Ich weiß nicht wie ich es einordnen soll. Das Gefühl der inneren Leere steigt wieder in mir hoch. Es war schon lange nicht mehr da. Jahrelang war es nicht da. Ich war immer gefüllt, mit Hass, Wut, Trauer, Verachtung, Unverständnis, Apathie, Sehnsucht, Leugnung, Lügen, Wahrheitsfanatismus, Ablehnung, Aggression und Kraftlosigkeit. Es wechselte minütlich, wenn nicht ein gehöriges Knäuel als Mixtur langsam meine Kehle hochkroch. Fast 6 Jahre. Ich hatte alles weggeworfen. Alles was mir blieb war eine Idee und ein Zimmer. Letzteres war mir immer treu.
Und dann, Pioniergeist. Ich genoss, ich las, ich schrieb und gewann. Und jetzt? Es ist noch da. Das Feuer, der Wille, das Gefühl im richtigen Zug zu sitzen. Müdigkeit.
Und dann, meine Träume. Sie sind immer noch dieselben. Heute wurde mir eine Pistole an die Schläfe gehalten, es wurde aber nicht abgedrückt. Dann wurde ich gezwungen jemand zu erschießen. Ich schoss, aber bewusst daneben. Dann ging ich nur knapp daran vorbei, lebendig begraben zu werden. Nichts Neues also.
Und dann, ein Auto. Ein Zucken, ein Impuls. „Steig einfach ein. Ich muss hier weg“. Vollgas. SMS; „warten am Spielplatz“. Puls normalisierte sich nur beschwerlich. „Scheiße!“, es tut mir leid, ich konnte dieses Wort nicht vermeiden. Danke dass du nicht nachgefragt hast was los war. Aber das weißt du längst. Die Vergangenheit wirft längere Schatten. Schatten die so groß sind, dass auch andere sie sehen können. Und man redet, man weiß ein bisschen und phantasiert. Ihr wisst alle was los ist. Aber das ist erträglich. Denn ihr schweigt.
1Ich kann mir nicht vergeben.
Und dann, Anerkennung. „Ich frage mich sowieso, warum sie ihr Abitur nicht schon längst haben“. Gut, ich gebe zu, der Start mit Ihnen war nicht leicht. Für beide Seiten. Ich kann ziemlich böse argumentieren ohne erkennen zu lassen, worauf ich eigentlich hinaus will. Gut, dass sie dahinter sehen. Plus 3 auf Respekt. Level up. Ich wünschte nur, ich müsste nicht sooft reden. In Gesprächen außerhalb des Unterrichts kommen Impulse von verschiedenen Seiten, die mich oft beeindrucken und über die ich gerne nachdenke. Ich wünschte, sie kämen nicht nur dort sondern auch zwischen den Pausen. Meine Meinung und Kenntnisstand kenne ich schon. Ich habe nichts davon mich ständig zu rezitieren. Kommt schon, ihr habt doch so tolle Ideen. Teilt sie!
Und dann, Ratlosigkeit. Überbrückung der Zeit mit einem in sich kreisenden Spiel. Immerhin Wirtschaftssimulation. Zwar simpel aber fesselnd. Irgendwann brannten dann die Augen.
4Ich kann mir nicht vergeben.
Und dann, Musik. Soviel Auswahl, doch sowenig Auswahl. Ich entschied mich für ein ambientes Stück. Es nervt einfach nicht und passt trotzdem zur Stimmung. Dieses Gefühl von Apathie. Alles egal, alles vergänglich, alles Dampf. Ein Windhauch und es ist fort. Keine Bedeutung, kein Sinn, keine Notwendigkeit. Der schöne Moment. Es bedeutet sitzend zu schweben, liegend zu stehen. Es bedeutet soviel und ist raumfüllend. Kein Platz, kein Zweifel. Apathie, die schönen Stunden.
Und dann, Realität. Wohin mit ihr? Hier rein, da gehört sie hin. Realität ist Wahrheit. Wahrheit ist irgendwas. Irgendwas, das beschäftigt. Wie die Schatten die sich um ein Kinderbett versammeln. Man spürt sie, weiß dass sie da sind. Jedoch haben sie keine Namen, keine Gesichter. Man weiß nicht aus welchem Stoff sie sind, welche Form sie haben, seelenlos oder beseelt. Man weiß nichts. Nur das sie da sind. Die pure Kreativität, wie man mir mal sagte. Die unmögliche Möglichkeit, sich das Unmögliche vorzustellen. Keine Ableitung aus Erinnerungen, keine Vergleiche oder Adaptionen von Dingen die man kennt. Es ist fremd, fern von Erinnerungen und Gegenwärtigem. Pure Kreativität. Unbekannte Wesen die nicht existieren, im Raum, am Bett. Nur für dich. Das ist Realität.
7Ich kann mir nicht vergeben.
Und jetzt, Unwissenheit. Was ist? Was ist jetzt? Was ist jetzt in mir? Nichts. Dieses Nichts ist mein größtes Problem. Ich kenne es genau. Ich habe einen Namen. Nichts…mein Alles.
Ich wäre jetzt so gerne am Meer.
geschrieben von: Scheol
"Ich muss los! Bis später."
Die Tür geht auf, ich gehe hindurch.
Der kurze Weg bis zur Straße ist unbekümmert.
Zwei Mädchen stehen an meinem Auto und winken mir zu.
Sie lachen.
Ich winke zurück. Schwerfällig, wie ich eben bin.
Ein Fuß auf die Straße, ein Blick nach oben.
Ein Auto. - Frost.
Ich atme, ich atme langsam, ich atme flach.
Ein paradoxer Zustand aus Zittern und Starre stellt sich ein.
Die Zeit verlangsamt sich, alles verschwimmt. Töne, Farben.
Wie unter Wasser ziehe ich meinen Kopf langsam nach links.
Eine Treppe mit einem silbernen Geländer, Steinstufen.
Ein Wort, ein Lachen aus der Ferne.
Ich kenne dieses Lachen, ich kenne...ich sehe...
Was würde ich dafür geben, frei und unbeschwert, ohne Träume und ohne Angst
die Welt zu begrüßen.
Es war schwarz. Nur ein paar Stellen waren grau. Ich sah grobe Streifen.
Es roch nach Salz. Es roch nach Zweifel. Es roch nach Tod.
Wie lernt man zu vergessen? Wie lernt man zu vergeben?
Verzeih mein Herz, du wiegst zu viel.
Ich trage dich - nimmerwärts.
Zu aller Wesen höchstes Ziel.
Ob du es glaubst oder nicht. Mein Herz wurde geschächtet.
Und trotz dass alles herausfließt, trotz dass alles entflieht ist es voll.
Zum Bersten gefüllt.
Ich werde es nicht vergessen. Das ist alles was ich vermag.
1551 Gründe zu hassen. Und nur 147 Träume um zu leben.
Leben. Verzeih, ich wollte nicht zynisch werden.
Ich wollte werden. Ich wollte...
geschrieben von: Scheol
17.09.2011
Wo läufst du hin? Wovor hast du Angst? Wo liegt der Sinn in dem was du tust?
Du hättest heute eine Verpflichtung gehabt. Dass du dies versäumt hast zeigt nur wie viel Wert du dem Ganzen beimisst. Ich verstehe dich. Ich verstehe dich gut.
Ich habe dich verteidigt als alle auf dich einschlugen. Habe meine Stimme erhoben als alle gegen dich schrien. Ich verstehe dich. Nicht nur du hast es gesehen. Es war schwarz, nicht war? Wie viele Stellen waren grau? Hörst du sie manchmal flüstern? Ganz leise, in dir? Sprichst du mit ihnen? Weinst du für sie? Weinst du für dich?
Ich kann meinen Unmut dir gegenüber langsam nicht mehr verstecken. Und auch du gehst immer mehr auf Abstand. Ich will dich scherzhaft umarmen, du weichst zurück. Im nächsten Moment suchst du wieder verzweifelt nach Körperkontakt. Wir waren dabei sehr gute Freunde zu werden. Auch wenn du es nicht weißt, uns verbindet mehr als du glaubst. Ich mag dich. Du bist nicht dumm, du bist frei im Handeln. Deine Toleranz übersteigt oft meine. Ich würde dir einfach nur gerne helfen. Wir haben ein Privileg. Das was wir tun, uns nochmals jeden Abend 6 Stunden lang unsere Zukunft erkämpfen, das können nicht viele. Und du gehst unachtsam damit um, trotz deiner Geschichte. Letzte Chance. Du weißt es. Ich wünsche dir, dass du das kleine Mädchen in deinem Kopf nicht zu sehr zum Joker machst. Langsam werden andere Karten wichtiger. Langsam verliert der Joker seinen Wert. Wir werden alle älter. Und auch diese Angst kenne ich. Siehst du sie? Die Zeit?
Du wirfst dich weg. Ich glaube dir dein Lachen. Ich glaube dir, dass du auch fröhlich sein kannst. Aber ich glaube dir nicht, dass es bis in deine Seele reicht.
Du suchst den letzten Moment eines vergangenen Tages. Du wirst ihn nicht finden. Nicht dort. Wäre er zu finden gewesen, ich wäre geblieben, aber dieser Ort existiert nicht. Er ist nur ein Garten unserer Phantasie. Ein Traum der uns davon erzählt, dass nicht alles verloren ging. Ein Tag in der Zukunft, der alles ungeschehen macht. Ich werde auf dich warten. Du weißt, wo du mich finden kannst. Und du weißt, dass wir reden können. Das hast du mir erst vor einer Woche selbst gesagt. Und an meinem Auto sagtest du zu mir, dass auch ich mit dir reden kann. Also reden wir. Ich will dir helfen. In deinen heiligsten Hallen riecht es nach Salz. Habe ich Recht? Wo läufst du hin?
geschrieben von: Scheol
04.10.11
Meine Gefühle...ich wüsste gerne wohin sie gehen.
Ich wüsste gerne, was sie von mir wollen und warum sie handeln, wie sie handeln.
Vor ein paar Tagen saß ich auf der Arbeit. Es war viel los und dennoch erwischte mich ein Gedanke. Das Schlimme an Gedanken ist, dass man sie nicht einfach verdrängen kann. Sie führen ein Eigenleben.
Dann, beim Beobachten der Entwicklung in meinem Kopf, stellte sich mir eine Frage. Ich weiß nicht warum, aber alles brannte in mir. Ich fing an zu zittern und aus irgendeinem Grund wurden meine Augen feucht. Habe ich mich etwa belogen? Belogen ohne es zu merken?
Heute weiß ich wenigstens das. Ja, ich merkte es seit einem Jahr nicht. Und als ich bereit war, diesen Gedanken zuzulassen und ihn zu behalten, veränderte sich alles. Und hier ist nun ein neues Rätsel.
Warum?
Warum ist auf einmal alles anders? Irgendwie habe ich mich darüber gefreut und nun ist es wieder zerstört. Ich habe doch niemanden etwas erzählt. In solchen Momenten frage ich mich unsinnige, esoterische Dinge. Gibt es etwas, dass meine Gedanken mitliest und dann, wenn mir etwas wichtig wird alles in die Wege leitet, dass es nicht funktionieren wird?
Es hätte sowieso niemals funktioniert, aber man hätte es mich wenigstens einen Augenblick genießen lassen können.
Ich finde es einfach nur traurig. Aber ein Gutes hat die Sache dennoch. Jetzt weiß ich, dass ich nicht ganz tot bin, sondern dass es noch etwas in mir gibt, ein kleiner Punkt, der noch das ist, was ich einmal war. Mein altes Ich ist also nicht ganz verloren gegangen. Es wäre dennoch schön gewesen, hätte man mir es ein paar Tage wenigstens gelassen.
Da brauchte ich ein Jahr um aufzuwachen und dann...ist es einfach wieder weg.
geschrieben von: Scheol
Es ist wie im Traum. Ich kann nicht behaupten dass wir in der kurzen Zeit gute Freunde wurden. Aber genug damit ich mich für dich freuen kann, und für mich. Du bist ein Mensch, der in seinem Leben schon viel ertragen musste. Oft verraten, oft benutzt und weggeschmissen. Über Jahre.
Seit einigen Tagen erzählst du Dinge, welche für mich zu abstrakt zum Erfassen sind.
Es hört sich alles surreal an. Aber es scheint dennoch wahr zu sein.
Ja, vielleicht wendet sich für dich jetzt alles zum Guten. Was ich davon habe?
Das Gefühl, dass auf dieser Welt noch Platz für Märchen sind.
Alles was sich gerade bei dir abspielt ist die Geschichte von der guten Fee und dem Wunschbrunnen.
Auch wenn das bedeutet, dass man sich vielleicht nie wieder sieht, wünsche ich dir viel Glück.
Auch wenn es vermutlich noch Jahre dauert bis das letzte Stück vom Traum an seinem Platz liegt, wünsche ich dir Zeit.
Mit dir lernte ich einen Menschen kenne, der seine Möwen rufen hört. Und wenn die Segel gesetzt sind, in eine neue, ungewisse Zukunft steuert. Eine Ungewissheit die beängstigend ist. Sie ist aber auch die Hoffnung auf ein gutes Ende.
Und diese Ungewissheit gibt Hoffnung. Sie zeigt, dass nicht jeder utopische Wunschtraum am Schluss der Strick ist, an dem wir uns aufhängen.
Ich glaube daran. Ich wünsche es dir. Vielleicht sieht man sich eines Tages in einer besseren Zukunft und lacht über alles, was heute unglaublich schwer wiegt, mit Leichtigkeit.
Es wird. Es wird gut.
Optismismus ist keine tote Sprache.
Für niemanden.
geschrieben von: Scheol
Ich erinnre mich noch gut an Kindheitstage. An die Spiele im Hof, das Sitzen im Garten, der Sandkasten, die Rutsche und den Kirschbaum. Wie viele Stunden ich in der Krone saß, um einfach nur über allem zu sein, dem Himmel ein Stück näher, weiß ich nicht. Es füllt eine ganze Ewigkeit. Dort saß ich um zu Träumen, in den Wolken Bilder zu finden oder Sterne zu zählen. Ja, ich kann sagen, meine Kindheit war schön. Es war immer jemand zu Hause, ich war nie alleine. Überschüttet mit Spielzeug und Kronprinzenstatus. Mir ging es wirklich gut. Was in mir diese Rebellion verursachte, mit der ich meine Eltern zur Verzweiflung trieb, weiß ich nicht. Ich wechselte zwischen Weltfrieden und Vernichtungskrieg sekündlich. Es reizten mich Grenzgänge. Ich wollte ergründen was hinter der Linie zu finden ist. Meine Eltern wussten sich oft nicht zu helfen und versuchten Druckmittel. Besonders gut erinnre ich mich an die Geschichte mit der Feuerhexe. Eine böse Frau, welche unartige Kinder holt und an einen Ort bringt, den niemand kennt und von dem man nie wieder entkommen kann. Sie lebte bei uns im Keller und immer wenn es Nacht war, wartete sie geduldig bis sie ein unartiges Kind findet um es an sich zu nehmen. Dieser Keller. Die Erinnerungen an ihn machen mir heute noch manchmal Angst. Aus unserem Wohnzimmer heraus führte eine Tür in einen Gang, welcher zu einer engen Wendeltreppe führte. Dort oben waren mein Kinderzimmer und unsere Schlafzimmer. Ging man jedoch ein kleines Stück weiter, war erneut eine Tür. Sie führte in den Wintergarten, der gut und gerne eine eigene Wohnung sein konnte. Direkt davor aber, war rechts eine kleine Holztür. Sie führte hinab in ein von Sandstein gemauertes Grab. Der Gang war so klein, dass man sich als Erwachsener bücken musste, um ihn hinab gehen zu können. Unten angekommen traf man auf zwei nebeneinander liegende Räume. Alles roch nach altem Stein. Warum weiß ich nicht, aber ich mochte diesen Geruch. Trotz meiner Panik vor dem, was da unten lebte. Oft, wenn meine Eltern wieder einmal nicht weiter wussten, packte mich meine Patentante und sagte, ich komme nun zu der Feuerhexe. Sie sperrte mich in den Keller. Licht konnte man nur unten anschalten, doch soweit traute ich mich nie. Mit der bösen Frau im Rücken, schlug ich minutenlang gegen die Kellertür und schreite danach, mich raus zu lassen. Und meine Schreie machten mir Angst, da die Hexe so wusste, dass ich da war. Ich rechnete in jedem Augenblick damit, dass sie mich von hinten packte und in die dunkle Ungewissheit schleifte. Nachdem ich vor Angst nicht mehr schreien konnte, hörte ich aus dem linken Raum unter mir das leise Regnen des Sandes, welcher sich von der Decke löste. Ich wusste, die Hexe kratzte mit ihren langen Fingernägeln an den Steinen um mich wissen zu lassen, dass sie dort unten ist. Und kurz bevor ich vor Angst ohnmächtig wurde, ging die Tür auf und ich wurde frei gelassen. Ich rannte ins Wohnzimmer, sprang meiner Mutter zur Seite und schwor auf mein Leben, nie wieder böse zu sein. Ich konnte dieses Versprechen nicht halten, zu getrieben war ich von dem Drang zu wissen, was hinter Grenzen lag. Und wenn ich wieder hinter der Kellertür stand, mit dem Tod in den Augen und einem Gebet auf den Lippen lies mich der fallende Sand wissen, dass ich nicht alleine war.
Weißt du eigentlich, wie besessen ich von dir war? Dein Gesicht tötete mich jeden Abend wenn du neben mir schliefst mehr und mehr. Dieses Gefühl des Zerfallens habe ich so sehr geliebt. Genauso wie dich. Über Jahre hinweg war mir der gesamte Erdball egal. Es war nie Ebbe, immer war ich durchflutet von diesem Gefühl der süßen Zerbrochenheit. Ich fand in deinen Augen meinen Himmel, meine Sterne, meine Kindheit. Die Spaziergänge an der alten Burg, das Versteckspiel vor deinen Eltern, weil sie mich nicht duldeten, dass Beobachten während du schliefst, die Stunden die wir unter dem alten Baum verbrachten um zu reden, zu küssen, zu träumen. Manchmal, wenn wir uns einen Film ansahen, drückte ich dich fest an mich. Ich wollte dich nahe bei mir haben, dich festhalten weil ich Angst hatte, du flögest jeden Moment hinfort. Du warst wie der Wind. Und nicht selten hast du laut gerufen, dass ich dir weh tue, weil ich dich zu fest gehalten habe. All die Münder, welche unaufhörlich gegen mich sprachen, deine Eltern, deine Geschwister, deine Verwandten, deine Kirche, all diejenigen waren mir egal. Ich habe mich wirklich bemüht ihnen gerecht zu werden, aber ich war es nie. Wir haben uns durchgekämpft. Auf dem Schlachtfeld verloren wir so viele Schlachten und dennoch blieben wir beieinander. Doch all das Gerede hat Spuren hinterlassen. Zweifel, Ängste. Und dann fing es an. Deine ersten Anzeichen dafür, mich loszulassen. Mit jeder SMS die nachts bei dir ankam, mit jedem Geständnis mit einem anderen Mann spazieren gewesen zu sein, mit jedem Telefonat das bei dir einging und sich irgendein Mann meldete, mit jeder deiner schlechten Ausreden sperrtest du mich, wie einst meine Eltern, in diesen Keller. Und ich schrie und klopfte und bat darum, dass du mich raus lässt. Dass du mir zeigst, wie sehr ich mich mit meinen Ängsten irrte.
Doch nach und nach zeigte sich, dass dies nicht so war. Erst nachdem alles zerbrochen war, offenbarte sich mir, wie viel du getan hast. Menschen die auf mich zukamen und mir erzählten. Dinge, die ich nicht mehr hören wollte. Die ich einfach nicht wissen wollte. Heute, Jahre nach dem Ende eines Märchens, habe ich immer noch diesen Dorn in mir. Vieles von dem, was ich erzählt bekam, war vor dem…bevor sie uns...147
Noch heute spüre ich dich nachts. Ich höre wie die Tür aufgeht, du fast lautlos in mein Zimmer trittst und dich hinter mich legst. Ich spüre deine Arme, deinen Atem, ja, ich rieche noch dein Parfüm. Das, was mich nächtlich besuchen kommt, dass bist nicht du. Es ist die Hoffnung, sind die Träume die ich von dir hatte. Sie leben immer noch weiter, nur ohne dich. Ich wünsche mir, dir nie wieder über den Weg zu laufen. Keine SMS mehr von dir zu bekommen, in der du mich um ein Gespräch bittest. Ich habe alles was ich will hier bei mir. Ich bin nicht einsam. Der Zustand den du mit deinem Namen, deinem Gesicht, deiner SMS oder deiner Stimme auslöst, ist für mich Folter. Es fühlt sich an, als würde eine Sichel durch meinen Brustkorb dringen und sich von unten in mein Herz bohren. Es reicht alleine schon deinen Namen zu hören. Ich suche meinen Frieden.
Etwas von mir hast du zerrissen, doch nicht entrissen. Es lebt in mir, doch hast du es für immer in diesen Keller gesperrt. In völliger Dunkelheit steht es nun dort, dieser Teil von mir, der heute noch deinen Namen weint. Ich rufe jedoch nicht mehr nach dir, sondern sitze still auf der Treppe. Denn du bist nicht weit. Du kratzt mit deinen Fingernägeln an den Steinen um mich wissen zu lassen, dass ich nicht alleine bin.
geschrieben von: alienfaith
Das Chaos ruft Ängste hervor und Ängste bauen Mauern. Hinter den Trugbildern der Angst versteckt sich die Wahrheit und führt ihr Eigenleben. Manchmal fürchten wir die Wahrheit in entscheidenden Momenten mehr als den Abgrund, welcher sich hinter den Trugbildern in unserem Kopf verbirgt. Solange wir der Wahrheit nicht gewahr werden, solange irren wir oft machtlos, blind und überwältigt umher. Wir sind einfach oft nicht geboren, die Dinge so zu betrachten, wie sie sind, sondern beschäftigen uns damit, wie sie sein könnten, denn wir haben noch nicht gelernt wirklich frei zu sein und wirklich frei zu denken, sondern unsere Angst, unsere Wünsche und Erwartungen in die Dinge zu legen, welche passieren. Die Angst weicht oftmals erst der Erkenntnis, lange nachdem Dinge geschehen sind, und unsere Bestürzung und Enttäuschung, die mit der Erkenntnis einher geht, ist doch nur der Ausdruck des Umstandes, daß wir nicht mehr damit beschäftigt sind zu den Dingen etwas dazu zu phantasieren als Ausdruck unserer verborgenen Träume und Lebensenergie zu verschenken an die Gespinste unserer eigenen Phantasie.
Ich schreibe nicht für andere, ich schreibe für mich. Verfasse keine Beiträge, ich empfinde sie. Sie sind Kreaturen, Personifikation eines chemischen Prozesses. Atmen, sterben. Armeen, Generäle, Kugeln und falsche Propheten. Jedes Wort ist eine Lüge. Ein Krieg beginnt immer mit einer solchen. Nichts von dem hier ist wahr, nichts ist wirklich passiert. Eine Spieglung von Ängsten, Enttäuschungen und Verzerrungen. An erster Stelle jedoch eine Ansammlung von Lügen.
Es sind meine Empfindungen. Alles, worauf ich mich stützte war fern von jeder Wahrheit. Ich träumte mein Leben, malte Bilder in das Gesicht, welches ich nie unverschwommen sah. Ich lebte in einer Schneekugel und glaubte ein Königreich unermesslichen Ausmaßes zu besitzen.
Was auch immer hier zu lesen ist, es kann nur enttäuschen. Denn ich sah nicht einen Moment lang den Himmel ohne Wolken und schreibe über das schönste und traurigste Blau.
Phantasien und Lügen. Wie eine Mutter, die voller Stolz davon erzählt, das schönste Kind der Welt zu haben, ein Mann im Kiosk, der mit besorgten Augen davon spricht, dass es noch nie so schlimm regnete wie in diesem Augenblick oder eine verliebte Frau, die ihrem neuen Partner sagt, sie sei noch nie so glücklich gewesen.
Ich liebe diese Phantasien, sie sind letztendlich der Sinn. Und wir Menschen haben allen Grund uns zu belügen. Ein Leben auf Empirie mag zwar die Wahrheit sein, nur war mein Herz mit mehr als nur Staub gefüllt. Wir sind Staub mit der Fähigkeit zu träumen. Und ich träume diese Geschichte. Und andere träumen ihre.
Wir Menschen sind mehr als die Wahrheit.
Und deswegen sollten wir auf uns acht geben, einander respektieren und empfinden.
Auch für mich war es anstrengend. Ich versuchte die Stille und das Schweigen zu verstehen, orakelte in zig Richtungen. War es störend und nur die Höflichkeit ließ mich weiter reden? Habe ich ausversehen einen falschen Punkt erwischt? Mache ich mich lächerlich? Was soll ich sagen, trotz das mir nichts einfällt? Ist da jemand, dem es schwer fällt zu sprechen und froh ist, wenig sagen zu müssen? Was auch immer es war, ich hoffe nicht gestört zu haben.
Ich hingegen war erfreut. Und wie ich las, du auch. Und mir ist gesagt worden, dass da ein lieber Mensch ist. Ich habe keinen gegenteiligen Eindruck. Danke, trotz des holprigen
Gesprächs.
Dieser Eintrag ist für jeden, der mich auf NW begleitete. Auch für solche, die hier schon lange schweigen. Für jeden der mir sympathisch ist und der mir mal wichtig war. Denn dieses Board ist für vieles an meiner Geschichte verantwortlich. Der oder Diejenige wird wissen, was ich meine. All das Negative hat hier seinen Anfang genommen. Und ich bin froh, dass nach all den Jahren nur noch das Positive hier zu finden ist. Du hast mir viel genommen, aber auch viel gegeben. Das erste Geständnis bis zu meinem letzten, an dich gerichteten Wort. Es findet sich alles hier, alles.
Mit jedem Eintrag halte ich dich am Leben. Einen Geist den es niemals gab. Trotz dass ich alles einfach vergessen möchte. Meine Ambivalenz aus 9 Jahren, in einem Kompendium. Nie alleine.