Schatten.
Das, was übrigbleibt. Hinter der Sehnsucht, an der Grenze zur Einsamkeit und in ihr toben Schatten. Sie fragen nicht, sie werden zu Fremden, die wir in - und auswendig kennen. Zum Feind.
Schatten.
Kaputtgespiegelt
Aufstehen.
Zähneputzen. Waschen. Nicht wagen, in den Spiegel zu sehen. Und doch mit dem Spiegelbild reden, sich vorstellen, es wäre jemand da. Der dich respektiert, der dich liebt. Den Spiegel als Zufluchtsort. Doch am Ende wird er zerschlagen, zerstört, man erträgt die eigene Lüge nicht.
Anziehen.
Wissend, dass der Spiegel Schönheit durch mich definiert, draußen hängen andere Spiegel an der Wand. Bösartige, die Wahrheit verzerrend, das erzwungene Selbstvertrauen durch nackte Tatsachen zerstörend. Oder haben jene Spiegel recht? Sind die anderen wirklich mehr wert als man selbst? Verblasst man im Vergleich zu Mitmenschen? Verblassen. Sich auflösen. Nicht mehr als ein Schatten. Haben Schatten Spiegelbilder?
Das sichere Bad mit dem „eigenem“ Spiegel darin verlassen, sich der Außenwelt stellen.
Frühstücken. Alltägliche Probleme. Die Zeit abwarten, fast flehend um einzelne Sekunden vor dem Spiegel. Zweifelnd, ob man anderen Spiegeln genügt.
Jacke, Schuhe.
Hässlich?
Laufen.
Musik als Spiegel, eine ganz andere Art von Spiegel. Man zehrt Kraft aus der Schönheit der Musik, die Töne werden zum Spiegelbild dessen, was man gerne sein würde.
Ankommen.
Lärm. Tausende Spiegel. In den Schatten versinken wollen, jene, die kein Spiegelbild besitzen.
Hinsetzen, malen, lesen.
Die Blicke der anderen ignorierend geht man ein letztes Mal vor den Spiegel, vergewissert sich, dass man immer noch dieselbe ist. Und sich nicht verloren hat in den vielen Spiegeln.
Pause.
Wenn ich ein Spiegel wäre, würde jeder mich nach seinen Erwartungen modellieren. Doch ich bin weder ein Spiegel, noch haben sie das Recht, mich zu verändern. Ich benehme mich aber wie ein Spiegel.
Den Rest ertragen.
Sich auf die Musik freuen, sich Tagträumen hingeben.
Erlösung.
Wieder zuhause. Der erste Blick gilt dem Spiegel. Kaputtgespiegelt. Unbändige Wut weicht Traurigkeit, die zu Teilnahmslosigkeit mutiert. Kaputtgespiegelt.
geschrieben von: Schattenmelodie
Das unendliche Gedicht.
Ich kann nicht mehr.
Immer und immer wieder, die gleichen Gedanken, alles dreht sich im Kreis, und sonst – Leere.
Teilnahmslosigkeit, isoliert, von der Außenwelt vollkommen abgeschnitten.
Seelenrisse verzweigen sich, einem toten Baum im Winter gleich.
Irgendetwas fehlt, die Sehnsucht ist stärker als ich.
Sie zerfrisst mich, droht mich zu ersticken mit subtilen Mitteln der Einsamkeit.
Tränen versuchen vergeblich, sich einen Weg aus meinem verbitterten Herzen zu bahnen, durch Irrgärten der Verzweiflung.
Doch der Weg, er ist zu steinig, hier herrscht ewiger Winter.
Das Wort, das sich Vertrauen nennt, hat alles zerstört.
Kein Wort, keine Geste, keine Berührung lasse ich an mich heran.
Die Angst, mein ständiger Begleiter und Feind. Oder Freund?
In Momenten der Stille kommt sie hervor, die Fratze der Depression.
Du kannst dich nicht verstecken, sie lauert auf dich wie eine Katze einer Maus auflauert.
Wartet nur darauf, dich zu zerfleischen, dein Innerstes herauszureißen und dich auszuweiden wie ein totes Tier.
Einen Schritt vor, Tausend Schritte zurück. Zwecklos.
Enttäuschung, Schmerz, Resignation.
Lebe neben mir und hinter der Zeit, versinke im Alltag. Grau. Monoton.
Kein Sonnenstrahl dringt durch die Finsternis meiner Gedanken.
Gefangen in mir selbst, den Ausweg vergessen.
Glaube nicht an Gott, wie die Kirche es predigt.
Was für ein grausamer Gott, lässt er Menschen in ihrer Verzweiflung allein.
So scheint es.
Egal, ob man für immer verstummt, oder ob man aufschreit.
Keiner hört den Hilfeschrei deiner Seele, keiner.
Erst, wenn es zu spät ist.
Und wo bleibt Gott?
Wo oder wie spürt man die tröstende Anwesenheit Gottes?
Nirgendwo.
Vielleicht lebt Gott durch den Glauben an ihn selbst.
Vielleicht, wenn man nicht glaubt, ist alles eine Illusion, eine Täuschung, Matrix.
Wie soll ich glauben, wenn ich zerbreche am Leben?
Wie soll ich hoffen, wenn Dunkelheit mich wie Morgennebel umhüllt?
Wann kommt der Morgen meines Selbst?
Kommt er überhaupt?
Oder bin ich gefangen in ewiger, sternenloser Nacht?
In einem niemals endenden, bodenlosen Fall.
Vergänglichkeit haftet an mir wie der Gestank toter Tiere.
Alles Sein ist begrenzt, ich lasse die Zeit ungenutzt verstreichen.
Meine Augen suchen nach Antworten, mein Herz versucht, sie zu erspüren.
Das Leben ist eine einzige, vergebliche Suche nach dem Woher.
geschrieben von: Schattenmelodie
Mittwoch, 7. April 2010
Leise, heimlich. Frieren, Gedanken spielen lassen. Momente, eingefangen für die Ewigkeit. Heißes Wasser vertreibt die Kälte in und auf mir. Dann – Töne frohlocken über den Morgen und die Dunkelheit: Ein Abschied auf Zeit.
Den Körper versorgt, die Seele wartet. Bald. Am Nachmittag. Den Grund meines Hierseins erfüllt. Schnelligkeit, Ungeduld, wer gewinnt? Allein unter vielen.
Dann, endlich Nachmittag. Mittagspause, Zeit für mich, Ruhe vor der lauten Welt. Ausgeglichen. Ich habe es geschafft, sorglos, in den Tag hinein gelebt. Habe die Süße der Gemeinschaft, den Geschmack der Freundschaft kennengelernt.
Nur ein Spiel. Nichts als ein Spiel, kein Ernst. Und doch, mein Innerstes lässt sich von der Illusion täuschen. Paranoia begleitet mich wie ein Schatten, zweigeteilte Gefühle. Spaß und Nervenkitzel. Die Angst, dass das Spiel zum bitteren Ernst wird.
Verlogene Erlösung, vorbei. Die Erleichterung hat einen bitteren Nachgeschmack.
Morgen gehört jetzt der Vergangenheit an. Flucht in die Musik, Furcht vor dem Vertrauten, Vorfreude. Und wieder das Loch, erzeugt von etwas primitivem, banalem. Bin zu sensibel, lasse mich zu leicht in das Dunkel schubsen. Ich hasse Menschen. Heute sollte ich alles vergessen, einfach nur leben. Doch für das glücklich sein, bezahlt man einen Preis. Alles hat seinen Preis. Merke wieder, dass ich nirgends dazugehöre, keine Heimat habe. Ich sehne mich so nach...ankommen, akzeptiert werden, geliebt zu werden. Doch ein Mischwesen hat keine Heimat, ist überall. Für jeden Menschen eine andere Maske. Ich habe es so satt, ich zu sein, diese Kreatur, die nicht weiß wer sie ist, mit der Leere in ihr und das Gefühl, zu versagen. Nicht verletzen.
Warum immer verstecken. Warum nicht offenbaren, vertrauen. Ich drehe mich im Kreis, komme nicht weiter, zwecklos, etwas ändern zu wollen. Die Kälte in mir, gepaart mit Leere, wem sollte ich sie zeigen? Woher die Gewissheit nehmen, der Enttäuschung zu entgehen. Ewige Unterdrückung, von der Angst tyrannisiert. Ich bin nur ein Windstoß, von keinem wahrgenommen, von keinem durchschaut. Kaputtgeliebt. Desinteresse und Hohn pflastern den Weg zur toten Erlösung. Ich kämpfe, Tag für Tag, dem Gift der Sinnlosigkeit zu entkommen. Muss mich zwingen, aufzustehen, nicht liegenbleiben, nicht vergessen werden. Muss meine Rolle zuverlässig spielen, Worte wirbeln, unausgesprochene Gedanken bilden eine Mauer. Erwartungen erfüllen, nicht versagen, nicht aufgeben. Stärke beweisen, nicht schwach. Die Furcht vor der eigenen Verletzlichkeit ist allgegenwärtig. Ich will nicht verletzen, deswegen töte ich Gefühle. Was ist so falsch daran? Und wieder drückt die Stille, etwas ist nicht da. Zwiegespalten, innerlich zerrissen, ich drohe zu zerbrechen. Doch wen kümmert es? Wem bedeute ich etwas, wer beschützt mich? Ich kann nur mir selbst vertrauen. Ich schaffe es nicht, unfähig zu lieben. Ich wage es nicht einmal, mir ins Gesicht zu blicken. Die Scherben meiner Selbst zerschneiden die einst lebendigen Gedanken. Grau...und tot.
Ich bin wie durchsichtiges, farbloses Glas. Besitze keinen Schatten, nur zerbrochene Erinnerungen. Versuche, meine Scherben zusammenzufügen. Vergeblich. Ich kann nicht.
Schlafen bedeutet die Augen verschließen vor der Wirklichkeit. Schlafen...
Sm
„Komm, oh Schlaf, du Todes´ Bruder.“
geschrieben von: Schattenmelodie
Unsterblich
Zerfressen von Sehnsucht.
Zerbrochen an der Unmöglichkeit ihrer Träume.
Ausgeweidet wie ein totes Tier.
Gescheitert an ihren Gefühlen und ihr Vertrauen zerstört.
Einst liebte sie einen Mann, in ihren Augen vollkommen.
Doch war sie bei den Göttern in Ungnade gefallen, ihr Geliebter: tot.
Sie trauerte, einsam zwischen den Flüssen der Zeit.
Sie selbst muss viel schlimmeres als den Tod ertragen.
Muss leben, leben bis der Tag zum letzten Mal die Nacht ablöst, bis die Sonne zum letzten Mal untergeht.
Und so sitzt sie, Tag für Tag, Nacht für Nacht in dunklen Gassen, Düsternis und Hoffnungslosigkeit beherrschen ihr Wesen.
Ihr größter Wunsch, ist es zu sterben.
Eins zu werden mit der Ewigkeit, ein Teil des Nichts zu werden, vereint mit ihrem Geliebten.
Selbsthass, Verzweiflung, Melancholie, Depressionen.
Jede Nacht suchen sie die Dämonen der Vergangenheit heim, flüstern ihr die Vergangenheit ins Ohr und verhöhnen sie.
Deshalb versucht sie, den Untergang zu beschwören, das Ende ihrer Existenz.
In ihrem Inneren kein Mitleid, keine Gefühle, nur Sehnsucht und Trauer.
Trostlosigkeit im Garten ihrer Gedanken.
Keiner kann ihr die Bitternis ihres Lebens, das keines ist, versüßen.
Irgendwann, so ist es prophezeit, wird sie erlöst sein, ja, sogar belohnt werden für ihr Leiden.
Auf einer Stufe stehen mit den Göttern.
Irgendwann.
Doch noch spielt die Unerträglichkeit ihr grausames Spiel mit ihr, für den Tod ist es zu spät...
Unschuld
Es war kalt. Eisige Kälte überall, stechend wie winzige Eispfeile. Dieses Nicht-Vorhanden-Sein von Farben, von Leben färbt die Seele früher oder später grau. Man wird genauso wie Eis, kalt, leblos, starr, eine Hülle ohne Gefühle, Sklavin der Kälte. Doch dessen wird man sich erst bewusst, wenn es zu spät ist. Weiß das erstarrte, kindliche Ich, wenn es droht, vergessen zu werden? Wann gilt etwas als vergessen, als tot? Wenn das Herz aufhört zu schlagen, dem Körper seines Lebens beraubt? Oder muss ein Kind erst seine Seele gestohlen werden, seine Unschuld verlieren, zugrunde gehen an menschlichen oder auch unmenschlichen Trieben? Man verliert die Unschuld weder bei der Geburt noch indem man lebt. Bereits ein Kleinkind kann seine Reinheit verloren haben. Man verliert die Unschuld, wenn die Seele dem, was sie ausgesetzt ist, nicht erträgt, zu Eis erstarrt. Schuld...
geschrieben von: Schattenmelodie
Worte wie Pfeile. Innerlich sterbend. Tränen, nutzlos, leer gefangen in dem vergeblichen Versuch, die Depression durch kristallenes Wasser zu ersticken, zu mildern. Der Wunsch, zu entkommen, fliehen aus den Abgründen der eigenen Seele. Nur für eine Stunde. Schlafen, selbstverloren, Realitätsflucht. Das eigene Spiegelbild hassend, sich die Hände blutig zu zerschneiden an den Scherben seines Ichs. Die Zukunft verschwommen, grau, leblos. Die Vergangenheit, ein Beweis, dass man gelebt hat - oder zumindest zuschaute. Ich fühle mich wie in einem Zug, unfähig, am Leben teilzunhemen und die Notbremse ist schon lange defekt. Fassaden bauend taumele ich bewusstlos durchs Leben. Und doch weiß man von dem eigenen Leid, das droht, dich aufzufressen.
Immer wieder aufstehen, weiterkämpfen, auch wenn die Kraft fehlt. Ich habe meine Rolle zuverlässig zu spielen, nicht versagen, nciht enttäuschen.
Ich weiß, dass ich schwach sein darf und bin es nicht.
Ich weiß, dass ich das alleine nciht schaffen werde und doch will ich keine Hilfe. Selbstmitleid? Sich im Leid regelrecht suhlen? Nicht wahrhaben wollen, dass man zugrunde geht an der Angst vor der Angst? Das Träumen verlernt, Resignation zerstört die Hoffnung, langsam, quälend wie starkes Gift. Selbstvorwürfe, Verweiflung als Droge missbrauchen. Ich will weg von hier.
Von wem - oder vielmehr von was - spielt keine Rolle.
geschrieben von: Schattenmelodie
Graues Dämmerlicht durchflutete das Zimmer, verlieh dem Chaos eine Schwarz-Weiß Maske. Auf dem Boden lagen vergessene, achtlos hingeworfene Dinge, die sich mit den Spinnweben an der Decke einen stummen Kampf lieferten. Der Gewinner darf sterben. Der Raum beinhaltet die nötigsten Dinge, vermischt mit Kindheitserinnerungen. Tisch, Stuhl, Bett, Bücherregale. Alles wirkte so unglaublich alt, auf seine Art und Weise vielleicht auch tot. Oder nur schlafend. Die Poster an den Wänden zeigten Albumcover, Kalender und Selbstgemaltes; ein verzweifelter Versuch, Leben in das nichtssagende Szenario zu bringen. Sehnsucht als Grundfarbton war allgegenwärtig im Bild des Seelenlosen. Auf dem Bett lag ein Mädchen, den Blick an die Decke gerichtet, starr, still, leer. Im Arm hielt sie eine Stoffhund, ihr einziger, winziger Trost in dieser Trostlosigkeit. Sie hatte die Bettdecke von sich gestoßen; sie brauchte die Wärme nicht. Es würde ja doch ncihst nützen.
In ihrem Kopf war Leere, durchzuckt von Erinnerungsblitzen, die von lautlosem Donner der Apathie begleitet wurden. Bald würde es hell werden, der Morgen würde sie erlösen, ihr zumindest für einen Augenblick die Angst nehmen. Denn ncihts anderes als Augenbliccke waren die Tage und Nächte, bloße Aneinanderreihung von sinnlosen Rhythmen der Natur. Monotonie ist grau. Wenn sich allerdings Monotie mit der Sehnsucht nach Leben, nach Rettung aus dem Meer, in dem man etrinkt, vermischt, resultiert daraus Nichts. Ein Albtraum, schleppend und voll von SPiegeln. Jene zeigen die Risse, Kratzer und das Selbstmitleid, lauernd wei eine Fratze starrt sie dir ins Gesicht, Schau ihr nicht in die Augen, sie saugt dich aus, lässt deinen Atem verblassen und befreit dich von den Fesseln deiner Träume.
geschrieben von: Schattenmelodie
Vernichte meine Realitäten.
Ermorde meine Scheinwelten.
Töte meine Illusionen vom Leben und lass´mich die Masken zerfetzen, die uns alle fesseln.
Die Ewigkeit grinst uns schadenfroh entgegen, abgelöste Fleischfasern.
Wahsninn schlägt Funken, die deine marmorne Haut versengen.
Unsere Seelen gleichen Tintenflecken, still, starr, leer.
Seelenflecken.
Wie buntes Glas, ruhig, klar, glatt und rein.
Raus aus meinem Kopf.
Was, wenn ich es wagen würde?
Fortfliegen, der Sehnsucht nachgeben, das Meer versüßen, dich suchen...
Was werde ich finden, einen lebendigen Tod?
Das Kind nährt die Mutter und das Tier wird vom Sturm verzehrt.
Immer das gleiche, weiße Monotonie verschleiert das Sein.
Ein Schwebezustand, in dem die Realität jegliche Grautöne verliert und zu einem formlosen, weißem Klumpen mutiert.
Gebrochene Schatten, Tautropfenbilder, glitzernd, mit der Hoffnung auf Frieden gefüttert, jagen sie hungernd nach der Zeit...
Vergangenheit verschmilzt mit Leblosigkeit, flüsternde Träume singen dein Wiegenlied...
Die Zukunft ist ein Spiegel verzerrter Erwartungen...
Hörst du das sanfte Schaukeln der Drogenträume?
Vernichte mich.
BITTE.
geschrieben von: Schattenmelodie
Im Zug - eine Bestandsaufnahme
Die Landschaft, die grau an ihr vorbeifloss, von einzelnen Lichtern duchzogen, stand im behaglichen Kontrast zu den warmen und hell erleuchtetem, menschenleerem Zugabteil. Bäume, mittlerweile vom Winter geküsst und somit vollkommen kahl und leblos, blickten klagend den grauen Winterhimmel an. Sie klagten lautlos und doch mit solcher Intensität über die Melancholie und Sinnlosigkeit dieses Lebens. Die kalte Luft, die man aus dem Inneren de3s Zuges nur erahnen konnte, war schneegeschwängert; noch fiel nur der Regen. Doch die Temperatur fiel stetig und bald, oh wie sehnte sie sich danach, würde das Land endgültig unter einer weißen Decke begraben sein. Nur um im Frühling wieder neugeboren zu werden, ein ewiger Kreislauf. Wie eine widerspenstige Haarlocke kräsuelte sich der Wind pfeifend um das Gefühl der Verlorenheit. Verloren und orientierungslos wanken die Menschen durch das Leben, immer hinter der Zeit, auf Äußerlichkeiten bedacht, um mit Anderen mithalten zu können. Begegnungen sind selten positiv und Vertrauen wird fast immer enttäuscht und gebrochen, mit den üblichen Verrätern wird das Mark aus den anvertrauten Erinnerungen gesaugt, genüsslich schlürfend und ohne den Hauch eines schlechten Gewissens. Während der Andere zerbochen und zitternd in der Ecke liegt, seines Lebenswillen beraubt und doch gezwungen, weiterzumachen. Daraus besteht das Sein.
Vertrauen, verraten werden, zerbrechen, die Scherben kitten und anmalen, um nicht aufzufallen, und immer wieder aufstehen.
Wenn auch nur einmal ein Traum zurückkehren würde, wenn nur einmal die Poesie aufhören würde zu strahlen, wären wir vielleicht dort. Dort, wo alle Sehnsüchte und Erwartungen, Träume zusammenfließen, sich zu einem unzerstörbaren Seil der Hoffnung verfelchtet und nicht wie üblich wie eine Seifenblase zerplatzt oder der Spiegel missbrauchter Horizonte zu einem formlosen Nichts mutiert.
Der Zug hält an und ich muss in die grausame Realität zurück. Das Leben ruft und wird nicht eher ruhen, bis ich seinem Befehl gehorche.
"Nur wer zu faul ist, nachzudenken, befindet das Leben für sinnlos."