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Wolfgang Borchert

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geschrieben von: ~Grotesque~

Ich wollte mal wissen,was ihr von Wolfgang Borchert haltet und ein bisschen darüber diskutieren.Ich bin gerade dabei alles(ist ja leider nicht viel)von ihm durchzulesen.Ich mag irgendwie seine Schreibtechnik und wie er es schafft dadurch bestimmte Gefühle beim Leser zu schaffen.
Seine Texte sind ja meistens sehr agressiv(wobei es auch ein paar sehr romantische Gedichte gibt) und...na ja...ehrlich,ungeschminkt,einfach wahr."Wie ein Schrei",meint Bernahrd Meyer-Marwitz im Nachwort von Borcherts "Gesamtwerk"
Ich habe mir mal die Mühe gemacht einen Text,der mir besonders gefallen hat,abzutippen.



Die Kegelbahn

Wir sind die Kegler.
Und wir selbst sind die Kugel.
Aber wir sind auch die Kegel,
die stürzen.
Die Kegelbahn,auf der es donnert,
ist unser Herz.

"Zwei Männer hatten ein Loch in die Erde gemacht.
Es war ganz geräumig und beinahe gemütlich.
Wie ein Grab. Man hielt es aus.
Vor sich hatten sie ein Gewehr. Das hatte einer erfunden,
damit man damit auf Menschen schießen konnte.
Meistens kannte man die Menschen gar nicht.
Man verstand nicht mal ihre Sprache. Und sie hatten einem nichts getan.
Aber man mußte mit dem Gewehr auf sie schießen. Das hatte einer befohlen.
Und damit man recht viele von ihnen erschießen konnte, hatte einer erfunden,
daß das Gewehr mehr als sechzigmal in der Minute schoß.
Dafür war er belohnt worden.
Etwas weiter ab von den beiden Männern war ein anderes Loch.
Da kuckte ein Kopf raus,der einem Menschen gehörte. Er hatte eine Nase,
die Parfüm riechen konnte. Augen, die eine Stadt oder eine Blume sehen konnten.
Er hatte einen Mund, mit dem konnte er Brot essen und Inge sagen oder Mutter.
Diesen Kopf sahen die beiden Männer, denen man das Gewehr gegeben hatte.
Schieß, sagte der eine.
Der schoß.
Da war der Kopf kaputt. Er konnte nicht mehr Parfüm riechen,
keine Stadt mehr sehen und nicht mehr Inge sagen. Nie mehr.
Die beiden Männer waren viele Monate in dem Loch. Sie machten viele Köpfe kaputt.
Und die gehörten immer Menschen, die sie gar nicht kannten.
Die ihnen nichts getan hatten und die sie nicht verstanden.
Aber einer hatte das Gewehr erfunden, das mehr als sechzigmal schoß in der Minute.
Und einer hatte es befohlen.
Allmählich hatten die beiden Männer so viele Köpfe kaputt gemacht, daß man einen
großen Berg daraus machen konnte. Und wenn die beiden Männer schliefen,
fingen die Köpfe an zu rollen. Wie auf der Kegelbahn. Mit leisem Donnern.
Davon wachten die Männer auf.
Aber man hat es doch befohlen, flüsterte der eine.
Aber wir haben es getan, schrie der andere.
Aber es war furchtbar, stöhnte der eine.
Aber manchmal hat es auch Spaß gemacht, lachte der andere.
Nein, schrie der Flüsternde
Doch, flüsterte der andere, manchmal hat es Spaß gemacht.
Das ist es ja. Richtig Spaß.
Stunden saßen sie in der Nacht. Sie schliefen nicht. Dann sagte der eine:
Aber Gott hat uns so gemacht.
Aber Gott hat eine Entschuldigung, sagte der andere, es gibt ihn nicht.
Es gibt ihn nicht? fragte der erste.
Das ist seine einzige Entschuldigung, antwortete der zweite.
Aber uns-uns gibt es, flüsterte der erste.
Die beiden Männer,denen man befohlen hatte,
recht viele Köpfe kaputt zu machen,
schliefen nicht in der Nacht. Denn die Köpfe machten leisen Donner.
Dann sagte der eine: Und wir sitzen nun damit an
Ja,sagte der andere,wir sitzen nun damit an
Da rief einer: Fertigmachen. Es geht wieder los.
Die beiden Männer standen auf und nahmen das Gewehr.
Und immer, wenn sie einen Menschen sahen, schossen sie auf ihn.
Und immer war das ein Mensch, den sie gar nicht kannten.
Und der ihnen nichts getan hatte. Aber sie schossen auf ihn.
Dazu hatte einer das Gewehr erfunden. Er war dafür belohnt worden.
Und einer-einer hatte es befohlen."



geschrieben von: myhna

... sehr empfehlenswert kann ich dazu nur sagen...
und nich immer was für schwache nerven - zu ehrlich -

grüsse
µ



geschrieben von: ~Grotesque~

"Wer macht für uns ehrliches Geschrei? Eine lilane Erlösung?
Wir brauchen kein Stilleben mehr. Unser Leben ist laut.
Wir brauchen keine Dichter mit guter Grammatik. Zu guter
Grammatik fehlt uns die Geduld. Wir brauchen die mit dem heißen
heißer geschluchzten Gefühl. Die zu Baum Baum sagen und zu Weib Weib und ja sagen und nein sagen: laut und deutlich und dreifach und ohne Konjunktiv."
Man kann nicht zu ehrlich über den Krieg schreiben.Meine Meinung.



geschrieben von: Mortiferus

Ich hab mal vor längerer Zeit "Draußen vor der Tür" gelesen. Es hat mich sehr fasziniert, da es gleichzeitig simpel und doch sehr anspruchsvoll ist. Kann ich also nur empfehlen.



geschrieben von: myhna

hm... ehrlich - aus seiner sicht - oder besser realistisch? wirklichkeitsgetreu - ??? - sicher mit seiner ehrlichkeit - in seinem blick ...



geschrieben von: ~Grotesque~

Wenn die Menschen den Krieg als grauenvoll empfinden(und das tun alle,die ihn wirklich erleben und nicht in ihren geheizten Bunkern sitzen),dann ist er auch grauenvoll.In dem Fall ist "realistisch" und "subjektive Meinung" dasselbe.



geschrieben von: tenebrae

Ich schätze Borchret sehr, er ist auf jeden Fall einer meiner Lieblingsautoren. Sich mit seiner Biografie intensiver zu befassen kann ich nur jedem empfehlen.

Der Mond Lügt
Moabit
Der Mond malt ein groteskes Muster an die Mauer.
Grotesk? Ein helles Viereck, kaum gebogen,
von einer Anzahl dunkelgrauer
und schmaler Linien durchzogen.
Ein Fischernetz? Ein Spinngewebe?
Doch ach, die Wimper zittert,
wenn ich den Blick zum Fenster hebe:
Es ist vergittert!



geschrieben von: myhna

aus seiner sicht -> subjektiv
natürlich

ist das denn nicht realistisch? ->meinung?=empfinden?!erleben?!



geschrieben von: Schattenbraut

Zu dir, Myhna, äußere ich mich jetzt nicht, da ich gerade Kopfschmerzen verspüre und mich nicht traue mein Hirn mit der Aufgabe zu martern, aus deiner abwechslungsreichen Schreibweise den Sinn zu entnehmen *fg*

Borchert interessiert mich sehr, denn was er schreibt, bewegt. Die Ehrlichkeit ist beklemmend. Die Realität ist grausam genug, sie bedarf keiner schmückenden Zusätze und sie ist auch zu wahr, als dass man sie durch sprachliche Manöver verharmlosen dürfe.
Es ist gut, dass er so geschrieben hat. Wozu Verlogenheit in einer solch leidvollen Zeit? Weil weiter zu leben dann vermeintlich "leichter" ist?



geschrieben von: myhna

wie bitte?
dann lies doch mal ohne kopfschmerzen ALLES ...



geschrieben von: NoXaM

Ich habe die eine oder andere Kurzgeschichte, wie auch Draußen vor der Tür gelesen. Er ist wirklich sehr beeindruckend. Vor allem seine Art, wie er es niederschreibt.

In Lahr wird nächsten Dienstag Draußen vor der Tür aufgeführt. Bin mal gespannt, ob es eine gute, dem Werk entsprechende Aufführung sein wird.

Sollte es ausnahmsweise Leute aus der Gegend geben, würde es mich freuen, wenn wir uns am Theater sehen würden. Von meinem Freundeskreis schätzen nur sehr wenige das Theater --> Leider.

Gru? NoXaM



geschrieben von: LaDiAbLe

Kann mich da auf jeden Fall nur anschließen.Habe "draußen vor der Tür" auch in der Schule gelesen und den Film dazu gesehen.
Ich fand es wirklich sehr gut,leider war ich fast die einzige meiner klasse...



geschrieben von: BlackTea

In der Schule wurde ich auf die Kurzgeschichten Borcherts aufmerksam - las dann einige (wenige).

Das Brot
Die Küchenuhr
Die Kegelbahn

und noch eine, deren Titel ich vergaß - es ging um einen Jungen,
der einem Mann begegnet, der ihm Kaninchen schenken will . Das ganze spielt in einer total zertrümmerten Stadt - und seine Familie liegt unter dem Schutt begraben - hat mich sehr betroffen gemacht. Die Atmosphäre wurde in seinen (kurzen, eindring-lichen) Sätzen und den vielen Wiederholungen sehr einprägsam geschildert...



geschrieben von: fraeulein grau

hab' "draussen vor der tür" mal im zug gefunden und unvorbereitet durchgelesen- ging mir ganz schön an die nieren, aber ein tolles buch!
gasmaskenbrille..



geschrieben von: Clytie

Ich muss bei Texten von Wolfgang Borchert weinen.



geschrieben von: fraeulein grau

das kann vorkommen, ja.



geschrieben von: TaintedAngel

@ BlackTea
Die Kurzgeschichte die du meinst heißt "Nachts schlafen die Ratten doch"... wir interpretieren die gerade zum 3. Mal in Deutsch

lg



geschrieben von: Sternenstaub

Mich haben die Texte auch immer tief berührt ...



geschrieben von: crimson

borchert is escht klasse...
bin auch durch die schule auf ihn gekommen und hab dann noch einige andere sachen von ihm gelesen...

welche geschichte/welches gedicht gefällt euch am besten und warum?

lara



geschrieben von: H.e.a.d.

Zitat:
Original geschrieben von LaDiAbLe
...Ich fand es wirklich sehr gut,leider war ich fast die einzige meiner klasse...

Das ging mir genauso, hatte ihn aber irgendwie schon wieder vergessen und hab gleich mal mein altes Schulzeug rausgekramt.



geschrieben von: LadyGwendoline

"Draußen vor der Tür" hat mich am meisten berührt. Seine innere Zerrissenheit schlägt sich doch sehr in diesem Buch nieder. Und ich muss zugeben, bei "Nachts schlafen die Ratten doch" muss ich auch immer schluchtzen....:rolleyes:

Zitat:
Ich fand es wirklich sehr gut,leider war ich fast die einzige meiner klasse...


Ist das nicht immer so? Sobald ein Text (ob Roman, Kurzgeschichte usw.) den Stempel "Lehrplan" trägt, ist er zwangsläufig doof...:mad: Ein Schülertypischer Zustand, mit dem ich mich auch sehr schwer anfreunden kann....



geschrieben von: BlackTea

Zitat:
Original geschrieben von TaintedAngel

Die Kurzgeschichte die du meinst heißt "Nachts schlafen die Ratten doch"... wir interpretieren die gerade zum 3. Mal in Deutsch

lg



Stimmt, so hieß sie...
Ich weiß nicht genau, welche Geschichte mir "am besten" gefallen hat - sie haben mich alle irgendwie berührt...





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