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Paradiesseits

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geschrieben von: M. Marinus

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24-03-2009 um 07:32

Es ist Morgen. Morgen kommt nach der Nacht. Kommt nach dem Schlaf. Kommt nach dem Mond. Kommt nach der Zeit, in der Menschen nicht draußen, ihren Körper in Häuser, Wände, Bibliotheken legen sollten. Ihre Körper. Weil sie wärmen, weil zwei Körper wärmen, einander. Ich verstehe nicht. Nein, ich verstehe nicht... dass es warm ist, wenn ich denke - und ich denke, jetzt. Warm in meiner Wirbelsäule, warm in meinem Nacken. Verstehe nicht. Auch nicht wichtig, sagst Du, fühlst Du. Nicht? Nicht. Ganz und gar bedeutungslos.
Ich bin müde. Zwei Stunden wieder, dann lege ich mich schlafen, es wird zehn Uhr sein, Du magst dich schämen, es ist egal. Alles egal. Warum auf einmal, mit einem Mal? Wer weiß sowas schon? Und wieder: Egal.
Morgen. Morgen darf mein Kopf leer sein, ist alles vorbei für Wochen. Wochen mit... wer wagt es zu sagen? "Daß Du ewig denkst an mich..."
Irrsinn. Sieben Schritte. Ich brauche nur zu zählen, wenn ich die Augen schließe, eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben. Die Augen schließe ich. Zehn Uhr... ich denke. Bin heute wieder großer Bruder und helfe Sophien für morgen, sie wird ja auch, Du weißt, Alkohol zu Aldehyd. Man nennt es Kater, passiert es im Körper. Was passiert in meinem?
Zehn Uhr.... "es bleibt Dir überlassen, ob Dir der Gedanke hilft beim Einschlafen oder nicht" - was mache ich, wenn nicht? Die Augen trotzdem geschlossen halten. Vielleicht schlafe ich nicht. Aber muss ich das überhaupt? Ich bin fiebrig... Du wirst mich trösten. Für alles, und über alles hinweg, was ich "muss", heute, morgen, wenn ich denke.... es wird ja sein. Wird sein. Was immer "es" ist.
Rot muss es sein. Es ist mein Lieblings-Shirt, aber wie könnte ich Dir ein anderes schicken? Rot wie das Röslein.



geschrieben von: M. Marinus

24-03-2009 um 16:17

Wach - oder nicht? Ich hänge dazwischen. Koffein, das langsam in die Blutbahn aufgenommen wird, "the only drug", awake me... Du bist nicht hässlich albern. Ich meine Dich - darf ich sagen? Heute würde ich. Heute sage ich's. Mit dem trällernden Zauber in den Ohren, wenn ich S. gleich schreibe, sie erwartet es, verlässt sich auf mich, und hat es auch verdient, als wertvoller Mensch, Frau. Aber ist nicht Du. Es liegt mir auf der Zunge, auf den Fingern, was hast Du gemacht mit mir? Keine 24 Stunden, dass ich so.... außer mir bin. Ich weiß nicht, wie ich mich konzentrieren soll, es will mir nicht gelingen. Ich verstehe nicht, und kann mir nicht erklären, was... es macht mir Angst. Und nicht. Verrückte Welt, ja: ver-rückt. Gestern, heute, das ist nicht eins. Ist nicht the same. Gestern fragst Du und ich antworte, doch mit kaum mehr denn einer Ahnung... oder wusste ich? Wusste, noch bevor ich fühlte, irgendwo?
"Ich weiß nicht, was ich antworten soll" - ich möchte Dich küssen. Küssen und lachen und tanzen: Ich ja auch nicht! Ich bin ratlos, ahnungs-, willenlos. Falke - es ist so süß. Setze ich meine Behelfsgläser ab oder nehme die Linsen aus meinen Augen, ich bin kaum mehr als ein Maulwurf. Familientragödie, mein ältester Bruder ist noch mehr blind, wenn Gott uns gesegnet hat, hat er an Sehkraft gespart - was hat er stattdessen hinzugegeben?
Nein, ich weiß nicht. Überhaupt gar nicht nimmer. Aber macht es.....? Tell me. Ich möchte sagen: Nein.
You will find me if you want me in the garden. Mein Garten, in dem ich Rosen schneide und lächelnd all die kleinen Pflänzchen gieße, sie müssen wachsen, wachsen... Und wenn Du kommst, von oben, aus unserer Villa, und auf der Terrasse stehst im letzten Sonnenlicht, das Dir in den Rücken scheint und mir zuschaust, merke ich, ohne dass Du etwas sagst, drehe mich um, hebe ich die Hand über die Augen, lächle Deine Silhouette an, mit Deinem Blick im Rücken schneide ich die letzten Röslein für heute, es wird bald regnen.... und ich hineinkommen in die Wärme. Wenn Du kommst, kommst Du mit Licht. Meine Sonnenkönigin.



geschrieben von: M. Marinus

24-03-2009 um 18:27

Natürlich spinne ich. Ich muss spinnen. Ich sitze am Spinnrad und spinne, das Netz, das uns halten kann. Ich spinne es, pfeifend dabei, das gleichmäßige Rattern des Rades an den Ohren, und sehe es vor meinen Augen werden. Vielleicht ist es klebrig, was meinst Du? Ich liebte die Alien-Filme schon immer... soviel Mutterinstinkt bei solcher Biestigkeit. Raubtiere, die untereinander konkurrieren und sich halbtot beißen, und trotzdem ihre Kinder lieben, trotzdem so viel Zärtlichkeit besitzen.
Wir sind König und Königin. Ich nehme den heiligen Becher und trinke, ja, gierig die letzten Tropfen, die Du mir gelassen hast. Wir verdursten eher beide, als dem anderen die kühle, feuchte Ahnung zu verwehren, die noch am Becherrand hängt, hat er ihn schon abgesetzt. Mein Hirn ist Watte, und nichts dringt daran, nichts außer... Licht. Ich kann nicht denken, ich kann nicht atmen... tatsächlich nicht, weil meine Nase geschwollen ist, mein schwacher, kränklicher Leib, er ist es nicht mehr, schließe ich die Augen. Was sind Körper? Ich kann ihn doch verlassen, wir können sie doch verlassen und uns an der Quelle treffen. Sie ist grün, moosgrün, blattgrün, giftgrün. Wir vergiften uns. Mit jedem Schluck. Ich setze nicht ab. Nicht den Becher mit dem Gift, das mich peitscht, das mir die Haut aufschlägt und mich bluten lässt. Es ist Lebensglut. Sie verbrennt mich von innen. Ich setze nicht ab.

Es kommt der Tag, schon ist es spät
Dein Reich beginnt, dort wo Du stehst
noch sehe ich Dich von hier gehen
dort wo Du gehst, blüht Rosmarin

Faun – Rosmarin




geschrieben von: Odessa

26-03-2009 um 10:47


Vor wenigen Tagen erst sagte und schrieb ich "ich verbinde nicht Sanftheit mit Dir". Sagte und schrieb auch "ich werde Dir die Antwort in 1 Monat, in 1 Jahr, in 10 Jahren geben". Es wird nun doch nicht 1 Jahr dauern bis Du die Antwort bekommst. Es wird noch nicht mal 7 Monate dauern. Eigentlich hast Du die Antwort seit dem 24. Und seitdem 777 mal in 24 Stunden wieder und wieder.


"Gar nicht mehr vorsichtig..."

"Ich werde schlafen. Mit.. bei Dir, my beloved..."

"Zehn Jahre... zehn Jahre sind alles was ich will..."

"Hat es nicht etwas sehr Erotisches, von einem Stier auf die Hörner genommen zu werden?"

"Es ist mir Bedürfnis... tiefes.. dann kann ich schlafen, mit Dir noch im Ohr...."

"Ich möchte dich bei mir haben.... Es ist gut. Ich bin glücklich."



Ich bin glücklich - dieser Satz ist mit das Schönste was ich jeden Tag nun hören darf. Nichts ist wichtiger im "uns" als Dein Glück. Du hast so lange darauf gewartet und so hart dafür gekämpft. Kämpfernatur. Bruder Vater Vertrauter Freund Seelensymbiose Mann Stier. Maskuliner noch als jeder Kerl, weswegen ich Dich auch nie so nannte, nie so nennen werde. Und ich weiß, daß ich Dir nicht um die Symbolik Deines Geburtszeichens berichten muß. Auch wenn es die sanftesten, liebevollsten und zärtlichsten Gefühle sind im Geist und Herzen - ein Stier bleibt ein Stier bleibt ein Stier. Auch mit weißen Maiglöckchenkränzen um die Stirn.

Maiglöckchen sind wunderschön, wenn sie sterben. Sie verströmen einen intensiven Hauch, bevor sie der Stier mit einem wilden Schütteln seines Hauptes zu Boden wirft. Auf das rote Tuch vor ihm, das nach Rosmarin schmeckt. Und dann legt er seinen Kopf in den Nacken, erkennt sich selbst und seine wahre Natur in diesem Moment, spürt das brennende Feuer hinter der Stirn, die heiße Lava in seinem Blut und das glühende Pochen in seinen Muskeln. Ein Brandmal erscheint, eingebrannt von den Sonnenstrahlen die ihn trafen. Und er wird es ab diesem Moment lieben, den süß-quälenden Schmerz dieses Brennens immer wieder zu suchen... nur um sich wieder und wieder darin zu erkennen, zu verlieren, sich wiederzufinden. Mit zurückgeworfenem Haupt, die Hörner gen Himmel gereckt. Die Hörner, wo zuvor der Maiglöckchenkranz hing.


http://images.easyart.com/i/prints/rw/lg/6/4/Inna-Panasenko-Toro-IV-64621.jpg




Foto: easyart.com, "Toro"



geschrieben von: M. Marinus

02-04-2009 um 12:57

Es war es ist ein Ungeheuer ohne Zähne und mit Schwanz und Krallen an den Fingern. Es war es ist ein Ungetüm mit Zähnen festgebissen Haut auf Haut und Zahn an Zahn und Zahn in Haut und Blut auf Zunge Spitze scharf geschnitten. Es war es ist es wird ein Ding mit Haken ohne Spitzen ohne Krallen ohne Blut verankert fest nicht losgelassen Stunden Tage ewig sein. Es war es ist es wird ein Schlag ins Herz ein Schlag ins Hirn ein Wahn in Lippen Kirschen Hörnern Würfeln Eis und Zungen fesseln Hände Füße Beine reglos müssen halten treiben trieben werden. Trieben ohne g mit g weil treiben und getrieben werden Triebe alle -iebe eins. Strafe und Belohnung kalt und heiß und Wahnsinn und Methode beieinander ineinander löffeln liegen wirst verrückt erst wenn und ohne nicht und nicht mit Stier weil Fesseln hindern ich bei Dir nicht noch nicht brenne tracer bullets can ignite. Wenn ich bin ich bin ich werde war es ist es wird ein Ding mit Zähnen reißen Krallen brechen Schwänzen schlagen Rücken blutet blutet brennt ich brenne ich bei ich auf Stühlen sitzen liegen reglos wehrlos offen liefern liefert ausgeliefert. Katzenhaare Federn Füße Kitzel Wahnsinn Folter Salbei Tee und Minze kleine Stellen fühlen fühlen schmerzen trösten Zunge Hände Stiere Böcke Biester Hass. Worte ohne Wissen und ich weiß ich höre akzeptiere ohne Scham. Paradiesseits paradiesseits allemal.



geschrieben von: Odessa

04-04-2009 19:37



Paradiesseits, Paradiesseits allemal.

"Du warst außerhalb meiner Möglichkeit, meiner Erreichbarkeit. Ich wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass Du irgendwann mal ein über Freundschaft hinausgehendes Interesse an mir hättest haben können... und ich hätte mir weiß Gott einen anderen Zeitpunkt ausgesucht, mich in dich zu verlieben wenn ich es in der Hand gehabt hätte - nämlich schon Jahre früher. Ich habe kein Vorwissen, das weißt Du, ich kann nicht auf Beziehungen zurückblicken, ich weiß nur was IST. Und das ist Liebe."

"Gott ich vermisse Dich, Du fehlst mir, fehlst mir, ich fehle mir, wenn Du fehlst..."

"Ich weiß was Du magst, weil ich es auch mag..."

"Ich kann nicht mehr ruhig schlafen, Du fehlst mir, Du mußt neben mir sein..."



Es sind Deine Worte und Gefühle, die mir bestätigen daß es immer richtig sein wird. Weil es die Worte sind die auch ich fühle, denke, "bin". Es sind Dinge wie "ich höre Dich denken" weil Du ich bist und ich bin Du. Es sind Dinge wie unser "ich spüre es körperlich und es tut richtig weh, daß Du nicht bei mir bist. Es fehlt ein Teil von mir, nur mit und in Dir bin ich ein Ganzes". Deine grenzenlose, reine Hingabe und gewollte Selbstauflösung. Deine völlig ego-befreite selbstlose Liebe, die nur mein Glück will und sich darin selbst erfüllen will ohne zu fordern. So wie ich nur Dein Glück will und mich in Dir verliere, weil ich mich nur so wiederfinde und annehmen will. Innigkeit, Nähe, Vertrauen, Hingabe, Verbundensein, Symbiose, Einheit.

Die Seemannsbraut, die nur auf Distanz lieben kann und die in ihren sechs Vorbeziehungen immer ihren Freiraum brauchte, gibt es nicht mehr seit dem 24. März. Da ist eine neue Frau, die endlich das von ihr ruhelos gesuchte fehlende "Mosaiksteinchen"gefunden hat. Welches "bedingungsloses Urvertrauen", geboren aus zwei uralten Seelen die schon immer eins waren, heißt. Welches "Nähe zulassen können" heißt bis hin zur sich selbst völlig verloren habenden Auflösung in Dir und Deinen geflüsterten Worten am Telefon, in diesen Stunden meiner urpersönlichen Katharsis voller nie gekanntem Kontrollverlust. In die Du mich getrieben hast mit bestimmter Sanftheit ("Doch ich bin sanft, aber wie Du schon erkanntest - nicht immer") und sanfter Bestimmtheit. "Ich weiß es, weil ich Dich so grenzenlos liebe." Und weil ich das erstmals völlig glauben und annehmen kann, und nicht "nur" wie früher zu 99%, hat es eine Zukunft.

Und es war wirklich das eine Foto, das mit der Gürtelschnalle. "1000 mal berührt, 1000 mal ist nichts passiert - 1001Foto, und es hat zoom gemacht" trifft es wohl am Besten. Sie, die Gürtelschnalle auf diesem Foto das ich ebenfalls seit Jahren kannte und "so" nie wahrgenommen hatte, war es, die mir zeigte daß ich nach all den Jahren in dem Freund und Vertrauten den Mann sehen solle. Der er über Nacht geworden war, als ihm bewußt wurde daß er seine Dämonen - die gleichen die ich hatte, wenngleich weniger stark ausgeprägt - würde bekämpfen müssen, um das zu bekommen wonach er sich so sehnte. Schicksal, nicht nur in der 7 und der 4 und der 9. Auch im Bild. Visualized, 2009, im "Jahr des Büffels".

Entscheidungen, noch zu treffen. Von niemand anderem als den drei Leuten, die es betrifft. "Über diese Liebe wird nicht verhandelt und niemand hat uns zu belehren, zu beratschlagen oder zu bevormunden, wir sind alt genug um zu wissen was wir tun - denn wir und nur wir wissen um alles Maßgebliche Bescheid und wir und nur wir müssen es auch verantworten".


* *


18.03.2009:


http://c2.ac-images.myspacecdn.com/images02/7/l_b89ab41603f44702850cfeee60dc1ab5.jpg

"American Psycho". Nein, doch nicht Hannibal rising. Ich habe lange überlegt, hatte wieder und wieder mein Lieblingsfoto aus dem Film in Erwägung gezogen für den Vergleich... das, wo Hannibal das Glas in der Hand hat und worauf seine Haare so zurückgegelt sind wie Deine auf Eurem Bandprofil. Aber nun stach mir das Foto von Dir ins Auge und es paßt viel besser zu dem Bild über Dich, das ich habe. Vor allem während unserer Gespräche. Und "noch vor allem-erer" in den kurzen Pausen zwischen den Sätzen.

Ich konzentriere mich auf den Schatten bzw. die Lichtspiele auf diesem Bild. Heller Streifen an der Stelle des Körpers, die am breitesten ist: knapp über der Brust, unter den Schultern. Doch eine viel hellere Stelle lockt da, direkt neben dem Gürtel. Sie lenkt ab, immer wieder.... zieht den Blick vom edlen, leicht trotzigen und verschlossenen Gesicht nach unten zur silbernen Gürtelschnalle. "Spiel mit mir..." Finger auf Metall. Wärme auf kühler Glätte. Zu reizvoll der Kontrast: verschränkte Arme = rühr mich nicht an. Doch die Gürtelschnalle sitzt leicht schief, die Beinhaltung ist entspannt und sagt "come closer"... man könnte sich mit dem eigenen Körper an die geöffneten Schenkel lehnen, könnte sich zufällig hineindrehen wie eine kleine Katze, wenn sie um die Hosenbeine streicht, könnte dabei geflissentlich eine der Haarsträhnen hinter Dein Ohr zupfen und so tun als wüßte man gar nicht was man da eigentlich tut. Weshalb Du denkst, daß ich mit Dir "Sanftheit" in Verbindung bringe, entzieht sich mir (und ich weiß daß Du das denkst... Weiß ich es? Oder denke ich daß ich denke es zu wissen?). Egal, aber Sanftheit ist das Letzte an was ich denke, gerade bei diesem Bild. Du hast eine Gefährlichkeit in Dir, die Dir selbst noch nicht bewußt ist. Sie würde Dir vielleicht bewußt werden, wenn ich das schreiben würde was ich Dir hätte sagen sollen und wollen, was ich aber nicht tat - um erstens Deine Neugier bewußt nicht zu befriedigen und zweitens um mich nicht selbst um das Vergnügen zu bringen, Dir es vielleicht irgendwann doch noch zu sagen. In 1 Monat, in einem Jahr, in 10 Jahren ?

Was ist Zeit? Wie lange dauert eine Sekunde, im Angesicht einer silbernen schräg sitzenden Gürtelschnalle, eines geöffneten Hemdknopfes und eines glitzernden Messers in einer Hand, die die anderen Knöpfe sachte, mit feinem Schnitt, vom Hemd trennt. Fast unhörbares sanftes Klirren auf dem Boden, als die Knöpfe ihn erreichen. Fast unhörbar der Atem, ganz nah an den jetzt geöffneten Armen. Fast unhörbar das Geräusch, wenn das Messer über die Haut gleitet, so kühl wie die Gürtelschnalle in ihrem Mondlicht-Silbern ist. Hörbar, ganz gut hörbar, ist das Schlagen des Herzes. Und fühlbar, ganz fühlbar, ist der Griff Deiner Hände, die meine Hände hinter meinen Rücken drehen, sie umfassen bis das Messer zu Boden fällt, lauter klirrend dabei als es die Knöpfe taten, lauter auch als es die Gürtelschnalle tat als das Messer sie vom Leder trennte. Vielleicht ist es ganz gut, daß es 625 km sind. Der Klirrfaktor könnte sonst überhand nehmen. Und Du weißt doch, Parkettböden verkratzen so schnell....


* *

22.03.2009:

Am 14.10.2007 hattest Du ein Foto von Dir auf die BDB geladen. Wir kannten uns zu der Zeit längst virtuell. Ein junger Mann, sich selbst noch suchend, alles in der Welt hinterfragend... und so viel ungestellte Fragen im Blick. Eineinhalb Jahre später. Der Kontakt wurde enger in der Zeit, man las sich öfter in Freundeskreisen, bekam einen noch stärkeren Eindruck von der Gefühls- und Gedankenwelt des Anderen. Ich bin so vorsichtig und ängstlich immer gewesen im Umgang mit Menschen. Ich weiß daß es virtuell anders wirkt, gerade hier auf diesem Forum welches der einzige virtuelle Ort ist, wo ich mich öffnete... aber auch nur, weil ich hier eine Handvoll wertvoller Menschen fand, die Freunde wurden und bei denen ich mich trotz all meiner Fehler und Ängste angenommen fühlte. Wo ich mich traute, offen und verletzbar zu sein. Und es war richtig, sich Zeit zu lassen bei den jetzt entscheidenden weil "in mein Leben hineingewachsenen" Menschen - denen, die über die Jahre blieben und für den Rest des Lebens bleiben werden. Denn langsam und über die Jahre wuchs, was jetzt ist.


http://c3.ac-images.myspacecdn.com/images02/70/l_a5e68869a2884012890843e99c6398b2.jpg



geschrieben von: M. Marinus

13-04-2009 um 12:44

Hier ist noch Platz für Dich. Auf dieser Seite eines Paradieses fliegen Vögel, die haben den Namen verdient. Sie erwarten mich dich uns, zum Abendessen, der Tisch ist reich gedeckt, mit Früchten, Obst und Fisch, den wir nicht verzehren. Er ist für alle und alles, was noch hier lebt, was auf der bunten Seite fliegt und schwimmt und krabbelt, das Gras ist hoch und warm, die Sonne steht, der Mond daneben. The future is colourful. Ich weiß, die Bäume tragen Früchte, wenn darunter im Schatten, vor der Sonne geflohen, vor der nicht zu fliehen ist, man nicht zu fliehen braucht, weil sie nicht brennen kann, wir liegen und den Wind über unseren Körper gehen lassen, von den Fliehkräften nicht auseinander zu reißen, in der Zentrifuge, in der sich langsam die Schwebteilchen aus unserer Lösung nach außen drängen und die reine, klare Flüssigkeit übrig lassen, die sich mischen kann, frei von polar-unpolaren Bindungen, die keine eingehen können und sich abstoßen, Öl und Wasser. Es dreht sich ja, wir drehen uns, eine Schicht trennt sich ab, die schwerere in jedem Fall, das ist nachzuspüren: Wir sind schwerelos. Sie bleibt zurück, irgendwo, ist auch bedeutungslos, ich hab es immer gesagt. Den Atomkern freilegen, mit sanftem Atem und geschürzten Lippen die negativen Ladungen beiseite pusten, die Elektronenhülle durchstoßen mit tastenden Fingern, und den pulsierenden Kern massieren, dass er wächst und wächst und seine Hülle mit ihm, bis sie meine ganz umschlossen hat. Paradiesseits allemal, und es ist im Garten der Lüste, das Paradies, mit den Vögeln, die ihren Namen verdienen. Ich warte auf die Seifenblase, in der wir uns vergraben werden, und bilde sie schon aus, zwischen meinen Fingern. Wenn Du kommst, ist sie groß genug. Und wird nicht platzen, sondern sich wohlig einrichten um den Körper, der frei darin sich schlafen legt. Und mehr.



geschrieben von: M. Marinus

19-04-2009 um 19:24

I'm worried. Und ich warte, mit zitternden Knien und Magenkrämpfen, was ist? Die Zukunft ist farbenfroh, ich weiß es, und wie sehr, wie intensiv es sein wird, wenn ich mir nicht nur mehr vorstellen brauche, beim Aufwachen lägst Du neben mir und ich spürte Deine Hände, Deinen Körper, Dich bei mir. Ich vergrabe mich in meinen Decken und winde mich, strecke mich, dem Wesen entgegen, das gar nicht dort liegt, aber in meiner Vorstellung ist es da, ist es immer da, und es ist so quälend, dass es 625 sind und immer nur Geräte dazwischen... ich weiß, ich weiß doch so viel, und kann doch nicht tun, worauf mein ganzes Denken sich konzentriert: Bei Dir sein. Jetzt und in Ewigkeit. I'm worried, mit zitternden Fingern, wie könnte es mir gut gehen, wenn ich nicht weiß, dass es Dir gut geht? Schüttelfrost, der durch meinen Körper jagt, ich habe das Gefühl, mich übergeben zu müssen, und es zieht in meinem Nacken, die Muskeln verkrampfen sich wieder. Oh Gott, warum, warum ist es so weit, und warum kann ich nicht jetzt da sein, und egal ob Du reden könntest oder wolltest, ich will nur da sein und halten und massieren und an mich drücken: Es ist alles gut, ich bin hier, bin hier, bin hier.... Seifenblasen und Höhlen und Wärme und Tropfsteine, Wasserbecken, Altäre, Steinbänke und Fackeln, Fledermäuse, große, steinerne Tore, Tonkrüge, aus denen kristallklares Wasser fließt, und ein dampfendes Becken, schwach rötlich beleuchtet, darin ist heißes Wasser und da hinein trage ich Dich, wir können nichts mehr sehen durch den Dampf, und es fallen Tropfen kondensiertes Wasser von der Decke, kalt, und wenn einer aus dem beständigen Tropfkonzert uns trifft, zucken wir zusammen, beide, warme Haut, heißes Wasser, kalte Tropfen, platschend, beruhigend, berührend, erregend.
Cut – es ist gut. Sieben Stunden später. Tage in Aufregung. M. ist wieder eingezogen, mit Kaninchen, wird auch länger bleiben, Kreislauf instabil. Wieder ein Tag weniger, und mir schlägt das Herz bis zum Hals vor Aufregung, Vorfreude, dass ich mich kaum konzentrieren kann auf etwas anderes. Vertrauen und Fragen, und „hast Du“ - ich habe nicht. So wie ich sagte, nicht mehr, nie mehr, in einer tränenreichen Nacht. Wie lange hatte ich nicht mehr geweint? So lange... auch das wieder, auch das, nach den stummen Jahren. Nein, die Lethargie bekommt mich nicht mehr, und auch nicht sonst etwas und jemand, der und das mich nicht zum Guten und Gesunden weiter bringt. Ich will nicht hassen und nicht ablehnen, und was Du heraus liest, ist das, was wahr ist, und darum kann ich diese Phantasien mir auch heute nicht mehr ansehen. Weil es anderes nicht ist als Ablehnung, Wegstoßen, winzig machen; winzig machen, um die Winzigkeit zu ertragen, den Nicht-Wert und das Nicht-Können, die Messung an Maßstäben, denen ich mich nicht unterwerfen darf. Das alles ist das Gegenteil von dem, das ich wirklich will, aber so lange nicht zulassen konnte, Distanzaufgabe, Nähe. Berührung, die nicht möglich war, immer nur falsch, wo eine Hand sich mal auf meine Beine oder Arme legte, zu Begrüßung oder Trost, vermeintlichem. Kurze Störung der Totenruhe, dann wieder Frieden, zurück ein brennendes Mal, totes Fleisch, verbrannt von dem Unmöglichen. Es ist jetzt möglich, und das ist das Grandiose dabei.
Und darum bin ich sicher. Weil es möglich ist, zum ersten Mal, und es mir nie möglich wäre mit einem Menschen, den ich nicht und der mich nicht liebte. Weil ich keine Bedeutungslosigkeiten ertragen kann, weil es ist, wonach ich mich so sehne; ist, von vorne bis hinten und von oben bis unten, total, gänzlich, ganzheitlich. Eins.



geschrieben von: M. Marinus

28-04-2009 um 23:20

Sensorische Deprivation. Vielschichtig und ebenenübergreifend. We are robbed of senses. Und wir rauben sie uns. Raubtiere. Beschnitten um den Tastsinn, unvollständig, „tortured by sensory deprivation“. As long as we are not together. Und auch dann nicht anders, just another kind of. Holy kind of.

--

Ich schreie
gegen die Stille
gegen das Licht
gegen die Fesseln
gegen die Tür
...
in mich hinein
durch mich hindurch
in die Steppe
Elefantenfüße trommeln SMS
SOS
save my soul

save our souls
save my/our souls



geschrieben von: M. Marinus

03-05-2009 um 20:46

Sinneswelten. Duft von Kirsche und Vanille. So intensiv, dass ich meine Zähne hineinschlagen mag und aufsaugen. Die Kerzenflamme, die stärker und stärker das Wachs und sich selbst verzehrt, flackernd, warm, verzweifelt. Flammenbilder auf der Netzhaut, wenn ich die Augen schließe, und die rote, heiße Flüssigkeit, die den schweren Geruch trägt. Überhaupt Duft. Altäre aus Stein und Fackeln und Schattenbilder an den Wänden, und plätscherndes Wasser und Teppiche, nackte Füße, die einsinken darin und keinen Laut verursachen. Ich möchte eine Höhle, und draußen soll Sturm sein. Ich möchte einen Palast, und drinnen will ich brennen.
Ich möchte schwitzen und Eiswürfel meine Brust kühlen lassen, in nebligen Schwaden das Ende des Schlafzimmers nicht erkennen können, dass es ewig sein könnte, und dabei riechen, schmecken, fühlen. Ich möchte eine tropische Oase, eine Wasserlandschaft, und dass es draußen kalt ist, ich will im Mondlicht schwimmen im warmen Becken und die Grillen hören, und windig soll es sein, stürmisch, die Bäume rascheln und wiegen sich darin. Ich will und ich werde, und unser Haus wird sein, das alles sein.
Es ist seltsam. Es ist so ruhig in mir, wo ich weiß, dass es sein wird. Die Mittel werden wir finden dazu, mein Leben ist jung, meine Kraft reichlich, mein Wille stark und mein Verlangen grenzenlos.



geschrieben von: Odessa

06-05-2009 21:52


http://media-cdn.tripadvisor.com/media/photo-s/00/13/19/5a/the-alhambra.jpg


Mit deiner Seele hat sich meine gemischt wie Wasser mit dem Weine. Wer kann den Wein vom Wasser trennen, wer dich und mich aus dem Vereine?

Du bist mein großes Ich geworden, und nie mehr will ich sein dies kleine. Du hast mein Wesen angenommen, sollt' ich nicht nehmen an das deine?

Auf ewig hast du mich bejahet, dass ich dich ewig nie verneine. Dein Liebesduft, der mich durchdrungen, geht nie aus meinem Mark und Beine.

Ich ruh' als Flöt' an deinem Munde, als Laute in deinem Schoß alleine. Gib einen Hauch mir, dass ich seufze, gib einen Schlag mir, dass ich weine.

Süß ist mein Weinen und mein Seufzen, dass ich der Welt zu jauchzen scheine. Du ruhst in meiner Seele Tiefen, mit deines Himmels Widerscheine.

Oh Edelstein in meinen Schachteln, oh Perle in meinem Muschelschreine. Mein Zucker ist in dir zerschmolzen, oh Milch des Lebens, milde, reine;

Du presstest mich zu Rosenwasser, nicht seufzte ich unter deinem Steine. Und als du auf die Welt mich gossest, ward sie zu einem Rosenhaine.


("Die Vereinigung", Gedicht aus dem Diwan von Mohammed Djalal ad Din ar Rumi. Die UNESCO hat das Jahr 2007 als das Jahr von Rumi erklärt)





http://www.amaana.org/sultweb/hafez.jpg


Wir werden irgendwann die Alhambra sehen. Das weltschönste Bauwerk das diese Erde kennt, Symbol meiner islamischen/arabischen Kultur und Herzblutheimat aller Romantiker. Und wir werden den Iran bereisen und persischen Safranreis mit oder ohne rohes Ei darüber essen, wir werden Hafiz Grab besichtigen und Postkarten von Rumi versenden, und wir werden uns lieben auf seidigen Perserteppichen und hinter mit Arabesken verzierten Marmorsäulen, werden Rosenwassertropfen von Schulterblättern saugen und Dattelhonig von Fingerspitzen. Ana be'hibak, ya habibi, na jem. Ich liebe Dich, mein Liebes, mein Stern.





Fotos: "Alhambra", tripadvisor & "Hafiz", www.amaana.org/sultweb



geschrieben von: M. Marinus

12-05-2009 um 18:55

Anticipation. Zwischen brennenden Muskeln und dem Schleier der Erschöpfung, der sich über mich gelegt hat, zähle ich die Stunden, die weniger werden und immer länger. Ich bin leer, kann mich kaum mehr rühren, und alles was an Gedanken noch existiert, ist bei Dir, in einem warmen, weichen Bett, in unserem Keller mit der Tropfsteinhöhle und zwischen dem Dampf, der darüber aufsteigt. Nirgendwo sonst. Und nirgendwo sonst wollte ich, dass sie wären.

http://www.writers-free-reference.com/attacave.jpg

picture by writers-free-reference.com; Atta cave

-

20-05-2009 um 08:55

Elementare Bedürfnisse. Nähe, Intimität. Unbefriedigt jetzt, wo wieder alleine, wieder getrennt. Urliebe. Urvertrauen. Urmensch. Alle Trennung aufgehoben, die Zweigeschlechtlichkeit, aneinandergepresst ohne loslassen zu können, mit Kraft, halt mich, halt mich... Kontrollverlust und schneller Atem, gepresst durch viel zu enge Luftröhren, aufgefangen in zu kleinen Lungenflügeln – wir fliegen. Again and again. Sieben mal sieben mal sieben, 777 Jahre lang. Paradiesseits ungetrennt. Jenseits beschnitten und gefoltert, von ewig unzulänglichen Behelfsmitteln, die Trennung zu überwinden, die Kilometer und Tage und Wochen lang, die dazwischen liegen. Zwischen uns und unserer Seite vom Paradies. Sie misst sieben Meter im Kubik. Darin leben, lieben, leblieben wir. Egal, wo sie sich befindet.



geschrieben von: M. Marinus

23-05-2009 um 20:56

Tage in Erinnerung. Ausblick auf die Tage, die kommen werden. Gestillte Sehnsucht, getrennte Wege auf Bahnhöfen und schemenhafte Umrisse durch Fensterscheiben als letzte gefangene Bilder von Stunden und Tagen zusammen, die viel zu schnell vergingen. Du fehlst mir. Ich kann nicht sagen, wie sehr, weil es dafür keine Worte gibt, für mein Zerrissensein und unsere Trennung über 600 Kilometer. Sie schmerzt, die ganze Zeit, eine schwärende Wunde in meiner Brust, die sich weit hineinfrisst und mich von innen zernagt, bis ich erschöpft mitten am Tag mich für eine Stunde hinlegen und schlafen muss, um wenigstens in dieser Zeit mich bei Dir wähnen zu können. Grausam ist kein Wort dafür, es ist nicht so, dass ich halb existierte, wenn ich alleine bin, wie man vermuten könnte bei zwei Hälften, wenn sie getrennt sind – ich bin zu einem so geringen Teil nur existent, dass meine Hälfte des ganzen Teils ohne die andere nicht vollständig ist, wo an den Rändern die Verbindungsteile sitzen, die Haken und Ösen, die passgenau ineinandergleiten, da ist alles leer und schal und verbrannt. Verödet, verkümmert. Ich weiß, wie sie wieder blühen können, doch dazwischen liegt die Wüste der Wochen, in denen wir zwangsweise getrennt sind, ein jeder durch seine Umstände.
Ich sagte: Es wird sein; und davon bin ich überzeugt, gegen alle Barrieren. Sie machen nur die Sache etwas steiniger und länger, aber aufhalten? - Können sie mich nicht. Ich weiß, dass es den Raum geben wird für uns und unsere Liebe, und sollte ich ihn mit Holz und Nägeln mit meinen Händen erbauen müssen, werde ich auch das tun, und mir die Splitter aus den Wunden ziehen, war ich zu übermütig. Und wenn die Wände mein Blut trinken sollten, bis das Haus endlich steht, wird es mir nur um so wichtiger sein, und niemand es wagen dürfen, Hand daran zu legen - wie an Dich es niemand wagen darf.
Es wird sein. Ich weiß es, ich werde eines Tages dastehen und Dir die Tür aufhalten, und sagen: Komm, Liebes: Dies ist unser Heim. Und Du wirst Deinen Fuß über die Schwelle setzen und ich Dir folgen, und wenn die Tür geschlossen ist, werden wir nicht mehr, nie mehr getrennt sein. Zusammen in unserem Heim. In der Heimstätte unserer Liebe.



geschrieben von: M. Marinus

Geschrieben im Mai 2009


Die schönste Frau der Welt ist mein.

„Nasenbären“ sagtest Du. Ich sehe Lust und Schmerz, Verlangen und Abschied. Berührung und Zärtlichkeit. Du gehörst mir, und ich gehöre Dir, und das ist das Natürlichste auf der Welt. Soviel wieder an zwei Tagen, soviel an Erinnerung, das ich mitnehme. Der türkische Kaffee wird mich bei jeder Tasse und jedem Schluck zurückversetzen in das Lokal, in dem wir halb verhungert uns mit Köstlichkeiten den Bauch vollschlugen, die Photos, die Du mir gabst, zeigen mir das kleine, kalte Paradies, in dem Du wohnst mit Deinen Tieren, die Nürnbergprospekte und -postkarten lassen mich in Gedanken wieder die Stadtmauer entlang wandern, auf der Burg stehen, fasziniert einen Brunnen nach meinem Geschmack mit Dir bestaunen. Und alles lässt mich wieder und wieder in einem kleinen Hotelzimmer in einem Bett mit Dir liegen. Es soll das dritte Mal gewesen sein, dass wir uns gesehen haben, sagt mir mein Verstand. Ich bin ein Mensch, dem viel an seinem Verstand liegt.

Ich glaube ihm trotzdem nicht.

„Es wird immer besser“. Das wird es, auch wenn das eigentlich nicht mehr sein kann. Wir wollten nicht fahren heute, und es ist erst elfeinhalb Stunden her, dass wir uns sahen. Sagt mein Verstand. Elfeinhalb Stunden? „Erst“? Ein schlechter Witz, wir, die wir es keine fünf Minuten aushalten ohne uns zu berühren, zu umarmen, zu küssen, sollen elfeinhalb Stunden ohne einander auskommen? Und es werden noch einmal 11 mal 24 Stunden werden, Nächte ohne Erholung, Leben an der Grenze des Erträglichen. Man kann umgehen mit Einsamkeit, wenn man es nicht anders kennt. Man arrangiert sich, es wird zum Normalzustand, den man schon gar nicht spürt, man hängt sich an andere Dinge, ich weiß es, ich habe es lange genug getan. Aber wehe Dir, es wird einmal anders, wehe Dir, Du weißt einmal genau, was Du vermisst, und hast in Erinnerung alles, die Stunde, die wir erschöpft einschliefen nebeneinander am Sonntag Mittag, langsam wegdösend, langsam aufwachend, in sanften Küssen und warmen Händen. Weh dem Glücklichen, der sein Glück an vollen Bahnsteigen ziehen lassen muss, weh dem Unglücklichen, der sich nicht ins Auto setzen kann und zu Dir fahren, Deine Tiere und Dich schnappen, in sein Haus am Meer bringen und nicht mehr gehen lassen. Weh uns, dass ich nicht kann, dass irgendeine Perversität mich zehn Jahre zu spät auf die Welt brachte, und wir diesen furchtbaren Zustand aushalten müssen. Nein, gewiss, ich kann nichts dafür, ich weiß, aber es sticht gewaltig...

Oh, ich bin glücklich. Glücklicher, als ich je war, aber es tut einfach grausam weh, immer wieder auf Bahnsteigen zu sitzen, auf Stühlen, die ein Mensch entworfen hat, der demnächst Rollstühle entwerfen würde, käme er in Reichweite meiner Arme, und die Minuten verstreichen zu sehen, die wir uns noch sehen können, bevor der Fahrplan der Züge und unsere Verpflichtungen uns wieder auseinander reißen. Es ist ein Übergang, ich weiß, und wir erleben so in wenigen Wochen mehr zusammen, als andere in Jahren, neutralster Boden, Heimatlosigkeit, Fremde, aber trotzdem tut sich das Jahr, das ich noch gezwungen bin, hier zu bleiben, als riesiger Schlund auf, das Gebunden-Sein an Regeln und Abläufe, bei denen ich oftmals nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll. Es gibt keinen anderen Weg, und ich werde ihn gehen und so gut gehen wie möglich, was nach allgemeinen Maßstäben „sehr gut“ sein wird, aber ich bin nicht froh darüber und ich feiere nicht, ich habe das Kapitel in Gedanken längst geschlossen, alleine, meine Hand kam mit dem Schreiben nicht hinterher; und wenn ich soweit bin, das Buch endlich zuschlagen zu können, wird es nichts Tolles und Besonderes sein, nur eine lästige Pflicht, die ich erfüllt habe und die mich hinderte, und sie wird in den Schrank der Erinnerungen kommen, die mir nichts bedeuteten.

Und dann bin ich hier endlich weg. Näher, näher an Dir. Der schönsten Frau auf der Welt, auch wenn Du es nicht hören magst. Aber glaub mir, ich weiß es, ich habe Dich gesehen, gänzlich, total, nackt, physisch, psychisch. Und was ich gesehen habe, lässt sich mit nichts vergleichen an Schönheit, Liebe, Tiefe, Ehrlichkeit und Leidenschaft. Behauptet jemand etwas anderes? Er wird in Salzsäure ertränkt und zuvor seine Leber mit einem Löffel ausgekratzt. Dir tut niemand etwas. Niemals.



geschrieben von: M. Marinus

07-06-2009 um 19:11

Die süße Freude, die mich jedesmal durchzuckt, wenn ich Deine Stimme höre – ganz besonders spätabends, wenn ich nicht mehr damit rechnete. Ein banger Schreckmoment, wer ruft um diese Uhrzeit noch an?, dann die Erleichterung wenn ich Dich höre und dann an Deinem Tonfall, ob etwas passiert ist oder nicht, und meine unbändige Freude, wenn Du anrufst, weil Du mich unbedingt noch hören wolltest, bevor Du schlafen gingst. Und wenn es nur zwei Minuten sind, so lassen mich diese zwei Minuten doch mit einem Glücksgefühl hier alleine zurück, dass ich Dich in diesem Momenten nur mit Küssen bedecken will dass Du fast erstickst an meiner Liebe, um meinem grenzenlosen Gefühl nur irgendwie Ausdruck zu verleihen. Es sind diese vermeintlich kleinen Dinge, die so wunderbar sind... nicht, dass wir nicht sowieso die ganze Zeit aneinander dächten und jede Nacht und jeden Tag in Gedanken schon längst wieder in Nürnberg wären, oder irgendwo, denn der Ort ist unbedeutend gegenüber der Tatsache, uns endlich wieder sehen zu können.... ich freue mich einfach, und egal ob ich Dein besorgtes „hast Du schon geschlafen...?“ mit Ja oder Nein beantworte, ich freue mich immer ungeheuer, Dich zu hören, und wenn ich es nicht mehr erwartete, weil wir uns schon gute Nacht, die beste Nacht, die wir ohne einander haben können, wünschten, dann freut es mich noch mehr... wenn ich könnte, ich nähme Dich per Telefon mit zu mir ins Bett und wir hielten die Verbindung die Nacht über offen, und morgens wachte ich auf durch ein leises Säuseln, ein Hauchen und ein Küssen in meinen Ohren.... wenn ich es schon nicht real jeden Morgen haben kann, dann wäre das schon immerhin.... ein magerer Abklatsch, aber besser denn nichts.
Aber wir müssen eisern bleiben. Wahrscheinlich kämen wir zu gar nichts mehr, könnten wir über dieses Behelfsgerät einander wenigsten per Ohr nahe sein, so lange wie wir wollten.... und brächten die meiste Zeit nicht mehr zustande als schnurrende Geräusche und Atem, aber es wäre schön..... ich bin so froh, wenn dies endlich für länger vorbei ist als für einige Tage und Nächte, ich möchte nicht immer den bangen Tag im Auge haben, wo wir uns wieder trennen müssen für Wochen... und doch, es geht nicht anders, noch nicht.... aber es wird anders sein, das weiß ich, wir werden unsere Wohnung haben, die Heimstatt unserer Liebe.... spätestens nächstes Jahr.

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08-06-2009 um 15:55

Bald, bald wieder... wir zählen die Tage, und ich ärgere mich umso mehr, dass wir wieder Stunden verlieren, weil ich hier nicht früher wegkomme... für nichts, für sinnlose, nutzlose Zeit, die ich absitze und die keinen Erkenntnisgewinn bringt, nur den, dass der Haufen an Regeln, entworfen zur Instandhaltung der angeblichen „Ordnung“, immer sinnloser wird... kein Jahr mehr, dann ist das vorbei, und es wird Zeit dafür. Ich schreibe zu Flamencomusik, und wie gerne säße ich jetzt mit Dir in Spanien oder Lateinamerika auf einem Balkon, es wäre Nacht, und auf der Straße feierte und tanzte man... wir wollten nicht unter der Menge sein, viel zu eng, aber hier oben zu sitzen, in der immer noch warmen Luft, unter klarem, schwarzen Himmel, nur beleuchtet vom halben Mond und unzähligen Sternen, während Stockwerke unter uns das leidenschaftliche, hektische Leben tobt, sind wir alleine und unendlich glücklich damit. Die Beobachterrolle, sie war uns beiden schon immer lieb, wir wollen nicht im Mittelpunkt stehen – wir stehen in unserem eigenen, der uns gehört, es braucht keine Bestätigung durch laute Worte. Die Stille – natürlich lieben wir sie beide, ruhige Filme, nebelverhangene Morgenlandschaften, das Meer, der Inbegriff der Ruhe und Gleichmäßigkeit, des In-Sich-Ruhens, aber auch der Gewalt und der Leidenschaft, wenn ein Sturm kommt. Meereskinder, ruhig und zurückhaltend, niemals belehrend, niemals sich aufdrängend, aber wehe, jemand schafft es, die tiefen Kräfte zu erwecken, die unter der Oberfläche liegen, wehe, jemand zieht diesen Zorn auf sich... und unsere Stürme treffen aufeinander, und dabei kratzen und beißen wir uns, verrückt vor Lust, wir wecken uns gegenseitig und werfen uns gleichsam einander entgegen, ein Kampf ohne Verlierer, der uns erhöht.
Die gleichen Handlungen, das Zählen, unbedingte, alles, alles, alles, und genaue Vorstellungen, wie die Reihe enden muss, damit es „gut“ ist. Kugelmenschen, wir gehören zusammen, 777 Jahre lang...

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16-06-2009 um 21:44

Immer erwischt es Dich. Erst Würzburg, jetzt Nürnberg, immer bist Du es, die mit Schmerzen geht. Vielleicht blute ich, ja, und Du wunderst Dich immer, warum ich mich darüber freue, auf irgendeiner Ebene... das Blut ist meine Krone, wie die Kratzer und die blauen Flecke, die ich mit mir trage. Liebe tut weh, und es waren keine zwei Sekunden später, als ich mir den Kopf aufschlug, die zweite blutende Wunde innerhalb von anderthalb Stunden. Ich trage diese Erinnerungen mit mir, es sind gute Wunden, gute Schmerzen, die mich erhöhen, weil ich sie mit Dir erlitten habe, auf die ein oder andere Weise. Du aber bekommst jetzt zum zweiten Mal etwas mit, das Dich umwirft, Dir diesmal im wahrsten Sinne des Wortes die Atemluft raubt, während meine Erkältung heute schon fast wieder weg ist. Ein für meine Verhältnisse sanfter Anfall, der an zwei Tagen etwas schlimmer zu werden drohte und mir etwas Kraft nahm, nichts zu dem, was Du dir eingefangen hast... und ein böser Gedanke, der sich einschleicht, habe ich Dir übertragen, was mir fehlte für die bekannte Heftigkeit meiner regelmäßig wiederkehrenden Erkrankungen? Wir haben einstimmig beschlossen, nie wieder, wenn einer von uns krank ist. Zumindest ich nicht, denn was immer es ist, was wir uns gegenseitig übertragen, ich vertrage Deines mühelos, während Du an meinen Viren und Bakterien Dich heftigst ansteckst, und das gehört zu den absoluten No-Go's. Wir dürfen nicht völlig entkräftet und ernsthaften Lungenentzündungen und anderen Krankheiten nahe von unseren wenigen gemeinsamen Wochenenden zurückkommen.
Die Distanz rückt zusammen. Wir werden bald ein Auto zur Verfügung haben, und damit wird ein beträchtlicher Teil an Schwierigkeiten leichter sein. Vor zwei Jahren war ich noch nicht bereit dazu, jetzt bin ich es, bin ich weit genug und mir selbst nahe und in mir ruhend, dass ich mir zutraue, die Verantwortung zu tragen. Nie habe ich verstanden, wie man leicht und bedenkenlos umgehen kann mit den Kräften, die auf ein schnelles Fahrzeug einwirken. Ein wunderbares Fortbewegungsmittel, aber eines, das ganze Aufmerksamkeit und Hingabe fordert. Ich weiß und freue mich auf den Tag, da mir die Bewegungen und Blicke in Fleisch und Blut übergegangen sein werden, aber die Formeln werden immer in meinem Schädel sein, und ganz besonders eine: v²; die quadratische Auswirkung von Geschwindigkeit auf Bremswege und Fliehkräfte, die Todesformel, oder auch die Lebensformel, je nachdem... ich nenne es gesundes Bewusstsein. Ich vertraue mir blind, und weiß, dass das irgendwann auch das Fahren betreffen wird, aber die Umstände sind mir immer bewusst, und die Auswirkungen.
Es wird einiges erleichtern. Unabhängig davon, wie schnell wir eine Dauerlösung gefunden haben werden, werden wir nicht mehr auf Hotelzimmer in Bahnhofsnähe angewiesen sein, mit entsprechend positiver Auswirkung auf Kosten und vor allem Komfort.... und ich werde ohne Schwierigkeiten größere Mengen Gepäck mitnehmen können, lauter kleine Annehmlichkeiten, die man schnell zu schätzen lernt, und wenn es nur das simple Salzfässchen ist oder gar nur etwas exotischere Gewürze, die deutsche Ferienwohnungen scheinbar nicht zu ihrer Ausstattung zählen. Die Bahn ist bequem für mich, mit einem Buch sind auch längere Fahrten entspannt und gut, wenn es einigermaßen ruhig ist, aber die natürlichen Beschränkungen alleine in der Gepäckmenge stören zunehmend, die Reduktion auf das Notwendigste und das, was in die winzigen Hotelzimmerchen eben hineinpasst... wenn alleine das aufhört, hat es sich schon mehr als gelohnt, von aller sonstigen Mobilität ganz zu schweigen, vom Gardasee und von Istrien.
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Es wird immer besser. Wie das auch nur noch irgendwie sein kann, ist mir schleierhaft, aber es ist... selbst in katastrophaler Umgebung. Es ist kein Jahr mehr, das wir durchstehen müssen auf die Art, wie wir zu tun es gezwungen sind, es wird sich eine Lösung für danach finden, und dann wird es immer noch besser werden. Und ich werde immer noch genauso staunend dastehen und mich darüber wundern; und gleichzeitig grenzenlos freuen, so ein wunderbares Glück erleben zu dürfen, und so einen wundervollen Menschen an meiner Seite zu haben.



geschrieben von: M. Marinus

22-06-2009 um 11:33

Von Höhlen schrieb ich, und von Wärme und Wasser. Wasser, das nicht in Sturzbächen von oben zur Erde fällt und kalt und nass und sandig das Leben zur Qual macht. Dein Bär steht neben mir, Deine Bärin, die Krankenschwesterbärin in dem Fußreif, steht dort seit fast drei Monaten, wie auch wir fast drei Monate lieben. Und ich merke immer wieder, dass es mich sprachlos macht, wenn ich es zu fassen versuche. Es bleiben mir hilflose Gesten, ich setze die Bärin in meinen Hemdausschnitt, ich finde keine Worte für meine Sehnsucht... eine Woche ist es, soll es sein, die wir uns jetzt nicht gesehen haben, und es ist unendlich viel länger.... Lücken sagte ich, Einbuchtungen in meinem Körper und meiner Seele, in die Du hineinpasst, perfekt. Dein scharfer Verstand und Deine Kraft, und dann wieder Deine Hingabe. Möchtest Du wissen, was es ist? - Du erhöhst mich, mit Dir weiß ich, was Leben ist, weiß ich es auszukosten. Du bist der einzige Mensch der meinen Kopf berühren darf, und ich genieße es, ich versinke bei Dir, mit Dir, in Dir... wenn ich zurück denke an das erste Wochenende, an Hannover, an das große, weiche, warme Bett und an Dich, und an das tiefe, tiefste „endlich“, ich wünsche mir nichts mehr, als bei Dir zu sein.... ich gehe dahin wie in Trance, und mir strömen die Erinnerungen in den Kopf, Nürnberg, wir schliefen mittags erschöpft nebeneinander ein, die Minuten oder Stunden im Halbschlaf, in süßester Umarmung, Umklammerung. Die Spaziergänge und die Fahrten in der Stadt, und die wundersame Erlösung, als Dein Nacken morgens nicht schmerzte, nach einer eigentlich katastrophalen Nacht auf viel zu weichen Betten. Überhaupt wundersam, alles.... ein einziges Wunder, ein großes, schönes, überragendes Wunder.

Du fehlst mir.......

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24-06-2009 um 14:23

Wer sich für wertvoll hielt, dem musste der, dem er sich gab, wertvoll sein

Drei Monate. Drei Monate voll Leben und voll Glück, aber auch voll schmerzlicher Abschiede und Ungewissheit, voller „wann“, „hoffentlich“, „vielleicht“ und „bald“, aber auch voll „endlich“. Nie hätten wir uns träumen lassen, dass wir einmal beieinander ankommen würden, dabei hatten wir uns jahrelang umstreift wie zwei Raubkatzen, bald näheren, bald entfernteren Kontakt, bald öftere, bald seltenere Telefonate, bald mehr, bald weniger Fragen. „Es kann doch nicht sein, dass jemand wie Du alleine bist, ich versteh's einfach nicht.“ - dort oben, der blaue Satz, ich habe gewartet, habe mir geschworen, niemals mich jemandem zu geben, der mir wertlos ist, für den ich nichts empfinde, den ich nicht liebe. Ich habe gewartet in zaghafter Hoffnung, dass es sich finden würde, ganz von selbst, irgendwie, und vor allem unerwartet und überraschend – und so wurde es. Ich wurde überrascht und ich war verwirrt, die ersten Antworten in diesem unserem Paradies zeugen davon. Nie hätte ich mir träumen lassen, und hätte es mir jemand prophezeit, ich hätte ihm vermutlich den Vogel gezeigt: Du spinnst doch, was habe ich, kleiner D., schon zu bieten, was würde mich schon liebenswert machen? Und Du schriebst es, später, „Du glaubst, ich halte Dich für sanft, aber ich weiß, dass Du es nicht bist. Ich weiß nicht, warum Du es glaubst, aber ich weiß, dass Du gefährlich bist und leidenschaftlich.“ Und genau das war, was ich glaubte.... und Du hattest Recht, hast mich gesehen, hinter dem, was ich mir aufsetzte, dass ich selber schon gar nicht mehr wusste, was ich eigentlich bin... Du hast es gesehen und mit spitzen Fingern langsam hervorgezogen aus mir und mich begleitet dabei, es anzunehmen, was Du hervorholtest und mir präsentiertest: Das bist Du.
Ich bereue keinen Tag meines Wartens, keine Stunde und kein Jahr, und der seltsame Zufall (oder nicht?), der uns zusammenbrachte, kam genau zu der Zeit, als ich weit genug war, es akzeptieren zu können, als ich mir schon zentimeternahe war. Da kamst Du und hast meine tastende Hand ergriffen und mich herüber gezogen, unerwartet, überraschend – und liebevoll. Was überhaupt das einzige Wort ist für Dich: Liebevoll. Voller Liebe, für Deine Tiere, für Musik, für das Leben – und für mich. Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der so viel Verstand und so viel Gefühl in sich vereint, und mit Dir habe ich den besten Menschen und die beste Frau gefunden, die es nur geben kann.
Und bald, bald, wird es endlich mehr als gehetzte Tage, endlich mehr als nur drohender Abschied wieder. Wir werden es schaffen... und mit jeder Nacht geht dieses Jahr mehr zur Neige. Unsere Alhambra – irgendwie, irgendwann wird sie sein, das ganz persönliche Fackelparadies, in dem wir nachts bei sanfter Kühle draußen sitzen unter offenem, schwarzen Himmel... bei Deiner Oper, und deren Text wird sein:

Is it me?
Is it you?
It is everything
like you are everything
to me


Text in blau: Hans Habe, Ilona

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26-06-2009 um 22:00

Es rückt näher, Du rückst näher, greifbar nah.... egal wie oft wir nacheinander werden greifen können, wir sind uns nah, und es wird mich beruhigen und mir eine Wohltat sein, Deinen Kopf des Nachts so nah an meinem zu wissen. Ein Abenteuer mit seinen eigenen Schranken, wie alle unsere Abenteuer ihre jeweils alleinigen Schranken hatten, so ist es doch anders.... wir werden uns sehen können, beieinander sein für mehr als gehetzte Tage, schon vorbei, kaum nachdem sie begonnen haben. Und wenn es regnen sollte als wollten alle Regengötter der hyperpolytheistischen Götterwelt, alle, die jemals erdacht und erträumt worden sind, beweisen auf was für omnipotente und niemals versiegende Quellen sie zurückgreifen können, und wenn sie alle je erdachten und erträumten Sonnengötter mit ihrem prahlenden Gejohle vergrault haben sollten, wird es mir heilige, ernste und adelnde Aufgabe sein, die Wassermassen auszutreiben, wegzutragen, herauszubefördern mit Eimern und Besen und Schaufeln und bloßen Händen, und nötigenfalls kilometerweit Sandsäcke heran zu schleppen.

Cut

Enttäuschte Hoffnungen. Der Schock sitzt tief. 12.08.2010, der früheste Termin, zu dem ich weiß, wohin es mich verschlagen wird. Nichts mit März, nichts mit April oder Mai, September 2010, 14 Monate. Es geht nicht – auf allen Ebenen: Es geht nicht. Wir hatten uns geklammert in unserer verzweifelten Hoffnung: Kein Jahr mehr!, geklammert an März, spätestens April, wo ich endlich, endlich hier weg käme... Aus. Nüchtern, kalt, durch ein paar Buchstaben in einem Heft, durch die irrwitzigerweise auch noch eine „Verbesserung des Vergabeablaufs“ propagiert werden sollte. Weil Studenten ja nicht an irgendetwas gebunden sind, gefälligst nicht gebunden zu sein haben. Wenn doch, na Pech gehabt! So spielt das Leben halt, gewöhnen Sie sich dran! Oh, natürlich, es gibt Gründe, dass dieser oder jener Ort bevorzugt vergeben werden kann – wie, nicht das heilige Sakrament der Ehe?! Tja mein Gutester, DANN.... liegt leider kein Grund für einen Ortsantrag vor. Warten Sie bitte auf Nachricht von der ZVS. Spätestens Ende September wissen Sie, wo sie ab Anfang Oktober studieren werden!
Ich kann nicht so viel essen wie ich kotzen möchte.



geschrieben von: M. Marinus

14-07-2009 um 11:32

Ich bin meiner Haut und meines Fleisches beraubt.

Zwei Wochen die vergingen wie zwei Tage – ich weiß nicht, wo sie geblieben sind. Lächerlich kurz im Vergleich mit zwei Wochen, die wir getrennt sind, lächerlich kurz die Tage, die beginnen und schon wieder enden. Mir fehlte nichts. Die Dinge, die ich vermisste, sind beweglich, sie hängen nicht an einem Ort, meine Gitarren sind transportabel. Nichts, was von dem Ort abhängt, an dem ich jetzt für eine Woche wieder bin, mein Geburtshaus sozusagen, wo ich doch nicht darin geboren wurde, wer wird es schon noch in seinem eigenen Haus? Ich könnte sofort einziehen in das kleine Zimmer im Stall, es ist mir genug. Nur bei Dir sein. Ich könnte, wäre ich nicht gebunden hier, für Monate noch, zöge sofort in die Tropfsteinhöhle, etwas anders als gedacht... aber es macht nichts. Das tägliche Allerlei, es macht nichts, das Leben nach dem Wetter, waschen und trocknen. Immer wieder: Ist es Dir nicht langweilig? Nein, das ist es nicht, nicht ein Stück. Es macht mir Freude, und ich weiß, dass ich seltsam bin. Wir träumen die gleichen Träume, das Haus am Meer, in der Wärme, Du hungerst danach und nach der Sonne, ich kann es verstehen... wer flöhe nicht aus dem Regental?
Der improvisierte Orientpavillon. Wir arbeiteten mit kindlicher Freude daran, es waren nur wenige Handgriffe, nichts großes, ein paar Lagen Stoff, Metallclips und ein Bettgestell, und doch... mag es nur für wenige Wochen halten und dann verrottet sein, diese Wochen wird er schön gewesen sein, und das ist das einzige, auf das es ankommt. Sichtschutz und Höhle in einem, man kann nicht mehr schaukeln, aber was ist ein Diwan dagegen?
Die Wasserfälle und die Sturzbäche, ich habe endlos Bilder gemacht, sie werden gerade herübergespielt. Der Spitzingsee und die Blättersammlung, die Kelche und Carlchen als Ritter und Frühlingsrolle. Das Grauen und die Haarmassen, die ich nicht kannte, „mach Dir einen Pullover daraus“.
Es war anders, anders als die Nächte und Tage in den Hotelzimmern – keine Nächte, dafür Tage, mehr als nur zwei oder drei. Aber dafür gebe ich die Nächte gerne her. Es ist seltsam, seit über vier Wochen nicht mehr nebeneinander eingeschlafen und aufgewacht zu sein... ich erinnere mich, es war das, was ich am meisten zu vermissen glaubte in den Jahren, die ich alleine war. Alles ändert sich, und wenn es jetzt nicht anders geht, nehme ich, nehmen wir, was wir haben können, gegen alle Beschränkungen und Schwierigkeiten. Das ist auch, was diesen Wochen anhing: Es geht nicht anders, auch wenn wir beide anders wollen, wir können nicht.... Du glaubst, Du kämest in die Hölle? Böse ist, wer Böses tut, und wir tun nicht.... verzweifelt, ja, aber wenn es irgendetwas geben sollte (Du weißt, ich glaube nicht daran), wird man Dich, uns, dafür nicht richten. Wir haben keine böse Absicht. Ja, wir nehmen in Kauf, aber wer liebt, wird alles tun, sich auch lieben zu können, und das verteidige ich auch gegen Gott und Teufel. Wir gehen schon durch unsere ganz persönliche Hölle, aus Wollen und Nicht-Können, aus Warten und Ungewissheit, aus Planlosigkeit und Verzweiflung.... denn wie weiter? Wie weiter nach Anfang August, wenn ich hier wieder fest gebunden bin? Ich weiß es nicht und das frisst mich auf, Du weißt es nicht und es frisst auch Dich. Wir werden beide gefressen, aber irgendwie werden wir dem, was uns frisst, von innen den Bauch aufschneiden und uns herauswinden. Vielleicht durch Blut und Schleim, und vielleicht wird er dann an uns hängen, aber wir haben nicht verlernt, und zu waschen. Es mag eine rituelle Waschung erfordern, wir werden uns rituell waschen. In realen oder etwas anderen Tropfsteinhöhlen, im realen Haus am Meer oder in unserer Vorstellung, aber es wird nicht aufhalten, dass wir uns waschen und gereinigt daraus hervorgehen.



geschrieben von: M. Marinus

27-07-2009 um 14:33

Alltag. Ich bin mit dem Menschen zusammen, mit dem ich mein Leben verbringen möchte, seit drei Wochen jetzt schon dauerhaft, unterbrochen nur durch eine Woche, die ich zurück musste in mein Heim, das mich fast zwanzig Jahre beheimatete. Jetzt liegt sie an anderer Stelle, meine Heimat, sie liegt hier, bei Dir, wo immer es ist oder auch später noch sein mag und sein wird. Nein, ich vermisse nichts und es mir nicht langweilig, nicht ein Stück, dieser Alltag mit Dir. Die Kühe, die wieder die Weider gemächlich herunter traben und dabei den Hof mit ihrem sanften Glockengebimmel einlullen, die Hasen, die wie verrückt graben und graben und rennen und schnuffig ausschauen, die irre Marian und die Arbeiten im Garten, die Sumpflandschaft an der Wegseite zur Straße hin, das alles ist mir kein Stück langweilig oder zu viel. Im Gegenteil, noch viel zu wenig, ich würde lieber noch viel mehr machen, den Garten umgestalten, Dir eine stabile Hollywoodschaukel bauen, ein Gemüsebeet auf Stelzen, damit die Hasen es nicht auffressen. Und Plüschblumen pflanzen.
Nur noch eine Woche. Wir wissen nicht, warum die Zeit so irrsinnig schnell vergeht, sie verrinnt uns unter der Fingern, die Uhren zeigen an, um wieviel weniger Zeit wir wieder haben, wie kurz/lang es dauern wird, bis wir wieder getrennt sind und nicht wissen, wann wir uns wieder sehen können. Die quälende Undsicherheit, das Wissen, so nicht noch ein Jahr herumbringen zu können, sich nicht alle zwei Wochen treffen zu können, weil es nicht möglich ist... das alles lastet, und wir wünschten uns nichts mehr als ein paar Tage und Nächte, ungestört, alleine, völlig, nicht immer nach draußen horchend, sich nicht beobachtet fühlend, beobachtet wissend, ein paar Tage ohne das stete Trampeln über uns. Die Stunden, die der Hof mit uns verlassen daliegt sind die wirklichen Wonnestunden hier, und wir beide blühen auf, sobald das silberne Auto auf die Stadtstraße biegt - endlich völlig frei.
Es ist schon wieder nach zwei Uhr, der Tag mehr als zur Hälfte herum, wieder einer weniger. Das Alltägliche erfüllt mich, auch wenn ich nicht so in die Sonne kann wie ich wünschte, heute - meine Arme und Beine beginnen zu brennen, sobald ich sie nach draußen halte, sie ertragen soviel Licht nicht, es war gestern schon zu viel, krebsschweinchenrosa kommen mir meine Waden fast wie fremde Körperteile vor. Sie kann ich bedecken, das ist es nicht, die Unterarme sind schlimmer - lange Hemden bei größter Hitze, um nicht noch weiter zu verbrennen. Keine Gartenarbeit, Schatten wo immer es geht, in der kühlen Wohnung sitzen... und wir kommen nicht weg von hier ohne Auto. Für fünf Kilometer in die eine Richtung ist es mit der Bahn nötig, einen Umweg über zwanzig Kilometer zu machen - um an den Ausgangspunkt zu kommen, von wo aus eine andere Bahn noch einmal die gleiche Strecke braucht, um einen letztlich dahin zu bringen, wo man hinwollte. Keine 10 Minuten mit dem Auto, stundenlange Fahrten per Bahn. Mit dem Fahrrad wäre man schneller, alleine, eines zu haben..... auch das kommt noch. Wie vieles andere. Und so bald wie möglich wieder eine, nur eine ungestörte Nacht....



geschrieben von: M. Marinus

06-08-2009 um 15:38

Mehr als ein Monat ist vergangen. Ein Monat, den ich bei Dir verbrachte und in meinem Heim, dort, wo ich mich heimisch fühle. Das ist bei Dir und mit Dir, und es ist/war dieser Hof mit seinen endlosen Arbeiten und uferlosen Wassermassen – aber nichtsdestotrotz fühlte ich mich heimisch, und bin nun abgeschnitten und getrennt davon. Und wann ich wieder ich in Gänze, nämlich mit Dir zusammen, sein kann, das weiß niemand. Wie es sich ergibt, ich hoffe auf neun Tage, legte es einfach fest, dass wir dann in Nürnberg uns ein schönes gemütliches Hotel mieten würden – will heißen, ich es mieten würde, ohne Blick auf Kosten. In der Hauptsache: Gemütlichkeit, Ruhe und zusammen verbrachte Nächte. Urlaub von dem Alltag, der dich auffrisst. Aber dann ist da Carlchen, und ich weiß, Du würdest es Dir nie verzeihen wäre etwas mit ihm solange Du nicht bei ihm bist. So bleibt es wohl ungewiss und wir werden wieder nur das Telefon haben, auf unbestimmte Zeit. Planen lässt sich kaum in der jetzigen Situation, und wer kann sagen, was im September sein wird?
Die Wochen waren ereignisreich, gefüllt mit allem, was Dich Tag für Tag beschäftigt, und einigen Außergewöhnlichkeiten dazu. Ich wollte nicht fahren, und wie Du es dachtest, natürlich passiert hier nichts und ich sitze meine Zeit sinnlos ab ohne Ergebnis, gerade in diesen ersten Tagen des neuen Halbjahres. Zeit, die ich in Bayern hätte verbringen können, aber danach fragt hier niemand, es geht um Anwesenheit und Pflichtstunden, die man haben muss, Pflichtwochenstunden verteilt über die vier letzten Halbjahre und begrenzt erlaubte Fehltage bzw. -zeiten. Geltend natürlich nur für „uns“ Alumni – in Anführungszeichen, weil mir der disziplinlose, laute, ordinäre Haufen zuwider ist, der sich da sammelt, die planlosen Halbwüchsigen, die aus allen Wolken fallen wenn man ihnen sagt, dass sie mit ihrem „supertollen Notendurchschnitt“ von 2,5 ihr Traumfach Medizin aller Vorraussicht nach nicht werden studieren können – ich weiß zwar nicht, wo manche dort leben, aber in der Realität kann es nicht sein, wenn man im Abiturjahrgang ist und keine Ahnung vom erforderlichen NC für manche Studienfächer hat, vor allem für die „Traumfächer“, zu denen Medizin – Tier- oder Human- - offensichtlich gehören. Möglicherweise müsste man wohl bereits froh sein, wenn überhaupt bekannt ist, was NC bedeutet.
Aber wir leben ja in der großen Freiheit, viele Ausfallzeiten sind schön und das drumherum interessiert nicht so, „erstmal Abi“ und dann weitersehen, erstmal feiern, erstmal locker leben. Nein, ich verstehe es nicht, mir bedeutet der Wisch nichts außer dem, was mir mit ihm erlaubt ist und ohne kaum, unabhängig von Talent, Begabung oder Fähigkeiten. Das ist der Grund, warum ich noch hier bin und nicht da, wo ich sein möchte, die „Allgemeinen Bestimmungen zur Erlangung der Hochschulreife“ und das übrige Blabla. Ich schwärme nicht und meine Freude gilt einzig dem Umstand, endlich hier weg zu können. Kein Gedanke an „geschaffte Hürden“ - warum auch, es ist ja keine, und was soll mir der Erfolg in einer Aufgabe bedeuten, für deren Erfüllung ich mich nicht anstrengen muss? Das einzige, was es mit mir macht ist, mich räumlich weit von meinem Paradies zu trennen, und hätte ich die Wahl zwischen einem Jahr Arbeit mit Dir auf dem Hof oder dem knappen Dreivierteljahr hier, ich zögerte keine Sekunde... nur bin ich angewiesen auf meine offiziell bestätigte „Reife“ und damit zumindest ansatzweise vorhandene Intelligenz, denn mehr sagt dieses Papier nicht aus. Um zu wissen, was ich kann und was ich mir wert bin, brauche ich keine Bescheinigungen und erfüllte Prüfungsvorgaben. Die Notwendigkeit noch Monate hierbleiben zu müssen wird nicht dadurch erleichtert, dass sie mich nicht voranbringt und dass das, was ich dann habe als „Lohn“ dafür, für mich emotional ohne Wert ist – und mich abschneidet von dem, das mir so unendlich viel bedeutet, nämlich Du Liebes, die Frau mit der ich mein Leben verbringen möchte, der Mensch an meiner Seite, der mich ergänzt und mit dem ich mich ergänze; wir, die wir uns erfüllen in unserer Liebe, die die widrigsten Umstände überstanden hat ohne jemals auch nur im Ansatz langweilig oder nervend gewesen zu sein, ohne einen einzigen Augenblick gehabt zu haben, in dem ich ohne Dich hätte sein wollen. Davon bin ich abgeschnitten, aber was immer die nächsten Wochen und Monate an Möglichkeiten für uns bieten werden, wir werden auch diese Umstände überstehen und alles anderen und weiteren ebenso.

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08-08-2009 um 08:28

Es sind so wenige Tage erst und ich will das nicht glauben, ich kann es nicht glauben... vor vier mal 24 Stunden lagen wir noch beieinander, jetzt bin ich wieder hier, ohne es sein zu wollen...
ich hatte einen Alptraum heute nacht - was ich träumte weiß ich nicht mehr, aber ich wachte auf und wusste nicht, wo ich war. Dachte mich in Deiner Nähe, aber es war stockfinster, ich hatte keinerlei Orientierung, wusste nicht wo oben und unten waren, merkte nur, es ist niemand sonst da, und geriet in Panik. Ich richtete mich auf, umklammerte die Bettkante und rief Deinen Namen, zwei, drei Mal, bis mir klar wurde, dass Du nicht hier warst, und ich in Hannover alleine in meinem Bett... und sank enttäuscht zurück.

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to be continued. Später.



geschrieben von: Odessa

09-08-2009 09:41


http://www.bundestag.de/aktuell/archiv/2007/petition_kw46/eheringe_450.jpg


Auch wenn ich den Antrag heute erst gelesen habe - "Ja, ja und ja". Und ich weiß, daß Du für uns gut sorgen und mir die Sterne vom Himmel holen wirst. Auch wenn ich die gar nicht brauche, habe ich doch meinen Fixstern seit 5 Monaten an meiner Seite. Und auch mir gefiel nicht, was auf dem Umschlag stand, dessen Inhalt uns das gemeinsame Konto mitteilte: "Herr Daniel B. und Frau Ilona H.". Es sollte "Herr und Frau B." heißen. Irgendwann wird es das, hoffe auch ich, und sei dieses "amtliche Papier" nur dazu gut daß ich diesen Deinen Namen bekomme. Sei es in 6 Jahren erst oder nur in unserer eigenen kleinen Welt - ich bin ohnehin "Dein". Du wirst mich nie verlieren und umsonst nach mir rufen, weder im Traum noch in der Realität.





Foto: ww.bundestag.de



geschrieben von: M. Marinus

24-08-2009 um 20:59

Unser „Fünfmonatiges“. An einem der Tage, wie wir sie hassen, und an dem ich mich heute morgen nicht zurückhalten konnte: Ich hasse es. Hasse diese Verabschiedungen und Ungewissheiten aus tiefster Seele, sie brennen sich mir ein, und als wir am Sonntag morgen überlegten, ob wir noch eine Nacht bleiben sollen oder nicht, wollte ich schon sagen: Lass uns fahren – ich halte es nicht noch eine Nacht aus zu wissen, dass ich Dich morgen wieder ziehen lassen muss und Du mich.
Man glaubt kaum, dass es immer noch mehr weh tun kann, aber es geht. Es gibt immer eine Steigerung, von Schmerzen wie von Lust – wir haben beides. Je größer der Abschiedsschmerz umso größer das Verlangen, je größer das Verlangen umso größer...
Wieder so vieles, so viel Leben in wenigen Stunden, die wir in einer fremden Stadt zusammen hatten. Und schrieben uns heute nachmittag gleichzeitig eine Nachricht mit dem selben Inhalt, wieder einmal, „ein Hirn“, aber Deines ist größer als meins. Immer zweimal mehr...

Ich möchte wieder im Botanischen Garten sein, die Pflanzen- und die Blütenpracht auf mich und auf Dich wirken sehen. Die hunderten Sorten Salbei, die Minze, die Blüten in herrlichsten Farben – warum ich das Bild mit dem Garten nahm, fragtest Du mich. Ich weiß es nicht. Es schien mir passend, und ich hatte Recht. Wir könnten beide tagtäglich daran arbeiten, einen Garten unserer Form von Perfektion näher zu bringen, hier etwas verändern, umstellen, dort ein Ästchen wegschneiden, den Kaninchen einen neuen Kräutergarten anpflanzen, weil sie den alten allzu schnell abfraßen; und es würde uns nicht langweilig werden. Tatsächlich hat die Arbeit auf uns den selben Effekt, sie beruhigt, sie tut gut. Frische Luft und Kräutergeruch, Sonne und Farbenglanz rings umher. Wie wichtig die Luft ist für Dich und für mich, für Dich aber noch mehr – salzige Meeresbrise und pflanzengefilterte, reine Luft. Wir werden einen Pavillon haben und niemand wird um uns herum laufen; wir werden ein Gewölbe haben und niemand wird seine dreckigen Füße auf unseren heiligen Boden setzen; dessen Blut wäre das einzige, was ihn wieder zu reinigen vermochte.

Ich bin Besitzer, Besitzer meiner Seele und Deiner, wie Du deine besitzt und meine, und wie Du hüte ich meinen Besitz mit wachsamen Augen, das niemand ihn berühre, der ihn nicht berühren darf. Unser Haus wird es gleichsam sein, und wehe dem, der es wagen sollte, seinen Fuß hineinzusetzen, ohne dass er nicht ausdrücklich darum gebeten worden wäre – ich bin Stier und ich habe mein Territorium, das ich verteidige bis zum Ende. Wenn wir durch die nächtlichen Straßen flanieren, ist es mir, als wollte ich jeden zu Boden schlagen, der Dich nur eine Sekunde zu lange ansieht, die betrunkenen, stinkenden, lauten Massen. Die Degeneration und der Blutfilm, der so treffend zeigte, wohin es letztlich führt, empfindet man sich als Hochkultur unter niederen. Gott so nah wie niemand sonst – und Gitter vor dem Tor vor Angst.

Alles in nicht sechzig Stunden, die wir kaum geschlafen haben in Hitze und in Lärm, aber miteinander verbrachten, nächtliches Augsburg und gutes Essen, Türen die sich einladend öffneten für uns und rote Teppiche. Alles in nicht sechzig Stunden – so viel Leben. So viel Liebe. Fünf Monate, von denen ich keinen Tag und keine Stunde bereue. Es können auch fünf Jahrhunderte werden und ich finde noch etwas Neues und Schönes mit Dir.



geschrieben von: M. Marinus

01-09-2009 um 22:07

Du hast mir ein Geschenk gemacht, ich trage es mit Stolz und Freude. Ich erinnere mich noch, wie Du es mir umlegtest in Würzburg... wir lagen auf der Schlafcouch, ich an Deiner Seite, Du griffst halb über mich und hast es geschlossen. Seitdem trage ich es, und in den wenigen Momenten, wo ich es abnehmen muss, beim Sport aus Angst, es könnte kaputt gehen, bei Dir zuhause, weil es nicht geht - ich fühle mich nackt, um einen Teil beraubt, es fehlt das Gefühl, das mir so vertraut und lieb geworden ist, das Silber um mein linkes Handgelenk und meinen Arm. Kitschig und albern? Nein. Erinnerung und Wärme.

Harmonie ist das Wort, Du gleichst mich aus, und es legt sich ein warmer, wohliger Schleier über mich, wenn ich Deine Stimme am Telefon höre, erwartet oder unerwartet wie gestern Abend - Harmonie und Freude. Es sind über 600km zu Dir, sie machen mir nichts; wenn es möglich macht, dass wir uns sehen können, macht mir alles nichts.
Im sechsten Monat, ja. Es ist kein Tag vergangen, den wir uns nicht gesehen oder wenigstens gehört haben. 161 Tage heute, "wenn ich mich nicht verzählt habe", und morgen sehen wir uns, je nach Rechnung, das siebte oder achte Mal. Und es ist ganz ruhig... ich freue mich. Ich bin ausgefüllt von meiner Freude, mit dem heutigen Tag dem Gardasee ein Stück näher und den Zitronenbäumen und dem Wasser und der Wärme. Ich liebe Dich. Grenzenlos.

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24-09-2009 um 22:00

Sechs Monate, auf den Tag genau. Was schenke ich Dir? Mich. Mit Haut und Haaren, gänzlich und vollkommen. Ich gehöre Dir, bis in jede Faser und in jede Pore, wie ich auch mir gehöre - und das ist dasselbe. Ob es möglich ist, dass es "immer noch besser" wird - ich hätte es nicht, würde es nicht glauben, wenn ich es nicht selbst erleben würde.

Wir haben uns nur ein paar Male sehen können, lächerlich wenig objektiv betrachtet, aber die Zeit, die wir zusammen schon hatten, haben wir genutzt - und gelebt, intensiv gelebt, bis zur Neige, bis zur Verzweiflung manchmal, wenn die Abschiede allzu schmerzhaft, die Ungewissheit zu stark wurde, wann das nächste Mal sein würde, und auch jetzt ist nicht viel klarer, wie sollen wir dieses Jahr überstehen und den Anfang des nächsten? Wir werden es, ich weiß es, irgendwie, aber auch das ist nicht zu leugnen: Es wird immer schlimmer. Jedes Mal, das wir uns verabschieden, ein wenig mehr. Wir werden es aushalten, auch das, es gibt keinen anderen Weg für uns und nächstes Jahr verlasse ich diese Stadt, die mein Geburts- und Lebensort wurde für dann 21 Jahre, und ich bereue es nicht, ich bin froh. Ich lasse nichts zurück hier, das mir ansatzweise bedeuten würde, was Du mir bedeutest und was ich nur mangelhaft artikulieren kann über die Worte, die mir zur Verfügung stehen.

Wagner benutzte eine Technik für seine Operntexte, deren Wirkung sich am besten so beschreiben lässt: Durch Verknappung die Worte und Sätze mit Bedeutung aufladen. Ich mache das gleiche, und sage immer wieder, gerne und voller Freude, kurz und bedeutungsschwanger, wie nichts und niemand schwanger sein kann:

Ich liebe Dich.



geschrieben von: M. Marinus

18-10-2009 um 21:35

Es wird noch viele Worte und einige Beiträge brauchen, diese zwei Wochen nur halbwegs zu beschreiben. Immer wieder und immer mehr schmerzt es, wie heute fahren zu müssen oder wie sonst so oft Dich fahren lassen zu müssen, und dann sehen wir aber auch wieder und wieder, was wir durch die fast 700 km Trennung in „nur“ sieben Monaten erlebt haben – mehr als ein Dutzend Hotels, Pensionen oder Privatgasthöfe in halb Deutschland, von miserabel bis umwerfend, von pragmatisch bis herrschaftlich, von schlicht bis prunkvoll, noch mehr Gaststuben und Wirtshäuser, endlose Bahnfahrten und viel zu kurze Wochenenden, netteste, freundlichste Menschen und pampige und unwillige, lauten, lärmenden Pöbel und herrliche Ruhe in Zimmern an Felsenwänden. In sieben Monaten mehr als die meisten wohl in sieben Jahren zusammen unternehmen.

Die beiden langen Fahrten für mich. Je 700 km mit dem Auto, Sonnabend vor vierzehn Tagen und heute, jeweils gute achteinhalb Stunden Fahrt, Stau auf der unsäglichen A3 zwischen Nürnberg und Würzburg, fast exakt hundert Kilometer, die es meist im besseren Schritttempo vorangeht, eine zweispurige Fahrbahn die allermeiste, wenn nicht sogar die ganze Zeit auf einer vollkommen überlasteten Strecke. Aber ganz einfach: Fahrpraxis. Keine vier Wochen, nachdem ich meinen Führerschein in der Hand halte, bin ich alles gefahren, was es nur gibt. Bei Nacht, Nebel, Regen, Schnee, Berge hoch und herunter, enge Straßen und breite. Die Gegend um den Tegernsee kenne ich besser als das hiesige Umland.

Die Kaninchenmauer. Die unendliche (Obi-)Geschichte, ich weiß nicht, wie oft wir hinfuhren, teilweise dreimal am Tag, immer war uns etwas neues eingefallen, hatte sich ein Plan als nutzlos herausgestellt, hatten sich weitere Schwierigkeiten ergeben, und am Ende stellte sich die erste Lösung für das Türproblem als die beste heraus. Achtundzwanzig Pflanzsteine, die wir schleppten, vierzehn die der Frosch bei der größten Ladung zugleich trug, dem zwar kein Einkaufskorb in den Kofferraum passt, wenn die Rückbank nicht umgelegt ist, der aber dann erstaunlich viel Platz bietet. Auch wenn sich seine Schwächen auf den Bergstrecken nur zu oft zeigten, er hat ohne Schwierigkeiten alles durchgehalten und mitgemacht und uns so viel ermöglicht.
Ich weiß gar nicht mehr, wann der Stall fertig war. Haben wir Montag schon angefangen, etwas zu versuchen? Und wann war es – provisorisch erstmal – fertig, vorgestern oder gestern? Man mag es kaum glauben, aber ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nicht, wo die zwei Wochen geblieben sind, sie waren unglaublich kurz, und andererseits ist Kufstein schon wieder Ewigkeiten her, dabei sind es gerade acht Tage, dass wir nach Österreich rüber fuhren und Du mir die alte Schule zeigtest, das „Hexenhaus“, und dahinter das traumhafte Landhaus, das hinter einem Hügel verborgen liegt. Das Großereignis des Walchemseemarathons, an dem wir teilhaben „durften“, der Beinaheunfall und die schöne Strecke, während Du mir Tiroler Rosenspeck in den Mund schobst. Schokofrüchte und Maik aus dem Auracher Löchl, den wir das nächste Mal besuchen werden, Schokofrüchte überall und es tut mir heute noch Leid, dass ich nicht anhalten konnte in dem überfüllten kleinen Dorf, aber eine Minute länger und ich hätte sie wirklich zusammengefahren, das depperte Pack, wenn nur die Hunde nicht gewesen wären.

Es gibt viel zu erinnern, und obwohl wir nie Zeit und Ruhe hatten, eigentlich immer irgendwo auf dem Sprung waren, war es so intensiv, alles. Wir haben entweder gearbeitet oder sind herumgefahren. Gestern haben wir, ein einziges Mal in sechzehn Tagen, einen Film zusammen angeschaut, „Harold & Maude“ natürlich, und wie Du schon wusstest, gefiel er mir. Natürlich. Wie könnte es auch anders sein? Irgendwann wirst Du auch Auto fahren, und wir beide wissen, wie. Irgendwann, denn endlich hast auch Du eingesehen, dass Du achtzig wirst. Und Du weißt, ich lüge nicht, und erst recht werde ich mit dem „Blödsinn“ nicht aufhören, und ja, ich weiß – ich bin ein seltsamer junger Mann. Stört es Dich? Nein. Wie Dich so viel nicht stört, wenn ich frage, mein böses Mädchen auf dieser Seite unseres Paradieses. Vor mir steht das kleine Holzschild, das Du mir mit dem ersten Paket schicktest, Du weißt noch, was es vorne zeigt? Es ist nur eine Silhouette, und zwischen den Vorderbeinen scheint die untergehende Sonne durch: 24.3.09: „Zoom“ - 27.3.09: ... atmen ... - 29.3.09: „Badewanne“ - 77 Jahre ...

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19-10-2009 um 12:50

Mit großem Dank und Freude all denen, die sich mit uns freuen. Es macht uns glücklich zu sehen, dass unser kleines Paradies auch auf Euch wirkt.

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Natürlich hätte ich noch bleiben können. Es war nicht anders zu erwarten. Ich bin es leid, mittlerweile nur noch. Ein halbes Jahr, dann ist das auch vorbei. Dann bin endlich frei hier, hält mich nichts mehr in der Stadt, im Land. Dann stehen auch bald keine endlosen Kilometer zwischen uns.
Ich bin Dein Stierchen, das dann auch bei Sonnenuntergang auf dem Hügel stehen wird, von dem Du auch nur die Silhouette sehen wirst, wenn ich endlich sagen kann: Ich bin angekommen. Nach über einem Jahr bei Dir angekommen, in Deiner geliebten Heimat, die auch zu meiner wurde, und mein Gehen ist nur auf Zeit, ich bin gegangen worden, von dem, was ich hier noch zu erledigen habe, zu erlegen geradezu, wie eine Jagdtrophäe, nur dass sie mir nichts bedeutet außer den Möglichkeiten, die es mir eröffnet. Ja, wir werden uns unsere Höhle bauen, unser Reich, wie es ausschauen soll, darüber sind wir einig, natürlich. Ich bin ein heimischer Mensch, brauche mein Haus und meinen Garten. Und natürlich, Dir geht es genauso, und sie wird werden, wie sie werden muss: Trocken, warm und groß. Abends die Terrasse beleuchtet, nur in ganz weiches Kerzenlicht getaucht, aus Dutzenden davon, aller Formen, aller Farben, aller Gerüche, eine große, tief lilafarbene direkt vor uns. Ein Haus wie das, in dem wir schliefen, an der Wand, an dem Wasserfall, die ganze Nacht und den Morgen das rauschende Wasser, Frotteebettwäsche und ein großes Holzbett, Kronleuchter und zwanzig Schritte von einer Ecke zur anderen. Wandschränke und die englischen Möbel, die Du so liebst.
So vieles, was wir gesehen haben in diesen zwei Wochen, und was uns mit als Inspiration dienen würde, bräuchten wir eine und hätten wir unsere Räume nicht eh schon längst vor Augen, Galerien über dem Wohnzimmer und eine Bibliothek mit vier Meter hoher Decke, dass uns ja nichts engt.
Deine Freude, immer wieder, die mich so glücklich macht. Deine aufgeregte Stimme, „Halt an, halt sofort an!!“, und ich kann Dich kaum einholen, so schnell läufst Du, Dein verzücktes Gesicht, all das, wofür ich Dich liebe, es liegt in diesem Ausdruck. Es sind Tiere, Betzis und Bambis und Böckchen und Kaibn, die Dich so freuen und mich mit, denn wer könnte nicht angesteckt werden von Dir? Ich habe Dir oft gesagt, es liegt ein Zauber in Dir, vielleicht glaubst Du es langsam, denn immer hinterlässt den bleibenden Eindruck Du, und obwohl vielleicht niemand sagen kann, was es ist, ist es, und das ist alles das zählt. Und alles, was Dich so freut, will ich Dir bieten, so oft und ausgiebig ich kann, denn nichts macht mich glücklicher, als Dich glücklich zu sehen. Und keine Energie und keine Anstrengung kann falsch gewesen sein, wenn sie Dir nur ein paar Sekunden lang diese Freude schenkt.



geschrieben von: M. Marinus

Ein Achtel oder ein Zehntel – wer könnte schon genau sagen, wie viel von mir bleibt, wenn ich fahren muss, immer wieder. Und wie viel von mir bei Dir verbleibt, eigentlich in einem Zustand „Wir“ verbleibt, denn bist Du nicht minder zertrennt als ich. So existieren neun Zehntel von uns nur, wenn wir zusammen sind, der Rest ist gerade noch zum Leben da für uns in den neun, zehn Tagen, die uns seit acht Monaten, von wenigen Ausnahmen abgesehen, wo wir uns früher oder länger sehen konnten, in schöner, grausamer Regelmäßigkeit auseinander reißen. Wir werden auch die Monate durchstehen, die bis nächstes Frühjahr noch vor uns liegen. Irgendwie. Einzig und alleine so, dass wir schauen, es sind noch neun mal vierundzwanzig Stunden, bis wir uns wiedersehen. Sich auszurechnen, wie viele es noch sein werden, bis wir endgültig – das wäre nur grausam, denn egal, was wir an getrennten Monaten schon überstanden haben, sind es so viele.... so viele. Aber dennoch: Wir werden auch das überstehen.
Die Maus hat geworfen, am Sonnabend schon. Ich hätte beinahe „gekalbt“ geschrieben, wo mir gerade wieder die zwei Wochen im Herbst durch den Kopf gehen, unsere Ausflüge, Benediktbeuern und die Fahrt dorthin. Der „Palast der Kühe“, mit diesen wunderbaren Tieren, aufmerksam, wach, und dann wieder tief und selig schlafend. „Ich möchte auch so einen Palast haben“ - und Du wirst ihn haben. Du wirst ihn haben und so vieles mehr, alles, was ich Dir geben kann und noch mehr, denn in Deinem Glück finde ich so viel Erfüllung, Befriedigung und Kraft, dass es mir eine unerreichbare Wonne und Labsal ist, Dich so frei und voll von Glück und Lebenslust zu sehen – und einen Teil dazu beitragen zu können, dass Du so fühlst.
Die Stunden, die wir im Bett oder auf dem Sofa verbringen, einfach nur aneinander gekuschelt, ohne viele Worte, es braucht sie gar nicht... irgendwann spricht es einer aus, was der andere sowieso die ganze Zeit nur im Kopf hatte: Ich möchte ewig so liegen. Einfach bei Dir, Dich fühlend und Dein ganzes Wesen in meines aufnehmend und umgekehrt mein ganzes Wesen in Dich hinein gebend – tragen und getragen, lieben und geliebt werden. Deins. Einzig und allein.
„Sieh mich an“, denn ich wollte, ich musste Dich sehen, direkt in Deine Augen schauen, als nach dem tränenreichen Morgen ich wie im Fieberwahn über Dich herfiel, und Dich gleichsam mich sehen lassen. Du fehlst mir – und jeder Moment, den ich mit Dir verbringen kann, ebenso, jeder Moment, den ich verbringen könnte mit Dir, fehlt mir.
Wenn ich das nächste Mal fahre zu Dir, werde ich Dir zeigen, was mir an Musik so viel bedeutet hier, und ich hoffe, die Tiefe, mit der es mich trifft, wirst Du ebenso empfinden, wenn ich die Zwiegespräche zwischen Mime und Siegfried Dir vorspiele. Meine Liebste, die Du vermutlich doch auf seltsamsten Wegen und Ecken meine Cousine bist. Es würde mich, bei der Familie, nicht wundern. Soldaten, Priester, H.s, N.s und J.s. '34, '43 und '69, und neun = vierundzwanzig, an sieben Orten... es wunderte mich nichts mehr. Aber nachdem wir, natürlich, beide das gleiche von Inzest halten, auch das vor Jahren schon festgestellt – es brächte mich, uns, nicht eine Sekunde zum Nachdenken.
Schatz, ich liebe Dich. Noch neun mal vierundzwanzig Stunden, bis wir uns wiedersehen. Endlich.... und so sehr fehlst Du mir, wo es gerade anderthalb Tage her ist. Anderthalb Ewigkeiten...



geschrieben von: M. Marinus

Zwei Wochen waren es wieder, die viel zu schnell vergingen. Die tränenreich waren bei uns beiden, und die ich doch um keinen Tag missen möchte. Die ewige Fahrerei, hin und her zwischen München und dem Oberland, die Fußmärsche von den Bahnstationen zu der Wohnung, über spiegelglatte Straßen. Der Westpark und die Enten, Gänse, Schwäne, die so nah kamen, dass wir sie hätten mitnehmen können, meine Krankheit und Deine, die Schmerzen, die Stadt, alles.

Das Geschenk, das ich Dir zu unserem Neunmonatigen machte und über das Du dich so gefreut hast, und Deines, über das ich mich so freute und das mir jetzt aus meinem Schrank entgegenschaut. Den Hintern entgegenstreckt, besser gesagt.

Es erinnert mich, und die Erinnerungen freuen mich, an sanften Schlaf neben dem wunderbarsten Menschen, den ich je sah und dessen unendliche Liebe ich fühlen darf. Du bist ein Geschenk des Himmels meine liebste Sonnenkönigin, ein Strahlen in den grauen Tagen, wie sie sich hier über das Blau und zwischen den brennenden Feuerball und mich gelegt haben. Du bist ein Licht, das mich auch wärmt, wenn ich nicht bei Dir bin, das ich fühle in meinem Nacken, und dessen Streicheln ich noch empfinde, ganz leicht.

Du schaust mich an von meinem Schreibtisch, bist in diesem Zimmer immer um mich, weil Dein Gesicht mich von allen Seiten aus betrachtet. Du und Du im Schlaf mit Flügeln, von vorne, hinten, links und rechts. Ich habe es so gruppiert und es beruhigt mich.

Ich möchte wieder zurück mit Dir in die Villa, in den barocken Traum, in dem Du schläfst wie ein Baby. Ich hätte mich gerne intensiver verabschiedet, aber es war wieder zu stark, Dich zu verlieren. Auch wenn es nur für etwas mehr als eine Woche ist, von der wir jetzt schon wieder ein paar Tage hinter uns haben. Ich möchte wieder mit Dir im warmen Wasser sitzen und dich streicheln, möchte mit Dir endlich in den Tierpark fahren und meine Kleidung von Hirschen fressen lassen, während Du neben mir stehst, und mich freuen mit und an Dir, an Deinem Glück, dem bisschen, das ich Dir zu bringen imstande bin.

Du fehlst mir. Ich möchte endlich, dass Du mir nicht die meiste Zeit mehr fehlst.







copyright @ M. Marinus und inside closer Autorenplattform



geschrieben von: M. Marinus

Seit ich gefahren bin, ist eine Unruhe in mir. Ein quälendes Gefühl, eine Rastlosigkeit, ich könnte im Zimmer umherlaufen wie ein Tiger im viel zu kleinen Käfig. Ich fühle mich eingesperrt, ich fühle mich fremd, und ich vermisse Dich. Ich vermisse es, Dich auf mir liegen zu haben, Deinen Kopf zu halten und zu streicheln, zu dösen; mit Dir durch die leeren Kaufhäuser zu streifen und uns von tausenden Düften betören zu lassen, stundenlang vor einem einzigen Regal zu stehen und nicht davon weg zu können, angezogen von so viel duftender Schönheit wie Motten vom Licht; Tage mit Dir vergehen zu lassen wie Wimpernzucken, Erdmännchen zu spielen von unserem „Bau“ aus, immer wieder zurückkehren, ausschwärmen, zurückkehren. Vermisse es, mit Dir zu essen, vermisse alles, was mir miteinander taten.

Dieses Wochenende – vielleicht das intensivste, das wir je hatten. Der Trennungsschmerz war grauenhaft, seit wir uns das erste Mal sahen, aber an diesen Tagen noch um so vieles heftiger, dass er mir die Kehle zuschnürte, dass ich keinen Bissen herunter bekam, nichts, gar nichts, und das Gefühl hatte, ich müsste zerspringen, zerreißen innerlich. „Es geht gar nicht mehr, überhaupt nicht.“ Nicht mehr länger, es ist erreicht, was noch irgendwie zu ertragen war, jeder Tag ohne Dich, jede Stunden und jede Minute eine Qual, die ich Dich nicht bei mir haben kann. Ich will Dich endlich wieder, es ist eine Ewigkeit her, eine riesige, geisterhafte Ewigkeit, und dabei war es erst gestern, gestern mittag, dass ich Dich das letzte Mal küsste. Und natürlich trafen wir uns, um diesen widerwärtigen Abschied noch zum zweiten wiederholen zu müssen, diesen unsäglichen, unhaltbaren, untragbaren Moment, in dem wir uns aus dem Armen verlieren und ich wieder fahren muss. Ich kann es nicht mehr, es tut nur noch weh, nur noch weh...

Das Intensivste, Tränen, mühsam nach Atem ringend, schweißnass, halb lebendig, halb tot vor Erschöpfung, ein Sturm, der uns hinweg gefegt hat, unsagbar wie tief. „Du solltest öfter das Denken lassen.“ - Ja, zu gerne nur, meine Königin, meine Liebste, meine wunderbare, wunderschönste Frau.
Ich sitze hier und weiß nichts mit mir anzufangen. Ich bin so sehr zerschnitten, zersplittert in tausende winzigste Teile, dass ich nur denken kann an Dich, an Dich und immer nur an Dich. Zehn Tage, wann sind diese grauenhaften zehn mal 24 Stunden endlich wieder vorbei, wann endlich wieder habe ich Dich in meinen Armen?



c @ M. Marinus, "inside closer"



geschrieben von: Odessa

Ich will Dich endlich wieder, es ist eine Ewigkeit her, eine riesige, geisterhafte Ewigkeit, und dabei war es erst gestern, gestern mittag, dass ich Dich das letzte Mal küsste.

Es ist jetzt vier Tage her, und die riesige geisterhafte Ewigkeit wurde noch größer. Nein, es geht nicht mehr länger, und jeder noch so üble Kompromiß wird in Kauf genommen nur damit wir uns wieder sehen, fühlen, atmen können...



Ewigkeiten. Die Hasen sind tot. Seit 31. März, 19. und 23. Oktober und 2. Dezember 2009. Und als ich heute wieder die Fotos betrachtete, merkte ich, daß es mir wie eine Ewigkeit vorkommt, daß ich sie nicht mehr habe. Eine schmerzende, wieder zu Tränen rührende Ewigkeit. Ich dachte niemals, daß ich diese vier kleinen Fellknäuel mit der hohen Intelligenz und dem nicht ermüdenden Spieltrieb, der "kätzischen" Neugier auf Alles in ihrem Umfeld und dem unglaublichen Lebenswillen so sehr würde lieben. Ich hatte sie nur so kurze Zeit, nachdem sie alle vier bei ihren Vorbesitzern schon über lange qualvolle Jahre bzw. Monate, wie das Baby Charlotte, durch die Hölle gehen mußten... Carlchen 2 Jahre lang, mit all den Todeskämpfen die er in der Zeit immer wieder ausstand und überlebte; 6 Monate waren es nur bei Moritz, der als erster starb; knapp über ein Jahr war es bei Mathilde und Charlotte, die ebenfalls öfters auf der Kippe des Todes standen, vor allem Mathilde, und die beide im Oktober von mir gingen. Ich gäbe 10 Jahre meines Lebens, wirklich 10 Jahre ohne mit der Wimper zu zucken, könnte ich nur eines meiner Häschen dafür wieder für nur eine Woche in die Arme nehmen oder es über die Wiesen und Weiden hoppeln und Karnickeltunnel in der Erde graben sehen.

Manche Schmerzen vergehen nie, manche Wunden verheilen nie. Meski, Schneeflocke und die anderen Katzen sind eine davon. Die vier Häschen, sanfte stille und doch so temperamentvolle und stets in Bewegung seiende Langohrschmusekugeln, die andere...



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geschrieben von: M. Marinus

Es sind zwei Welten, in denen ich lebe. Die eine ist eine Welt, die mir trist geworden ist, noch trister, als sie es ohnehin schon immer war, doch seit ich die zweite kenne, ist sie beinah unerträglich. Denn sie trennt mich, sie steht zwischen mir und der fiebrigen Hitze, in der ich mich verliere und Du dich mit mir, zwischen den Erschütterungen, die uns atemlos umfallen lassen, als wäre plötzlich der Boden uns entzogen worden. Nur ist er das nicht, wir haben ihn fester noch gestampft, mit jedem Mal, das wir uns lieben.

Sich lieben – miteinander schlafen. Wunderschöne Ausdrücke, die meine Sehnsucht wieder anfachen, noch so viel stärker, als sie ohnehin unablässig in mir brennt. „Kollisionen“ hieß es in einem Buch, das ich las, und wie zwei Meteore, glühend heiße Himmelskörper, schlagen auch wir aufeinander, und die freigesetzte Energie ist grenzenlos. Wie kollabierende Sterne geht aus einem kleinen Kern, einem verdichteten Zentrum ein Impuls los, der in kreisförmiger Bahn alles andere mit sich reißt - so kommt es mir vor, wenn wir zusammentreffen. So intensiv lebe, erlebe ich Dich und mich, und Du genauso, und was so verzehrend brennt, das trennt man nicht und zwingt es, sich zu kühlen.

Die Schatten dieser Qual, der unendlichen Zeitspanne, die uns wieder trennen wird, legt sich auf mich, irgendwann während der wenigen Stunden, die wir haben, bevor ich wieder fahre, und lassen mich kaum wieder los. Ich bin so erleichtert, dass es wieder länger sein wird als nur für zwei Tage, wenn wir uns das nächste Mal wiedersehen, doch das macht die sieben mal 24 Stunden, bis es so weit ist, nicht erträglicher. Es geht nicht mehr, gar nicht, wir können nicht länger getrennt sein.

Ich wünschte, ich könnte fliegen...



geschrieben von: M. Marinus

Wir sind Raubtiere, wieder und wieder. Schlagen uns unsere Klauen ins Fleisch und rauben uns unser Blut, dass es sich vermischt unter Deinen Fingernägeln und spiralförmig meinen Rücken entlangläuft, perfekte Schneckenwindungen. Wo der letzte Tropfen bleibt, stoße mir ein Messer hinein, Du träfest mein Herz, dass es vor Dir läge durchbohrt in der Mitte. Wie ich durchbohrt, zerstoßen bin, wenn ich fahren muss. Es tut weh, wenn der beißende Schmerz über meine Schultern, meine Arme, meinen Rücken fährt, ich Dich spüre, jeden Deiner Finger, der mir ins Fleisch fährt, es ist wundervoll, und Du rutschst von der Couch und wir liegen am Boden und können nicht atmen und fiebern und Du schlägst Deine Zähne in meinen Arm. Niemand hat je versprochen, dass es schmerzlos ist, einen Puma zu lieben. Nie will ich etwas lieben als eine Raubkatze, als Dich.

Doch es ist kein Käfig um uns. es ist kein käfig und kein müder blick, und keine stäbe. Heil Dir, sonne, Heil Dir, licht. Eine Couch ist grenzenlos, wenn sie afrikanische Äste hat, über die man seine Beine und Arme schlagen kann, und wenn an einen gepresst ein Stier liegt. Dann ist sie weiter als Blicke reichen und stärker als siebenhundert Kilometer. Dann sind vier Tage/Nächte lang und kurz, Ewigkeit und Wimpernschlag, Schmetterlingsflügelschlag und Windhauch in schwirrender Luft über der Steppe im Licht eines untergehenden Feuerballs.

Dann sind wir.



geschrieben von: M. Marinus

Düfte begleiten uns, sie hüllen uns ein und die Laken, auf denen wir uns zur Ruhe legen. Und so wundert es mich nicht, dass der Rosenduft, den ich für Dich ausgesucht hatte, bereits bei Dir sein Zuhause gefunden hat. Königinnenrose, wie Du eine Königin bist und leben wirst wie eine. Das Paradies versprach ich Dir und werde es Dir schenken. Weil meine Liebe mich antreibt, meine Sehnsucht nach Dir. Wir rollen uns ein und aneinander, und bleiben Stunden liegen, bloß so, Dein Kopf auf meiner Brust, Dein Arm um mich geschlungen, meiner über Deinen Rücken auf Deiner Schulter, Deinem Arm, Dein Haar unter meinen Finger, und Deine Ohren, mit denen ich sanft spiele, und Dein wohliges Schnurren, das ich höre mit meinen Ohren und mit meinem Herz, durch dass es mich durchdringt, durch die Haut, und das sachte Vibrieren macht mich glücklich. Ich schnurre zurück, küsse Dein Haar und sauge Deinen Duft in meine Lungen. Wir können uns riechen, im wahrsten Wortsinn.

Und wie Katzen können wir spielen. Bänder am Metallgitter, und schwarze Augenmasken. Wir kratzen und wir beißen uns, die Lippen blutig und geschwollen, „irgendwann esse ich Dich auf“. Die Worte, die Du halb gekeucht, halb atemlos noch von Dir geben kannst, ja: Liebe braucht keine Worte; dann höre ich sie gerne, sie treffen mich und peitschen mich auf. „Hirsch“, sagst Du, ich weiß es nicht mehr, danach – auch Du nicht mehr, wir verlieren das Gedächtnis in dem Strudel, auf dem wir uns davonreißen und davonreißen lassen.

Und ich liebe es, und ich liebe Dich. Immer zweimal mehr wie Du.



geschrieben von: M. Marinus

Hab ich Dir heute schon gesagt, wie sehr ich Dich liebe? Ich möchte, dass wieder Sommer ist, und ich möchte bei Dir sein. Ich möchte mit Dir all die Wunder dieses Lebens sehen und kosten, ich möchte über grüne Wiesen laufen, mit Dir Arm in Arm um den Spitzingsee gehen, während die Sonne uns wärmt und ein leichter Wind durch Deine Haare fährt. Ich möchte Kälbchen und Lämmchen sehen und Deine Freude spüren, Dein Glück und Deine Begeisterung. Ich möchte mittags mit Dir auf einer Hollywoodschaukel in der Sonne liegen und dösen, Dich leicht einschlafen sehen auf mir und das Verlangen unterdrücken müssen, Dich zu küssen bis wir beide erstickt sind, weil mich meine Liebe überwältigt.

Du fehlst mir... in egal welchem Rhythmus. ;-)



geschrieben von: M. Marinus

Vier Tage noch, maximal, bis wir uns wiedersehen. Vielleicht schon am Donnerstag. Und wenn wir uns dann sehen, wird es endlich wieder für länger sein als nur für wenige Stunden – wir können es in Wochen zählen, und ich bin glücklich. Ich freue mich so darauf, mit Dir zu sein, herumzufahren und Dich einfach neben mir zu wissen. Nach einem Jahr wirst Du ein bisschen von meinem Leben hier sehen, und endlich auch den Leguan.
Hoffnung, ein wenig – dass sich zumindest für mich ein Job hier finden lässt, wenn es in Deiner Nähe schon partout nicht geht. Dann sind es vielleicht noch einmal vier Monate, aber wenigstens ohne Geldsorgen. Auch wenn ich den Sommer so gerne bei Dir sein wollte... auch wenn ich überhaupt so gern...
In nicht mehr ganz zwei Wochen werden wir auch Ray Wilson wiedersehen. Seit September das erste Mal, und auch darauf freue ich mich unglaublich. Arm in Arm dort zu stehen, die Musik zu genießen und den grandiosen Mann auf der Bühne.
Vier Tage noch. Deine Sachen sind schon angekommen, ich habe sie bei mir, und widerstehe dem Impuls, mich hineinzulegen, um etwas von Dir direkt um mich und an mir zu haben. Sehnsucht – vor einem Jahr wusste ich noch nicht, wie es sich anfühlt, jemanden so zu vermissen, vor einem Jahr wusste ich so vieles noch nicht, was ich jetzt erfahren habe. Du fehlst mir so... bald haben wir unser Einjähriges, und was ich Dir schenken werde, wird Dir gefallen. Auch wenn Du nicht möchtest, dass ich Dir etwas schenke, aber Deine Freude ist es, ist alles wert. Und dieses Symbol wirst Du mögen.

Ich liebe Dich. Und ertrage die Tage kaum, bis ich Dich endlich wieder bei mir, an mir, in mir haben kann.



geschrieben von: Odessa

Zurück vom Altmühltal. Zurück von der Donau. Zurück vom Kelheim, der "schönsten Kleinstadt der Welt", in ihrem Altmühl- und Donaubett gelegen wie eine Perle auf Samt, und umrahmt von den Millionen Jahre alten Jurafelsen und ihren Tropfsteinhöhlen und Kristallen. Zurück aus Regensburg, "Römerstadt" an der Donau, unversehrt geblieben sogar im zweiten Weltkrieg und wie das ganze Tal durchzogen von Römerkastellen, "Limes"-Resten und Keltensiedlungsüberbleibseln. Zurück von der Befreiungshalle über Kelheim, von König Ludiwg I. dem Widerstand gegen die französischen Truppen gewidmet. Zurück von den Burgen und Burgruinen, die das Altmühltal säumen. Zurück vom Donaudurchbruch beim Kloster Weltenburg, zu Füßen der Befreiungshalle, und mit der ältesten Klosterbrauerei der Welt darin. Zurück aus Essing, mit der malerischsten Holzbrücke die in ein Dorf führt, und dem jahrhundertealten Burgtor davor. Zurück aus einem - für Dich erstmalig erlebten - Gottesdienst am Karfreitag, den wir eher durch Zufall mitzelebrierten und der uns, da die Regensburger Domspatzen dabei sagen und uns die Tränen in die Augen trieben, für immer im Gedächtnis bleiben wird so ergreifend wie er war. Zurück aus einer Gegend, wo die Wohnungen keine 500 Euro warm kosten und wo Reihenhäuser für 700 Euro zu mieten sind, und das keine 110 km von München entfernt. Zurück aus einer Gegend, wo uns nicht ein mal ein Autofahrer bedrängt, "be-hupt" oder sonstwie genervt hat. Zurück aus dem größten Hopfengebiet der Welt, welches als "Hallertau" gleich hinter München und bis ins Altmühltal reichend diese reizvolle Gegend prägt.

Zurück vor allem auch von den Greifvogel-Flugschauen, die wir auf der Rosenburg und im Abensberger (Gnadenhof-)Tierpark, betrieben von einer äußerst tierlieben und engagierten Privatperson, erleben durften. Für mich, die ich als Araberin ohnehin Falken und Adler liebe, war dies ein Erlebnis, das mich noch heute gefangenhält. Diese wunderschönen, riesigen, intelligenten Vögel im freien Flug zu sehen und einige von ihnen sogar streicheln zu dürfen.... noch jetzt stehen mir die Tränen in den Augen, denke ich daran zurück. Und der Wunsch ist immer noch übermächtig, wieder sofort dorthin zurückzufahren, um wieder die Weißkopf-Seeadler, die Geier, die Wanderfalken, die Milane, die Schlangenadler und die Uhus und all die anderen wunderschönen Riesenvögel fliegen zu sehen. Ihre Kreise über den Burgen ziehend, frei, jederzeit wegfliegen könnend, und doch immer treu zur Hand ihres Falkners zurückkehrend.

Du hast all das mit mir geteilt, und liebst es wie ich. Die Eichhörnchen und Schönhörnchen, die Lamas, die Zicklein, die neugeborenen Schäfchen, die frei im Park umherlaufenden kleinen Schweinchen, die radschlagenden Pfaue, die Emus, die ebenfalls frei umherhüpfenden Känguruhs und die überall herumwuselnden Meerschweinchen, Entchen und Gänse im Abensberger Park - sie sind Dir über Stunden so vertraut geworden und Du bist noch mehr als ohnehin schon aufgeblüht, als Du die weichen Bäuchchen der Eichhörnchen und ihre Pfötchen gekitzelt hast, und als Du die kleinen Zicklein gefüttert und die mannshohen Emus "Auge in Auge" hattest. Du bist den Adlern und Falken gefolgt wie ich, und Du warst es, der letztendlich klar machte, mit wenigen Worten und Taten: Hier werden wir leben, hier werde ich zumindest studieren.

Es wird nicht München oder das Rheintal, für die nächsten 5 Jahre. Es wird das Altmühl- und Donautal werden; denn in beide Flüsse und in die Jurafelsen und ihre Versteinerungen und in Römerkastelle und in die endlosen Wälder und speziell in die zwei Greifvogel- und Tierparks dort, in denen die Tiere völlig frei und naturbelassen leben und wir unter ihnen sein durften wie "ihresgleichen", hast Du Dich fast noch mehr verliebt als ich selbst es tat.

10. Hochzeitstag, gestern, mit Ralf. Er schenkte mir Rosen und eine Herzkarte. Ich liebe Dich. Ja, ich liebe ihn auch noch und das weiß er, auch wenn es eine Bruder-Schwester-Liebe ist mittlerweile. Aber ich werde ihn wohl doch zumindest räumlich verlassen müssen, sollten wir eine Wohnung in Kelheim finden. Er weiß es bereits, hat nichts dagegen - auch wenn es ihn natürlich nicht freut und auch wenn ich selbst noch nicht weiß, ob ich diesen radikalen Schritt der räumlichen Trennung von ihm, auch wenn es "nur" 100 km sind, wirklich gehen kann. Aber ich weiß auch, daß ich so oder so einem von Euch beiden und am meisten mir selbst konstant weh tue, wenn ich nicht irgendwann aufhöre, zwei Leben zwischen zwei Männern zu leben. Einer wird immer zu kurz kommen, und mich zerreibt es dabei, trotz all des Glücks.

Zeit für einen Schnitt, Zeit für eine Entscheidung. Auch wenn sie nach 10 Jahren weh tut, noch mehr weh tun wird. Aber zumindest bin ich jetzt schon in der Lage, es in Erwägung zu ziehen, es auch durchziehen zu wollen. Ich will weg aus den ewig kalten, ewig verschneiten Bergen, die ich doch so sehr liebe und die mir Heimat sind. Ich will weg aus dem beengten, ewig feuchtem, ewig eisigem Hof, so sehr mein Herz auch dran hängt weil ich hier die Gräber der Hasen habe und im Sommer die Kälber des Gerg-Bauern.

"Ich will, ich möchte".... ich wünsche wieder, für mein Leben. Und auch das hätte ich mir vor diesen 5 Tagen Altmühltal, meinen Händen auf einem Wanderfalken und die Flügel eines Seeadlers auf meinen Haaren nicht zugestanden.

Ich liebe Dich, immer mehr. Dafür, daß Du all das teilst mit mir und genauso viel oder gar noch mehr Freude daran hast wie ich. Dafür, daß auch Du stundenlang am Donauufer sitzen kannst nur um 22 Schwäne beim Nestbau und beim Schwimmen zu beobachten. Dafür, daß Du endlos am Donaudurchbruch stehen kannst, gegenüber vom Kloster Weltenburg, und Dich über die Strudel und Strömungsverläufe dort staunend begeisterst. Dafür, daß Du die kleinen Babykatzen, die unsere Ferienwohnung samt Terrasse als ihr Eigentum betrachteten und frech binnen Sekunden durch die geöffneten Türen kamen, genauso selbstverständlich sofort als Familienzuwachs adoptiert hast wie unsere eigenen Katzen. Dafür, daß Du jeden Tag mit mir wach wirst, egal ob um 4 Uhr oder 6 Uhr morgens, um mit mir zwei Stunden später auf der Burg Prunn oder der Rosenburg zu stehen, im noch nebelverhangenen Jura und mit Blick über die Altmühl.

Die nächsten Monate werden schwer, sehr schwer. Die Arbeit wird Dir ab Mai kaum Zeit lassen für "uns". Schichtarbeit, schwere körperliche Arbeit, in und um München herum, mit nur wenig Freizeit. Aber sie bringt uns das Geld, das wir brauchen, damit Du überhaupt "hier" sein kannst, in meiner Nähe. Und wir, so alles klappt, im September in Kelheim oder in Essing eine Wohnung anmieten können und Du in Regensburg studieren kannst. Pläne, die sich vielleicht erfüllen oder auch nicht.

Aber wie immer zählt eigentlich nur - wir haben sie. Wir arbeiten täglich daran. Wir leben. CARPE DIEM, unser beider Motto, wieder mal und wohl für immer.

Mit Adlergruß und Falkenblick.



geschrieben von: M. Marinus

Ein Stückchen Sicherheit, seit heute. Am Donnerstag wird der Arbeitsvertrag unterschrieben, dann ist es fest: Nie wieder, außer noch für ein Mal, nie wieder getrennt für Wochen und über 700 km. Wie auch immer es sich ausgehen wird, wie viel Zeit ich auch immer haben werde, während ich Oktoberfestzelte aufbaue - wir werden uns öfter sehen und vor allem näher beieinander sein als das gesamte letzte Jahr über.

Und das ist wunderbar.

So viel, was wir aus diesem einen Monat jetzt mitnehmen an Erinnerungen - es wird für lange Zeit wohl das letzte Mal gewesen sein, dass wir so etwas machen konnten, aber es hat sich in jeder Einzelheit gelohnt, in jedem Treffen und jeder Gegend, die wir sahen. Eigentlich zwei "krönende Abschlüsse" bekam unsere Froschtour (der arme, der so sehr geschunden wurde und heute noch einen Steinschlag abbekam, von einem vorbeirasenden LKW, der die Kieselsteine auf seiner Ladefläche verlor, die dann wie eine Maschinengewehrsalve gegen die Frontscheibe knallten): Der Tag am Rheinufer, den wir spontan anhängten, und die Tage im Altmühltal, aus dem wir gestern zurückkamen. Zu viel, um es jetzt sofort alles beschreiben zu können, aber es war unglaublich schön. Die beiden Flugschauen, die wir sahen, und vor allem der Tierpark mit seinen Hörnchen, Eseln, Meerschweinchen, Stierchen, Schweinen, Ziegen, Gänsen, Enten und Vögeln aller Art - und Du hast Dich gefreut, so sehr gefreut und warst so glücklich und ich auch, und Du durftest den Uhu streicheln, weiches Federkleid, und die Esel und die Lamas und die Ziegen fraßen uns aus der Hand. Unbeschreiblich, und ich habe immer nur Dein glückliches Gesicht vor mir, Dein Strahlen und Deine unendliche Freude.

Ich liebe Dich. Und jetzt werden wir endlich beieinander leben, das ist das größte Geschenk.



geschrieben von: M. Marinus

Ein Jahr ist vorbei, und ein Monat. Ein Jahr, seit das Wunder geschehen ist, dass uns zusammen führte, Zufall, Schicksal? So oder so: Wirklichkeit, und das ist das einzige, was zählt. Ein Monat, den wir ununterbrochen, Tag und Nacht zusammen waren, bis auf wenige Abende und Nächte. Vom 11. März bis zum 11. April, und seitdem ist ein neues Gefühl in mir, eines, auf das ich, auf das wir warteten, warten mussten.

Aufbruchsstimmung.

Ich bin in meiner Heimatstadt und weiß, sie ist es nur noch für wenige Tage. Für zehn und dann noch einmal einen oder zwei, und dann ist dieses Kapitel meines Lebens abgeschlossen und ich werde wahrscheinlich nie wieder hier wohnen. Ich bin nur noch zu Besuch hier, auch jetzt eigentlich schon, meine Zelte sind abgebrochen, ich muss sie nur noch verpacken und nach Süden fahren. Zu Dir, in meine wirkliche Heimat.

Der Zug hat Dich mir entrissen, und ich habe Dich mir entreißen lassen, ein allerletztes Mal. Wenn ich bald wieder bei Dir bin, dann ist es Wirklichkeit und wir müssen nie mehr für so lange getrennt sein. Letzte Erledigungen, letzte Schritte, hier noch zu gehen, und dann ist unser „Jahr des Zugvogels“ vorbei. Es war furchtbar, und gleichzeitig wunderschön. Furchtbar all die schmerzhaften Abschiede an den Bahnhöfen, die verzweifelten Küsse mit dem dauernden Blick auf die Uhr, die ewige Suche nach Zimmern, nach der nächsten Nacht, dem nächsten Treffpunkt.

Wunderschön und intensiv die Stunden, die wir gemeinsam hatten, und sie waren reich, reich an Erinnerungen, die wir mitnehmen konnten, von uns, aber auch von all den Dingen und Orten, die wir sahen, auch sehen durften auf diese Weise. Erinnerungen und Geschichten, zu erzählen und unauslöschlich in unsere Köpfen eingeprägt, und niemand kann sie uns rauben. Bei allem Schmerz und aller Unsicherheit, hätten wir eine andere, „normale“ Basis gehabt, wir hätten vermutlich in zehn Jahren Zusammenleben nicht gesehen, gefühlt und erfahren, was wir so erlebt haben in einem Jahr.
Und trotzdem kann ich glücklicher nicht sein, da es nun endlich heißt:

Aufbruchsstimmung.

München, Du Stadt, in der ich leben werde – ich bin schon auf dem Weg, und auch wenn Du ein Moloch bist, dann doch einer, der mich dem Menschen nahe bringt, den ich über alles liebe. Und in dem ich bald mit diesem Menschen in einem Bett liegen werde, und wir werden nach oben schauen und sagen: Angekommen. Endlich angekommen. Für die nächsten Monate oder Jahre, wie auch immer, doch zum ersten Mal eine feste Basis, ein eigenes Bett. Endlich -

Aufbruchsstimmung.



geschrieben von: M. Marinus

Seit Sonntag sind wir nun schon wieder getrennt, und Du fehlst mir so immens... ich spüre ein Stechen in meiner Brust, eine schmerzhafte Leere, die nicht da war, den ganzen Monat lang, den wir zusammen waren. Es ist, als fehlte mir da ein Teil, mein Kopf fühlt sich seltsam an – als wollte ich ihn nach hinten neigen, aber der andere, an den er stoßen sollte, ist nicht da, und so kippt er sinnlos rückwärts. Als säße er auf einem Schanier und überquere den kritischen Punkt, ab dem er haltlos bis in die Senkrechte fällt, um dort am Hals anzuschlagen und so, sinnlos, kraftlos, hängenzubleiben.

Der Gedanke an die Perfektion, die wir uns angewöhnt haben, lässt mich schmunzeln. Wie wir von einem schönen Treffen zum nächsten fuhren, immer nur wenige Minuten Zeit hatten, in denen wir den Kosmetikkoffer und unsere paar Sachen aus dem Auto rissen, in den Zimmern verstauten, uns umzogen und sofort wieder weiter fuhren - „Gott, sind wir gut“, und lachten und küssten uns. Es war so schön, endlich Zeit mit Dir zu haben, Zeit beinahe ohne Ende, es fühlte sich zumindest so an. Dich bei mir zu wissen, tags und nachts, redend, schweigend im Auto, durch die Nacht fahrend, schlafend, wach, essend, trinkend, und immer schwirrt nur ein Gedanke mir im Kopf, wenn Du bei mir bist: Ich liebe Dich, jede Faser von Dir.

Bald... die Hälfte der ersten Prüfungen ist für mich geschafft, noch bloß zwei, dann sehen wir uns endlich wieder. Die Gewissheit, dass es das letzte Mal ist, macht es erträglich, gleichwohl ich das Telefon die ganze Zeit mit mir trage, denn ich möchte Dich nicht verpassen. Wenn ich könnte, ich trüge Dich, zumindest hörend mit Dir verbunden, dauerhaft mit mir, und könnte jederzeit mit Dir reden, Deine wunderschöne Stimmen hören oder einfach nur Dein Atmen. Ich wünschte – doch bald wird es wieder anders sein, und dann möchte ich Dich keinen Tag mehr missen. Wenn ich die nächsten sechs Jahre jetzt überspringen könnte, ich täte es nur zu gerne, dann hoffentlich ohne Sorgen, mit einer großen Wohnung, Katzen und Kaninchen... und immer Dich bei mir habend.

Du fehlst mir, meine Sonnenkönigin...



geschrieben von: M. Marinus

Angekommen.

Probleme stellen sich. Probleme lassen sich lösen. So viele in den letzten dreizehn Monaten, und wir haben noch alle gelöst. Eines, ein vorrangiges, ist es noch, das sich lösen muss, und bei aller Verärgerung kann man nur hoffen, dass es sich zum Guten löst. Sonst stehen wir da...

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Der Mai. Mein Monat, es wird alles grün und die Sonne scheint, und selbst wenn es regnet, ist es schön, somehow. Vor einem Jahr hatten wir uns gerade das erste Mal gesehen, in einem Hotelzimmer in Hannover, das wir nach Freitag Nacht bis auf ein paar Stunden in der Hotellobby nicht mehr verlassen haben. Haben es genau einen Monat lang ausgehalten, uns nicht zu sehen, seit wir in unser Paradies eingetreten sind, das wir seither regelmäßig, sorgfältig und liebevoll gegossen und wachsen gesehen haben. Es hatte sich sofort gänzlich um uns geschlossen, in grün-blauen Tönen, mit vielen Blättern und Blüten, und von allen Malen, die wir uns gesehen haben, waren es zwei, an denen diese Farben ganz besonders strahlten, an denen auch die Natur um uns herum uns und unsere Liebe widerspiegelten.
Juni 2009, als ich zu Dir kam, der Tatzelwurm und die Wasserfälle, zu denen ich hochlief und die ich begeistert bestaunte. Wassermassen und Sommerregen, durchnässte Haut, eine fröstelnde Kühle, und das Gefühl, einfach nur lebendig zu sein. Der Sylvensteinsee, die leuchtenden Farben, und wir standen auf der Brücke und waren gleichermaßen erfasst von der Schönheit. Ich bin ein Sommerkind. Nein, eigentlich ein Frühlingskind, es wird mir schnell zu warm, doch liebe ich all das Grün und all das Leben, und Du nicht weniger.
August und September, unsere Besuche in Augsburg. Vor allem der zweite, als wir Stunden im Botanischen Garten verbrachten, inmitten all dieser Pracht aus Blüten, Kräutern, Sträuchern und Bäumen. Paradies, das ist Wärme und Leben, und seine Farben sind blattgrün und meerblau, mit rosenroten Tupfern. Aquamarin, mit meinem Namen, den ich mir gewählt habe, ohne zu wissen, welche Bedeutung er bei Dir hat. Unsere Farben. Und ich werde sie um mich haben, Tag für Tag. „Du wirst den schönsten Sommer Deines Lebens hier verbringen“, sagtest Du, und ich habe keinen Zweifel daran.
Ich kann nicht ausdrücken, wie ich mich freue, mit Dir in dieser herrlichen Umgebung sein zu werden, bei all den Seen, all den Bergen, wie wunderbar sich diese Aussicht in mir auftut. Es wird eine Pracht sein, hart, vielleicht härter als alles vorherige für mich, aber wir haben uns, und ein Reich für uns. Heimwärts, heim, singt es in mir, singt alles in mir, und bald bin ich es auch wieder. Und dieses Mal, endlich: Für immer. Ich kann es nicht ausdrücken, weil es keine Worte gibt, weil sich der Geschmack auf meiner Zunge und der Geruch von warmen Abenden in meiner Nase nicht beschreiben lässt... Sommer. Ich bin ein Jahreszeitenmensch, von ihnen hängt mein Wohlbefinden zu einem guten Teil ab, und seit je her waren meine schönsten Tage in der Mitte des Jahres. Meine Kindheit durch, in der wir daran krankten, dass alles Lebendige sich konzentrierte auf wenige Wochen, die wir an einem Ort irgendwo in der Weite an der See verbrachten, war ich es so gewohnt, hier war eine Freiheit und ein Leben möglich. Gefühl möglich, und alles, das gesamte restliche Jahr, beschränkte sich auf die Vorfreude und die Vorbereitung auf diese wenigen Wochen.
Darum haben diese kommenden Monate, bis in den September hinein, eine so schwerlich ausdrückbare Bedeutung für mich. Ich habe den Geruch von Heu und Raps in der Nase, Sand unter meinen Füßen und warmen Sommerwind im Rücken. Ich habe so vieles und ich freue mich so, es mit Dir haben zu werden.
Mein Leben könnte ich damit verbringen, im Garten zu sein. Ich schrieb es schon, vor über einem Jahr, beschrieb diesen Garten und mich und uns darin, in einer vollkommenen Ruhe, einem freien Herzen, das nicht eingeengt ist, von nichts, nur glücklich in sich und seiner Zweisamkeit, in der es mehr nicht braucht als sich und diese stille Arbeit. Plätscherndes Wasser, Sonne, Erde unter den Fingern und Blumen. Und Dich dabei, das höchste Glück, das es für mich nur gibt auf der Welt. Ich liebe Dich und kann auch Dir nicht ausdrücken, wie sehr, weil mir die Worte dafür fehlen. Ich liebe Dich so sehr, und bin jetzt endlich, endlich bald bei Dir. Für immer, Paradiesseits, Paradiesseits allemal. Für immer Paradiesseits.

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geschrieben von: Odessa

21.

Voller Erinnerungen ist der Tag heute für mich, beim Durchlesen alter Zeilen und beim Betrachten alter Fotos von Dir, von vor drei Jahren. Seit kurz nach vier Uhr auf den Beinen seiend und dadurch bereits am Morgen mit beiden Hof- und Haushaltsarbeiten so gut wie fertig, habe ich endlich mal wieder etwas Zeit für solch "Müßiggang" wie Lesen und in Ruhe alte mails und Briefe sortieren. Post von damals.

Damals, als Du noch keine 66 kg wogst. Damals, als Du nicht (mehr) damit gerechnet hattest, daß wir beide jemals mehr als Freunde sein würden. Damals, als Dir das Leben (immer noch) nicht viel bedeutet hatte und Du nicht wußtest, wie es weitergeht in jeder Beziehung. Und es fachte, nach diesen dunklen Jahren, plötzlich doch noch Hoffnung auf und Lebensmut. Du nahmst 14 kg zu, hast Dir endlich Deinen Körper zugestanden, sein Recht auf Nahrung und sogar den Genuß daran. Hast aufgehört, Dich selbst zu kasteien, hast aufgehört, die pathologisch übersteigerten Perfektionsansprüche an Dich selbst ins immer noch Unermeßlichere zu schrauben. Hast aufgehört, Dich zu hassen und Dir nur Schmerz, Verzicht und Askese zuzugestehen.

Über Nacht wurden wir ein Paar, nach all den Jahren. Über Nacht kam die Lust und die Fähigkeit, jemand an Dich heranzulassen, in Dein Leben. Über Nacht wurde aus Angst Vertrauen, aus Verzweiflung Hoffnung und aus Askese Sinnenfreude und Genuß. Du schriebst es nieder, hier, in so vielen Beiträgen und einige davon haben wir längst gelöscht, auch meine, sonst wäre unser Tagebuch schon längst am Platzen. Doch das was wir empfanden ist ohnehin in den Herzen und Seelen gespeichert, und unvergessen sind die Worte, ob geschrieben, gesprochen, gestammelt oder im Rausch in die Weiten eines Paradieses gestöhnt...

Ja, Du hast Dich verändert und das nur zum Besten. Nicht mal Deine Eltern können umhin, dies festzustellen. Du bist voller Tatendrang, Energie und Durchsetzungskraft. Du läßt Dich nicht mehr von Deinem Weg abbringen und weißt was Du willst - und noch wichtiger: Du holst es Dir, Du erkämpfst es Dir. "Gewartet habe ich lange genug, darin habe ich Übung", sagtest Du so oft.

Der erste Arbeitstag heute. Die Baustelle ist eine Wohnung, in der man den Fußboden aufbrach und wo jede Menge Bauschutt entsorgt werden muß. Der Einsatz an diesem Ort wird nicht lange dauern, aber die Zeit die er dauert wird er gut sein. Gut, weil Du - wie sich zeigte - erst um 7.30 anfangen mußt dort und wir somit wieder fast eine halbe Stunde gewinnen in der Früh, Du erst um 6.24 losfahren mußt statt wie heute um 5. Gut, weil Du allein mit einem Kollegen bist und keine lärmende Großbaustelle wie befürchtet um Dich herum ist. Gut, weil Du Dich erfüllt fühlst davon, endlich "was tun" zu können nach all den endlos langen Schuljahren, die vor allem die letzten 2 Jahre in frustrierendem bis zu 80% Schulausfallszeiten Erdulden und trotzdem fürs Abi fit sein müssen bestanden, zur Untätigkeit verdammt und doch gebunden an den Ort, an die Schule.

"Wir haben endlich unser herrliches schönes Spießerleben mit eigener Wohnung, eigenem Auto, täglichem Sex und sogar einem eigenem Kühlschrank", sagtest Du gestern wieder mal witzelnd und glücklich vor Dich hinlächelnd, als wir nach dem Essen in der historischen Wurzhüttn am Spitzingsee den Ausblick auf See und Gebirge genossen. Und Du lächeltest immer noch, als wir im Puderzucker-Schnee standen und Fotos machten, für die "Ungläubigen" im Norden und Westen des Landes die nicht glauben wollen, daß es hier in den Bergen auch im Mai immer noch und immer wieder schneit und wir es nicht wärmer als 4 oder 5 Grad haben derzeit. Unser Spießerleben mit dem ganz normalen stillen Alltag, in dem jeder von uns tagsüber seinen Beschäftigungen nachgeht und wir abends zusammen sind - und dann gemeinsam Einkaufen, gemeinsam Spazierengehen, gemeinsam Essen, gemeinsam uns über den Tag austauschen, gemeinsam die Kühe vor unserem Fenster betrachten oder die Ziegen oder die Katzen oder die Hunde oder was auch grad immer von unseren Tieren an beiden unserer Höfe/Wohnungen vorbeiläuft, gemeinsam Pläne für den nächsten Tag machen wer von uns was abholt und was schon tagsüber schnell allein einkauft in Arbeitspausen und wer von uns wen der noch ausstehenden Handwerker oder Lieferfirmen zurückruft und welchen Termin ausmacht, gemeinsam unter der Dusche stehen, gemeinsam einen Film anschauen, gemeinsam kurz rauf oder rüber zu den Nachbarn gehen, gemeinsam im Garten sitzen, gemeinsam das Wochenende planen, gemeinsam die Wohnung umdekorieren... Gemeinsam, und endlich ab jetzt immer zusammen.

Mein Stierchen. Alles Gute zum 21. Geburtstag und auf viele weitere gemeinsame Geburtstage, zusammen auf unserem "spießigen" Bänkchen vor unserem "spießigen" Hoffenster sitzend und einfach nur das Leben genießend...


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Foto: eigenes



geschrieben von: M. Marinus

Mehr als drei Wochen ist es her, dass ich das letzte Mal hier schrieb. So viel passiert, so wenig Zeit, und jetzt nehme ich sie mir, kurz, bevor wir heute wieder unterwegs sein werden. Und werde jetzt endlich in den nächsten Tagen wieder all das schreiben können, was in meinem Kopf herumschwirrt.

Unser kleines Reich ist eingerichtet, und es ist herrlich. Es ist wunderbar, mit Dir hier zu sein, und all den Stress und die Nerven, die es kostet, hundert- und tausendfach wert. Ich bin glücklich, hier zu sein.

Krankheit, die uns beide erwischt, nacheinander, Dich schlimmer als mich, und es tut mir weh, Dich so zu sehen. Ich möchte, dass es Dir gut geht, denn dann geht es auch mir gut.

Gestern Sonne, zum ersten Mal seit vier Wochen konnten wir draußen liegen, den Kühen zuschauen und diese wunderschöne Landschaft genießen. Krank zwar, wie gesagt, aber immerhin. Und eine Couch im Garten ist eine Bereicherung.

Meine Beine habe ich mir verbrannt, aber das war es wert. Das ist es wert, alles hier. Mit neuer Arbeit, die mir besser gefallen wird, die mir mehr Chancen eröffnet. "Alles neu, hier". Und wunderbar, wunderbar mit Dir zu sein. Ich liebe Dich.



geschrieben von: M. Marinus

Warten. Auf den Anruf, der mir den Job bringen wird, den ich möchte. Warten ohne Dich, obwohl Du nur drei Kilometer entfernt bist. Warten vor dem Telefon, das aus Gründen immer mitunter einfach keine Anrufe durchstellt, sondern "belegt" anzeigt. Technik, die nicht funktioniert, das heißt, nur teilweise. Ein Problem, das "hier" öfter auftritt, ich denke nur an all den Ärger, den Du mit Deiner Leitung hast. Umso nerviger, wenn man auf Anrufe wartet oder Du versuchst, mich zu erreichen, und es nicht schaffst, weil ja mein Mobiltelefon in meiner "Höhle" auch nicht funktioniert.
Steckdosen, die aus der Wand fallen, Sicherungsschalter aus, an, und es geht nicht mehr. Nicht bis zum ersten Versuch von mir, zu telefonieren. Den bricht es ab, ich höre mich selbst im Hörer, aber er wählt nicht. Erst beim zweiten Mal geht es, und erst dann kann ich auch wieder angerufen werden - weiß der Teufel, wieso, aber es nervt. Weil ich erreichbar sein möchte, für Dich immer und heute noch wegen des netten Herrn, der mich einstellt. Technik, die Probleme bereitet, mein Laptop, der mich beim Schreiben immer wieder aus mir nicht bekannten Gründen ein paar Zeilen nach oben versetzt, sodass ich einen halben Satz zwischen mein schon Geschriebenes tippe, bevor ich es merke...

Anträge über Anträge, sinnlos wie nichts. Kopfschüttelnde Bearbeiter im Amt, "Sie müssen sich doch vollkommen veräppelt fühlen, wenn schon ich nicht verstehe, warum die jetzt dieses Schreiben brauchen." Ganz genau - denn nein, liebes Amt, nach drei Tagen Beschäftigung habe ich KEINEN Anspruch auf Arbeitslosengeld, wer hätte das gedacht. Aber natürlich muss auch das erst wieder bescheinigt werden, und dafür muss ich dann einen Antrag stellen, damit der postwendend abgelehnt wird. Irgendwie fühle ich mich wie Ludwig XVI. - Krieg beginnen, um ihn zu verlieren, damit man das bekommt, was man will.

Wenigstens meine Rechtsberatung habe ich schnell und einfach bewilligt bekommen, damit wir sehen, ob irgendetwas gegen besagte Firma zu machen ist, ob der Verarsche im Vorfeld. Die Kündigung ist wasserdicht, klar, und nachzuweisen, dass man mich auf die Baustellte schickte, damit ich krank werde oder kündige, dürfte kaum zu machen sein... aber so und so, das wird ein Nachspiel haben, und ich habe Zeit. Dumm, mich zu verärgern - es ist nicht leicht, und selbst jetzt ist mir Herr S. noch in gewisser Weise sympathisch, aber wer es einmal geschafft hat, wird mich auch nicht so schnell wieder los. Umso dümmer, wenn der Verärgerte selbst nicht ganz dumm ist, und vor allem ein Gedächtnis hat wie ein Rechner. Eingabe für Eingabe, und alles wird abgespeichert, archiviert und ist später beliebig wieder abrufbar. We forgive as we forget, as the day is long - But my day is not, and I don't forget. Und darum auch kein Vergeben. "Ihr hört noch von mir."
Ich habe diese Drecksarbeit gemacht, ohne zu murren, ohne mich zu beschweren, ohne zu jammern, dass es zu hart ist, denn das ist nicht meine Art. Ich habe mich jeden Tag eine Dreiviertelstunde gewaschen, um den Hausschwamm-Staub von mir herunter zu bekommen, ohne es wirklich geschafft zu haben, circa dreißig Tonnen Schutt aus dieser Wohnung geschaufelt, von Halbkugelböden weg, bei denen ich die eine Hälfte der Kraft darauf verwendet habe, nicht umzufallen, die andere fürs Schaufeln - die Schubkarren die fast 45 Grad steile Rampe zum Container hinaufzufahren, dafür war eigentlich keine mehr da, aber auch hier kein Wort, denn ich jammere nicht. Krank geworden ob des Staubes, die Mischung aus Hals- und Ohrenschmerzen hatte ich vorher noch nie, nunja - jeden Abend ein halbes Dutzend Wattestäbchen dafür, dass die Ohren nicht völlig schwarz bleiben, und nach dreißig Minuten Arbeit war jede Atemschutzmaske tiefgrau vom Staub. Nein, ich habe mir nichts vorzuwerfen, und dafür diese Kündigung - das vergesse ich nicht. Ganz gewiss nicht.

2 - 5 - 0 - 0 - 0

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Ich bin hier - Angekommen. Bei Dir. Wenn ich aus dem Fenster blicke, sehe ich - Landschaft. Apfelbäume und Wiesen, Sträucher, Hügel und Berge. Ich liebe dieses Land, seit ich das erste Mal hier war, vor bald einem Jahr. Am Abend, als ich ankam, hast Du mir Schliersee gezeigt. Noch ohne zu wissen, dass ich dort einmal wohnen würde, und wann das sein würde, es war, wie heute, einer der ersten Tage, an denen es einmal für ein paar Stunden nicht regnete. Unsere erste Zeit zusammen, die länger dauerte als nur Wochenenden, und es war das fünfte Mal, dass wir uns sahen, überhaupt. Damals war es noch alles fremd für mich, hätte ich mich hier nicht zurecht gefunden - heute schaue ich mir eine Karte der Umgebung an und weiß, wo ich bin und wo ich hin muss. Weiß, dass es - "natürlich" - sieben Minuten sind zu Dir, wie ich nach Wildbad Kreuth und zum Schloss Ringberg komme.
Ich weiß nicht, wie oft wir in den letzten Tagen um den Tegernsee gefahren sind - es ist jedes Mal wieder wundervoll, am Tag wie in der Nacht. Der Parkplatz mit dem Blick über den gesamten See, und die Straße, die von Dir aus hinunter führt - bei Nacht ein Lichterspiel, in dem sich der Mond auf dem Wasser spiegelt. Traumhaft schön.

Das Schönste von allem aber ist, dass ich bei Dir bin. Dass es nie wieder 700km sein werden, die uns trennen, endlich, endlich... bei allem Ärger und allen Nerven, die es gekostet hat, seit ich hier bin, auch bei dem Wissen, dass wir eigentlich an einem dieser unzähligen Wochenenden mehr Zeit für uns hatten, als bislang hier. Weil immer etwas zu tun ist, hier und hier und dort, und dieses und jenes von Deinem Hof zu "meinem" gefahren werden muss und umgekehrt... unser Alltag, und über allem der elende Regen und der ewig graue Himmel. Und dennoch - ich bin glücklich. Sieben Minuten statt siebenhundert Kilometern, ein Tausch, dessen Wert man nicht bemessen kann.

Endlich hier.



geschrieben von: M. Marinus

Ich möchte zurück. Dem Regen entkommen, für zwei Tage, der Kälte, der Feuchtigkeit. Trockene Wärme, 28 Grad und Seewind, ich habe es noch auf der Haut. Hier friere ich und heize. Im Juni. Gestern morgen um diese Zeit fuhren wir noch um den Gardasee, standen noch in Cassone am Hafen und sahen den Enten zu. Fuhren nach Limone und Oldesio, standen hunderte Meter oben. Ich kann es kaum fassen, dass es schon wieder vorbei ist, aber es ist klar: Dies war nicht zum letzten Mal, auch nicht in diesem Jahr. Wenn wir schon keinen Sommer bekommen, dann müssen wir ihn uns eben holen. Am Lago di Garda, wo es immer fast immer sonnig ist. Es soll normal sein, in anderen Gegenden. Nicht hier.

Ich kann es kaum fassen und es lähmt mich, graue Wolken, grauer Nebel, alles grau in grau über grün. Ja, es ist schön hier, doch ewig kalt, ewig dunkel und ewig nass. Ich möchte zurück.

Nach Sirmione, wo einem die Wellen des Sees um die Füße schlagen, an dieser einen Stelle. Nach Cassone, mit dem kürzesten Fluss der Welt, neben dem wir schliefen, die erste Nacht. Im Auto, auf der Rückbank und dem nach hinten geneigten Beifahrersitz, denn auch das soll normal sein, dass man im Juni mit halb offenem Fenster im Auto schlafen kann, bei konstanten 19 Grad in der Nacht. Sonnenaufgang am See. Ich will zurück.

Nach Limone und zu unserem Schmetterling. Der nicht wollte, dass wir fahren, ich bin mir sicher. Niemand wollte, dass wir fahren, am wenigsten wir selbst. Limone... Zitronen, Oliven und Wein, denn es wächst ja. Blumenprachten am Straßenrand, denn sie wachsen ja. Man hat genügend. Winzige Töpfe mit Erde, aus denen meterhohe Bäume wachsen, es ist ja warm genug. Ich will zurück.

Nach Malcesine und zur Burg in den ersten Sonnenstrahlen. Durch die engen Gässchen und verwinkelten Wege. Ich habe so viel Bild im Kopf, und so wenig Worte... ich will zurück.



geschrieben von: Odessa

"Ich will hier nicht weg." Keinen Satz sagtest Du so oft in den letzten Stunden. Als wir diesen wunderbaren, fast 60 km langen See mitten in den 2000 Meter hohen Alpen umrundeten. 60 km auf jeder Seite, der "orientale" und der "occidentale", gesäumt mit Olivenbäumen, Orangen- und Zitronenhainen und mit Wein, Wein, Wein... wild wuchernd aus jedem Mauervorsprung, wie auch der Jasmin, die wilden Rosen und die herrlich duftenden italienischen Kräuter. Blumenpracht, Farbenpracht - das Auge tat weh ob dieser verschwenderischen Fülle und wilden mediterranen Schönheit. Und immer nur Sonne, aber nie heiß oder schwül sondern immer nur schön wohlig-trocken und angenehm, da ja immer der frische trockene Seewind, wie an der Meeresküste, weht...

350 km trennen uns vom Paradies der "Ewigen Wärme und Trockenheit". 350 km von hier zum Lago di Garda mit seinen malerischen alten Fischerdörfchen und ihren Burgen, bis in den See hinein gebaut. Trennen uns von diesem See der eigentlich ein Meer ist, in seiner Länge und Breite so unüberschaubar, daß man die Ufer am anderen Ende nicht sehen kann. Wie das Meer ist er ständig in Bewegung, oben weißgekrönt tanzende Wellen auf azurblauem oder smaragdgrünem "See-Meer". Wasser, wohin das Auge blickt, und gleich drumrum die schneebedeckten Gipfel des Monte Baldo und seines Massivs sowie die südamerikanisch anmutenden, zypressen- und kiefernbegrünten "Zweitausender" auf der Westseite des Sees....

Wie bizarr diese Felsen und Bergschluchten sind.... drei, vierfach hintereinander, wie gefältelte Servietten oder wie aufgeschnittene Brotscheiben liegen sie da, umsäumen den See, und bieten so einen Anblick der an Reiz und Zauber nicht zu überbieten ist. Man fährt durch diese Felsen teilweise hindurch, gerade auf der Westseite des Sees, die sich längst zur internationalen "Biker-Strecke" klassifizierte dadurch... Kurven, Kurven und nochmal Kurven, sich hochschraubend auf bis zu 2000 Meter Höhe und mit nur noch diesem riesigen See darunter, an den wie mit einem Messer abgeschnittenen schroffen geraden Bergkanten.... und wieder schon der nächste Tunnel, durch den nächsten Felsen hindurch, nur damit man nach wenigen Metern beim "Herauskommen" eine völlig neue Perspektive auf den See hat, nach dieser erneuten Kurve oder dem erneuten Knick.

"Dieser See ist ein Naturwunder". Er ist so fantastisch, daß aus Australien, Kanada und Japan die Menschen anreisen, um ihn zu sehen. In ihm und seinen so unendlich tiefblauen Wassern zu versinken, schwimmend oder auf Segelbooten und Fähren darauf "tanzend". An seinen Ufern zu liegen und italienisches Dolce far niente zu genießen. Auf seine Berge zu steigen oder sie per Mountainbike zu erklimmen, um den Blick von oben zu haben, diesen unvergleichlichen Panoramablick der einem das Herz öffnet und doch so schwermacht, weil man nie mehr, nie mehr wieder, wird so etwas Schönes sehen und weil man Alles, Alles, alles Andere, nur noch daran wird messen (und es muß, dagegen, verlieren, sogar unser geliebtes Tegernseer Tal verliert dagegen...)

Meine Gedanken kreisen immer noch um den Schmetterling. Der blaue kleine Seelenträger, den ich fotografieren wollte als ich ihn in Limone am Brunnen sah. Und wo er wegflog. Nur um 40 Minuten später, an einer ganz anderen Stelle des pittoresken "Zentrums der Zitronenhaine", wieder bei uns zu sein. Als wir am Strand sitzend die Beine in den Wassern des Benacus (um mal lateinisch mit Geheimrat Goethe zu reden, der den geliebten Gardasee so betitelte) badeten und der fragile blaue Götterbote nicht mehr von mir ließ. Sich auf meine Nase, meine Hände, meine Schulter, meine Brust, meine Beine setzte. Mich umflatterte, heftigst, als wollte er mir etwas sagen. "Du weißt, was Schmetterlinge für mich sind? Du weißt, welche Symbolik sie für mich haben, und für McCoy, und für so viele Menschen in meinem Umfeld?" - "Ich weiß". - "Es sieht fast so aus, als wollte er mir etwas schreiben", sagte ich dann. Als der kleine blaue Freund anfing, mit einem seiner Füßchen konstant auf meiner Haut zu schreiben. Seine großen Augen dabei keine vier Zentimeter von meinen habend, als ich ihn auf der Fingerspitze betrachtete. Und er "schrieb" und schrieb und schrieb, mit diesem einen seiner Füßchen, und hielt inne, bewegte seine Flügel, flog mir auf die Nase, flog wieder zurück auf den Finger, schaute mich an, und schrieb wieder. In seiner unsichtbaren Schmetterlingssprache.

Ich bin mir sicher, er schrieb "Dein Traum wird wahr werden". Der Traum, den ich seit Jahrzehnten habe, als ich zum ersten Mal hierherkam. Und all die Male danach, als ich mit Mohammed und später mit Ralf dort war. Als ich, nach Carls Tod, etwas im Gardasee versenkte, was ich versprochen hatte zu tun. Als ich hier, auf Nachtwelten, schrieb, daß ich "meine Seelenheimat hier am Gardasee" habe. Als ich in unzähligen Beiträgen und in einigen Freundeskreisen, gewidmet diesem See und seiner atemberaubenden einmaligen Schönheit, immer wieder davon schrieb daß es nur einen Ort gäbe außerhalb Oberbayerns/Tegernsee, wo ich für immer leben möchte, und dieser Ort "Gardasee, entweder in Cassone, Sirmione oder Limone" heißen würde.


"Wir werden hier leben. Ich verspreche es Dir". Wir werden nur noch zusehen, hierher zu kommen. In die Wärme. Nie mehr kälter als 10 Grad, und das ist dann "Winter, im Dezember und Januar". Nie mehr Dauerregen wie jetzt hier, in der 6. Woche wo es nur nur nur Dauerdauerdauerregen und Kälte hat unter 10 Grad. Nie mehr wieder Schnee räumen. Eine Wohnung haben die keinen Heizkörper hat, so wie die Wohnungen und Hotelzimmer am Gardasee alle keine Heizung haben. Wozu auch. Man lebt zwar mitten in den höchsten Alpen, nahe den Dolomiten - aber hat es trotzdem mediterran warm und trocken. Und meine Schmerzen waren wie weggeblasen, und ich konnte endlich wieder meine Schulter bewegen, spürte meine Fingerspitzen und hatte keinerlei Genickschmerzen mehr.

Zwei Nächte und Tage am Lago di Garda, und ich bin ein neuer, gesunder Mensch ohne Schmerzen. Das Paradies HAT einen Namen. Und auch wenn wir gestern wegmußten, das Paradies verlassen mußten... wir werden wiederkommen, schon in spätestens zwei Monaten. Wir werden ein Zelt oder einen Wohnwagen besorgen, irgendwie wird es gehen, und wir werden dort irgendwo unser Lager aufschlagen. Werden vom mitgebrachten Brot, Margarine und 6pack-Mineralwasser leben und werden wie diesmal nur binnen 5 Minuten abreisebereit sein... Zahnbürste, Seife, Shampoo, zwei Wäschestücke und ein Paar Schuhe, mehr brauchte ich nicht, mehr brauchtest Du nicht, und das war in noch nicht mal fünf Minuten gepackt. Up and away, spontan beschlossen von mir innerhalb weniger Sekunden weil - "ich mußte hier raus, raus aus dem Regen und dem 10. Monat wo wir durchheizen während der Rest Deutschlands längst schwimmen geht und täglich grillen kann, das ist doch krank hier und es macht mich nur noch krank...".

Das nächste Mal dann nur noch mit Deinem Surfbrett zusätzlich dabei. Gardasee, Heimat der Biker und aber auch der Surfer, denn nirgendwo surft es sich so toll wie hier. Und wieder mit Schnuffel, dem besten zuverlässigsten tollsten tapfersten "i climb up every mountain and i swim every river"-Auto das diese Erde je befuhr und das wir, sollte es jemals "von uns gehen" (müssen), vergolden werden und ihm einen Altar errichten. Am Gardasee, der bis dahin hoffentlich unser Zweitwohnsitz wurde. Und sei es nur mit einem Caravan oder zwei Luftmatratzen unter einem Zeltdach....


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Foto: www.ferienhausgardasee.com



geschrieben von: Odessa

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Schönheit, Du. Seit 17 Jahren. Unverwüstlich, unkaputtbar. Dein Motor hängt nur noch an zwei Schrauben, die Achsen sind zig Male gebrochen durch die Schlaglöcher und heftigen Berg-Tal-Flußbett-Fahrten die wir hier auf dem Land, im Gebirge, öfters zu ertragen haben, und Deine Karosserie hat so manchen Unfallschaden überstanden.

Du fährst, immer noch. Über 300.00 km nun, noch mit Originalmotor. Bis auf 2 mm an der Tür kein einziger Rostfleck. Opel-Qualität halt. Anfangs, als Ralf und ich Dich kauften, und Du schon einige Jahre auf dem Buckel hattest, mochte ich Dich nicht. Du hast die ersten vier bis sechs Wochen fast nur in der Werkstatt gestanden, hattest jeden zweiten Tag eine andere Macke. Doch dann, nach diesen kurzen Wochen, lief es. Nichts fehlte mehr, weder bei 30 Grad Minus noch bei 2 Stunden Staustehen auf Italiens Autobahnen und mit dabei gut 40 Grad Hitze auf dem Blech.

Du bist problemlos, zickenfrei, kommst mit jeder Situation zurecht. Warst mit Ralf und mir ungezählte Male in Österreich, warst in England, warst in Frankreich, warst einige Male in Italien. Warst jetzt mit Marinus und mir quer durch Deutschland unterwegs, warst wieder in Italien und einige Male in Österreich. Mittlerweile lieben Dich drei Menschen - denn auch Ralf brachte es nicht fertig, Dich in eine Schrottpresse zu geben, geschweige denn Dich an irgendeinen Autohändler-"Organentnehmer" für 100 Euro zu verschachern, nachdem er sich den gebrauchten Ford gekauft hat im Frühjahr. Lieber schenkte er Dich Marinus, auf daß Du "wenigstens in der Familie bei einer Hälfte" bleiben darfst. Du bist die Astra-Schönheit mit dem undefinierbaren Farbton "Neptungrün"... changierend zwischen Schwarz-Anthrazit und tiefstem Petrolgrün, das jedoch bei jedem Lichteinfall anders wirkt und zum dunklen Aubergine bis hin zum Blauviolett mutiert.

Marinus sprach mit Dir, in Italien. Wieder und wieder hörte ich ihn murmeln. Am amüsantesten war es, als wir von Tignale herunterfuhren, dem Aussichtspunkt kurz vor dem Städtchen und hoch über dem Gardasee gelegen. Er sagte sowas wie "Schau mal Schnuffelchen, jetzt geht es wieder bergab. Du mußt Dich nicht mehr anstrengen wie beim Rauffahren, jetzt kannst Du Dich entspannen und Dir den Wind kühlend um die Nase wehen lassen. Deine Rohre werden durchgepustet und das gefällt Dir doch hm?".... Ich grinste und sagte zu ihm "Soll ich Euch allein lassen?"

Aber es freute mich. Deswegen, weil es mir zeigt daß wir auch darin "eins" sind - wir entwickeln Emotionen sogar noch für "unbelebte" Materie. Wir achten, schätzen und ehren die Gegenstände, die wir täglich benutzen (müssen), die uns das Leben hier erleichtern bzw. es uns erst ermöglichen, wie eben das Auto ohne das wir hier auf dem Land weder Arbeit hätten noch zum nächsten Supermarkt kämen. Wir lieben und hüten vor allem dieses Auto, dieses treue zuverlässige Gefährt, wie unseren Augapfel. Denn es gehört zu uns, es hat mit uns so viel erlebt und durchgemacht, und entscheidende Momente, vor allem sehr glückliche, spielten sich in diesem Auto und auf langen Fahrten durch Europa ab, durch die Jahre hindurch und mit so einigen lieben Menschen als Mit- und Beifahrer darin.

Schnuffel hat Kratzer und der Lack wurde von uns laienhaft übermalt und übersprayt. Es ist uns sowas von egal, daß das weder nach "Norm" eines Profis "schön" oder gar technisch korrekt ist, und es ist uns auch herzlich egal wenn andere Leute in diesem Land sich alle vier Jahre ein neues Auto kaufen, weil anscheinend heutzutage die Qualität dieser neuen "Plastikautos" so mies ist DASS man sie nach vier oder fünf Jahren auch schon nicht mehr fahren kann. Unser Schnuffel wird noch das 20. Jahr erleben. Dafür werden wir sorgen. Denn alt und bezahlt ist immer gut. Alt, das ist zumindest in meinem Kulturkreis auch: weise, duldsam, geduldig, lebenserfahren, sturmerprobt, ausdauernd, belastbar, zuverlässig.

Dinge, die auch auf Dich zutreffen. Gestern hat Dir der Hagel zugesetzt. Drei Gewitter innerhalb einer halben Stunde, die natürlich nur mal wieder hier in unserem Tal sich austobten (während es sichtbar 5 km weiter weg sonnig und trocken blieb) und ihre Hagelkörner auf unsere Felder, Häuser und Pflanzen regnen ließen. Zahlreiche der Daumennagel-großen Körner zerschlugen Dir den Lack und einen Scheibenwischer. Und während ich auf meinem Hof die Kühe versuchte in Sicherheit zu bringen, deckte Dich Marinus mit Kissen und Decken zu, um schlimmere Schäden an Deinen Scheiben zu verhindern. Mit Erfolg.

Denn Du mußt 20 Jahre alt werden. Mindestens. Und selbst dann lassen wir Dich weder verschrotten noch verscherbeln wir Dich an einen Ausweider. Sondern Du wirst irgendwo in unserem Garten, den wir bis dahin hoffentlich unser eigen nennen dürfen in einem eigenem Haus, stehenbleiben. Wirst Dich ausruhen dürfen nach einem langen fleissigen Leben. Wirst vielleicht in Deinem Motorraum und Kofferraum schöne Rosen gepflanzt bekommen, und die Sitze und die Rückbank werden ausgebaut und durch Gartenmöbel ersetzt, so daß Du zur Sommerlaube wirst, vielleicht sogar mit integriertem Grill anstelle der Pflanzen im Motorraum. Oder aber wir lassen Dich mit einer Lackschicht "vergolden" und stellen Dich - wie es unser Mechaniker, der Dich ebenfalls so gern hat daß er Dich fast gratis "behandelt", vorschlug - einem Opelmuseum zur Verfügung. Aber nur, wenn wir Dich dort jederzeit besuchen dürfen, klar. Denn wir lassen Dich nicht alleine und einsam, und wir lassen Dich niemals im Stich. So wie auch Du uns nie im Stich gelassen hast.

Geliebtes Astra-Opelchen. Geliebter alter zerschundener zerkratzter abgefahrener und allein dadurch einzigartiger unverwechselbarer Schnuffel. Unser Schnuffel, member of the family, unersetzbar.




Foto: "Schnuffelchen am Gardasee". "Jetzt auch mit butterfly-effect".



geschrieben von: M. Marinus

Eine Woche, die stressig war, die Nerven gekostet hat, uns beide. Ja, es ist nicht einfach, was wir hier begonnen haben, sondern anstrengend, körperlich, seelisch. Dennoch, ich habe keine Minute, keine Sekunde lang bereut, hierher gezogen zu sein, denn das war es, worauf wir ein Jahr lang hingearbeitet haben, und jetzt haben wir es erreicht, und dieses Glück lasse ich mir von keinen nervenaufreibenden Umständen auf der Welt nehmen, niemals.

Der Gardasee bleibt in Gedanken, ganz selbstverständlich, auch wenn es jetzt endlich warm ist. Ich liebe es, mit Dir in den Abendstunden draußen auf der Hollywoodschaukel zu sitzen, wenn es angenehm ist, ein leichter Wind weht, und wir darüber nachdenken, wie wir den Kühen, unseren "Mädels", einen Unterstand für den Regen und den Hagel bauen können. Durchs Gras zu stapfen, im Garten zu arbeiten, wenn ich weiß, Du bist auch da. Das Geräusch des plätschernden Wassers zu hören, mit dem Du die Blumen und Sträucher gießt und Schnuffel wäschst und mich nass spritzt.

Es ist unglaublich beruhigend, dich so nah bei mir zu wissen. Auch wenn ich hier und Du auf Deinem Hof bist, es ist nur ein kurzer Weg, nur sieben Minuten... zu Dir.

Endlich bin ich hier. Auch wenn wir zwischen unseren Terminen und dem üblichen Alltag oft viel zu wenig Zeit für uns haben, ich möchte es nimmer eintauschen gegen die meist endlosen zehn Tage, die uns über 12 Monate hinweg getrennt haben. Im Grunde sind wir seit diesem März durchgehend zusammen, nur unterbrochen von zwei Aufenthalten in Hannover, wo Du beim ersten sogar noch dabei warst. Drei Monate, morgen "auf den Tag genau", und bald fünfzehn Monate lang leben wir jetzt paradiesseits. Keinen Augenblick davon möchte ich missen, und ja, hoffentlich weitere 21 Jahre, mit Dir. Hier und am Gardasee, abwechselnd. Weil ich nichts anderes wollte und nichts anderes möchte, als mit Dir zusammen zu sein. Ich liebe Dich, meine Sonnenkönigin.

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Photo: eigenes, Tignale, über dem Lago.



geschrieben von: Odessa

Natürlich wurde es nicht Kroatien/Istrien. Auch wenn es "nur" 450 km gewesen wären und somit näher als das ebenso sonnige Rheinland (aber billiger und mit "Meer"). Nein, es wurde doch wieder der geliebte See. Der Benacus, in den - seiner Länge nach - ganz Istrien hineingehen würde. Der See, der mich seit Jahrzehnten in den Bann zieht, mit seiner südamerikanisch-tropisch-mediterran-einfach-alles-Vegetation. Mit seiner immer angenehm kühlen Brise und den selbst bei Regenwetter noch gut 20 Grad warmen Temperaturen.

Was soll ich schreiben, von diesen 4 Tagen? So viel im Kopf und Herzen, so viel.. und wärst Du als "Zeuge" nicht jede Sekunde mit dabeigewesen, es würden mir noch nicht mal unsere engsten Freunde glauben, was wir alles in diesen kurzen Tagen erlebten.

Wie die Sache mit Schnuffel. Das Auto, das gestern nicht anspringen wollte. Grundlos einfach streikte, als es heimgehen sollte. Heim in die bereits dann 10. (!) Woche mit Dauerregen und nie wärmer als 12, 13 Grad. Heim in die ewig feuchte dunkle Wohnung bei "mir" als auch bei "uns". Heim ins geliebte Tegernseer Tal mit seinen wunderbaren Menschen, den wunderbaren Bergen und der grandiosen Landschaft, aber mit dem katastrophalsten Wetter seit gut drei Jahren und mit nicht erklärbaren, über zwei Monate andauernden täglichen Sintfluten und Eisestemperaturen noch im Sommer. Das Auto wollte nicht. Eine Stunde lang warten auf den italienischen Mitarbeiter des ADAC. Abgeschleppt werden ins Hinterland des Gardasees, in die Werkstatt. Wo, zum Erstaunen zweier Mechaniker samt Meisters, Schnuffel sofort wieder ansprang. Wissend, daß wir jetzt - zu der Zeit bereits Mittags - nicht mehr würden zurückfahren, da wir wieder über die "alte Brennerstraße"/via Eisacktal fahren wollten (um ca. 20 Euro Brenner-Maut und Autobahngebühr zu sparen) und dies gute sechs bis sieben Stunden Fahrtzeit bedeutet auch für "nur" 350 km, da immer über Berg, Paß und Tal und mit maximal mal 70 kmH über die Landstraßen.

Noch ein Tag im warmen, trockenen Süden. Auf einem Campingplatz verbracht in einem schäbigen winzigen Bungalow aber - am See, am geliebten. Bungalow mit der Nr. 4. Nachdem wir tags zuvor in Sirmione erfuhren, daß die Glückszahl für "Menschen namens Daniel" die SIEBEN ist und die für "Menschen namens Helena/Elena/Ilona" NEUNZEHN. Nachdem wir in Venedig vor der gleichen Gondel standen an der gleichen Stelle, wie ich es 17 Jahre davor mit Mohammed tat.

Venedig, der Gardasee, und wieder nur der Wunsch bei uns Beiden: nie mehr wieder weg. Immer brennender, immer stärker. Und nicht nur, weil in GANZ Norditalien dort nicht ein, ich schwöre nicht EIN einziges Auto zu sehen war mit WM-Beflaggung. Nicht ein einziges Auto, im Land DER Fußballnation. Kein Gehupe kein Getröte, noch nicht mal Fan-Shirts. Himmlische Ruhe und keinerlei nervige Beeinflußung in den Supermärkten wie es hier seit Wochen der Fall ist. Und nicht nur, weil dort Regen "normal" ist der Art, daß er nach ein oder maximal zwei Tagen auch wieder aufhört und man sich drauf verlassen kann, daß die Sonne an mindestens 250 bis 300 Tagen im Jahr scheint und es warm und trocken ist. Und nicht nur, weil wir die unfaßbar üppig wachsenden Pflanzen rund um den See - und wofür andere Länder extra "Botanische Gärten" anlegen auf daß man sie bestaune - so lieben und die 999.0000 Nuancen von Grün und die 777.777 Facetten von Blau. Und nicht nur wegen der Dutzende von winzigsten niedlichen Entenküken, die wir an jedem Ort und in jedem der Fischerdorfhäfen dort sahen und wegen der wir uns als "entophil" outeten und wir bereitwillig unsere eigene Gesundheit riskiert hätten binnen Sekunden, um sie zu retten vor dem Zerschlagenwerden an der Küste durch extremen Wellengang. Und nicht nur wegen so netter Leute wie dem alten Italiener mit seinen zwei Siam-Babykatzen im Wohnwagen hinter uns. Und nicht nur weil Du an diesem See - so wie wir es heute in der Früh gleich wieder stundenlang beobachteteten bei Anderen - jeden Tag surfen, kiten und segeln könntest, da sein Wellengang teilweise stärker ist als an den meisten Atlantikküsten.

Nein, das alles sind wichtige, gewichtige, Gründe. Aber sie allein sind es nicht. Es ist für mich das Wissen, daß dieser See in mir drin ist. Ich bin damit verbunden auf eine Art, die nur ich nachfühlen kann und jetzt, wie ich heute wieder sah, zu einem sehr großen Teil auch Du (schon), und das nachdem Du bisher nur zwei mal ans seinen Ufern standst.

Der See ruft. Er spricht mit Einem. Und es ist mir egal, ob Leser jetzt lächelnd den Kopf schütteln oder denken, ich hätte heute ein etwas zu lange in der Sonne gestandenes Limo getrunken. Der See ruft, er ruft mich seit Jahren und ich träume von ihm. Ich träume, so oft, von seinen Wellen und seinen Tiefen. Es murmelt und es rauscht, und es surrt und es brandet. Es tut manchmal so weh im Traum, dieses Geräusch und dieses "Blaugrün", daß ich aufwache und weine. Weine vor Sehnsucht, weil ich nicht dort bin. Nicht stundenlang einfach nur sitze, mit den Füßen in seinen wilden Wellen die sich meterhoch an der Küste Salos und Torboles brechen. Nicht stundenlang einfach nur auf ihn schaue, und auf die tausende Meter hohen schroffen Alpenwände rings um ihn herum.

Er zog mich zu sich, schon vor 20 Jahren. Ein Teil meines Herzens, ein Teil meiner Seele, ist in ihm, und ich schrieb es auch schon vor Jahren. Der See hat eine Macht, in seiner einzigartigen Schönheit und Erhabenheit, die das Herz weh macht. Weh und sehnend. Ich habe Ruhe nur noch, wenn ich bei ihm bin, bei meinem See. "Du blühst richtig auf", sagtest Du wieder, als ich - wie immer dann völlig schmerzfrei und entspannt bis hin zum Tagschlaf mit offenen Augen - mit Dir am Ufer lag, an einem der über 120, 130 km die dieser See "offenes Ufer" hat, jedem Menschen zugänglich.

Und Du spürst es. Du spürst es auch, zu einem sehr starken Teil, schon jetzt in Dir. Der See hat auch Dich gefangengenommen, er hat Dich entführt, verführt, und jetzt beherrscht er Dich schon so sehr, daß Du bereit bist alle Pläne nur noch danach auszurichten, daß wir spätestens in vier Jahren, nach Deinem Studium, zumindest wochen- oder monateweise dort leben können. "Ich will hier nicht mehr weg" war auch Dein häufigster Satz in diesen letzten Tagen, und noch inbrünstiger und noch rauher als das letzte Mal. Tränen, und nur noch Schweigen als wir - den letzten Blick auf den See genießend vom Aussichtspunkt über Torbole aus - zurückfuhren.

Um nach fünf Stunden Fahrt wieder bei minütlich sinkenden Temperaturen und acht Grad Kälte mit Regen zu landen. Wie gehabt, seit 10 Wochen. Und mit der Nachricht, daß eines der Mädels, eine der Kühe, eine Totgeburt hatte. Ausgelöst wohl mit dadurch, daß seit bald zweieinhalb Monaten den schwangeren Kühen ein sich mal Ausruhen durch Hinlegen auf er Weide nicht möglich ist, bei ständigem "Im Wasser stehen" bis zu den Knien und bei Temperaturen von bis zu 0 Grad in der Nacht noch im Mai und jetzt Juni.

Und der See ruft und tobt und brandet, und will uns zurück, und ich sitze vor wieder über 200 Fotos, wovon nur ein ganz kleiner Teil der schönen alten Dame Venedig gehören aber ein viel größerer Teil dem See, seinen Wellen, seinen Entenbabies. Der See, der mich und Dich verzaubert hat. Der See, der schmerzt, in seiner unbeschreiblichen Schönheit. Der See, der sich seine Opfer sucht unter denen, die nur eines wollen und dafür ihre Seele verkaufen, ja sogar verschenken: Ruhe, Stille, eine mentale und physische Einheit mit einer grandiosen Natur werden dürfen. Geliebter Gardasee, geliebte Gletscher und Felsenwände um ihn herum. Geliebtes Blau, Pazifik, Azur, Türkis, Lapislazuli, Stahlblau, Silbergraublau, Jadegrün, Smaragd, Petrol, Seegrün, Atlantik, Meer Meer Mehr.

Sehnsucht brennt. Wann, wann endlich wieder werden wir bei Dir sein.. .es ist doch schon wieder 10 Stunden her.....



geschrieben von: Odessa

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Venedig


Braucht es wirklich noch Worte, zu diesem Prachtweib im Meer? Der Stadt, der ich mich so verbunden fühle in einer Art Hassliebe? Schöne hässliche ehrwürdige verkommene versunkene nie untergehende dekadente bescheidene morbide lebenslustige erdrückende befreiende große alte Dame kleine elende Hure Venedig.

Betrüger und Nepper Schlepper Bauernfänger, die 26 Euro für eine Stunde Parken verlangen und sich dabei rausreden auf "Mißverständnisse" , wobei es kein Mißverständnis geben kann wenn man in einer Straße gefangengehalten wird mit dem Auto, einen Zettel an die Scheibe geklebt bekommt und von einem Mann auf der Straße stehend wie ein Polizist in ein Parkhaus gewunken wird, richtig nach links reingewunken wird. Dort dann, oben angekommen, von einem anderen Mann dazu aufgefordert wird, den Schlüssel und KFZ-Brief im Auto liegenzulassen, "every car here is open, all have the key inside, this is law, leave the key inside". Und man versucht klarzumachen daß die deutsche Versicherung es absolut nicht verstehen wird, wenn man ein gestohlenes Auto meldet mit den Worten "Ich habe in der Weltstadt Venedig auf einem offenen jedem frei zugänglichem Parkhaus mein Auto stehengelassen, auf Befehl der Angestellten dort den Schlüssel steckenlassen und den KFZBrief bzw. Schein auf dem Fahrersitz liegenlassen". Und man dann nur zu hören und auf den Infoschildern zu lesen bekommt: "LEAVE THE KEY INSIDE THE CAR. Leave the car documents inside. We are NOT responsible for any loss." Also jede Haftung ausgeschlossen wird. Und wenn man dann - weil man ja nur 2 Stunden parken wollte - nachfragt wieviel man hier, unfreiwillig hineingezwungen in dieses Parkhaus, eigentlich zahlen muß, von einem bornierten Angestellten an der Parkhauskasse zu hören bekommt: "26 Euro for 12 hours". Ich will aber nur 2 Stunden parken. "No, 26 Euro, ist egal ob 30 minutes oder 12 hours, you pay 26 Euro, was ist Problem das ist Venedig!" Man daraufhin wütend den Typen, der einen da hineingewunken hat, zur Rechenschaft zieht auf offener Straße und der - angesichts einer fast 180 cm großen hocherbosten arabisch-italienisch-russisch-bayerischen Wagnerwalküre - beschließt, sich auf ein "mistake" im Winken rauszureden: "For 2 hours parking es ist rechte seite, right here, was wrong, okay, sorry". Und er den Zettel mit den 26 Euro Rechnung durchstreicht und man sein Auto wieder, nach diesen 15 Minuten Streit und Theater, rausfahren darf ohne zu zahlen. Und man hierbei mitkriegt, daß es allein in der letzten Minute einem anderen deutschen Pärchen ganz genauso ging: 26 Euro für keine 3 Stunden Parken, und auch sie hatten klar gesagt daß sie nur 1-3 Stunden bleiben möchten. War sicher auch nur wieder ein "wrong, ein mistake, sorry" des prinzipiell nach links Winkers. Wo doch das rechte Parkhaus für die Kurzparker gedacht ist und man dort aber sicherlich dann auch für "nur" zwei oder drei Stunden dann halt 20 Euro zahlt. Mit dem Schlüssel inside the car und the KFZ-Papiere mit drin aber ohne jegliche Haftung für Diebstahl seitens der Betreiber. Because, ey bella, "this is Venice, das ist Venedig, why the hell do you make a problem, just pay, tourist".

70 Euro für eine ca. 15minütige "Abholfahrt" vom Bahnhof durch die Kanäle zum gewünschten Hotel - das ist doch mal ein Schnäppchen nicht wahr, ist ja auch ein "Privatboot" mit "Privatfahrt" dann. Und 7 Euro für eine Fahrt im einzigen öffentlichen Verkehrsmittel, dem etwas größeren Motorboot mit einigen Sitzplätzen, ist doch auch ein Schnäppchen für eine ca. 20 Minuten dauernde Fahrt über den Canale Grande. Was 30 Minuten Gondelfahrt kosten würden, wagten wir gar nicht zu erfragen, aber die Preise lagen schon vor 20 Jahren bei damals 45 Mark, also heute sicherlich bei gut 50 Euro.

12 Euro für ein Tässchen Kaffee/Espresso am Markusplatz. Wobei der Cafe-Fingerhut voll selbst "nur" 7,90 kostet, aber das "Gedeck", der "Service" und der "Sitzplatz" sowie das gleich mit eingerechnete Trinkgeld den Rest ausmachen. So war es vor 7 Jahren schon, es wird heute nicht anders sein. Wir durchwateten den mal wieder unter Wasser stehenden Markusplatz, sahen zu daß wir an die Adria, ans geliebte Meer, kommen an seinem Ende, bestaunten dabei das riesige, gerade einfahrende Kreuzfahrtschiff "Norwegian Gem" und bekümmerten uns nicht um für uns ohnehin unerschwinglich seiende Restaurants, Kaffees und sonstige Touristenfallen.

Verhasstes Venedig und seine kleinen und großen Ganoven.

Geliebtes Venedig und seine unendlich schönen, atemberaubenden Häuser und Paläste. Bemalte Fassaden, Jahrhunderte alt. Masken mit Goldlack und echtem Platin verziert. Oder mit bildgroßen Ölgemälden an der Stirn versehen. Barocke Kostüme, ab 3000 Euro aufwärts, von Hand bestickt und mit Goldfäden durchwirkt. Murano-Glaskunst, vor allem bei den Souvenir-Alkoholika. Flaschen, wie am Gardasee auch, in Globus-Form, in Schiffsform, in Form von Tieren, Pflanzen oder Obst- und Gemüsesorten. Flaschen mit Aquarellen als Bild darauf. Flaschen mit kleinen Flaschen in sich die wiederum kleinere Flaschen bis hin zur Miniatur in sich trugen wie Seifenblasen, und alle gefüllt mit italienischem Mandellikör, süssen Obstlikören oder dem gardasee-anischen Limoncello. Edler Wein, verschiedene Sorten vom Gardasee, in mundgeblasenen fassähnlichen Flaschen. Balsamico und Olivenöl, 50 ml für 98 Euro oder 250 ml für 270 Euro. Italienische Dekadenz, Lebenslust und Lebensgenuß - für den, der das nötige Kleingeld dazu hat. Aber auch völlig gratis oder für kleines Geld für den, dem die Sonne, die Kunst, das Meer, die Kanäle und ein riesiges Stück 5 cm hoher frischer Pizza für nur 1,50 Euro auch genügen.

Verhasstes geliebtes Venedig. Große alte Dame, kleine miese Hafenhure. Einige Male schon besucht, zwei mal nur für kurze Nachtstunden, einmal im Krankenhaus dabei und nur für 2 Stunden Dich gesehen habend. Geliebt, so oder so. Und verhasst nur in kurzen Sekunden, die der Liebe aber keinen Abbruch tun, sie sogar noch, wie in jeder guten "Ehe", mit der nötigen Prise Leidenschaft und Glut versorgen.



Fotos: eigene, Venedig, 20. Juni 2010



geschrieben von: Odessa

Benacus: keltischer, mit Neptun gleichgesetzter Wassergott in Oberitalien. Eine Benacus gewidmete Ischrift wurde am Ufer des Gardasees gefunden, weshalb man davon ausgeht daß der See nach diesem Gott seinen alten lateinischen Namen (Lacus Benacus) erhalten hat.



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"Wie sehr wünschte ich meine Freunde einen Augenblick neben mich, daß sie sich der Aussicht freuen könnten, die vor mir liegt..."



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"Das Rudern half wenig gegen die übermächtige Gewalt des Sees, und so mußten wir im Hafen von Malcesine landen. Es ist der erste venezianische Ort an der Morgenseite des Sees."



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"Es ist erfreuend und belehrend, unter einer Vegetation umherzugehen, die uns fremd ist. Bei gewohnten Pflanzen sowei bei anderen längst bekannten Gegenständen denken wir zuletzt gar nichts mehr, und was ist Beschauen ohne Denken?"


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Conosci tu il paese dove fioriscono i limoni?
Nel verde fogliame splendono arance d'oro
Un vento lieve spira dal cielo azzurro
Tranquillo è il mirto, sereno l'alloro
Lo conosci tu bene?
Laggiù, laggiù
Vorrei con te, o mio amato, andare!







Text in weiß und rot: Goethes Italienreise, Zitate und "Kennst du das Land wo die Zitronen blühen?" // Fotos: eigene & limone sul garda-web.com



geschrieben von: Odessa

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Eines der süßen Pärchen, die sich am Campingplatz Monja, "vor gefühlten Ewigkeiten" als wir neulich dort waren, an unserem Bungalow einfand. In Handreichweite bei uns auf dem Tisch und vor unseren Füßen auf der Terrasse sitzend. Vertrauensvoll zu uns kommend, nachdem wir über Stunden fast bewegungslos und schweigend dasaßen, einfach nur ihrem Treiben zuschauten. Das Männchen fütterte das flügelschlagend und kugelig-mopsig auf dem Boden sitzende Weibchen, stopfte ihr die Bröselchen ins Mäulchen und sicherte dabei immer umsichtig und vorsichtig die Umgebung.

Stunden können wir damit verbringen, und es braucht keine Worte und keine "Unterhaltung" und keine "action" und nichts Dergleichen, was der normale Mensch in seiner Freizeit so gerne tut - wir sind uns immer noch selbst genug, wir und die Natur die wir bewundern dürfen, an der wir uns freuen dürfen.

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"Die Mädels II". Auch in "unserer zweiten" Wohnung in Schliersee haben wir Kälbchen als Nachbarn. Neugeborene niedliche Wesen, die wir - mit Nnordy und ihrem Gefährten auf Besuch - auch diese Woche wieder lange bestaunten und beschmusten. Große weiche Plüschohren, riesige braune sanfte Augen, lange staksige Beinchen... mein Widerwille, auch nur seltenst Kalbfleisch zu essen, wird immer größer. Irrational und in keinster Weise natürlich "gerecht", da ich auch Hühner liebe und sie trotzdem ab und an esse - aber es ist nun mal so. Vielleicht schaffe ich es ja doch noch, endlich ganz zum Vegetarier zu werden, denn mit meiner grundsätzlichen Einstellung zum Leben geht es eigentlich überhaupt nicht konform, anderen Lebewesen ihr Leben zu nehmen (es, feige da nicht selbst "jagend und schlachtend", nehmen zu lassen) um sie aufzuessen. Meine Schwäche, mein Fehler, mein Defizit, mein Widerspruch. Ich arbeite daran. Und je mehr ich diese edlen wunderbaren Geschöpfe täglich tiefer in mein Herz schließe, desto leichter fällt es mir, auch auf das ohnehin wenige Fleisch zu verzichten das ich noch esse.

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Seit über 15 Monaten ein Paar. Seit über 15 Monaten unser Paradies. Es kristallisierte sich schnell heraus, daß ich die meiste Zeit bei uns, in unserer Wohnung, verbringen werde. So schwer es für Ralf auch ist und so leid es mir tut - aber Dinge sind wie sie sind. Gefühle auch. Noch tiefer und inniger ist unsere Liebe geworden, seit wir Tag und Nacht zusammen sind, das Leben und seine uns täglich heimsuchenden Herausforderungen meistern. Geldmangel, nervende Nachbarn in der Wohnung, nicht Wissen wie es studientechnisch weitergeht, eine teure Autoreparatur von letztendlich 850 Euro aber ohne Auto = kein Job, kein Überleben... es ist alles in dem Moment egal, wo wir uns in den Armen liegen. Keine, fast keine, Nacht mehr getrennt sind.

Zum 15monatigen hattest Du Rosen gekauft. Tiefrote Rosen. Und zwei Miniflaschen "Asti", den einzigen Alkohol den ich alle paar Jahre mal trinke in mehr als Fingerhut-Menge, nämlich immerhin in "Halbes Glas"-Menge. Der süsse, nach Limonade schmeckende und fruchtig prickelnde Italo-Sekt, mit dem ich immer noch Bauchkitzeln und den Duft von Orangen und Limonen verbinde. Und Du hattest Kaiserschmarren mit Apfelkompott gemacht, weil ich am Tag davor "Freß-Visionen" von tonnenweise Kaiserschmarren hatte. Aufmerksamkeiten, in all dem Streß und der Hektik die uns oft nicht mal einen Tag ohne Termine und Ärger lässt. Auch diese Woche ist wieder täglich gefüllt mit things to do: Morgen der stundenlange Abtransport für teuer Geld von alten Möbeln auf meinem Hof. Das ewige Hoffen daß endlich mal der Kühlschrank kommt, denn kaum haben auch wir hier mal 4 Tage Sommer mit Temperaturen über 25 Grad, geht natürlich der Kühlschrank kaputt und die versprochene Lieferung des nun bereits 2. Neubestellten steht immer noch aus. Am Dienstag Wohnungsbesichtigungen, so sich die Vermieter endlich melden. Am Mittwoch Arzttermin wegen der Krebsnachsorge, Herz-Kontrolle und der üblichen Labor-Kontrolluntersuchungen auch bei Dir. Am Donnerstag mußt Du, man möchte es nicht glauben, wieder ins Landratsamt wegen eines "Gesprächs zur Arbeitssituation" - und das obwohl Du einen Job hast, nicht arbeitslos bist, keine Leistung vom Arbeitsamt beziehst und Jedem im Amt klargemacht wurde daß Du im September bzw. Oktober zu studieren anfängst. Am Freitag dann der erste Tag ohne Termin bisher und am Samstag und Sonntag mußt Du wieder, wie meist an den Wochenenden, von 6 Uhr morgens bis nachmittags im Hotel arbeiten. Natürlich ohne Feiertagszuschlag etc., den man den Festangestellten zahlen müßte wenn diese jedes Wochenende arbeiten müßten.

"Niemand hat uns einen Rosengarten versprochen". Das Leben ist kein Ponyhof, und jede Liebe wird irgendwann damit konfrontiert daß sie zwischen 10-Stunden-Jobs, Haushaltsgerödel, Einkaufslisten, Arztterminen, Anwaltsgesprächen und Behördengängen stattfindet. Wir haben es geschafft, daß die Liebe und Leidenschaft immer noch an erster Stelle steht und alles Andere drumrum sich "dreinfügen" muß.

"Ich liebe unser Spießerleben", sagst Du immer wieder, lächelnd. Während Du mir die Füße massierst und wir Weltkriegs-Dokus gucken. Während ich Dir den Bauch kraule und wir darüber sinnieren, wo wir später "wenn wir reich sind" unser Hausboot ankern lassen möchten. Wenn ich Dich zum 100. Mal damit aufziehe daß Du als Mann einen Tunnelblick hast und unfähig bist, auch nur 3 cm davon entfernt liegende Dinge zu sehen. Und Du dann zum 101. Mal gepresst erwiderst "Ich liebe Dich AUCH, Schatz" und mich mit einem dominanten Kuss zum Schweigen bringst. Wenn wir beim Obi nach Clematis, Nelken und Rosen Ausschau halten und Du mit mir die Farbauswahl bestimmst und die Blumen eintopfst.

Jetzt wird noch das Kreuz bei "Ja" gemacht, zum Volksentscheid über das Nichtraucherschutzgesetz, und ein herzlicher Glückwunsch nach München gesandt zu der Dame mit den drei Federn... und dann geht der Nachmittag in seine beschauliche Runde, mit Dir und Ralf und der Katze und den Mädels und dem Tegernsee und dem Schliersee und dem Spitzingsee und und und...

Leben, halt. Ohne Dich wäre es mir nicht mehr vorstellbar, so und so wie ich es liebe.



geschrieben von: M. Marinus

15 Monate. Eine Zeit, die wir zumeist in ständiger Getrenntheit lebten, fast ein Jahr lang. Seit 11. März nicht mehr. Seit diesem Tag war unser längstes Nicht-Beisammensein anderthalb Wochen, als ich meine Abiturprüfungen schrieb. Und selbst da bist Du, spontan entschieden, wie so oft, einfach mitgefahren, ohne zu wissen, wie weit. Ohne dass wir wussten, wo wir schlafen würden, wie so oft. Einfach fahren, und nach dem Ankommen sehen, wohin wir uns orientieren.

"Mehr können wir nicht machen, wir können nicht planen", und können es tatsächlich nicht. Wir leben für den Moment, für die nächsten Tage, allenfalls die nächste Woche. Weiter können wir nicht blicken, denn immer, immer wieder passiert das Unvorhersehbare und wirft alle Pläne um. Das Duale Studium, halb in München, halb in Ingolstadt, es wäre die Lösung unserer Unsicherheit gewesen. Aber es wurde nicht, ich war nicht, was man suchte. Nicht gut genug, nicht durchsetzungsstark genug, nicht angepasst genug - ich weiß es nicht. Es ist unendlich schade, ich habe mich ein paar Tage lang geärgert, und den Gedanken dann beiseite geschoben: Nutzlos. Verpassten Chancen hinterzutrauern, sinnlos. Nach vorne, eine andere Richtung kenne ich nicht, darf ich nicht kennen. Umorientieren, abfinden mit dem, was ist und nicht ist. Wir haben es bis hierhin geschafft, also schaffen wir auch alles weitere.

"Unser Spießerleben". Wir lieben es. Ich liebe es. "Du bist ein seltsamer, junger Mann". Einer, der es liebt, abends neben Dir zu sitzen, sich an Dich zu lehnen, Kreuzworträtsel zu lösen. Der Gipfel der Spießigkeit, oder der Langeweile, würden manche wohl sagen. Für mich Ruhe. Beruhigung. Normalität. Es ist still in meinem Kopf, in dem es jahrelang getobt hat, und diese Stille ist wunderbar. Du bist ein wesentlicher Teil davon. Du und die Gewissheit, Dich nie mehr verlassen zu müssen, nie mehr so, wie ich es ein Jahr lang tat.

Leben. Unser ganz normales, das so wenig "normal" ist und nicht zur Ruhe kommt. Umso mehr liebe ich die Ruhe, die ich mit und in Dir finde, wenn wir hier spazieren gehen und immer wieder finden, dass es hier wunderschön ist, die Schönheit in der Natur, in den Bergen, den Wäldern, den Bächen und den Tieren. Alles Generve, alle Hektik und aller Stress, den wir haben - er ist vergessen in diesen Momenten, und darum liebe ich sie so. Es sind Auszeiten. Manche Menschen leben sie, indem sie sich mit möglichst großer Lautstärke und möglichst vielen Menschen umgeben. Wir leben sie, indem wir uns mit der leisesten Stille und der größten Einsamkeit umgeben.

Als wir das letzte Mal zum Gardasee fuhren, hielten wir kurz vor der Grenze zu Österreich auf der Landstraße, an einer völlig überschwemmten Wiese. Und was wir dort fanden, war die absolute Stille, die Abwesenheit jedes anderen Menschen außer uns, und für uns ist sie so heilig, dass wir sie nicht durchbrechen wollen, und fast unmerklich leiser sprechen - wenn überhaupt. Denn wir brauchen keine Worte und verstehen uns auch so. Wenn ich dann sage: "Die Stille.", dann weiß ich, dass Du das gleiche empfindest, ich brauche es nicht zu erklären. Und das ist wunderbar.

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Die Eule. Die personifizierte Stille. Die personifizierte Weisheit. Und mein Lieblingsgedicht...

Die weise Eule schaut sich um
je mehr sie schaut, umso mehr wird sie stumm.
Je stummer sie wird, umso schärfer sie hört.
Gott gib, dass ich wie dieser Vogel werd.


Ich bin nicht perfekt. Ich wäre es gerne, aber ich bin es nicht, und ich weiß, dass Du mich auch dafür liebst. Denn die vermeintlichen "Unvollkommenheiten" machen einen erst zu dem Menschen, der man ist. Wie ich Dir auch immer widerspreche, weil ich DICH sehe, weil ich in Dir, in Deinem Gesicht, Deinem Körper, Deiner Bewegung, Deiner ganzen Art Dich sehe, und Du bist der schönste Mensch, den ich kenne.


Photo: eigenes, Falkenhof Lenggries.
Text in blau: Unbekannt.




geschrieben von: Odessa

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Säe ein Samenkorn in die Erde, und sie wird dir eine Blume hervorbringen. Träume deinen Traum zum Himmel, und er wird dir deine Geliebte bringen.


"Daß es so schön ist..."
"Ich liebe Dich"
"Ich möchte nicht eine Minute mehr ohne all das sein"
"Mops-Radar"
"Meins, alles meins"
"Wenn es Dir gut geht, geht es mir gut"
"Ich will Dich nur glücklich machen, dann bin auch ich glücklich"
"Wenn Du stirbst, werde ich mit Dir sterben. Was soll ich noch ohne Dich?"
"Du spinnst. Aber ich liebe es wie Du spinnst"


Momentaufnahmen. Teddynaht. Blau in Blau, versinkend. Fleisch auf Fleisch in Fleisch.

"Synchronize rhythm now...oh feel it, oh feel it, feel it my love..."






Zitat: Khalil Gibran / Text in kursiv: Kate Bush, "Feel it"





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