["Die Melancholie der Engel" (2009, Arthouse)] - German Gothic Board

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"Die Melancholie der Engel" (2009, Arthouse)

(Klicke hier, um das Thema mit vollen Farben / Abbildungen zu betrachten)



geschrieben von: Thalamus

Da hier im Forum offensichtlich auch Filmliebhaber "der etwas anderen Art" gegenwärtig sind, hier ein zukünftiger Filmtipp.

Leider kann ich anbei noch gar nicht viel schreiben, oder Euch mit Infos versorgen, da weltweit noch keine Veröffentlichung vorliegt. Der Film, das zweite Projekt des Regisseurs Dora des in Deutschland inzwischen verbotenen "Cannibal – Aus dem Tagebuch des Kannibalen" (nicht zu verwechseln mit "Rothenburg"), lief bislang lediglich auf dem "Weekend of Fear"-Filmfestival mit folgenden Pressetext:

"Ja, wir geben es zu: Wir hatten auch schon mal Filme im Programm, die man kurz danach schon wieder vergessen hat. Definitiv NICHT in diese Kategorie gehört „Cannibal – Aus dem Tagebuch des Kannibalen". Nach der Meinung vieler war das das Highlight des WOF 2006. „Cannibal" spaltete das Publikum, das mit heller Begeisterung als auch blankem Entsetzen reagierte, wie kaum ein WOF-Film zuvor und noch heute werden wir auf den Film angesprochen. Wir freuen uns, auch Marian Doras neuesten Arthouse-Exploitationer MELANCHOLIE DER ENGEL als Weltpremiere zeigen zu können – und rechnen mit einer ähnlichen Langzeitwirkung.

Melanie und die 16-jährige Bianca lernen auf einem Volksfest die mit Vorliebe in Versen sprechenden Männer Brauth und Katze kennen. Sie begleiten sie zu einem abgelegenen Gehöft, wo sie auf den alternden Todeskünstler Heinrich, die gehbehinderte Clarissa und die Fäkalienfetischistin Anja treffen – sowie auf Erniedrigung, Sadismus, Sex und Tod.

Unterirdischer Schund oder ganz große Kunst? Oder beides? Bei keinem anderen Film 2009 sind wir so auf Eure Reaktionen gespannt wie bei MELANCHOLIE DER ENGEL, den wir im über zweieinhalbstündigen Director’s Cut zur Disposition stellen. Unerbittlich und kompromisslos breitet Uli-Lommel-Schüler Dora einen Teppich aus Ekel, Gewalt und Perversion aus, um ihn zugleich mit magischen Bildern, eindringlicher Atmosphäre und artifiziellen Dialogen zu verknüpfen. Nein, Dora macht es dem fassungslos zurückbleibenden Zuschauer wahrlich nicht leicht, wenn er das Erbe der 1970er-Skandalregisseure Tinto Brass („Caligula") und Pier Paolo Pasolini („Die 120 Tage von Sodom") antritt. Den größten Schock hält allerdings der Abspann parat: „Wir widmen diese künstlerische Aufarbeitung den – soweit bekannten – Opfern des Geschehens."


... immerhin existiert schon ein Trailer, der einen interessanten Eidruck hinterläßt:

http://www.youtube.com/watch?v=PE2MLIhWyEw

http://www.weekend-of-fear.com/images/stories/2009/Bilder_Langfilme/melancholie_der_engel-still01.jpg

http://www.weekend-of-fear.com/images/stories/2009/Bilder_Langfilme/melancholie_der_engel-still02.jpg

http://www.weekend-of-fear.com/images/stories/2009/Bilder_Langfilme/melancholie_der_engel-still03.jpg

http://www.weekend-of-fear.com/images/stories/2009/Bilder_Langfilme/melancholie_der_engel-still04.jpg



geschrieben von: Odessa

Weißt Du, ich kenne Gothic seit 25 Jahren, ich war quasi dabei als sich diese Szene (ohne daß wir damals gewußt oder gar geplant/gewollt hätten daß das mal eine "Szene" wird) formierte. Und Kern-Bestandteil der "Altgoten" wie man sie heute nennt war damals in ihrem Ursprung - zumindest bei den meist selbst Künstler (gewesen) seienden Leuten in England, die in meinem engerem Umfeld waren - genau das: das sich Beschäftigen mit dem Tod, das sich Eingestehen und Zulassenkönnen seiner vermeintlich "abartigen", "perversen" oder sonstwie morbiden eigenen Gedanken, die Sexualität in ihren nicht ganz so "Klein-Erna-sitzt-im-Reihenhaus"-Fassadenidyllen ("SM - iiih bäääh huuuch und haach, wie abartig"), die Facetten von Gewalt und psychopathologischen Seelenzuständen die jeder Mensch erlebt oder zumindest im Umfeld mitbekommt, kurz: all das was eben abseits der vermeintlichen Norm lief, was aber seit dem Neandertal schon immer und überall in jeder Kultur, in jeder Generation und in jeder Gesellschaftsschicht da war - das nicht Genormte, das nicht "Schöne", das nicht "Gute" und "Edle".

Dies konstant zu einem Tabu zu machen nach dem Motto "auf der Erde gibt es nur das, was in anständigen Büchern und Filmen auch gezeigt werden darf", halte ich mit für die gefährlichste menschliche Selbstverleugnung, die sich sog. "zivilisierte" Menschen antun und dies leider oft dann mit entsprechenden sehr üblen Konsequenzen, wenn die Fassade nicht mehr dem Druck standhält - wie bei "in keinster Weise vorhersehbaren Amokläufen" oder bei stets alle Nachbarn immer schockierenden "grausamen Familiendramen von bisher doch soooo ruhigen, unauffälligen anständigen Bürgern" ("Er ging immer brav in seine Arbeit und sein Rasen war immer gemäht, ja er war ein ganz normaler anständiger Mensch").

Irgendwie, denke ich in meinem bescheidenen kleinen Gehirnkasterl zumindest, muß oder sollte wohl ein jeder Mensch seine dunklen Seiten, seine "unzivilisierten" tierischen Gefühle und Gedanken herauslassen können in seiner Fantasie (wo sie auch keinen Schaden anrichten), will er verhindern daß sich diese dunkle Seite des Menschseins irgendwann brachial und dann meist auch sehr katastrophal ans Licht drängt. Von daher halte ich solche Filme - auch wenn manche davon mir selbst zuwider sind bzw. ich sie noch nicht mal als so "skandalös" empfinde, da ich in meinem realen Leben mit weitaus Schockierenderem zu tun hatte als mit sexuellen Grenzfällen - für auf jeden Fall legitim; denn sie führen dem Zuschauer 1. vor Augen, daß er nicht allein "so denkt" oder "solche Gefühle" hat und 2. zeigen sie auch ganz gut, daß es nun mal mehr gibt als das, was wir uns in unserem eigenen kleinen Leben vorstellen können. Mir haben sowohl solche Filme als auch Bücher sowie private Kontakte mit Menschen, die "weit abseits jeder Norm" standen, jedenfalls sehr dabei geholfen, meinen Horizont zu erweitern, meine Toleranz (nicht zu verwechseln mit "nach allen Seiten offener Beliebigkeit" oder "keinen Standpunkt beziehen") gleichfalls.


Dieser Film klingt auch für mich wieder mal sehr interessant, erstaunlich wie sehr Du mit Deinen wenigen Filmtips hier bisher meinen Geschmack triffst - ich mag Filme, die an menschliche Abgründe führen und die mir Spielraum lassen für psychologische Gedankenexperimente. Ich hoffe, diesen Film irgendwann zu sehen zu kriegen. Kann sein, daß ich nach 10 Minuten abschalte, auch das kommt oft vor wenn mir ein Film dann doch "zu viel ist" - aber ich gebe trotzdem jedem interessanten Filmprojekt das sich mit anderen Themen als "Sissi-Romantik" oder "Rambo-Geballere" beschäftigt, immer eine Chance auf meinem Bildschirm ;-)



geschrieben von: Odessa

:) Du sprichst mir aus der Seele. Es ist genau das gleiche beim Argument mit den "liberalen Waffengesetzen", die vermeintlich schuld dran wären daß so viel Gewalt und Verbrechen herrsche in den entsprechenden Ländern. Entgegnet man Menschen, die diese Ansicht vertreten, daß auch die Schweiz ein "Volk unter Waffen" ist und komischerweise dort seltenst von sinnlosen Blutblädern noch sinnbefreiterer "Waffennarren" zu lesen oder hören ist, verstummen diese Leute meist; die Klischees, die hierzulande eine gewisse Medienecke nur zu gerne verbreitet, scheinen leider immer wieder dankbare weil schlicht nicht die Fakten mal prüfende "Gläubige" zu finden.

Mir geht es ganz genauso, was die Gewaltszenen angeht, allerdings fand ich Martyrs z. B. äußerst gewaltfrei, vergleiche ich ihn mit dem was täglich allein in den Nachrichten oft zu sehen ist. Bei Martyrs empfand ich viel beängstigender, daß solch ideologisch fanatischen Menschen wie diese ältere Dame und ihre "Anhänger" heutzutage in großer Zahl zu finden sind: religiös oder/und esoterisch-spirituell motiviert, schließen sie sich zu Zirkeln und Sekten zusammen und verbreiten via moderner Medien ihren oftmals unsäglich menschenverachtenden, rassistischen oder faschistoiden "Heilsplan".

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Übrigens, sollte an der These diverser Sittenwächter wirklich etwas dran sein, dass Darstellungen von Sex und Gewalt in Medien verröhrend seien und zu Nachahmungstaten verleiten würden,
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.... hätte es zu Zeiten, als das Alte Testament geschrieben wurde, längst RTL und SAW geben müssen ;-). Und im alten Rom oder bei den Wikingern erst, die haben dieser Logik nach sicher auch alle Killerspiele gespielt und nur deswegen gebrandschatzt, vergewaltigt, gemordet und gefoltert. Ich will erst gar nicht hinterfragen welche "gewaltverherrlichenden" Filme via DVD sich anscheinend die katholische Kirche als auch weltliche Herrscher reinzogen, als sie in vergangenen Jahrhunderten auf die perversesten Arten und Weisen Menschen zu Tode foltern ließen.... ja ne ist klar, aber Gewalt und Verrohung gibt es ja erst "heute" und natürlich nur, weil 18jährige Menschen sich Horrorfilme anschauen oder mal am Rechner ne Stunde lang ein albernes Ballerspielchen zocken... ;-)



geschrieben von: GPD

Klingt durchaus interessant….
Zu wann soll der denn auf DVD kommen?



geschrieben von: Thalamus

Zitat:
Original geschrieben von GPD
Zu wann soll der denn auf DVD kommen? [/B]


Ist vor einigen Tagen erschienen und wird über das holländische Label "Shock DVD" vertrieben (in Deutschland ohne Marktchance) Meine Bestellung geht heute raus :)

Ein 159-minütiger Trip in die menschlichen Abgründe

http://s7.directupload.net/images/100714/kbffxymr.jpg



geschrieben von: Nix

Tut mir leid.

Ich habe den Film gesehen und finde ihn weder inhaltlich besonders wertvoll, noch verleihen die Laiendarsteller dieser einzigen ununterbrochenen Kot-, Sperma- und Scheiße-Orgie auch nur den Hauch von Originalität.

Darzustellen, wie eine Frau am künstlichen Darmausgang gequält wird und einem jungen Mädchen bei lebendigem Leib die Gebärmutter herausgeschnitten wird, mag kranken Menschen als Kunst erscheinen. Ich bin nicht krank genug dafür. Und froh darüber.

Es ist auch nicht so, dass sich dieser Film in die oben beschworene Tradition der Gothic-Filme einreiht. Dieser Film stellt weder Fragen, noch kümmern ihn die Antworten. Er erreicht nicht einmal das - zugegebenermaßen limitierte und recht unterschiedliche - Unterhaltungsniveau der Saw-Serie oder vergleichbarer Filme (wie zB Hostel).

Auch Grenzen überschreitet der Film nicht, denn Reflexionen über die sinnlos aneinander gereihten "Handlungen" finden nicht statt. Uninspiriertes Foltern, Scheißen, Kotzen, Ficken - zumal meistens gleichzeitig - vermögen nicht wirklich, einen Abend lang zu fesseln.

Die frühen Filme Peter Greenaways waren Avantgarde. Buttgereit vielleicht Kunst. "Melancholie der Engel" aber ist meinen Augen abartiger Schund.

Wie ich eingangs schrieb: tut mir leid.

Wer mal reinschauen möchte: 3 Ausschnitte



geschrieben von: Thalamus

Zitat:
Original geschrieben von Nix
"Melancholie der Engel" aber ist meinen Augen abartiger Schund.



So unterschiedlich sind die Reaktionen, und das ist auch gut so, wenn dieser Film nicht polarisieren würde, würde ich mir Gedanken machen, zu Mal auch Buttgereit oder Aktionskünstler wie Otto Mühl schon als abartiger Schund betitelt wurden, und da mein Exemplar noch nicht vorliegt, kann ich dem weder beipflichten, noch widersprechen. Die bisherigen mehrheitlich positiven Reviews dürften meinen Erwartungen jedoch entsprechen.





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