1968: Night of the Living Dead -> Trailer
1978: Dawn of the Dead -> Trailer
1985: Day of the Dead -> Trailer
2005: Land of the Dead -> Trailer
2007: Diary of the Dead -> Trailer
2009: Survival of the Dead -> Trailer
Kernmäßig möchte ich über Romeros Living Dead Saga sprechen aber das muß nicht heisen nicht auch andere Werke von ihm besprechen zu können. Es muß denke ich auch nicht angemerkt werden das Romero zu den ungewöhnlichen Filmemachern zählt.
Gut denn.
Obwohl ich kein großer Freund von Horror-Blutgematsche Filmen bin bin ich von Romeros "Dead" Filmen begeistert - sieht man von Day of the Dead ab den ich für den schwächsten der Reihe halte.
Romeros Filme bilden da eine Außnahme und mit Grund wie ich denke. Vergleicht man seine Zombie Filme (oder eigentlich Ghoul wie es mythologisch richtiger wäre) mit anderen die das gleiche Thema bearbeiten, dazu zähle ich auch die Pseudo-Zombies-auf-Koks Filme ala 28 Day Later ect., fallen einem mehrere gravierende Unterschiede auf.
Signifikant: Romeros Ghouls flitzen nicht herum wie Dragsters.
Was verursacht diese unscheinbare Tatsache in unserem Hirn. Zum einen erscheinen uns die High-Speed Ghoule wie in 28 Days Later als gefährlicher weil eben schnell und scheinbar intelligent oder doch zumindest mit einem Jagdinstinkt ausgestattet. Ergo registriert unser Unterbewusstsein das eine Niederlage gegen diese ernst zu nehmenden Gegner vollkommen legitim ist. Zusätzlich dazu gibt es uns das Gefühl den "Gegner" durch Kraft und Intelligenz besiegen zu können. Wenn wir verlieren dann weil wir nicht stark genug waren.
Dieser gesamte Unterbewusste Komplex entfällt bei Romero völlig. Das hat zur Folge das Romeros Filme nicht nur bedrohlicher werden sondern auch Trostloser, denn es spielt keine Rolle, egal was wir zu leisten vermögen, wir werden verlieren! Überlebenskampf zwecklos!
Desweiteren ist die sozialkritische Komponente bei Romero nicht nur klar erkennbar sondern sogar Kernelement der Filme. Nicht so bei den meisten anderen Vertretern der Filmgattung. Sicher, 28 Days Later, gibt sich ebenso sozialkritisch aber genauer hingesehen ist diese Komponente nicht Hauptmerkmal des Storytellings im Gegensatz eben zu Romero. Romeros Ghoule als Reflexion der Gesellschaft sind klassisches Storytelling wie z.B. auch in "Planet of the Apes".
Durch die Trägheit der Ghoule ergibt sich eine entschieden ruhigere Kameraführung bei Romero die ich sowohl angenehm finde als sie auch viel mehr Möglichkeiten bietet das Thema zu erarbeiten als die "500 Cuts pro Szene" Filme aus dem Genre.
Survival of the Dead wiederum scheint ein Thematischer Aufguß von Day of the Dead zu sein wenn man vom Trailer ausgeht. Romero klaut also durchaus von sich selbst. :p
Eine interessante Erfahrung meinerseits mit den "Dead" Filmen Romeros war ein Filmnachmittag mit "Night" -, "Dawn"- und "Day of the Dead" jeweils in den Langfassungen. Am Ende des Abends hatten mich die Filme nicht weiter emotional belastet aber interessanter Weise kam drei-vier Tage später das Echo in Form einer Unruhe, besser kann ich das nicht beschreiben. Es dauerte eine Weile bis ich dahinter kam woher dieses Gefühl kam und war doch sehr überrascht.
Ein paar Technische Anmerkungen: Sowohl von Night of the Living Dead als auch von Dawn of the Daed gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Fassungen beruhend auf späteren Überarbeitungen durch unter anderem Dario Argento. Welche dieser Fassungen nun die beste ist muß wohl jeder für sich entscheiden.
Die beiden Remaks der Filme Dawn of the Daed und Day of the Dead kann man sich getrost in den Arsch schieben und haben mit Romeros Vision nichts gemein sondern reihen sich in die Masse hirnloser Menschengulasch Filme.
Wie steht ihr zu den Filmen und was sind eure Erfahrungen? Welche fasungen findet ihr am besten und warum?
geschrieben von: coma_black
Uuuuiiiihhh! Ich liebe die Filme von George A. Romero!
Am liebsten ist mir dabei der Euro-Cut von "Dawn", da passt vom Schnitt bis zur Musik einfach alles, außerdem fehlen die wenigen lustigen Szenen, die in der US-Fassung bzw. im Krekel-Cut etwas die düstere Atmosphäre kaputtmachen.
Ich will über die Filme an sich nicht groß was sagen, denn das haben andere schon besser gemacht. Vor allem das Kapitel "Profane Apokalypse" in dem Buch "Splatter Movies" sei hiermit jedem empfohlen, der wissen will, wie intelligent "Dawn of the Dead" ist und warum er auch heute noch so nachhaltig wirkt.
Ich bin jedenfalls ziemlich gespannt, wie es nach dem etwas schwächelnden "Diary" weitergeht. Wobei selbst dieser Film als Reflektion über Kriegsberichterstattung herkömmlichen Schlachtplatten noch haushoch überlegen ist.
geschrieben von: Ardath Bey
Ich fand "Diary ..." gar nciht so schwach. Er ist nicht ganz so dicht in der Atmosphäre wie die Vorläufer aber Romero zeigt im Gegensatz zu all den anderen Filmchen wie man das Stilmittel der Subjektiven-Kamera effektiv und logisch einsetzt. :D
Inhaltlich ist noch mehr drin als Kriegsberichterstattung. Ich finde "Day ..." am schwächsten in der Reihe da dieser zuviel auf dem resozialisierungs Gedanken und Menschengulasch Szenen herumreitet aber inhaltlich nicht wirklich weiter geht.
"Survival ..." scheint mir fast die Neuauflage von "Day ..." aber lassen wir uns überraschen. :)
geschrieben von: Hugin & Munin
Zuerst einmal ein Kompliment an Ardath Bey für seine wirklich gute Analyse der Romero-Filme, vor allem auch der gesellschaftskritischen Komponente, die dahinter steckt und wohl von den meisten Filmkonsumenten nicht wahr genommen wird.
Ich muss sagen, dass ich Zombie- und Splatterfilme eigentlich nicht mag, sie mir aber trotzdem ab und zu anschaue (meist über Youtube)... naja, irgendwie Paradox aber es ist halt so.
Bisher habe ich noch gar nicht alle Filme der Serie gesehen, sondern nur den ersten noch in schwarz-weiß gedrehten, dann Dawn of the Dead und Day od the Dead, wobei für mich Dawn of the Dead DER Romero schlechthin und auch der beste dieser drei Filme ist.
Ich kann mit Romero auch wesentlich mehr anfangen als z.B. mit Fulci (dessen Filme mir teilweise zu trashig und von ihren Splatterszenen her zu drastisch sind) oder den neueren Filmen wie 28 Days, hier geht es mir auch so das die Szenen oft ein viel zu hohes Tempo haben und mir die "intelligenten", schnellen Wiedergänger nicht gefallen.
Eine Ausnahme hinsichtlich der neueren Filme ist für mich noch die Komödie Zombieland, die ich mir immer wieder gerne ansehe.
geschrieben von: coma_black
Dawn of the Dead ist aber gar nicht in schwarz-weiß. Ich muss allerdings zugeben, daß die meisten DVD-Veröffentlichungen davon ein beklagenswert farbarmes Bild aufweisen... Gibt es eigentlich überhaupt eine DVD von "Laser Paradise", die man ohne Augenkrebsrisiko anschauen kann? (Wenn ich nur an meine "Cut and Run" mit den zahlreichen Aussetzern denke, wird mir übel - ich dachte damals zuerst, der DVD-Player wäre hinüber). :)
Aber um zum Thema zurückzukommen: Es gibt inzwischen von Georg Seeßlen ein empfehlenswertes Buch über George A. Romero, in dem Seeßlen seinen Hang zur Überinterpretation etwas zügelt (v. a. im Vergleich zu seiner David-Lynch-Analyse) und nebenbei auch auf die Zombiewelle im Allgemeinen und die neueren Remakes eingeht.
geschrieben von: Ardath Bey
Im Steelbook von "Survival ...." ist auch ein ganz knuffiger Text von Seeßlen zu Romero und seiner Dead Saga. Wenn man da ein bischen was abzieht sind die Kommentare durchaus brauchbar.
Interessant fand ich Seeßlens Ansatz zum Zombie Genre generell. Ist doch irgendwie putzig wie aus klassischen Zombies dann eigentlich Ghule werden.
Zu "Survival ....." kann ich nur sagen das mir der Film soweit gut gefallen hat aber Romero sich durchaus etwas mehr Zeit für die Charaktere hätte nehmen können. Irgendwie wirkt alles etwas gehetzt.
@
Hugin meinte auch nicht das "Dawn ..." in s/w ist. "Die drei Filme. Der erste in s/w(ohne Titel angegeben) und dann Dawn, ...." ;)
Tücken des lesens.
Ich weis keine LP Veröffentlichung in vernünftiger Qualität. Aber halten wir ihnen zu Gute das sie sich Bemühen ein eher kleines Klientel zu erfreuen. :)
geschrieben von: Davy Crockett
Romero selbst hat diese Filme immer schon mehr als sozialkritische denn als typische Horrorfilme verstanden. Was absolut Sinn ergibt: das Grauen ist hier strikt materiell und streng materialistisch ausgerichtet...die wiedererweckten Toten haben genau dieselben Bedürfnisse wie wir: sie sind ebenso physisch real wie unsere eigenen, sie gleichen uns in nahezu jeder Hinsicht - in iher unersättlichen Gier nach "Leben" ebenso wie in ihrem unbändigen Verlangen nach Rache...und dabei gehen sie wortwörtlich über Leichen - ihre "eigenen" ebenso wie die der Lebenden, die nach der Berührung sogleich als neue Zombies wieder auferstehen...nein, die auf die Erde zurückgekehrten Toten sind hier keine ätherischen Engel, Geistwesen oder netten Heilsbringer mit Flügeln und Goldener Harfe...sie haben ebenso reale Bedürfnisse wie der kapitalistische Mensch, sind dessen absolut folgerichtige, auf das wesentliche reduzierte, exakt auf den Punkt gebrachte Wiedergeburt...hier bekommt die kapitalistische Zivilisation genau das Ende serviert, das ihr zusteht...hier sind es die Toten selbst, die das "Jüngste Gericht" ausführen...kein Gott, keine Erlösung, kein Himmel erwartet uns nach dem Tod...nur die Hölle ist real, sonst nichts...