Was mich dazu treibt, nach so langer Zeit hier wieder zu schreiben weiß ich nicht. Vielleicht eine kleine Eingebung, vielleicht waren es auch die alten Texte die mir während meiner Umzugsvorbereitungen wieder in die Hand fielen.
Vielleicht ist es auch irgendetwas das mir fehlt...
Objektiv gesehen, fehlt mir nichts. Auch subjektiv gesehen habe ich einfach nur unglaubliches Glück. Ich habe ein Studium dass mir Spaß macht, habe sogar gute Noten. Bin als einzige BA zu Veranstaltungen eingeladen, die doch nur für examinierte ausgeschrieben waren. Alles gut.
Dazu habe ich einen großartigen Mann gefunden. Gemeinsames Leben, Zukuft planen mit allem was dazu gehört. Das ist mein Leben wie es sein sollte und das außergewöhnliche daran ist, dass es eben genau so passiert.
Und dann höre ich dieses Lied.... Makye Ama
Es ist so kitschig, es ist so durch und durch tibetische Popmusik.
Aber es berührt mich, die Bilder des Videos ziehen, zerren an mir. Es ist als würde ich in diese Bilder, in diese Musik hineingesogen und plötzlich ist da wieder dieser ungetrübte Wunsch zurück zu gehen, zurück in die Berge... zurück ins Himalaya um dem Land hinter der Grenze Himachal Pradeschs jedenfalls in bisschen näher zu sein.
Wie kann man sein Leben lang ein Land so schmerzlich vermissen, dass man nie gesehen hat?
Ich weiß es nicht, weiß nur, dass die Kraft des Wunsches nicht nachgelassen hat, seit ich in McLeod Ganj war. Sie ist nur stärker geworden.
Und so sitze ich hier, weine immer wieder ein bisschen, höre dieses eine Lied immer und immer wieder.
Ama ist das Wort für Mutter. Das Lied ist eine Ode an die Mutter. An das Mutterland an die Mutter Erde. Es spricht mir aus dem Herzen.
In diesen Momenten in denen ich in die Musik versinke und in meinen Träumen, lebe ich ein anderes Leben. In diesen Momenten gibt es kein Studium und schon gar keinen Mann, denn ich allein lassen würde, um fort zu gehen. In diesem Momenten bin ich ganz und gar frei... ungebunden.
Bis mir wieder klar wird, dass ich mich entscheiden muss...
Ein bisschen Tibet geht nicht, nur ein bisschen Familie auch nicht.
Vielleicht wenn ich mal alt bin...
Es ist wie eine Entscheidung zwischen Egoismus und Altruismus, zwischen mir und uns.
Ich kann nicht beides. Ich habe noch nie gewusst warum, aber für mich gab es in diesem Punkt immer nur entweder oder, niemals und.
Es fühlt sich an wie zwei Geister die in meinem Kopf und meinem Herzen um die Vorherrschaft kämpfen.
Ich wollte immer fliegen... ich wollte immer frei sein....
aber seid dem ich weiß, was Familie bedeuten kann, will ich auch aufholen was ich in den letzten 23 Jahren vermisste.
Ich weiß es nicht...
Wer weiß, vielleicht liegt doch auch in der Familie und in der Liebe die wahre Freiheit. Vielleicht habe ich sie schon längst gefunden, denn sonst wäre ich wohl längst nicht mehr da.
Und vielleicht muss ich dennoch eines Tages wieder gehen. Monate sind dann aber vielleicht nicht mehr genug...
geschrieben von: Sternenstaub
Auch wenn "mein Land" ein Anderes ist - in Gedanken werde ich immer davon träumen. Doch ich habe mich bewusst für die Liebe entschieden. Anderes Land heißt wandern, unstet sein, ich für mich habe die Stabilität der Beziehung gewählt.
Ich war immer rastlos, wild und nicht zu bändigen, eine Lebens- und Wissenshungriege auf den Bahnhöfen, zwischen all den Eskapismen - aber nun ist es Zeit anzukommen.
Du kannst auch in der Beziehung frei sein. Man muss es nur thematisieren.
Dein Schreiben erinnert mich an ferne Herbsttage hier, an warmen Tee und warme Worte - irgendwann kehrt wohl [fast] jeder hierhin zurück - vor Entscheidungen - oder für ein Refugium in einsamen (Nachtwelten-) Nächten.
Letztendlich liegt die Entscheidung bei Dir - ich sage nur, wie ich gehandelt habe, vor so kurzer Zeit.
Alles Liebe!
geschrieben von: Nebeltaenzerin
Du hast recht... irgendwann ist es wirklich einfach wieder Zeit hierher zurück zu kehren.
Und ja, es ist im Endeffekt richtig zu bleiben und somit endlich anzukommen. Genaugenommen weiß ich das und habe es auch so angenommen, weil es dass ist was ich mir doch all die Jahre gewünscht habe.
Aber trotzdem...
Diese Gedanken springen mitten aus meinem Herz plötzlich in den Vordergrund.
Vielleicht werde ich das nie so ganz los. Gott sei dank wird es so hingenommen, vielleicht nicht immer verstanden aber akzeptiert. Die Geduld die mir immer wieder entgegen gebracht wird, erstaunt mich immer wieder.
Ach... das rastlose, ungebundene, einsam freie Leben fehlt mir an solchen Tagen.
Es ist wie ein letztes Sträuben gegen das Erwachsen werden, dabei habe ich diesen Schritt doch längst getan.
Vielleicht fällt das alles zusammen, vielleicht ballt es sich grade einfach, so kurz vorm Umzug in einen neuen Lebensabschnitt.
Alles ist gut, alles ist gut geworden. Mein Leben wird nicht zerfallen durch einen einzelnen Windhauch. Vielleicht ist es zu viel Glück, um nicht ratlos davor zu stehen, voller Angst es könnte doch nur ein Traumschloss sein.
Das ist es nicht, es ist endlich nicht nur ein Traum, sondern Wirklichkeit.
PS: Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder, an irgendeinem Bahnhof :) Der Weg ist ja nun nicht mehr so weit.
Alles Liebe
geschrieben von: Nebeltaenzerin
Vor mir liegt ein Stundenplan. Ich habe alles dort eingetragen, alle Veranstaltungen die ich gerne besuchen möchte, alles was ich gerne lernen würde. Der Stundenplan ist voll, so wie er es immer war.
Ich habe mich nur sehr selten während der letzten Jahre meines Studiums gedrückt. Ich hatte immer Spaß an dem was ich tat.
Die Worte die ich gestern hörte, taten jedoch weh. Sie haben mich getroffen, mich am Schopfe gepackt und in meine tiefsten Unsicherheiten, meine größten Zweifel geschleudert. Mitten hinein.
4 Jahre studiert und doch nichts gelernt? Ich weiß, auch du hattest schon die gleichen 3 Usos hinter dir, vielleicht war es die schlechte Kommunikation, falsch ausgedrückt und dazu noch falsch verstanden.
Als ich ging, breitete sich etwas in mir aus, dass ich lange nicht mehr so gespürt habe. Es war dieses Ziehen dass sich aus dem Brustkorb heraus ausbreitet, als wäre dort irgendwas zerbrochen.... die Hoffnung, ein Traum.
Ich war nicht einmal mehr in der Lage mir alternativ Träume zu basteln, da war nichts, nur die Angst vor der Zukunft, die Angst vor dem Nicht-Wissen.
Die Angst zu versagen.
Egal wem ich es sage, egal wen ich frage, jeder sagt mir, dass ich doch gar nicht über das Versagen nachdenken solle... Du kannst das doch... du hast echt mehr auf dem Kasten als das... denk gar nicht drüber nach. Wenn nicht du, wer dann.
NEIN... verdammt ich HABE die Ängste aber. Und ich denke drüber nach. Was wäre wenn, das ist manchmal auch ein sinnvoller Gedanke.
Ich weiß nicht ob ihr mich realistisch seht, ich bin nicht so gut, wie es den Anschein hat. Bin durchschnitt... so sehr ich auch versuche es nicht zu sein. Selbst an einer durchschnittlichen Uni wie der meinen, habe ich es nie zu den wirklich guten geschafft.
Ich habe Angst...
Ich will niemanden enttäuschen, will es allen zeigen, aber vielleicht ist das so gar nicht möglich. Vielleicht war ich dafür nie vorgesehen.
Wenn doch nur irgendwer mir sagen würde, was der Weg ist? Wenn sich doch nur irgendwo eine Tür auftun würde.
Auf dem Stundenplan vor mir sind allein für den Montag 10-12 uhr drei verschiedene Veranstaltungen eingetragen.... ich müsste mich teilen können, dann könnte ich alles lernen, dann könnte ich vielleicht aufholen.
Aber ich will mich nicht teilen, ich will glücklich sein. Schwer nur, wenn man nicht zum 08-15 Arbeiter geboren wurde. Ich will glücklich sein, nicht nur dann wenn ich von der Arbeit heim komme, froh, wieder zu Haus zu sein. Nein ich will das ganze Programm.
Vielleicht gibt es einen anderen Weg...
Vielleicht habe ich ihn immer übersehen, vielleicht wurde ich auch immer von ihm übersehen...
Coldworld - Escape
geschrieben von: Sternenstaub
Ich denke dass Du viel weißt. Du hast engagiert studiert, du warst immer wißbegierig und das weißt Du auch. Es kommt Dir nun so vor, weil Veränderungen anstehen. :)
Also Kopf hoch und bald - noch mehr Wissen rein.
Eigentlich habe ich mir vorgenommen diesem Etablissement hier entgültig den Rücken zu kehren - aber das muss ich Dir einfach sagen.
geschrieben von: DeinSchutzengel
Nebelchen, behalte dir deine Sehnsucht bei. Irgendwann treibt es dich an diesen Ort und dann wirst du sehen, dass sich das warten gelohnt hat.
Ich wünsche es dir.
Und ja, es zieht die Menschen immer wieder her.
geschrieben von: Nebeltaenzerin
Wenn ich aus dem Fenster sehe, schaue ich von meinem Schreibtisch aus genau auf ein Haus. Das Haus hat einen merkwürdigen Giebel, ist schwarz, nach Schieferart gedeckt, dieFenster sind mit Lamellen verhängt, wie mein Vater sie in seiner Praxis auch hatte. Schön ist was anderes. Immerhin scheint nie jemand an diesen Fenstern zu sein.
Seit ich denken kann war niemand, nichts dort, wo ich aus dem Fenster sah. Selbst in meinen geliebten, hässlichen Wohnklötzen war nie etwas zu sehen, schon gar nicht ein anderes Fenster. Es ist seltsam wie ich plötzlich merke, dass diese unansehnlichen Platten doch das schönste für mich waren, was ich je bewohnt hab.
Der neue Anfang ist geschafft. Ich sitze allein in einer Wohnung die ich seit einer Woche renoviere... größtenteils allein. Besonders gegen Abend frisst mich die Stille, die Leere immer mehr an. Es ist kein Ende in Sicht, muss noch so viel gemacht werden. Doch ich habe kaum noch Kraft.
Der Himmel, der mit seinen grauen Wolken fast das Dach berührt, die Musik die ich vielleicht besser nicht hören sollte, lässt mich vergessen, dass ich doch eigentlich erwachsen werden wollte.
Was ist erwachsen eigentlich?
Auf dem Schreibtisch steht das Foto von meiner kleinen Mitbewohnerin. Was macht sie wohl grad? Ist sie schon im Bett, oder hat sie es wieder hinaus gezögert? Schläft sie gut in ihrem neuen Zimmer? Denkt sie hin und wieder an mich?
Ich hab ihr gesagt, dass ich wieder komme, dass ich sie lieb habe, auch wenn ich grad mal nicht bei ihr bin. Ich hab gesagt, dass ich sie vermissen werde. Und dann habe ich ihr gesagt, bis bald. Bald ist in zwei Wochen, noch einmal für 10 Tage bei ihr sein.
Wie ich dieses Kind liebe.... Allein der Gedanke, den ich die letzten Wochen immer verdrängte, dass ich sie bald nicht mehr um mich haben werde, dass Besuche seltener werden und dass sie ohne mich weiter aufwächst...
es tut weh und treibt mir die Tränen in die Augen...
Der Anfang des neuen Anfangs ist geschafft, aber es gibt auch viel dass ich nicht einfach zurück lassen will, auch wenn ich muss. Ich werde immer ein Teil dieser kleinen Familie sein, dass hat sie mir gesagt. Und so wird ein Teil von mir auch immer dort sein. Es ist leicht gesagt, dass ich nun den Grundstein für eine eigene kleine Familie lege. Ich HABE doch schon eine eigene. Und ich bin die jenige die geht... dann habe ich es auch verdient nun zu vermissen.
O, sieh in einem Sandkorn die Welt,
in einer wilden Blume einen Himmel,
halt das Unendliche in deiner hohlen Hand,
und banne Ewigkeit in eine Stunde.
William Blake
geschrieben von: Sternenstaub
Ja was ist eigentlich erwachsen?
Ich glaube, es gibt kein "erwachsen" an sich - oder wir beide gehören zu dser Sorte Mensch, die es nie werden, wir sind im Herzen immer jung, wild, nostalgisch und wie Peter Pan. Das ist auch gut so. Wir schaffen es trotzdem - oder deswegen.
Kopf hoch.
geschrieben von: Nebeltaenzerin
Ja, vielleicht ist erwachsen werden gar nicht das große Ziel. Vielleicht ist das auch gar keine Eigenschaft, kein Zustand sondern doch nur eine Zuschreibung von anderen. Was weiß ich... es sollte mir endlich egal sein.
Ich fühle mich schon wieder so merkwürdig schwermütig. Mag sein, es ist weil ich keine Aufgabe habe zur Zeit. Mag sein, dass es daran liegt, dass ich so vieles gerne besser Abgeschlossen hätte vor dem Umzug. Mag sein, dass ich lieber überall in Freundschaft gegangen wäre.
Beim Ordnen meiner Unterlagen fallen mir auch die Dokumente der Uni in die Hände. Die Bestätigungen meiner Wahl als Studentische Vertreterin, der ganze Kram aus den letzten Jahren... und plötzlich frage ich mich ob ich die ganze Zeit vielleicht vollkommen in die falsche Richtung gelaufen bin. Ob ich vielleicht einen ganz falschen Ansatz hatte all die Zeit. Auch die Aussicht, hier neu zu beginnen beruhigt mich kaum. Irgendwo hänge ich noch fest. Nur wo, und wie ich die Fesseln entwirren kann, das weiß ich bisher noch nicht.
Ich würde mich so gerne mal wieder frei fühlen...
Immer wieder schießen Brückstücke der Erinnerung mit Szenen aus Indien durch meinen Kopf. Es wird wieder mehr in letzter Zeit. Aber auch andere Orte zu anderen Zeiten schwirren hier und da vorbei. Namen, Gesichter, Bilder und Gespräche. Ich kann sie nicht ordnen, schon gar nicht deuten. Alles scheint zufallig. Die Träume in der NAcht sind klar, bunt und doch immer ein wenig verzweifelt. Wache ich auf, will ich weiter träumen um alles noch zu ordnen....
Weglaufen kann ich nur kurz, kaum bleibe ich stehen kommt es wieder.
Ich hoffe nur, die nächsten Wochen werden ordnen was zu ordnen war und abschließen was zu beenden war. Noch einmal zurück und ganz viele Punkte und auch ein paar Ausrufezeichen setzen, vielleicht sogar doch hier und da noch ein Fragezeichen hinterlassen und am Ende ein Dankeschön auf die Straßen streuen.
Danke der Stadt die mich formte, der ich am liebsten ein "..." hinterlassen würde. Fortsetzung folgt...
Meine Tante fragte mich, ob all das was ich besitze, ob die Wohnung in der ich lebe nicht Balast für mich wäre. Nein, das materielle ist kein Balast, denn ich kann es ignorieren wenn ich will. Mein Balast ist in meinem Kopf, ist nicht eben zu verkaufen oder auf den Sperrmüll zu bringen, ist auch nicht auszusortieren. Kein Sondermüll wird ihn nehmen, ich werd diesen Balast nicht los, denn er kommt wieder, ist nicht einfach zu fassen und fort zu schleudern. Irgendwie werde ich mich aber schon mit diesen kleinen Teufeln arrangieren. Bisher hab ich das doch auch immer geschafft, irgendwie....
irgendwie...
geschrieben von: Nebeltaenzerin
Kleine, weiche, kühle Hände, die über mein Gesicht streichen wecken mich. Ich schlage die Augen auf und sehe ihr Lächeln. Sie kuschelt sich neben mich ins Bett und wir bleiben noch ein bisschen liegen, albern herum, lachen und kichern. Ich bin glücklich, halte sie im Arm, halte ihr kleinen Händchen.
Noch eine letzte Schonfrist, noch zwei Wochen bin ich bei ihr.
Ich kann nicht ausdrücken was in mir vorgeht, wenn sie mir sagt, dass sie mich vermisst hat und wenn sie mir das zeigt.
Ich bin glücklich, denn ich bin bei ihr, bei meiner kleinen, unkonventionellen Familie, fühle mich angenommen und geborgen.
Es ist seltsam, dass ich einen Teil meiner Selbst hier wieder finde, den anderen Teil in der neuen Stadt zurückgelassen habe. Alles zusammenfügen geht leider nicht, wie kann man auch ständig alle die man liebt um sich scharen. Ein Ding der unmöglichkeit im ganz normalen Leben.
Und trotzdem genieße ich diese Momente mit diesem kleinen Mädchen, solange ich nun kann. Ich freue mich, dass noch einige Morgede folgen werden, in denen ich auf diese Weise geweckt werde.
Manchmal sollten wir einfach Dankbar sein für die Momente, die uns geschenkt werden und nicht immer nur das sehen, was fehlt.
Liebe geben und Liebe empfangen ist doch das schönste, was in einem Leben passieren kann.
Das will ich nie vergessen...
geschrieben von: Nebeltaenzerin
Es ist wieder die Zeit in der ich aus dem Fenster sehe und schreibe "Es wird Herbst". Wie schon in all den letzten Jahren wenn es Herbst wurde. Und mit jedem Mal an dem ich dies schrieb, bekam der Satz mehr Bedeutung. Nicht nur Sinn in sich, sondern auch die Erinnerung an so viele Menschen und Ereignisse sind damit verbunden. Es wieder zu schreiben ist für mich wie eine Hommage an all jene...
"Es wird Herbst"
Es wird grau, es wird dunkler. Die Zeit verrinnt in einer anderen Geschwindigkeit. Ich halte inne und nehme mir die Zeit aus dem Fenster zu schauen auf den Wald, der immer bunter wird, von Tag zu Tag.
Die Spaziergänge bekommen eine ganz eigene Magie. Der Regen ist tröstlich und erinnert an so vieles, erinnert mich daran, dass mein Geist immer fliegen wollte, im Herbst halte ich ihn nicht mehr davon ab. Vielleicht ist es der Wind, der die Gedanken mit sich reißt, der mich auffordert mit ihm zu fliegen. Vielleicht ist es die Stille, die tiefe Ruhe, die mir wieder die Kraft gibt, den Geist loszulassen. Herbst ist wie heimkommen. Und grade jetzt, nach 7 Monaten Sommer ist es wie eine Rettung in letzter Sekunde.
Morgens wache ich auf und sehe, dass irgendwer nun den Himmel grau gestrichen hat. Ich liebe dieses Grau, ich liebe diesen Nebel, den Regen... ich liebe den Herbst.
"Es wird Herbst"
Heißt auch, dass die Musik sich ändert. Dir Melodien werden schwerer und weniger minimalistisch. Es wird melancholischer, ganz zufällig nur, weil ich irgendwo einen Link entdecke und plötzlich merke, dass diese Musik die einzig passende zu diesem Tag ist.
Es wird wieder die Zeit in der ich nie ohne Musik aus dem Haus gehe. In der ich träumen kann...
"Es wird Herbst"
bedeutet jedoch dieses Mal nicht Einsamkeit...
bedeutet nicht verloren zu sein..
bedeutet nur, die Schönheit der Welt wieder zu sehen, die Vergänglichkeit zu erkennen und lieben zu lernen.
bedeutet Erinnerung...
"Es wird Herbst"
geschrieben von: Nebeltaenzerin
Der Himmel ist in den letzten zwei Tagen manchmal so richtig blau gewesen. So richtig, richtig blau, ohne Dunst ohne Schleier, in der Farbe die man sieht, wenn man über den Wolken fliegt.
Lustig, welche Assoziationen bei mir wieder Fernweh auslösen... Mittlerweile denke ich jedoch mit einem Lächeln an die Monate in der Ferne und bin voller Vorfreude auf den Moment, wenn ich wieder in Dehli aus dem Flugzeug steigen kann. Es ist nicht mehr diese Trauer des Verlorenen, es tut nicht mehr so weh.
Aber dennoch, heut habe ich wieder begonnen Hindi zu lernen. Irgendwie... ist das Fernweh doch wirklich mehr eine Sucht... Sehnsucht...
Wie schön es doch war wieder in diese Welt einzutauchen, allein durch die Stimme die aus den Lautsprechern kommt. Einfache Konversation... egal... ich liebe diese Melodie der Sprache.
Etwas anderes schießt mir wieder durch den Kopf... die Zeit.
Es ist so erschreckend wie schnell die Zeit vergeht, merken wir das doch immer nur, wenn wieder ein JAhr vergangen ist.
Als Kind wollte ich nie jemandem glauben, dass Wochen plötzlich nur noch Tage sind und Jahre wie Monate vergehen. War nicht grade erst alles anders? War es nicht erst gestern?.....
Eineinhalb Jahre auf den Tag genau ist er nun an meiner Seite... es kommt mir vor als wären es erst wenige Monate. Eineinhalb Jahre sind nicht viel, doch wie sie vorbeiflogen...
Eineinhalb Jahre voller Geborgenheit, voller Lachen, voller Augenblicke die ich nie vergessen will. So manche all zu laute Diskussion über Gott und die Welt, doch niemals ein Streit, so manche kabbelei, aber niemals eine Gemeinheit... ich darf dankbar sein.
Ich bin dankbar.
Die Zeit... die Sehnsucht... beides untrennbar, beides für sich auf sanfte Art schmerzhaft. ich mag diesen Schmerz.
geschrieben von: Nebeltaenzerin
Ich bin taub.
ich bin taub.
ich bin blind.
ich bin wach.
ich bin wie in Trance.
Alles zuviel?
Die Seminare streifen an mir vorbei, die Planungen, die Bürokratie der Anrechnungen. Die kalte Luft macht mich wach wenn ich wieder raus bin, und allein. Die neuen Gesichter sind anstrengend. Ich weiß nicht wie ich mich verhalten soll. Wie geht das mit dem sympathisch sein?
Die Natur zieht mich immer wieder zurück in die Welt. Ich gehe zu Fuß so oft ich kann. Es tut mir gut. Meine Seele nährt sich von jedem Lächeln das mir gilt. Das ist der Anker.
Und immer wieder, wenn die Stunden vergangen sind ohne, dass ich es merkte, wenn ich wieder aufwache, aus dieser Leere, merke ich, dass ich wieder einmal beginne zu entschwinden.
ich bin taub. In jeder Hinsicht.
ich will nicht wieder aufhören zu spüren. Es ist so einsam dann.
Ich kämpfe dagegen.
ich wache wieder auf.
White out.
geschrieben von: Nebeltaenzerin
Indien lässt mich nicht los. Auch nach einem Jahr nicht. Immer wieder strömen Erinnerungen auf mich ein, es ist egal wo ich dabei bin, was ich tue... alles in mir ist in diesen Momenten dort....
Nur ganz kurz... nur ein paar Wochen... ich würde so gern. Die Art der Fremdheit in der ich mich so sehr geborgen fühlte... schwer zu erklären.
Aber wir befinden uns in der Realität...
Die ist derzeit sehr weiß und kalt und ich wünsche mir nichts mehr als Regen.
Ich wünsche mir so vieles...
Oft wünsche ich mir etwas, an das ich glauben kann, etwas was meinem Leben den Sinn gibt, den es nicht hat. Etwas was mir den Weg zeigt.
Oft wünsche ich mir Freiheit, manchmal aber auch einen abgesteckten Raum in dem alles immer gewohnt ist und mich niemals etwas überrascht.
Ich wünsche mir allein zu sein, aber nicht einsam.
Ich wünsche mir so vieles...
Es wäre auch so vieles gut für mich...
und so begebe ich mich wieder auf die Suche... nach Dingen, die ich vielleicht schon längst gefunden habe.
geschrieben von: JohnSteed
Tora...Tora!
Wer Wind sät, wird Sturm ernten.....
geschrieben von: Nebeltaenzerin
Den Sturm wünsche ich mir,siehe da, ich mache alles neu.
Reingewaschen von altem, reingewaschen von Dingen die hinter mir liegen.
Mir fehlen die Worte für dieses stille, dumpfe Gewühl in mir. Ich kann es nicht greifen, es hat keine Form, es ist wie Rauch. Es ist wie ein wabernder Nebel der meinen Körper einhüllt und in meinen Kopf kriecht ohne mir die Sicht zu nehmen.
Es ist wie ein Wattebausch in meiner Brust.
Alles ist gedämpft.
Es ist als würde das Glück, dass ich habe, den Schmerz des Verlustes dämpfen, nicht zulassen dass er zutage tritt. Es ist nicht recht zu trauern wo doch alles so gut ist. Und langsam ist doch auch genug Zeit vergangen...
Und doch vermisse ich vieles.
MAnchmal komme ich mir vor als wäre ich hier von allem abgeschirmt. Aber auch eingeschlossen, fort von der richtigen Welt.
Ich bleibe freiwillig und fühle mich dennoch gefesselt.
Von mir selbst
Oh, Sturm, reiß alle Fesseln los, lass mich fliegen, reiß mich mit, mach mich frei und wach. Ich warte so lange hier auf dich.