[...und der Zerfall geht weiter] - German Gothic Board

German Gothic Board

sinistre Kultur
Gothic Forum & Gothic Chat
auf dem Portal von Nachtwelten

German Gothic Board Chat Gothic 500 - Topliste by nachtwelten

Nachtwelten | Gothic Board | Gothic Chat | Boardarchive





Seiten:1



...und der Zerfall geht weiter

(Klicke hier, um das Thema mit vollen Farben / Abbildungen zu betrachten)



geschrieben von: noire désir

Die Aufarbeitung meines bisherigen Lebens.



__________________________________________________



Plötzlich wachte ich auf. Das passierte eigentlich nicht oft, aber ausgerechnet an diesem Tag. Fragt mich nicht, was für ein Tag das war, das ist alles vergessen oder verdrängt, oder beides. Jedenfalls war ich wach und wußte nicht warum weil ich nicht sehen konnte, wer mich da nun ins Gesicht geschlagen hat. Das Licht war schnell an, das Zimmer hell und ich fand niemanden, der mich hätte schlagen können.
Da war niemand. Außer ich, und plötzlich fiel mir auf, daß ich zwar noch einen rechten Arm hatte, dies aber nicht merkte. Also der Arm war da, aber das Gefühl, was mir sagt, daß der Arm da ist, war nicht da, also war für mich der Arm eigentlich auch nicht da. Er konnte machen was er will ohne daß ich es merkte, also war er für mich auch nicht da, denn er war außerhalb meiner Kontrolle. Das geht ja nicht. Einen Arm haben der macht was er will ohne daß ich da meine Zustimmung hätte geben können. So hat er mich auch einfach mal so ins Gesicht geschlagen. Oder besser: ich habe mir selbst ins Gesicht geschlagen ohne zu wissen, daß ich selbst es war. Und das auch noch mitten in der Nacht.
Nein, so geht das ja nicht. Also wirklich. Was sind denn das für neue Marotten?
Jedenfalls war ich erst mal ziemlich durcheinander, bin dann aber doch besser mal wieder schlafen gegangen. Vielleicht ist es ja morgen wieder weg und zum Arzt gehen kann ich jetzt ja auch nicht. Na gut, ich könnte zum Notarzt, aber so schlimm ist es ja nun auch wieder nicht - schlafen und Ruhe ist jetzt das Beste. Und das ist etwas, was mich noch all die weiteren Jahre verfolgen sollte. Jeder Arzt spricht davon, daß Ruhe zunächst unheimlich wichtig wäre, um dann erst mal ganz schön ne Welle zu machen.

Nunja, die Welle habe ich ja zunächst selbst gemacht und bin zum Hausarzt, der mich dann natürlich mit einem großen Fragezeichen im Gesicht zum Neurologen überwies. Und der machte dann die üblichen Untersuchungen inklusive Magnetresonanztomographie und Lumbalpunktion. Am Ende gab es dann nicht nur Kopfschmerzen wegen dann zu wenig Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor cerebrospinalis), also postpunktionellem Kopfschmerz, Kortison (hochdosiert und intavenös, was zu der Zeit noch recht neu war) und natürlich das Ergebnis: Encephalomyelitis disseminata. Oder auch einfach nur ED oder MS oder, wieder etwas komplizierter aber bekannter: Multiple Sklerose.
Damit war die Katze aus dem Sack. Zumindest zum Teil, denn natürlich war es zunächst eine Verdachtsdiagnose. Für eine sichere müßte schon ein zweiter Schub her. Die MS hätte sich damit wegen mir durchaus noch etwas Zeit lassen können. Braucht ja niemand wirklich. Obwohl...?
Jedenfalls war das beste zunächst, daß ich keinen Ersatzdienst mehr leisten musste. Ich hatte zwar schon eine Stelle, aber die wurde dann abgesagt (bzw. ich wurde zunächst zurückgestellt) und ich durfte mich um einen Studienplatz kümmern.

Hab ich dann auch mit Freuden gemacht.

Das Leben konnte also weitergehen.
Oder beginnen?



geschrieben von: noire désir

Oh, weh.

Die üblichen alltäglichen Schwierigkeiten und Probleme setzen einem mal mehr, mal weniger zu und eigentlich müßte man es ja schon gewöhnt sein, ist es aber nicht. Die Ecke, die man so gerne auf dem Weg vom Bad in die Küche mitnimmt, tut immer gleich weh und ihr scheint es nicht die Bohne zu stören; und wenn ich am späten Nachmittag kaputt bin, haut einen das halt um und es geht nicht mehr viel für eine gewisse unvorhersehbare Zeit.

Zwangspause,
Zwangsgeschwindigkeitsbegrenzung,

und der Wunsch auszuwandern wächst ins unermessliche, da es draußen eh wieder viel zu kalt und viel zu laut ist. Ein Mimöschen ist man mit der Zeit geworden, Mimöschen mit dünner Haut.
Also mal wieder hinsetzen und nichts weiter machen, außer achtsam den Atem zu beobachten und den Bewegungen des Geistes gewahr zu sein, ohne zu beurteilen, ver-urteilen.
Das tut gut, aber man will es ja eigentlich nicht immer. Oder vielleiht doch? Nee, geht ja nicht, dann tun irgendwann die Beine zu sehr weh. Also ist auch hier eine Pause ganz gut.

Und schon jetzt, Anfang März, geht mir der nach meiner persönlichen Ansicht überflüssige Termin beim Neuro Mitte April auf den Keks. Was soll ich da? Ich brauche ihn nicht. Er nervt schon jetzt. Nur mein Neuro scheint ihn zu brauchen...der arme...



geschrieben von: decay73

Schön, wieder der alte decay73 zu sein. "Ich" war mal kurz offline (he! nicht wirklich, nur der decay!) Ok., ok, der decay war mal kurz verschwunden und ich habe mich mehr oder weniger erfolgreich versteckt.
Wie auch immer. Eine lange Zeit. Relativ. Eigentlich eine gar nicht so schlechte, weitestgehend schubfreie Zeit (was aber wohl hauptsächlich an dem Blauen Zeugs lag).

Und sonst?

Naja, ein klein wenig klüger vielleicht, auf jeden Fall etwas älter und jetzt mit der Gewissheit, daß ich ich bin und nicht jemand anderes, meine Emotionen oder gar meine Krankheit. Das gehört zwar alles zu mir, ist aber nicht Ich.
Die Erkenntnis ist gar nicht so unwichtig, denn man verwechselt da oft was.
"Entdecke, wer du wirklich bist" sagte Sogyal mal und meinte damit nicht, sich nicht mit seinen Emotionen zu identifizieren, sondern rauszufinden, wer das ist, der dahinter steckt. Das ist viel spannender. Manchmal traurig, manchmal verrückt, aber immer irgendwie befriedigend.

So denn.

Re-Hi ;)



geschrieben von: decay73

Ich weiß nicht, was ich von den neuen Portalen wie Facebook halten soll. Natürlich ist es schön, alte Freund und Freundinnen wiederzufinden. Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit, und ersteinmal angekommen, will man / muß man sich erst wieder zurechtfinden in alten, längst vergangenen Situationen und Kostellationen.
Das kann spannend sein, berauschend oder einfach nur ernüchternd.
Was habe ich seinerzeit gemacht? Was gedacht?

Eines ist es aber auf keinen Fall: die jetzige Realität.

Also was soll das ganze aufwärmen alter Geschichten? Vielleicht ists man am Ende doch nur enttäuscht, weil es jetzt anders ist? Nicht mehr so wie früher? Ist dieses Wühlen in alten Geschichten überhaupt erstrebenswert, sinnvoll gar, oder einfach nur eine Realitätsflucht in Zeiten, die im Rückblick besser waren? So wie sie im Rückblick immer besser sind, als sie eigentlicht waren?

Was bringt es, in der Vegangenheit rumzuwühlen?
Macht man es der Erinnerung wegen oder weil man zwanghaft will, daß es heute auch wieder so sein soll?



geschrieben von: decay73

Morgen wird wohl ein anstrengender Tag, denn wenn es kommt, kommt es richtig. Und dreckig.

Also:
08.00: Neuro. Ja, mal wieder und ich habe keine Ahnung warum das nun schon wieder. Das war nicht geplant, aber meine Fußsohlen geben ihre Befehle nicht akurat weiter. Folge: staksiges Gehen und das Gefühl, auch einem Schiff auf hoher, unruhiger See zu stehen. Mal schauen, was Neuro mir sagen oder andrehen will. Wenn er mir was andrehen will, dann soll er mir erstmal ein paar Fragen beantworten. Einfach so Arzt sagt und Patient macht (wiederstandslos) mag ich nicht mehr. Irgendwann hat man einfach zu viele Fragen, die man nicht mehr beantworten kann. Kanns der Neuro? Das darf bezweifelt werden, aber man soll die Hoffnung nicht aufgeben. Vielleicht ist er schlauer als ich dachte.

10.30: Zahnarzt! Endlich! Jetzt dümpel ich schon so lange mir immer mal wider kaputten Zähnen rum, der jedesmal wieder nur geflickt wurden und sich ein Schub nach dem anderen einstellte (Patienten sagen aus Erfahrung: es gibt da einen Zusammenhang, Ärzte von der theoretischen Seite: kann eigentlich nicht sein). Also mal schauenm, wie es mir geht, wenn die Baustelle zu ist.

13.00: Heilpraktikerin. Der Termin ist mir wichtig. Es tat das letzte Mal so gut. Bischen Seelenmassage und Energiearbeit. Das fehlt mir glaube ich nämlich sonst. Sie hat Recht: ich bräuchte mal wieder ne Freundin. Dann aber bitte mal etwas dauerhaftes.

Und danach? Ausruhen. Schlafen. Ist schon etwas viel für einen Tag, aber manchmal ergibt es sich halt so. Dann kommt eins beim anderen und will bewältigt werden.

Also möglichst Ruhe dabei bewahren



geschrieben von: l'ange obscur

Zitat:
Original geschrieben von decay73

Was bringt es, in der Vegangenheit rumzuwühlen?
Macht man es der Erinnerung wegen oder weil man zwanghaft will, daß es heute auch wieder so sein soll?]


manchmal ist es vielleicht irgendeine kleinigkeit, die einen an früher erinnert - ein text, ein lied ... manchmal geht man ein stück weg mit leuten, die einem dann aus der erinnerung in die gegenwart kommen. was ist aus ihnen geworden ? vermutlich ist es verbundenheit - gemeinsam erlebtes, dass einen dazu bringt.
die zeit verändert viel - man kann nicht zurück - so wie "damals" wird es nie mehr sein - lauf der dinge. und eigentlich weiß man das.

und manchmal macht das leben eine wendung und man strauchelt - wie ein schlag ins gesicht, der einen zu boden reißt. und dann hat man zwei möglichkeiten - 1. liegenbleiben oder 2. aufstehen und daran wachsen.

gut, dass du dich nicht für's liegenbleiben entschieden hast. und gut, dass du wieder da bist.

l'ange



geschrieben von: decay73

Zitat:
Original geschrieben von l'ange obscur
und manchmal macht das leben eine wendung und man strauchelt - wie ein schlag ins gesicht, der einen zu boden reißt. und dann hat man zwei möglichkeiten - 1. liegenbleiben oder 2. aufstehen und daran wachsen.

Wichtig scheint mir dabei zu sein, nicht nur aufzustehen, sondern Haltung anzunehmen. Ich habe an mir gesehen, daß ich vermehrt eine gebückte Haltung einnehme. Das ist nicht gut. Haltung! Und Kopf Richtung Himmel, sonst schaut man doch nur wieder deprimiert auf den Boden. :)

--------------------

So, und das Tagwerk ist getan. Heute Morgen Neuro und, welch Überraschung, die alte Leier. Cortison bis zum abwinken und dann sollte ich mir mal überlegen, mit welchen (gesundheitsschädlichen) Medikamenten ich weiter machen will. Doch noch den Rest von dem, was ich schonmal bekommen habe und mir mein Herz schädigen kann usw., das Neue, was eine ungesunde (oft tödliche) Gehirninfektion einbringen kann, oder eins dieser neuen Medikamente, deren Zulassung in diesem Jahr noch ansteht, und deren Nebenwirkungen nicht besser sind.
Verrückt, diese schöne neue Pharmawelt.

Dann Zahnarzt. Der hört mir nicht zu, wie so viele andere, und ich kam zu spät aus der Praxis, um die nächste Straßennbahn zu bekommen, die mich dann zum nächsten Termin bringen sollte. Aber die ersten Abdrücke für die Kronen sind genommen.
[edit: Stinkig bin ich zudem, weil ich gerade mal den Zettel, den der Zahnarzt mir in die Hand gedrückt hat, gelesen habe. Zur Bestimmung der richtigen Farbe soll ich Anfang der Woche zu irgendsoeine Praxis in die Nachbarstadt fahren. Dabei hab ich kein Auto, weiß nicht, wer mich fahren könnte und das, obwohl ich dem Arzt gesagt habe, daß ich gerade zu allem Überfluß mitten in einem Schub stecke. Verdammte Sch****, die glauben wohl alles, daß das Spaß macht? Ich hab die Schnauze voll...wo ist denn hier der Ausgang, bitte?!? :mad:]

Dann mit der nächsten Bahn zur Heilpraktikerin. Das war wieder schön angenehm, so, wie beim letzten Mal auch. Und ein paar Globolis, um den Schub zu stoppen, hab ich auch bekommen. Schaun mer mal, wie es wirkt. Ich bin ganz hoffnugsfroh.

Und das nächste Mal bitte nicht alles auf einmal. Das funktioniert nur bedingt. :)

[np: Bethany Curve - Jettison]



geschrieben von: l'ange obscur

Zitat:
Original geschrieben von decay73
[B]Wichtig scheint mir dabei zu sein, nicht nur aufzustehen, sondern Haltung anzunehmen. Ich habe an mir gesehen, daß ich vermehrt eine gebückte Haltung einnehme. Das ist nicht gut. Haltung! Und Kopf Richtung Himmel, sonst schaut man doch nur wieder deprimiert auf den Boden. :)



vermutlich ist das der schwierigere teil - kopf hoch, brust raus ... nur aufstehen bringt nichts. ich denke, wenn man den willen hat, das durchhaltevermögen und die fähigkeit, einen schlag als das zu nehmen was er ist - kurzzeitig - schafft man das.
du auch.



geschrieben von: decay73

Zitat:
Original geschrieben von l'ange obscur
du auch.

Na, das denke ich auch. Nur irgendwie versuchen viel zu viele sich mir in den Weg stellen zu wollen... ;)



geschrieben von: l'ange obscur

Zitat:
Original geschrieben von decay73
Nur irgendwie versuchen viel zu viele sich mir in den Weg stellen zu wollen... ;)


vielleicht kommt es einem manchmal so vor - weil alleine das aufstehen schon viel kraft gekostet hat ... und weil man sich manchmal die frage stellt - wieso. ... weil man manchmal das geühl hat, aufgestanden zu sein um jetzt gegen hundert andere "kämpfen" zu müssen.



geschrieben von: decay73

Zitat:
Original geschrieben von l'ange obscur
vielleicht kommt es einem manchmal so vor - weil alleine das aufstehen schon viel kraft gekostet hat ... und weil man sich manchmal die frage stellt - wieso. ... weil man manchmal das geühl hat, aufgestanden zu sein um jetzt gegen hundert andere "kämpfen" zu müssen.


Ja, deshalb beginne ich den Tag üblicherweise, wenn ich nicht zu lange geschlafen habe, mit meiner täglichen Morgenpraxis. Das ist dann immer ein wirklich guter Start, bevor den Alltagsstress beginnt.
Dann beginnt aber tatsächlich oft ein Kämpfen, woran ich noch arbeite.

Da ich gerade mit Arztbesuchen und Infusionen beginne, ist es schwierig. Mein Arzt, den ich manchmal Chemie-Ali nenne, kann sehr gut nerven, denn auch er hört mir nicht wirklich zu oder übergeht das einfach. Ich habe schon überlegt ein Buch über das Leben eines typischen MS-Kranken zu schreiben und es "Mein Kampf" zu nennen, habe das aber v.a. aus historischen Gründen gleich wieder fallen gelassen. :D
Denn eigentlich gibt es auch hier nichts zu kämpfen, sondern konsequent zu sein und vielleicht den Arzt zu wechseln. :)

Mein grundlegendes Problem scheint zu sein, daß ich oft einfach nicht wahrgenommen werde. Schreien will ich ja nicht und dann wird es heute schwierig. Die Welt ist laut und verrückt geworden... ;)



geschrieben von: decay73

dazu:
Wie der Geist den Körper beeinflussen kann.



geschrieben von: l'ange obscur

QUOTE]Original geschrieben von decay73

Da ich gerade mit Arztbesuchen und Infusionen beginne, ist es schwierig. Mein Arzt, den ich manchmal Chemie-Ali nenne, kann sehr gut nerven, denn auch er hört mir nicht wirklich zu oder übergeht das einfach.
[/QUOTE]

Vielleicht ist es dann an dir zu sagen HALT STOP - hier geht es um mich also verlange ich auch, dass sie mir zuhören und mich ernst nehmen. manche leute brauchen erst ein ganz deutliches "hier ist meine grenze!"


Zitat:
Original geschrieben von decay73

Ich habe schon überlegt ein Buch über das Leben eines typischen MS-Kranken zu schreiben und es "Mein Kampf" zu nennen, habe das aber v.a. aus historischen Gründen gleich wieder fallen gelassen. :D



die idee mit dem buch find ich gut - aber du hast recht, über den titel solltest du nochmal nachdenken. .D

Zitat:
Original geschrieben von decay73

Mein grundlegendes Problem scheint zu sein, daß ich oft einfach nicht wahrgenommen werde. Schreien will ich ja nicht und dann wird es heute schwierig. Die Welt ist laut und verrückt geworden... ;)



ich glaube nicht, dass man schreien muss. ich muss nie laut werden und trotzdem nimmt mich jeder wahr. man muss present sein - selbstbewußt und vermutlich seine persönlichen grenzen vertreten, seine meinung und immer "erhobenen hauptes" da sein.
vielleicht musst du überlegen wer du bist und was du willst ! ist sicherlich nicht immer einfach - funktioniert aber.

l'ange



geschrieben von: decay73

Der Frühling ist da, das Wetter warm und die Zeit auf dem Balkon in der Sonne wunderschön (auch wenn sie heute meist nicht scheint).
Den zweiten Neuro habe ich auch noch nicht erreichen können, mir aber zwei Bücher bestellt. Irgendwas muß man ja machen, um dem Chemie-Ali auch mal Paroli bieten zu können.

Dieser ganze Chemiemist geht mir zunehmend auf den Zeiger. Ich weiß, daß es nicht meiner Art entspricht, mich damit vollpumpen zu lassen. Leider hat dies mein Neuro noch nicht kapiert bzw. kapieren wollen. Er hofft wohl darauf, daß die Zeit mich mürbe macht. Aber mein Dickkopf scheint wieder erwacht zu sein.
Als Alternative Behandlung könnte ich ihm ja auch Superbenzin verbleit intravenös vorschlagen. Die Auswirkungen dürften ähnlich ungesund sein (wobei es sicher einige gibt, die mir die Unterschiede schon genauer ausklamüsern könnten).

Ich bin von solchen Behandlungsansätzen immer weniger überzeugt. Mir scheint, die Ärzte machen das, weil sie nichts wissen. Keiner kann mir die Ursache der Krankheit nennen und auf dieser Grundlage treffen sie weitreichende Entscheidungen - oh, sorry, die Entscheidung treffe natürlich ich, damit der behandelnde Arzt einen freien Rücken hat. Also muß ich die Entscheidung treffen, die der Arzt mangels Wissen nicht treffen kann. Egal, was ich ihn frage, er kann mir keine Antwort geben und lamentiert nur herum.

[sorry, wenn ich immer wieder damit anfange, aber es beschäftigt mich zu sehr...]

Also mal ein anderes Thema, was mich beschäftigt: Was ist Geist? ;)

Geist ist die Wirklichkeit. Es gibt nichts, was wir von der Wirklichkeit wissen. Wir kennen nur die Erscheinungen der Wirklichkeit, so, wie sie sich unserem Geist offenbaren. Alles Informationen, die uns unsere Sinne zur Verfügung stellen, müssen zuerst vom Geist interpretiert und zu- und eingeordnet werden. Da isst keine direkte Wahrnehmung der Wirklichkeit. Wahrscheinlich sähe sie sogar ziemlich langweilig aus, wenn man überhaupt etwas sehen könnte, da alles nichts anderes als Energie ist. Die Dinge sind nicht sodlide, sie haben so gesehen keine feste Basis. Man kann die Dinge schreddern, klein machen bis auf Atomgröße und dann weiter bis zu den Elementarteilchen, Quarks, Quanten und wie diese Dinge alles heißen und am Ende, weiter zerkleinert, ist alles nur noch pure Energie. Oder Schwingungen von irgendwelchen String-Saiten. Kaum noch vorstellbar und so klein, daß sie kleiner als sichtbar sind.
Also, was wissen wir schon über die Wirklichkeit, wenn es da nichts zu sehen oder erfahren gibt?

“Es gibt keine Phänomene außerhalb jener Phänomene, die aus dem Geist hervorgehen.“
(Padmasambhava)



geschrieben von: decay73

(auf ein neues...es muß jetzt raus)

Der Faden ist überspannt. Schon ganz ausgeleiert und droht nun zu reißen.
Krankheit ist Scheiße, einen Arzt zu haben, der nicht zuhört und nur SEIN Ding durchzieht, ohne Rücksicht auf den Patienten, ist der Untergang.

Was will ich? Ich möchte, daß man mich ernst nimmt und Rücksicht auf mich, mein Leben und meine grundsätzlichen Überzeugungen nimmt. Die muß der Arzt nicht gleich komplett übernehmen, aber akzeptieren, daß ich als eigenständiges, auch nicht ganz dummes Wesen diese nunmal habe und eben nicht bei nächstbester Gelegenheit über Bord werfe. Das Leben eines Individuums ist wie mir scheint heute kaum mehr möglich. Für seine Überzeugungen einstehen, nicht gewollt. Aber es geht nicht anders, wenn ich als Individuum weiterexistieren will. Und das will ich. Alles andere wäre Selbstverrat. Selbstmord auf Raten. Das geht nicht. Das akzeptiere ich nicht. Ich will leben, so gut es geht und sooft es geht. Mit all meinen Macken und inklusive der Rückschläge, die es immer mal wieder gibt. Das nennt sich übrigens Leben. Ein Leben, für das sich selbst verantwortlich bin und für das ich dann auch einstehen kann.
Ich brauche keine Quasiratschläge von irgendwem, der meint, er wüßte was, es aber dann achselzuckend doch nicht tut. Auch bin ich kein Versuchskaninchen, an dem man seine Überzeugungen ausprobieren kann. Ich renne lieber mal weg, um erstmal Abstand zu gewinnen und in alles Ruhe alles nochmal zu durchdenken.
Mag sein, daß ich dann zu Überzeugungen gelange, bei denen andere sagen, sie hätten es ja schon immer gewußt. Das ist dann o.k. für mich, aber ich muß da erst selbst drauf kommen, damit ich das auch wirklich akzeptieren kann. Und dann kann ich meine Fehler auch akzeptieren, gestehe sie ein und brauche keine Angst vor einem Gesichtsverlust zu haben. Sein Gesicht kann man auch vor sich selbst verlieren und das ist dann doppelt schlecht und nur schwer wieder gutzumachen.

Eigenständigkeit im Denken bewahren und weiterhin in den Spiegel schauen können sind unschätzbare Dinge, die man nicht so schnell verlieren sollte.

Ich bin ich und das ist verdammt gut so. Bisher komme ich sehr gut mit mir klar. Man könnte auch sagen: ich mag mich, so wie ich bin.

Menschen, die das nicht akzeptieren wollen, können mir gestohlen bleiben.
Sie sind wertlos.

Sophie Hunger



geschrieben von: l'ange obscur

Zitat:
Original geschrieben von decay73
[B]
. Das Leben eines Individuums ist wie mir scheint heute kaum mehr möglich. Für seine Überzeugungen einstehen, nicht gewollt. Aber es geht nicht anders, wenn ich als Individuum weiterexistieren will. Und das will ich



möglich ist es, aber größtenteils ist es der eindeutig härtere weg. man kämpft gegen den mainstream - 99,9% seines lebens. andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass die natur so etwas wie das gehirn entwickelt hat, wenn es auch spinalganglien getan hätten, um dem mainstream zu folgen.

und manchmal kommt man an den punkt, an dem man sich ernsthaft fragt, wieso man sich das antut - ob es nicht eine kraftverschwendung ist. die antwort kann jeder nur selber geben.

es ist dein leben, dein körper, deine krankheit. jede behandlung ist sicherlich nur so gut, wie gut sie zu dem patienten passt. erfolge sicherlich nur möglich, wenn man für sich selbst sagen kann: damit kann ich leben, diese behandlung kann ich akzeptieren - auch wenn sie mir nicht gefällt. die psyche spielt - meiner meinung nach - eine gar nicht so kleine rolle. aber finde mal einen arzt, der nicht nur die krankheit, sondern den menschen behandelt. ich glaube, dass ist heute schwierig.



geschrieben von: decay73

So, und nun kommt die schöne Seite meines Lebens dran. Genauer: mein Leben wird weiter umgekrempelt und schöner gemacht.

Nicht nur, daß morgen die Sonne scheint, ich habe heute eine süße Sünde begangen. Ich habe mir nämlich ein e-Piano bestellt.
Die Musik hat mir schon länger gefehlt, nachdem ich vor Jahren aufgehört habe, Querflöte zu spielen und das Schlagzeugspiel gleich zu Anfang meinen ersten Beeinträchtigungen zum Opfer fiel. Ich hatte dann einfach keine Lust mehr und später wollte ich in der Mietwohnung die Nachbarn nicht über Gebühr strapazieren.
Also war nichts mehr mit Musik.
Zwischendrin habe ich mir schon gelegentlich (oder in regelmäßigen Abständen immer mal wieder) überlegt, was ich machen könnte, wieder Musik zu machen.

Jetzt habe ich's gefunden: Ein Klavier, daß man auch leise (oder mit Kopfhörer) spielen kann.
Ich bin mal gespannt, ob es funktioniert. Ein bischen Musiktherapie zum Hirntraining und Training für die Finger ist sicher gut. Nur muß ich jetzt halt wieder üben, üben, üben. Vielleicht gebe ich dann ja in sagen wir mal zwanzig Jahren ein Konzert für Nachtwelten-Mitglieder. ;)

Dann habe ich angefangen das Buch von Christine Wagener-Thiele zu lesen, was mir den letzten Schwung für diese zugegebenermaßen nicht ganz risikolosen Investition gegeben hat. Hoffnung schwarz auf weiß.

Und wenn das Wetter so bleibt und meine Gesundheit stabil, dann werde ich demnächst auch wieder mein Fahrrad verstärkt in Anspruch nehmen. Dafür habe ich es ja.

Und dann, zu guter Letzt und auch nicht ganz ohne, habe ich mir vorgenommen, mit dem Joggen anzufangen. Ich weiß, zur Zeit fällt das Laufen noch nicht ganz so leicht, aber es wird wieder besser und wenn es besser geworden ist, sollte man es nutzen. Mein Neuro meinte, ich sollte Walken. Also Walküre bin ich nicht und es ist mir zu doof und langweilig, ständig Löcher in die Erde zu schlagen. Jogging ist wohl eine bessere Alternative. Und es soll gesund sein und helfen.

Ich weiß nicht, ob ich das alles hinbekomme, aber nur aus Erfahrung wird man klug. Und ohne ein Ziel vor Augen, rostet einer wie ich ungefähr zehnmal so schnell ein, wie 08/15 ein Duchschnittsbürger.

Vorwärts!
Vorwärts,
niemals rückwärts!



(oh weh, oh weh) :D


PS.: Ich bin ein Glückspilz!



geschrieben von: l'ange obscur

Zitat:
Original geschrieben von decay73
[B]So, und nun kommt die schöne Seite meines Lebens dran. Genauer: mein Leben wird weiter umgekrempelt und schöner gemacht.



das klingt nach kopf oben !



geschrieben von: Sternenstaub

Ein e-piano ist eine feine Sache - meine Familie hatte auch eines, der Klang ist echt wir von einem "echten".

Das klingt alles sehr sehr gut. Der Frühling ist sowieso zum Vorwärtskommen am Besten.

Liebe Grüße aus dem frühlingshaften Ruhrpott.

V.

PS: Das mit dem Nachtweltenkonzert ist auch toll. Ich nehm Dich beim Wort :D



geschrieben von: l'ange obscur

man braucht ziele ... und um irgendetwas zu verändern muss man irgendwo anfangen. irgendwo habe ich mal den spruch gelesen: jeder weg beginnt mit einem schritt - eigentlich sind sprüche nicht so mein ding, aber ich finde es passt. und fahrrad, e-piano und joggen sind gute schritte.
mit dem joggen werde ich auch wieder anfangen - nachdem mein fuß wieder einigermaßen in ordnung ist - und vielleicht laufen wir ja eines tages doch einen halnmarathon - einfach aus spaß. und wenn wir mittendrin keine lust mehr haben, dann hören wir einfach auf.

blick nach vorne ist gut !!

-------
was ist geist - eigentlich eine spannende frage. vielleicht ist geist der "sammelbegriff" : psyche, bewußtsein,etc. aber keine erklärung. sammelbegriff für dinge, die selber nicht definiert sind. während meines studiums hatten wir ein buch gelesen über bewußtsein - was fehlte war die erklärung, was bewußtsein ist. schade eigentlich. vielleicht sind wir noch gar nicht fähig, zu begreifen, was geist ist - weil er zu wenig weit entwickelt ist -> äußerst unbefriedigende antwort.

l'ange



geschrieben von: Demon17

Hey decay,

ich habe mir diesen Thread gerade durchgelesen, nachdem ich zuvor mehrmals abgebrochen hatte. Ich bin kein Mediziner, aber der untrainierte Körper zerfällt viel schneller als der trainierte. Insofern ist es sicher gut alle möglichen motorischen Sachen zu machen. Schieb Deinen Frust nicht auf Deinen Arzt. Er ist hilflos und alles was er hat sind Chemikalien. Ich musste auch erst lernen Tabletten zu akzeptiere. Nimm sie, auch wenn die Ergebnisse unbefriedigend sind. Ohne ginge es Dir wahrscheinlich wesentlich schlechter. Ich wünsche Dir, dass der medizinische Fortschritt MS früh genug für Dich besiegt und Du wieder gesund wirst, oder sich dein Zustand wenigstens nicht verschlimmert. Man kann an so etwas wachsen und man kann daran zerbrechen. Du bist eine ganze Zeit lang gewachsen, zuviel für dieses Board und Teile der damaligen Member. Es tut mir heute noch leid, als Du aus einem Thread deine Postings löschtest und auf einmal verschwunden bist, obwohl ich Dich verstehen konnte. Vielleicht solltest Du auch mal darüber nachdenken, deine Gedanken in strukturierter, schriftlicher Form festzuhalten, ungestört von den Wadenbeißern. Aber vielleicht tust Du das ja schon.

Liebe Grüße

demon17



geschrieben von: decay73

Tja, Demon17, das mit dem gesund werden ist so ne Sache. Man hat mir immer eingetrichtert, daß das nicht geht. Will ich aber momentan nicht so ganz glauben und es wird sich zeigen, wer Recht behält. ;) (Selbst die heftigsten Medis können das nicht und irgendwie scheint es für mich gerade keine passenden zu geben bzw. das, was es noch gäbe, möchte ich mir für schlimmere Zeiten aufbewahren, denn davon darf man nur eine bestimmte Menge nehmen, sonst wirds gefährlich. Also kann ich mich nur selbst gesund machen - ich arbeite dran. Also mal sehen.... :))



------------------------------



Ein Moment der Stille
Gerade, nachdem ich meine abendliche Praxis beendet hatte, saß ich auf meinem Balkon. Noch nicht ganz dunkel, der Himmel noch leicht türkis und angenehme 15° warm- und irgendwie war es komischerweise mal still, keine Autos, keine Straßenbahn, keine Flugzeuge. Ein äußerst seltener Moment.
Leider hat er nicht lange angehalten, aber selbst dieser kurze Moment des Friedens und der Stille hat mein Herz berührt.

Ich werde beruhigt schlafen gehen können, denn dieser Moment hat sich zunächst in meinem Hirn festgesetzt, will (glücklicherweise) noch nicht gehen und braucht das wegen mir auch nicht so schnell...

Danke, schöner Tag! :)



geschrieben von: l'ange obscur

Zitat:
Original geschrieben von decay73


Ich werde beruhigt schlafen gehen können, denn dieser Moment hat sich zunächst in meinem Hirn festgesetzt, will (glücklicherweise) noch nicht gehen und braucht das wegen mir auch nicht so schnell...

Danke, schöner Tag! :)



ich weiß, dass es ein kinderbuch ist, aber kennst du die geschichte von frederik ? eine maus, die im sommer farben und bilder "sammelt" für den winter ?

vielleicht braucht man das manchmal.

l'ange



geschrieben von: decay73

Nun, wie es scheint, wird es bald diesen schönen blauen Himmel nicht mehr geben. Die Flugzeuge sollen bald wieder fliegen, wie gewohnt.
Dabei war der Himmel die letzten Tage so schön blau. Keine dünnen, weißen Schleierwolken aufgrund der Flugzeugabgase. Es war wirklich schön und die, die in der Nähe von großen Flughäfen wohnen dürften den schönsten Urlaub seit langem gehabt haben.

Für die, die fliegen wollten und am Flughafen festsaßen, war das sicher kein Spaß, aber es zeigt sich auch, wie fragil unsere Lebensweise ist. Vielleicht auch mal ein guter Hinweis.

Wie auch immer. Schön wars für mich trotzdem, mal wieder einen wirklich sauberen blauen Himmel zu sehen... :)





vBulletin Copyright ©2000 - 2003, Jelsoft Enterprises Limited.
vB Easy Archive Final








eXTReMe Tracker