Ich will Winter, richtigen Winter mit richtigem Schnee und Sonnenstrahlen, die die Welt in gleißenden Zauber hüllen. Ich will durch eine verschneite Winterlandschaft spazieren und mich meinen Gedanken hingeben - ohne an die Alltäglichkeiten und Notwendigkeiten denken zu müssen. Doch da es regnet, werde ich die Augen schließen und mich einfach in diese Märchenwelt hineindenken.
Schneeflocken. Sie schweben hinunter auf die Erde, trudeln, tanzen, schwerelos. Sie sind sich nicht bewußt, daß sie sterben, wenn sie die Erde berühren. Denn selbst, wenn sie nicht schmelzen, verbinden sie sich mit Millionen von anderen filigranen Flocken und werden zu einer Masse: Schnee genannt. Doch diese eine einzige... Sie zeigt so sehr, wie es ist als Mensch. Im Grunde ist der Mensch etwas Einzigartiges, in der Masse wird er eben zur Menschheit.
Eigentlich begann alles mit einer solchen wunderschönen Schneeflocke. Es muß 3 Jahre her sein. Ich stand am Küchenfenster, blickte hinaus und sah es dann. Es hatte begonnen zu schneien. Bald würde die Erde bedeckt sein, die Geräusche würden dumpfer werden, diese Welt würde bald ihr Glitzerkleid anlegen. Inmitten dieser Fülle von Flocken sah ich diese eine. Groß war sie, anmutig schwebte sie, wurde erfaßt von einer kleinen Böe und tanzte. Ja, sie erfreute mein Herz. Und gleichzeitig riß sie einen Abgrund auf, er öffnete sich vor mir und ich spürte, daß ich in den Jahren davor nur wenig gespürt hatte. Der Abgrund roch nach Angst, Schmerz, Liebe, Freude. Alles zusammen. Befremdlich und doch altbekannt. Heimat. Ich. So viele verlorene Jahre. Oh Gott. Jahre ohne tiefe Empfindungen, Jahre ohne tiefen Schmerz, ja, aber auch ohne tief empfundene Freude. Die Sonne nicht gesehen, die Nacht nicht genossen. Doch, Abgrund: ich komme heim...
geschrieben von: Replique
Meine eigenen Zeilen lesend. Zurückdenkend. Wie konnte ich mich nur freiwillig selber so verleugnen? Oh, ich weiß es schon. Doch es zuzugeben, kostet Kraft. Ich wollte so sein wie die Menschen um mich herum. Sie stehen morgens auf, verrichten die alltäglichen Handgriffe, schmieren Brote, gehen zur gehaßten Arbeit, kommen abgestumpft heim, lassen sich vor dem Fernseher noch mehr abstumpfen. Und so schrecklich sich das alles anhört, hat es doch einen unbestreitbaren Vorteil: sie empfinden bei all dem wenig bis nichts. Das erschien mir nach einer gewissen Zeit einfach als erstrebenswert. In Watte versinken. Nicht mehr grübeln und sehnen müssen. Ausgelaugt. Nach kurzer Zeit in dieser Matrix entwickelt man anscheinend Mechanismen, alles Persönliche zu unterdrücken und es wurde zum Selbstläufer. Seufz.
Schneeflocken retteten mich. Vor dem völligen Untertauchen in ein Meer der Existenzlosigkeit, vor dem Nicht-Sein, vor dem Sterben meiner Sinne. Ich will mich nicht auflösen, nein, nicht mehr. Lieber krepiere ich lebendigen Leibes an der Sehnsucht nach was auch immer als weiter dahinzuvegetieren...
Träume: Du streichst mir mit Deiner großen schönen Hand über das Haar, versinkst tief in meinen Augen. Gierige Lippen berühren sich, der Kuss nur Mittel, endlich Eins zu werden. Mit Schrecken reiße ich die Augen auf: "Du bist nur ein Traum". Ich wende mich von Dir ab, Tränen netzen meine Wangen. Die Hoffnungslosigkeit kehrt zurück, mit voller Wucht. Und doch bleibst Du bei mir, ich spüre Deinen warmen Körper, rieche Deinen betörend männlichen Duft. Du flüsterst mir ins Ohr "Ja, aber wir träumen ihn gemeinsam".
geschrieben von: Replique
Der nächste Abgrund tat sich auf, an einem verregneten Tag, an dem ich meinen Geburtstag feierte. Ein paar Menschen um mich, die mir viel bedeuten. 2 oder 3 echte Freunde, der Rest nur Beiwerk. Menschen ohne Substanz. Ich ging am großen Spiegel vorbei, schaute hinein und erkannte mich nicht. Verwundert hielt ich inne: wer ist das nur, wer starrt mich da nur an? Ich kann mich nicht erinnern, die da eingeladen zu haben. Befremdlich. Wie eine Kopie meiner Selbst, ohne jede Substanz. Während ich "sie" betrachtete, veränderten sich ihre Augen, sie wurden groß und rund, Verständnislosigkeit, gefolgt von langsamen Begreifen und Erinnern. "Das bist du nicht". Nein, das war ich nicht. Doch der Strudel der Matrix riß mich ein weiteres Mal mit sich und es war nicht möglich, diesen verstörenden Gedanken weiterzuverfolgen. Gäste bewirten, Smalltalken. Und doch: Ein schwarzer Punkt blieb zurück, in diesen großen, fragenden Augen, die mir im Spiegel entgegenblickten. Und die Abgründe kamen in immer kürzeren Abständen. Das drängende Bedürfnis, mich selbst wiederzufinden, die Leere zu füllen. Ich hatte die Leere in den vorangegangenen Jahren gefüllt mit Phrasen: ich liebe mein Leben, alles ist so wunderbar und dergleichen. Man kann nicht lieben, was man nicht kennt. Sich stürzen auf Kleinigkeiten, Nichtigkeiten, Alltäglichkeiten, um ja nichts an sich heranzulassen. Doch meine Seele schrie und seit der Schneeflocke konnte ich sie nicht mehr ignorieren, die Ohren nicht mehr verschließen. Ich kann nicht und ich will auch nicht.
Ich lebe in einer Welt, in der es selbstverständlich und normal ist, jedem zur Begrüßung die Hand zu schütteln. Ich will aber nicht angefaßt werden. Ich will auch nicht von wildfremden Menschen auf die Wange geküßt werden.
Ich lebe in einer Welt, in der es selbstverständlich und normal ist, anderen zu zeigen, wo der Hammer hängt, wo der Kontostand sein muß und daß es wichtig ist, dazuzugehören. Ich will nicht zu Euch gehören. Ich will nicht. Ich will mein Leben nicht mit Nichtigkeiten füllen. Ich will es auch nicht mehr hören.
Ich lebe in einer Welt, in der selbstverständlich und normal ist, Sonntags in die Kirche zu gehen, an irgendwelchen Dank-Gottesdiensten teilzunehmen. Und gleichzeitig ganz offen nicht wirklich zu glauben. Ihr macht es wegen der Gemeinschaft, nicht? Wegen der Connections, die Euch den nächsten beruflichen Aufstieg sichern, die Euch denken lassen "Ich gehör dazu". Ich will ehrlich glauben. Kirche hin oder her. Seit Jahren such ich und kann nicht finden. Finde keinen Zugang zum Göttlichen.
Kurz gesagt lebe ich in einer Welt von Individuen, die keine sein wollen und folglich keine sind (es sind zum Glück nicht alle Menschen so), die nach oben buckeln und nach unten treten. Doch es gibt kein oben oder unten. Ein Professor ist weder besser noch schlechter als ein Kanalarbeiter. Er verdient nur mehr Geld. Mehr nicht. Und wer will schon anhand einer Berufskategorie oder generell sagen, irgendjemand sei ein besserer oder schlechterer Mensch als ein anderer???
Ich bin bestürzt, jemals den Wunsch verspürt zu haben, SO zu sein. Doch ich werde mich deswegen nicht geißeln. Ich werde die Augen und mein Herz öffnen, um zurückzufinden. Es kann ja nicht immer nur regnen.
geschrieben von: Replique
Erinnerungen. Sie schwirren durch meinen Kopf, betteln, bitten und toben, stampfen mit den Füßen auf wie kleine Kinder am Süßigkeitenregal der Kasse. Also gut, ich werde Euch nachgeben, denn sonst erstick ich noch an Euch.
März. Kühle, nach den ersten Frühlingsboten duftende Märzluft. Die ersten Anzeichen für eine Erneuerung nach einem sehr langen, sehr kalten Winter. Die Abgründe sind inzwischen meine Freunde geworden. Ich weiß, daß etwas in ihrer Tiefe auf mich lauert. Nichts Böses. Vielleicht etwas Schlimmes. Wer weiß schon, wie er ist, bevor er weiß, wie er ist. Ich gehe durch die Stadt. Alleine. Seltenheitswert. In Gedanken noch immer beim eben überstandenen Arztbesuch, von dem ich annahm, er würde mir Schlimmes verkünden. Weit gefehlt. Dem Tod noch mal von der Schippe gesprungen. Erleichterung durchflutet mich, ich bin gelöst wie selten zuvor und einen Moment später am Boden zerstört. Ich erinnere mich, daß an genau diesem Tage einige Jahre zuvor meine Seele grausam zu leiden hatte. Die Spuren und Narben davon trag ich heute mit mir herum. Für immer und ewig. Ebenso wie Dich, C. Wie schön war es, durch Dich zu spüren, wie einzigartig und besonders ich bin. Ich danke Dir. Und dennoch: Als Du gingst, weil Du den Gedanken, die auch in meinem Kopf toben, nicht mehr entfliehen konntest, fehltest Du! Ich will Dich schütteln, Dich anschreien "Du fehlst! Rede mit mir, bleib, geh nicht! Geh nicht!" Das Gefühl, Du wärest hier, ich dreh mich um und bin - wie so oft - allein. Allein in einer hektischen Menschenmasse. Tiefe Trauer um Dich, C. Tiefe Trauer... Inmitten all dieser Empfindungen und Gedanken ein ganz seltenes, beinahe unvertrautes Gefühl, ich gehe über helle Marmorplatten, blicke mich um und sehe ... meine Umwelt seltsam verschwommen und mich selbst ganz scharf. Meine Konturen heben sich deutlichst von der Umgebung ab. Es hat fast etwas Magisches... So viele Gedanken, beinahe zuviel für einen Tag. Doch dieser Tag nimmt einfach kein Ende und seine Überraschungen auch nicht. Ich löse mich von der Magie dieses Augenblicks, nicht ohne sie fest für mich gespeichert zu haben. Wie ein Bär im Sommer seine Fettreserven anlegt für den langen Winterschlaf. Plötzlich sehe ich Dich. Bist Du ein Traum? Bin ich so durcheinander von dem ganzen Wust dieses Tages, daß ich halluziniere? Ein Glitzern in den Augen, ein Erkennen. Du spiegelst mich, so wie ich Dich. Berührungen. Nicht nur gut zu ertragen, nein, den Wunsch nach mehr erweckend. Ich will den Arm nicht zurückziehen. Jetzt nicht, heute nicht, bei Dir nicht.
Sag mir, bist Du ein Traum? Komm zu mir, wenn alles schläft, komm zu mir nur in der Nacht... Sage mir, träumte ich?
geschrieben von: Replique
Den ganzen Tag über der Gedanke an Dich, C. Schöne Erinnerungen gelten Dir. Weißt Du noch, ich auf Deinen Schultern, Du auf dieser unglaublichen hohen Brücke, unter uns der reißende Fluß? Oh nein, ich hatte keine Angst, Deine schützenden Hände gaben mir Halt... Die Schreie der Anderen, panisch über dem Getöse des Wassers, sie unterbrachen unser Spiel mit Gefahr und Vertrauen "Bist Du denn verrückt geworden???" riefen sie und "Laß sie sofort runter! Siehst Du denn nicht, daß sie Angst hat?" Hatte ich nicht, nein. Bei Dir nicht. Du hast mich beschützt. Immer.
Weißt Du noch, unser letztes Treffen? Das allerletzte. Ich weiß sogar noch, welche Klamotten ich trug. Ein Teil davon habe ich immernoch, ich lege es zu den anderen... Ich flog wie immer in Deine Arme, atmete Dich, Du mich. Dein Blick verschleiert, traurig. Deine feinen Züge irgendwie aufgeweicht, aufgequollen, am Verfallen. Oh mein Gott, ich hätte es sehen müssen!!! Ich hätte Dich vielleicht retten können. Ja, ich weiß, uns trennten so viele Jahre, doch Du wußtest doch, daß ich nicht so kindisch war - auch nicht mehr kindlich. Zuviel war passiert in meinem kurzen Leben... Zuviel für eine Kinderseele. Und dann kam die Nachricht. Im Radio. Wenn ich an diesen Moment denke, sehe ich den Weg vor mir, den ich mit meiner Freundin in ihrem Auto fuhr. Wie ich dachte, oh schon wieder so ein entsetzliches Drama... Schlechtes Gefühl im Bauch, dunkle Gedanken, Vorahnung? Später am Tag dann mein persönliches Drama. Die Erinnerung macht mich krank, verknoteter Magen, wirbelnde Gedanken, Schweißausbrüche, alles brach in mir. Bist Du sicher, Omi? ER war es? Nein, bitte, bitte nicht, laß es nicht zu ,Gott! Verzweiflung. Auch jetzt wieder seh ich Dich vor mir, strahlende braune Augen, immer den Schalk dahinter, strahlendes Lächeln, ich vermisse Dich. Sehr. Ich hätte Dir sagen sollen, wie viel Du mir bedeutet hast. Ich dachte immer, Du wüßtest es. Wußtest Du es?
Ich habe noch die andere Patrone und Deine Brieftasche, den Zettel vom 13. Februar mit zittriger Schrift steht dort "Das Ende", ich habe noch das Shirt mit den Kreuzen und ich habe die Erinnerung an Dich.
Warum hast auch Du mich verlassen? Antworte mir!
geschrieben von: Replique
So viele "Du". So viele Menschen und Wesen, denen ich etwas sagen will, sagen muß. Aber Ihr wißt, wenn ich Euch meine, ja? Während ich schreibe, sage ich in Gedanken laut Eure Namen, rufe mir Eure Gestalt vor Augen und hoffe, daß Ihr einen Moment innehaltet, Eure Ohren für meine Gedanken öffnet und mir einen Augenblick nahe seid...
Abend. Manchmal auch schon Morgen, der Moment vor dem Einschlafen. Es ist ein wunderbares Erleben, dieses Gleiten in die Welt der Träume. Körperlos. Schwerelos. Gedanken wirbeln durcheinander, verbinden sich zu kruden Gespinsten. Nichts ist wahr und alles ist erlaubt. Und dann - dann bin ich in meinen, in unseren Träumen. Du schmiegst Dich an mich, legst Deinen Arm um mich und drückst mich fest an Dich. Warme weiche Lippen in meiner Halsbeuge. Wieder da. Wie so oft. Wir gehen miteinander unter, wirbeln durch Raum und Zeit, auf den Schwingen unserer Träume, verbinden uns wie die Gedanken noch kurz zuvor zu Traumgespinsten. Alles ist möglich, alles ist wahr? Nein, ich weiß, daß Du nicht real bist, aber Du bist wahr. Für mich. Jeden Morgen, kurz bevor der Wecker mich aus meinen Träumen reißt, dasselbe Ritual. Ich öffne die Augen, blicke in Dein schlafendes Gesicht, streiche Dir Haarsträhnen aus dem Gesicht, küsse Deine Stirn, Deine Augen, Deinen Mund. Dein Körper erwacht, bevor Dein Geist es tut, zieht mich an Dich, heißer Atem "Noch nicht..." ein rauhes Flüstern.
Wann gibt es Dich endlich wirklich? Finde mich, ich suche Dich. Wenn ich durch die Straßen gehe oder mich tanzend in Mengen bewege - ich suche nach Dir. Werde ich Dich erkennen? Ich bin sicher, denn Du träumst denselben Traum. Bis nachher???
geschrieben von: Replique
Neuer Tag, neues "Du". Ich seh Dich vor mir in Deiner strahlenden Schönheit, die Du immer wieder auf's Neue negierst. Warum tust Du das? Dich so klein und unbedeutend machen, hm? Das bist Du nicht. Du bist strahlend schön wie eine Königin, hell und warm wie die Sommersonne, liebevoll wie eine Mutter und begeisterungsfähig wie ein Kind. Oh, diesen Zug an Dir liebe ich. Wie Du dann voller Freude mit den Füßen strampeln möchtest, die Welt umarmen willst... Das ist wunderbar und ganz fürchterlich selten in dieser kalten Welt. Die allermeisten Menschen, die mich so umgeben, versagen sich beinahe jede ihrer Empfindungen, erkalten nach und nach, werden zu Eisklötzen. Für jedes Gefühl taub, für jede Regung blind. Kein Input, kein Output. Aber warum ist das so, liebe Menschen? Warum? Meint Ihr, Euch so unantastbar machen zu können? Unverletzlich? Das seid Ihr sicher, denn Ihr habt aufgehört, Seelen zu sein. Ihr seid Maschinen - Essen, Atmen, Arbeit, alles automatisch ohne jedes Gefühl.
Bei Dir, meine Königin, spüre ich keine Kälte. Du reagierst auf Emotionen, versuchst zu verstehen, wie ich etwas meine, auch wenn meine Worte mehr als unzulänglich sind für das, was in mir wirbelt. Oder manchmal auch nicht wirbelt. Wenn sich mal wieder das Gefühl des absoluten Stillstandes einschleicht, das Gefühl, eigentlich schon tot zu sein. Wenn ich versteinere und nichts mehr fühle, keine Wärme und keine Kälte. Du versuchst es mit all Deiner Güte, mit ganzem Herzen. Ich weiß, daß ich es Dir nicht einfach mache, Dich sensibel mache für Sachen, die Du vielleicht gar nicht sehen wolltest, Dich vielleicht sogar reinziehe in den Strudel. Deine Nähe gibt mir Hoffnung, Dein Lieblingsspruch "Die Hoffnung stirbt zuletzt" ist ein kleiner Rettungsanker in dem Meer aus Verwirrung und Einsamkeit - nicht, weil der Spruch so unübertrefflich wäre, nein, weil Du ihn mir mit Hingabe sagst. Weil DU ihn sagst. Ich danke Dir für Deine Zuneigung, Wärme, Liebe und Dein Verständnis in all den Jahren. Geliebte Königin...
geschrieben von: Replique
Seit gestern wieder Stillstand. Die Welt hört auf, sich zu drehen, die Geschehenisse um mich herum nehme ich nur schattenhaft wahr. Traumlos. Gefühllos. Fühllos. Momente und Tage, die ich nicht brauche und nicht haben will. Also raus. Raus hier und mich selber in den Allerwertesten getreten! Verdammt noch mal, die Kälte kriecht einem in die Fingerspitzen, die Füße erfrieren trotz der 3 Paar Strümpfe, die Sonne blendet in den schattenverwöhnten Augen - all das will ich spüren, bitte! Nicht nur dumpf an mir vorüberziehen lassen. Ich will meine Fingerspitzen vor Kälte weiß und blutleer werden sehen, ich will die Hand über die Augen legen müssen - einfach wieder sehen und fühlen. Doch es zieht mich hinab. Immer tiefer.
Und dann Du: ich weiß, daß Du weißt, wer hier schreibt. Sah es an Deinem mal wieder mißtrauischen Blick. Doch es ist mir egal. Es wird Dich sowieso verletzen, egal, was ich schreibe. So wie an manchen Tagen, an denen ich versuche, an die alten philosophischen Diskussionen anzuknüpfen. Und mich hinterher ärgere, weil meine Worte nicht das transportieren, was sie sollen. Weil sie, meine Worte, Dich immer wieder runterreißen. Ich glaube manchmal, Du willst es immer falsch verstehen. Mich falsch verstehen. War das denn immer so? Am Anfang ... habe ich mich in Dir gefunden, Du warst das fehlende Stückchen, meine Chance, mich zu vervollständigen. Doch irgendwann kam die Mauer. Du mauerst. Mauerst Dich ein und schließt mich aus. Aber auch das wirst Du wieder falsch verstehen, es als Vorwurf verstehen wollen. Es ist keiner. Ich resignierte im Laufe der Jahre, jeden Tag ein wenig mehr. DAS ist mein Fehler, doch keiner, den ich zu beeinflussen in der Lage war oder bin. Die Kraft in mir ist nicht unendlich, weißt Du? Du bist - so Du es denn zulassen kannst - mein Freund. Ich verstehe Dich, stehe hinter Dir. Wann immer Du mich brauchst, rufe nur. Doch sieh - inzwischen hab auch ich ein Mäuerchen, hübsch angemalt in schwarz, weiß und pink. Sie besteht aus Frust, Trauer, Angst, Dunkelheit und gescheiterten Träumen. Niemand kann sie einreißen, außer mir allein. Und nur Du kannst Deine Mauer zerschlagen - oder Stein für Stein abtragen.
Und noch eins: Es tut mir leid. Es tut mir ein Leid.
geschrieben von: Replique
Nicht nur Stillstand. Nein, absolute Ruhe. Versunken in Vergessenheit. Jene schreibt von Träumen, ich kann nicht antworten, weil es keine Träume gibt. Dieser erzählt von vorweihnachtlichem Streß, ich kann nicht antworten, weil ich keine Energie für Streß-machen übrig habe. Der Rest ist Schweigen. Es klingt so endgültig. Jaja, ist es nicht, weiß ich. Wenn man eine kleine Erkältung hat, glaubt man ja auch nicht, daß es einem jemals wieder gut gehen könnte... So ist es heute. Und so sitze ich hier, alleine, lausche den Klängen des hungrigen Mozarts, der so viel will und auch bekommt. Schätze ich jedenfalls. Vielleicht liegt es daran, daß er weiß, was er will. Seeehr deutlich, so deutlich, daß es fast ein Grinsen auf mein Gesicht zaubern will. Doch dann wieder "Märchenlied" - oh, ja. ---nur leere Worte --- tausend Worte hätt ich Dir zu sagen --- keine Länder, wo noch Drachen fliegen --- froh und frei und ohne Klage --- in einem Satz "...". Kann die Worte in der Klammer nicht einmal aufschreiben, denn es gibt niemandem, dem ich sie sagen könnte, dem ich sie geschrieben widmen könnte. Es gibt für mich keine Märchen mehr. Alles nur stille Resignation - heute! Was ist morgen? Morgen ist es vielleicht ein kämpferischen Gemetzel und übermorgen ein rhetorisches Gefecht. Doch was ändert es?
Reich mir doch bitte irgendwer die Hand und ziehe mich aus dem Sumpf, hm? Selbst wenn ich dann die verdammten Seelen in der Hölle sehe oder die erschütternde Schönheit der Engel oder irgendwas - Hauptsache wieder sehen und fühlen können... Rette mich, wer immer Du bist.
geschrieben von: Replique
Manchmal ist gar nicht träumen doch besser als das, was diese Nacht in meinem Kopf als dumpfe Schneise hinterließ. Du, meine Sonnenkönigin, und ich befanden uns in einem alten, heruntergekommenen Haus. Ich war am Sinnieren, trauerte um Dies und Jenes. Meine eigenen Dämonen trieben mich soweit, nicht zu sehen, daß ich Dir das Licht raubte. Ich entzog es Dir, ohne es zu bemerken, geschweige denn zu wollen. Du sahst zu mir und batest darum, Dich gehen zu lassen. "Ich will es einfach nicht mehr ertragen. Laß mich sterben gehen". In diesem Moment war ich versteinert, nicht fähig, Dich von Deinem wahnsinnigen Vorhaben abbringen zu können. Du gingst die Stufen zu einem muffigen Keller hinunter... drehtest Dich um, schautest voller Pein und Vorwurf zu mir hinauf... ich hörte einen dumpfen Aufprall, als Du in die metertiefe Grube stürztest. Erst dann löste sich meine Erstarrung, ich rannte Dir hinterher, schrie Deinen Namen, etwas in mir explodierte. Du lagst völlig verdreht in dieser Grube, ausgestochenes Grab aus dunkler Erde und schleimiger Feuchtigkeit. Oh Gott, laß mich diesen Traum nie wieder träumen, ich bitte Dich! Meine liebste Königin... bleibe... bitte...
geschrieben von: Replique
Königin, Du lebst... Du erblühst, erwachst. Wenn es Dich gibt, Gott, dann sei Dir an dieser Stelle mein tiefster Dank versichert. Oh Gott, sie lebt...
Und noch etwas: es schneit! Die Welt versinkt in weißer Pracht, Kinderaugen strahlen, die Geräusche der Zivilisation drängen nur noch gedämpft in meine Sinne. Ihr Schneeflocken tanzt zur Erde nieder, wiegt Euch, laßt mich träumen von der Endlosigkeit dieses Momentes. Ihr laßt mich zu mir finden. Ich danke Euch für Eure Selbstlosigkeit. Ihr tut etwas für mich, für mein Herz, Ihr seid Balsam - und Ihr tut dies nicht, um mich zu erfreuen, sondern um Euer selbst willen. Das ist wunderbar...
Es ist ein guter Tag.
geschrieben von: Replique
Schnee. Schneetreiben. Wind. Eiseskälte. Sonnenschein. Glitzerzauber. Mmh...
Auf einem meiner Spaziergänge durch diese Zauberpracht kam ich an einem "Altenheim" vorbei. Man kann durch sehr tief liegende Fenster in eine Art Speiseraum blicken. Gestern Abend saßen dort mehrere alte Damen mit einer Tasse Kaffee, mit einer jüngeren Dame in ein anscheinend interessantes Gespräch vertieft. Automatische Gedanken: Ach, die armen Alten, sitzen dort in der Vorweihnachtszeit ohne ihre Familie um sich, wie traurig. Auf dem Rückweg derselbe Blick auf mehr oder weniger dieselbe Szene. Wie verbohrt und festgefahren meine Gedanken doch manchmal sind. Ich bin immer wieder erstaunt über mich selbst und meine Kategorisierungen. Denn plötzlich nahm ich das Wesentliche an dieser Szene wahr: Die Damen fühlten sich wohl, sie machten einen sehr zufriedenen, gelösten Eindruck. Lachten, spaßten miteinander. Ich hatte das Bedürfnis, mich zu ihnen zu setzen, mir von ihnen von ihren Lebenserfahrungen berichten zu lassen - nicht, weil sie mir leid taten oder so etwas in der Art, sondern weil diese Lebenserfahrungen so viel wert sind. Ich habe einen Freund, er ist weit über 90 Jahre. Ich habe miterlebt, wie er zusammenbrach, als seine geliebte Frau nach beinahe 70 Ehejahren verstarb. Es hat mir das Herz gebrochen, ihn so am Boden zu sehen und es hat mein Herz erfreut, die Liebe zu spüren, die er für sie hatte. Noch immer hat. Mit welcher Wärme und Liebe spricht er doch heute noch von ihr... Ein anderer Bekannter, inzwischen wohl auch an die 90 Jahre alt, erzählte mir einmal, er schreibe seiner Gattin seit dem Tage ihrer Eheschließung jeden Tag mindestens ein Zettelchen mit kleinen Komplimenten. Er liebe und vergöttere sie so sehr, daß sie diese kleinen Aufmerksamkeiten einfach verdient hätte und er müsse das alles auch loswerden, sei so dankbar für die glückliche Fügung, sie gefunden zu haben.
Alte Menschen haben oft viel zu sagen, viel zu erzählen, sind sehr angenehme Wegbegleiter, toleranter als manch junger Mensch. (Ich weiß noch, als ich das erste Mal meine Haare grün färbte, bekam ich ständig dämliche Kommentare von meinen Mitschülern. Meine Oma, damals schon knackig, was das Alter betrifft, fand es "cool". ). Sie wissen, daß sie nichts verlieren, wenn sie mir ihr Innerstes hinter der Fassade zeigen. Sie wissen, daß ich sie dafür mehr als schätze. Auch auf die Gefahr hin, wieder einmal übertrieben zu empfinden: ich liebe sie für ihre Offenheit. Es ist das, was ich bei Menschen suche. Sie geben sie mir.
geschrieben von: Replique
Achterbahn. Ich fühle mich wie eine der Schneeflocken, die haltlos durch unsere Welt taumeln, tanzen, treiben. Im freien Fall, dann getrieben vom Wind, wieder aufsteigend, fallend, auf eine scharfe Kante zusteuernd... Dieses Wirbeln, es bringt mich durcheinander, ist es besser als die Kälte und der Stillstand in den vergangenen Tagen?
Gifttraum: Heute morgen aufgewacht, in Deinen Armen, Ritter, Hüne, Herz. Als ich die Augen aufschlug, um Deine Schönheit mit allen Sinnen zu genießen, dasselbe wie immer: Träume verfliegen, sobald man erwacht. Trauer und Sehnsucht im Herzen. Auch jetzt wieder versinke ich in der Erinnerung an Deine schönen Augen, die Tiefe Deiner Seele. Es gibt Dich doch, oder? Verdammt nochmal...
Und dann Du: warum bist Du es nicht? Willst oder kannst Du es nicht sein? Will ich nicht, daß Du es bist? Du warst einmal ein Teil von mir, ein ziemlich mächtiger. Beinahe schon dominant und wichtiger als mein Teil in mir. So wichtig, daß ich immer drohte, mich selbst ganz aufzugeben, mich zu vergessen. Und doch bleibt das Gefühl, all das sei NICHTS gewesen. Ich sei NICHTS. Ich sei unzulänglich. An Deinen Ansprüchen gescheitert. Oder an den Ansprüchen, die ich dachte, daß Du sie an mich stelltest. Und ja: weder willst noch kannst Du es sein, mein Traum. Du warst es. Und nun?
geschrieben von: Replique
Tja, der Schnee ist geschmolzen, die Temperaturen spielen verrückt, bringen meinen Kreislauf zum Erliegen, Glatteis und trübes Grau in Grau. Paßt ja ganz gut.
Es ist anstrengend, nicht sein zu können, der man ist und sein zu müssen, der man sein sollte. Ich sitze inmitten all dieser Leute, strahlendes Lächeln, wie immer, so kennen sie mich, so sollen sie mich haben. Hey, das ist mein Geschenk an Euch, auch wenn Ihr nicht wißt, wieviel Mühe es mir machte. Und ja, Ihr sollt es auch nicht wissen. Ihr seid auch zu schade, um meine Mühlen mitzutreten, die kleinen Momente, in denen ich etwas "blicken" ließ haben viel zu viel zerstört. Ich gebe mir wirklich große Mühe, glaubt es mir... Bitte...
Und es gibt so viele, die mich anders kennen. Jene, deren eigene Welt einfach erkennt, wie es in mir wirklich ist. Da bist Du, lieber S.. Du beginnst langsam, mir zu vertrauen, öffnest Dich langsam, verlierst die ?Angst? vor mir. Ich habe Dich sehr gerne. Das weißt Du. Vertrau mir.
Und Du, kleiner B.. Ich habe Sorgen, mache mir Gedanken um Dich, möchte Dich beschützen, mich vor Dich stellen und meine Waffe gegen die Dämonen richten, die Dich heimsuchen.
Und Du, meine M., bist erstaunt über unser immer wieder erneuertes Verhältnis. Diesmal gleichwertig. Nimm mich ernst. Glaube mir. So schwer es Dir auch fallen mag. Komm mit in meine Welt...
Und da ist natürlich noch der Krieger, Wikinger, Ritter... Als Gespinst in meinem Hinterkopf, mich besänftigend, wenn mir etwas gegen den Strich geht, mich berührend, wenn ich verspanne. Einfach da. Doch er ist nicht wirklich da. Du bist nicht wirklich da. Ich rieche Dich, spüre Dich, erinnere Dich, fühle Dich - und doch denke ich Dich nur. Komm zu mir, finde mich. Durchstreife die Nacht, sieh meine Dunkelheit und nähre sie mit Deinem Feuer. Es wird mich am Leben erhalten. Komm zu mir...
geschrieben von: Replique
Das Jahr liegt in den letzten Zügen. Und wenn es auch nur eine von den Menschen, die immer alles einteilen und kategoriesieren wollen, um sich überhaupt zurecht zu finden, willkürliche Zeiteinteilung ist, so scheint die Zeit zwischen der Besinnlichkeit und dem Austreiben der bösen Geister ideal, die zurückliegenden Monate zu betrachten.
Ja, dieses Jahr begann mit Schmerz. Ein lieber Mensch starb. Unerwartet. Leidvoll. Erstaunlich für mich war eigentlich der Schmerz, den ich dabei empfand. Die letzten Tode, die ich miterleben mußte, haben mich nicht direkt kalt gelassen, doch meine Trauer hielt sich in Grenzen. Es mag an der Art und Weise der jeweiligen Tode oder auch an den Menschen selbst gelegen haben. Doch dieser Tod war anders, der Schmerz war sehr direkt, es zog mir den Boden unter den Füßen weg. Ich tat alles, Dich, liebe M., zu halten, Dir Trost zu geben, stark zu sein, damit Du es nicht sein mußtest. Es hat mir gezeigt, wie sehr ich Dich liebe, wie viel Du mir bedeutest. Freundin. Vertraute...
Und so zog sich dieses schreckliche Jahr dahin, zögerlich und rasend schnell. Alltäglichkeiten erleichtern, Alltäglichkeiten hindern. Erleichterten das sich-wieder-ausbuddeln, wenn der Treibsand der Melancholie über mir zusammenschlug. Hinderten am Ausleben des Chaos.
Träume bestimmten dieses Jahr. Träume von Sonne und Glück, Von Dunkelheit und tiefer Trauer, Angstträume. Ich träumte ein Tier, träumte Farben. Von Dämonen und Engeln, von Tod und Geburt, von Weiß und Schwarz. Ich ließ mich wieder auferstehen aus der langen Zeit des Schlafes. Und doch bin ich anders als jemals zuvor. Nicht wie Phönix, der aus der Asche neugeboren aufersteht, nein, wie eine gereinigte Form dessen, was sich ehedem andeutete. Klarer, deutlicher, schärfer. Schwärzer. Tiefer. Trauriger. Glücklicher. Alles, was ich empfinde, ist deutlicher. Auch, wenn es die absolute Leere ist. Selbst sie klingt. Lauter. Ist dunkler als sie früher je hätte sein können.
Auf meinem Weg in der vergangenen Zeit habe ich viel zurückgelassen. Manches freiwillig und mit einem erleichterten Lächeln. Unsicherheiten, Ängste, Orientierungslosigkeiten. Anderes aus Not heraus. Habe Dinge und Menschen hinter mir gelassen, deren Verlust mich schmerzt. Mir fällt die Akzeptanz des Verlustes sehr schwer. Ich stehe vor einem Scherbenhaufen, will das Gefäß, das es einst war, wieder zusammenbauen, kitten, retten, was zu retten ist. Und fühle mich so entsetzlich machtlos. Kraftlos. Ohnmächtig. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt...
Oh, gewonnen habe ich auch. Dich habe ich wiedergefunden, entdeckt in all Deiner strahlenden Schönheit und Opulenz. Geliebte Sonnenkönigin. Laß Dein Licht hell erstrahlen, nähre meine Dunkelheit.
Und Ihr Zwei, Euch muß ich in all Eurer mystischen Tragik einfach zusammen erwähnen, bedeutet mir sehr viel. Du, C., zwingst mich zum Nachdenken, zum Erkennen, zum Akzeptieren. Lehrst mich, damit umzugehen. Duch Vorangehen. Du, S., rührst an mein Herz. Ich spüre Deinen Schmerz, wenn er Dich quält. Wir halten uns. Gegenseitig.
Und ich habe das hier gefunden. Meine Pfade. Auch sie zwingen mich, Gedanken anzunehmen, wenn sie auch nicht immer die reinsten sind. Ich schreibe sie auf. Es hilft. Ein wenig.
Möge das kommende Jahr all das Gute des gerade endenden beinhalten und die leeren Ecken mögen aufgefüllt werden. Das wünsche ich mir. Wenn es einen Gott gibt, so bete ich darum.
geschrieben von: Replique
Erster Tag des neuen Jahres und irgendwie ist alles, wie es gestern war. Aber vielleicht auch nicht...
Es ist merkwürdig, drei wundervolle Einladungen zum Sylvesterfest abzusagen, um dann allein im Bettchen zu lesen. Eine rührende Liebesgeschichte. Dann begann wieder, Schnee zu fallen, eine Stille überkam das Land. Sie rührte nicht nur von der dämpfenden Eigenschaft der weißen Pracht, nein. Diesmal sah ich im Geiste die Menschen in ihren Wohnzimmern, in den Wirtshäusern, in den Vorgärten, wie sie sich umarmten, sich küßten, miteinander anstießen, liebevolle Wünsche für das neue Jahr austauschten. Und dann begann der Himmel zu glühen und die Luft vibrierte unter den vielen Feuerwerken, die sie anzündeten. Ich lag ganz still, schaute aus dem Fenster und eine grenzenlose Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit machte sich in mir breit. Keiner rief an, ich rief niemanden an. Keiner schrieb mir, ich schrieb niemandem. Alleine.
Abrupt wurde ich aus meinem Jammertal rausgerissen, inmitten der schönsten Rakete der Nacht. Du dachtest an mich. Ich habs gespürt - tief im Herzen. Ich sah Dich vor mir. Wie ich Dich einmal kannte. Wie Du warst. Es war ein Trost. Ich danke Dir. Das war lieb von Dir. Danke...
geschrieben von: Replique
Es ist kein gutes Gefühl, daß es Dir immer dann schlecht geht, wenn ich mich mal ein kleines Bißchen aufrappeln konnte. Ich mag diesen Druck, der sich dann aufbaut, nicht. Denn einerseits bin ich schrecklich neugierig, will wissen, was Dich belastet. Dir daraus helfen. Wie immer. Helfersyndrom. Haha. Andererseits kann dabei nichts herauskommen. Denn es ist irgendwas, was ich nicht hören will, womit ich mich nicht beschäftigen will. Weil ich einfach keine Kraft mehr habe. Das vergangene Jahr hat mich gerupft, gebeutelt, hat mir viel Energie genommen. Und immer, wenn ich mich imstande wähne, neue Energie zu schöpfen, geht es Dir schlecht. Hm. Und wenn ich dann wieder falle, am Boden liege, sprühst Du vor guter Laune. Es mag nur ein komischer kleiner Zufall sein. Doch es fühlt sich eben so an. Es ist schrecklich.
geschrieben von: Replique
Es ist doch erstaunlich, wie oft man so lügt. Meist sich selbst ins tränennasse oder trotzige Gesicht.
Weißt Du noch? Wir saßen auf dieser Bank, ganz nah beieinander. Und doch war ich ganz weit weg, bekam Angst vor dem, was ich da mit Worten angezettelt hatte, zitterte, wich Deinem intensiven Blick, der etwas in mir suchte, beständig aus. Du fragtest "Fehlt Dir das denn nicht?". Angst und Trotz ließen mich mit einem heftigen Kopfschütteln antworten. Doch die Antwort, die in meinem Herzen schlummerte, lautet: JAAAAA, es fehlt. Sehr. Weißt Du, ich hab mir mein Leben immer ein wenig zurechtgelegt, meine Handlungen im Nachhinein logisch begründen wollen. Doch das ging nun nicht mehr. Es geht immernoch nicht. Und verschiedene Eingeständnisse, die ich mir im Laufe der letzten Monate haben machen müssen, sind keine, die man auf ein Ruhmesblatt setzen würde. Es fällt mir bisweilen noch immer schwer, mir Dinge, Taten, Gedanken vollkommen einzugestehen. Damit zu leben. Wie ich bin. Das war das trotzige Gesicht bei einer Lüge.
Eine andere? Mit Tränen? Als ich Dich habe gehen lassen wollen. Es war eine absolute Lüge. Sie und ihre Konsequenzen haben vieles zerstört, nicht? Ich hatte mir eben wieder etwas zurechtgelegt: es hätte für Dich wie für mich leichter werden sollen. Voneinander loskommen, wieder atmen können. Frei. Ohne den Zwang, den anderen hören oder sehen zu wollen. Mein Gott, was lag ich daneben. Danach wurde alles sehr verkrampft. Beide Seiten sahen diesen Fehler und konnten ihn nicht ausmerzen. Und so endete diese Reise. Für immer und ewig. Hm?
Aber weißt Du? Es ist so, wie ich es Dir einmal sagte. Diese Momente, die nur uns gehörten, werde ich mitnehmen. Für immer behalten. Und selbst, wenn ich jetzt stürbe, hätte ich sie. Und das ist viel.
Du warst wunderbar. Schön. Tief. Da. Die Antwort auf die Frage, ob es nicht noch mehr geben könnte. Mau.
geschrieben von: Replique
Seit gestern Nacht ist wieder alles anders. Meine Güte, vielleicht hätte ich mir die Schneeflocken nicht wünschen sollen, denn seitdem sich mein Wunsch nach Winter erfüllt hat, verwandele ich mich anscheinend langsam in eine dieser fragilen, vom Wind getragenen Gebilde. Jeden Tag, manchmal stündlich ändert sich die Gemütslage, so wie das Wetter. Erst schneit und friert es, dann schneit und taut es, dann windet es. Jedenfalls aber schneit es immer.
Ich habe in dieser Nacht den zweiten Alptraum seit ungefähr 10 Jahren gehabt. Der erste handelte vom Verlust meiner Sonnenkönigin. Der zweite auch von Verlust. Ich bitte die Götter oder den Gott (wen auch immer) darum, mir dies alles zu ersparen. Auf Knien. Innigst. DIESEN Verlust würde ich nicht verkraften. Definitiv nicht.
Träume sind Schäume. Oder?
geschrieben von: Replique
Oh mein Gott,
Ihr alle leidet so entsetzlich. Zittert bei dem Gedanken an Euer Leben, leidet, wenn Ihr in den Spiegel seht. Wollt es ändern, dieses Übel, das Euch quält. Wollt die vergiftende Pflanze mitsamt der Wurzel ausreißen. Doch keiner von Euch schafft es. Abwarten heißt Eure Devise. Worauf denn nur, Ihr Lieben??? Auf einen Gott, der den Zauberstab schwingt? Auf die gute Fee, die Euch soundsoviele Wünsche erfüllt? Auf ein Euch günstig gewogenes Schicksal? Nichts von alledem kann es geben, wenn Ihr einfach nur so abwartet. Ihr müßt sagen, was Ihr wollt. Ihr müßt wissen, was Ihr wollt. Und Ihr müßt wollen, was Ihr wollt...
Und glaubt mir, ich weiß, wovon ich rede. Ich stehe mit dem Rücken zur Wand. Nur ein Frontalangriff kann die Dinge noch irgendwie ändern. Doch worauf soll ich zielen beim Angreifer, der ich doch selber bin? Auf das Herz - okay, ich reiß es mir heraus - und dann? Auf die Seele - gut, ich laß sie im verdienten Feuer schmoren - und dann? Auf den Körper - ja, ich vernichte ihn - und dann??? Nichts von alledem macht Sinn, wenn man selber der Angreifer ist. Und das seid Ihr - und das bin ich. Laßt uns die Vorschlaghämmer, die Erzpickel, die Kanonen oder was wir gerade so dahaben auspacken und die Wand hinter uns einreißen. Glaubt mir, anders geht es nicht.
Mit den glühendsten Gedanken an alle, die ich damit meine...
geschrieben von: Replique
Weißt Du, daß ich gestern so dicht bei Dir war, daß ich Deinen wunderbaren Duft beinahe einatmen konnte? "So dicht, daß ich Dich fast riechen kann" erinnerst Du Dich? Meine Gedanken kreisten fieberhaft um eine Möglichkeit, Dich irgendwie zu sehen. Zu riechen. Zu fühlen. In Deinen Augen zu versinken. Du weißt gar nicht, wie tief sie sind, oder? Stell Dir den kältesten tiefsten grünsten wärmsten gefährlichsten schönsten See vor... Und dann ertrinke willentlich in ihm. Willentlich. Ich wußte vom ersten Augenblick an, daß ich ertrinken würde. Als ich das erste Mal dieses Glitzern sah, oh, ich erfand eine Million Gründe, wieder zu Dir zu gehen. Wie ein Zwang. Wie der Durst, den der Wüstenwanderer empfindet. Oder Hunger, den ein Annorexiakranker empfindet. Gegen ihn arbeitend, wissend, daß es falsch ist, ihn zu bekämpfen, wissend, daß es unabdingbar fürs Überleben ist, ihm nachzugeben. Nachgeben. Gib nach. Sei mein. Flieg mit mir.
Miss you.
geschrieben von: Replique
Sei vorsichtig mit dem, was Du Dir wünscht, denn es könnte in Erfüllung gehen. "Ich wünsche mir Winter..." Ja, nun hab ich ihn. Doch was, wenn ich die Zauberglitzerwelt mit keinem Auge sehe, sie mit keiner Faser genießen kann? Wenn mir einfach nur kalt ist und mir die Temperaturen das sowieso schon dünn gewordene Blut in den Adern gefrieren lassen?
Es lassen sich - wie ich gerade beim Darüberlesen feststelle - nette oder vielmehr grausige Parallelen zum Rest diesen ganzen Chaos'. Ich wünsch mir etwas, es geht in Erfüllung und noch bevor ich es genießen könnte, wird der Genuß von ichweißnichtwas abgeschaltet. Nichts geht mehr. Steh ich mir denn sooo sehr selbst im Wege oder wünsch ich mir einfach die falschen Dinge? Es ist zum Verrücktwerden. Ich will einfach nur... ich bin lieber vorsichtig, nicht?
geschrieben von: Replique
Es gibt Tage, die beginnen eigentlich ganz gut und auch unauffällig. Alles scheint soweit ganz gut zu sein. Es regnet oder stürmt nicht, man steht mal nicht mit dem falschen Fuß auf. Es sind genügend Brötchen fürs Frühstück da und die Milch für den lebensnotwendigen Kaffee ist auch noch gut. Da sitzt man dann noch warm vom Bettchen am Frühstückstisch, versinkt in der morgendlichen Ruhe, weckt die Lebensgeister und startet frisch in einen neuen Tag.
Irgendwann im Laufe dieses Tages fragt man sich dann aber plötzlich, wann es denn wieder zuschlägt, das Monster, verbannt den Gedanken ganz weit hinten, verriegelt die Tür mit einer ausgeklügelten Technik, um es ja nicht durch bloßes Drandenken zu wecken. Geht am Spiegel vorbei - schaut hinein - und sieht es auf der Schulter sitzen. Irritiert fragt man das häßliche Viech, was denn nun schon wieder sei. Aber allein die Frage und das Anreden läßt das Mönsterchen zu doppelter Größe anschwellen. Es plustert sich fies grinsend auf und - antwortet nicht. Doch irgendwie hat man das Gefühl, nun sei es wohl nicht mehr zu vertreiben. Gute-Laune-Macherei, Locken mit Leckereien, Drohungen unter der Gürtellinie. Nichts läßt es verschwinden. Das dumme Grinsen wird immer breiter. Kurz bevor es zur absolut abstoßendsten Kreatur wird. Und dann fährt es seine in jahrelanger Feinarbeit geschärften Krallen aus und stößt diese mit einem Jubelschrei, der alles Glas in der Umgebung zum Springen bringen sollte, in das Herz seines Besitzers.
In MEIN Herz.
Biste wieder da, Monster? Na wunderbar...
geschrieben von: Replique
Berg und Tal. Dunkelheit und Licht. Im ständigen Wechsel. Es zehrt.
Jetzt gerade voller Energie. Soo viel zu tun. Ich werde es beginnen. Jetzt. Sofort. Mit einem Abschiedsbrief. Weil Du Dich nicht verabschiedest.
Liebes Pferd, das sich als Kater verkleidet,
ich möchte nach all den Monaten endlich einmal einen schriftlichen Schlußstrich unter alles ziehen. Unter eine Sache, die seit Ewigkeiten erledigt ist. Aber ein Gentleman tut es mit einer charmanten Verbeugung. Du konntest das nie. Selbst als ich mit völliger innerer Sicherheit zu Dir sagte, wir würden uns nie wieder sehen, nahmst Du den Halm nicht, der uns gerettet hätte.
Also, Katerchen: Du hast mich geweckt, etwas in mir geweckt, das Du nie in der Lage warst und wärst zu stillen, zu befriedigen, wenn Du so willst. Du hast mich geweckt, ja. Und ich bin Dir dafür dankbar, so schlimm die Zeit für mich danach auch gewesen sein mag. Ich habe etwas in die Geschichte hineininterpretiert, um mich vor mir selber zu rechtfertigen. Um Dich vor mir zu rechtfertigen. Das war falsch, das weiß ich jetzt. Es hätte allerdings absolut nichts geändert.
Ich werde, genau wie ich es Dir sagte vor unendlich langer Zeit, diese ganz bestimmten Momente mitnehmen. Du weißt schon, wohin. Diese Momente waren eine Offenbarung meiner selbst. Sie haben mir gezeigt, wer und was ich wirklich bin. Wozu ich fähig wäre. Wenn ich hätte, was ich haben will. Sorry, wenn Du quasi mein Opfertierchen für diesen Versuch warst. Du bist eine schöne Erinnerung. Ich danke Dir.
Jetzt noch ein kleiner Rat: wenn Du sie wieder haben willst, und das willst Du, das wissen wir, versteck und und verkriech Dich nicht. Das verletzt sie. Es läßt sie sich noch weiter entfernen. Weiter als Dir lieb sein kann. Vertrau mir dieses eine Mal, hm?
MY. Angely
So, das wärel erledigt. Energie aufgebraucht...
geschrieben von: Replique
Tal. Tiefstes, dunkelstes Tal. Ich gehe mit leeren Augen an den Leichen vorbei, die meinen Weg säumen. Sehe nicht die gebleichten Knochen, das im Todeskampf verkrampfte Antlitz eines jeden. Es berührt mich nicht. Ich habe all das angerichtet. Unbeabsichtigt. Nicht fähig, auch nur eine einzige meiner Entscheidungen zu durchdenken, die Konsequenzen auch nur zu erahnen. Jetzt liegen sie da, verfaulen. Leer und kalt. Es ist mein Weg, ich habe ihn durch die tiefe Schlucht gegraben, jeden Tag ein Stückchen tiefer. Jeden Tag kamen neue Reste hinzu. Menschen geopfert. Ideale geopfert. Mich geopfert.
Kein Vogel singt, Krähen kommen mit gierigem Krächzen angflogen, die noch nahrhaften Stücke meiner Kriegsfolgen aufzupicken, sie zu vernichten, sich zu stärken. Kein Sonnenstrahl dringt in die Tiefen dieser Schlucht, die Felsenwände zu dick, um Licht hindurchzulassen. Der gelassene Spalt zu schmal. Der Weg bis an den Grund zu weit.
Und so wandere ich. Nicht wissend, welchem der vielen Pfade, die ich getreten habe, ich folgen soll. Probiere den einen, kehre um, von Grauen gepackt, stolpere auf den nächsten schmalen Weg, um noch mehr ausgehackte Augen zu sehen. Panisch. Und doch macht sich Ruhe breit. Ich halte die Augen geöffnet. Vielleicht sehe ich etwas, das mich aus diesem Tal führen könnte? Ein kleines Blümchen, ein zuckendes Bein, irgendjemanden, der mir helfen könnte, aus diesem - meinem - Jammertale zu entfliehen.
Doch nur Nebel dringt aus den Poren des farblosen Gesteins. Verdichtet sich zu den Seelen all jener, die ich opferte. Mit aufgerissenen Mündern und Augen stehen sie nun vor mir, vorwurfsvolle Blicke lassen mich den Schmerz körperlich spüren, doch kein Schrei ist zu hören.
Allein. Ich bin allein. Und müde vom Kampf. Vom Kampf gegen und um mich.
geschrieben von: Replique
Liebes Jahr,
Du bist jetzt gerade einmal 27 Tage alt. Und doch hast Du mir schon so oft ins Genick geschlagen, daß ich mir schon albern vorkomme, wenn ich jemandem sage oder schreibe "kann nur besser werden...". Ja, es kann auch noch schlimmer werden.
Wieviele deprimierende Geschehen passen eigentlich in 27 Tage? Fange ich mal an mit freudig wieder aufgenommenem Kontakt, der ebenso plötzlich abbrach, wie er den einen oder anderen Lichtfleck auf den Schnee zaubern konnte. Zugegebenermaßen nicht so hell, wie er hätte sein müssen oder können oder sollen. Aber in solchen Zeiten ist man ja dankbar für jeden noch so winzigen Schimmer.
Fahre ich fort mit jeder Menge Ärger aufgrund dieses (nicht gebliebenen) Kontakts. Mit jeder Menge Selbstzweifeln, Schwarzseherei den restlichen Lebensweg betreffend. Kann es so weitergehen? Kann ich so weitergehen. Die Antwort ist ganz klar: Jain. (???)
Was kam als nächstes? Ah, ja. Mein kleiner b. ist jetzt für mindestens 3 Monate getrennt von mir. Von uns. Weint. Revoltiert. Genaugenommen ist er getrennt vom Rest der normalen Welt. Niemand mehr da, der ihn mit einem liebevollen "Halloho, komm mal wieder runter" auf den dämonenfreien Boden der Möglichkeiten ziehen könnte. Niemand, der ihm mit Wärme oder echtem Interesse die Hand reichen könnte. Ich vermiss Dich, Kleiner...
Dann Du, Zm. Kannst Du Dir eigentlich vorstellen, wie das für den Rest der Welt ist, wenn er das Gefühl hat, Du würdest die Möglichkeit in Betracht ziehen, Dich und Dein Leben aufgeben???? Es ist der Hass, hilflos daneben stehen zu müssen. Du kannst nicht aufgeben. Du darfst nicht. Ich verbiete Dir das!!!! Und wenn ich hinter Dir stehen muß, um mit Deiner Hand das Schwert gegen das Untier zu führen. Ich mach das. Ja, das ist eine Drohung... Ich kann den Gedanken nicht ertragen, Dich zu verlieren. Ich habe Dir gesagt, Du sollst kämpfen. Ich habe Dir gesagt, wie sehr ich Dich liebe. Ich habe Dir gesagt, daß ich Dich brauche. Hilf mir, indem Du Dir hilfst. Noch schlimmer waren eigentlich die Nächte, in denen ich um Dein Leben bangte. Ich saß hier, die halben Nächte und habe GEBETET. Wen ich bat, kann ich nicht sagen, es war auch völlig nebensächlich. Ich bat einen Engel, für Dich zu sorgen, Dir Licht zu schicken. Und es kam mir weder komisch noch albern vor. Im Krieg und der Liebe sind alle Mittel erlaubt. Dies hier ist beides. Krieg und Liebe. Und wir müssen dieses Gefecht gewinnen, unbedingt. Gefecht für Gefecht den Gegner schwächen. Dich stärken.
Heute dann ein weiterer Tiefschlag. Das Alter schlägt zu. Naja, noch nicht bei mir. Noch nicht. Doch bei dir, liebe Vertraute. Du weinst vor Schmerzen. Es tut mir so leid, Dich so zu erleben. Dir genau wie ihr nichts von ihrem Schmerz abnehmen zu können. Und das würde ich. Das weißt Du, hm? Ich bin in Gedanken bei Dir, lenke Dich ab, lasse die dunklen Gedanken im Nichts verschwinden so gut ich kann. Ich liebe Dich...
27 Tage angefüllt mit Schmerz. Trauer. Wut. Hilflosigkeit. Krankheit. Ich mag gar nicht daran denken, daß es erst 27 von 365 sind. Und für den Spruch "Kann nur besser werden" fehlt mir einfach die Energie. Für Angst leider nicht...
geschrieben von: Replique
Als ich noch ein Kind war, fand ich es wunderbar, wenn mein Körper mit Fieber gegen irgendeine blöde Erkältung kämpfte. Fieber euphorisierte mich, ich war völlig high, hatte das Gefühl, Bäume ausreißen zu können, alles schaffen zu können. Selbst der Schlaf, der diesen Hoch-Zeiten folgte, war erholsam und das Aufwachen glich einem Aufspringen. Voller Tatendrang stürzte ich mich dann an die Dinge, die zu erledigen waren oder die ich schon immer mal tun wollte, nicht konnte, weil ich ja zur Schule gehen mußte. Ich schrieb Geschichten, malte Bilder. Schrieb Briefe an liebe Menschen. Putzte der Ficus, um meiner Ma eine Freude zu bereiten. Blatt für Blatt. Und es war ein großer Baum. Als das Fieber dann den Feind in meinem Körper ausgemerzt hatte, verwandelte sich die Welt wieder in die Welt, die sie nun einmal ist. Ich wurde auch wieder ich, zwar streckenweise - aber nicht dauer- euphorisch. Es war okay. Aber am liebsten hätte ich ein Mittelchen gehabt, das Fieber auslösen kann. Oder diese Dauereuphorie.
Wie sieht es heute aus, hm? Der Kopf ist in Watte gepackt, ist vermutlich auch ganz gut so, denn sonst würde er vor Schmerz platzen. Die Muskeln sind völlig verspannt. Der Schlaf nicht erholsam, die Müdigkeit will einfach nicht enden. Die ganze Welt ist in ein tristes Grau getaucht, jeder Sonnenstrahl könnte den Kopf zum Explodieren bringen. Von Euphorie oder sonstigen angenehmen Gefühlen weit und breit keine Spur zu entdecken. Kreativität? Fehlanzeige. Heißt "erwachsen" sein, sich zu wünschen, die Welt wäre nur endlich wieder so, wie sie nun einmal ist?
geschrieben von: Replique
Die Welt ist wieder so, wie sie nun einmal ist... juhu...
Ich habe so viele Menschen um mich, die mit ihren Ehen oder Beziehungen Schwierigkeiten haben. Es ist entsetzlich. Ich will hoffen, daß es irgendwo auf diesem jämmerlichen Planeten noch eine gute und glückliche Beziehung gibt. DAS ist wirklich eine Hoffnung, die ich nicht aufgeben will. Alle, denen ich in ihrem Leid lausche, sind enttäuscht. Von der - sagen wir mal - Banalität, die dem Verliebtsein folgt. Sie lesen rührende Liebesromane, in denen entweder die Liebe am Anfang (also das Verlieben) dargestellt werden oder eine Liebe eben gegen alle Stürme hält. Dann drehen sie sich um und sehen ihren Gatten ins Gesicht und .... ja nix und. Er sitzt da, fragt oft so Sachen wie "Was denkste denn nu schon wieder Verdrehtes?", schaufelt irgendein Zeugs in sich rein, gibt sich nur wenig Mühe. Sie sind enttäuscht. Und ich versteh es auch ein wenig. Und gleichzeitig beneide ich diese Enttäuschten, denn es ist einfach für sie. Wie ich finde. Sie sagen, "dies oder jenes muß er anders machen", dann ist es wieder da. Letztendlich die übliche Geschichte mit der nicht zugedrehten Zahnpastatube. Wenn er es dann so macht, wie sie es wollen, ist alles gut. Oh Mann...
Aber nun seh ich mir mein eigenes kleines Drama an. Hm. Da ist jemand, mit dem ich die Seele teilte. Der mich ebenso ausmachte, wie es mein Teil tat. Ich war nicht vollständig ohne ihn. Gegenseitiges Verständnis, wortloses Verstehen, gemeinsame Träume. Alles war so wunderbar. Die Vorstellung, eines Tages die 20 Enkelchen und Urenkelchen um uns geschart, lachend. Wir noch immer miteinander verbunden. Was ist denn nur passiert? Wo ist es alles hin? Im Grunde ist der Unterschied von uns zu den anderen, daß wir wissen, was wir verloren haben und nicht noch immer etwas suchen, von dem wir nicht genau wissen, wie es sich anfühlen wird. Wir suchen und können nicht finden. Das ist dann wohl die Gemeinsamkeit zu den anderen, nicht?
geschrieben von: Replique
Es fühlt sich alles so ... falsch an. Es ist, als würde sich alles ändern, ohne daß ich begreifen könnte, was genau es denn ist. Ich steh im Dunkeln. Keine Ahnung. Ich schrieb, ich hätte jemanden gehabt, Dich, mit dem alles so war, wie es sich alle Wesen wünschen. Perfekt. Nein, nicht einfach. Aber eben perfekt. Und nun? ich lese, daß nichts davon wahr gewesen wäre, meine Erinnerungen mich trügen würden. ich bin mehr als nur verwirrt. Es ist, als hätte mir jemand gesagt, all mein Fühlen und Denken in den vergangenen Lebensjahren sei nur ein Produkt irgendeines Computerprogrammes. Eine verdammte Illusion. Ich weiß nicht, ob ich damit leben kann. Bin so völlig leer. Hab ja nicht mal mehr Erinnerungen.
Kann man die Vergangenheit neu schreiben?
geschrieben von: Replique
Ich bin mir inzwischen (fast) sicher, daß ich die Vergangenheit nicht neu schreiben kann. Und Du auch nicht. Aber Du hat Deine Erinnerungen und ich meine. Wenn Du meinst, ich idealisierte die meinen nur, dann sei halt dieser Meinung. Und ich bin eben so, wie ich bin. Wenn ich anders wäre oder irgendetwas anders gewesen wäre oder gar so, wie Du es hinstellst, hätte ich nie auf der Burg "Ja" gesagt. Nie. Mit nur einem Hauch Zweifel wäre nichts davon gekommen, wie es gekommen ist.
Weißt Du, ich kann nicht beeinflussen, wie und was ich fühle. In diesem Falle, wohl eher, was ich nicht fühle. Es ist, als hätte ich einen großen Teil von mir verloren. Und ich kann ihn beim besten Willen nicht wiederfinden. Es ist keine Frage des Wollens. Es ist nicht beeinflußbar. Ich finde das einfach nur schrecklich.
Ich weiß, daß ich dich in den letzten Monaten oft verletzt habe, weil ich bin wie ich bin. Aber ich kann und will nicht aus meiner Haut. Es geht einfach nicht.
Alles fühlt sich so falsch an. Es ist deprimierend, frustrierend. Du in Deinem Labyrinth, ich in meinem, beide haben keine Verbindung zueinander. *seufz*
Genug für heute. Ich werde sehen, ob mir die Götter in der Nacht Einsicht gewähren.
geschrieben von: Replique
Oh, so lange schon kein Gejammere von mir gegeben. Dabei hat sich eine Menge ereignet. Wahrscheinlich war es so schlimm, daß ich nicht in der Lage war, meine Gedanken zu ordnen, geschweige denn sie in Worte zu fassen.
Alles ist so entsetzlich verworren. Immernoch. Ich sitze hier alleine. Vor meinem Computer. Mit Musik von Umbra et Imago im Hintergrund. Wie immer. Nichts ändert sich, alles bleibt wie es ist.
Obwohl: Du hast Dich entschlossen, die Vergangenheit in dem Licht zu sehen, das diese würdigt. Endlich. Kein Hass mehr. Keine Verdrehungen. Keine mutwilligen Manipulationen. Nur noch Erinnerungen, die zu Tränen rühren, die spüren lassen, wie stark der Verlust ist. Fur Dich und für mich. Doch was bleibt, ist die Gewissheit, alles verloren zu haben.
Mir geht es dieser Tage entsetzlich übel. Ich krieg die Mauer einfach nicht so schnell hochgezogen, wie sie wachsen müsste, um mich abzuschirmen gegen diesen Schmerz. Ich trage in jeder einzelnen Minute diese schrecklichen Momente dieses schrecklichen Wochenendes mit mir herum. Weißt Du, der Nachhall meines Wollens ist immernoch in mir, stärker denn je. Ja, hingezogen gefühlt zu dieser Welt habe ich mich schon immer, doch noch nie war es so ... entromantisiert. So völlig logisch und wie der letze Ausweg. Eine Möglichkeit. DIE Möglichkeit. Es ist furchtbar für mich, der Quell so tiefen Leides zu sein. Immer und immer wieder und nie endend.
Ich will nicht mehr fühlen. Nichts mehr. Will die Schneeglöckchen nicht sehen. Den Frühlingsduft nicht riechen. Mich nicht an den letzten Frühling erinnern. So voller Schmerz, so voller Leidenschaft. Ich will nicht. Doch wie Du weißt, ist Fühlen, Riechen, Schmecken, Sehnen kein Akt des Wollens. Nicht kontrollierbar. Ich seh sie doch, die Boten. Ich riech sie doch, die Verlockungen. Und ich spür sie tief, die Erinnerungen.
Und Du: ich weiß nicht, was ich denken und fühlen soll. Abschied. Ja. Gut gefühlt. Ja. Wieder aufgelebt, mit jeder Faser des Herzens gesehnt. "Vollmond" ohne Dich. Gelitten dort unter all den Menschen, immer auf der Suche nach Deinen grünbraunen Augen. Wie immer enttäuscht, Du nicht da, ich einsam. Es ist der Hass. Ich sagte es ja. Ich hasse diesen Eiertanz, ich biet mich an wie eine billige Hure. Nein, tue ich nicht. Aber ich würd es vielleicht. Ich sollte aufhören, Mozart's Stimme zu lauschen. Ich bekomme nicht, was ich will. Und wie eine verwöhnte kleine Göre schmeisse ich mich auf den Boden, trampele und schrei "Ich will Dich aber!!!!" Ignorier mich nicht. Ignorier mich. Will mich. Will mich nicht. Manchmal glaube ich, nicht mehr ganz "klar" im Kopf zu sein.
Und mir Dir würd ich gerne tauschen. Meine Liebe. Ich würde aufgeben, so wie Du es in manchen Momenten auch tun würdest. Du könntest ihnen sein, was ich noch oder manchmal (weißt schon) bin. Es wäre die perfekte Ausrede...
An dieser Stelle noch zwei besondere Herzengrüße: Liebe Sonnenkönigin, lieber Vampir. Ohne Euch wär es noch dunkler. Ich dank Euch für die unendlichen Weiten Eurer Herzen. Wäret Ihr hier, würd ich ob Eurer Liebe weinen. Ihr seid wunderbar. Ich liebe Euch. Wie nur ich es kann...
geschrieben von: Replique
Mal was ganz Neues: eine gute Nachricht. Die kleine Kuschelkatze ist wieder da!!! Wurde wegen - tja, weswegen eigentlich - wieder entfernt aus den Mühlen... Ich hatte immer angenommen, im Irrenhaus gibt es nur zwei Möglichkeiten: zuzugeben, daß man irre ist und drin zu bleiben und zu dementieren, daß man irre ist und drin zu bleiben... :-)
Die kleine Blutkatze zeigt mir mal wieder, daß noch Zeichen und Wunder geschehen...
Aber weißte, es ist blöde, daß ich Dir soviel Persönliches von mir erzählt habe, ich glaub ja nicht wirklich, daß ausgerechnet ich Dich von einem weiteren Besuch in der komischen Welt fernhalten kann. Aber ich verlaß mich mal auf Deine untrügliche Intuition. Und verspreche hiermit, etwas "ganz Verrücktes" zu tun. Wenn ich auch überhaupt keinen Plan habe, was Du meinst...
Schön, daß Du wieder da bist. Hab Dich lieb, Cat.
geschrieben von: Replique
Oh Mann, es schneit schon wieder... Ich will ja nicht klingen wie all die alten Leute, aber: ES NERVT!!! Ehrlich. Ich hab es dermaßen satt, ständig zu frieren, ständig irgendwelches Streusalz ins Haus zu schleppen, den Flöckchen zusehen zu müssen... Oh Mann...
Aber es passt. Mein Winter scheint ja auch kein Ende zu finden. Ich war gerade in einem anderen Thread unterwegs, dort wurde, um ein oder mehrere Probleme zu beleuchten, klugerweise geraten, zukünftige Wünsche oder Vorstellungen oder Ideale aufzuschreiben und zu werten. Struktur. Okay. Gute Idee. Dann saß ich hier mit einem sehr weißen, sehr leeren Blatt Papier. Was soll ich sagen? Jetzt, 3 Kaffeebecher später, ist es noch immer weiß wie Schnee! Was ist denn nur los? Ich habe keine Idee, was ich will, keinen Plan, was ich schon immer mal tun wollte. Anscheinend nicht mal Ideale. Leer. Kalt. Ausgebrannt.
Vielleicht gehör ich ja zu den Menschen, die die Dinge von der anderen Seite betrachten sollten. Ideen, was sie NICHT wollen. Ja, dazu fällt mir ne Menge ein. Dinge, die ich nie wieder tun würde. Auch dazu bin ich ziemlich kreativ und der Block würde sich füllen. Schneller als der verdammte Schnee vom Himmel rieseln kann. Ideale. Auch ein interessantes Thema. Ich weiß in dieser Hinsicht so ziemlich genau, wie und wer ich nicht sein will.
Es gibt ja Leute, die wissen, daß sie sich dringend ein neues Auto kaufen wollen. Weil das alte schon 2 Jahre alt ist. Und dann sind sie 24 Stunden am Tag mit ihren Gedanken bei diesem merkwürdigen Thema, tun alles, um diesen "Traum" zu erfüllen. Erfüllen ihn sich, sind für 3 Tage glücklich (?) und wollen ein neues Haus. Auf der einen Seite beneidenswert, weil sie ja die ganzen Vorbereitungen treffen mit dem Vorgeschmack auf das Wohlgefühl, wenn der Wunsch erfüllt ist. Scheint bei mir nicht zu funktionieren. Hab es jahrelang versucht. Doch es führt letztendlich zu Konsumgier. Und ist nur nebensächlich. Weil es nur scheinbar befriedigt. Im Grunde suchen sie echtes Glück. Wer tut das nicht? (Dies war das "andererseits")
Zurück zum erschreckend weißen Zettel. Er liegt nun vor mir. Die Überlegung drängt sich auf, von Kaffe auf Härteres (Whiskey, obwohl ich bezweifle, das Wort richtig geschrieben zu haben, so wenig ist mir das Zeug bekannt) umzusteigen. Schade, daß ich weder was in der Richtung dahabe noch es vertragen würde. Auch noch sensibel... Grr...
Im Moment wär ich - glaube ich - gerne irgendein Tier. Nur gesteuert von Instinkten. Auf der Suche nach Nahrung. Angriffe abwehren. Sich verstecken, wenn die Gefahr zu groß wird. Sich niederlegen, wenn man müde ist. Ohne dieses Gefühl, irgendwas Großes, was Menschliches leisten zu müssen. Zu wissen, was man will. Ohne Strategien austüfteln zu müssen, die einen mehr oder weniger bescheidenen Erfolge aufweisen oder auswiesen. Ohne Versagensängste. Ohne das deutliche Gefühl, versagt zu haben. Ohne diese Leere im Herzen. Ohne Trauer.
Fragt sich nur, welches Tier ich wär?
geschrieben von: Replique
Mein Lieber,
Du wärest jetzt stolze 45 Jahre alt. Wärest. Mir fiel heute Mittag einiges, das mich an Dich erinnert, in die Hände. Als ob ich Erinnerungshilfen bräuchte. Weißt Du, es ist so schön, an Dich zu denken. An unsere Gleichartigkeit. Ja, schon klar, ich war irgendwie die meiste Zeit ein Kind. Und trotzdem waren wir uns sooo nahe. Von Anfang an. Immer. Am nahesten beim letzten Treffen, draußen bei den Kindheitserinnerungen, die wir teilen. Deine Wärme, die Umarmung, die mich umfing. Die Liebe, die wir teilten. Ich kann mit niemandem hier über Dich reden. Tantchen hat Dir noch immer nicht verziehen, ist nach so vielen Jahren noch immer stinkwütend über Deinen Abgang, über die Ausmaße Deines Abganges. Es verletzte sie mehr, als Du denken kannst. Es war eine Beinahe-Wiederholung der Vergangenheit. Ich meine, Du kanntest doch die Geschichten kurz nach meiner Geburt, oder? Du weißt doch, daß er uns auch beinahe mitgenommen hätte, oder? Mein Gott, ich mag gar nicht daran denken, wie es in Dir ausgesehen haben muß, daß Du zu solch krassen Ausmaßen fähig warst. Ich schrieb ja schon mal: ich hätte es sehen müssen. Ich habe ein Bild von Dir, wenige Tage "vorher" aufgenommen, vermutlich sahst Du auch so aus, als wir uns sahen, zum letzten Mal. ICH HÄTTE ES SEHEN MÜSSEN!!! Habe ich nicht, ich sah nur Deine Liebe, Dich - wie Du für mich immer warst.
Ich erinnere mich noch an eine kurze Fahrt in Deinem "Auto" durch das Dorf, in dem Du wohntest. Du zeigtest mir Deine Welt, bezeichnetest sie als armselig. Und ja, irgendwie versteh ich, was Du meinst. Du hattest Gaben, warst emotional wie rational sehr intelligent, von ungewöhnlicher Schönheit für einen Mann. Nichts davon hast Du genutzt, nichts nutzen können. Nicht in dieser Welt...
Das war der Punkt, der mich über unsere Gleichartigkeit näher nachdenken ließen. Abgesehen von der "außergewöhnlichen Schönheit für einen Mann" haben/hatten wir dieselben Voraussetzungen, vom selben Holz. Ich hab auch nichts draus gemacht. Und meine Welt ist deutlich besser, viel mehr Türen standen mir offen. Ich habe einfach keine Idee, kein Durchhaltevermögen, wie es scheint.
Als diese ganze Geschichte passierte, warst Du genauso alt wie ich jetzt. Ich werde die Geschichte nicht wiederholen. Definitiv nicht. An irgendeinem Punkt scheinen wir uns nicht zu gleichen. Aber ich gebe zu, Momente zu haben, in denen ich genau weiß, wie dunkel es sein kann. Ich habe heute einen kleinen Zettel gefunden, vom 13. Februar 199.... Mit zittriger Schrift stehen dort zwei kleine Worte. Ich hatte am 13. Februar 2010 auch so einen kleinen "Nervenzusammenbruch", wie auch immer man es nennt. Die Dunkelheit war spürbar, fühlbar, hörbar, tief in mir, um mich herum. Es war einfach nur noch schwarz. Synchronizitäten nennt man sowas, wie ich letztens lernte. Zufälligkeiten, die vielleicht keine sind. Ich habe manchmal Angst. Große Angst.
Ich vermisse Dich schrecklich. Ich habe Dir verziehen, weil es nichts gibt, das ICH DIR verzeihen müßte. Ich wünschte, auch noch nach so vielen Jahren, ich könnte zum Telefon greifen, Deine Stimme hören, Du würdest mich als Sozia mitnehmen zur Brücke und wir würden mit unserem Vertrauen spielen können. Ich habe Dich geliebt. Tue es noch immer. Ich wünschte, Du wärst hier...
In Liebe.
geschrieben von: Replique
Erinnerungen brechen über mich herein. Böse Erinnerungen, die ich bis vor einigen Tagen völlig negiert hätte. 'Nein, das bild ich mir nur ein'. Doch einmal zugelassen, fordern sie ihr Recht. Sie verstärken sich. Ich kann nichts dagegen tun. Ich muss es aufschreiben, sonst werd ich noch irre...
Es war einmal ein kleines Mädchen, vielleicht 10 Jahre alt. Niedlich anzuschauen. Es lebte mit ihrer Mutter in einer kleinen Stadt, sie nannten eine kleine Wohnung ihr eigen. Eines Tages verliebte sich die Mutter des kleinen Mädchens in einen großen, starken Mann. Er machte der Mutter Komplimente und Geschenke, gab sich sehr große Mühe, auch das kleine Mädchen nicht zu vergessen. Es wurde mitgenommen zu Ausflügen, in den schönen Garten, den dieser Mann besaß. Das Mädchen war froh und glücklich, seine Mutter einmal so gelöst und zufrieden, statt wie sonst immer, angespannt und mit hilfloser innerer Wut, zu erleben. Eines Abends, eigentlich schlief das kleine Mädchen schon längst, wurde es geweckt von lauten Stimmen. Sich streitenden Stimmen. Es gab einen Knall. Die Zimmertür des Mädchens ging langsam und leise, beinahe zögerlich auf und herein kam der Lebensgefährte seiner Mutter. Er setzte sich auf den Drehhocker, der in der Raummitte stand, flüsterte mit alkoholverhangener Stimme nette Worte. Das kleine Mädchen war seit geraumer Zeit wach, hatte Angst, sich dem Manne zuzuwenden und doch stand es auf, ging langsam zu dem jetzt weinenden, betrunkenen Mann. Er nahm es in den Arm und bat es mit rauher Stimme, ihn zu trösten, ihn in den Arm zu nehmen. Er streichelte ihr den Rücken, seine Hände wanderten tiefer, landeten auf dem noch kindlichen Hinterteil der Kleinen. Sie versteifte innerlich. Wollte den Mann trösten, wollte ihn aus ihrem Zimmer haben. Verstand nicht, was genau er wollte. Hatte große Angst. Plötzliches Licht, eine aufschlagende Tür und die keifende Stimme der Mutter beendeten dieses nächtliche Trauerspiel. Die Mutter des Mädchens weiß bis heute nichts von diesem Besuch. Der große starke Mann starb wenige Jahre später bei einem Unfall. Das kleine Mädchen ist eine Frau geworden. Mit stark ausgeprägten Berührungsängsten.
Ich wollte, die Erinnerungen wären geblieben, wo sie sind....
geschrieben von: Replique
Ein Jahr. Beinahe ein ganzes Jahr. Sich bewußt sein über das, was falsch ist.
Es geht so langsam auf das Datum zu, das sich als erstes erinnerliches des vergangenen Jahres darstellt. Es begannen, die Schneeglöckchen zu blühen. Ich hatte eine Idee. Wie immer, wenn ich etwas will, muß es sofort in Angriff genommen werden. Also ging ich los, schlaumachen muß man sich. Die Kätzelchen im Schlepptau. Bin auf einen bärtigen, sehr dicken Mann gestoßen, der sich später als Frau herausstellte. Landete im nächsten dieser Läden. Und dann? Dann war vorbei. Meine Fassade bröckelte - ich glaube -wirklich in dem Augenblick, als Du - händedesinfizierend - aus dem hinteren Teil des Ladens kamst. Schön wie ein gefallener Engel. Bezaubernd wie ein Krieger. Ein Mann. Ein echter Mann. Nun, und ich stand da wie ein kleiner Teenager, ist mir heute noch peinlich. In Deiner Gegenwart konnte ich nie Ich sein. Immer dümmlich grinsend, gedankenverbergend. Immer. Glitzern in den Augen. Sanftes Streichen großer warmer Hände über meinen Arm, zärtlich. Kundig. Du hast es auch gespürt, nicht? Jedesmal, wenn ich ein Brot backe, denke ich an Dich. Ob es wohl wieder verbrennt? Dinkel mit Vollkorn, rauchiges Haus. Bitten um die andere Seite von Dir. Immernoch.
Ich will nicht mehr an Dich denken. Sage ab und zu laut: GEH WEG, Leute schauen mich komisch an. Kann es ihnen nicht verdenken. Doch weißt Du? Du warst ja niemals bei mir. Wie könntest Du da weggehen... ? Kuss an Deine Seele. Kranke Seele macht kranken Körper, weißt Du, hm? Alles Liebe.
geschrieben von: Replique
So langsam aber sicher bröckelt mein mühsam aufgebautes Selbstbewußtsein. Jahrelang habe ich gebraucht, es aufzubauen, Magerwahnattacken ignorierend. Lernend, wie es ist, wenn man sich mit all seinen Macken mag. Es ist schwer. Es war schwer. Ich hatte es geschafft. Doch seit ein paar ... Wochen?... bröckelt es. Ich fühle mich fürchterlich fett, und weiß doch genau, daß es nur eine bequeme Verlagerung ist. Wenn ich an meinem Körper rumtüfteln kann, ihn "verbessern" will, mit mit Essensentzug - tja - bestrafe, weiß ich doch genau, daß es die klassische VogelStraußPolitik ist. Sie verhindert, genauer nachzusehen. Die wieder hochgekochten Erinnerungen sind es nicht, nein, die Sachen sind aufgearbeitet. Nicht schön, aber wahr und eben ein Teil von mir. Und Arme, die sich mir entgegenstrecken. Hm. Ja, zum Teil. Vielleicht sogar sehr. Immer wieder habe ich das Gefühl, mich wie ein Teenager zu benehmen, bin wütend über mich selbst, rede unreflektiert, fühle ohne zu denken, rede ohne zu wissen. Erwarte ein Verstehen meiner ständig wechselnden Launen - ohne es wirklich zu erwarten oder wirklich zu wollen. Wenn jemand meine Launen verstehen soll, muß ich sie wohl selbst erstmal verstehen. Wenn mich jemand lieben soll, muß ich mich wohl selbst erstmal lieben.
"Ich weiß nicht, wie Du heißt.
Doch ich weiß, daß es Dich gibt.
Ich weiß, daß irgendwann
irgendwer mich liebt.
... ich warte hier, stirb nicht vor mir..."
(Rammstein, Stirb nicht vor mir)
Total verwirrt, durcheinander. Ich bin mir sicher, denken zu können. Mehr als nur Jammern ist im Normalfall auch drinne. Hoff ich jedenfalls. Rumblödeln zum Beispiel. Nee, mal im Ernst. Wieviel ist dran an meinem Image als denkender und fühlender, tiefer, warmer Mensch?
Wie die kleine Blutkatze immer schreibt: *drop*
- Ende der Jammerei -
geschrieben von: Replique
Was für ein beschissener Morgen! Es ist gerade erstmal 9 Uhr und die Sonne, die sich gar nicht erst zeigte, ist auch schon wieder untergegangen.
Ich steh auf mit mittelmäßig guter Laune und werde ... angegnatzt. Keine Ahnung, was ich DIESMAL wieder falsch gemacht habe. Setz mich an den Tisch, bekomme Rückenschmerzen. Plaudere nett und werde... angegnatzt. Warum auch immer. Der dritte im Bunde hält sich an diesem Morgen auch nicht zurück, so daß ich ein drittes Mal Opfer schlechter Laune werde. Schaue in den Spiegel und find mich zum K*** häßlich. Nach dreimaligem Umziehen ist es immer noch nicht besser. Köööönnte sein, daß es nicht an den Klamotten liegt...
Und eben. Ich treffe eine gute Bekannte. Sie ist sonst immer gut drauf, obwohl sie seit einem guten Jahr gesundheitlich ziemlich ramponiert ist. Doch heute reicht ein Blick in ihr Gesicht, mir die Qualen zu zeigen, die sie aussteht. Körper und Geist. Kranker Körper kann ebenso heißen, daß die Seele sich daran entzündet, wie es oftmals im umgekehrten Falle ist. Sie geht neben mir und berichtet mit schmerzverzerrter Stimme von ihrem Seelenleben. Wie soll ich denn reagieren? Was will ICH denn, wenn ich jemandem erzähl, wie es mir geht, wenn es mir schlecht geht? Arm im Gehen um die Hüfte gelegt, Verständnis signalisiert, tiefes Mitleid empfunden. Mitgelitten. Ihr gesagt, sie solle das Mantra "ich schaffe das, ich schaffe das" (Danke, N.) vor sich hinraunen, bis sie es glaubt. Denn sie muß ja. Sie muß. Kaum daß sie zu ihrer eigenen Tür hinein ist, bin ich mit meinen Kräften am Ende. Scheele Blicke des vorbeifahrenden Briefträgers "Wat heult die denn so früh am Morgen?" ist doch egal. Ich weiß, wie es sich anfühlt. Die Gewißheit, all die zu bewältigenden Aufgaben nicht zu schaffen, vor einem Riesenberg an unlösbaren Schwierigkeiten zu stehen, die für andere Menschen nichts als Kleinigkeiten sind.
All das sieht man, wenn man sich einen Blick hinter die "Spießer-"Fassaden erlaubt. Man sieht ebenso tiefes Leid, ebenso große Freude wie man sie selbst erlebt. Ich leide mit ihr und wenn sie es schafft, diese nächsten Tage einigermaßen zu überstehen, freue ich mich mit ihr. Sehr. "Du schaffst das, Du schaffst das..."
Ich hoffe, der Rest dieses Tages wird ein wenig besser. Für all die anderen, wie für mich. In diesem Sinne: alle, die Ihr das lest, habt einen schönen Tag.
geschrieben von: Replique
Die Zeit des Leidens, des ständigen Schmerzes scheint ihrem Ende zuzugehen. Nein, nicht daß all dies hier nicht mehr schmerzen würde. Das tut es. Doch es wandelt sich. Genau wie in der Natur treten neue, andere Kräfte ans Tageslicht. Ich nenn es mal Wut, Empörung und Grrr... Mal ganz deutlich: ich hab es satt. Einfach nur satt. Hier zu sitzen, darauf zu warten, daß... Ja, auf was denn eigentlich? Daß der Herrgott endlich ein Einsehen hat, die Zeit zurückdreht und alles so wird, wie es sein sollte? So, wie ich es einst erträumte? Ja, klar. Bestimmt. Soo wird es sein. (wenn ich daran glaubte oder je geglaubt hätte, wär die Frage, welches Tier ich sein wollte, zweifellos beantwortet: ein Schaf)
Nein, so geht das nicht mehr. Ich muß anfangen, endlich anfangen. Mich gründlich prüfen, sehr gründlich, muß mir endlich darüber klar werden, was ich will. Wenn ich das geschafft habe, bleibt noch die letzte und wahrscheinlich krasseste Hürde: das Abgleichen mit der Realität, schauen, ob es sich mit den Gegebenheiten vereinbaren läßt. Puh. Wenn ich all das vor mir sehe, steh ich vor einer uneinnehmbaren Festung und es sieht nicht unbedingt so aus, als kämen aus unsichtbaren Löchern lauter kleine Helferlein. Ich muß da wohl zwingend alleine durch.
Alleine. Wie immer. Weißt Du, ich komme zu Dir. Zum hundertsten Male und weiß vorher schon, daß es ein Fehler sein wird. Aber auf einen Fehler mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an. Ich sag Dir, was ich will. Und Du? Stehst vor mir und ES INTERESSIERT DICH NICHT!!! Ist Dir egal, wie es mir geht. Hauptsache, Du kriegst Dein Dings ans Laufen. Ja, es sei Dir gegönnt, Mißgunst gehörte noch nie zu meinen Eigenschaften. Aber laß mich doch um Himmels willen nicht so in den Seilen hängen, das ist doch ... *findet kein Wort außerhalb des Fäkalbereiches*
Naja, ich nehme mir jetzt mal wieder ein Blatt Papier. Diesmal aber kein weißes, damit mich diese kalte, weiße, anklagende Leere nicht wieder demotiviert (jo, es lag bestimmt an der Farbe), werde mir ernsthaft einen gangbaren Weg überlegen.
~ich schaff das schon~
geschrieben von: Replique
Wieder so ein Morgen. Schon wieder. Das kann doch alles nicht wahr sein. Kaum hab ich mich ein wenig aus dem blöden Depri-Loch aufgerappelt...
Tauschen wollte ich mit ihr. Doch wenn ich sehe, wie es mir geht oder ihrem Mann, wenn er mir von ihr berichtet, nein, dann will ich nicht mehr tauschen. Dies Leid, das die anderen, die sie lieben, erfahren. Es ist Leid, Schmerz, Erwartung noch schlimmeren Leides. Es ist Trauer. Und wieder Wut. Ich meine, ich kenne so viele Leute, die wirklich biestig sind, fast schon bösartig, die anderen nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönnen, die um sich schlagen und wissen: irgendjemandem werden sie schon den Tag vermiesen können. Um sich selbst besser zu fühlen. Doch diese Menschen sind das Gegenteil von ihr. Sie gibt Liebe und Wärme. Sie tut so viel für uns alle, gibt so gerne. Das hat sie nicht verdient. *schluchzt* Mir ist echt zum Heulen zumute. Doch was ändern Tränen schon? Nichts, nichts und wieder nichts...
Höre: ich liebe Dich sehr, Du bist mir sooo wichtig geworden in den vielen letzten Jahren. Gib nicht auf. Gib nicht auf...
geschrieben von: Replique
Es ist doch erstaunlich, wie bescheiden man kürzester Zeit werden kann. Zustände, die eben noch selbstverständlich sind, normal, werden begrüßt wie der allergrößte Sieg aller Zeiten. Ja, manchmal ärgert man sich sogar noch über die Auswirkungen dieser ganz normalen Zustände. Und dann ändern sie sich. Plötzlich hängt irgendwas, Leben, Zeit, Geduld, irgendwas halt am seidenen Faden und spätestens dann - ja, dann - bemerkt man, wie wichtig all das Zeugs doch so ist. Wenn dann erst wieder der Normalzustand erreicht ist, weiß ich, daß mein alter Freund recht hatte mit seinem zynischen Sprüchle: "Ist es nicht schön, wenn der Schmerz endlich nachläßt?". Anscheinend hatte er mir nicht nur einige Jahre, sondern auch einige Erfahrungen voraus. Nicht, daß ich es nicht vorher schon erlebt hätte, doch es ist jedesmal wie "neu".
Es durchjagt einen ein Glückgefühl, wenn alles so geblieben ist, selbst wenn man sich vorher drüber geärgert oder gegrämt hat. Und wißt Ihr was? Ich bin jetzt sowas von froh, glücklich und erleichtert, daß so etwas wie Normalität (zumindest am heutigen Abend) eingekehrt ist, daß ich fast den Sekt rauskrame!!!
Meine Güte, jeder Moment ist so kostbar.
geschrieben von: Replique
Und es bröckelt weiter. Das Selbstbewußtsein.
Ich fühle mich unwichtig, frage mich ernsthaft, WIE egal es denn eigentlich ist, ob ich hier noch bin oder nicht. Ich meine, klar, für die Notwendigkeiten bin ich gar nicht so schlecht geeignet. Für fremder Leute Kinder hüten zum Beispiel. Wogegen ich auch absolut nichts hätte, wenn es nicht gefragt werden würde, "ob sie es denn schafft". So ein mißachtender Unterton. Wenn ich dann über das reden will, was mich gerade bewegt, ja, dann rennen die Leute einfach aus dem Raum. Ich hab es beobachtet. Es ist nicht nur einmal so gewesen und ich war irgendwie überempfindlich, nein. Es war heute mindestens 4 mal so. Ich will diesen Jemand bestärken, trösten. Er lädt seinen Frust - anscheinend aber auch nur ungern - bei mir ab, und rennt aus dem Raum. Ich steh dann da. Alleine. Mit meinen Gedanken, mit meiner Unscheinbarkeit. Mit mir alleine.
Wieso reißt mich das eigentlich so runter? Es ist seit Jahren nicht anders. Meine Gedanken, die zugegebenermaßen hie und da leicht verworren sind, werden abgetan. Runtergespielt. Sie sind wertlos. Unwürdig, bedacht zu werden. Irgendwann kommt vielleicht für jeden der Zeitpunkt, an dem er darüber nachdenkt, ob es womöglich nicht nur die Gedanken sind, die wertlos und unbeachtenswert sind. Sondern man selber. So fühl ich mich gerade.
Andere stellen den AB ein, wenn sie genau wissen, daß ich anrufen will.
Gruß an N. Ich bete das neue Mantra heute ~ich bin es wert~
Noch ziemlich erfolglos.
geschrieben von: Replique
Was immer ich tue, ich brauche es nicht alleine durchzustehen.
Ein wesentlicher Punkt, den ich gerade mit liebevoller Wucht zu spüren bekam. Und ja, es stimmt. Es gibt so einige Menschen, die mich trotz aller Absonderlichkeiten, trotz meiner Handlungsstarre, trotz meines Trudelns durch diese Zeiten begleiten. Sie haben es getan, tun es und werden es tun.
Es fühlt sich unglaublich gut an, das zu wissen und auch noch zu fühlen. Zu begreifen, zu verinnerlichen. Selbst wenn man Dinge hören muß, die man gerade so gar nicht hören will ^^, weil man weiß, daß sie wahr sind, man aber nicht nach dieser Wahrheit handeln KANN. Ihr habt alle recht mit Eurem "Das kann so nicht weitergehen! Mach was!". Ihr habt ja Recht... Und so langsam muß ich wohl oder übel mal meinen Hintern hochkriegen, etwas tun. Ich muß, Ihr habt Recht...
geschrieben von: Replique
Anstrengende Tage. Wirklich anstrengende Tage liegen hinter mir. Es war sehr schön, sie um mich zu haben. Sie ist wie eine Freundin und ich weiß, sie versteht mich, selbst wenn sie einiges, das ich tue und denke, verurteilt. Vermutlich gerade, weil sie weiß, wie es innen aussehen kann und wie sich dies oder jenes anfühlen kann. Und ich fürchte, ich habe ein klein wenig zu viel erzählt, sie belastet mit viel zu viel von mir. Es scheint mir schwer zu fallen, Grenzen zu erkennen, wem ich was wann und mit wieviel Offenheit anvertrauen sollte. Ich wollte sie auf keinen Fall berunruhigen, ihr eigentlich nur erklären, wie es hier so ist.
Und das eigentlich auch nur, weil es mir eines Morgens unerklärlicherweise wieder so ... schlecht ging. Die Nerven lagen blank, ein widerlich fieses Monster saß auf meinen Schultern, zog diese nach unten. Jeder Atemzug, jeder Schritt, jedes normale Wort eine riesige Kraftanstrengung. Jetzt geht es wieder besser, doch scheint der Abgrund noch zu - viel zu nahe.
Ich muß. Ich kann, was ich muß, weil ich will. Ich will. Und ich kann.
geschrieben von: Replique
Merkwürdige Tage. Schleichend. Frühlingshaft. Alles geht seinen Gang, kein Nichts steht im Weg und guckt doof. Alles ist gut. Irgendwie. Gut im Sinne von erträglich natürlich nur. Aber da ist niemand, der mich groß angeht wegen irgendwelcher Sachen, die ich seiner Meinung mal gedacht habe (oder am Ende gesagt?). Die Menschen um mich herum lachen, freuen sich am Wiedererwachen der Natur.
Letztens packte mich so eine Art... Neid (?). Unsere Nachbarn, die ihr 25jähriges Ehejubiläum seit geraumer Zeit hinter sich haben, kamen von einer gemeinsamen Fahrradtour heim, er bot sich an, die Fahrräder in den Keller zu tragen. Als Dank streichelte sie ihm die Wange, gab ihm einen kurzen, jedoch liebevollen Kuss. So viel Liebe. Nach so langer Zeit. Ein so kurzer Moment, der so viel bedeutet. Auch mir sehr viel bedeutet. Denn es ist, was sich alle, die ich zu kennen glaube, im tiefsten Herzen ersehnen.
Klar, schön ist das Feuer des Beginns, rasend der Magen, anziehend das Äußere, wenn sich die neuen Bande knüpfen. Doch das wirklich Erstrebenswerte ist, was in den Filmen immer ausgeblendet wird. Das danach halt. Die sich gegenseitig nährende Flamme des gegenseitigen Respekts, der sich begegnenden Seelen, diese allumfassende Liebe. Das Sich-im-anderen-erkennen, das Geben der Wärme, das Empfangen der Glut.
Wieso schaffen es einige, doch andere nicht? Woher kommt dieser schleichende, manchmal jedoch auch plötzliche Tod einer so gewaltigen Masse von Gefühlen? Wo sind sie hin? Ich versteh es bis heute nicht... Ich fürchte, auch das Verstehen würde an der jetzigen Situation nichts, aber auch gar nichts ändern. Doch ich muß es ergründen, sonst bleibt so ein übles "schlechter-Mensch"-Gefühl. Das hemmt. Alles.
Küßt Euch. Liebt Euch. Und sagt mir dann, wie das geht....
geschrieben von: Replique
Gestern hatte ich den ganzen Tag ... eine Art Vergangenheitsflash. Wer war ich? Wie habe ich die letzten Jahre nur überleben können ohne mich zu kennen? Oh, mir ging es guuut. Ziemlich gut. Ich bekam alles, was ich wollte. Immer. Doch fragwürdig aus heutiger Sicht sind die Dinge, die ich wollte. So wenig Bewußtsein. Viele Emotionen in ihrer Tiefe gingen an mir vorüber - Vermeidungstaktiken.
Mehrere Tode in der Familie. Bei einer Tante konnte ich nicht einmal weinen. Bei einer anderen Dame, die mir mehr als sehr am Herzen lag, ein Abschied vor dem Abschied. Ebenfalls tränenlos. Wie konnte ich nur so abflachen? Passierten diese Unglücke heute, ich würde sie mit all ihrer Kraft spüren, die Tragik ausdrücken können und müssen. Ja, heute.
Es ist schon merkwürdig. Ich habe durch das Erwachen alles verloren, und doch auch so viel gewonnen. Sonne, Regen, Trauer, Freude, Freundschaft, Wärme, Wut und Euphorie. Alles ist so viel intensiver als in den vergangenen Jahren, so viel meeeeehr. Es ist Ich, ich bin zurück. Jedoch - der Preis, den ich dafür zahlte, war hoch. In manchen Momenten zu hoch. Der Preis war meine Liebe. Ich verlor sie, nicht plötzlich, nein, schleichend. Eine schleichende Gefahr, die ich nicht erkannte. Wie ein stetig steigendes Hochwasser, dessen Brisanz erst erkennbar ist, wenn es längst zu spät ist und es einen umschließt, erstickt. Tötet.
Hier und da ist es schwer, in diesem Tod so etwas wie eine Chance zu sehen. Das Schöne zu sehen, das ich gewann. Denn Schönheit ist nur sie selbst, wenn man sie teilt. Sie entfaltet ihren Zauber nur bei einem Gegenüber, das sie ebenfalls zu sehen im Stande ist. Ansonsten entfaltet sie ihre dunkle Seite. Schönheit wird zu Einsamkeit, zu Trauer. Zauberhaft dunkel.
geschrieben von: Replique
Die Kälte kriecht mir in die Beine. Vermutlich bin ich einfach zu dünn angezogen. Ich gehe weiter in die Nähe der Clubtür und hoffe auf ein wenig warme Luft, die aus dem Inneren strömt, während ich auf meinen Freund warte. Gelegenheit, all die anderen zu beobachten. Grüppchenweise strömen sie vom Parkplatz auf die Türe zu, lachen, plaudern aufgeregt, freuen sich auf einen schönen Abend im Kreise ihrer Freunde. Sie umarmen sich, küssen sich. Da, endlich kommt er, mein Freund. Freudestrahlend gehe ich ihm entgegen, nehme ihn in den Arm, versuche mich zu öffnen. Und ganz ehrlich? Einen Teil werde ich immer zurückbehalten.
Ich will mich in die Athmosphäre einspüren. Lakaien "Love me to the end", welch wundervoller Auftakt. Ich stelle fest, daß es in dieser Version nicht tanzbar ist, lausche dem Text und Sehnsucht ergreift mein Herz. Lacrimosa kommt mir in den Sinn
"Allein, verlassen, abgeschoben ins Exil.
Keine Liebe, Wärme, Hoffnung und die Sehnsucht brennt in mir.
Ich hör nur Stimmen und Geschwätz, doch keiner redet hier mit mir.
Ich will hier raus, ich will hier weg.
Ich weiß nicht mehr, was ich bin..."
Nein, jetzt bitte nicht. Nein, bettele ich. Laß mich in Ruhe, Du häßliches Monster. Ich möchte diesen Abend genießen. Doch immer wieder kehren die Gedanken zurück, alles mengt sich ineinander. In Extremo mit "Frei zu sein, bedarf es wenig". Mein Gott, wißt Ihr denn nicht, wie sehr Ihr Euch irrt?
Im Endeffekt hilft es alles nicht. Ich kann nicht genießen, ständig am Abgrund. Trauer im Herzen. Ich bin enttäuscht von mir.
Jetzt sitz ich hier, und all das Vergangene zieht vor meinem geistigen Auge eine Bahn um die andere. Keine Liebe, Wärme, Hoffnung. Nein. Wie ungerecht ich bin... Ich habe wunderbare Menschen um mich, die mir den nötigen Halt geben, es mir ermöglichen, weiterzumachen, diese Farce weiterzuleben. Sie reichen mir ihre Hände. Wird es reichen? Wird die Sehnsucht nach dem anderen Seelenstück von mir, das irgendwo durch diese Welt geistert, vergehen? Wird sie erträglich werden? Kann ich mich nur, ganz und ausschließlich über mich selbst definieren?
geschrieben von: Replique
Das weiße Blatt ist nicht mehr zur Gänze weiß. Einige Gedankenstriche werden durch Ideale und Wunschträume ergänzt. Es hat begonnen. Ich habe begonnen.
Am Wochenende packte mit eine zeimlich fiese Wut. Zuerst auf ihn. Doch im Endeffekt auf mich. Seit einem ganzen Jahr bemühe ich mich, in den Resten der zertrümmerten Burg, unserer Trutzburg, noch brauchbare, wieder zusammenfügbare Teile zu finden - selbst auf die Gefahr hin, es wäre nur eine kleine Hütte geworden. Dann eben nur das. Alles wäre besser gewesen als das hier. Die Wut, die mich packte, gipfelte in der Angst, den kleinen Hauch Freundschaft, den ich dann und wann zu spüren glaube, auch noch zu verlieren. Und wenn ich so weitermache, werde ich es verlieren. Doch dies würde zuviel Verlust bedeuten.
Die Wut ist vorüber. Geblieben ist der Zwang und auch die Motivation zu handeln.
Ab und zu - meist mitten in einer vorbereitenden Tätigkeit - die Gedanken des Zauderns. Handele ich richtig? Könnte ich mit dem Zurückgehen des neubegonnenen Weges und ein Hinwenden zu alten, ausgetretenen Pfaden vielleicht mehr retten als nur einen kleinen Rest? Doch nein, ich schüttele diese Gedanken ab. Die meisten Menschen scheuen Veränderungen, leben gerne in der Sicherheit des Gewohnten, sei es noch so selbstzerstörerisch. Ich habe beschlossen, nicht zu den meisten Menschen gehören zu wollen. Selbstzerstörung habe ich lange genug betrieben. Ich bin gespannt, wie ich in einem Jahr das nenne, das ich jetzt zu tun begonnen habe...
geschrieben von: Replique
Ha, vor einem Jahr habe ich genauso hier gesessen und versucht, in die Zukunft zu schauen, mir vorzustellen, was in einem Jahr ist. Doch da war nur Grau und alles schien so trist. Ich hatte keine Ideen, keinen Willen.
Jetzt sieht es schon ein wenig anders aus. Wenn ich die Augen schließe und die ersten Krokusse aus dem Boden hervorschauen sehe, sie genießen kann - genau wie die wärmenden Strahlen der Sonne. Allein die Vorstellung, wie und was ich in einem Jahr sein werde, hilft mir, Energie beizubehalten, weiterzumachen, weiterzudenken, an der Realisierung meiner Träume, seien sie noch so schlicht, zu arbeiten.
Aber: dieses andere Thema. Oh je. Ich hatte wirklich gehofft, DAMIT durch zu sein. Fertig. Doch die nächtlichen Er- und Bekenntnisse machten mich schon sprachlos. Irgendwie. Natürlich wußte ich über all die Zeit, daß ich mir selber in die Tasche lüge. In manchen Momenten war mir sehr klar, wie es sich alles wirklich verhält, doch es war eine Art Schutzmechanismus, dies nicht so recht emotional realisiert zu haben. Wie schlecht wär es mir erst gegangen... Oh typisch. Vielleicht wär es ja auch besser gelaufen und ich wär schon längst am Ziel??? Hinlänglich darüber nachzudenken, denn es ist, wie es ist. Tja, nun, ich kann damit leben.
(Küßle an gewisse Kraftspender ^^)
geschrieben von: Replique
Das Gespräch heute mit Dir, Du Liebe, hat mich doch mehr mitgenommen, als ich zuerst dachte. Ich saß mit Dir auf den von den Vortagen noch immer gewärmten Stufen, Du beichtetest - ja, so nenn ich es - Deine tiefsten Kümmernisse. Erzähltest, wie Du früher warst, wer Du warst, was Du zu leisten im Stande warst. Wie es Dich quält, nur noch ein Schatten Deiner Selbst zu sein, welche Ängste Du Tag für Tag, Stund für Stund ertragen mußt. Tränen rollten silbern über Dein schönes Antlitz. Ich sehe sie noch immer, die Frau, die Du einst warst und einst wieder sein wirst. Doch der Kummer frisst an Deiner Seele. Lass nicht zu, daß er Dich zerstört, denn genau das wird er versuchen. Lass es nicht zu... Der Rückweg ein einziges Gedankenknäul, die Erinnerungen an meine eigene Zeit der Sonnenlosigkeit ziehen auf, verschatten den Weg, überdecken die süßen Frühlingsdüfte. Einen Teil Deiner Sorgen nahm ich mit... zu mir... in mein Herz...
Der Anruf meiner Süßen ^^ gab mir ein wenig Frohmut wieder... ja, das tut es immer. Doch im Laufe des Tages wurde es wieder herzzerreißend. Ermahnungen aus einer Ecke, wo sie sicher nicht hingehören: "Hör auf damit, Dich so zu geben... Auch Du bist Jemand... Du mußt Dir selbst mehr wert sein... Andere sind nicht mehr wert als Du... Mach was..." So viel Liebe und Güte aus allen erdenklichen Richtungen.
Und doch quält es mich. Jeder Anknüpfpunkt, auch ein unbeholfener übers Wetter, wird ignoriert, mit einem gefühlten Augenrollen quittiert. Ich kann so nicht leben. Es ist das genaue Gegenteil von dem, was ich immer wollte, was ich will und was ich bedarf. Ich bin nicht Luft. Nein. Es geht einfach nicht. Laß uns doch bitte einen klitzekleinen Rest Wohlwollen, wenn schon nicht Freundschaft, nach der ich doch hungere, retten... Ich bitte Dich... So !!! darf es nicht enden. Nein, nicht im Hass und in Widerwillen und Ignoranz... Es kann nicht sein, was nicht sein darf... Ich bitt Dich...