[CINEMA MACABRE - der abgrundtiefe Filmgenuss] - German Gothic Board

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CINEMA MACABRE - der abgrundtiefe Filmgenuss

(Klicke hier, um das Thema mit vollen Farben / Abbildungen zu betrachten)



geschrieben von: Thalamus



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Der Orden der Blauen Rose präsentiert:

http://s2.directupload.net/images/user/100204/temp/sirxdzri.gifCINEMA MACABRE http://s2.directupload.net/images/user/100204/temp/sirxdzri.gif


Liebe Freunde abseitiger Filmkultur!

Ich heiße Euch schwarzherzlichst willkommen zu den Filmvorstellungen im Cinema Macabre, meinem persönlichen Lichtspielhaus. Vorgestellt werden schwerpunktmäßig Beiträge des „phantastischen Film“ sowie kuriose „Randfilme“ aus aller Welt. Dabei gedenke ich eine ausgewogene Mischung aus altehrwürdigen Genreklassikern und obskuren Perlen zu präsentieren.

Eure Meinung und Diskussionen zu den einzelnen Werken – ebenso Anregungen und Wünsche - sind hier ebenfalls gefragt. Ich bitte jedoch darum dabei möglichst on topic der hier vorgestellten Filme zu bleiben.


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geschrieben von: Thalamus

Diese Seite ist Ankündigungen und Ergänzungen vorbehalten

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Biographien / Exkurse / Specials

Edgar Allan Poe Special #1 - The Fall of the House of Usher

Cinema of Death - Special



geschrieben von: Thalamus

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Das Filmprogramm



UNDEAD CINEMA

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Der ausgewählte stilvolle Vampirfilm

01. Nosferatu (1922)

02. Dracula (1931)

03. Vampyr - Der Traum des Allan Gray (1932)

04. Der Vampir von Notre Dame (1957)

05. El Vampiro (1957)

06. The Vampire's Coffin

- Programm wird fortgesetzt -



GOTHIC CINEMA

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„Schwarze Romantik im Film“

Die schwarze Romantik ist eine Strömung des 18./19. Jahrhunderts und befasst sich intensiv mit der irrationalen, melancholischen, morbiden, mystischen, vergänglichen Seite des Lebens sowie einer Ästhetisierung des Todes und des vermeintlich „Bösen“ – der Schönheit im Hässlichen. Nicht selten spielen sich solche Geschichten in alten Gemäuern, Burgen, Schlössern, Herrenhäuser, Klöster, Keller, Verliese oder gespenstischen Naturschauplätzen ab, während dessen sich die Stilelemente des klassischen Gothic Horror Film nicht nur durch derartige Kulissen sondern beispielsweise auch durch wehende Vorhänge, von Spinnengeweb‘ überzogene Räume, knarrende Türen und viel Kunstnebel hervorheben.


- Programm folgt -



WEIRD CINEMA

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Avantgarde / Experimental / Surreal etc.

Die meisten Filme dienen in irgendeiner Form der Unterhaltung. Einige wenige Regisseure verstehen das Medium Film jedoch als Kunstform, bei der durch Experimentieren mit Kameraeinstellung, Schnitt, Beleuchtung, Ton, Farbe, Einblendungen etc. inszenatorisch und ebenso abstrakter inhaltlicher Ebene mit allgemeinen und traditionellen Sehgewohnheiten gebrochen wird.

01. Un chien andalou (1929)

02. Amalgam (2007)

- Programm wird fortgesetzt -



STRANGE CINEMA

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Arthouse / Drama / Independent / Non-Mainstream etc.

Kontrastprogramm! Sie sind gelangweilt von Hollywoodkonventionen und Inszenierungen nach Schema F? Sie legen keinen Wert auf „namenhafte“ Darsteller(innen) und verpulvertes Budget? Sie sind entnervt von rasanter Action und Effekthascherei ohne Sinn und Verstand? Sie verabscheuen massentauglichen Teenie-Humor und unterschwelligen Patriotismus? Sie bekommen Ohrenweh, sobald der Abspann beginnt oder während des Films der neuste Chartbreaker als Soundtrack ertönt? Sie entsagen einem Happy End und sind pathetischen Filmhelden nicht sonderlich angetan? Dann sind Sie hier richtig! Ebenso wird hier alten Schwarz-Weiß und Stummfilmklassiker ein würdiges zu Hause geboten, sowie Exotisches aus aller Welt.

01. Das Cabinett des Dr. Caligari (1920)

02. In memory of the day passed (1990)

- Programm wird fortgesetzt -



DISTURBING CINEMA

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Horror / Splatter / Thriller etc.

Hier ist Platz für Filme, die in ihrer expliziten Darstellungsweise einen radikalen, kontroversen, provokanten oder gar ekelerregenden Eindruck hinterlassen oder auch auf subtile Weise den Zuschauer zu verstören vermögen und mit den menschlichen Urängsten und Abgründen spielen. Von kompromisslosen Extremfilmen bis hin zu „zahmen“ Geisterfilmen wird hier das komplette Genre des „modernen“ Horrorfilm und artverwandte Genre abgedeckt.

"Nicht das Wegsehen, sondern das Hinsehen macht die Seele frei" (Theodor Litt)


01. SNIP (2008)

- Programm wird fortgesetzt -



geschrieben von: Ardath Bey

Also, ich kann mir zwar noch nicht vorstellen was aus diesem Threat wird aber zu den Kategorien würden mir stapelweise (aus Platzgründen stapel ich meine DVD's) Kandidaten einfallen.



geschrieben von: Odessa

Aber hallo, da bist Du ja wieder:-). Schön aufgemachter thread, sehr liebevoll und aufwendig - ich mag das. Und hoffe, es dauert nicht wieder Monate, bis man wieder von Dir liest!



geschrieben von: |Dunkelschön|

Hätte da auch schon ein paar Kandidaten ..:cool:



geschrieben von: Thalamus

Das Lichtspielhaus eröffnet seine Pforten im neuen Jahr. Premiere wird übrigens der beste Vampirfilm aller Zeiten feiern.

Selbstverständlich liegen auch Filmrollen parat, von denen weltweit kein DVD-Medium existiert, oder die gemeinhin als verschollen gelten, lasst Euch überraschen.

Einen guten Rutsch allerseits!



geschrieben von: Ardath Bey

Da bin ich gespannt.
Gibt sogar von Brancaleone DVD's, wenn auch nicht auf englisch und schon gar nicht auf deutsch. Einen der beiden Filme gibts aber immerhin mit englischen Untertiteln.

Filmrollen von tatsächlich als verschollen klassifizierten Filmen wäre schon was. Aber die sollte man bei den verschiedenen Filminstituten einreichen, vorzugsweise Deutschland und Amerika die sich stark um altes Filmmaterial bemühen um es zu retten und der Öffentlichkeit wieder zu geben. :D



geschrieben von: Thalamus

UNDEAD CINEMA #1


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Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens

Deutschland, 1922

Ein Film von Friedrich Wilhelm Murnau


Genre/Keywords:
Expressionismus, Gothic Horror, Stummfilm, Vampire



Knock, ein exzentrischer Grundstücksmakler, beauftragt seinen Angestellten Thomas Hutter nach Südosteuropa, um ein Abkommen abzuschließen. In Transylvanien stößt Hutter auf Einheimische die so vermeintlich abergläubisch sind, dass er die letzte Strecke zu seinem Ziel zu Fuß antreten muss. Im seinem unheimlichen Schloss entscheidet sich der leichenblasse Graf jedoch nicht nur für das angebotene Eigentum, sondern ins geheim auch für Hutter's Frau Ellen, deren Miniatur er auf Hutter's Medaillon bewundert, und die notwendigen Papiere somit unverzüglich unterschreibt. Am nächsten Morgen erkennt Hutter, dass er zwei Bissmale am Hals hat und schon bald kann er die wahre Identität des Grafen entlarven. Doch während dessen dieser auf der Burg eingesperrt ist, befindet sich der Graf samt seinem Sarg auch schon auf den Weg macht zu seinen neuen Gemächern in Wisborg, doch Hutters's Frau Ellen, die seit Nächten unter fieberhaften Halluzinationen leidet, ist auf dessen Ankunft bereits gefasst ...

Mit "Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens" erschuf Friedrich Wilhelm Murnau nicht nur den Prototyp des Vampirfilms (der ungarische "Drakula halála" von 1921 bleibt bis heute verschollen), sondern gleichzeitig eins der bedeutendsten Werke der Filmgeschichte. Dabei hätte dieser beinahe nie das Licht der Welt erblickt, handelt es sich doch um eine unautorisierte Adaption der berühmten gothic novel "Dracula" von Bram Stoker, und da F.W. Murnau die Rechte an Stoker's Vorlage nicht erwerben konnte, ließ er am Original diverse Änderungen vornehmen, die sich sowohl auf die Protagonisten (Namensänderungen etc.), Schauplätze (an Stelle des viktorianischen London wurde die Handlung in die fiktive deutsche Hafenstadt Wisborg verlegt) als auch auf etliche Handlungsstränge (u.a. wurde das Ende umgeschrieben) auswirkten. Dennoch konnte die Witwe des Dracula-Schöpfers, Florence Stoker, 1924 ein Gerichtsurteil erwirken, worauf sämtliche Kopien vernichtet werden mussten. Glücklicher Weise konnten einige Kopien zuvor bereits ins sichere Ausland gelangen, was sowohl die unterschiedlichen Lauflängen, als auch die Farbgestaltung diverser Fassungen erklärt. Bei der originalen Kinofassung, die heute restauriert auf DVD zu bestaunen ist, handelt es sich um einen eingefärbten Film, der die Intention verfolgte, den damals noch nicht vorhandenen technischen Möglichkeiten nächtlich zu filmen, zu imrovisieren. So wurde eine Untermalung in Blau für Nachtszenen verwendet, Rot für die Morgenstunden und Gelb für den Tag. Zwar steht "Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens" klar unter Einfluss des expressionistischen Films, zu dessen Vertretern beispielsweise "Das Kabinett des Dr. Caligari" oder "Der Golem" (1919) gehören, dennoch betritt F.W. Murnau eigene Wege, indem er das expressionistische Schauspiel in einem naturalistischen Gewand präsentiert und immer wieder reale Landschaftaufnahmen als Bildkompositionen als Ausdrucksmittel der "schwarzen Romantik" mit einbezieht. Viele Einstellungen erinnern dabei an die Gemälde von Caspar David Friedrich ("Frau am Fenster"), doch ebenso das gekonnte Spiel mit Licht und Schatten erzeugt eine unheilvolle Atmosphäre, die von Anfang bis zum Ende mit Todessymbolik und unheilvollen Visionen gespickt ist, vor denen es kein Entrinnen zu geben scheint. Seien es die "getöteten Blumen", die Hutter seiner Verlobten schenkt, welche diese mit nachdenklicher, gar schreckenserfüllter Miene entgegen nimmt, die Impressionen vom Strand umringt mit Kruzifixen, an dem Ellen in Erwartung der Todesnachriten ihres Mannes verharrt, oder auch die morbide Verkörperung des Vampirgrafen, begnadet gespielt von Max Schreck, als Überbringer der Pest, der im Gegensatz zu den späteren Dracula-Verfilmungen kein Edelmann darstellt, sondern ein abgemagerter, bleicher, wandelnder Leichnam, mit kahlen Schädel, weit abstehenden spitzen Ohren, krallenartigen Fingern, riesigen Augenbrauen, tiefen Augenrändern, ausgeprägten Vorderzähnen und hypnotischer Blick - und somit dem Ideal der "schwarzen Romantik" ein gespenstisches Äußeres verleiht.



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Quelle Bildmaterial: Kino International, The Ultimate DVD Edition

Trailer



geschrieben von: Odessa

Ah, Du bist wieder da, sehr schön. Du hast auch eine pn von mir, von wegen "Rezensionen" und wo ich sie gerne noch sehen würde;-)

Murnau ist eine Legende. Also nicht (nur) die herrliche Stadt hier in Oberbayern, sondern der von Dir hier erwähnte Filmemacher. Menschen wie er lebten ihre Fantasien in Filmen und gingen dabei perfektionistisch und fantasievoll zugleich vor. Klassiker aus dieser Zeit - unverzichtbar, finde ich, man muß sie als Cineast einfach gesehen haben. Danke für diesen Tip hier für all die jungen Leute, die heute teilweise noch nicht mal mehr wissen, daß es schon VOR "Rambo", "Starwars", "Matrix" und Co. Filme gab ;-)



geschrieben von: Thalamus

PN gelesen und registriert : - )

Nun, mein Anliegen ist es, nicht nur Cineasten etwas Neues zu bieten (es werden auch noch Rezensionen zu unbekannteren Murnau-Filmen folgen), sondern auch jüngere Leute an den phantastischen Film heranzuführen.

Bin auch schon am überlegen, was ich als nächstes ausgrabe *grübel*

Lasst Euch überraschen liebe Cineasten und die, die es werden wollen!



geschrieben von: Odessa

Oh ich liebe Deine subtile Rhetorik - "ausgraben", im Wortgebinde eines morbiden Menschen mit nekromantischen Neigungen. Zu schön ;-) Und ja, Du bist auch schon freigeschalten - also tobe Dich ruhig aus!



geschrieben von: |Dunkelschön|

Das animierte GIF wo er die Treppe hochkriecht finde ich cool. Sollten irgendwann mal im Passfoto animierte GIF´s erlaubt sein wäre das meins :D



geschrieben von: Thalamus



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Der Orden der Blauen Rose präsentiert:


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Edgar Allan Poe Special #1


The Fall of the House of Usher




Die gothic novel "The Fall of the House of Usher" verfasste Edgar Allan Poe im Jahre 1839 und wurde erstmals im gleichen Jahre im Burton's Gentleman's Magazine veröffentlicht, so wie ein Jahr später überarbeitet in der Kurzgeschichtensammlung "Tales of the Grotesque and Arabesque". Die Schauermähr handelt von einem namenlosen Ich-Erzähler, der sich auf den Weg begibt zu dem heruntergekommenen Anwesen eines Jugendfreundes namens Roderick Usher, welches in einer gespenstischen Umgebung liegt. Der Ich-Erzähler erhielt zuvor per Brief die Bitte seines alten Freundes, ihm Gesellschaft zu leisten, da er sich in einer schwerwiegend erkrankten Verfassung befinde. Bei seiner Ankunft findet er nicht nur das Herrenhaus in degenerierten Zustand vor, auch Roger scheint einer Geisteskrankheit verfallen und kurz darauf stirbt die Zwillingsschwester Lady Madeline, die ebenfalls schwer erkrankt war, und nun im Kellergewölbe des Hauses begraben wird. Einige Nächte später, es war eine unruhige stürmische Nacht, betritt ein aufgewühlter Roger das Schlafgemach des Ich-Erzählers. Dieser offenbart, dass er grausige Stimmen höre und gesteht, dass er seine Zwillingsschwester wohl lebendig begraben habe. Im gleichen Moment öffnet sich die Türe und Medaline bricht zusammen auf Roger, der vor Schreck einen Infarkt erleidet. Der Ich-Erzähler flieht panisch aus dem Hause, welches hinter seinem Rücken einstürzt und in dem Wassergraben des Anwesens versinkt ... auch in dieser Kurzgeschichte finden sich viele Leitmotive und Symbole wieder (das Verfluchte, ein sich nicht abwenden zu lassendes Schicksal, scheintot zu sein und lebendig begraben werden, Krankheit, Wahnsinn und Zerfall), die sich immer wieder durch seine Werke ziehen, aber auch in seiner tragischen Biographie fest verankert sind, so dass Poe's Werke stets persönliche Züge tragen, so wie auch das "Haus Usher", ein Spiegelbild seiner Besitzer zu sein scheint, dem Untergang geweiht ...


Poe's gothic novel diente bislang als Vorlage für elf Verfilmungen, von denen ich Euch die drei besten vorstellen werde:

The Fall of the House of Usher (1928)

La Chute de la Maison Usher (1928)

Die Verfluchten - Der Untergang des Hauses Usher (1960)



Liebe Besucherinnen und Besucher,

seid willkommen auf das erste Edgar Allan Poe-Special in meinem Lichtspielhaus!




"Doch Dämonen, schwarze Sorgen,
Stürzten roh des Königs Thron. –
Trauert, Freunde, denn kein Morgen
Wird ein Schloß wie dies umloh'n!
Was da blühte, was da glühte
– Herrlichkeit! –
Eine welke Märchenblüte
Ist's aus längst begrab'ner Zeit."

Edgar Allan Poe




geschrieben von: Thalamus

E.A. POE SPECIAL#1 - 01


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The Fall of the House of Usher

USA, 1928

Ein Film von James Sibley Watson und Melville Webber


Genre/Keywords:
Avantgarde, Experimental, Gothic Horror, Haunted House, Kurzfilm, Stummfilm, Surreal



Dieser 13-minütige Stummfilm aus dem Jahre 1928 ist wie die Lauflänge vermuten lässt eine sehr freie Adaption der Vorlage und auf wenige Schlüsselszenen beschränkt. Im Vordergrund stehen viel mehr die visuellen Spielereien, die stilistisch eine klare Verbeugung vor dem deutschen Expressionismus darstellen. So wurden Filmaufnahmen durch Prismen aufgenommen, um eine optische Verzerrung zu erzeugen, dabei kommt es zusätzlich zu Überschneidungen mehrerer Filmebenen, die sich entweder doppeln oder einander treffen, wobei es mehrere diagonale Einstellungen zu bewundern gibt, die insgesamt den Wahnsinn, der im "Haus Usher" herrscht, perfekt widerspiegeln. Auf plakative Grusel-Effekte wurde dabei gänzlich verzichtet, so dass die Intention eines düsteren Experimentalfilms überwiegt. Erstmalig erschienen im digitalen Zeitalter ist diese interessante Verfilmung von Watson und Webber nebst anderen raren Schätzen auf der Kompilation "Unseen Cinema: Early American Avant Garde Film 1894-1941"



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Quelle Bildmaterial: "Unseen Cinema" (Kino on Video)



geschrieben von: Thalamus

E.A. POE SPECIAL#1 - 02


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La chute de la Maison Usher

Frankreich, 1928

Ein Film von Jean Epstein


Genre/Keywords:
Avantgarde, Haunted House, Gothic Horror, Stummfilm, Surreal



"La chute de la Maison Usher" entstand aus einer Zusammenarbeit der beiden Avantgardisten Jean Epstein und Luis Buñuel ("Der andalusische Hund"), wobei letztgenannter lediglich als Co-Regisseur agierte und sich letztendlich von diesem distanzierte, da Jean Epstein für seinen Geschmack zu sehr von der Edgar Allan Poe-Story abweiche. Andere Quellen hingeben behaupten, Buñuel endzürnte sich an der Besetzung für die weibliche Hauptrolle Madeleine mit Marguerite Denis Gance, die Frau des Napoleon-Regisseurs Abel Gance, was Buñuel als Anbiederung an konservative Filmschaffende empfand. Wie dem auch sei, in einer Geschichte über die Liebe, Kunst und Besessenheit, die auf tragische Weise ineinandergreifen, kombiniert Jean Epstein die Usher-Vorlage mit einem weiteren Schaffen Poes - "Das ovale Portrait". Sir Roderick (fulminant gespielt von Jean Debucourt, dem man den Wahnsinn förmlich aus den Augen liest) ist dabei von der Obsession gefangen, seine Frau Madeleine in einem Kunstwerk zu verewigen, welches mit jedem Pinselstrich in Schönheit und Leben gewinnt, während Madeleine immer mehr an Lebenskraft einbüßt und in Folge ihrer Schwäche zu sterben droht. Weitere atmosphärische Höhepunkte sind die Beförderung des Sarges zur Krypta, sowie die Auferstehung des "lebendigen Leichnams" von Madeleine in einem weißen Totenschleier verhüllt. Genau diese Szenen sind es, welche mit surrealistische Einstellungen und Spezialeffekten das Mitwirken von Buñuel offenbaren, zum anderen Epstein seine wegweisend cineastische Brillanz ausspielen darf, wobei erstmals als Mittel der Dramaturgie mit Zeitlupe und variierende Tiefenschärfe ein gegen Ende verschwommen-vernebeltes trance-artigen Gothic-Oeuvre entsteht, bei dem mit dem Erwachen von Madeleine selbst das Haus Usher zu neuem Leben zu erwachen scheint. Hervorgehoben werden muss ebenfalls die melancholische Filmmusik von Rolande de Cande, die fesselnd mit den jeweiligen Szenen verschmilzt. "La chute de la Maison Usher" ist meine persönliche Lieblingsadaption und dürfte zu einem der herausragendsten Werke des Gothic Cinema als auch der Stummfilm-Ära gekürt werden.




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Quelle Bildmaterial: Image Entertainment



geschrieben von: Thalamus

Danke für das Lob! Werde mir weiterhin Mühe geben ... :)

Es folgt "Die Verfluchten" von Roger Corman mit Vincent Price!



geschrieben von: Thalamus

E.A. POE SPECIAL#1 - 03


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Die Verfluchten - Der Untergang des Hauses Usher

Frankreich, 1960

Ein Film von Roger Corman


Genre/Keywords:
Haunted House, Gothic Horror



"Die Verfluchten" war der Auftakt zu fünf weiteren Verfilmungen nach Edgar Allan Poe, die zwischen 1960-1965 allesamt von Roger Corman inszeniert wurden und mit Vincent Price in einer der jeweiligen Hauptrollen (mit Ausnahme von "Lebendig begraben") bedacht. Auf diese werde ich jedoch noch gesondert einzeln eingehen."Die Verfluchten" ist die erste Adaption, die in Farbe gedreht wurde, und eben dieser macht sich Roger Corman als Stilelement zu Eigen, sei es in der Ausstattung des farbenprächtig dekorierten Herrenhauses, der Kostümierung, oder einer psychedelischen Alptraumsequenz in blauen Nebel gehüllt. Als Kontrast zu der "Lebendigkeit" des Hauses Usher fungieren die Außenaufnahmen, der verdorrten Ödlands und der maroden Schlossattrappe, die für meinen Geschmack jedoch etwas zu kurz kamen. Die Hauptabweichung zur Vorlage besteht in der Liebesgeschichte zwischen Philip Winthrop und Madeline Usher, die relativ augenmerklich in den Vordergrund rückt, was sich seiner Zeit sicherlich als publikumswirksam erwies, und so erntete dieser Film durchwegs gute Kritiken und wurde auch zu einem kommerziellen Erfolg. Ein Meilenstein der Filmgeschichte erschuf Roger Corman nicht, jedoch soliden 60er-Jahre-Grusel und einen gelungen Auftakt zu weiteren Poe-Werken, die bis heute an ihrem Charme nicht eingebüßt haben.



"Es wird sie überraschen wenn ich Ihnen verrate, dass dieses Land einmal ein blühender Garten gewesen ist. Fruchtbare Felder und herrliche Obstgärten umsangten die Bauernhöfe auf denen fröhliche Menschen lebten. Und das Wasser dieses Sees war kristallklar. Schwäne glitten über seine Oberfläche und lachende Kinder tummelten sich über seine Ufer.

Aber das war lange vor meiner Zeit ...

Und dann kam etwas Unheimliches über dieses Land und verwüstete es. Die Bäume verloren ihr Laub und die Blumen verwelkten. Das Korn faulte auf den Äckern und der Geruch der Verwesung strich um die Höfe. Das Wasser der Tümpel wurde schwarz brackig und giftig. Aus heiterem Himmel kam die Pest über das Land, der Pesthauch des Bösen."




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Quelle Bildmaterial: MGM

Trailer



geschrieben von: riomar

Ich liebe Vincent Price!

Er ist großartig in vielen Filmen, z.B. Theater des Grauens, Dr. Phibes, Ruhe Sanft GmbH.



geschrieben von: Thalamus



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Der Orden der Blauen Rose präsentiert:


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CINEMA OF DEATH - SPECIAL


Liebe Freunde des abseitigen Films!

"Cinema of Death" ist eine Zusammenstellung aus fünf experimentellen Underground-Filmen, die sich allesamt auf künstlerische Art und Weise der Todes-Thematik widmen, und dabei auch vor graphischen Bildern nicht zurückschrecken, so bitte ich all diejenigen, die damit ein Problem haben, die folgenden Vorstellungen zu meiden.


Die Kurzfilmsammlung beinhaltet im einzelnen:


Adoration (1987)
Dislandia (2005)
Pig (1998)
Hollywood Babylon (2000)
Le poeme (1986)



"Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke

Der Mann:
Hier diese Reihe sind zerfallene Schöße
und diese Reihe ist zerfallene Brust.
Bett stinkt bei Bett. Die Schwestern wechseln stündlich.

Komm, hebe ruhig diese Decke auf.
Sieh, dieser Klumpen Fett und faule Säfte,
das war einst irgendeinem Mann groß
und hieß auch Rausch und Heimat.

Komm, sieh auf diese Narbe an der Brust.
Fühlst du den Rosenkranz von weichen Knoten?
Fühl ruhig hin. Das Fleisch ist weich und schmerzt nicht.

Hier diese blutet wie aus dreißig Leibern.
Kein Mensch hat soviel Blut.
Hier dieser schnitt man
erst noch ein Kind aus dem verkrebsten Schoß.

Man läßt sie schlafen. Tag und Nacht. - Den Neuen
sagt man: hier schläft man sich gesund. - Nur sonntags
für den Besuch läßt man sie etwas wacher.

Nahrung wird wenig noch verzehrt. Die Rücken
sind wund. Du siehst die Fliegen. Manchmal
wäscht sie die Schwester. Wie man Bänke wäscht.

Hier schwillt der Acker schon um jedes Bett.
Fleisch ebnet sich zu Land. Glut gibt sich fort,
Saft schickt sich an zu rinnen. Erde ruft."

Gottfried Benn




geschrieben von: Thalamus

CINEMA OF DEATH - SPECIAL #1

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Adoration

Belgien, 1987

Ein Film von Olivier Smolders



Genre/Keywords:
Arthouse, Drama, Fake-Snuff, Independent, Kannibalismus, Kurzfilm, True-Crime


"Adoration" ist ein bedrückendes 15-Minuten-Kammernspiel, welches auf ein Verbrechen nach wahrer Begebenheit beruht und den Zuschauer einen Einblick aus der Sicht einer Standkamera gewährt, die so ausgerichtet ist, dass wir den vorderen Teil eines spärlich ausgestatteten Zimmers zu Gesicht bekommen, das Zimmer eines jungen Mannes, der in diesem Augenblick dem Zuschauer mit emotionslosen Blick in die Augen schaut und noch einmal über die Linse wischt, um die bevorstehende Tat vorzubereiten. Wir sehen nun aus dem selben Standbild, wie die (angebetete?) Kommilitonin den Raum betritt, ein Küsschen zur Begrüßung, und anschließend ein Glas Wein. Dabei stoßen beide gemeinsam mit uns - dem noch ahnungslosen Zuschauern - an. Nun scheint der eigentliche Anlass des Treffens - die Vorbereitung eines literarischen Projektes - zu folgen. Die junge Dame ließt aus einem Buch ein betörendes Liebesgedicht, während der junge Mann, die gesprochenen Zeilen mit einem Tonbandgerät aufzeichnet. Der junge Mann möchte sie erneut küssen, doch sie scheint nicht in Stimmung und wendet sich leicht ab. Der junge Mann funktioniert die Standkamera nun zu einer Handkamera um. Schnitt. Und wir sehen, wie er sie in Nahaufnahme filmt, was ihre Stimmung jedoch nicht zu heben scheint und uns gereizt die Sicht mit ihren Händen verdeckt. Der junge Mann funktioniert wieder um zur Standkamera und die letzten Zeilen des Gedichtes werden vertont, was wir nun wieder aus der gewohnten Perspektive verfolgen können. Der junge Mann verlässt dabei kurz das Zimmer, kehrt zurück mit einem Gewehr und schießt der jungen Dame in den Rücken, sie fällt zusammen, der junge Mann legt sich zu ihr auf den Boden, hält ihre Hand, küsst und entkleidet sie zärtlich. Nach einer Kameraumstellung sehen wir dies von schräg oben. Schnitt. Wieder die alte Perspektive. Der junge Mann schneidet etwas aus ihrem Körper, legt es in seinen Mund und schaut in die Kamera während er die Aufnahmen des Gedichtes laufen lässt. Wir sehen nun abermals aus der Sicht einer Handkamera die sämtliche Nahaufnahmen der zerstückelten Leiche filmt und werden Zeuge eines Freitods.

Mit geringsten Mitteln erschuf der belgische Independent-Regisseur Olivier Smolders ein Meisterwerk des abgründigen Films, der den Akt des Kannibalismus als obsessive sexuelle Handlung darstellt, die trotz der Grausamkeit nie selbstzweckhaft wirkt, sondern auf Grund des poetischen Untertons ein nachdenkliches Kammerspiel erzeugt, welches den Zuschauer verstört zurücklässt ...



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Quelle Bildmaterial: Cult Epics



Hintergrund:


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Der Fall Sagawa Issei

Im Jahre 1981 tötete der in Paris studierende Sagawa eine 25-jährige holländische Kommilitonin namens Renée Hartevelt. Die Mordtat ereignete sich während einem Treffen in dessen Wohnung. Er erschoss sie, nachdem er sie gebeten hatte, ihm ein Gedicht vorzutragen. Anschließend schändete er die Leiche und aß Teile von dieser. Da Sagawa aus einer wohlhabenden Familie stammt musste er nach Auslieferung nach Japan keinerlei längere Strafe absitzen und wurde bereits nach 15 Monaten aus einer Psychiatrie entlassen. In seiner Heimat ist der Kannibale seitdem ein "Medienstar", Autor von Romanen bis hin zu einer Autobiographie über sein Leben als Kannibale, sowie ein Buch über einen in Kobe tätigen Serienkiller. In dem Pinku-Film "Shisenjiyou no Aria" (The Bedroom), der von unter Drogen gesetzten Frauen handelt, die somit für SM-Spiele gefügig gemacht werden, spielte Sagawa die Rolle eines sadistischen Voyeurs. An Geschmacklosigkeit wird sein zweifelhafter Ruhm nur noch dadurch übertroffen, dass er von einer Zeitung angestellt wurde, Restaurant-Kritiken für Feinschmecker zu schreiben.

“The public has made me the godfather of cannibalism, and I am quite happy about that.”


Hier findet ihr ein schockierendes Interview des reuelosen Kannibalen



geschrieben von: Thalamus

CINEMA OF DEATH - SPECIAL #2

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Dislandia

USA, 2005

Ein Film von Brian M. Viveros



Genre/Keywords:
Avantgarde, Experimental, Kurzfilm, Stummfilm, Surreal


Das Regie-Debüt des Malers und Filmemachers Brian M.Viveros: ein surrealer Film und eine aufwühlende Beobachtung eines Kindes in einer nicht unterscheidbaren Zeit ... so der kryptische Inhalt laut Machern dieses knapp 30-minütigen Cineasten-Trips in die obskure Welt eines kleinen Mädchens in einem Kleid, welches der Jahrhundertwende anmutet und einer aufgesetzten Maske aus Pappmasché. Wir sehen sie bei scheinbar alltäglichen Tätigkeiten eines Kindes, beim Malen, beim Spielen in der Natur, oder beim Blumen pflücken. Offensichtlich befinden wir uns auf einem verlassenen etwas heruntergekommenen Bauernhof, dessen Umgebung in einem rostigen Braun eingefangen wurde, das Bild mal mehr, mal weniger verwaschen, untermalt von sehr kuriosen Klängen. Auch scheint dort noch eine weitere Person anwesend zu sein, dessen Handlungen im Blauton dargestellt werden und ebenso verworren erscheinen. Ehrlich gesagt bin ich aus diesem faszinierenden Beitrag der Kollektion nicht ganz schlau geworden und wahrscheinlich ist es ein Film, der sich erst nach mehr maligen Ansehen erschließt. Sollte zufällig jemand "Dislandia" gesehen haben, so wäre ich über einen Interpretationsansatz erfreut.


"Starkly poetic"

"I enjoyed the delicate grotesqueness"

"I could not shake the images from my mind"

"for fans of early David Lynch and Alejandro Jodorowsky, as filmed by a cracked-out Salvador Dali…"

"Dislandia... is a quietly eerie, boldly stylized short. It plays out like home movies of a vaguely monstrous little girl wandering through a dying landscape."

- John Chandler, The Portland Tribune




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Quelle Bildmaterial: Cult Epics



geschrieben von: Ardath Bey

Großartig. Weitermachen bitte. Falls du irgendwelches Material brauchst sag bescheid, ich besitze eine kleine Hausvideothek mit einigen kuriosen Titeln, Stum- und S/W Filmen.

Spricht man über revolutionäres Kino darf man Jean D'arc von C.T.Dryer nicht vergessen -> siehe Thema Close Up im Film.



geschrieben von: Thalamus

Danke sehr, freue mich, dass meine Mühe honoriert wird.

Von Carl Theodor Dreyer stelle ich demächst entweder den "Vampyr - Der Traum des Allan Grey" oder sein Frühwerk "Leaves from Satans Book" vor.



geschrieben von: Ardath Bey

Keine Ursache.
Werd dir bald eine Liste via pn schicken; bin zur Zeit nicht zuhause.

Dann bitte "Leaves from Satans Book". Das Thema Vampir ist doch irgendwie überstrapaziert zur Zeit. :D



geschrieben von: Thalamus

Ja sicher, aber die "Twilight"-Generation soll ja auch mal in den Genuß anspruchsvoller Vampirfilme kommen :D

Mal sehen, vielleicht wird's ja ein Dreyer-Special, dann kommt kein Genre zu kurz ;)



geschrieben von: Thalamus

CINEMA OF DEATH - SPECIAL #3

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PIG

USA, 1998

Ein Film von Nico B. und Rozz Williams



Genre/Keywords:
Avantgarde, Fake-Snuff, Experimental, Independent, Kurzfilm, Stummfilm


Dieses knapp 20-minütige grimmige 16mm-Material ist das Abschiedswerk und letzte Projekt der US-Goth-Ikone Rozz Williams, der sich kurz nach den Dreharbeiten das Leben nahm (nähere Infos weiter unten) und an der Seite des Independent-Filmers Nico B. seine kränksten Phantasien in diesem Vermächtnis auf Zelluloid bannte. "PIG", so der Titel, lässt wage Erinnerungen an das grausame Manson Family-Verbrechen wach werden (das "Family"-Member Susan Atkins schrieb das Wort "PIG" mit Sharon Tates Blut an die Haustür der ermordeten), taucht ein in die abstrakte Welt der Psyche eines Killers, der eine Schweinsmaske trägt, und samt Folterkasten und einem okkulten Buche, ein ebenso gesichtslosen unter Bandagen verstecktes Opfer inmitten einer Wüste aufgabelt und dieses in eine abgelegene Wüstenbaracke entführt. Im Kellergewölbe des Einöd beginnt unter beklemmend-grollenden Industrial-Score (des Rozz Williams-Projekts "Premature Ejaculation") eine schmerzhafte sadomasochistische Tortur, der scheinbar in einem Ritualmord nach Anleitung des Buches endet, bei dem zuvor die Genitalien und Brustwarzen des Opfers gepierct werden, und das Wort "PIG" mit einem Rasiermesser auf seine Brust geritzt wird. Was der Killer mit dieser Tat bezwecken will (eine Vereinigung beider Seelen zu einer Art Übermensch?) lässt sich aus den wirren Bildern nur erahnen. Interessant dürfte dieses Machwerk vor allem für Liebhaber des "Cinema of Transgression" und den ähnlich gesinnten Werken von Nick Zedd oder Richard Kern sein, die ebenfalls dem US-Postpunk-Umfeld entstammen. Für den "gewöhnlichen" Zuschauer zitiere ich den Katholischen Filmdienst mit dem obligatorischen: "Wir raten ab!"



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Quelle Bildmaterial: Cult Epics



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Rozz Williams (1963-1998)

Rozz Williams ist der Gründer der US-Death Rock-Gruppe "Christian Death", die 1979 ins Leben gerufen wurde und die frühe amerikanische Postpunk/Gothic-Szene maßgeblich prägte. Doch bereits nach wenigen Jahren verlies Rozz die Band 1985 und wurde vom Frontsänger Valor Kand abgelöst, der noch heute die personell stark veränderte Band leitet. Rozz ging unterdessen diversen Nachfolgeprojekten nach, von denen die bekannteste die Formation "Shadow Project" sein dürfte.

Rozz wurde am 1. April 1998 erhängt aufgefunden. Er wurde von Ryan gefunden, seinem Mitbewohner in ihrem Appartement in West Hollywood. Er hinterließ keinen Abschiedsbrief und es ist nicht bekannt, warum Rozz sich das Leben genommen hat. Bekannt war, dass sein Alkoholismus ihm sehr zu schaffen machte, aber, wie seine Drogensucht, konnte er immer alle physischen und emotionalen Probleme bewältigen. Viele seiner Freunde vermuten, dass der 1.April eine tiefe persönliche Bedeutung für Rozz hatte. Eine Trauerfeier wurde kurz danach im El Rey Theatre abgehalten, und eine kleine Gruppe von Freunden und Familienmitgliedern verstreuten seine Asche im Runyon Canyon (Quelle: rozznet.com)


Christian Death - The Angels (Assassin Mix)

Shadow Project - Home is where

Premature Ejaculation - Dead Horse Riddle



geschrieben von: Ardath Bey

Cinema of Death
Man Bites Dog?



geschrieben von: Thalamus

Zitat:
Original geschrieben von Ardath Bey
Man Bites Dog?


Ja, der hätte auch in diese Collection gepasst (nur nicht von seiner Lauflänge), wird dafür irgendwann separat vorgestellt ...



geschrieben von: Thalamus

CINEMA OF DEATH - SPECIAL #4

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Hollywood Babylon

USA, 2000

Ein Film von Nico B.



Genre/Keywords:
Doku, Experimental, Kurzfilm, Stummfilm


Die knapp 4-minütige Kurzdoku ist eine Hommage an Kenneth Anger's "Hollywood Babylon"-Ausstellung aus dem "Museum of Death" in Los Angeles. Gezeigt werden u.a. die Bestattungsbilder der Marilyn Monroe, JF Kennedy, diverses Material von Charles Manson, sowie eines der Oper, Sharon Tate.



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Quelle Bildmaterial: Cult Epics



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6031 Hollywood Blvd, Los Angeles, CA 90028, USA

Im Besitz des 1995 eröffneten "Museum of Death" befinden sich u.a. zahlreiche Tatort-Fotographien bekannter Mordfälle, Briefe und Zeichnungen berühmter Serienkiller, u.a. von Richard "The Night Stalker" Ramirez, oder ein Selbstportrait des "clown killer" John Wayne Gacy, ein signierter Baseball von Charles Manson, eine Puppe, mit der einst Kannibalen Jeffrey Dahmer "spielte", Utensilien religiöser Fanatiker, wie die der "The Peoples Temple", eine Sekte, bei der in den 70er Jahren bekannt wurde, dass sich 900 Jünger einem Massen-Suizid hingaben. Hinzu gibt es wechselnde Ausstellungen zu Themen wie internationale Bestattungskultur und -riten, Sargausstellungen, Einbalsamierung, Autopsie und Pathologie etc.

Und wer dann immer noch nicht genug hat darf auf Uncle Sam's elektrischen Stuhl - made in America - Probe sitzen.

"A visit to the Museum of Death will possibly leave a visitor shocked, disturbed and hopefully grateful to be alive."

http://www.museumofdeath.net/



geschrieben von: Thalamus

CINEMA OF DEATH - SPECIAL #5

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Le Poème

Frankreich, 1986

Ein Film von Bogdan Borkowski



Genre/Keywords:
Avantgarde, Independent, Kurzfilm, Shockumentary


"Le Poème" steht für die Poesie des Todes, die über eindringliche Bilder einer 10-minütigen realen Autopsie vermittelt wird, während dessen ein nicht sichtbarer Erzähler das Gedicht "Le bateau ivre" von Arthur Rimbaud, einem bedeutenden Lyriker des Fin de Siècle, vorträgt. Zu aller erst jedoch erklingen die Stimmen von spielenden, lachenden Kindern, anschließend ein schweres Atmen bis schließlich die Stimme des Rezitanten einsetzt. Sind dies die Erinnerungen eines jungen Lebens und die letzten Züge eines dahinscheidenden? Schließlich entpuppt sich jener Erzähler als der Leichnam persönlich, der, noch bevor er die letzten Zeilen aussprechen zu vermag, in eine Leichendecke gehüllt und zur ewigen Stille verdammt wird ...



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Quelle Bildmaterial: Cult Epics



DAS TRUNKENE SCHIFF (Le bateau ivre)


Hinab glitt ich die Flüsse, von träger Flut getragen,
da fühlte ich: es zogen die Treidler mich nicht mehr.
Sie waren, von Indianern ans Marterholz geschlagen,
ein Ziel an buntem Pfahle, Gejohle um sich her.

Ich scherte mich den Teufel um Männer und um Frachten;
wars flämisch Korn, wars Wolle, mir war es einerlei.
Vorbei war der Spektakel, den sie am Ufer machten,
hinunter gings die Flüsse, wohin, das stand mir frei.

Derweil die Tide tobte und klatschte an den Dämmen,
flog ich, und es war Winter, wie Kinderhirne stumpf,
dahin. Und wär es möglich, daß jemals Inseln schwämmen,
kein solcher Gischt umbraust' sie, kein ähnlicher Triumph.

Ein leichter Korken, tanzt ich dahin auf steiler Welle:
die erste Meerfahrt haben die Stürme benedeit.
Von solcher Welle heißt es, sie töte und sie fälle -
Die albernen Laternen der Häfen blieben weit!

So süß kann Kindermündern kein grüner Apfel schmecken,
wie mir das Wasser schmeckte, das grün durchs Holz mir drang.
Rein wuschs mich vom Gespeie und von den Blauweinflecken,
fort schleudert es das Steuer, der Draggen barst und sank.

Des Meers Gedicht! Jetzt konnt ich mich frei darin ergehen,
Grünhimmel trank ich, Sterne, taucht ein in milchigen Strahl
und könnt die Wasserleichen zur Tiefe gehen sehen:
ein Treibgut, das versonnen und selig war und fahl.

Die Rhythmen und Delirien, das Blau im rauchigen Schleier,
verfärbt sind sie im Nu hier, versengt sind sie, verzehrt:
so brannte noch kein Branntwein, kein Lied und keine Leier,
wie hier das bittre Rostrot der Liebe brennt und gärt!

Ich weiß, wie Himmel bersten, ich kenn die Dämmerungen,
die Strömung und die Dünung, die Woge, die sich bäumt,
die Früh - verzückt wie Tauben, die sich emporgeschwungen,
und manchmal sah mein Auge, was Menschenauge träumt.

Ich sah die Sonne hängen - mystisch geflecktes Grauen,
und violett, geronnen. Leuchtstreifen, endlos weit,
und sah die Fluten schaufeln und groß die Bühne bauen,
ein Schauspiel sah ich spielen, das alt war wie die Zeit!

Im Traum sah ich die Schneenacht, die grüne, sich erheben:
ein Kuß stieg zu den Augen der Meeres-Au empor.
Ein Kreisen wars von Säften, ein unerhörtes Weben,
und blau und gelb erwachte der singende Phosphor!

Ich folgt und folgt der Horde von wildgewordnen Kühen:
der See, die Klippen stürmte, folgt ich auf ihrem Ritt.
Vergessen wart ihr, Füße der leuchtenden Marien:
hier keuchten Meeresmäuler - sie schloß kein Heiligentritt!

Wißt ihr, ich lief auf Land auf, wie ihrs nicht schaut im Traume:
Des Menschenpanthers Augen - den Blumen beigesellt!
Ich sah im weitgespannten, im Regenbogenzaume
flutgrün die Herden ziehen am Grund der Meereswelt.

Ich sah, wie's in den Sümpfen, den Riesenreusen, gärte,
darin den Leviathan, verwesend zwischen Tang.
Und Wasserstürze sah ich, wo sich die Stille mehrte,
und schaute, wie die Ferne zur Tiefe niedersank!

Sah Gletscher, Silbersonnen, Gluthimmel, Perlmuttfluten,
den braunen Golf, wo greulich ein Wrack beim andern steht,
und sah die Riesenschlange, ein Fraß der Wanzenbruten,
vom Krüppelbaume fallen, von schwarzem Duft umweht!

Wo seid ihr. Kinderaugen, zu schaun die Herrlichkeiten?
Das Schuppengold der Welle, den Goldfisch, der da singt!
- Dies schaumumblühte Driften, dies Zwischeen-Blumen-Gleiten!
Der Wind, der Wind unsäglich, der meine Fahrt beschwingt!

Und litt ich Pein, der Pole und Wendekreise müde,
so schluchzt' es in den Wassern, ich schlingerte dahin,
mit gelbem Saugnapf tauchte empor die Schattenblüte -
ein Weib, so blieb ich liegen, ein Weib auf Weibesknien.

Gewölle und Gezanke hab ich an Bord genommen,
ich war das Vogel-Eiland - blond äugte, was da flog.
Ich trieb mit loser Spante, ich schwamm und ward durchschwommen:
ein Leichnam um den andern, der rücklings schlafwärts zog.

Und ich - verstrickt, verloren im Haar geheimer Buchten,
hinauf ins Vogellose geworfen vom Orkan:
sie fahren nicht, die Klipper, die Koggen, die mich suchten,
des wassertrunknen Rumpfes nimmt sich kein Schlepptau an.

Frei war ich und ich rauchte, von Nebelblau bestiegen,
ich stieß durch Feuerhimmel, ich stieß sie alle ein,
und was den Dichtern mundet, das fühlt ich auf mir liegen:
es waren Sonnenflechten, es war azurner Schleim.

Ich - mondgefleckt, elektrisch: die tollgewordne Planke!
Seepferdchen kam in Scharen und war mein schwarzer Troß.
Ihr Himmel blau und tiefblau, ich sah euch alle wanken,
ich sah, wie euch der Juli durch Glutentrichter goß!

Der Behemoth, der Mahlstrom durchstöhnte jene Breiten,
ich spürte beider Brunstlaut - ein Schauder ging durch mich,
ich schwamm und schwamm durch blaue, durch Regungslosigkeiten -
Europa, deine Wehren, die alten misse ich!

Und ich sah Inselsterne, sah Archipele ragen,
darüber Fieberhimmel - das Tor der Wanderschaft!
- Hats dich dorthin, ins Nächtige und Nächttigste verschlagen,
du goldnes Vogeltausend, du künftige, du Kraft?

Doch wahr, genug des Weinens! Der Morgen muß enttäuschen.
Ob Nacht-, ob Taggestirne, keins, das nicht bitter war:
ich schwoll von herber Liebe, erstarrt in Liebesräuschen -
O du mein Kiel, zersplittre! Und über mir sei, Meer!

Und gab es in Europa ein Wasser, das mich lockte,
so wärs ein schwarzer Tümpel, kalt, in der Dämmernis,
an dem dann eins der Kinder, voll Traurigkeiten, hockte
und Boote, falterschwache, und Schiffchen segeln ließ'.

Wen du umschmiegt hast, Woge, um den ist es geschehen,
der zieht nicht hinter Frachtern und Baumwollträgern her!
Nie komm ich da vorüber, wo sich die Fahnen blähen,
und wo die Brücken glotzen, da schwimm ich nimmermehr!


Arthur Rimbaud (1854 - 1891)




geschrieben von: Thalamus

WEIRD CINEMA #1

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Un chien andalou

Frankreich, 1929

Ein Film von Luis Buñuel und Salvador Dalí



Genre/Keywords:
Avantgarde, Experimentalfilm, Kurzfilm, Stummfilm, Surreal


Die Filmidee für "Un chien andalou", den Begründer des surrealistischen Films, entstand aus zwei skurrilen Träumen heraus. Bei einer Begegnung erzählten sich beide von ihren Träumen und beschlossen kurzerhand, diese zu verfilmen. Während Salvador Dalí von einem Mann, aus dessen Hand von einer Ameisenkolonie bevölkert scheint träumte, enthielt der Traum von Luis Buñuel jene inzwischen weltberühmte Szene, 1929 einen regelrechten Skandal in der Pariser Kunst- und Filmmetropole auslöste, denn noch nie zuvor wurde eine derart graphische Szene auf der Leinwand festgehalten. Diese Eingangsszene zeigt einen Mann, der ein Rasiermesser schärft, dann eine Wolke, die vor dem Vollmond vorbeizieht. Wir sehen eine vor ihm sitzenden Frau und in Großaufnahme einen Schnitt mit dem Rasiermesser nicht nur durch ihren Augapfel, sondern gleichzeitig auch durch die damaligen Sehgewohnheiten der Zuschauer, die im weiteren Verlauf gleich mehrfach auf die Probe gestellt werden sollten. Weitere Szenen, die für viel Furore sorgten, sind ein Transvestit in Nonnenkleidern, ein Mann, der eine Frau sexuell belästigt oder Priesterseminaristen, die an Klaviere festgebunden sind, aus denen Eselskadaver ragen. Keine dieser Szene steht chronologisch oder inhaltlich in irgendeiner Verbindung mit der nächsten. "Un chien andalou" lässt sich rational nicht erfassen und entbehrt jegliche Logik, so dass alle Interpretationsversuche für das Gezeigte zum Scheitern verurteilt sind.

»Ich hatte einen Film entworfen, von dem ich wollte, dass er die Denk- und Sehgewohnheiten und den Geschmack der Intellektuellen und Snobs der Hauptstadt an spießbürgerlicher Unterhaltung schockierte und erschütterte, einen Film, der jeden Betrachter in die geheime Mitte seiner Kindheit, zu den Quellen des Traums, des Schicksals und des Geheimnisses von Leben und Tod zurückversetzen sollte...«

Salvador Dalí




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Quelle Bildmaterial: Transflux Films



geschrieben von: Thalamus

UNDEAD CINEMA #2


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Dracula

USA, 1931

Ein Film von Tod Browning


Genre/Keywords:
Gothic Horror, Vampir


Der Makler Renfield reist im Auftrag des englischen Geschäftsmanns Jonathan Harker in die tiefsten Karpaten nach Transsylvanien, um dem dort ansässigen Grafen Dracula einen Kaufvertrag für ein Gemäuer in England vorzulegen. Trotz Warnungen der Dorfbewohner macht sich Renfield auf den Weg in die abgelegene Burg. Dort gerät er in den Bann des Grafen und wird von dem Vampirherrscher gebissen von nun an zu dessen Diener. Gemeinsam brechen beide mit einem Schiff nach England auf, wo es Dracula besonders auf Familie Seward, allen voran Harker's Geliebte Mina Seward, abgesehen hat. Doch ein Freund der Familie, Professor Van Helsing, ahnt, was es mit dem Grafen wirklich auf sich hat ...

Tod Browning's Dracula ist sowohl die erste legitime Dracula-Adaption, also auch der erste Dracula-Tonfilm, wenn gleich der Film weniger auf der Feder Bram Stokers basiert, sondern viel mehr auf dem Theaterstück von Hamilton Deane und John L. Balderston, der auch die Skripte zu "Frankenstein" und "Die Mumie" schrieb, für das Bela Lugosi bereits seit 1927 in der Titelrolle auf der Bühne stand. So verwundert es nicht, dass der Film die in Stoker's gothic novel vorhandene Potentiale nicht ausschöpfte, was zu einem an dem knappen Budget lag, zu anderem an den strengen amerikanischen Zensurrichtlinien der 30er Jahre. So ziert sich der Film in seinen "vampirischen" Szenen mehr als zahm und auf ein biederes amerikanisches Publikum zugeschnitten, so dass dem Zuschauer weder Bisse, noch Wundmale, geschweige denn die Pfählung durch Van Helsing, zugemutet werden und stets rechtzeitig abgeblendet wird, sobald sich Dracula einer verlockenden Halsschlagader nähert. Interessanter Weise gibt sich die spanische Version, die an den selben Drehorten und Kulissen unter der Regie von George Melford mit spanischen Darstellern und Carlos Villarias in der Dracula-Rolle, bei Nacht gefilmt wurde, nicht ganz so verklemmt und etwas freizügiger (so sind es nun z.B. die Vampirbräute, die sich über Renfield hermachen), und wird von vielen Kritikern sogar als die bessere Version bezeichnet, auch George Robinson's Kameraarbeit, die einen weitaus lebendigeren Eindruck hinterlässt als die eher zurückhaltende Arbeit der Kamera-Legende Karl Freund ("Der Golem, wie er in die Welt kam" 1920), der sein Talent lediglich im virtuosen Einfangen Draculas ausspielt, dürfte zu dieser Bewertung beitragen. Zum anderen wurden Dialoge erweitert, so dass viele Szenen flüssiger erscheinen, und insgesamt weniger einem abgefilmten Theaterstück gleichen. Dem würde ich sogar zustimmen, wäre da nicht der Auftritt des einzigartigen Bela Lugosi, der sich mit seiner Rolle mehr als nur zu identifizieren scheint und dieser dank seiner theatralischen Gestik und hypnotisierender Mimik eine geheimnisvolle, fesselnde Aura verschafft, die mit einer geschickten Ausleuchtung von Draculas Augen versehen ist, dessen Ausstrahlung dadurch noch verstärkt wird. Schade nur, dass Tod Browning's Dracula lediglich in den ersten 20 Minuten, die Transsylvanien und die Burg des Grafen in liebevollen Bildern (zerklüftete Felsen als Hintergrundgemälde und düstere Burggemäuer samt Spinnengewebe als Studiokulisse) von ihrer unheimlichsten Seite zeigen, ein göttlicher Film ist, und die zweite Filmhälfte, die in London spielt, daran nicht anknüpfen kann.


»Hören Sie die Wölfe? Das sind die Geschöpfe der Nacht. Welch' wunderbare Musik sie machen ...«

»Die Spinne spinnt ihr Netz für die unaufmerksame Fliege, ihr Blut gibt ihr Leben, Mr. Renfield ...«

»Zu sterben, wirklich tot zu sein, das muss was Wunderbares sein ...«



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Quelle Bildmaterial: Universal



geschrieben von: Thalamus

STRANGE CINEMA #1

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Das Cabinet des Dr. Caligari

Deutschland, 1920

Ein Film von Robert Wiene


Genre/Keywords:
Avantgarde, Drama, Expressionismus, Krimi, Mystery, Stummfilm, Surreal


Caligari, ein Hypnotiseur, führt ein somnambules Medium (Schlafwandler) namens Cesare auf einem Jahrmarktsplatz vor. Cesare hat die Begabung die Zukunft der staunenden Besucher vorherzusagen kann die Todeszeit eines jeden Menschen genau benennen. Der Somnambule sagt für einen Besucher namens Alan den nächsten Morgen als Todestag voraus. Dieser wird am nächsten Morgen tatsächlich tot aufgefunden. Francis, ein Freund von Alan, hegt den Verdacht, dass Caligari ein Wahnsinniger und für die Mordserie verantwortlich sei, die den Ort derzeit erschreckt. In der darauf folgenden Nacht befiehlt Caligari den hypnotisierten Cesare Francis' Schwarm Jane zu ermorden. Doch womit Caligari nicht rechnet: Cesare verliebt sich in Jane und versucht diese zu entführen. Als Dr. Caligari gestellt wird flieht dieser verfolgt von Francis in eine Psychiatrie, nicht ahnend, dass Dr. Caligari der Chefarzt des Hauses ist ...

Da dieses Geschehen des Films jedoch in eine Rahmenhandlung eingebettet ist, wird der Zuschauer von Beginn an in die Irre geführt, denn am Ende, wenn die Rahmenhandlung wieder eisnetzt, sehen wir Francis als Insasse der Psychiatrie, der die Geschichte einem anderen Patienten erzählte, und die sich die Gesamthandlung somit lediglich als eine Wahrvorstellung eines geistig Verworrenen entlarvt? Diese Surrealität des Meisterwerks des deutschen expressionistischen Stummfilmkinos spiegelt sich ebenso in der Künstlichkeit der Architektur und Dekoration wieder, denn der Film spielt in einer selbst erschaffenen Welt des Unnatürlichen, einer Stadt aus schiefen Ebenen, verzerrten Perspektiven, spitzen Winkeln, geometrischen pyramidalen Konstruktionen und gemalten Schatten. Gassen, Häuser und Räume erscheinen als Ausdruck der Verzerrung einer verängstigten Psyche. Die expressionistischen Künstler Hermann Warm, Walter Reimann und Walter Röhrig haben für die Ausstattung des Films erstaunliche Arbeit geleistet. Doch "Das Cabinet des Dr. Caligari" ist auch ein bedeutendes Mahnmal seiner Zeit. Der Filmwissenschaftler Siegfried Kracauer analysierte gar eine Vorahnung auf die (sich bereits ankündende?) Diktatur des Nationalsozialismus, der Instrumentierung und Manipulation von Menschen zur Durchsetzung einer Gewaltherrschaftwurde (ähnlich dem willenlosen apathischen Cesare, der unter dem Befehl Caligaris mordet) sowie das Auflehnen gegen ein bestehendes Systems, in dem jedes kritisches Handeln und Hinterfragen als Wahnsinn denunziert wird.


»Der Druck von vier Jahren Weltkrieg, der noch frisch in unserem Geist, in unseren Herzen, ja selbst in unseren Gliedern war. Eine Staatsautorität, die sich auf uns berief und uns zwang, an einem unsinnigen Krieg teilzunehmen, liegt außerhalb der Vernunft. Das wurde in unserem Film durch den alten Professor, den großen Psychiater, den berühmten und geachteten Direktor der Irrenanstalt, charakterisiert, der sich selbst in Dr. Caligari, den Mörder, verwandelte. Er ist die personifizierte Autorität...«

Hans Janowitz, Drehbuchautor




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Quelle Bildmaterial: Kino Int.



geschrieben von: Thalamus

UNDEAD CINEMA #3


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Vampyr - Der Traum des Allan Gray

Deutschland, 1932

Ein Film von Carl Theodor Dreyer


Genre/Keywords:
Avantgarde, Experimental, Surreal, Vampire


Ein Reisender namens Allan Gray kehrt in einem Gasthof in der Ortschaft Courtempierre ein und erfährt nach und nach das tragische Unglück, welches über dieser Ortschaft verweilt, der Bann einer Vampirin namens Marguerite Chopin, die sich den Dorfarzt und seinen Gehilfen, der ein Holzbein trägt, zu Dienern gemacht hat und ein junges Mädchen namens Leone, die unter einer seltsamen Blutarmut zu leiden scheint, zu ihrem nächsten Opfer auserkoren hat. Der zwielichtige Dorfarzt kann Allan Gray zu einer Blutspende überreden, die der geschwächten Leone das Leben retten soll. Nach der Bluttransfusion erleidet Allan Gray fieberhafte Halluzinationen, die ihm die Wahrheit offenbaren. Zusammen mit dem Schlossdiener und einer alten Chronik über das Erscheinen und Vernichten von Vampiren, macht sich Allan Gray auf den Weg zum Dorffriedhof ...

Inspiriert worden sein soll der dänischen Regisseur Carl Theodor Dreyer von Joseph Sheridan Le Fanu's berühmter gothic novel "Carmilla" (1872), was jedoch lediglich das Auftreten eines weiblichen Vampirs zutrifft und sonst kein formaler Zusammenhang zu erkennen ist. Viel mehr scheint sich Dreyer in die Mythologie und den osteuropäischen Vampyr-Volksglauben eingelesen zu haben, wie er beispielsweise dem historischen Dokument von Michael Ranft, "Tractat von dem Kauen und Schmatzen der Todten in Gräbern, worin die wahre Beschaffenheit derer Hungarischen Vampyrs und Blut-Sauger gezeigt, auch alle von dieser Materie bißher zum Vorschein gekommene Schrifften recensiret werden" (1734), zu Grunde liegt. In dieser Abhandlung wird unter anderem der Fall des serbischen Bauern Peter Plogojowitz aus dem Dorfe Kisilova geschildert, der als "Vampyr" für das Sterben sämtlicher Dorfbewohner verantwortlich gemacht wurde, und nach Öffnen seines Sarges der unverweste Leichnam gepfählt und verbrannt wurde, wonach wieder Ruhe in das Dorf einkehrte. So wird die Ortschaft Kisilova auch in dem fiktiven Werk über die "Geschichte der vampire", dem Allan Gray wichtige Informationen zur Rettung entnimmt, erwähnt. Herausgekommen ist dabei schlussendlich eine Gratwanderung zwischen Traum und Wirklichkeit, die fast ohne Dialog auskommt, und den Zuschauer in eine Schattenwelt entführt, die von Kameramann Rudolf Mate mit innovativer Ausleuchtungstechnik eingefangen wurde, bei der eine Art Weichzeichnung erzeugt wurde, in dem das Filmmaterial vorbelichtet wurde, und somit kontrastschwächer erscheint, so dass bestimmte Szenarien einem hypnotisch verschwommenen Spiel aus Schatten und Lichtschleichern gleicht. Eine der fantastischsten Szenen wäre zum einen die Verfolgung des Schattens eines einbeinigen Wachmanns, der auf einer Bank sitzt, zu der sein Schatten zurückkehrt und seine rationale Position einnimmt. Ebenso unvergesslich ist jene Vision, in der sich Allan Grey selber als Verstorbener in einem Sarg liegen sieht und durch die Luke im Sargdeckel Zeuge seiner eigenen Beerdigung wird. Schon zuvor verschwimmt dabei die Grenze zwischen Leben und Tod, denn auch Allan erscheint dabei als Schattenwesen, welches seinen eigenen Leichnam im Sarge vorfindet.


"Von 1730-1735 war von nichts anderem die Rede als von Vampyren, ... je mehr man verbrannte, desto mehr tauchten auf"

Voltaire, 1785


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Quelle Bildmaterial: Criterion



geschrieben von: Thalamus

Zitat:
Original geschrieben von Thalamus

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La chute de la Maison Usher

Frankreich, 1928

Ein Film von Jean Epstein






Habe vor kurzem übrigens ein Musikvideo von Das Projekt der krummen Mauern entdeckt mit Filmausschnitten - Gothic Rock aus Brasilien (Geheimtipp!)



geschrieben von: Thalamus

Nächtliche Grüße werte Besucherinnen und Besicher, nach einer kleinen Auszeit geht es hier nun wieder weiter.

Im Namen des Ordens

Euer Thalamus




geschrieben von: Thalamus

UNDEAD CINEMA #4


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Der Vampir von Notre Dame

Italien, 1957

Ein Film von Riccardo Freda und Mario Bava


Genre/Keywords:
Drama, Gothic Horror, Krimi, Sci-Fi, Vampire


In Paris ereignete sich eine Serie unerklärlicher Mordfälle: Aus der Seine werden wiederholt die blutleeren Leichen junger Frauen gefischt und in ganz Paris ist plötzlich die Rede von einem "Vampir", der in der Stadt der Liebe sein makabres Unwesen treibt. Ein reges Interesse an diesem Fall zeigt ebenso der Reporter Pierre Lantin, der auf eigene Faust ermittelt, um den Täter zu überführen. Doch während seinen Ermittlungen gerät er in das Visier der Herzogin Giselle du Grand, die sich in ihn zu verlieben scheint. Deren wohlhabende Tante war es, die sich einst in Pierres Vater unglücklich verliebte, doch nun scheint auch der Herzogin das gleiche Schicksal zu ereilen, dann auch Pierres Herz gehört einer anderen. Während eines Tanzballs im alten Schloss der Herzogin verliebt sich ausgerechnet Pierres Begleiter Ronald Fontaine in Giselle du Grand. Des Nachts dringt er in deren Gemächer ein, um ihr ein Liebesbekenntnis zu unterbreiten, doch er muss mit ansehen, wie seine angebetete ihr waren Wesen offenbart, und in Sekunden altert. In Wirklichkeit ist sie bereits über 100 Jahre alt, doch hat ihr Cousin, der Wissenschaftler Julien du Grand, eine Art Lebenselixier entwickelt, mit dessen Hilfe sie für kurze Zeit ihre Jugendhaftigkeit zurückgewinnen kann. Um dieses Trugbild aufrecht erhalten zu können, wird das Blut junger Mädchen benötigt ...

"Der Vampir von Notre Dame" gilt als erster italienischer Horrorfilm, der hauptsächlich mit dem Regisseur Riccardo Freda in Verbindung gebracht wird, jedoch gleichzeitig das inoffizielle Regiedebüt des Kamera-Virtuosen Mario Bava darstellt, der zwar anfangs ausschließlich für die stilvolle Kamera zuständig war, die bereits sein Talent für stimmige Bildkompositionen aufblitzen lassen, nachdem dieser auch für die Regie und Fertigstellung verantwortlich war, weil sich der eigentliche Regisseur Freda nach zehn Drehtagen auf Grund Differenzen mit den Produzenten ausklinkte.Anzumerken bleibt, dass das tragende Hauptgerüst des Films eindeutig die 'moderne' Kriminalhandlung nach Vorbild des Neorealismus bildet (und dabei gleichzeitig das Motiv des schwarzbehandschuhten Killer der italienischen "Giallo"-Thriller vorwegnahm), welches mit Motives des Gothic Horror der Universal Studios (die sich ausschließich auf die Szenen der Familie du Grand und deren prachtvolles Anwesen samt Friedhof, Kapelle und Geheingang), den Mad-Scientist-Motiven von Shelly's "Frankenstein", sowie dem Mythos der Blutgräfin Bathory, welcher den einzigen vampirischen Aspekt des Films darstellt, bereichert wird."Der Vampir von Notre Dame" ist kein herausragender Genrebeitrag, aber ein filmhistorisch wichtiges Werk, und gleichzeitig eine kleine Fingerübung für die bevorstehenden großen Filmkünste des Mario Bava.


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Quelle Bildmaterial: Anolis



geschrieben von: Thalamus

DISTURBING CINEMA #1

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SNIP

Spanien, 2008

Ein Film von Julien Zenier



Genre/Keywords:
Gore, Independent, Kurzfilm, Psycho, Stummfilm


In den folgenden knapp 10 Minuten Zelluloid beobachten wir einen Mann, der mit einer Fernbedienung in der Hand wie gebannt vor seinem TV-Gerät verharrt und von einem Programm zum nächsten zappt, dabei einer Flut von medialen Bildern ausgesetzt scheint, die ihn in seiner inneren Welt aus Apathie, Entfremdung, Leere und Verzweiflung gefangen halten. Plötzlich steht er auf, schließt seine Videokamera an das TV-Gerät, entkleidet sich und zelebriert einen schmerzvollen Akt der Selbstbefreiung, indem er sich mit einem Teppichmesser Arme, Oberkörper und Gesicht zerschneidet.

Seine Intention beschreibt der Regisseur Julien Zenier in folgenden Worten:

"It's first and foremost a reflection on how people slowly allow themselves to become numb and dehumanized, how they become slaves ... and what it takes to rise up again as free beings. It started with a recurrent nightmare I had about someone peeling his skin off. On and on, like a never-ending loop. All in vivid and gory details as if David Lynch had shot the skinless kiss scene from Hellbound: Hellraiser II. At it's core, SNIP is about emotions and feelings long buried, bubbling up to the surface again. It's about someone who stands up against his own apathy. Even if there's not an immediate connection SNIP is a very personal take on the "New Flesh" theme. The character played by Zoe definitely shares the same disconnected-ness and loneliness as any "cronenbergian" figure. He's at odds with himself and unable to communicate other than through extreme body modifications."

SNIP ist ein auf jeder Ebene perfekter Kurzfilm, der auch filmtechnisch auf höchstem Niveau inszeniert wurde. Julien Zenier plant bereits einen weiteren Kurzfilm, bleibt zu hoffen, dass dieser vielversprechende Regisseur in Zukunft auch einen Film in Spielfilmlänge realisieren wird, und natürlich, dass er seinem Stil und der radikalen Bildsymbolik treu bleibt.



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Quelle Bildmaterial: Producciones Invisibles



geschrieben von: Thalamus

UNDEAD CINEMA #5


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El Vampiro (The Vampire)

Mexiko, 1957

Ein Film von Fernando Méndez


Genre/Keywords:
Gothic Horror, Vampire


Die junge Marta befindet sich auf dem Wege zu dem Landgut ihrer im Sterben liegenden Tante, welches sich in einer ländlichen Gegend, der Sierra Negra befindet. Am Bahnhof der nächstliegend größeren Ortschaft trifft sie auf Dr. Enrique, der mit ihr die selbe Route teilt, und einen seltsamen Kutscher, der am Bahnhof erscheint, um von dort eine Kiste gefüllt mit ungarischer Erde zu dem Anwesen des Grafen Duval zu transportieren, der unmittelbar in der Nähe der Hazienda der Tante ansässig sein soll. Nachdem die beiden vom Kutscher ein Stück des Weges durch einen finsteren Wald mitgenommen werden, treffen sie auf das verödete Anwesen der Tante, dass einer Geisterstadt teilt, und werden von deren Tod in Kenntnis gesetzt, man sagte, dass sie schon einige Zeit lang dem Wahnsinn verfallen, und zur nächtlicher Zeit immer wieder von Vampiren bedroht worden sei ...


Ein cineastisches Trauerspiel, dass dieser Urprototyp des klassischen Vampirfilms bis heute in unseren Gefilden als nahe zu unbekannt gilt, und selbst in einschlägigen Nachschlagewerken sträflich unterschlagen oder vernachlässigt wird. Sicherlich, seine exotische Herkunft aus mexikanischen Lande machte es diesem Werke nicht gerade einfach seinen Namen unter den Klassikern zu etablieren, das darf jedoch nicht als Ausrede gelten, ist Mexiko für den wahren Kenner und Liebhaber des phantastischen Films doch die Wiege für eine Vielzahl an Referenzwerken, wenn wir uns dem klassischen Schwarzweiß-Horrorfilm der 50er und 60er Jahre widmen, "The Curse of the Crying Woman", "The Witch's Mirror" oder "The Black Pit of Dr. M" (ebenfalls von Fernando Méndez) - um nur einige jener Schätze zu erwähnen. Schon ein Jahr bevor die britischen Hammer Studios mit ihrem (in Technicolor gedrehten) "Horror of Dracula" eine Vampir-Welle ungeahnten Ausmaßes auslöste, darf der Vampir, verkörpert durch German Robles, in El Vampiro zum ersten Mal auf der Leinwand seine Fangzähne sichtbar präsentieren und versteht sich somit als eigenständiges Bindeglied zwischen dem aristokratischen Auftritt des Bela Lugosi und der animalischen Seite des Christopher Lee. Alle Achtung gebührt der, wie für das Latino-Kino üblich, sehr temperamentvollen Inszenierung von Fernando Méndez, die der 31er Dracula-Verfilmung weit überlegen ist, und in den nebelverhangenen Gothic Bildern gerade zu schwelgt.

"...Fernando Mendez is one of the absolute masters at creating atmosphere. His films are full of inventive, purely cinematic moments that transcend their shoestring budgets. Truly one of the Mexican masters of Fantastic cinema..."

Guillermo Del Toro ("Pan's Labyrinth")




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Quelle Bildmaterial: Casa Negra



geschrieben von: Thalamus

WEIRD CINEMA #2


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Amalgam

England, 2007

Ein Film von Craig Murray



Genre/Keywords:
Experimental, Independent, Horror, Kannibalismus, Kurzfilm, Stummfilm, Surreal


"In the realm of the senses a man asleep imagines himself victorious until awake."

"Amalgam" ist ein kleiner, ungeschliffener, experimenteller Rohdiamant, der bislang lediglich auf einigen Independent-Festivals zu sehen war. Das Filmmaterial einer ursprünglichen Lauflänge von 52 Minuten wurde mehrfach editiert, erweitert, und mit 400 neuen (Industrial-) Soundeffekten ausgestattet, und liegt nun in einem 33 minütigen Final Cut vor, der den rasanten Schnitt noch zusätzlich verstärkt und an die "Cyberpunk"-Werke von Shinya Tsukamoto erinnert. "Amalgam" handelt von einem vergifteten (?) Mann, der unter Wahnvorstellungen leidet, eine Frau ermordet, und deren Leichenteile verspeist. Anschließend verliert sich der Film in einem Sog aus (sado-) erotischen Visionen und skurrilen Szenarien wie z.B. eine fleischigen (Wieder-) Geburt in bester cronenberg'schen "Body Horror"-Manier!


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Quelle Bildmaterial: Promo


Trailer: http://vimeo.com/4748093



geschrieben von: Thalamus

STRANGE CINEMA #2

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In memory of the day passed

Russland, 1990

Ein Film von Sharunas Bartas



Genre/Keywords:
Arthouse, Independent, Kurzfilm, Stummfilm


"Schon lange bewundere ich die Stadt. Manchmal scheint sie sogar eine Schöpfung der Natur zu sein, scheint es, dass irgendeine unsichtbare Macht viele Menschen zu einem einzigen großen, lebendigen Organismus vereint hat. Manchmal scheint der Mensch gegen seinen Willen zu diesem Wesen zu streben, um mit ihm zu verschmelzen, sich in seinem Blutkreislauf aufzulösen, seine kleine Existenz in jenem Stimmengewirr aufgehen zu lassen, das mit dem Tag anhebt und mit der Nacht abklingt. Nirgendwo fühlt sich der Mensch so einsam wie in der Stadt. Und nirgendwo stürzt er sich in solche aberwitzigen Lustbarkeiten."

Sharunas Bartas



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Quelle Bildmaterial: Bartas Film



geschrieben von: Thalamus

UNDEAD CINEMA #6


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El ataúd del Vampiro (The Vampire's Coffin)

Mexiko, 1958

Ein Film von Fernando Méndez


Genre/Keywords:
Gothic Horror, Vampire


Im Sequel zu El Vampiro wird die Geschichte um den Vampir Lord Duval geschickt weitergesponnen. Dabei wird direkt an das Erstlingswerk angeknüpft, indem die Vampirleiche des Lords von Dr. Mendoza mit Hilfe eines bezahlten Schurken namens Baraza aus seinem Grab in der Sierra Negra entwendet und in eine Klinik nach Mexiko City transportiert wird, mit dem Vorhaben Mendozas eine medizinische Untersuchung einzuleiten , um die Wahrhaftigkeit des Vampirmythos um Lord Duval nachzugehen. Sein Plan wäre fast aufgegangen, wäre da nicht der unersättliche Baraza, der sich mit seiner Bezahlung nicht zufrieden gab, sich eines Nachts zurück in die Klinik schleicht, um ein Medaillon zu stehlen, mit dem Lord Duval eingesagt wurde und dabei doch glatt die pfählenden Eisenstange entfernt ...

Leider fällt "El Ataud Del Vampiro" nach jenem schaurig-schönen Vorspann im Vergleich zum Vorgänger deutlich ab, kann die neue Kulisse, die sich hauptsächlich in einem Krankenhaus, dem Wachsfigurenkabinett und einem Theater doch nicht annähernd die gotische Atmosphäre transportieren wie die nebelverhangenen Wälder samt Landgut der Sierra Negra, wie sie im Erstling "El Vampiro" zu beeindrucken wusste. Dennoch beweist Fernando Méndez auch hier sein Gespür für stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Fotographie bei der vor allem ein expressionistisches Schattenspiel während einer Verfolgungssequenz hervorsticht, welches Erinnerungen an "Nosferatu - Phantom der Nacht" aufleben lässt.



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Quelle Bildmaterial: Casa Negra



geschrieben von: JohnSteed

Naja, dann kannst du vielleicht auch einiges mit

"Mann beisst Hund" anfangen..........(?)



geschrieben von: Thalamus

Ja, selbstverständlich! Es wäre mal an der Zeit den hier vorzustellen, aber vorher kommt noch etwas anderes.



geschrieben von: Thalamus

STRANGE CINEMA #3


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Melancholie der Engel

Deutschland, 2009

Ein Film von Marian Dora



Genre/Keywords:
Arthouse, Drama, Experimental, Exploitation, Independent


Prolog zur Melancholie ...

Zwei junge Damen namens Bianca und Melanie besuchen einen Vergnügungspark und treffen dabei auf zwei ältere Herren, die ihnen zuerst etwas suspekt erscheinen. Dennoch scheinen die beiden Mädchen von den beiden Männern fasziniert und begleiten diese in eine Bar, um von dort aus zusammen mit einer weiteren Frau in deren Wagen steigen und sich auf eine ahnungslose Reise voller Lust, Schmerz und Ekel zu begeben, die irgendwo auf einem heruntergekommenen Gehöf in einem abgelegenen Landstrich endet …

"Es geh'n zwei Gäste ein und aus
So lang' ihr wohnt in diesem Haus
Sie heißen Lieb' und Leid
Ihr sollt sie wohl empfangen beid'"



"Melancholie der Engel" ist einer jener Filme, der in cineastischen Kreisen bereits vor seiner Veröffentlichung für viel Gesprächsstoff sorgte, obwohl er ein Jahr zuvor lediglich im Rahmen zweier spezieller Filmfestivals gezeigt wurde, dem deutschen "Weekend of Fear" sowie dem New Yorker Intl. Independent Filmfestival, wo er als bestes Arthouse-Feature ausgezeichnet wurde. Das nun präsentierte Endergebnis in Überlänge zelebriert ein explizites Exempel der "schwarzen Romantik" im Film und führt den geneigten Zuschauer über idyllische Landschaftaufnahmen in eine als "schön" und "lebendig" verklärte Welt, deren Sichtweise auch schon wieder im nächsten Moment durch Nahaufnahmen von Maden, Würmern, Spinnengetier, Schnecken, verwesenden Tierkadavern und Skeletten, "entlarvt" und zu Nichte gemacht wird - wobei alles Lebende um die Protagonisten herum zu verblühen droht, die sich ihrem Schicksal zu fügen scheinen. Diese Ästhetik des Zerfalls zieht sich über das gesamte Werk verknüpft mit vielen weiteren Sinnbildern, zum Beispiel jene Szenerie in der sich Eros und Thanatos die Hand reichen, und über einen Zusammenschnitt von Bildern zweier sich gleichzeitig abspielender orgiastischer Handlungen, die ihren Ausdruck während einem Geschlechtsakt und der blasphemischen Lasterhaftigkeit einer Nonne ihren orgiastischen "Höhepunkt" in der Schlachtung eines Schweins findet.

Noch eins vorweg: Wer etwas in die Richtung der momentan überaus beliebten Terror- und Folter-Streifen a la "SAW" und gradlinig gestrickte Unterhaltung erwartet, sollte diesen Gedanken wieder schnell im Hinterstübchen begraben und sich wieder dem abendlichen TV-Programm widmen. Trotz der immens unangenehm anzuschauenden Gräuel- und Ekelszenen, die von den knapp 160 Minuten Spielzeit maximal 15 Minuten ausmachen und in denen kein Körpersekret ausgelassen wird, darf "Melacholie der Engel" keineswegs darauf reduziert werden, würde der Film auch ohne diese Szenen funktionieren. So dienen diese viel mehr der Intensivierung des Geschehens und unterstreichen die nihilistische Grundstimmung, zu deren Authentizität auch die herausragenden Leistungen der Darsteller beitragen, die am Set ebenso bis an ihre Grenzen gehen mussten, und denen das Drehbuch vorenthalten wurde, um sich dem Wahnsinn unvoreingenommen und ich Echtzeit hingeben zu können. Hierzu sei noch erwähnt, dass die Machern in einem öffentlichen Schreiben auf Grund von Beschwerden, die an das das Label (Shock DVD) gerichtet wurden, beipflichteten, dass weder Mensch noch Tier zu Schaden gekommen wäre, und lediglich die besagte Schlachtung echt sei, die mit einer Drehgenehmigung auf einem Bauernhof aufgezeichnet wurde. Als eigene Anmerkung würde ich noch ergänzen, dass ebenfalls die Kadaver einen recht "biologischen" Eindruck hinterließen, und vermutlich auch für den ein oder anderen verblüffend real erscheinenden Trickeffekt eingesetzt wurden.



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Quelle Bildmaterial: Shock DVD



geschrieben von: Thalamus

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Quelle Bildmaterial: Shock DVD



"Pathetisch, gewaltätig, assoziativ, hypnotisch, theatralisch, romantisch, musikalisch, metaphysisch, tragisch mit Schwerpunkt auf audiovisueller Gestaltung ist "Melancholie der Engel" ein Werk, welches vor allem emotional erfahren werden will. Wem dies nicht ausreicht, dem bietet sich eine komplex gestaltete Geschichte über Freundschaft, Leidenschaft, Rache und Todessehnsucht, die jedoch eine intensivere Beschäftigung mit dem auf mehreren Ebenen funktionierenden Film voraussetzt. In ästhetisierten, zärtlichen Bildern wird der oft fassungslose Zuschauer Zeuge von Vorgängen, bei denen sich ganz offensichtlich schon während der Dreharbeiten die Grenze zwischen Realität und Fiktion verwischt haben. Nur scheinbar im Widerspruch hierzu wird das Geschehen durch reichlich Zitate vor allem deutscher Kulturhistorie kontrapunktiert und somit das Werk auf ein mächtiges geistesgeschichtliches Fundament gestellt (...) Als überaus persönliches Werk nimmt der Film weder in inhaltlicher noch in formaler Hinsicht Rücksichten auf Konventionen. Herkömmliche Seh- und Denkgewohnheiten sowie allgemein akzeptierte und vorausgesetzte moralische Modelle werden erschüttert, bleiben unanwendbar (...) So steht der Film ganz unverschleiert zu dem, was er ist: höchst kontroverses Undergroundkino, poetisch, radikal, originär, schwer zu nehmen und unmöglich zu vergessen."

Kritik von Joachim Grewe



geschrieben von: Thalamus

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Quelle Bildmaterial: Shock DVD



"... Der Regisseur Marian Dora hat bereits in seinem ersten Spielfilm "Cannibal" deutlich gemacht, dass er kompromisslos die üblichen Seherwartungen des Publikums ausblendet, wenn es ihm um die für ihn notwendigen künstlerischen Entscheidungen geht. Mit "Melancholie der Engel" legt Dora einen Film vor, der in seinen filmischen sowie psychologischen Querverweisen und Inhalten noch vielschichtiger geraten ist. Es ist zu vermuten, dass Dora und sein Koautor sich eingehender mit Siegmund Freuds Definition der Melancholie befasst haben. Für den österreichischen Psychologen besteht ein enges Verhältnis zwischen dem trauernden und dem melancholischen Zustand. Die Kennzeichen der Melancholie sind laut Freud unter anderem ein nachlassendes Interesse für die Vorgänge der Außenwelt, der Verlust der Liebesfähigkeit und damit einhergehende selbstzerstörerische Aggression. Nach eben diesem Muster handeln auch Marian Doras Figuren (...) Das Ergebnis ist ein gewagtes psychologisches Experiment in Filmform, das es so bisher selten gegeben hat. "Melancholie der Engel" ist nicht nur deswegen kein Film für ein Massenpublikum, sondern ein Werk für aufgeschlossene Filmliebhaber und dem abseitigen Kino gegenüber offen gebliebenen Zuschauer. Mit Sicherheit wird er für kontroverse Diskussionen sorgen. Er wird wahlweise auf vollkommene Ablehnung oder auf wirkliches Interesse stoßen. Mit Sicherheit aber ist Doras Werk ein ehrlicher und radikaler Film, was auch immer der Zuschauer darin sehen mag."

Ein Essay von Gerd Naumann, Medien- und Kulturwissenschaftler (Auszug)



geschrieben von: Thalamus

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Quelle Bildmaterial: Shock DVD



" (...) Wesentlich in "Melancholie der Engel" ist die obsessive Beschäftigung mit der Zerstörung des menschlichen Körpers und mit dem Morbiden, das im Film, im Gegensatz zum Zersetzungsprozess der Natur, in Bezug auf den Körper und die Moral des Menschen nahezu unerträglich wird. Bei "Melancholie der Engel" betrachten wir die Fiktion einer archaischen Welt, in der die großfamiliäre Gemeinschaft sich als einzige kulturelle Leistung behauptet hat (...) Als gäbe es kein Ganzes, zerfallen Körper und Welt im Prozess der Verwesung in autonome Stücke, die offenbar keine Verbindung mehr zueinander aufweisen (...) Befreit vom Bund zwischen Mensch und Umwelt löst sich das Individuum von jeder moralischen Pflicht und gesellschaftlichen Verantwortung und frönt animalisch seinem Trieb nach Macht mittels körperlicher Gewalt. Dabei stellt sich nicht wie im klassischen Horrorfilm die Frage, warum das Opfer, anstatt zu fliehen, wie das Kaninchen vor der Schlange erstarrt. Es stellt sich die Frage, warum trotz der Gewaltexzesse die Gemeinschaft bestehen bleibt, warum Unterdrückter und Unterdrücker sich widerstandslos in ihr Schicksal fügen. Der gestückelten, kleinteiligen Welt im Film, die bevölkert ist von Würmern und Ungeziefer, von Gewalt und Erniedrigung, setzt Regisseur Marian Dora das Naturpanorama gegenüber. Von Licht durchflutete Wiesen, die sich über Hügel ziehen, überdecken den Prozess der Verwesung. Die sakrale Schönheit der Natur, die als Kontrastteppich schmückend über den Ekel gelegt wird, gehört zum Spannendsten im Film "Melancholie der Engel" (...)"

"Die Verwesung der Bilder" (Auszug), von Faye Valentine (Medienwissenschaftlerin und Soziologin)



geschrieben von: Thalamus

WEIRD CINEMA #3


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Taiwaskivi

Finnland, 2009

Ein Film von Anti Ittna Haapapuro



Genre/Keywords:
Avantgarde, Dokumentation, Experimental, Independent, Stummfilm


Das Dark Ambient / Ritual - Projekt "Halo Manash" dürfte den schwärzesten Heidenseelen in diesem Forum, sowie Freunden mystisch-experimenteller Tonkunst, ein Begriff sein - dienen als Inspirationsquelle der okkulten Klänge von Anti Ittna Haapapuro doch die alt überlieferten Lehren des Schamanismus, wie er in den verschneitesten Gefilden Finnlands von den Nachfahren der Sama noch wie vor Urzeiten gepflegt wird. Auf dem Album "Taiwaskivi" befindet sich ein gleichnamiges Filmdokument von 50 Minuten, dass sich in die Darstellung von sechs Ritualen unterteilen lässt, die nach meinen bescheidenen Kenntnissen sehr authentisch praktiziert werden, so wird in einem der Rituale auf einem Altar ein Ei präsentiert, während der Schamane die Gebärden eines Vogels mimt. Die finnische Mythologie besagt, dass die Welt aus den sieben Eiern eines Entenvogels entstanden ist, die auf dem Knie der Göttin der Lüfte, Ilmatar, abgelegt wurden, dann heruntergefallen sind und im Urmeer zerbrachen. Die Eierschalen bildeten die Himmelskuppeln und das Land, das Eigelb die Sonne und den Sonnengott Päivätär, das silberne Eiweiß den Mond und den Mondgott Kuu. Aus weiteren kleinen Eierschalenstücken bildeten sich die Sterne. Der Himmel stützt sich auf eine Säule, die auf dem Nordpol steht. Die Bewegung der Sterne wurde damit erklärt, dass sich am Nordpol ein riesiger Strudel, Kinahmi genannt, befindet, der die Säule und das darauf befestigte Himmelszelt dreht. Durch diesen Strudel sollen auch die Seelen der Menschen in das Totenreich "Tuonela" gelangen. Dank der urig anmutenden filmischen Umsetzung im Sepiaton und mit Verschmutzungseffekten könnte man tatsächlich meines, dieses Dokument stamme aus einer anderen Zeit. In erster Linie wird dieses audiovisuelle Erlebnis interessant sein für diejenigen, die sich mit nordisch-okkulter Mythologie beschäftigen, darunter vor allem denjenigen, die selber spirituell veranlagt und aktiv sind. Allen anderen wird sich "Taiwaskivi" wohl kaum in greifbarer Nähe erschließen.



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Quelle Bildmaterial: Aural Hynox


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