. Es gab keine Vergangenheit. Es gab kein Herz mehr. Denn ich war wieder hier in dieser Stadt, so weit weg von ihm, mit meinen Fingern verschlungen in deinen kohlrabenschwarzen Haaren, völlig infiziert von deiner guten Laune und Ungezwungenheit.
Zu dir? Erst nach deiner Warnung du wollest keine Beziehung. Wie immer. Was ist bloß los mit euch, Männervolk? Kurzzeitig kam ich mir schwerstens veräppelt vor, ganz ehrlich. Aber offen gesagt, ich kenne dich nicht, darum liebe ich dich nicht, darum brauche ich keine Beziehung mit dir. Was ich benötige, ist das Vergessen und das kann ich nur erlangen, wenn ich die alten Wände vollgepappt mit Erinnerungen, mit greller Farbe einfach übermale. Impulsiv. Intensiv. Vielleicht auch ein wenig idiotisch.

Und nach einer kurzen Stadtwanderung durchs Halbdunkel der Straßenlaternen fand ich mich in aggressiv-roten Laken wieder, meinen Körper an deinen gedrückt. Das Streichen deiner Hände und ihrer Fingerkuppen überzog jeden Quadratzentimeter meiner vernarbten, teils blassen teils getönten so dafür empfänglichen Haut. Zugegeben, deine Sensibilität hat mich überrascht, weil sie mich an meine eigenen Berührungen vor drei Jahren erinnerten. All die Zauberformeln die deine Finger wie weiche Zauberpinsel über meinem Rücken, meinem Bauch, entlang meiner Arme und Beine verteilten, kamen mir vor wie die Geschichten, die ich selbst geschrieben hatte. Die respektvolle Reife jeder deiner Bewegungen kristallisierte heraus, dass dies eine völlig neue Erfahrung für mich darstellen würde, obwohl sie rein sexuell gesehen, keine Neuheiten für mich bot. Doch manchmal ist es nicht das Was, sondern das Wie, das aus Altbekanntem eine neue Symphonie voll von Gänsehaut erzeugenden Akkorden gebärt.
Deine manchmal nicht ausreichende Standhaftigkeit hat dich, in all deinem erwachsenen Glanz wieder zu einem Menschen gemacht, hat mir Vertrauen darin gegeben, dass in diesen vier Wänden auch Fehler ihre Existenzberechtigung haben. Es hat mir nichts ausgemacht. Ich habe mich trotzdem auf eine wundervolle Art von dir wahrgenommen gefühlt. (Selbst-)Zweifel und sinnlose Angstvisionen der Zukunft hatten keinen Platz mehr in meinem reizüberfluteten Gehirn.
Ständiges Wechselspiel zwischen Halbschlaf mit Körpern aneinander und körperlichem Überfluss von Kopf bis Fuß. Stundenlang. Immer wieder fast abgeflaut und dann wieder zu echter Glut hochgeschaukelt. Ich fühlte mich über Stunden hinweg wie in einem vom Wachen der realen Welt völlig abgekapseltem Nest. Es kümmerte niemanden, ob die Sonne bereits fast auf Mittag stand. Es gab nur diese zwei Menschen – alles andere driftet in eine schwammige Belanglosigkeit ab, die uns aus der Ferne nicht mehr erreichte. Die meiste Zeit brauchte es auch keine Worte. Mich nur in deine unterhalb der dunklen fein geschwungenen Augenbrauen liegenden Iris deiner Augen versenken und zusehen, wie das wandelnde Licht, das durch die Schlitze der Jalousien fiel, die Farben zwischen braun, grau und grün verspielt veränderte. Dein unaufhörliches vertrautes Lächeln war wie ein Quell, frisch, ungeheuchelt, ohne Konservierungsstoffe; sickerte von deinem Gesicht direkt in den Bauch, wo sich dieses wohlig warme Gefühl ausbreiten konnte, nicht geschwächt vom Wissen, dass es nicht die Ewigkeit, ja nicht einmal den angebrochenen Tag andauern würde; weil die Vergänglichkeit in unsere Hinterköpfe gebrannt war.
Ein Wort hätte genügt, damit ich deine Wohnung verlasse, aber du hast es hinaus gezögert, während du sanft deine warmen Hände über meine nackte Haut fließen ließt. Stunde um Stunde. Hast dich zwischendurch und auch kurz vor deinem Ausstieg in der Metro dafür bedankt und mir Komplimente gemacht, weil du ja nicht wissen kannst, dass sie mir wohl irgendwann das Genick brechen könnten. Ich habe weder etwas dagegen gesagt, noch erwidert.
Und dann haben sich mit einem Türenkrachen unsere Wege getrennt und ich tauche nun langsam wieder aus dieser Benommenheit auf und weiß nicht, was ich von all dem halten soll. Das Gefühl ich gut. Aber die Chance dich behalten zu dürfen steht wohl sehr gering. Schade, an deine Augen hätte ich mich gewöhnen können.



geschrieben von: Adore

Right where it belongs1

„Dieu que cette histoire finit mal
On imagine jamais très bien
Qu'une histoire puisse finir si mal
Quand elle a commence si bien

On imagine pourtant très bien
Voir un jour les raisons d'aimer
Perdues quelque part dans le temps
Mille tristesses découlent de l'instant

Alors, qui sait ce qui nous passe en tête
Peut être
Finissons nous par nous lasser

Si seulement nous avions le courage des oiseaux
Qui chantent dans le vent glace

[...]“2

Noch hält das Hochgefühl. Es überdauerte sogar ein Gespräch mit meinem Herzen, dem ich am liebsten auch gleich vor lauter Freude die ganze Sache auf die Nase gebunden hätte. Aber dafür respektiere ich ihn zu sehr. Es ist wohl so die beste Chance doch noch lediglich Freunde zu sein.
Und auch, wenn ich es in zwischenzeitiger Tristesse oft nicht glauben kann, so steckt tief in mir verwurzelt immer noch das Vertrauen darin, dass alles passiert, wie es passieren muss. Nichts, das schlecht scheint, kann nur in diesem Eindruck verweilen, auch wenn sich die Gründe oder Wirkungen manchmal nur auf sehr verschlungenen Wegen und erst dann zeigen, wenn man schon lange aufgehört hat nach einer Raststätte oder einer lichtdurchfluteten Lichtung im dunklen Tannenwald zu suchen. Irgendwo da oben schauen die Grinsekatzen mit ihren Klaviertastenzähnen auf uns hernieder und schmunzlen, weil sie all die Zusammenhänge der auf der Erde wütenden Chaostheorie als einzige überblicken.
Ich weiß noch nicht, auf welche (Ab-)Wege mich die Begegnung mit dir führt, aber es im Moment auch völlig gleich. Die Dinge so lange genießen, solange sie gut sind, wie sie sind. Sich nicht darum kümmern, was morgen sein wird, sondern einfach ein wenig im Jetzt verbleiben und schwelgen.
Das alles hat Bilderbuchcharakter. Du bist aufmerksam, intelligent, ambitioniert, zurvorkommend, höflich und zudem noch hübsch. Außerdem gibst du mir das Gefühl, dich um mich zu bemühen. Wozu – wo doch alles im Vorhinein abgeklärt zu sein schien? Wo ist dein Haken mein Lieber?
Deine Nachricht heute. Gemischte Gefühle. Unklarheit darüber, was du in mir siehst. Ich siedle mich irgendwo zwischen Prinzessin und Edelhure an. Aber genau das ist es doch, was alle Männer gerne hätten – die heilige Hure, oder liege ich da falsch?
Egal. Ich hatte gestern flüchtig angemerkt, wann ich heute Morgen meinen Start hätte und genau fünf Minuten bevor der Zirkus von neuem begann, kamen deine Worte. Ich hätte nicht gedacht, dass du daran denkst, denn für dich war es nach einem noch aufwändigen Sonntag nichts als ein weiterer Montag morgen in einer Abfolge von Arbeitswochen. Einerseits fühle ich mich geschmeichelt, aber andererseits ist es mir suspekt, wenn du mir immer wieder für die gemeinsame Zeit und so manches was währenddessen passiert ist, dankst. Soll man Komplimente als eine Art Bezahlung für meine Dienste verstehen? Komm schon, ich habe dir doch nicht wirklich den Kopf verdreht ... Immerhin saß er noch recht sicher auf deinem Hals, als ich dich verließ.
Ich würde dich gerne bitten ein bisschen weniger charmant zu sein, weil es mir Angst macht. Nicht vor dir. Sondern davor, dass mich das alles wieder dazu anstiftet zu viel zu erwarten. Ich weiß es doch – Erwartung hat nur Enttäuschung zu Folge und darauf habe ich echt keine Lust. Zu deutsch: Mach es mir bitte nicht zu einfach mich wirklich Hals über Kopf in dich zu verlieben. Noch eine Baustelle mit privatem Scherbenhaufen kann ich mir dieses Jahr nun wirklich nicht leisten.
Es ist so schwer, vor mir selbst auf der Hut zu sein, weil mein Unterbewusst sich so clever dabei anstellt mich in wahnwitzigen Aberglauben hinein zu reiten.
Doch dich zu warnen wäre wohl auch nicht mit mir zu vereinbaren. Immerhin muss ich mir doch ein paar Schlupflöcher übrig lassen. Einfach in Zurückhaltung üben, obwohl ich weiß, dass ich an dieser Übung schon derart oft gescheitert bin, dass der erfolgreiche Abschluss fast unerreichbar erscheint.
Aber gut, alles langsam geht leicht, wenn man für Hektik und Überstürztheit keine Zeit hat. Die nächsten beiden Wochenenden bin ich ausgebucht im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist gut so, sonst wäre ich wohl verleitet dich nach einem Wiedersehen zu fragen. Aber das habe ich ja das letzte Mal angezettelt. Diesmal bist du an der Reihe. Ich will dich natürlich nicht zurück weisen, weil es sein könnte, dass ich dich damit vergraule, aber andererseits muss ich ein wenig auf mich selbst aufpassen. Immerhin bist du beziehungstechnisch, laut anders formulierter Eigenaussage, ein Problemfall, weil du es einfach nicht willst. Also was soll ich? Hier einen auf Konkubine machen, solange es uns beiden Spaß macht und dann, wenn ich feststelle ich hätte dich gerne an meiner Seite, mit der Realität kämpfen? Schließlich hatte ich das Gefühl du seist dir darüber sicher, was du willst und was du nicht willst. Mach bitte nicht den falschen Eindruck deine Regeln und dein Wort zu brechen. Ich glaube irgendwie nicht so recht, dich bezaubert zu haben, auch wenn es im Moment in deiner Mimik und Ausdrucksweise so wirkt.
Scheiße nochmal, dabei bist du doch so verlockend. Allein die Tatsache, dass du das Land verlassen möchtest entfacht wilde Phantasien über eine spektakuläre Flucht zu zweit. Diese lockere Verbindung, die spürbar ist, lässt die Vagabundin in mir nicht aufschreien, sondern sich in Wohlgefallen wiegen. Tu' mir nicht an, dass ich mich selbst wieder in eine Abhängigkeit zwänge, aus der ich längst herausgewachsen sein möchte. Es ist wie das beengte Gefühl meiner schicken schwarzen Lackschuhe, dich ich damals zum fünften Geburtstag bekommen hatte. Irgendwann sehnt man sich danach, wieder so umschlossen und an den empfindlichen Stellen geschützt zu sein, aber das Riemchen, das sich wie eine häusliche Fußfessel um das Gelenk legt, wird mir wieder die Luft zum Atmen und den Sauerstoff zum Denken nehmen. Ich kenne mich und dieses verfickte paar alte Kinderlatschen. Sie sind für mich Symbol der Frau, die sich selbst nicht vorstellen kann unumschlossen vom festen Lack einer Beziehung überlebensfähig zu sein. Ich glaube ich würde gerne noch ein wenig barfuß laufen, damit die zu weichen stellen sich langsam zu strapazierfähiger Haut entwickeln. Immerhin würde ich doch gerne erfahren, wie es ist und ob es überhaupt sein kann, mit bloßen Füßen über Glassplitter zu wandern und statt des Schmerzes nur die Verzückung über den transparenten Glanz zu erleben.
Ich will mich nicht überstürzt in eine Beziehung flüchten, nur weil ich vor mir selbst weglaufe. Also mach es mir nicht zu einfach, auch wenn ich irgendwie daran Interesse hätte, denn wie kann ich nur zulassen, dass du mich kennenlernst, bevor ich selbst mich wieder kenne und mir vertrauen kann?
Du tust mir gut und es fühlt sich richtig an, so wie es ist, aber ich bin mir unsicher darüber, was das Beste für mich ist. Ich will mich nicht wieder verlieren, denn immer noch ragen die Schatten meiner brav angesparten Unpersönlichkeit hinter mir auf, wenn du für kurze Zeit die Augen schließt.
Ich stehe hier. Ich lebe hier. Mein Herz schlägt jetzt. Und ich muss immer noch lernen, dass die Gegenwart alles ist, was ich brauche, weil sie die wahre Vagabundin der Zeit ist, weil sie inexistent und doch allumfassend ist. Denn jeder Gedanke, der eben noch Zukunft war ist sogleich wieder Vergangenheit.



geschrieben von: Adore

Schnürschuhe mit Schlingverschluss

Dieses Wochenende hatte ich sie zu Besuch. Meine Freundin. Das Mädchen, mit dem ich vom ersten Moment an über alles sprechen konnte, obwohl Welten zwischen uns liegen – nicht nur räumlich gesehen. Sie teilt meinen frankophilen Fanatismus bis in die letzte Haarspitze. Sie hat mir oft an meiner Seite gefehlt und dennoch, weiß ich, dass sie an mich denkt. Und nun war es endlich so weit. Nach über einem Jahr ein Wiedersehen von altbekanntem, dessen Umstände sich doch so gravierende auf beiden Seiten verändert hatten.

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Obwohl ich wusste, ich hätte keine Zeit dich dieses Wochenende zu sehen, weil meine gesamte Aufmerksamkeit meinen zurückgekehrten wiederbelebten Erinnerungen gehören würde – so kam ich doch nicht umhin, dich kurz an meine Existenz zu erinnern. Ich kam dir zuvor. Du hattest vor mich einzulanden und ich musste dir eine Abfuhr erteilen. Glaub mir, zu gerne hätte ich eingewilligt und wäre es bloß gewesen um für ein Minütchen dein Lächeln vorbeihuschen zu sehen. Aber du läufst mir ja nicht davon ...

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Freitag Abend. Ihre Ankunft und endloses Geplauder bis in die tiefblaue Nacht hinein. Ihre schrille Stimme. Ihre großen Zähne, wenn sich beim Lachen ihre Lippen in die Breite ziehen. Ihr schlaksiger Körper auf meinem abgesessenen Sofa. Ihre unendliche Begeisterung für alles, was ich mit diesen kleinen Händen in ihrer Abwesenheit geschaffen habe.
Samstag morgen machten wir uns dann gleich zu unserer ersten Erkundungstour auf. Ich hasse diese Stadt, weil ich sie nicht kenne. Zumindest ihre Schokoladenseiten sind mir noch dezent entgangen. Ihr Besuch war die Gelegenheit ihr und auch mir selbst zu zeigen, warum dieser Ort so berühmt für seinen herrschaftlichen Glanz und Glamour ist. Doch zuerst mussten wir unsere Leidenschaften befriedigen und zwängten uns am marché aux puces1 an zwielichtigen Gestalten und preiseschreienden Händlern durch die Herbstluft. Und da standen sie. Schwarz, das Licht an den Kuppen durch die Politur in meine Augenwinkel zurückwerfend: niedliche Puppenschühchen, die einzig auf meine normalerweise zu klein geratenen Füße passen konnten. Ich zwängte mich mit nackten Füßen hinein, wie Aschenputtel und obwohl sie nicht wie angegossen saßen, musste ich sie einfach haben. Und wenn ich mir damit die Zehen bräche. So bin ich. Manchen Versuchungen kann man nur unterliegen.
Mit den Schätzen in einer Plastiktüte lief ich grinsend und plappernd an ihrer Seite her, schwatzte über die Stadt, mein Leben darin und lauschte verzückt ihren Geschichten von weit her. Es fühlte sich nach all der Zeit immer noch genauso vertraut an. Um uns herum hat sich so viel geändert, aber zwischen uns, ist alles beim Alten geblieben.
Nach stundenlangen Stadtspaziergängen, die uns fast dreimal im Kreis führten, kehrten wir nach Hause zurück, um kurz darauf im Kino den Aufstieg einer unserer Ikonen anzusehen. Ich hatte mich zu diesem Anlass für die Puppenschuhe, einen schwarzen knielangen Rock mit Tupfentüll mit Leggings und ein selbst bedrucktes Shirt entschieden. Es war ein Genuss die leicht elastischen Bänder in Wogen um die Lederknöpfe zu legen oben am Ende des Rists mit einer Idiotenschleife zu schließen. Kriegsbemalung war altbewährt. Ich wollte gut aussehen, immerhin hattest du gefragt, was ich an diesem Abend noch mit ihr unternehmen würde und sie hatte gemeint sie würde dich gerne kennen lernen. Wie perfekt.

Während der gesamten zwei Stunden in den blauen samtigen Sitzen konnte ich die ganze Zeit nur daran denken, dass mein Telefon da abgeschaltet in meiner Handtasche schlummerte und auf deine Antwort wartete.
Ich fasse es nicht: Es scheint als hättest du mir gehörig den Kopf verdreht, du Charmeur. Warum lässt du nicht locker? Was sind deine konkreten Absichten? Ich verstehe nicht einmal mehr Bahnhof? Ich dachte der Zug wäre abgefahren? Dennoch, ich bleibe immer noch mitten am Gleis stehen und warte darauf, dass du mit Pfeifen und Getöse auf mich zukommst.

Durch den Zufall fügte sich alles zum Vorteil aller Beteiligten. Sie zog mit einem Fremden, der uns angesprochen hatte vom Museumsplatz ab und ließ uns beide in dieser gelben Koje nebeneinander in der nächtlichen Kälte nach Mitternacht zurück. Wir berührten uns physisch nicht, aber irgendwie fühlte ich mich dir trotzdem nahe. Allein dein Kommen signalisierte mir, wie sehr du an einem Wiedersehen interessiert warst. Es war dir egal gewesen, ob ich mit jemand anderem unterwegs war. Es war dir egal gewesen, ob es schon verdammt spät war. Du kamst trotzdem vorbei.
Und da waren wir nun, die Beine lässig von uns gestreckt. Ich bewegte meine Zehen in den leicht zu fest geschnürten Schuhen immer auf und ab, damit sie mir nicht absterben.
Einstimmig beschlossen wir dann den verlassenen Platz ebenfalls hinter uns zu lassen, was sich als gar nicht so einfach erwies, da wir in diesen Betonmauern fast eingesperrt waren. Erst der Hauptausgang entließ uns in die Freiheit die Nacht bis zum Morgen auszureizen.
Lieber nur ein paar bunte Kugeln, als uns gegenseitig schieben. Je sais que tu as ta propre queue, mais cette fois-ci t'as du te contenter de celle du bistro.2
Sowie die Kugeln geschmeidig über den grünen weichen Filz liefen, so lief auch der Schmäh von Mund zu Ohr und wieder zurück. Wir amüsierten uns prächtig zwischen den Stößen und dem Einlochen, das wohl zugegebenermaßen doch eher deine Stärke ist. Wenn ich mich nach vorne beugte um die Kugeln ins Visier zu nehmen, streifte dein Körper im Vorbeigehen meinen. Verwirrungstaktik zieht bei mir nicht, wenn ich spiele, ich verliere so oder so (den Verstand) und verwette meinen Kopf.
Die Zeit zerlief uns wiedermal zwischen den Fingern, wie Eiswüfel in heißen Sommernächten auf meinem Bauch. Irgendwann gegen vier Uhr war die Bude völlig leer, die Lapen der Billardtische bereits erloschen und wir saßen immer noch in der Ecke und redeten, als der Kellener uns sanft beibrachte er würde uns jetzt vor die Tür setzen. Irgendwann hattest du ganz heimlich mein Tässchen Schwarztee mit Milch bezahlt, obwohl du dieses Getränk für abartig hältst. Ich habe dir gegenüber schon einige meiner Fremdartigkeiten an die Nachtluft gelassen, aber was du daran findest, kann ich mir nicht erklären.
So standen wir also im anbrechenden morgen, auf dem breit gepflasterten Trottoir und sahen uns stumm in die Augen, während du deinen Kopf abwägend von links nach rechts neigtest. Deine Hände fassten meine unter dem Cape versteckten nackten Oberarme und zogen mich langsam ganz dicht an dich heran. Dein Blick verknüpft in meinem. Deine Lippen auf meinen, nachdem sich die Lider senkten. Rhythmisch. Genügsam. Auskostend. Meine Brust an deinem Oberkörper, während deine Finger immer weiter abwärts, über die Taille, die Hüftrundung, bis an die Pobacken glitten. Leichte Kniffe, wie um sicher zu gehen, dass du das wirklich in Händen hast. Und immer wieder diese wortlosen Blicke. Auge in Auge, nur wenige Zentimeter von einander entfernt, sodass sich fast unsere Nasenspitzen streiften.
Am liebsten wäre ich bis zur Mittagssonne bei dir geblieben. Ob auf diesem Gehsteig, oder sonst wo, schien völlig gleich, weil die Umwelt zerfließt und vieles von mir abfällt. Aber ich konnte nicht. Die biologischen Vorgänge in der Frau sind ein Hund! Glaub mir, ich hätte dich gerne begleitet, wenn es auch nur gewesen wäre um nackt neben dir anstatt in meinem Ein-Mann-Bett einschlafen zu können. Ich fasste dich an den Händen, sagte, ich würde gehen. Wir waren bereits von einander abgewandt, aber noch nicht gelöst, da zogst du wieder an meinen Fingern und drehtest mich zu dir, spielend leicht, auf diesen Mörderabsätzen. Irgendwann löste ich mich aber völlig. Du bedanktest dich wieder, daraus werde ich nicht schlau. Dieser Abend konnte nicht weiter gehen. Was du dir dabei gedacht hast weiß ich nicht. Ich hoffe du siehst es nicht als Zurückweisung. Das soll es nicht sein, auch wenn ich mir oft die Frage stelle, warum ich es mir antue, in etwas zu investieren, dem keine Überlebenschance zugestanden wird. Ich verstehe es einfach nicht? Was willst du? Glaubst du wirklich, du musst so viel Aufwand betreiben um mich ins Bett zu kriegen? Oder steckt da mittlerweile mehr dahinter? So dumm es klingt, ich hoffe es wäre tieferes Interesse. Interesse an meiner Person. An mir als Mensch.
So ging ich innerlich schweren Kopfes, aber äußerlich mit erhobenem Haupt die ansteigende Straße in genüsslichem Schritte entlang. Meine Schuhe brachte mich fast um. Ich wagte nicht mich nach dir, der du in die entgegengesetzte Richtung deinen Weg hattest, umzudrehen. Ich zog auf meinen Stelzen von dannen.
Wenige Schritte später eine Nachricht von dir.
Am liebsten wäre ich gekrochen. Ich konnte nicht bis da hinauf gehen. Nicht, wenn ich mir nicht meine Füße zu Schrott laufen wollte. Ich lachte mir umsonst ein Taxi an uns ließ mich bis zur Bushaltestelle mitnehmen.
Ich neckte dich ein wenig und das Schmunzlen huschte durch die klare Nachtluft von einem Display zum anderen.
Und nenne mich nicht Süße, schließlich gibt es hundert Frauen die sind zehnmal mehr Zucker als ich. Schmier' mir keinen Honig ums Maul, sonst bleibe ich an dir kleben.
Du stürzt mich in Gedanken, die ich mir nicht leisten soll. Ich habe keine Zeit für so einen Schnick-Schnack und doch lässt es mich nicht los. Soll ich mich bei dir melden? Oder ist es blöd, wenn ich dir wieder zuvor komme? Würdest du von dir hören lassen, oder bist du eingeschnappt? Wieviel Bedenkzeit kann es brauchen? Wieviel Abstand ist notwendig?
Alles mit Maß und Ziel, das war meine Rede, aber in Wahrheit habe ich davon überhaupt keine Ahnung. Allein, wenn man sich meinen Süßigkeitenkonsum pro Woche ansieht, weil man, dass Zurückhaltung nicht immer meine Stärke ist. Aber warum nicht auskosten, was das Leben so ausspuckt?
Ich wünschte die Grenze wäre nicht plötzlich so verwischt. Die Offenheit unserer Begegnung auf den zweiten Blick hat mir irgendwie besser getan.



geschrieben von: Adore

Kopf meets Wand

Das passt einfach nicht zusammen. Er kann da einfach nicht durch und doch gibt es Tage an denen ich ihn gerne so lange dagegen schlagen möchte, bis irgendeines der beiden Dinge zu knacken und splittern beginnt. Egal welches es ist, der Drang wird schwächer werden.
Ich konnte mich nicht durchsetzten. Nicht, dass ich es nicht versucht hätte, die Dinge in die Wege zu leiten, die die meinen sind, aber wir sind alle wohl schon zu erwachsen, um uns mit Schmeichelein und kleinen Zugeständnissen zufrieden zu geben. Natürlich habe ich wieder eingesteckt und es im Nachhinein bereut.
Nur diese wenigen Stunden in diesen heiligen Hallen aus hellem Marmor mit dem Glaskonstrukt über dem Kopf, das mich so sehr an meinen Louvre erinnert hat, hat mich dazu gebracht wieder zu atmen. Langsam. Ohne Stocken. Regelmäßig im Herzrhythmus. Allein die Weite der Licht durchfluteten Empfangshalle hat mich spüren lassen, dass ich die gleiche Weite in mir trage. Das mein Horizont nicht am Tellerrand der anderen aufhören muss. Ich hasse Kompromisse, wenn es darum geht, dass sie meine Entdeckerlust einschränken und behindern, ja versuchen regelrecht mit Vertröstungen zu verstümmeln. Aber ich kann es einfach nicht. Ich kann nicht rücksichtslos wie ein Güterzug über die Wünsche der anderen drüber rattern. Ich will sie nicht platt machen, sondern nur meine Zeit für mich nutzen dürfen. Habe ich eben nicht so ganz geschafft, weil ich die einzige war, die sich zutraute völlig allein durch die Stadt zu schwimmen. Ich hatte meinen Straßenplan, meine Metro-Karte und meine Augen im Schädel. Wen oder was hätte ich sonst noch gebraucht um mich zurecht zu finden und alles in mich aufzusaugen, was es zu sehen, zu fühlen, zu erleben gab. Nichts, aber mein Verantwortungsbewusstsein hat mich an der Seite jener verweilen lassen, die leicht unbeholfen waren. Ach, scheiß drauf. Ich betrachte es als einen Grund, wieder dorthin zurück zu kehren. Mit offenen Augen und den Armen weit auseinander gebreitet.
Und sonst. Wie steht es mit meiner emotionalen Freiheit? Ziemlich am Arsch würde ich sagen. Am Arsch der Welt gelandet um genauer zu sein.
Mein eigenes Verhalten drängt mich wieder zurück. Drängt mich in die Offensive obwohl ich das gar nicht möchte. Ich will nicht aufdringlich sein. Ich hasse das.
Es war völlig klar, dass ich mich vor dem Abflug nochmal melden würde, wenn du es nicht tätest. Nachher hätte ich mir dafür am liebsten die Zunge im Mund abgebissen und zur Sicherheit auch gleich noch verschluckt, so unangenehm war es mir, während der Woche mit dir in Kontakt getreten zu sein.
Aber warum? Warum empfinde ich es als etwas das mich beschämt? Habe ich kein Recht darauf, zu zeigen, dass ich Interesse an dir habe?
Ich fühle mich wie eine Wochenend-Konkubine, die du anrufst, wenn sonst niemand da ist. Ich will nicht dein Lückenfüller sein. Ich möchte nicht aus deinem normalen Leben ausgeklinkt leben. Ich will nicht auf Abruf stehen, aber genau das scheine ich zu tun. Ich lauere jeden Tag vor diesem dämlichen elektronischen Drecksding, wie vor einer Hasenfalle, in der Hoffnung, dass du hinein tappst. Aber ich verdränge, dass es in der Arbeitswoche unmöglich ist. Wozu warten? Wozu sich überhaupt den Kopf darüber zerbrechen?
Ich will kein zeitweises Schattenleben an deiner Seite oder in deinem Bett oder in deinen Armen.
Entschuldige, ich verstehe das nicht. Punkt. Oder besser: Ausrufezeichen plus Fragezeichen.
Ich könnte mir sagen, dass du schwer arbeitetest und deshalb nicht einen Gedanken an mich verschwendest, aber eigentlich will ich das nicht glauben, denn wenn man jemanden mag, geht er selbst dann nicht aus dem Kopf raus. Da kann man treten, schieben, drücken, sprengen, was man will. Ich habe einfach das Gefühl, dass ich nicht kapiere, was das soll. Was siehst du in mir? Siehst du mich überhaupt je richtig an? Ich möchte nicht, dass du mich übersiehst, aber auch nicht, dass ich mich in dich verguckt habe, auch wenn es für Letzteres wohl schon zu spät ist.
Fuck. Ich hätte dir echt sagen sollen, dass du deinen verdammten Charme lieber zu Hause lassen sollst. Oder gleich, dass du mich nie wieder anrufen sollst. Ich hätte dir sagen sollen, dass ich nicht nur, wie du meinst „komisch“ sondern wahrscheinlich nach all der Zeit bereits in meinen jungen Jahren bereits völlig irre von der Sucht nach Liebe und Zugehörigkeit bin.
Dann hätte ich wenigstens behaupten können, ich hätte dich gewarnt.
Es ist zermürbend immer warten zu müssen und dann doch wieder dem Drang zu erliegen. Dann ramme ich wieder meinen Schädel gegen die Wand und fasse mir hoch zur warm pulsierenden Wunde. Geduld ist diesbezüglich nicht meine Stärke, weil es mich immer meine Unzulänglichkeit als Grund vermuten lässt. Dabei ist es absurd. Völlig dämlich. Ich kenne dich nicht. Du kennst mich nicht. Wir sind nur zwei Seelen in diesem unendlichen Meer von Wildfremden. Aber ich muss mich an etwas klammern. Es war immer schon so, weil ich die völlige Autonomie und Autarkie nicht mehr aushalte. Oder es vielleicht nie wirklich getan habe.
Ich brauche einen Anker, sonst drifte ich noch ins Bermuda-Dreieck.
Es tut mir leid, dass du es bist. Ja, es tut mir aufrichtig leid für dich. Ich werde versuchen, mich zurück zu halten, so gut es geht, wenn du tatsächlich aufhörst mich wahrzunehmen.
Meine ständigen Zweifel sind das rostrote Mauerwerk an dem ich jeden Tag wieder ein wenig mehr zerbreche. Dabei kommen die Hiebe selten von außen. Sie kommen von meinen Händen, von meinen Gehirnwindungen. Sie kommen aus den Schlünden meiner Seele. Und dir die Schuld oder die Verantwortung zu übertragen ist so viel leichter. Es ist so viel unkomplizierter zu sagen, du zweifelst an mir, an dem was ich bin, als deutlich auszusprechen, dass ich es tue. Ich allein. Schließlich kann ich nicht davon ausgehen mir erlauben zu dürfen, dir Gedanken in den Kopf zu legen.
Ich sollte aufhören meinen Maßstab in deine Hände zu legen, auch wenn mich ihre so weiße Haut fasziniert.



geschrieben von: Adore

Bulletproof

That's exacly what I aint. Hier la rage m'a empoignée à nouveau car je déteste d'être ignorée par qui que ce soit. Surtout par toi mon chou. J'ai toujours atteint tout ce que j'avais visé dans ma carrière et ce fait le rend difficile à comprendre que dans ma vie privé ce n'est pas toujours comme ça puisque ce n'est pas du tout la même chose. Pouvoir passer du temps avec toi, ça ne dépend pas que de ma volonté.1

Ich habe mich gefühlt als wäre mein Kopf bereits feuerrot, so habe ich abends innerlich gekocht, als du mir nicht geantwortet hast; habe gefürchtet, dass die fiebrig-glasigen blauen Augen in meinem Kopf bald aus ihren Höhlen katapultiert werden würden, weil der Druck in meinem Schädel so anstieg. Ich bin nichts Besonderes, aber ich fordere dennoch ein Mindestmaß an Respekt mir gegenüber ein. Es ist eine schiere Unhöflichkeit jemanden so dumm sterben zu lassen. Ich habe es immer schon gehasst, darum bin ich selbst auch immer darum bemüht anderen so schnell wie möglich Antwort zu geben, damit sie ja nie das Gefühl bekommen ignoriert oder gar vergessen zu werden.
Natürlich übertrieb ich wieder einmal maßlos, indem sich in meinem Kopf alles hochschaukelte. Ich sagte mir, ich würde dir mitteilen, du solltest dich bloß nie wieder bei mir blicken lassen. Allerdings ließ ich davon ab, weil ich mir der Lächerlichkeit dessen durchaus bewusst war. Und dennoch, besänftigt hat es mich nicht. Ich drehte weiterhin meine Runden von meinem Schlafzimmer ins Wohnzimmer und zurück, wie ein wildes Tier, das eingesperrt im Zwinger hockt. Ich hätte an diesem Abend gerne ein wenig Auslauf gehabt, aber nicht einfach irgendwie. Mir gefiel einfach der Gedanke daran, diesmal meine Zahnbürste mit zu dir bringen zu können.
Ich habe das ganze Scheiß-Wochenende gewartet, von dir zu hören. Immerhin kam es mir so vor als hätte ich je an einem dieser drei Tage Anspruch auf deine Anwesenheit. Denkste. Schließlich hast du dein eigenes Leben, deinen eigenen Willen und ich keine schriftliche Einverständniserklärung von dir mir das zuzugestehen.
Und wie immer habe ich bis in die Morgenstunden gearbeitet, weil ich, aufgebracht wie ich war, kein Auge hätte zu tun können, bevor ich mich nicht völlig verausgabt hatte. Nicht einmal das kontinuierliche Rattern der Flachkolbennadel, die sich immer wieder durch Stoff so zart und fein wie ein Netz aus Feenstaub rammt, konnte mich einlullen. Ich konnte mich mit dieser Stille nicht abfinden, weil ich es nie konnte und nie können werde, weil es wider meine Natur ist. Wolfsgeheul schallt durch die Nacht, bis ich erbeutet habe, was ich wollte. Und das Fell glänzt weiterhin stumpf-grau im Mondlicht, ohne dass deine Finger hindurchgleiten. Wärst du nicht einfach aufgetaucht hätte ich vielleicht tatsächlich vergessen können, wie sehr es mir fehlt, die warme Haut eines anderen an meiner zu spüren, wenn ich einschlafe. Nicht umschlungen, sondern nur einen klitzekleinen Teil berührend.
In meinem Kopf habe ich dich verflucht. Automatisch, wie von Band. Doch irgendwie konnte ich mir nicht vorstellen, dass du dich absichtlich so verhalten würdest, auch wenn ich dich nicht im geringsten kenne und meine Menschenkenntnis leider ziemlich im Argen liegt. Dieses Verhalten konnte ich mit dem, wie du dich in meiner Gegenwart benahmst einfach nicht vereinbaren. Da gab es schier keinen Zusammenhang.
Und genau das ist es: Wenn ich Dinge nicht verstehe und nicht begründen kann, dann machen sie mich wahnsinnig; dann möchte ich am liebsten mit kostbarem weißen blau-geblümtem Porzellan in der Wohnung um mich werfen, um das Chaos, das durch das Unerklärliche entsteht, umzusetzen. Das klirrende Geräusch hätte die Unsicherheit in meinem Kopf schon irgendwie übertönt und der Schmerz beim Über-die-Scherben-Gehen hätte das Gefühl der Zurückweisung schon irgendwie verblassen lassen; genauso bleich wie das Porzellan werden lassen.
Aber all die Rage, all die kreisenden Gedanken waren wieder einmal umsonst. Mitten in der Nacht kam eine plausible Entschuldigung und Worte, wie ich sie von dir gewohnt war.
Dennoch ätzt es mich an, wieder eine ganze Woche durchstehen zu müssen, um auf irgend ein Zeichen von dir hoffen zu dürfen. Und es kotzt mich auch an, dass ich wieder einmal nicht warten konnte und mich absolut aufdringlich fühle. Es ist unangenehm zu glauben, ich hinge an einem Rockzipfel oder hechle dir hinterher wie ein dämliches Hundsvieh. Ich will mich nicht sabbernd nach deiner Aufmerksamkeit und Präsenz verzehren. Ich will nicht, dass du weißt, wie stark der Jägerdrang danach ist, dich nicht nur vorübergehend zu bekommen. Du kannst dir nicht ausmalen, was es für mich bedeuten würde, wenn du deine Grundaussage in Bezug auf Beziehungen revidieren würdest. Es würde mir beweisen, dass ich es wert bin, dass man sich näher mit mir befasst; dass ich mehr bin, als ein Stück Fleisch; dass ich stark genug bin, meine Überzeugungen zu Resultaten zu bringen und nicht nur ins Leere zu reden.
Ich kann nichts dafür. Seit dem ersten Moment als ich dich sah und dir die Hand zur Begrüßung entgegen streckte, da überfiel mich die Versuchung dich an mich zu binden. Deine Art ist so wohltuend gemäßigt. Ja klar, das ist wohl weil du eine andere Generation bist als ich und ich das nicht kenne. Manchmal kommt es mir vor als lägen Welten zwischen uns. Aber wer sagt, dass es nicht spannend sein könnte diese zu erkunden?

1 Das ist genau, was ich nicht bin. Gestern packte mich die Wut aufs Neue weil ich es hasse von wem auch immer ignoriert zu werden. Besonders von dir mein Lieber. Ich habe immer alles erreicht worauf ich in meiner Karriere gezielt hatte und dieser Umstand macht es schwierig zu begreifen, dass es in meinem Privatleben nicht immer so ist weil es absolut nicht das gleiche ist. Zeit mit dir zu verbringen, das hängt nicht nur von meinem Willen ab.



geschrieben von: Adore

Grippaler Angstschock

Den ganzen Nachmittag über habe ich mich heute gefühlt, als wäre ich geistig beeinträchtigt, regelrecht behindert im Denken und Tun.
Nachdem ich mir aus der Bibliothek Bücher über Ästhetik und Schönheit geholt hatte, die ich auf Grund ihrer Komplexität vermutlich nicht dechiffrieren können werde, ging es so weiter. Egal, was ich anfasste, nach einer Viertelstunde verwarf ich das ganze. Ich habe hier vor mir auf dem Schreibtisch einen begonnen Hutschnitt, einen einzelnen Spitzenhandschuh, meine Schnittzeichensachen und meine Recherchemappe für die anstehende Kollektion, für dich ich immer noch keine passende Quell- und Referenzliteratur aufgetrieben habe.
Ich fühle mich antriebslos und unfähig, weil ich nicht weiß, wo ich die Dinge anpacken soll. Es kommt mir wie ein riesiger Brocken vor das alles zu organisieren, zu recherchieren, auszuformulieren und nebenbei auch noch hundert kreative Ausbrüche zu haben. Ich habe keine Lust darauf diese bekackten Entwürfe zu zeichnen. Ich möchte mich einfach bloß in die Arbeit stürzen und sehen, was dabei heraus kommt. Ich möchte mich in der Werkstätte in meinen Stoffen, Schnitten und neuen Ideen, die erst durchs Arbeiten geboren werden, vergraben.
Aber ein echter Designer arbeitet nicht so – sagt man.
Scheiß auf Designer, was ich will, ist das arbeiten mit meinen Händen! Ich möchte die Stoffe unter meinen Fingerspitzen fühlen, eine vom Nähen eine Hornhaut auf dem Mittelfinger bekommen, weil ich keine Fingerhüte mag und das Lächeln auf dem Gesicht von Kunden sehen, die zum ersten Mal ihre nur für sie gefertigten Sachen anziehen. Warum sollte ich Kollektionen für Laufstege machen wollen, die von irgendwelchen Menschen begafft werden, deren Namen ich nicht kenne und mit denen ich nie ein Wort wechseln werde.
Und was ich vor allem möchte, ist in Zukunft einen guten Mentor zu haben, der mir noch so vieles beibringt, was ich in der kurzen Zeit hier nicht lernen kann.
Ich habe das Engagement die Dinge zu schaffen, die ich möchte, aber Engagement und Lernbereitschaft sind heutzutage nichts mehr, womit man zukünftige Arbeitgeber überzeugen kann. Es braucht tolle Skizzen, die wie aus dem Ärmel gebeutelt aus sehen und nur so vor innovativen Ideen strotzen. Man muss davon überzeugen, die Beste zu sein ... aber ich bin nicht die Beste ... alles was ich bieten kann ist mein Wille zu arbeiten, weil Arbeit für mich immer ein Ausgleich und eine Bereicherung war und ist.
Wenn ich arbeite, kann ich diese ganze zwischenmenschliche Verwirrung beiseite schieben. Dann muss ich keinen Kopf dafür haben, ob du mit mir ausgehen wirst; ob mein altes Herz sich jemals wieder bei mir melden wird, wie es freitags um zwei Uhr nachts passiert ist. Dann muss ich nicht darüber nachdenken, dass die beiden Menschen, mit denen ich über alles sprechen kann außer Landes sind.
Aber heute, da konnte ich nichts arbeiten. Ich habe mich so matt, so kraftlos, so außer Stande gesehen auch nur an einer Sache fest zu halten. Verdammt, wann kriege ich endlich den Arsch hoch. Vor allem, wann werde ich aufhören zu Hause nur an den Dingen zu arbeiten, die mit der Kollektion und der Ausbildung nicht so viel am Hut haben. Es ist manchmal, als seien es zwei getrennte Welten, obwohl ich mir in der einen oft genug Sorgen und Gedanken um die andere mache, so setze ich dennoch keine Handlungen. Alles bleibt beim Alten und die Hoffnung, es irgendwann zu machen bleibt bestehen während ich der Zeit beim verfliegen zusehe.
Ich sollte bereits hundert Zeichnungen haben, um die besten Stücke auswählen zu können, aber ich kann mich nicht aufraffen, weil es mich deprimiert. Weil die anderen so viel bessere Strichführungen haben, so viel bessere Ideen, so viel mehr Potential. Ich fühle mich fehl am Platz und entmutigt, obwohl ich von meiner Idee vollends überzeugt bin. Ich habe Angst, dass ich die wenigen Stücke, die ich unbedingt realisieren möchte nicht hinbekomme. Ich weiß einfach nicht, wie ich das machen soll.
Mittwoch ist der Stichtag für die Konzeptabgabe. Ich hoffe, dass ab diesem Zeitpunkt in der Institution endlich begonnen wird mir in den Arsch zu treten; dass man mich vor Ort zwingt etwas zu tun, anstatt mir vorzuquatschen, was ich zu Hause tun sollte.
Wie? Wie? Wie?
Und wie soll das mit dir weiter gehen, Johnny? Einerseits denke ich, dass es keinen Sinn macht so viel Kraft und Hoffnung in jemanden zu stecken, der von vornherein eine Bindung ausschließt, aber andererseits weiß ich, dass es mich diese Kraft ohnehin kosten wird, denn ich bin schlecht darin Menschen zu vergessen und mich von vergebenen Chancen zu lösen. Und ich sehe in allem eine Chance und sei sich auch noch so klein. Ich glaube es ist egal. Wenn ich mir verbiete an dich zu denken, oder die Gelegenheiten der Zeit mit dir zu nutzen, so wird es mir beides gleich viel kosten. Sowohl das eine, als auch das andere wird mich davon abhalten anständig zu arbeiten. Weil der Gedanke an dich mich lähmt, weil die Sehnsucht starr macht und weil deine Gegenwart ein Arbeiten nebenbei natürlich unmöglich macht.
Ich frage mich oft, ob es mir leichter fiele mich zu konzentrieren, wenn ich mir deiner sicher wäre. Wahrscheinlich. So war es doch immer. Schon bei meinem Herzen hat es mich beruhigt und im Tun bestärkt wenn ich mir seiner sicher war. Konnte ihn für die Arbeit links liegen lassen, weil er ja sowieso auch noch da war, wenn ich fertig war. Doch es nimmt jeden Reiz. Diese Abrufbarkeit und dieses gezielte ausblenden von Emotion ist schon ein kleiner Weg in den Abgrund, in die Gewohnheit, in eine Herzlosigkeit und eine Selbstverständlichkeit, die keine Kitzeln mehr in den Fingerspitzen mehr auslöst. Solange du ein wenig schwer zu greifen bleibst, bist du interessant und auf der anderen Seite für meine Karriere gefährlich. Weil mein Kopf wo anders sitzt als da oben am Hals. Weil ich ihn von Zeit zu Zeit ohne Voranmeldung verliere und nicht mehr weiß, durch welche Gassen er im Moment bis zu dir rollt.
Kann man privates Glück und beruflichen Erfolg gleichzeitig haben, oder muss ein Kompromiss, eine Zurückstecken einer Seite eintreten?
Ach was weiß ich, irgendwie muss ich das alles einfach auf die Reihe bekommen. Immerhin haben es abertausende vor mir geschafft. So blöd kann doch nicht einmal ich sein ...
Wenn ich wieder gesundheitlich auf der Höhe bin, wird das alles schon seinen Lauf nehmen. Ich sollte nur ein wenig mehr tagsüber schlafen und die Nächte durcharbeiten. Mein falscher Tagesrhythmus trägt sicher einiges zu meiner Unproduktivität bei.



geschrieben von: Adore

Métro boulot métro dodo1

Faszinierend, wie du deinen Träumen entgegen strebst. Nein, eigentlich bewundernswert. Woher nimmst du die Kraft, die Motivation, die Sicherheit, das Wissen? Vielleicht aus den neun Jahren mehr Lebenserfahrung, die du in dir trägst, gleich einem Schatz, den dir niemand nehmen kann.
Du hast den Samstag Abend zu Hause verbracht und vor deinem PC herumgeackert, damit deine ganz persönliche technisierte Weiterführung der Frères Lumière zur Premiere rechtzeitig fix und fertig ist.
Dein Wille ist ein gutes Vorbild für seine Zukunftsvisionen zu arbeiten, koste es Blut, Schweiß oder Nerven. Du bist erst der zweite Mann in meinem Leben, den ich kennen lerne, der für seine Ziele alles hinten anstellen kann, wenn es sein muss. Der Mond hat es damals geschafft, aber ich weiß nicht, was aus ihm geworden ist, weil sich unsere Bahnen nicht mehr kreuzen und sein Licht nie wieder auf meine Pfade scheinen wird. Stattdessen leuchten mir nur noch kalte Neonlampen den Weg ins Ungewisse. Ich sollte endlich mein Motivationsschreiben vorbereiten, für eine Blindbewerbung für eine Stelle, die offiziell nicht einmal existiert ...

-break-

Das halbe Wochenende hat mich wieder einmal völlig aufgewühlt, mich wegen Nichtigkeiten auf Palmen und Tannen gehetzt. Begonnen hat alles, mit dem Briefekritzler, der scheinbar mehr auf das Gespräch mit meiner Mitbewohnerin aus war, als mit mir, die ich ihn bereits seit fünf Jahren kenne. Aber was macht das schon? Reden kann ich mit ihm doch sowieso schon lange nicht mehr über das was mich bewegt und ich erfahre im Gegenzug auch nichts mehr, was ihn berührt. Manchmal beschleicht mich die Ahnung, dass er nicht wahrnimmt, dass ich Gefühle in mir trage, weil er selbst keine an sich heran lässt. Ganz der sachliche Akademiker, vor dem ich nach jedem Gespräch als Vollidiotin dastehe, weil ich dies oder das nicht gewusst habe oder schlicht und einfach nicht darüber informiert war. Ja, vielleicht bin ich irgendwann in einem gewissen Maße weltfremd geworden, aber warum nicht, wenn es mir hilf weiter zu leben? Vielleicht sollte ich ihn einfach nicht mehr einladen, er macht sich ja sowieso nichts mehr aus meiner Freundschaft. Sogar ein Debiler würde bemerken, dass er sich ohnehin nie bei mir meldet. Immer muss ich es sein die fragt „Na wie geht es DIR denn heute?“ Er ist genauso ein Egoistenschwein wie ich selbst, wie jeder von uns es manchmal ist.
Ich tippe stark darauf, dass es auch purer Egoismus mit überspitzter Erwartungshaltung war, der mich wieder dazu geprügelt hat, nicht mehr auf dich zu warten Johnny. Ich habe es wieder getan. Dich belästigt. Dich von der Arbeit abgehalten und wenn es auch nur durch ein paar flüchtige Zeilen, die der Wind schon in wenigen Stunden wieder aus deinem Kopf geweht haben wird, war.
Ich bin eben nur ein Nichts, das sich bei andern immer wieder selbst in Erinnerung rufen muss. Dennoch mit einem kleinen Knuff in die Seite gabst du mir dann wieder ein Gefühl der Erleichterung. Du elender Gönner.
Aber irgendwie bin ich mit über die ganze Sache sowas von im Unklaren. Einladung zur Premiere des Films bei dem du Regie geführt hast. Nix davon scheint auf der Homepage des vorführenden Kinos auf. Ist das etwa so eine halb-inoffizielle Geschichte für special guests? Oder ist das ganze einfach nur zu klein um dafür Werbung zu machen?
Zu glauben die Einladung hieße dich dorthin begleiten zu dürfen wäre absolut zu dreist von meiner Seite. Immerhin hast du an diesem Abend bestimmt besseres zu tun als dich in einen samtig-roten Klappsessel neben mir zu quetschen. Und wenn es doch so gemeint war? Ach nein ... Wahrscheinlich machst du das bloß um den Kinosaal voll zu bekommen. Na dann wäre es wohl angemessen, wenn ich gleich noch jemanden mitschleppe. Falls ich überhaupt erscheine. Schließlich hatte ich das ja noch im Raum stehen lassen weil ich mir in dieser Woche eigentlich ein intensives Stelldichein mit Herrn Nietzsche geben sollte. Doch auch wenn ich von Freigeistern lese, phantasiere und dazu entwerfe, so bleibe ich doch an meine alten Stricke gefesselt: Natürlich werde ich hingehen. Das stand vom ersten Moment an fest. Aber du musst ja nicht gleich alles wissen.
Ich brenne in Wahrheit schon darauf, weil ich dich bis dahin bestimmt nicht wiedersehe, weil du irgendwo zwischen Visuals, Intros und was-weiß-ich-was versunken bist, mit leichter Panik auf dem Gesicht, die dein unerschütterlicher Optimismus aber mit Sicherheit wegwischt wie Straußenfedern ein Staubkörnchen. Aber wahrscheinlich ist es unnötig sich darauf zu freuen, weil du gar keine Zeit für mein Gesicht und meine Meinung haben wirst.
Jetzt wo ich weiß, dass du an den nächsten Wochenende sowieso beschäftigt sein wirst, sollte man meinen, ich sei losgelöst von dieser Besessenheit und könne mich wieder meiner eigenen Arbeit widmen, meine Ziele anstreben. Schließlich ist es das erste Mal, dass nicht ich diejenige bin, die jemanden für seine Interessen links liegen lässt und mir zeigt ich hätte keinen Vorrang. Dennoch, die Tatsache, dass du weißt, was du zu tun hast, bringt mich nicht aus der Sackgasse heraus, nicht genau zu wissen, was ich eigentlich zu schaffen habe. Scheiße, die Schreiberei und die Schneiderei waren für mich immer zwei paar Schuhe. Meine Werke werden in beiden Fällen von Emotionen und kurzzeitigen Eindrücken geboren. Jetzt plötzlich meine Kreativität mit literarischen Quellen in Verbindung zu bringen und darüber eine hochgestochene Abhandlung zu schreiben liegt so ganz und gar nicht in meinem Sinne. Es scheint mir im Moment sogar noch außerhalb des Bereiches des Möglichen zu liegen, weil ich weder weiß, wo und wie ich anfangen soll, noch woraus der Aufbau und die exakte thematische und technische Spezialisierung dieses Gesamtkunstwerkes liegen soll. Ich habe keinen blassen Schimmer. Alles grau da im Oberstübchen. Ich habe so etwas noch nie gemacht, ich könnte etwas Führung gebrauchen. Ja, verdammt nochmal, ich bin ein junger Spund, der null Ahnung hat. Aber wer zur Hölle soll mir das schon beibringen. Ich muss das irgendwie alleine lernen und das beste herausholen ... Normalerweise zögere ich nicht bei Herausforderungen, stürze mich hinein, auch wenn ich mich wie ein Trottel anstelle. Aber hier habe ich nur eine Chance. So wie bei der Bewerbung für die Oper, ein Motivationsschreiben entscheidet über Top oder Flop. Wer soll sich unter solchen Gegebenheiten noch frei entfalten können?



geschrieben von: Adore

Wurmloch

[...]
When will it start to sway
When will it start to almost break you

I'll miss you
And I wish you luck
Well, I forgive you
And I don't wish you away, away, away
It'll almost break you
Almost take you
Almost break you
Almost break you up
[...]1

Vermutlich ist es, weil du so verdammt viel Arbeit am Hals hast, dass du nicht einmal daran denkst eventuell einmal in all den Wochen nachzufragen wie es mir geht. Aber vielleicht ist das auch nur der Versuch mit wegzuschieben. Hinauszuschieben, aus deinem Leben, in das ich irgendwie versuche mich hinein zu zwängen, zu schummeln, zu drängen.
Das Gefühl der Unfähigkeit dehnt sich nun von meinen beruflichen Angelegenheiten auch noch weit über den See meiner Privatsphäre aus. Wasser, Wasser, so viel Wasser in diesem dünnwandigen Ballon über meinem Kopf, sodass ich jede Sekunde das Gefühl habe er bricht über mir zusammen, wenn ich zusammen breche. Damit nur niemand die Tränen sieht, die die Angst des Versagens mir in abgehackten Stakkato-Rhytmen in die Augen treibt, bis ganz an die Schwelle. Kurz vorm Überlaufen.
Natürlich weiß ich, dass diese Arbeit verdammt wichtig ist und ich irgendwann beginnen muss. Ich versuche ja in Bibliotheken zu gehen, mir Bücher aus zu leihen und sie zu lesen, aber jedes verdammte Werk scheint so ganz und gar nichts mit meiner seit dieser Woche neu definierten Vision in Textil zu tun zu haben. Und ich weiß nicht, wie ich diesen ganzen Dreck aufbauen und strukturieren soll, weil ich nicht weiß, was von mir erwartet wird. Examples, please.2
Und du, dich kümmert es einen lauwarmen Scheiß, ob ich dich gerne wieder sehen würde. Aber im Grunde genommen ärgere ich mich am meisten über mich selbst. Darüber, dass ich es nicht besser weiß. Darüber, dass ich immer Eigeninterpretationen über Gesten und Worte anstelle, die vermutlich in völligem Widerspruch zu Realität stehen. Ich bin ein Idiot. Warum mache ich mir so einen Kopf um dich? Warum beschäftige ich mich nicht mit den Dingen, die wirklich wichtig sind. Immerhin brennt im Moment nicht nur der Hut, sondern schon bald der ganze Kopf.
Eigentlich bist du das Letzte, was ich brauche. Dennoch, ich habe mich so sehr in dich verbissen, dass ich meine Zähne nicht mehr aus deinem zarten Fleisch und somit im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr aus meinem Kopf bekomme.
Alles was du an dir hast, ist das du ein passender Ersatz hättest sein können, weil du so derart anders bist. Weil du eben nicht mehr dieses Kind in dir hast. Weil du keine Frau brauchst, die für die einkauft und wäscht. Weil du mir intellektuell mit ziemlicher Sicherheit überlegen bist. Weil du ein Stadtmensch bist. Einfach weil du nicht mein Herz bist.
All das schießt mir wie Kugelhagel permanent durch den Kopf, verfolgt mich wie ein irrer Triebtäter, beobachtet mein stufenweises Scheitern mit der Sorgfalt eines abgebrühten Voyeurs.
Ich bin unfähig meinen Abschluss zu machen und dich für mich zu gewinnen. Was, was kann ich denn schon? Was, das im Leben von Bedeutung oder Nutzen wäre?
Ich weiß ich habe bei Belanglosigkeiten wie man so schön sagt ein Hirn wie ein Nudelsieb, aber ist das auch sonst alles, was ich im Kopf habe? Habe ich recht, wenn ich mich für einen oberflächlichen unwissenden Vollidioten mit vermindertem Wortschatz und mangelnder Imagination halte?
Ich fühle mich wie ein Wurm, ja wie dieses rosa Weichtier, das sich einfach nur durch die Welt wühlt: blind, stupide, ekelerregend, nackt, verletzlich, kriechend.
Wann werde ich mich durchs Erdreich endlich an die Oberfläche gekämpft haben und zur Erleuchtung kommen? Es scheint dafür keinen vorgefertigten Tunnel zu geben, keinen Notausgang. Ich sollte mich endlich zusammennehmen und das Loch nach oben selbst graben.



geschrieben von: Adore

Trois aspects1

Il me semble que cela fait une éternité qu'on a eu un entretien semblable. J'étais déjà très près à croire que notre amitié s'était perdu dans les flots du temps et que le sillon entre nous s'élargit avec chaque jour.2
Elf Stunden haben wir außer reden, Tee trinken und zwischendurch ein wenig schmausen nicht viel gemacht. Es ist nicht wie immer, weil es bei uns diesen Begriff nicht zu geben scheint.
Ich frage mich oft wer oder wie er wirklich ist, denn ich erlebe ihn immer nur in meiner Gegenwart, ohne weitere Mitspieler. Ich habe nie beobachtet wie er sich in Gruppen oder in der Gegenwart von anderen Frauen verhält. Könnte mir ja irgendwie egal sein, aber ich finde es seltsam jemanden als einen meiner besten Freunde zu bezeichnen und ihn nicht in allen seinen Facetten zu kennen. Nicht einmal annähernd.
Wir sprechen kaum ernsthaft über Privates. Mir fällt es mittlerweile schwer etwas darüber zu verlieren, weil ich immer denke, dass diese Problemchen, die nur aus meinen überhöhten Erwartungshaltungen und meinen Existenzängsten resultieren, ihn nur langweilen und mich eine Unterhaltung darüber wohl noch mehr herabmindern würde.
Manchmal weiß ich nicht mal, warum er überhaupt noch einwilligt sich mit mir zu treffen, wo er doch jedes Mal betont, dass er sich nicht gerne in der Gegenwart von nicht so intelligenten Frauen sieht. Und genau dieses Gefühl bekomme ich. Ich fühle mich oft entblößt, als wäre ich regelrecht dumm. Ja verdammt, ich interessiere mich nicht für Politik, ich gehe nicht auf die Uni und ich durchblicke keine Weltsysteme – Entschuldige.
Natürlich ist mir klar, dass es wahrscheinlich nicht seine Absicht ist, mir den Eindruck stupide zu sein zu vermitteln, aber er macht es so gekonnt als sei es seine Intention.
Wenn sein vor Selbstbewusstsein und gerechtfertigter Eitelkeit strotzender Körper mit diesem aufgeweckten Gesicht in dessen Mitte der Mund kaum aufhört sich zu öffnen und Weisheiten auszuspucken, gegenüber von mir Platz genommen hat dann möchte ich mich manchmal in das nächste Erdloch verkriechen, weil ich mich unwert fühle. Ich kann nichts dagegen machen. Es überrumpelt mich.
Oft frage ich mich, ob unsere Freundschaft es überhaupt bis zu diesem Punkt geschafft hätte, wäre nicht ich die treibende Kraft dahinter das alles nicht einfach im Sand der Zeit verebben zu lassen. Käme er jemals von sich aus auf die Idee, dass ich nur sieben Bezirke entfernt meine Isolation fast bis zum Exzess zelebriere?
Ich glaube er kennt einfach zu viele Menschen um sich darum zu kümmern. Außerdem ist er ja gewohnt, dass ich ihn darauf aufmerksam mache, dass ich noch nicht ganz im Grau verschollen bin.
Egal. Allem zum Trotz, kann ich aus diesen spärlich gesäten Gesprächen auch meine Schlüsse, Fragen oder einfach Ratschläge ziehen oder mitnehmen.
Einiges von dem Gesagten gestern hat mir Hoffnung gemacht und mich aus diesem Tunnelblick herausgeholt, damit ich wieder ein wenig klarer sehen kann. Es wird nicht lange halten, aber ich werde mich bemühen es hinaus zu zögern. Ich werde versuchen nicht immer gleich den Fehler in mir einzig und allein zu suchen.
In Bezug auf dich macht es mir hoffentlich einiges leichter Johnny, denn es macht mir schon irgendwie zu schaffen. Aber ja, ich kenne die Faktoren, die Situation so gestalten wie sie ist nicht. Ich sehe nur ein verzerrtes Abbild einer imaginären Wirklichkeit über dich und dein Leben, das es mir unmöglich macht dein Handeln und deine Worte richtig zu interpretieren.
Er sagte es gäbe immer mindestens drei Aspekte und so lange ich diese nicht herausgefunden hätte, sollte ich nicht verzweifeln, auch, wenn es ein ganzes Stückchen Arbeit sein könnte sich diese zusammen zu suchen. Toll, ich bin bei Nummer Eins: Deine Arbeit. Was dich sonst davon abhält mit mir zu kommunizieren, wie mit einem Menschen, mit dem man eventuell gut klar kommt, weiß ich nicht. Alles wird sich weisen. Wenn nicht, werde ich spätestens in zwei Wochen wieder hier von diesem dümmlich-weißen Bildschirm sitzen und meine kindischen Selbstvorwüfe in die Welt, die sich einen Scheiß darum schert, hinaus posaunen. Mit Pauken und Trompeten und wenn es sein muss auch noch mit Alphörnern und Digeridoos.
Aber Zuversicht. Alles geht seinen Weg, auch wenn ich jetzt noch nicht begreifen kann, wieso auf diese oder jene Weise. Wieso es mich nerven oder an den Rand des Wahnsinn treiben muss.
Vielleicht sollte ich auch zur Vorsorge den Abschneider nehmen und dich klipp und klar fragen, was dich davon abhält mich wieder zu sehen. Aber ich kenne mich, das brächte ich nicht übers Herz. Ob aus Stolz oder Angst vor einer ehrlichen Antwort kann ich nicht genau präzisieren.



geschrieben von: Adore

Aller droit devant soi1

In den zwei Monaten, die wir einander nicht zu Gesicht bekommen und nur sporadisch gehört hatten scheint sich das Blatt nicht nur drastisch gewendet, sondern regelrecht gefärbt zu haben und zu Boden gefallen zu sein. Zurück auf den Asphalt der Realität inmitten eines Herbstes der Herzen, irgendwo zwischen liebendem Rot, neidischem Gelb und beruhigendem Braun.
Nicht der Herbst selbst und auch nicht die Zeit selbst haben die Wende gebracht, sondern das Interesse an jemand anderem, hat den Fokus von dir abgelenkt. Ich sah ihn zum ersten Mal ohne Erwartung, ohne übersprühende Bewunderung an.
Nicht, dass deshalb weniger Liebe zu ihm in mir steckt, es fehlt nur an kitschigem Blendwerk, dessen Grelle die Wirklichkeit verzerrt hatte.
Ich habe mich entspannt gefühlt in seiner Gegenwart auch wenn ich ein wenig gespürt habe, dass er die Nähe zu mir suchte. Endlich hatte ich das Gefühl mit der ganzen Sache – nach nun fast einem Jahr – mehr oder weniger im Reinen zu sein.
Als wir am Ende des Tages bei seinen Freunden saßen und diese sich wieder über die guten alten Zeiten, die vor meinem Eintritt in deren Randbezirke waren, sprachen, da kam mir unweigerlich die Frage in den Sinn, ob dieser Blick dorthin zurück nur die Scheu vor dem Blick in die Zukunft sei. Oder zumindest ins Jetzt. Was wir im Moment er- und durchleben erscheint uns oft mühsam, unangenehm, mit Makeln und Schwierigkeiten durchwirkt und behaftet. Doch wenn es immer so war und ist, wieso begreifen wir nicht, dass die Erinnerung an gute alte Zeiten reiner Selbstbetrug ist, der nur in die Irre führt; in die Unzufriedenheit des Augenblickes.
Nichts ist perfekt, aber im Nachhinein sieht es oft so aus, als sei man nur einen Finger breit vom Vollkommenen entfernt gewesen. Sich an die Erinnerung und ihre Täuschung zu klammern ist, wie sich in sich selbst verlaufen und verstecken. Durch dieses dunkle Schloss der Eingeweide in das wir uns immer weiter zurück ziehen dringt kein Lichtpartikel der Gegenwart. Alles war gut. Wie könnte je etwas besser sein, als das bereits durchlebte?
Warum erfüllt uns die einzige Zeit in der wir wirklich existieren immer mit so viel Ekel, Abscheu, Angst?
Wieso wohnen wir nicht im Hier und leben uns AUS. Schließlich bedeutet ausleben Grenzen von sich selbst übertreten. Aus sich hinaus gehen. In der Welt stehen, anstatt sich in sich zu verkriechen und am Boden einzurollen, für Schlummer, der nicht befriedigt, weil er nicht mehr tief genug geht.
Es hat ich viel gekostet nach unserer Trennung bis zu diesem Schluss zu kommen. Ich möchte es nicht mehr vergessen. Mich nicht wieder in den Erwartungen, die neue Gesichter in mir wecken vergessen. Aber ich kenne mich. Mein Name ist WIEDERHOLUNGSTÄTER.



geschrieben von: Adore

Deuxième ... non ... première1

Seit du ihn angekündigt hattest, wartete ich auf den gestrigen Tag, wie eine Verhungernde, der man eine Henkersmahlzeit bestehend aus fünf Gängen verschiedener Desserts versprochen hat. Ausgezehrt und bereits völlig verwirrt von den Visionen des Loches im Bauch, symbolisch stehend für das Loch im Herzen, das wohl auch du nicht zu schließen gewillt sein wirst, egal wie sehr ich mich ins Zeug lege, verspielte ich meine Zeit. Je rêve de pouvoir te manger tout cru. T'avaler avec mes yeux. Dévorer chacune de tes gestes et chaque mot échappant de ta bouche. Je voudrais découvrir chaque centimètre de ta peau blanche et de ton intérieur incroyablement vaste.2
Nachdem ich Abendgarderobe übergestreift und mehrmals wie aufgescheucht kreuz und quer durch die Wohnung gelaufen war, mal mit Hacken, mal mit Strümpfen, mal Barfuß, verließ ich das Haus mit einem Mördercocktail in meinem Magen. Don't shake it, oh please, don't shake it, sinon il faut que je vomisse.3

-- break --

Dort angekommen, leicht overdressed weil wohl niemand das mit der Abendgarderobe wahrgenommen zu haben schien, war ich heilfroh meinen Briefekritzler an der Seite gehabt zu haben. Ich weiß nicht, wie das auf dich gewirkt haben muss, dass ich in männlicher Begleitung kam. Nicht, dass es mir egal gewesen wäre, aber was hätte ich tun sollen?
Als wir darauf warteten, dass es los ginge, verschlug es mir jedes mal, wenn du einen kurzen Abstecher zu uns machtest, leicht den Atem. Dabei sahst du gar nicht anders aus als sonst. Nicht hinreißender. Fragt sich nur, ob du das überhaupt noch steigern könntest. Vermutlich würde das dann unter Kitsch fallen. Du bist nicht schön in diesem konventionellen Sinne, aber irgendwas bezaubert mich. Vermutlich dein Lächeln. Es ist diabolisch und verletzlich, es ist leicht verlegen und doch von sich überzeugt, es ist keck und doch weich. Es überrollt mich wie eine Woge, obwohl das wahrscheinlich nicht absichtlich ist, und spült mich an den Rand meines Verstandes. Wie kann man nur so beeinflussbar sein? Habe ich keinen Willen mehr? Mutiere ich wegen dir zu einem idiotischen Zombie? Gott, hoffentlich finde ich mich nicht bald mit Speichel an den Mundwinkeln und Lumpen am Körper wieder.

-- break --

Auch wenn ich den gesamten restlichen Abend an der Seite eines anderen mir bis dato völlig fremden jungen Mannes, dessen reges Interesse an mir kritisch offensichtlich war, verbrachte, so kam ich nicht umhin meine Fühler immer schön brav nach dir auszustrecken.
Ich will nicht abstreiten, dass das Gespräch sehr anregend war, aber mehr würde daraus wohl nie werden. Zu einfach. Zu viele Komplimente. Es würde mich wieder in die gleiche Überheblichkeit treiben, die ich schonmal erlebt habe. Das sollte ich vermeiden, denn der anschließende Fall auf die Schnauze und damit noch fest über den Beton gezogen zu werden, möchte ich mir lieber ersparen.
Außerdem hatte ich zwischenzeitlich das Gefühl nicht mehr atmen zu können. Diese aufdringliche Nähe ist etwas das ich einfach nicht aushalte. Dieses gekonnte Abdriften in eine künstlich erzeugte Zweisamkeit hat in mir einen natürlichen Widerstand entfacht, der die Lust darauf, auch noch ein paar Worte mit dir zu wechseln, ins unendliche steigerte. Aber die Chance dazu wurde mir nicht gelassen. Sobald du deinen Hintern auch nur annähernd neben mich platziert hattest, wurde ich schon wieder unübersehbar abgeschottet.
Manchmal glaube ich mit mir stimmt etwas nicht. Bin ich rein triebgesteuert, oder warum interessierst du mich im Gegensatz zu diesem doch sehr unterhaltsamen Menschen so viel mehr? Ich hoffe es ist nur der Reiz des „Nicht-Kennens“, des „Nichts-Wissens“, der mich so anspornt. Selbst nachdem wir vor Wochen einmal das Bett geteilt hatten, bist du immer noch ein Phantom. Ich weiß kaum mehr von dir als deinen Nachnamen. Aber deinen Schatten würde ich wohl selbst im Dunkeln wiedererkennen.
Ich kenne keinen deiner Gedanken, deiner Ambitionen oder sonst irgendetwas. Was denkst du über mich? Warum hattest du mich eingeladen? Was ist da? Ist da nichts und ich spinne?
Du machst mich völlig kirre, ohne irgendetwas Großartiges zu tun. Dieser Nervenkitzel entsteht wohl nur in meinem Hirn, aber er ist so verdammt verlockend, sinnlich, provozierenswert.
Irgendwie tat es mir regelrecht leid, dass dieser andere Mann dich so offenkundig auszugrenzen versucht hat, denn die Versuche meinerseits zumindest ansatzweise an dich heran zu kommen, wurden immer gekonnt verhindert. Verdammt nochmal, ich habe mir das in den Kopf gesetzt: Dich oder keinen! Scheißegal, wieviel sweat & tears4 und Verzweiflung das kosten mag. Ich habe nicht viele Prinzipien, aber ich will, was ich will. Warum und wie ist völlig egal. Und ich kann es ganz und gar nicht leiden, wenn mir da jemand hinein pfuscht, auch wenn ich es als schmeichelhaft sehen könnte.
Und du, du mummst dich immer noch in diesen Schleier, durch den ich nichts erkennen kann. Denkst du überhaupt etwas über mich, oder bin ich nur ein Irgendjemand in einem hübschen Rock?
Wie, wann und wo wird das mit dem Plakat ablaufen? Wirst du mich zu dir einladen? Werden wir uns irgendwo treffen? Wirst du mir das Ding in die Hand drücken und mich wieder wegschicken? Ist das auch für dich nur ein guter Vorwand oder erhoffe ich schon wieder zu viel?
Könnte bitte jemand einen Henker samt betriebsfähiger Guillotine bestellen!? Es wäre mir nämlich lieber, wenn meine Erwartungen einen Kopf kürzer wären. Das würde ihnen nicht schaden ...



geschrieben von: Adore

Vom Nachmittag

Ich brauche die Zeit nicht mehr tot zu schlagen. Sie ist es bereits. Erstickt und verkümmert an ihrer eigenen Langeweile zwischen grau-melierten Wolkentürmen und dem Geheul von Hunden unten im quadratischen Hof.
Am liebsten würde ich schlafen. Einfach die Augen zu machen, tief ein- und ausatmen, damit man wieder spürt, dass das rund um das halbverreckte Herz noch ein Brustkorb ist und der Einsamkeit eines auswischen indem ich mich in Tagträumereien von Gestern entfliehe. Geht nicht.
Die Nachmittage, sie sollten verboten, abgeschafft oder zumindest sanktioniert werden. Ich kenne keine Tageszeit, die dem Tod ähnlicher sieht. Das Halbdunkel des bedeckten Himmels scheint jede Emotion außer maximal des Zorns zu verschlucken und einem die eigene Vergänglichkeit auf die Stirn zu tätowieren, die sich bei jedem verzweifelten Blick aus dem Fenster dort widerspiegelt.
Bei der Tristesse beginnt das Rad und endet im Spleen des Leerlaufes der Welt. Was es soll? Nichts, denn das Nichts einzig und allein ist der geköpfte Herrscher des Raumes zwischen Völlerei und den Geistern der Nacht, die in der Dunkelheit nur an der Frischluft die Augen zum Sehen öffnen.
Ich kann keinen Inhalt finden, weil die Suche sich nicht ergibt. Auch hinzufügen lässt er sich nicht, weil die Leere sich mit ihrem fett gefressenen Gesäß so breit macht, dass man darunter den Atem verliert.
Es ist nicht einmal mehr stockend. Es ist still. Es ist lautlos. Es ist stumm in seiner Belanglosigkeit.
Es ist wie der Tod durch Gas. Ohne Vorwarnung, ohne Geschmack und ohne Sinn.



geschrieben von: Adore

Gedankensack

Er liegt hier vor mir, wie Pandoras unwiderruflich geöffnete Büchse, und lässt Gedanken am Fließband entweichen. Gehetzt von Leere.
Dieses elende Warten, wozu soll das gut sein? Es wird mich dir nicht näher bringen. Dennoch verweile ich an diesem Punkt, nur leicht tastend die Fühler und Arme von mir streckend, hoffend, dass du irgendwann auch nur eine Geste verstehst.
Aber mit dem Verständnis hapert es im Moment ganz im Allgemeinen. Es bleibt die Frage, ob ich mich nicht klar genug ausdrücke, oder ob der Empfänger gestört ist.
Ich habe es doch was ihn betrifft ganz klar eingegrenzt. Da passiert nichts. Niemals. Egal wie übertrieben aufrecht ich gehen muss um das zu demonstrieren. Ich entscheide. Oder besser: Ich habe mich entschieden. Für die Schwierigkeit. Für das Unmögliche. Für das, was in all seiner Ferne nur Fragen aufwirft, Verwirrung und zeitweilige Unzufriedenheit stiftet.
Fakt ist, ich kann mit ihm nichts anfangen, weil ich weiß, was ich nicht will. Nicht mehr. Nie wieder.
Ich will nicht hofiert werden, will nicht, dass man es mir versucht mit allen Mitteln so angenehm wie möglich zu machen. Ich will nicht, dass man vor mir buckelt. Ich will nicht, dass man künstlich versucht eine Nähe zu mir zu erzeugen, die offensichtlich nicht da ist.
Ich kenne das alles schon. Von mir früher. Von ihm.
Ich bin selbst ein Kriecher. Jemand, der immer versucht sich hundertmal in den anderen hinein zu versetzen und dann zu reagieren, sodass so wenig Reibung wie möglich entsteht. Aber manchmal braucht es Reibung um Hitze zu erzeugen.
Doch was ich als noch schlimmer empfinde ist, wenn jemand, der diesen meinen Wesenszügen so entspricht, mich in die andere Position, in eine artifizielle Dominanz, drängt. Ich möchte keine Zentralfigur sein, die Machtworte spricht und Menschen bricht, während sie vergisst was sie selbst einmal war. Ich habe Angst davor wieder so zu reagieren wie damals. Ich fürchte den Kontrollzwang über sämtliche Situationen aufzugeben und aufzuhören über mich selbst, mein Verhalten und Handeln zu reflektieren.
Nein, ich kann und darf mich nicht mehr darauf einlassen mir anzumaßen über das Leben eines anderen zu bestimmen, auch wenn es für mich definitiv der leichtere Weg wäre. Dich außer Acht lassen, weil du eine wahre Hürde darstellst und mich einfach an jemanden lehnen, der mich umgarnt und umhegt, ist ein Weg, den ich nicht gehen will.
Ich möchte selbstbestimmt sein. Natürlich bin ich das auch jetzt nicht. Vielleicht bin ich in Bezug auf dich sogar in gewisser Weise mehr fremdbestimmt als mir lieb ist, aber ich bin nicht dafür gemacht fremdbestimmend zu sein.
Ich habe versucht diese klare Linie zwischen ihm und mir zu ziehen. Zentimeterdick mit Ölfarbe aufzutragen, damit selbst ein Blinder es deuten könnte, aber er versteht nicht, dass es ein Selbstschutz und nicht nur pure Sturheit oder gar falsche Zier ist.
Ich kann das einfach nicht mehr wiederholen. Ich will mich nie wieder vergöttern lassen. Da scheiß ich drauf.
Ich möchte eine gesunde Balance. Irgendwann. Ob das mit dir je der Fall sein könnte, davon habe ich nicht den blassesten Schimmer. Aber ich kann gezielt sagen, dass mit ihm ein Ungleichgewicht herrschen würde, das ich nicht tragen will. Wann oder wie er das versteht ist mir egal. Ich werde beharren, weil alles andere keinen Sinn machen würde.
Doch was, was mache ich bloß mit dir? Wäre da von Anfang an eine unübersehbare Abscheu gewesen, hätte ich mich bestimmt davon in die Flucht schlagen lassen. Aber dem war nicht so. Du hast angefangen, um es mal ganz kindisch auszudrücken und auf den Punkt zu bringen. Du allein hast dich für meine Anwesenheit bedankt. Du hast den ersten Funken gezündet und nun stehe ich hier lichterloh in Flammen und weiß nicht in welche Richtung ich laufen soll, um dir das Brennen als ein anfängliches Glimmen zu verkaufen.
Zwinge ich dich durch eine unbewusst mitschwingende Hilflosigkeit dazu nett zu mir zu sein? Verrenne ich mich in etwas, das genauso irreal ist, wie Geister um Mitternacht? Muss ich dich erst so lange provozieren, bis du einen Punkt setzt und mir offenes Desinteresse darlegst?
Immerhin weiß ich, dass ich dazu fähig bin.
Ständig dieses Irgendwann. Ich habe keine Lust darauf auf Abruf für dich zu stehen. Doch ich tue es, ohne, dass du davon weißt. Wohl besser so, sonst sähen meine Karten schlecht aus.
Ich selbst bin sehr feinfühlig auf Interesse von anderen, darum versuche ich immer es so dezent wie möglich zu verpacken, aber vielleicht verstehst du das auch gar nicht. Allerdings weiß ich nicht, ob das nicht zu meinem Nutzen ist, wenn du es nicht kapierst, weil wir ja andere Vereinbarungen hatten; weil die Grundvoraussetzungen für mich schon reichlich mies waren.
Der Gedankensack rollt hier in diesen vier Wänden und überall auf und ab, wie in einem Labyrhinth, speit seine unausgegorenen Weisheiten in jedes Eck und ich weiß nichts damit anzufangen. Ich fühle mich Kopflos und öde, weil einfach nichts passiert; weil sich in den letzten Monaten in Bezug auf dich nichts, aber wirklich gar nichts geändert hat. Du bist praktisch in meinem Leben nicht vorhanden, außer als ständiger Kopfzerbrecher. Du spaltest mich ins unendliche, ohne davon zu wissen. Es ist unbefriedigend, aber ich habe mich dafür entschieden ...



geschrieben von: Adore

Operation Scherenschnitt

Je me retrouve à nouveau dans cette petite guerre contre mes souhaits ainsi que mes appréhensions. Je me bats avec moi-même. Et toi? C'est pareil, ça se voit. 1
Ich selbst schleiche mich immer wieder übers Hinterland ein und zermürbe alle meine mühsam zusammen gesponnenen Taktiken und Operationen. Ich lege sorgfältig große Granitbrocken von meine Füße und sprenge jedes mal aufs Neue mit nur einem Augenaufschlag die Brücke zwischen uns wieder weg, so, dass ich nicht weiß, ob Wiederaufbau noch eine Möglichkeit im Kosmos darstellt. Ich marschiere mit Kampfgeist und weiblichen Waffen zielstrebig drei Schritte in Richtung Gefecht – dir entgegen – und dann laufe ich im Eiltempo wieder fünf zurück um Kopfschüttelnd stehen zu bleiben und zu fragen, warum ich mich selbst ständig so sabotieren muss. Wieso ich es dir und mir so schwer mache Eindeutigkeit zu verspüren. Aber du bist auch nicht besser. Unsicherheit ist der Feind in uns selbst und all die anderen wunderbaren Nomen, die schon Erich Fried in Bezug auf die Liebe anführt. Aber von Liebe ich möchte ich ja gar nicht sprechen. Ich spreche von kleinen Pflänzchen, die so exotisch sind, dass man keine Ahnung hat, wie man damit umgehen sollte. So ganz anders als das altbekannte von damals. Die Welt dreht sich hier anders und keines meiner so lange studierten Naturgesetze geht hier auf, weil ich mich mangels Gravitation von diesem unwirklichen Boden abhebe. Nur ein paar Zentimeter, doch die reichen, um die Orientierung für einen winzigen Augenblick zu verlieren.

Die ganze Nacht in Katakomben und auf der Straße verbracht bis weit über das Morgengrauen hinaus, mit vor Kälte hoch geschobenen Schultern durch den Regen tänzelnd. Auch nach dem Heimkommen kaum ein Auge zugemacht, um nur nichts zu verpassen. Nuit blanche2, die eher in Schwärze aus zu viel Kopfzerbrechen aufgeht.
Und da war es wieder. Diese Lähmungserscheinung, in der der Blick darauf begründet ist, regungslos zuzusehen, wie ich die mühsam erkämpften Kleinigkeiten wieder mit einem Fingerschnipsen in Schutt und Asche lege. Dieses Gefühl, dass meine Zunge irgendwo an meine Mundhöhle angenagelt ist und es bis in den Rachen hinunter blutet. Süßlich. Rötlich. Mit diesem Kick von Selbstsabotage und -zerstörung, der mir in die Magengegend geht.
Weder mein, noch dein Verhalten sind klassifizierbar. Unsere Ausdrucksweisen und allein jeder Blick zwischen uns ist genauso Viel- als auch Nichtssagend. Diese völlige Abstinenz von Präzision und klarem Ausdruck lässt zu viele Möglichkeiten offen, gibt zu viel Grund pour se soucier3, was mich dazu bringt, in den Schlüsselsituationen zu kneifen. So offensichtlich, dass es fast schon weh tut.
Es ist so bizarr. Bein souveränen Menschen übernehme ich das wie ein guter mime4. Und bei dir, da sauge ich deine Schüchternheit und Verklemmtheit in mich auf. Genau das, was mich an dir so fasziniert, bringt mich um deine Gunst. Meine sonst so hoch gelobte Kunst mich anzupassen, macht mir einen fetten, Strich mit Permanentmarker in die Rechnung, die einfach nicht aufgehen will.
Und wenn ich an die Situation heute morgen, im fahlen künstlichen Licht der Métro-Station zurück denke, dann bin ich mir sicher, dass es dir nicht besser ergeht. Aber mal ernsthaft: Du kannst doch nicht erwarten, dass ich jedes Mal auf dich zugehe, wo du mir doch klar gesagt hattest, du wolltest im Moment keine Beziehung. Du kannst doch nicht annehmen, dass ich ins Blaue kämpfe. Oder hat sich der Wind gedreht und ich kann seine Richtung nicht mehr deuten, weil die Haut vor lauter Gedankenkrämerei schon ganz taub ist?
Du müsstest doch auf Grund der Signale, die ich wie ein Leuchtturm auf stürmische See werfe, längst kapiert haben, dass das von meiner Seite klares grünes Licht ist, in dessen Sicherheit du dich eigentlich völlig fallen lassen könntest. Doch scheinbar ist es so lange her, dass du das gespielt hast, dass das Regelwerk nur noch eine graue Erinnerung ist, genauso wie so manche Banalität über die wir gesprochen hatten. Alles versinkt in einem Nebel in deinem Kopf, den ich irgendwie nicht fassen kann. Du rinnst mir durch die Finger, verflüchtigst dich durch deine Sprachlosigkeit, die uns alle beide wie Idioten dastehen lässt.
Naja, wahrscheinlich sind es einfach immer nur die Grundbedingungen, die das ganze so heikel gestalten. Hätte ich geahnt, dass du eine Schulfreundin aus den guten alten Zeiten genau an diesem Abend wiedergetroffen hast, wäre ich wohl zu Hause geblieben und hätte mir diese verzwickte Lage erspart. Ich kam mir vor wie ein Rad am Wagen, das von einer völlig anderen Marke ist. Die Hilflosigkeit, die ich in diesen Momenten verspürt habe, ist dir vermutlich nicht einmal annähernd bewusst.
Und dann, in dieser kurzen Zeitspanne, die sich zu einer Ewigkeit hätte ausdehnen können, da habe ich mich schon so zermürbt und unwohl gefühlt, dass einfach nichts mehr ging. Wie durchgebrannte Sicherungen. Wie rote und schwarze Kabel, die unkontrolliert ihre Funken in mir versprühen und mich starr und unzugänglich machen.
Natürlich habe ich mir zeitgleich gewünscht, ich würde anders handeln, aber es war mir unmöglich. Wenn ich etwas so sehr möchte, dann fängt mich diese Angst, irgendetwas zu vergeigen ein, stopft mich in einen hässlichen Kartoffelsack aus Jute und bindet mir die Luft ab.
Natürlich habe ich begriffen, was es sollte, dass du mich wider jede Logik noch begleitet hast, obwohl du eigentlich besser mit den anderen gegangen wärst, aber ich war wie paralysiert. Wirklich, mir lagen so viele Sprüche auf der Zunge, die in ihrer Leichtigkeit ohne Schwierigkeiten das Eis gebrochen hätten, aber sie lagen so schwer darauf, dass sich sie allein nicht hochstemmen konnte.
Du musst mich jetzt wohl für so was von unentschlossen halten. Wie gesagt, weil ich immer zwei Schritte auf dich zugehe, gemächlich, mit Eleganz und dann wieder im Moment X die Flucht ergreife, weil ich Angst habe etwas zu tun, das du nicht willst. Ich will dich nicht überrennen, weil du so zart, so weich und ein wenig gebrochen scheinst. Außerdem habe ich das mit der Initiative nie richtig hinbekommen. Ich arbeite daran, aber ich scheine diese Leçon wohl nie zu lernen. Das muss passieren und es passiert vielleicht einmal in fünf Jahren ...
Es ist die gleiche Überwindung nötig, wie in frisch gekauften schweineteuren Stoff den ersten Schnitt zu setzen, auch wenn man weiß, dass man auf dem rechten Weg ist, so fällt einem schon beim Ansetzen auf Grund der Angst abzurutschen, das Herz in die Hose, oder im schlimmsten Fall durch den Rock gleich bis auf den Boden. Ein Handgriff, einmal die richtige Bewegung würde wohl schon genügen. Aber wann? Wie? Wo ansetzen um sich an die erste Schnittlinie anzunähern. Wahrscheinlich schneide ich mir vorher alle Finger einzeln ab, bevor ich diesem kostbare GeWebe zu Leibe rücke.

L'anneau de nos désirs
Se formait en silence
Il y a eu un soupir,
L'écho d'une présence.

Quand nous traversons la peur
Un autre monde apparaîtra
Il y aura de nouvelles couleurs
Et notre coeur se remplira
De souffles qui seront des senteurs.
(Michel Houellebecq - Poésies)



geschrieben von: Adore

Bon anniv'1

Hier t'es devenu officiellement un vieux schnoque. Presque. Tu t'as même pas posé la question pourquoi je le savais. De temps en temps on pourrai avoir l'impression que t'es aveugle. Tu ne vois aucun d'efforts qui me font croire qu'à l'égard de toi mon comportement est importun. Parfois je m'en fous puisque je me dis que je suis jeune et inexpérimenté du moins si on me compare avec les gens que tu connais. Mais parmi eux je me sens déplacé et comme une enfant mais à côté de toi seul il me semble que je signifie une fontaine de Jouvence. Ça me déchire. 2

Jedes Mal, wenn du dich nicht sofort zurück meldest, beginne ich dich erst in Gedanken und dann in ganz leise an mich selbst gesprochenen Sätzen zu verfluchen. Beschimpfe dich als Idioten, obwohl ich ganz genau weiß, dass du das nicht bist. Nicht, dass du mir das bewiesen hättest, aber irgendwie denke ich das zu fühlen. Du bist kein Idiot, sondern nur mindestens genauso unbeholfen wie ich. Immerhin stelle ich mich selbst in meinen Träumen ziemlich dämlich an, weil ich darin lieber meine beste Freundin küsse, als mich mit dir zu verabreden und mich dann wundere, warum du nicht auf mich gewartet hast ...
Langsam aber doch, muss ich mich überwinden, muss mich etwas nach vor wagen, obwohl ich bei der kleinsten Bewegung vorwärts schon das Gefühl habe das Gleichgewicht zu verlieren und kopfüber aus dem Dachgeschoß zu stürzen. Das hinterlässt ekelhafte Schrammen, nicht nur am Schädel. Es zerschneidet das Gesicht, das ich versuche zu wahren. Wie der Asphalt sich beim Aufprall gegen mich drückt, so lehnt sich anthrazitfarben die Angst davor, zu viel von dir zu fordern und zu erwarten, an mich und schiebt mich beiseite.
Doch was bleibt mir anderes übrig als so lange auf dich zu zu gehen, bis du mich klipp und klar aufforderst Kehrt zu machen. Noch klang davon nichts an. Ganz im Gegenteil, die Entschuldigungen, die hinter deinen Absagen stehen, klingen plausibel. Es hört sich wirklich entschuldigend an und nicht nur so hingeschissen, weil es konkreter wird und du Gegenvorschläge anbietest. So als Wiedergutmachung. Oder Schadensbegrenzung.

Was die ganze Sache mit dir so schwierig macht ist, dass du kein Mann vieler Worte zu sein scheinst. Wie sich das auswirken wird kann ich noch nicht abschätzen. Ich kann nur hoffen, dass unser Treffen am Dienstag nicht in ein Fegefeuer aus Schweigen ausartet. Immerhin bin ich dafür bekannt, bei bestimmten Menschen einfach die Klappe, die sonst gut geölt und gewetzt, ausgezeichnet funktioniert nicht aufzubekommen. Und je mehr ich in dieser Situation dann darüber nachdenke, desto mehr lähmt es mich und macht mich auf eine unangenehme Art und Weise sprachlos. Ich mag es ja wohlig warm, aber lieber, weil das ein Knistern ist, als auf Grund dessen, dass ich die wenigen Chancen, die sich mir bieten verbrate.
Es mangelt nicht am gesuchten Gespräch, denn Fragen hätte ich genug. Aber die meisten davon sind zu delikat um sie jetzt schon zu stellen. Noch vertrete ich den Standpunkt, dass mich gewisse Dinge einfach nichts angehen, weil sie dir gehören. Ich möchte noch nicht zu sehr in deiner Vergangenheit in Hinsicht auf Beziehungen und Frauen herumstochern. Ich möchte nichts aufwühlen. Ich möchte mich nicht einmischen oder gar Anspruch darauf erheben darüber Bescheid zu wissen. Ich sage mir immer wieder, dass ich für dein Leben keinerlei Bedeutung habe. Auf der anderen Seite kann ich dich nur über penible oder intime Fragen als den Menschen fassen, den du ausmachst. Schließlich gehören all diese Erfahrungen zu dir dazu, wie deine offen gelegten oberflächlichen Leidenschaften und Fehlerchen.
Vielleicht frage ich auch nicht tiefer in dich hinein, weil ich Angst davor habe, mich enttäuschen lassen zu müssen; weil ich nicht will, dass du dem Bild, das ich mir in meinem Hirn über dich zusammen spinne nicht entsprichst; dass du ganz und gar nicht das bist, was ich nicht suche, aber zu finden hoffe.
Und auch diese eine große Frage steht immer noch im Raum, das Fragezeichen reicht bis an die Decke und der Punkt ist dazwischen eingeklemmt, damit er nicht wegrollen kann. Das aufzulösen würde bedeuten Klarheit zu erlangen, ob man am besten gleich die Waffen fallen lässt, weil es nie einen realen Kampf gegeben hat, in dem man sich beweisen muss, oder ob da etwas ist, für das es sich lohnt sich mit mir selbst und meinen Ängsten zu duellieren. Die Antwort liegt auf Messersschneide und ich wage noch nicht darauf zu blicken. Aber vielleicht kennst du sie ja selbst nicht. Wer weiß schon was du willst. Du? Wohl kaum. Es gibt nur wenige, die wirklich wissen, was sie verlangen, was sie zur Zufriedenheit brauchen. Ich zähle mich selbst nicht dazu.
Du liegst vor mir, wie dieses verflixte Sudoku, das ich seit vier Tagen jeden Morgen aufs Neue versuche aufzulösen, zu durchschauen. Nur, dass du mich den halben Tag lang beschäftigst, weil sich so viele Thesen über dich aufstellen lassen, die alle keine Beweise im Schlepptau haben. Mutmaßungen sind alles, was mir den Magen von oben bis unten durchschüttelt und mich hungrig auf greifbare Wahrheiten macht.



geschrieben von: Adore

L'année du chaton mort

Peut-être que c'est pour ça que je n'ai pas pu dormir la nuit dernière. Mais en fait, je ne le réalise pas encore. Je ne le réaliserai pas jusqu'au moment où je m'allongerai au canapé en attendant la pressure faible de tes pattes douces qui ne viendront plus jamais. Tu m'as accompagné huit années pendant ce voyage de l'enfant à la femme. Un jour j'ai arrêté de compter combien de fois tu as été sur mes genoux en ronronnant cette mélodie dans mes oreilles, mais je n'ai jamais cessé de te voir comme une partie de notre famille. Vollwertig. Wertvoll.
Avec toi je ne me sentais jamais seule. Pourtant, toi, t'as voulu mourir seule. Tu t'es faufilé et glissé dans le noir de la nuit éternelle.
T'es partie. T'as succombé. T'es allée mourir. T'as crevé. Je pourrais dire encore cent expressions pour ce fait tout à fait naturel se passant je ne sais pas combien de fois par jour. Tout de même cela ne te rapporterais pas.
T'as été ma petite au vrai sens du mot. Je t'avais gâtée. Et je me souviens qu'une fois il m'a demandé si je t'aimais plus que lui. Il avait raison avec cette supposition parce que tu as été la seule constante dans mon univers si chaotique et tumultueux.
Tant de souvenirs de toi m'envahissent:
Le premier jour dans la cuisine tu m'a mordu à l'index.
Les premières fois quand t'as du bâiller t'as eu l'air d'un Gremlin.
Chaque fois que je suis rentré d'une soirée en voiture tu m'as attendu au milieu de la cour.
Il ne faillait que sortir la machine à coudre et tu t'est installée sur mes genoux.
Quand je regardais la télé après un bain t'as dormi sur mes cheveux mouillés.
T'as jamais su miauler.
T'as jamais grandi. C'est pourquoi t'as toujours été mon bébé, ma poupée.
Au début de la relation avec lui t'as toujours dormi là où il avait passé la nuit parce que t'étais jalouse.
A Noël il y a deux années t'as été bien vexé à cause de mon absence de quatre mois.

Tu me manqueras. Sur mon épaule. Sous mes mains caressantes.
La relation avec toi était parmi les plus profondes avec des êtres vivants que j'ai jamais eue.
Franchement, j'ai toujours caressée l'idée de te prendre avec moi à Vienne. Uniquement toi et moi dans une appartement vaste mais douillet. Avec toi une partie du chez-moi est mort aussi. Perdu à jamais. De rentrer ne serais plus jamais la même chose qu'avant ce jour.

Dors-bien ma p'tite. Je t'aime.



geschrieben von: Adore

C'est à toi!1

„Nothing is certain at this time of day
You could reverberate you could decay
The mouse and the model are laughing at us
We'll risk it we're desperate for someone to trust

Let's start a new heart
The new charts are in
We'll take we'll break them
And make them give in

By counting your blessings you wind up in debt
It starts with your family and ends in your bed
You jekyll and hided when you could have let
Your guard down your dress up you must be upset“2

Es war völlig klar, dass ich zu spät kommen würde, obwohl ich für gewöhnlich zu mir wichtigen Terminen stets zu früh dran bin. Bad blockiert. Mein altes Herz, das plötzlich die Leitung belegt. Die Tram, die mir vor der Nase davon fährt. Als du anriefst, um nochmal kurz das Detail zu klären, wo wir denn tatsächlich aufeinander treffen würden, da warst du bereits vor Ort und ich stand immer noch dümmlich im Wartehaus herum, ihn in der Warteschleife haltend. Es war mir unangenehm, weil ich es nicht mag Menschen auf mich warten zu lassen, als sei ich ein großer Pascha. Aber wer konnte ahnen, dass du derart überpünktlich sein würdest.
Ich habe versucht möglichst alltäglich, aber dennoch halbwegs nach etwas auszusehen. Immerhin war das keine offizielle Verabredung im Sinne eines Dates, sondern eher eine Art Rendez-vous im französischen Sinne. Die von mir hoch geschätzten Froschschenkel- und Schneckenfresser haben mit jedem und immerzu ein solches, egal ob es der Zahnarzt oder der Steuerberater ist. Es ist ein einfaches Aufeinandertreffen zweier Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt, ohne jegliche Intimität oder amouröse Absicht.
Es sollte Natürlichkeit sein, mit der ich mich wohl fühle. Nicht diese Sonntag-Nachmittag-Pyjama-Aufmachung. Kleider machen Leute, aber eigentlich wollte ich mich nicht machen, sondern sein. Flache bequeme Schuhe, combinaison3 aus schwarzen Jeans und gleich „unfarbigem“ Kurzarmshirt mit Stehleiste. Hochgeschlossen und nackte Arme, das ist der Ausdruck meiner gemixten Lebensphilosophie, die Gratwanderung zwischen „das-gehört-sich-(nicht)“ und erst auf den zweiten Blick zu erblickende Aufgeschlossenheit ist.
Geradlinige Simplifikation statt Make-up-technischer Akrobatik: Zwei schwarze Balken und ein wenig Hautfarben.
Das ist es, was ich jeden Tag bin, nur meistens mit weniger Enthusiasmus im Blick. Doch alles, was die Gewohnheiten durchbricht, wie Sonnenlicht die schmutzigen Scheiben meines Zimmer, ist ein Funkeln und Aufblitzen wert. Und wenn es nur die Reflexion des Leuchtens deiner Augen ist. Es ist, was es ist. Es tut mir gut, in diesem Moment, in dem innerlich die Knie weich werden, weil Unsicherheit aus jeder Pore zu triefen scheint. Aber selbst wenn da drinnen alles schlottert und bebt, irgendwie habe ich es doch immer geschafft souverän und mir meiner Sache sicher dazustehen.
Stundenlang nur volle und halbe Kugeln, die im gedämpften Licht ihre Linien über mittelblauen Filz in eines der acht Löcher zogen. Und so oft daran vorbei. Wie die wenigen Worte die zwischen uns fielen. Vorbei an dem, was ich eigentlich vor hatte von mir zu geben. Vorbei an dir. Weil es so schwer ist zu beginnen und weiter zu knüpfen, wenn die Finger noch kalt und unaufgetaut sind. Weil man zu oft die nichtssagende Weiße verspielt und wieder von Neuem beginnen muss.
Ich entführte dich dann ein wenig in die nächtliche Innenstadt um Frischluft und klare Gedanken zu schnappen. Wir trotteten nebeneinander her, die behandschuhten Finger tief in die Manteltaschen gebohrt. Ich konnte wieder dieses kleine Loch im Futter spüren und drehte den Zeigefinger immer weiter hinein. Vielleicht um es zu stopfen, damit mir ja nichts entfliehe; damit Momente nicht durch lückenhafte Taschensäcke einfach aus dem Gedächtnis entschwinden.
Mit seidenem Verlauf, ohne Krachen und Splittern, brach das Eis und es fühlte sich fast wieder so unbeschwert an, wie am ersten Tag, als ich dich kennen lernte. Gut drei Monate ist das her und ich wate immer noch knietief in deinen mutmaßlichen und meinen konkreten Zweifeln. Wie durch dichtes grünbraunes Schilf, dessen scharfe Kanten bei jedem Vorbeistreifen immer tiefer ins rosige Fleisch schneiden, bis alle Ängste blank wie ausgekochte Knochen liegen. Ich bewege mich ohne Plan, ohne sicheres Ziel und ohne festen Boden unter den Füßen vorwärts, rückwärts, seitwärts, nur, um beim Stillstand nicht zu versinken. Dann doch lieber einen falschen Schritt tun, als sich ungeschlagen aufzugeben. Ich habe schließlich ein Recht darauf, mein Glück zu versuchen von dir geachtet und gemocht zu werden.
Im Irish-Pub die Hände und die Gemüter noch ein wenig mehr wärmen. Ich musste spontan an sie denken. Die mich aus kilometerweiter Entfernung bestärkt, mir Mut macht, obwohl sie es nicht müsste, weil sie keine ist, die je in meiner Situation war. Sie versteht es nicht. Aber das muss sie nicht. Es reicht, dass sie von der Wichtigkeit des „sich-ergänzt-Fühlens“ weiß.
Das Gesprächsniveau war nicht übermäßig hoch, aber aller Anfang ist klein. Was zählt ist, wie die Dinge heranwachsen. Ob es Wachstum und Ausweitung überhaupt gibt.
Ich glaube bis auf unsere Schüchternheit haben wir nichts gemeinsam. Du könntest ein verdammt guter Gegenpol sein. Du kommst aus einer intakten Familie, soweit ich das den Zeilen entnehmen konnte, bist romantisch und nicht so reif, wie man es bei deinem Alter vermuten könnte. Das alles macht nichts. Vielleicht ist das gut, vielleicht aber auch nicht.
Utopien und Gedankenspielereien dazu:
Dass du mich als typisches Trennungskind bezeichnest, wirft in mir die Frage aus, wie die Allgemeinheit – dich eingeschlossen – das definiert und welche Verhaltensmuster mir deshalb vielleicht zu Unrecht nachgesagt werden.
Deine liebliche Verträumtheit könnte meinen Alltagsrealismus ein wenig auf Wolken betten.
Dein Hang zur Abwechslung könnte ein Pendant zu meinen strikt rationalisierten Abläufen bilden.
Deine Präferenz für lange Beziehungen könnte meine frisch geschürten Verlustängste reduzieren.
Was die von dir selbst so benannte Unreife betrifft könnte das meines Erachtens sogar eine gute Basis sein um gemeinsam irgendwann später ein wenig erwachsener zu werden.
Dass du ein lascher Vater wärst, der Kindern alles durchgehen lässt, könnte mich herausfordern meine Autorität weiter zu entwickeln.
Weiter im Text. Als es an der Zeit war zu gehen, weil ich am Folgetag früh aus den Federn musste, war es nur natürlich, dass du mich noch begleitetest, weil wir den gleichen Weg hatten.
Da standen wir, Aug' in Aug' unter dem grellen Kunstlicht der Spots der Unterführung und starrten abwechselnd einander und den Marmorboden an, während Walzer-Musik leise aus dem „Opern-Klo“ ertönte. Es war absolut unromantisch, aber vielleicht hätte ich dich genau deshalb so gerne geküsst. Aber das gehört sich ja schließlich nicht! Ich konnte es nie, kann es nicht und werde es folglich nie können. Ich befürchte viel zu sehr die Ablehnung die aus einem vorausgegangen Fehlschluss resultieren könnte. Lieber warten, dich ansehen, wieder wegsehen, irgendetwas sagen. Aber ich wollte dich nicht wieder wegschicken, wie beim letzten Mal. Schließlich lag nicht einmal der Hauch des Zögerns in der Luft. Keiner von uns hätte den ersten Schritt in Richtung seiner Metro-Linien gesetzt. Wir tauchten wieder an die Oberfläche zu meiner Straßenbahn. Une Minute. Als du auch einstiegst, habe ich erst nicht mitbekommen, dass das völlig unsinnig war. Dann fand ich es amüsant, dass du einfach nicht gehen wolltest.
In vorletzter Minute ein Abschiedskuss. Deine Finger die durch mein offenes Haar wühlten. Beim zwischenzeitigen kurzen Luftholen entschied ich, wir würden beide an der nächsten Station aussteigen und auf die nächste Bahn warten. Ich wollte schlicht und einfach noch ein wenig Zeit mit dir herausschlagen, auch wenn das für mich am nächsten Morgen die Hölle bedeuten würde. Wer braucht schon Schlaf? Den bekomme ich ohnehin die ganze Woche über nicht wirklich.
Es war nicht wie in den Filmen. Nicht kitschig. Wir waren einfach nur zwei ganz normale Menschen, die kein Zuhause haben ...
Die Köpfe schräg zur Seite geneigt, damit die schmalen Nasen einander nicht stoßen. Einfach nur zwei rosige Münder, die einander liebkosten, miteinander spielten, sich gegenseitig auskosteten.
Ein fester Griff am Schopf, den Kopf rechts hinten ziehend, für weiche Lippen auf einem blassen Schwanenhals. Verwandlung von Kinderküssen zu einer Märchentinktur aus roher Leidenschaft und federleichter Berührung. Beidseitiger Wechsel aus Dominanz und Submission in einem Zeitloch weniger Minuten.
Als hinter unserem Rücken der letzte Zug vorbei fuhr war der Moment gekommen wieder rational zu werden. Wir marschierten zurück zur Metro, wo sich unsere Wege trennten, als mein Zug ratternd einfuhr, die Scheinwerfer geradeaus auf uns Übeltäter werfend. Da unten im Schacht ein letzter Kuss auf deine Lippen, die vom leicht grau-melierten Bart umrahmt sind; ein letzter Blick in deine Augen, die in Wahrheit nicht tief braun sind und der Zauber war vorbei. Abgestreift. Abgegelöst von der Müdigkeit, die mich sogleich überfiel.
Als ich las, dass du dich wieder für den Abend bedankt hattest, kam wieder dieser Gedanke, es zu verstehen, als würdest du mich damit wie eine Hure bezahlen. Ich kann das nicht abschütteln. Es kommt mir jedes Mal in den Sinn, wenn du es tust. Dabei bin ich mir darüber im Klaren, dass es deine dir anerzogene Höflichkeit ist, die dich dazu zwingt; die nichts vom Misstrauen gegen diese Geste weiß.



geschrieben von: Adore

Zehenkrampf-Crêpes

Beim letzten Mal war es ein von Müdigkeit überschattetes, dennoch leidenschaftliches Intermezzo, aus dem ich wie durch einen starken Sog immer tiefer zurück in die Realität gezogen wurde, je weiter ich mich von deiner Schwelle entfernte. Mit Rändern unter den Augen und dem Wort Schlafmangel quer über die Augenlider gespannt.
Doch diesmal war es, so dämlich das nach den wenigen Malen klingt, die ich bei dir verbracht habe, als käme ich, nachdem ich aus Versehen beim falschen Haus an der Klingel eines Menschen, der deinen Nachnamen trägt, klingelte, nach Hause. Die Vertrautheit resultiert allerdings nicht aus der Bekanntheit oder positiven Wahrnehmung der Räumlichkeit, denn deine Wohnung wirkt, mit ihren hohen undekorierten weißen Wänden, die sich nach obenhin zu einem Tonnengewölbe krümmen, ganz und gar nicht bewohnt. Alles erscheint zweckmäßig und leicht steril. Doch was es wohnlich macht, ist einzig und allein deine Anwesenheit. Die Wärme, die dein Gesicht bei meiner Ankunft ausstrahlte, tunkte alles in weiches Sonnenlicht, was kahl und kalt wirkte.
In diesen annähernd 24 Stunden war ich wie ausgeklinkt aus dem Leben, dessen Fluss ich Woche für Woche, Tag für Tag, Stunde für Stunde folge. Alles, begonnen vom Dschungel der Modeindustrie, der nicht nur undurchdringlich, sondern in den nicht einmal einzudringen war, über Käfige der Diplomarbeit, die mir mit ihren Stäben den lieben langen Tag den Kopf durchbohren, war wie ausgelöscht oder zumindest herunter reduziert auf eine Art Lappalie.
Es ist verdammt lange her, dass ich mich zuletzt in einer solchen Nähe wiederfand. Nähe, die aus der Stille quellt und diese nicht erzwingt. Nähe, die nicht aus einem „sich-nahe-Stehen“ resultiert.
Einfach nur dein warmer Körper, stellenweise den meinigen berührend. Das zarte, regelmäßige Streichen deiner Fingerkuppen über meine Haut. Dein Kopf an meinen gelehnt.
Du weißt nichts aus meinem Leben. Nichts von dem was vor dir war, oder parallel dazu ist. Ebenso weiß ich nichts von dir. Und doch fühle ich mich an deiner Seite geborgen und gut aufgehoben, vielleicht gerade weil du mich aus all dem, was war und im Moment ist, heraustrennst, separierst, in einen Zustand überführst, der die Schwere und Hektik für einen, zwei, drei, hundert Augenblicke von mir abfallen lässt.
Zeit spielte ausnahmsweise mal keine Rolle.
Wachen bis vier Uhr morgens, Hypnos vor der geöffneten Tür des Boudoirs unbeachtet stehen lassend, in umhüllter Umarmung.
Schlafen, bis Mittag, nicht mitbekommend, dass draußen hinter den verdeckten Fenstern der Schnee herab gesunken war, in umhüllter Umarmung.
Den Nachmittag auf der Couch verbringen, bis lang nach dem Einfall der Dunkelheit, in umhüllter Umarmung.
In all dieser Zeit der Umschlossenheit dominierte nicht das Verlangen nach Vollzug des Beischlafes, sondern das Bedürfnis BEI dir zu SCHLAFen. Nur deinen Atem hören, während sich deine Brust leicht hebt und senkt. Dein Herz pumpen fühlen, während ich über deine sehnigen Arme streiche. Mich immer weiter in dich verstricken, während ich mit meinen Finger durch deinen Schopf wühle.
Ich kann nicht genau sagen, woran es liegt, dass ich mich bei dir gut aufgehoben fühle. Vielleicht ist es einfach nur die Ruhe in deinem Wesen, deinen Gesten, die mich tief rasten lässt und entkrampft.
Doch all diese Wortlosigkeit wühlt mich wiederum in den Momenten in denen ich dir in die Augen schaue und merke, dass ich darin nicht lesen kann, auf, da ich immer noch nicht wage, die Frage zu stellen, wohin dieser so verwachsene Weg überhaupt führt. Ich weiß nicht, wohin es geht und diese Ziellosigkeit drückt sich dir gegenüber in meinem Verhalten aus. Ich bin ratlos was ich antworten soll, wenn du mich fragst, ob wir wieder von einander hören. Ja natürlich tun wir das – ich kann nicht anders – aber warum tun wir es? Weil wir in absehbarer Zukunft wieder das Bett miteinander teilen, oder weil wir beabsichtigen irgendwann unser beider Leben miteinander zu teilen? Würdest du mit mir kochen und mich den ganzen Nachmittag faul bei dir liegend verweilen lassen, wenn du mit mir nur eine Körperlichkeit teilen wolltest? Oder geht es dir wie mir, auszukosten einen Menschen um sich herum zu spüren, wie ein Seidentuch, das man sich um die Schultern legt; das man leicht und beruhigend auf der Haut der Seele spürt ohne daran zu zupfen und es in Form zu bringen.
Die Zeit mit dir, die andere eventuell als reine Verschwendung deuten würden, war Gold wert und federleichter noch als Aluminium. Doch da war kein harter Glanz, nur Wärme, die einen ein Stückchen weiter durch den Winter bringt.
Du und ich gemeinsam, diese Symbiose hat keine definierbare Form und keinen hör- bzw. fassbaren Namen. Sie steht unumstößlich im Raum und doch fürchte ich die Zerbrechlichkeit ihrer feinen Stelzen, auf denen sie aufgebaut ist. Wir können nicht sagen, was passiert. Ob irgendetwas funktioniert oder sich weiterentwickelt, denn wir wissen nicht, was wir tun.



geschrieben von: Adore

Chaque fois quand je quitte de ton appartement en sortant sur le pavé enneigé c'est involontairement. Je retarde artificiellement le moment de me séparer de toi.1 Von deiner Seite zu weichen ist, wie aus einem Unterwassertraum aufzutauchen, wenn man den Kopf in der Badewanne bis über die Ohren im Nass versenkt hatte. Plötzlich werden Geräusche wieder laut, die vorher wie dumpfes Plätschern an mein Trommelfell drangen. Es bedeutet, dass der Wirbel des Lebens mich wieder auflesen kann, weil ich mich ihm schutzlos ausliefere; dass er mich durch die Straßen, durch die gesamte Stadt, zurück in die alltägliche Hetze verschleppt, in der mich Abgabefristen, Lernziele, Vorbereitungsarbeiten und Versagensängste jagen, als wäre ich fette Beute.
Doch bei dir, dem Typen, der morgens sein T-Shirt föhnt, ist das alles weit weg, wie in einem fernen Paralleluniversum. Ich will kein Slider sein. Ich möchte dort bleiben. Jedes mal ein paar Augenblicke länger.
Wir tun nichts Großartiges, führen weder hoch intellektuelle noch tief sensible Gespräche, liegen einfach nur stundenlang neben-, über-, auf- und aneinander, während nur hin und wieder ein Fitzelchen der Vergangenheit des Einzelnen aus den Mündern fliegt und kurz wie das Aufflackern einer halberloschenen Kerze den Raum durchquert. Die Zeit für mehr ist noch nicht gekommen. Wir sind beide ein wenig wie verletzte Tiere, die einander erst gegenseitig die Wunden lecken müssen. Ich will nichts in dir aufreißen. Irgendwann wird der ganze Dreck in dir schon von allein heraus gespült, als sei er ein unnützer Fremdkörper, der freigesetzt zu werden hat. Bis dahin lebe ich mit den Schatten deiner Vergangenheit, die in jedem Raum über meinem Kopfe durch Nägel in den kalkweißen Wänden verankert sind. Es sind nur Gemälde einer Frau, die ich hoffentlich nie kennen lernen werde, aber sie hängen über mir, als Sinnbild für all das über dich, was noch im Verborgenen liegt.
Was wenn ich dir nichts geben kann, um sie eines Tages zu ersetzen? Immerhin bin ich doch bloß eine Zeichnerin, fernab von großer Kunst. Ich bin kein weicher Pineslstrich, sondern eine kalte Spitze, die von Zeit zu Zeit in dein Leben sticht, kaum mehr als einen Punkt hinterlassend. Denn von (Schluss-)Strichen habe ich im Moment eigentlich genug. Die Angst vor dem weißen Blatt hockt mir immer noch mit hämischem Grinsen in den Gebeinen und im Kopf. Was, wenn ich wieder alles falsch be.zeichne? Nichts kann ausradiert, gelöscht oder übermalt werden. Auf der hinteren Schädelwand brennt sich alles ein, wie mit einem Lötkolben gemalt.
Dieser Schädel ist schwer. Die Fragen in ihm reißen mich fast zu Boden, aber nur im Unsichtbaren, nur in der Parallelwelt, in der du nicht mehr als ein paar Schriftzeichen ausmachst. Meine Gedanken hängen dennoch an dir, verheddern sich oft Minutenlang im Sturm des Jahrhunderts nur in der Erinnerung an die Konturen deines lächelnden Gesichtes.

-- coupe --

Schon wenn du mir, inmitten des Tages en permanence2 durchs Haar streichst, es von einer Seite auf die andere kämmst, es eindrehst und wieder glatt streifst, es zwischen den Fingern zirbelst und in meinem Gesicht wieder aufschnalzen lässt, ergreift mich blitzartig in Millisekundenschnelle die Panik der Endlichkeit dieser Momente. Ich hasse es, weil mir bewusst wird, wie mir die Zeit durch die Hände gleitet, mir entwischt, sich voranpeitscht, wie nie sonst. Verlustängste wegen etwas auszustehen, dessen man sich absolut nicht sicher sein kann, reißt ein Herz noch vor dem anschwellen an den alten Narben wieder entzwei. Ich kann dich nicht halten. Nicht über diesen Moment hinaus. Du bist wie ein glitschiger Fisch. Schillernd entwischst du mir jedes Mal aufs Neue wieder zurück in diese Welt, in der ich nicht lange genug die Luft anhalten kann. Das Auffahren und Schnappen nach Sauerstoff schmeckt bitter, fremd und doch so altbekannt.
Was, was ist es nur, das mich immer wieder an den Grund schwimmen lässt? Was zieht mich zurück in deine Welt, in der alles wogt und von kribbeligen Blubberbläschen durchdrungen ist? Ich bin kein Pisces Volans , nur ein Vögelchen, das sich in sinnlosen Hoffnungen zu ertränken versucht. Was erhoffe ich mir von dir? Was gibt mir Anlass zu glauben, dass sich je irgendetwas an dieser Konstellation ändert? Woher kommt der Glaube wir beide öffneten uns je einander?

-- coupe --

Als du fragtest, was du tun könntest/solltest, damit auch ich unter Wasser Sternchen sehen könnte, da wusste ich nicht was ich antworten sollte.
Es liegt nicht an dir. Du kannst nichts tun. Glaub mir, die meisten vor dir haben es nicht gekonnt. Das Kopfkino hat wohl pro Dekade nur wenige Male geöffnet, weil der Vorhang klemmt. Er ist so schwer, weil er ganz dicht köperbindig aus Fragezeichen und unauslöschlichem Misstrauen gewebt ist. Ich weiß nicht wie man ihn öffnet, um einen Blick auf diese große leere Wand in mir zu werfen. Ich weiß nicht, was sich hinter diesem roten samtenen Stück verbirgt, das mein Innerstes bis zum Ersticken einhüllt.
Wortkarge Idylle allein reicht wohl nicht, um so aufzuatmen, dass die Stäbe dieses Korsetts aus Gehirnwindungen gebrochen werden können. Aber was kümmert es dich, du weißt doch nicht einmal wer es ist, der da mit offenen Augen unter dir schläft. Und eben deshalb weißt du nicht, warum ich sie nicht schließen kann; warum lautloses Wachen der einzige Schlaf ist, den ich bei dir finde.
Ich kann keinen Pakt mit dem Sandmann eingehen, weil ich fürchte genau in dem Moment in dem der glitzernde Staub meine Lider berührt und zum Senken zwingt, etwas aus dir hervor dringt, das tief unter der Lederhaut, im Magenknoten oder im Schmerz-Hirn sitzt. Was glaubst du warum du ständig Schädelbrummen und keinen Hunger hast? Irgendwas muss da doch sein. Ich befürchte nicht da zu sein, wenn du bereit bis es hervor springen zu lassen ...



geschrieben von: Adore

Vom Limes der Zuneigung

Tout ça se traîne. Mais non ... c'est moi qui l'a laissé traîner. Mais je n' veux plus. Ça n' va plus.1
Ich weiß nicht was du an mir findest. Ich weiß nicht wer du bist. Ganz einfach, das alte Gespiel: Ich weiß nicht was es sein oder werden soll und genau diese Frage habe ich dir heute schwarz auf grau gestellt. Du meintest wir würden es demnächst wohl herauszufinden haben.
Was habe ich da ins Rollen gebracht? Warum konnte ich nicht weiterhin une semaine sur deux2 auf diesem Wölkchen herumlümmeln? Warum muss ich einen Schritt bis knapp an den Rand wagen, wenn es doch nicht der eines Tellers ist? Was erhoffe ich mir dort in der Ferne zu sehen?
Während ich diese Frage in den luftleeren Raum zwischen uns warf, da stellte ich sie mir immer wieder im Kreis, wissend, dass ich selbst keinen Schimmer davon habe, was ich antworten würde. Aber es ist mir egal. Ich habe dich gefragt und wehe du kommst mir mit einer Gegenfrage. Das zählt in diesem Spielchen nicht. Strafpunkte maximal. Den Ball zurückspielen wäre feige.
Und doch, in mir liegt diese Frage offen, würde sich stellen, auch wenn du dich damit begnügtest mir zu antworten. Warum zur Hölle bäume ich nicht Pferde sondern Männer stets beim Schwanz auf, ohne jemals was daraus zu lernen? Warum halte ich diese Strategie immer noch für Wirkungsvoll? Warum glaube ich, das Glück käme mit der Zeit schon?
Ich hasse es, mich zu fragen, was ich aus dieser locker gewebten Liaison erwarte, weil im Hintergrund die falschen Motive zum Vorschein kommen. Raus ans Tageslicht. Ganz ehrlich und ungeschminkt.

„Ich hab' den Kopf in der Schlinge und krieg' ihn nie wieder raus
Ich bin verführt von deinem weißen Kleid
[...]
Ich hab' dich noch nicht einmal angefasst
Da war ich schon verloren
[...]“3

Seit der ersten Minute, in der ich kurz deine Hand schüttelte, da lag etwas in der Luft, die du ausatmetest. Und in der zweiten Sequenz stand bereits fest, dass du mich aus dieser Einsamkeit der Gedanken rausziehen würdest, ob du wolltest, oder nicht. Es war egal, du brauchtest es nicht zu wissen. Du warst dazu da, um meine Panik auf ein Minimum zu reduzieren und mich wieder tief einatmen zu lassen; um mir einreden zu können, da sei jemand; ich sei nicht allein. Und auch wenn die Zeit uns mehr trennt als vereint, so ist diese Suggestion geblieben. Sie hängt zwischen unseren Gesichtern wie Nebelschwaden. Beruhigend, einlullend, besänftigend.
Langsam und schleppend stelle ich aber immer mehr und mehr fest, dass ich mich nicht mit einer Autosuggestion zufrieden geben möchte; dass ich dahinter blicken möchte, und wenn es nur durch ein kleines durchgedrücktes Astloch ist. Ich möchte wissen, wer dieser so zart geschnitzte Mann ist, dessen Bett ich von Zeit zu Zeit teile. Mein Herz scheint sich danach zu sehnen wieder würdig zu sein Teil eines fremden Lebens werden zu können. Oder nur die eventuelle Option darauf geboten zu bekommen. Sich beweisen zu dürfen. Ich möchte wissen, ob ich fähig bin, wieder in ein Herz eindringen zu können – diesmal ohne Stiche zu hinterlassen. Doch ich will mich nicht bei dir einschleichen. Meine frisch gewonnene Offenheit zwingt mich dazu, erst herauszufinden, ob das in deinem Einverständnis geschähe.
Ich bin mir dessen bewusst, dass es schmerzlich werden könnte, weil ich mich jetzt schon in fatalen Illusionen verstrickt habe, aus denen ich mich ohne Schere und Schnitte im Gewebe wohl nicht mehr lösen kann.
Es war wichtig diesen in Form einer einzigen Frage konzipierten mich quälenden Dämon einfach aus mir heraus zu lassen und nun auf den Moment zu warten, zu erfahren, ob mir Verwüstung oder Blütezeit bevorsteht.
Wie ein unausgesprochener Zauber lag dieses Band über unseren blinden Augen. Es ist entzweit, für immer und setzt alles frei in die unendlichen Weiten der Lüfte, wo die Zauber sich nie wieder einfangen oder binden lassen. Sie können nur neu gesponnen werden, mit festem Zuge, oder sich komplett zerstreuen und verlieren.
Die Furcht davor, mich nie an dich gewöhnen zu dürfen, kroch aus den Höhlen meiner Augen als ich mich heute in deinem kalten, grell beleuchteten Badezimmer in den nackten Spiegel schaute. Dennoch, so wie es ist geht es nicht weiter, auch wenn ich noch keine Vorstellung davon habe wie es denn sonst weiter gehen solle, wenn nicht alles auseinander bricht. Ich kann nicht so weiter machen, weil ich kein Mensch für halbe Sachen bin. Und das ist eine halbe Sache, weil der Rest im Schatten der Ungewissheit unkenntlich gemacht ist. Ich kann nicht in dich hinein sehen und nichts von dem, was in dir vorgeht dringt auch nur einen Zentimeter nach außen.
Fatal ist, dass nur durch jene Methodik, das Sprechen, das ich so ganz und gar nicht beherrsche, wenn es um zwischenmenschliche Aufklärungsversuche geht, die Wahrheit entblößt wird. Ich kann nur hoffen, dass du es erledigst; dass du keine Erklärungen von mir forderst; dass du einmal den Rachen voll von Worten so weit aufmachst, dass ich all meine Angst hinein spucken könnte. Sinon, j'aurai la pilule à avaler.
Sollte es tatsächlich laut Worst-Case-Szenario designed by Annette Lapin, so enden, dass keine Beziehung möglich ist, weiß ich nicht was ich sagen soll, denn wie soll man groß eine zerschlagene Hoffnung kommentieren. Außer Schweigen fällt mir dazu kein Wort ein. Höchstens noch Wieso.
Wieso konnte ich es nicht sein lassen, was es ist, auch wenn ich es nicht betiteln konnte? Wieso der Drang das alles zu definieren, einzugrenzen, mit Attributen zu versehen? Wieso nicht einfach treiben lassen, wie auf einer Eisscholle und langsam auf den Tod durch Erwartung warten? Wieso es in die Form eines Begiffes pressen wollen? Weil Grenzen gezogen werden müssen, um sie übertreten zu können? Um beweisen zu können, dass es keine Grenzen braucht, wenn man sich einig ist? Doch einmal der Freiheit beraubt, wird die Leichtigkeit vielleicht nicht mehr die selbe sein. Ach was weiß ich. Der Tag wird kommen und mir entweder einen Tritt in die Fresse verpassen oder nicht. Es liegt bei dir. Ich glaube ich hatte mich bereits entschieden bevor ich mich vor auch nur irgendeine Wahl zu stellen wagte.



geschrieben von: Adore

Wenn sich zwei einig sind, freut sich niemand ...

Ich komme soeben aus dem Badezimmer, wo ich gute zehn Minuten damit verbracht habe mir die Zähne zu putzen, in der lausigen Hoffnung die gleichförmig kreisende Bewegung würde mich beruhigen, mir helfen mich zu sammeln. Aber da ist zu viel, das im Kreisen miteinstimmt. All die Gedanken der vergangenen Wochen, die niederzuschreiben ich unfähig war, vermengen sich mit deinen in Rauch gehauchten Worten.
Ich hatte mir selbst gesagt, es sei unmöglich sich weiter so treiben zu lassen. Ganz oder gar nicht. Wer keine Ziele hat, denen er entgegenschwimmen kann, der solle am besten gleich damit beginnen sich zu ersäufen. Denn genau das ist es, was man langsam anstrebt, wenn man sich treiben lässt, auf dieser Oberfläche, nirgendwohin außer ins Ungewisse. Man ersäuft sich, weil kein Land in Sicht ist, bevor man bemerkt, dass einem die Kraft aus geht, weil einem Nichtstun so unendlich viel davon raubt. Jedes sinnlose Aufstehen kostet unendlich viel Energie.
J'ai tellement espéré que t'auras des réponses pour moi, que je n'arrive pas du tout à comprendre que t'en as pas. J'ai tablé sur tout sauf cet embarras dans tes yeux. 1

„Allez neige tombe comme avant
Éclaire-moi dans la nuit noire [...]“2

Non. C'est exactement ce que je n' veux plus. J' n'ai plus envie que les flocons de neige tombent sur nos têtes comme des gouttes d'une pluie de comètes. Cette relation semblant si légère pèse lourd sur nos épaules.3
Nichts hat sich geändert. Alles verläuft weiterhin gleichförmig in dieser Chaosbahn der Planeten. Ich stoße mir den Kopf am Mond, weil er mir nicht sagt, wohin ich wirklich will.
Hey Johnny, tell me: How could it be, that your exactly like me?4
Ich hätte nie zu vermuten geglaubt, dass du und ich, Tag und Nacht, die wir in so gut wie allen oberflächlichen Dingen sind, tief in unserer Seele solche Zwillinge sein könnten. All die Unbeständigkeit, die Unzufriedenheit, die Unsicherheit, hausen in dir wie in mir.
Ich hatte gehofft, du führtest mich heraus aus diesem Keller der Altlasten und Ängste, dabei sitzt du neben mir hier unten und ich konnte dich bloß wegen meines hoffnungsvollen Blickes zur Kellertür nicht sehen.
Es ist beklemmend zu wissen, dass nichts von dir mir sicher ist. Ich hatte so sehr den Wunsch gepflegt, du würdest in Zukunft mein neues Rückgrat sein, das irgendwann innerhalb meiner letzten Beziehung langsam aber doch morsch wurde und zerbröselte, dass es mich blind gemacht hat. Du stehst genauso auf dieser wackeligen Leiter und schaust um dich herum, ohne auch nur irgendetwas zu sehen.
Ich weiß, ich sehe eher aus wie eine schiffbrüchig gewordene Galeere, statt ein Kreuzfahrtschiff, das dich in fremde spannende Welten entführt. Und ich weiß jetzt auch, dass ich nichts tun kann – weder Sirenengesänge, noch verheißungsvolles Wedeln mit Schatzkartenteilen – um dich auf mein Deck zu locken.
Du willst dich nicht binden. Du willst mir nicht wehtun. Aber glaub mir, egal was du tust, ich bin mir sicher es schmerzt, weil es einfach so sein muss. Egal was du tust, es wird nie wirklich richtig sein.
Denn ich weiß ja selbst nicht, ob ich dir trauen kann; ob ich mich dir an.vertrauen kann. Es darf. Es möchte.
Es beißt und kratzt und juckt in jeder Pore und Ritze, zu wissen, dass sich in den letzten vier Monaten scheinbar nichts geändert hat; dass wir immer noch an diesem total verkorksten Anfang stehen, der nichts sagt und nichts bedeutet, aber doch so viel wiegt, dass er hinunterzieht, wenn man näher darüber nachdenkt. Ich weiß, man sagt aller Anfang sei SCHWER, aber wie lange soll ich das er.tragen? Wozu mich aufraffen, wild mit den Armen im Meer herum zu paddeln, wenn ich vor lauter Nebelschwaden um den Kopf nicht einmal bis zur nächsten Boje sehe? Warum nicht zurückschwimmen, in die wohlige Vergangenheit, in der alles anders und besser war – die nie wieder real wird, sondern nur ein verhallter Wunschtraum ist?
Warum nur? Warum musst du so weich, so unentschlossen sein wie ich? Warum suche ich mir gerade dich aus, dich an mich zu binden, wo du versuchst alle Stricke zu kappen? Warum hast du mich nicht weggeschickt und tust es immer noch nicht?
Es macht mir Angst, zu wissen, dass du jederzeit gehen könntest. Wohin auch immer du willst. Ich glaube ich möchte bei dir sein. Aber glauben heißt nichts wissen. Und es stimmt. Ich weiß nicht, ob ich bei dir sein möchte. Ob ich Intimität mit dir schaffen könnte. Ob ich je mit dir reden könnte. Aber was soll das eigentlich? - Schließlich kann ich doch sowieso mit niemandem reden. Und konnte es noch nie.
Ich konnte dir heute Abend nicht sagen, dass ich eher dazu tendiere mich in deinem Leben einfach einzunisten. Ich konnte dir nicht sagen, dass ich mir eine Beziehung vorstellen könnte, so ich auch nicht weiß wie. Es ist ein Bauchgefühl. Ein Herzgefühl. Ach, einfach irgendetwas aus den Tiefen meiner Eingeweide, das mich eine Lügnerin schimpft, wenn ich dir gegenüber sitze und dir sage es sei okay. Au contraire, tout es flou, branlant. Toi et moi, nous niquons sur des béquilles.5

1 Ich habe so sehr gehofft, du hättest Antworten für mich, dass ich es überhaupt nicht schaffe zu begreifen, dass du keine hast.
2 Dionysos - Neige
3 Nein. Das ist genau, was ich nicht mehr will. Ich habe keine Lust mehr darauf, dass die Schneeflocken auf unsere Köpfe fallen, wie Tropfen eines Komentenregens. Diese so leicht scheinende Beziehung lastest schwer auf unseren Schultern.
4 Hey Johnny, sag mir: Wie kann es sein, dass du genau bist wie ich selbst?
5 Im Gegenteil, alles ist schwammig, wackelig. Du und ich, wir ficken auf Krücken.



geschrieben von: Adore

Weil es schön ist

„Juste le temps de battre des cils,
Un souffle, un éclat bleu,
Un instant, qui dit mieux,
L'équilibre est fragile
_ _
J'ai tout vu
Je n'ai rien retenu
_ _
Pendant que ton ombre
En douce te quitte
Entends-tu les autres qui se battent
A la périphérie
Et même si tes yeux
Dissolvent les comètes
Qui me passent une à une
Au travers de la tête

J'y pense encore
J'y pense

A cette époque on n'écoutait qu'à peine
Le clic-cloc des pendules
A l'heure où je te parle
Sans entraves... il circule
En septembre, en attendant la suite
Des carnages il se peut, qu'arrivent la limite

[...]“1

Na schön, schön ist es also. Nichts weiter. Was soll das heißen? Ich kann diesen Begriff, der für mich eine ekelerregende Oberflächlichkeit beinhaltet, nicht in Zusammenhang mit dir entschlüsseln. Kein Matrizencode der Welt könnte mir dabei helfen. Du bist eine unendliche Bruchgleichung in meinen Gedanken, weil ich immer wieder mit dem breche, was ich mir vorgenommen habe, weil du meine Illusionen brichst, während du meine Hand sanft von der Wurzel bis zum letzten Fingerglied steifst.
So klar lag es vor mir, wie ein Sommertag in aller Herrgottsfrühe. Strahlend, fest umrissen. Mein Wille, glänzte in in all seiner präzise ausformulierten Konsistenz. Doch nur ein Blick von dir in all diesem Schweigen reicht, um die Nebel um drei Uhr nachmittags bei Sonnenschein herein brechen zu lassen. Sie fassen mich mit ihren formlosen Händen und entreißen mir all die sorgfältig ausgewählten Worte, sodass nichts mehr übrig bleibt, von dem, was ich dir sagen wollte. Wieder stürzt die Panik der Momentaufnahme, die dieser Tag in einer stockenden Endlosschleife darstellt, vom grau-blauen Himmel auf mein Gesicht, kriecht in mich hinein und stürzt mich hinunter, wühlt die alten längst tot gelaubten Zweifel auf und lässt ihre Asche bis hoch in die Stratosphäre stauben. Sie erblindet mich wieder mit ein und der selben Frage, die ich während meines Lebensweges irgendwann zu verlieren gehofft hatte.
Partages-tu le lit avec moi puisque tu m'aimes ou m'aimes-tu puisque je partage le lit avec toi?2
Glücklicherweise hat die Asche sich nicht nur auf meine Netzhaut sondern auch auf meine Stimmbänder gelegt, sodass mir diese Worte im Halse stecken blieben. Stattdessen fiel mir nichts Besseres ein, als mich danach zu erkundigen, warum du Zeit mit mir verbrächtest. Und hier schließt sich der Kreis, den ich seither in meinem Zimmer Runde um Runde drehe, wie ein verrückt gewordener Zirkel, der nicht versteht, dass der Zirkelpunkt nicht am Kreisumfang liegt. Ich war nicht darauf gefasst, dass du mir diese Frage unverändert zurück spielen würdest. Langes Zögern. Warten. Schweigen. Nicht wissen, wie was formulieren. Dann einen Gedanken herausplatzen, der schon längst nicht mehr aktuell ist, weil er abgehakt ist. Ich sagte ich täte es, um herauszufinden, ob du mir sympathisch seist, oder ich dich nur treffe, weil da sonst niemand ist.
Es war keine Lüge, es war nur nicht die selbe Wahrheit wie die des Moments, vor der ich immer noch glaube dich bewahren zu müssen, weil du mir sonst schreiend und kreischend Reißaus nimmst. Nach unendlich vielen lange Minuten, als du bereits fast eingeschlafen warst, fügte ich noch hinzu, ich glaubte es sei die Sympathie, aber dass ich nicht wisse, ob das allzu gut sei.
Ich vermute du hast kein Wort verstanden, von dem was ich sagte, wobei das vielleicht auch besser so ist, weil es nie meine Absicht war, so etwas laut auszusprechen. Es geht hier um etwas völlig anderes. Eigentlich war das alles nur eine Rekapitulation meiner Gedanken der letzten Monate, die inzwischen jede Gültigkeit verloren haben, weil sie der Endgültigkeit meiner Überlegungen gewichen sind.
Das Schlachtfeld, in meinem Kopf zu präsentieren und dir zu sagen, welches Land die Partie gewonnen hat, scheint mir undurchführbar. Und doch, es tut mir weh, so wie es jetzt ist. Es schmerzt mich in den Gliedern, er presst mein Gehirn stets einen Tick zu fest gegen den Schädel.
Alles verblasst in deiner Gegenwart, wie auf einem Röntgenbild. Was übrig bleibt sind die Knochen. Von der Stärke, vom Entschluss, von den Ängsten, vom inneren und äußeren Stress ist nichts übrig geblieben, als das, was in Mark und Bein geritzt ist. Nichts als die ewigen Fragen, nach den Absichten; nach den Gedanken des anderen. Aber ich konnte noch so sehr nach Antworten lauschen. Bis auf das Nachhallen meiner Fragen war in der Stille nichts zu hören. Du hast einfach nichts gesagt und mir in den Kopf geschrieben, dass du für mich nichts als Gleichgültigkeit übrig hast.
Am liebsten hätte ich da ganz dicht an deinem Körper einfach in die Nacht hinein geheult, weil ich es einfach nicht verstehe. Was soll das? Aber ich wollte dich nicht verschrecken. Nur eine Träne sickerte langsam und unbemerkt ins Kissen, als ich bereits den tiefen Atem des Schlafes von dir vernahm.
Ich kann nicht zu dir sagen: „Bitte schick' mich nicht weg, weil ich verrückt bin“, weil du nichts davon weißt. Du weißt nicht, dass mein Geist dir die schlechte Meinung die ich über mich habe, und wegen welcher ich mich selbst auf ein einfaches Stück Fleisch reduziere, unterstellt, weil ich nicht wahrhaben will, dass ich selbst es bin, die das denkt und fühlt. Ich habe nie verstanden wie es möglich sein könnte, dass Menschen mich einfach so mögen. Es kann nicht sein. Es ist unmöglich, weil ich einfach nicht verstehe, wie das gehen soll. Würdest du mich wirklich mögen, dann müsstest du dich doch ganz bewusst für mich entscheiden können. Mais vu que ce n'est pas ainsi ma conclusion est celle que tu ne m'aimes pas. Mais qu'est-ce qu'il y a? Qu'est-ce qui ne va pas avec moi?3



geschrieben von: Adore

Rayon: Beauté/Luxe

Noch nie in meinem bisherigen Leben war ich so schlank wie jetzt. Ich bin immer weiblich gewesen. Gebärfreudiges Becken, feminine Rundungen, weiche Silhouette haben es alle möglichen Leute betitelt. Weiblich bin ich immer noch, in mir drin und auch nach außen, auch wenn die männliche Härte auf meinem Gesicht, die manchmal den halben Tag lang Oberhand behält, nachlässt. Auch wenn dieser Körper, schwer bepackt mit hoch erhobenem Haupt, Haken schlagend durch die Gassen jagt. Auch wenn, diese Schultern hart wie Stein sein müssen, um die Rückschläge irgendwie verkraften zu können. Jeder Laut des Aufpralls an Armkugel und Schlüsselbein, treibt mich dazu, den Blick noch fester auf meine Ziele zu heften, wie mit unsichtbaren Reiszwicken angesteckt und lässt das Weiche, Unbeholfene, Sehnsüchtige in mich hinein wachsen, wie in Lilien in einem geheimen Garten. Es zwingt die Scheueklappen zum Rücksichtnehmen immer näher in Richtung Augenwinkel.
Und noch nie in meinem Leben ist mir passiert, was heute passiert ist. Die Gedanken fest in Luftblasenfolie verpackt und verschnürt, sodass ich ernsthafte Schwierigkeiten hatte, den Doppelknoten zu lösen, fand ich mein von Nachdenklichkeit gebrandmarktes Gesicht inmitten einer fremden Daunenjacke wieder. Niemals zuvor habe ich so sehr gefühlt, meine Augen wären außerhalb meines Körpers. Würden wild suchend ohne Leib durch die Landschaft streifen. Manche würden sagen, ich war einfach nur Gedankenverloren, aber eigentlich war es genau das Gegenteil. Ich war so tief in meinen Gedanken, dass ich alles andere verloren zu haben schien. Erst als ich eilenden Schrittes ohne Vorwarnung in diesen Menschen lief, in ihn hinein schlitterte und krachte, hörte ich wieder wie aus einem Traum gerissen die Geräusche der Welt, sah ihre Augen, die mich ungläubig anstarrten, als sei ich ein Verbrecher auf der Flucht.
Gedankenverloren. Schön wäre es. Il serait trop bien de perdre toutes ces pensées sur toi quelquepart dans ce monde dont je n'appartiens plus à cause de toi. Mais avant que cela se passe, je perdrai ma tête tout en entier.1
Es heißt immer, wenn nichts Materielles, Schönes oder im Groben gesagt, Vergängliches mehr sein kann, so bliebe einem zumindest immer, was man im Herzen trage.
Je perds. Rien. Tout. Rien du tout, puisque je n'ai rien. Rien sauf le souvenir d'un rêve jauni.2
Tja, bleibt nur zu sagen, dass Liebe wohl Luxus ist. Einer der wenigen, die man nie kaufen kann. Aber es macht keinen Unterschied, ich gehöre sowieso nicht zu den reichen Bonzen, also warum überhaupt darüber nachdenken. Scheinbar gibt es nichts, das ich dir bieten kann. Du verstehst nicht, dass ich meine gesamte Geduld und das mir mögliche Verständnis in die Waagschale lege, während sie von deiner Seite stets leer bleibt. Es koste mich eine ganze Stange Kraft, dir nur irgendwie zu zeigen, wieviel mir an dir liegt, aber du siehst nicht die Anspannung meiner Muskeln, nicht ihr Zittern, wenn ich fast zu Boden gehe.
Glaub mir, du musst mich nicht lieben, ich schaffe es nur nicht, deine Angst mitzutragen. Ich spüre sie. Sehe sie deutlich eingekerbt in der mehrfärbigen Iris deiner Seelenfenster, die trotz Kameleon-Spielchen nichts vertuschen kann.
Ich war nie jemand, der mit Glitzer und Glamour etwas anfangen kann. Ich stehe nicht auf Luxus. Nicht auf Schimmer, denn ich habe früh genug gelernt, dass nicht alles was glitzert Gold ist. Genauso verhält es sich mit der Liebe. Ich wäge mich nicht mehr in dieser Illusion jemanden zu finden, der mich liebt. Es gibt sie, die Menschen, die es tun. Immerschon. Sie werden bleiben, aber alle anderen, und dazu würdest du wahrscheinlich auch gehören, vergehen, verblassen, vergilben, wie weiße Chanel-Kleider, die man auf dem Dachboden lagert.
Nein. Du brauchst mich nicht zu lieben. Ich möchte, dass du mich magst. Ich möchte neben dir liegen dürfen, wenn mir danach ist. Ich möchte einfach nur manchmal deine warme Hand auf meinem Marmorrücken spüren. Liebe keimt für mich da, wo genügend Distanz ist. Ich will keine Distanz zu dir. Ich möchte in deiner nähe sein. Ich möchte deinen Atem im Nacken fühlen, wie die Fingerkuppen eines sommerwarmen Windhauchs.
Aber ich weiß, dass das nicht geht. Dass du es nicht kannst. Dass du es nicht willst.
Du willst mich nicht in deine Nähe lassen, weil du Angst davor hast, mich zu nah an dein Herz heran zu lassen; dich davor fürchtest, jemand könnte kommen und es wieder auspressen wie eine frisch gereifte Orange. Wollte ich das tun, hätte ich mir ein Orangenbäumchen auf dem Balkon gepflanzt.
Aber es nützt nichts, dir mit rationalen Argumenten zu kommen. Emotion spielt sich immer in den Eingeweiden ab, die weit weg vom Trommelfell sitzen. Nicht(s) hören wollen.
Je mehr Distanz du zwischen dir und mir schaffst, desto mehr irrationale Sehnsucht schürst du ohne es zu wollen. Ich habe dir gesagt, mir würdest du nicht mehr los. Das stimmt nicht. Ich möchte dir nur nicht sagen, wie.
Es ist das Besondere, das uns reizt, vorantreibt, in das wir uns verlieben. Sobald du Teil meines Alltags wärst, wäre es mir vermutlich egal, wie viele Wochen wir getrennt sind. Aber das kannst du nicht verstehen. Du verstehst das Spiel von Angebot und Nachfrage nicht. Je rarer du dich machst, desto höher steigt dein Marktwert. Dein verletzliches Herz steigt in die Begehrtheit einer Haute-Couture-Robe auf. Unerschwinglich. Unbezahlbar. Einzigartig. Unwirklich.
Komm runter und sei mir so nahe, dass ich die Poren deiner Wangenpartie zählen kann, dann verzieht sich die Jägerin schnell aus deinem Blickfeld und was bleibt ist Annette Lapin. Weiblich, aber unabhängig, weil die Knechtschaft der Distanz bricht und mich zurück in ein ebenso verletzliches, dir ebenbürtiges Wesen verwandelt. Kein Aufschauen. Wir wären auf Augenhöhe.



geschrieben von: Adore

SS – Sartres Schnitt

Ein Scherenschnitt chaotisch, menschlich und doch unverständlich. Ich glaube es wäre besser wir sähen einander in nächster Zeit nicht mehr. Jedes mal, wenn ich wochenlang Stunden gezählt hatte, nur um ein wenig deiner Nähe zu erhaschen, kehre ich ernüchtert, nein frustriert und deprimiert zurück in diese Höhle, die zwar unbegreiflich warm, aber leer ist.
Ich kann es einfach nicht. Vielleicht hätte ich Elektromaschinentechnik studieren sollen, einfach bloß, um zu wissen wie man diesen Schalter umlegt; ganz simpel auf Freundschaft und nicht mehr, so wie du es tust. Je mehr ich mich bemühe, desto mehr zerfetzt es alle Sicherungen in den Windungen meines Gehirns, dessen Gewebeteilchen mittlerweile schon vertrocknet an jeder Wand kleben. Rosig, wie verblühtes Verliebtsein und auf jeden Fall genauso ekelerregend.
Im Moment ist meine Reizschwelle so niedrig, dass schon die kleinste Spannung ausreicht, damit bei mir alles durchbrennt und ich nur noch grauen Rauch vor Augen sehe und in den Lungen kratzen spüre.
Ich verstehe nicht, wozu du dich überhaupt noch mit mir trifft. Du willst keine emotionale Beziehung, was für mich eine echte, nicht oberflächliche Freundschaft völlig ausschließt. Ich versuche die Klappe zu halten, nicht hinein zu bohren und auch vom Summen des Hornissennests meines Lebens nichts an dein Ohr dringen zu lassen. Aber was zum Henker soll das alles dann? Wozu einander sehen, wenn ich doch genauso gut mit irgendeinem Dahergelaufenen in der Straßenbahn die gleichen Gespräche in der gleichen Körperhaltung führen könnte? Was hat das mit Entspannung zu tun, wenn ich ständig unter Strom und elektrischem Stakkato stehe, weil ich nicht weiß, wie ich mich verhalten soll oder darf?
Ich will nicht mit dir so distanziert über irgendwelchen oberflächlichen Scheiß quatschen, sondern lieber meine Beine auf deine Oberschenkel legen, dabei die Augen schließen und nichts sagen müssen. Auf Grund dieser von meiner Seite ungewollten körperlichen Distanziertheit fühle ich mich neben dir wieder wie neben einem Fremden. Du hältst mich bewusst von deiner Privatsphäre, wie deiner Wohnung fern, das merke ich, auch wenn du es nicht ausdrücklich sagst. Stattdessen trotten wir durch Bars und die Stadt und du lädst mich auf alles ein, worauf ich Lust hätte. Aber es interessiert mich nicht, dass du mich durchbringst. Ich will mich nicht von dir aushalten lassen. Warum tust du das? Glaubst du es macht das Fehlen von Nähe wieder wett?



geschrieben von: Adore

Quergeschnitten und ausgefranst

Ich lieb' dich unbeschwert und grau meliert.
Bist uni-schwarz, nicht kleinkariert.

Ich lieb' dich mit offenen Kanten.
Bist wie Mauern, die nie nieder brannten.

Ich lieb dich kratzig, glatt und rau.
Bist eine Sommernacht, nichtssagend lau.

Langsam, mit jeder Sekunde ein bisschen weniger. Ein bisschen weniger wahr. Ein bisschen weniger wahr.Heit. Alles verblasst hinter diesem Vorhang, der wie aus Regntropfen gesponnen ist, alles verschwimmen lässt; dessen strömende Bäche eingeschlagene Wege in Sumpfgebiete verwandeln.
Acht Monate hatten wir auf diesen Tag hingearbeitet. Blut und Tränen geschwitzt, weil alles in der Luft hing. Es schien unmöglich. Es schien unschaffbar. Und nach gut einer Stunde versenkte der tosende Beifall im Saal alle Zweifel, die sich bis zum Schluss wacker geschlagen und überlebt hatten.
Es bedeutet Abschluss und Abschied. Es bedeutet, dass das dunkle Loch immer näher kommt. Es bedeutet, dass ich neue Ziele brauche, um nicht abzurutschen.
Noch ein wenig in der Erinnerung schwelgen. Geruch von Schweiß und Haarspray in der Luft, irgendwo zwischen dem Geklappere schneller Schritte auf Bleistiftabsätzen. 28 Ideen, von 28 völlig verschiedenen Individuen wurden in dieser Nacht vor die gefräßigen Mäuler von Journalisten, Modekritikern und nahestehenden Personen gespien. 28 komplexe Denkstrukturen im Programm auf ein paar läppische Sätze herunterreduziert. 28 Lebensphilosophien, die über den glatten weißen Laufsteg schwebten. 28 Visionen, die textile Ausbrüche wurden. Und 1000 Gedanken von den Anwesenden erfüllten die enge Räumlichkeit.
Ich war wie außer mir. Oder besser außerhalb von mir. Ich fühlte mich herausgerissen aus meinem Alltag. Ich liebte es: Die Leute am Eingang mit strahlendem Lächeln zu begrüßen. Sie eintreten zu lassen, in unsere tiefsten Gedanken.
Von der Show selbst, habe ich nichts gesehen, außer meine Models, die in ihren menschenfeindlichen Kleidern an der Menge vorbei schritten. Grazil. Feminin. Stark. Und dennoch an die Grenzen ihrer Körperlichkeit gebunden. Wie ich. An die Grenzen in ihrem Kopf, die niemand sehen kann. Fest verschnürt und zugezurrt: Ein Leib und eine Seele im ewigen Dialog und Disput. Freiheit und Verpflichtung. Loslassen und Festhalten. Außreißen und in sich Verkriechen. All das sollte sie sein. Meine Kollektion, von Freigeistern im Käfig.
Weil ich es bin, die im Käfig ihrer selbst steckt. Wie jeder. Weil ich es bin, die auf ewig an mich gebunden ist. An dieses Hirn. An dieses Herz. Ich kann weder aus meiner Haut, noch aus meinem Kopf.
Und zwischen der Aufregung, dem hektischen Herumrennen durch die Räume, dem Begrüßen der Gäste, da war dein Gesicht. Und auch oft bloß der Gedanke daran.
Alles was du sagtest bevor du gingst, war, dass meine die beste gewesen sei. Ich bitte dich, hör auf mich in den Arm zu nehmen, während du mich wegschiebst. Es hat mich gelähmt, weil ich nicht mehr weiß, was ich dir noch sagen soll. Im Prinzip weißt du alles was du über mich wissen musst. Und doch, du tust einfach nichts. Verharrst reglos und paralysierst mich mit deinem Anti-Verhalten. Ich weiß immer noch nicht, woran ich bei dir wirklich bin.
Vermutlich gar nirgends. Du hast in den letzten Wochen nicht ein einziges Mal gefragt, wie es mir geht. Und auch jetzt. Keine Reaktion. Es tut mir weh, weil ich nicht weiß, wieso du das tust.
Wartest du darauf, dass ich von mir aus, wieder diesen Trott der Verwirrung aufnehme und dich zwinge Zeit mit mir zu verbringen, oder ist es das endgültige Signal dafür, dass du mich nicht mehr willst; dass ich dir egal bin?
Du hast nichts verstanden. Oder ich. Ich weiß nicht. Ich weiß nichts mehr.
Es tut mir weh, das Gefühl zu haben, von deiner Bildfläche völlig verschwunden zu sein. Ja, ich weiß, ich, ich allein war es, die sagte, es wäre wohl besser, einander in nächster Zeit nicht zu sehen. Aber du hast die Feinheit nicht begriffen. Du verstehst nicht, dass es mich auseinander reißt, einfach nichts von dir zu hören; dass deine Reaktion wider alles ist, was du je gesagt hast. Es zeugt nicht davon, dass du mich magst; nicht davon, dass wir zumindest Freunde sind. Es zeigt mir bloß, dass das nichts ist, weil da nicht einmal mehr der Funke eines Lebenszeichens von dir ist.
Es ist idiotisch. Da wären genug Männer, die vermutlich intelligenter, wortgewandter, oder was weiß ich wären, aber es passt einfach nicht.
Scheiße, ich möchte wieder neben dir schlafen dürfen. Möchte wieder deine Hand fassen dürfen. Möchte dir wieder in die Augen sehen dürfen, ohne mir permanent tausend Fragen zu stellen. Ich möchte einfach bei dir sein, in einem Jetzt, in dem alles andere egal ist. Ich möchte frei sein, von dem Gedanken mich wieder allein in dieses Bett legen zu müssen. Ich möchte frei sein von dem Gedanken, dass ich mal wieder vor dem Fernseher zu Abend esse. Ich möchte frei sein von dem Gedanken, dass ich Freizeit mit mir selbst einfach nicht aushalte. Ich möchte jemanden an meiner Seite, der einfach bloß da ist. Wieso verstehst du das nicht? Wieso willst du das nicht? Und wieso will ich dafür nicht einfach jemand anderen, um es uns beiden einfacher zu machen? Ich glaube mein Herz macht mittlerweile keine Kopfstände mehr, sonder hat sich resigniert quer in den Brustkorb gelegt, wo es eingeklemmt immer noch versucht zu begreifen, warum gerade du.



geschrieben von: Adore

Je veux le scalp de Xena1

Immer wenn ich mit dir in Kontakt trete bringt es mich in Aufruhr. Man könnte auch sagen, ich flippe völlig aus. Ich fühle mich so instabil wie schon lange nicht mehr. Nicht mehr seit den Sehnsuchtszeiten meines alten Herzens. Ich bin eine schlechte Musterdesignerin, weil ich sich alles immer wiederholt, ohne merklich Änderung. Abgedroschen und zum Kotzen.
Ich hasse das Gefühl frei im Raum zu stehen, während die „Wandflucht“ bereits voll im Gange ist. Ich hasse das Gefühl, dass der Boden unter mir schwankt und brodelt. Ich hasse das Gefühl unverbündet zu sein. Wer soll mir den Rücken decken, wenn doch alle außer mir bereits Rücken an Rücken gegen alles mögliche Kämpfen? Ich hasse es unaufhörlich Hypothesen aufzustellen. Ich hasse es, dass du mich abschiebst wie einen dreckigen Asylanten, der nur Stunk in deinem Land macht – nur höflich, damit du nicht wie ein Idiot dastehst.
Ich wollte dich zum Essen einladen, aber du meintest es sähe an diesem Tag „eher schlecht aus“. Ich werde den Gedanken nicht los, dass diese Floskel einfach nur bedeutet, dass du schier keine Lust darauf hast. Du gehst mir aus dem Weg, seit ich alles aus mir raus geschrieben habe, was ich für notwendig hielt, damit du mich verstehst. Damit du weißt, wer ich noch bin, außer diesem blonden lächelnden Ding.
Dauernd sage ich mir, ich sollte dich in Ruhe lassen, weil die nicht vorhandenen Signale doch eindeutig sind. Aber je mehr ich mir das sage, desto weniger schaffe ich es. Ich bin schwach. Ich bin unfähig. Ich bin nicht einwandfrei. Ich bin beschädigt. Irgendwo da, wo das Vertrauen sitzt, ist ein riesiger Defekt. Ich kann meine Verlustängste nicht steuern – mich nur immer mehr hinein steigern, je mehr du mir Grund dazu gibst. Ich bin eifersüchtig auf eine Frau, die so alt aussieht, dass sie fast meine Mutter sein könnte und sich wie Xena verkleidet. Dabei weiß ich, wenn ich klar im Kopf bin, dass Eifersucht eine völlig unsinnige überflüssige Emotion ist, die man am besten aus seinem Repertoire streicht. Ich bin es aber, weil ich ständig das Gefühl habe nicht zu reichen, unzulänglich für deine Ansprüche zu sein, obwohl du eigentlich keine stellst, weil du ja angeblich keine Beziehung willst. Aber wie kannst du denn nur so leben? Wie kann es dir nicht fehlen? Und wieso zerreißt es mich so?
Ich stricke frenetisch eine Masche nach der anderen. Erst rechte Reihen, dann linke Reihen und immer so fort. Motorische Beschäftigung sollte mich beruhigen, aber eigentlich ist es nur eine weitere Möglichkeit mir endlos viele Gedanken über dein Verhalten machen, darüber zu spekulieren, was da eigentlich in deinem Kopf vorgeht.
Ich atme schnell aber stockend. Halte zeitweise den Atem ganz an, in der Hoffnung durch das Zurückhalten der Luft könne ich auch die tausend Ängste und Gedanken zurückhalten und langsam hinunterschlucken. Bis in den Magen, der in letzter Zeit sowieso zu wenig Essen sieht.
Ich schreibe dir nicht mehr, was ich denke. Und schon gar nicht, dass mich dein Verhalten kränkt. Ich fresse einfach alles rein, als seien es die Ravioli von Dienstag. Blöd nur, dass mir die irgendwann um halb drei Uhr nachts wieder hochgekommen ist. Stockfinster wie es ist, scheint es noch Mitternacht zu sein. Ich würde dich gerne wiedersehen und alles zulassen können. Den Schmerz, die Hingabe, aber ich weiß, es ist unmöglich, weil du mich nicht sehen willst, und ich es sowieso nicht könnte.
Ich hasse deine knappen Sätze. Ich hasse diese Stille. Und ich hasse es, dass ich einfach nicht stark genug bin, es so zu akzeptieren.
Ich hatte mir damals gesagt, ich würde nicht mehr von ganz unten anfangen wollen – und habe es getan.
Ich hatte mir damals gesagt, dass es besser wäre unten zu bleiben, weil mir die Höhenluft zu gut tut und süchtig macht.
Ich hatte mir damals gesagt, ich würde auch allein zurecht kommen.
Alles was ich mir gesagt hatte, habe ich nicht eingehalten. Und jetzt sitze ich wieder hier, ohne zu begreifen. Ohne begreifen zu können. Ohne es zu wollen. Weil ich etwas anderes will.
Ich würde mich so gerne mit jemandem verbünden. Du bist nicht perfekt, aber schienst mir dafür perfekt geeignet. In deinem Kaninchenbau habe ich mich unantastbar gefühlt. habe mich fast komplett gefühlt;





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