Meine Hände quittierten diese Nacht den Wetterwechsel mit den mir leider altbekannten, feuchtwarmen Schmerzen. Als ich ziemlich gerädert wach werde, hat die Schule vor 30min angefangen - ich habe den Wecker überschlafen.
Verdammt, letzte Woche ist das auch schon passiert - sonst habe ich die Kinder jahrelang pünktlich gebracht, aber jetzt auf der neuen Schule zählt das ja nicht, zumal die da sowiso wenig von "Stadtkindern" und Alleinerziehenden halten.. Brot ist alle und das Auto vereist die Kinder haben zu allem Überfluss - und um das Flodder Image zu vervollständigen- keine sauberen Hosen mehr, weil die Waschmaschine noch immer in der alten Wohnung steht..
Ich nehme mir vor einen hartnäckigeren Wecker zu kaufen, wickel mir einen dicken Schal um und markiere in der Schule auf "total halbtotkrankerkältet". Würdelos ich weis, aber ich bilde mir ein, das sie es geschluckt haben..
Eigentlich müsste ich jetzt im Bürgerbüro sein, diverse Ab und Anmeldungen stehen auf der Liste...immernoch nicht ordentlich Krankenversichert...und eigentlich sollte ich auch die Bestellungen vom Wochenende abarbeiten, die 2std. fehlen mir jetzt, die Überweisungen, ach ja und die Druckerei..Post, kündigen......ich zähle mir sämtliche Versäumnisse auf.. Zeit .. die Zeit rinnt durch meine Finger wie Quecksilber und die verdammten Euros, ich will das alles nicht mehr..
Ich beschliesse das ich, mein Leben und dieser Tag erstrecht, furchtbar sind, in mir bildet sich ein Knoten das mir schwindlig wird, ich könnte platzen als ich meine Einfahrt hochfahre..ich bin so ein verfluchter Looser...
Und dann sehe ich es in meinem Garten, das was mich jeden Morgen durch mein Fenster in einer neuen Variante begrüßt- -das Licht hier oben.... ich rufe meine Gefährtin zu mir und mache mich auf den Weg - dieser Tag wird nicht mein Feind...
Die Post brachte heute ein unerwartets Paket....von ihm... den nur das Leben von mir trennte.
Mein Seelenretter mit den magischen Händen und dem warmen Blick für meine wahre Seele..
Freund und Sparringspartner, Herr meiner Gier und Halt in den Schatten, so sehr geliebter "alter Mann"- es vergeht kein Tag, an dem ich dich nicht vermisse..
Nichts hat mir je soviel Schmerzen bereitet, als dich kampflos aufgeben zu müssen und deine Wärme aus meinem Herzen zu reissen , aber ich hatte nie die Wahl.
Wären wir uns doch nur früher begegnet..
Oft denke ich an den Anfang - ein Bild eine Nachricht - viele Bilder und viele Worte und soviele Kilometer zwischen uns..
Bis du eines Tages vor mir standest, einfach nur mein Gesicht in deinen Händen hieltest und ich erfuhr, was Liebe ist.
Du hast für mich dein Leben aufgeben wie einen alten Schuh, doch ich kann nicht aufgeben, was Teil von mir ist.
Eine überflüssige Entschuldigung - ich weis doch, wusste immer, du warst nicht glücklich hier- ein Traum - ein Vorschlag, von dem du doch inzwischen wissen solltest, das es unmöglich ist,
so wie es immer unmöglich war - mich gibt es nicht ohne meine Kinder.. ich hätte dich vielleicht nicht anrufen dürfen.
Du fehlst - es tut mir so leid...
Seit Tagen: fallen immer wieder fallen - Ich war doch jetzt solange stärker?
Tonlos und blind in der Endlosschleife gefangen -nur ein Wort -und dann das, was nach Angst kommt.
breath control
Ich weis was ich zu tun habe, aber nicht jetzt - nicht jetzt - nicht heute - nicht morgen
ich bin nicht soweit, ich werde nie soweit sein, ich will mich dem nicht stellen.
Nur 5 Minuten weiterschlafen - von mir aus auch 50 Jahre.. ohne diese eisigen Finger in meinem Kopf.
Vielleicht reicht es ja schon es hier niederzulegen..für mehr habe ich keine Kraft.
Ich muss doch heute noch soviel arbeiten..
Die letzten Wochen waren unmenschlich und haben alle Reserven verbraucht, vielleicht ist dieser "Rückfall"
in seiner ganzen Brutalität auch nur eine Folge davon - oder Ausdruck des Wunsches mein Leben mal für fünf Minuten aus der Hand zu legen.
Und gleichzeitig macht mir nichts soviel Angst wie die Vorstellung, die Kontrolle zu verlieren.
Ich habe seitdem soviel geschafft und aufgebaut ohne mich zu beklagen oder um HIlfe zu bitten Arbeit immer nur Arbeit und zuwenig Geld zuwenig Schlaf zuwenig Zeit..
Powerfrau und Grubenpony...
geschrieben von: eine Andere
Alle wollen immer nur dein bestes: Erst nehmen sie deine Zeit, wollen dann dein Geld und am Ende verkaufst du für beides deine Seele.
Zeit ist nicht Geld, Zeit ist Leben -- das war damals mein Credo.. und ich verbringe es nun damit, um jeden bef.. Euro zu kämpfen... Sprichwörtlich von der Hand in den Mund - Existenzangst auf verdammt hohem Niveau..
Eigentlich sollte ich mich in Grund und Boden schämen für so dekandentes Gejammer.
Es fühlt sich aber trotzdem scheisse an.
Wie gerne würde ich für ein wenig Sicherheit ganz normal Arbeiten gehen, wissen, das ich meine Rechnungen bezahlen kann, das ich wieder Krankenversichert wäre ( der Antrag liegt hier ziemlich Angstbesetzt rum - womit bezahlen ? ) Aber ich weis auch-ohne Ausbildung- habe ich keine Chance meine Familie ohne Almosen zu ernähren.
Die Kinder des Soldaten - des Lehrerkindes das man so jung in zwei Kriegen seelisch verheizt hat und das nun irgendwo zugedröhnt in einer Ecke liegt -Suizid auf Jahre und für ihn die einzige Form von Geborgenheit die ihm geblieben ist - keiner hat je nach ihm gefragt keiner nach den Angehörigen - dafür hat man ihn ja abgefunden. Goma und Pristina sind auch Teil unseres Schicksals - und es ist pervers das es uns besser ginge, wäre er tot.
Ich will nicht mehr Danke sagen müssen, ich will meine Würde zurück.
Ich werde kämpfen.
geschrieben von: eine Andere
Gestern habe ich endlich in meinem Zimmer Gardinen aufgehangen, für manchen ist das vielleicht eine Kleinigkeit - doch für mich ist das viel mehr, seit Jahren habe ich zum ersten mal wieder ein eigenes Zimmer einen richtigen Lebensraum.. viel zu lange haben wir, habe ich, in einem ungeliebten Provisorium vegetiert.
Zu meinem Geburtstag "schenkte" ich mir und den Kindern die Freiheit, Freiheit vor Psychoterror und seinem Drogenkonsum. Egal wohin nur weg .
Es folgten 7Jahre in meinem alten Elternhaus- vollgestopft bis unters Dach mit "ererbten" Dingen und Möbeln die nicht meine waren und mit denen man mich dann frisch "gerettet" praktischerweise alleine liess, mit der Baustelle dem Müll und den kleinen verstörten Kindern.
Überall nur Relikte längst überholter Geschichte und Verantwortung für vier Leben, zwei für die ich zwei andere aufgab, meines und auch seines, ich wusste doch längst das er ohne mich untergehen würde.
Zwischen all dem Treibgut das man mir liegen gelassen hatte auch Relikte meiner traurigen Jugend...nur nicht undankbar sein..
Aufkleber und Kritzelein mit mehr oder weniger dämlichen Sprüchen an den Wänden und Türen, Kerben von Klingen an Treppenstufen, Brandlöcher, Reste peinlicher Farbexperimente uralte Kratzer an den Wänden - doch vor allem Kratzer und Kerben auch an der Seele - gescheitert und allein gelassen - oder doch eine Heimkehr so schön wie Panama.. ?
Vermutlich war es beides.
Mir wird erst jetzt klar, wie giftig dieser Ort für mich war- egal wie oft ich dort auch ausgemistet, renoviert, umgebaut und gestrichen habe, den Ort konnte ich nicht verändern, die Aussicht die Umgebung das alles war der Lebensraum von dem Menschen der ich früher war. Neben den Spuren der Vergangenheit gab es keinen Platz für eine erfüllte Gegenwart, nur die Flucht nach vorne. In Wahrheit hatte ich diesen Ort so satt, jeder Raum vollgestopft mit dem Schmerz und der Einsamkeit meiner Jugend. Niemanden wollte ich dahin einladen.
Mit der Zeit wurde es schlimmer - irgendwann hatte ich, auch durch die viele Arbeit, mit der ich mich betäubte keine Kraft mehr für den Kampf gegen den Ort und für mich, mein "Zimmer" war wenn ich ehrlich zu mir selber bin eine winzige versiffte Dachkammer mit nur einer einzigen kleinen düstren Lampe. Alles,was ich dort getan habe, war schlafen und auch das ging irgendwann nur noch, wenn ich vorher bis zur Erschöpfung gearbeitet hatte. Funktionieren um jeden Preis und kein bisschen mehr.
Und jetzt weis ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll, das ich mich so über Gardinen freue..das es einen Tisch mit Kerze gibt, an dem ich mich mit jemandem hinsetzen könnte, eine Fensterbank mit meinem gesammelten Klimbim..meine Bücher sie so alle zu sehen ist schonwieder wie eine Zeitreise - aber eine gute.. und Musik.. ich habe mir tatsächlich wieder Musik gekauft..und das alte Backgammon.....meine Güte ich muss mir mal die Regeln durchlesen - dabei haben wir das früher jeden Abend gespielt, wir beide, beste Freunde für so viele Jahre - die Sonne und der Wagen .. davor .. vielleicht frage ich dich danach, wenn du nächste Woche kommst. Aber nein, als wir uns letztes Jahr - nach 10 Jahren - wiedersahen, war es so, als wäre es gestern gewesen ..und vermutlich würde ich die Regeln auch plötzlich wieder wissen, mit dir an einem Tisch in meinem Zimmer - wie früher .
Die Zeit wird so verdammt brüchig wenn man gestorben wurde, das kannst du nicht verstehen, du weisst nicht, wie es ist den Dingen die mit dir gemacht werden nur noch zusehen zu können, wie es ist, wenn man noch nichtmal mehr stumm schreit..wenn man zu einem Stück willenlosen Fleisch wird.
Du hast es damals schon nicht verstanden, wieviel Macht Angst hat und du würdest heute erstrecht nicht verstehen, wieviel Macht das hat was nach der Angst kommt.
Dafür habe ich dich schon damals geliebt und sosehr bewundert, deinen Glauben an die Macht des Willens, du furchtloser eingebildeter, schöner, freier und bedingungslos liebender Narr, von allen geliebte Sonne - ich war dein Schatten - und wie gerne hätte ich etwas von deinem Licht geteilt, wo andere zumindest Mut brauchen BIST du einfach - für mich unvorstellbar - Magier in der Matrix, nur an mir, da bist du gescheitert.
Nichts habe ich mir seit ich denken kann mehr gewünscht, als irgendwem, als dir, der du mir soviele Jahre am nächsten von allen standest, bedingungslos zu vertrauen und nur einmal loszulassen, deine freundschaftliche Umarmung nur einmal ohne Angst zu erleben.. doch ich konnte einfach nicht, das hat dich sosehr gekränkt. Du hast nicht begriffen, wieviel Schmerz in dem Moment hervorbrechen würde- so oder so hätte ich dich verloren oder das was ich an dir liebe verletzt.
Alles was ich geben kann, ist meine Hand, mein Kopf und ein Scherbenhaufen...
Ich habe seit damals niewieder Backgammon gespielt
und ich wünschte mir sosehr, ich könnte diesmal wenigstens weinen...
geschrieben von: eine Andere
Wie immer beginnt es mit dem für diese Art Telefonate numal üblichen Fragespiel -Ja, Nein, 3,5. Als Dankeschön für meine Kooperationsbereitschaft bekomme ich erfreulich kurze Fahrstuhlmusik serviert *tuut*
Hallo ich bin Dolors, wie kann ich ihnen weiterhelfen ?
Ich weis ja das Dolores nichts dafür kann, das das da "alles" Flachpfeifen sind.... höflich und unkompliziert löst sie erwartungsgemäß mein Problem, welches, wenn auch nicht sonderlich komplex, doch der mehrfachen Erklärung bedarf -
Zusammengefasst: Anmahnen dann doch einziehen und das so doppelt gezahlte nicht zurückerstatten ist irgendwie unfein..
Da ich vermute, das sie dafür ein paar Cents bekommt, trage ich auf ihre Anfrage hin auch meine Tochter in den "Lego-Club" ein - die bekommt jetzt das "Mädchen Magazin" .. Nein, die neue Produktreihe für Mädchen ab 8 interessiert mich eher weniger.. egal..
Ach Dolores Damitsieauchwissenmitwemsiegesprochenhaben, ich glaube, ich möchte nicht mit dir tauschen...
geschrieben von: alienfaith
Wer nur umher zieht, ist irgendwann gehetzt. Das Licht hingegen scheint überall.
geschrieben von: eine Andere
Ich glaube ich habe schlichtweg meine Realität diesem Gedanken angepasst...
Fuck, jeder, der mich kennt, sagt es sei wahnsinn was ich alles wuppe..ich empfinde aber genau das Gegenteil..
Grade kommt mir der Gedanke, das das System hat...ich KANN nicht zufrieden sein .... es darf nicht genug sein... und inzwischen habe ich mich auch so eingerichtet, es IST nie genug.
Am besten laufe ich auf 150% wenn die Drohkulisse so richtig scheisse brutal ist, dann dreh ich erst richtig auf..und: Ich fühle mich dabei wohl!
Fast Grenzenlose Energie, jede Faser unter Strom keine Müdigkeit, keine Depressionen, keine Fashbacks, keine Sehnsucht , schlafen kann ich dann nur noch wenn ich völlig erschöpft bin und DANN nur dann bin ich zufrieden.. dann war es endlich genug.
Karōshi
geschrieben von: alienfaith
...
geschrieben von: eine Andere
Du sagst ich habe dich vergessen.. doch da irrst du dich.
Das ist mein Leben das uns trennte, und das wird auch so bleiben.
Ich wünschte sosehr das ich dich nie getroffen hätte, das ich das nie gefühlt hätte, nun sitze ich hier in meinem goldenen Käfig und ich weis wie es da draussen ist. Du fehlst mir sosehr, das deine Stimme wehtut, das jeder Anblick eines Motorrades die Erinnerung weckt die ich versuche zu vergessen.
Wir wussten es doch vom ersten Moment an... und alles was ich jetzt noch sagen kann klingt so schrecklich banal, das ich beginne mich dafür zu hassen.
Also schweige ich, lebe mein Leben und das der anderen die mich brauchen, für die ich stark und glücklich scheinen muss, für die ich dich verlassen musste - nur das ich jetzt weis, wie einsam ich wirklich bin.
geschrieben von: eine Andere
Jeden Schultag lebe ich mit der Angst, das es wieder heisst.. heute hat er wieder.... er versaut uns alles.... kein Zustand ..nicht mehr lange.. die anderen Eltern.... Stadtkind...Verzogen..alleinerziehend...sie müssen... er muss..
Ihr Kind ist nicht normal.
Innerlich denke ich mir oft: ZUM GLÜCK!
Ist denn das, was man heute als normal bezeichnet überhaupt artgerecht ?? Da werden die Kinder von 7.50 bis 17.00 zusammengefercht - unter Zuständen die ich keine 5 Minuten ohne massiven Stress aushalte... Wer kann das schon aushalten ohne völlig abzustumpfen oder aggressiv zu werden ?
Schrecklich- ich kann ihn sogut verstehen, mein liebster Platz auf dem Pausenhof war in der hintersten Ecke .. nur beobachten und wie gerne wäre ich einfach nur unsichtbar gewesen, und wie sehr habe ich mir gewünscht, das mich jemand in den Arm nimmt.. beschützt anstatt mir vorzuwerfen das ich mich nicht gefällig anpasse. Das ich anders bin und nochmal anders zu sein hätte..
Die machen mein Kind kaputt, jeden Tag - Endlosschleife -
Jetzt fordern sie eine Diagnose gleichzeitig Stigma ganz vorne dabei Asperger Autismus, Hochbegabung oder ADHS oder doch nur Hochsensibel.. herzlichen Glückwunsch, sie haben jetzt die Wahl - Vorwürfe und Kopfschütteln gegen Mitleid zu tauschen.
"Den muss man an langem Arm verhungern lassen wenn der so um Zuwendung buhlt", "der muss täglich gedeckelt werden", "Von UNSEREN "netten" Landkindern (aus besserem Hause und intakter Familie) hält DEM ja keiner was entgegen -kein Wunder das das schreckliche "Stadtkind" ( Arm,zugezogen und zudem ohne Vater) jetzt Oberwasser hat und das schamlos ausnutzt..
Ich brauche also offensichtlich eine Legitmation, warum ich dieses "unmögliche" Kind trotzdem liebe und verteidige ....obwohl es nicht normal ist, obwohl es sichtlich leidet, das ICH die Hilferufe sehe, das ich den Druck sehe, das ich KEIN "Arschlochkind" sehe.. sondern einen kleinen verzweifelten Jungen... damit man mir zuhört und mir endlich Glauben schenkt, das ich weis was er braucht.. .
Bis dahin, Warten und Aushalten - seit Wochen - seit Monaten .
Und dann habe ich es schriftlich..
mein Kind ist nicht normal..
Hurra..
geschrieben von: eine Andere
Heute sind die Gedanken laut..
die Anderen ... die, die nicht in die reale Welt passen wollen..
Die Welt in meinem Kopf, die Welt die nur mir gehört, in der ich hinter meinem Fenster sitze und nicht aufhören kann zu analysieren, so glasklar und eindeutig so richtig fühlt sie sich an. Wie ein endloser Monolog in einen leeren Saal gesprochen, von jemandem der genau weis was er sagt. Hier bin ich sicher.
Als kleines Kind hatte ich eine Vorstellung von der Welt, alle anderen sind Schauspieler in einer gigantischen Kulisse und ich bin das Versuchsobjekt in einem Versuch um nachvollziehen zu können, wie jemand zum Wahnsinnigen und Mörder wird..
...vielleicht lag es daran, das andere Menschen für mich von Geburt an kein Gesicht haben, nur Frisuren,Münder,Zahnlücken ohne Namen, die dünne mit dem blonden Topfschnitt und den grünen Augen ist meine "beste Freundin", das mit den kurzen dunklen Locken die ein wenig wie ein Vogelnest aussehen und den spitzen Schuhen, ist ihre Mutter - sie fährt ein grünes Auto mit nur einem Seitenspiegel und holt uns immer Mittags aus dem Kindergarten ab weil ich dort esse, meine Freundin heisst U. und spielt gerne Verstecken, ich würde lieber auf die Tanne mit den unspitzen Nadeln klettern, aber das mag die Mutter von U. nicht.
So sah damals diese andere Welt aus - mein Drehbuch der Realtität - in Bruchteilen von Sekunden organisierte ich mein Ich für die anderen. Ich war auch immer sehr artig, und sagte was man eben so sagt wenn man es sagen sollte denn ich war ja nicht dumm, schlau ist, wer zur richtigen Zeit das richtige sagt und tut.
Heute betrachte ich Dramadreiecke wie Mobilees , und Menschen die so gewollt aneiander vorbeireden, das es mich immerwieder erstaunt wie blind die sein müssen, und ich frage mich ernsthaft, auf welche Art die nachdenken.. Meine geordnete Welt aus Ursache und Wirkung ohne Schuld und ohne Moral.
Das Wesen der Welt ist Stille - und nur das Wollen ist so entsetzlich laut.
Das du einfach nur hier sitzt und auf mich wartest, wärend ich mich an die Wand presse und schwer atemend sämtliche Dämonen mit deinem Geruch niederinge. Das ich irgendwann meine Hand ausstrecken kann und du nur meine Fingerspitzen berührst...Ich würde mein Herz flattern spüren die Wärme unseres Blutes. Und das leichte pochen deines Pulses in meinen Fingern würde ein Echo wie einen kleinen Stromschlag zwischen meinen Schultern finden... ...das würde mir die ganze Welt bedeuten...
Ohne diese Psychonummer könnte ich auch einfach mit dir schlafen, und ich garantiere dir, du würdest nicht merken, das ich uns dabei beobachte, das ich jeden Muskel und jede Bewegung kontrolliere. Hinterher - schon wärend dem Kuschelteil - würde ich mich schuldig fühlen, und ich hasse mich dafür, nicht ganz bei dir gewesen zu sein.
geschrieben von: eine Andere
Am Boden liegen seit Tagen die Scherben eines Rahmens - darin war ein Foto, das ich damals von unserem WG Wohnzimmer gemacht habe.. damals noch mit der guten alten Revue meines Erzeugers , vor 15 Jahren war Fotografie noch real - unperfekt analog und -dem Style geschuldet - schwarz weiß, ganz Alte Schule wo man noch alles von Hand einstellen musste, und erst nach der Entwicklung, wenn man noch im Laden den Umschlag mit den Abzügen öffnete- sehen konnte, ob es funktioniert hat....kein Photoshop das meinen toten Bildern postmortem ein zweites Leben einhauchte...
Wiedermal etwas, das ich aus Unachtsamkeit zerstörte.. irgendwie zieht sich das durch, verdammt nochmal... was war ich früher für ein Arschloch, ohne es zu wollen oder zu merken..Ich hoffe inständig, das sich das geändert hat..
Wie hübsch sich die ganzen alten Fotos zusammenstellen liessen, schade, das sie das einzige sind, was die Zeit überdauert hat. Was bleibt sind Erinnerungen an ein glückliches Leben in dem es im Rückblick noch mehr Chancen als Träume gab. In diesem Leben - schrieb ich mal - solange ich jemand anderes brauche um ich zu sein, werde ich allein sein.
Wie wahr dieser Satz ist, habe ich erst viel später erfasst..
Angst ist so ein undankbarer Gegner, denn letztlich kämpft man immer nur gegen sich selber, die eigene Ohnmacht gegen das eigene Verlangen.
(und nein, da fehlt kein Komma)
Ohnmacht ist ein bequemes Gefängnis, und man erlangt keine Freiheit anderen die Verantwortung dafür und dagegen zu überlassen, es beendet nur den Kampf durch Verrat - an sich und an denen, die man so zum Werkzeug macht.
Kein Anderer als ich kann für mich meine Angst besiegen, kein Anderer als ich kann meine Wunden heilen, keine Andere als ich.
Nichts von dem auf dem Bild ist geblieben, ausser der Erdnußcreme.. die sieht heute noch so aus :)
Und wieder die Angst um meinen Bruder seine Familie,seinen Sohn und sein ungeborenes Kind auch wenn Singapur als sicher gilt, und doch denke ich an 2004, und die erlösende SMS "We are all ok" Der Strand und das Hotel an dem er 14 Tage vorher geheiratet hat war zu dem Zeitpunkt nicht mehr existent.
Ich denke auch an die Hunderttausenden Toten, damals. Und hoffe das es dieses mal nicht so endet.
geschrieben von: eine Andere
"Du musst auch mal an dich denken"
Besser nicht, denn da ist der Gedanke - wenn auch nur ganz leise und voller Schuldgefühle- entgültig Nein dazu zu sagen - und doch zu wissen das ich noch nicht gehen kann. Ich will diese Bürde nicht, ich will diese Schuld nicht dieses permanente Versagen und vor allem, diese unerträgliche Einsamkeit will ich nicht mehr.
Ich bin nur gut, wenn ich stark bin. Aber ich bin nicht stark.
Heute: "Der ist hier nicht integrierbar, bitte komm nicht mehr hierher "
Der einzige Ort, an dem ich freundliche Menschen traf, und den ich halbwegs ertragen konnte, der mir Kraft gab - verloren.
52 unbeantwortete Kundenanfragen und seit Tagen renne ich von Amt zu Amt, wälze Internetseiten und Konzepte klebe am Telefon, stelle Anträge - schneller sein als "die" damit ich mitentscheiden kann, wie es jetzt weitergeht, denn die wollen und werden das sonst ohne mich tun.
Nein, ich will wirklich nicht an mich denken.
geschrieben von: eine Andere
24 Jahre ist es her, das ich feststellte, das die Welt alles andere als "schön" ist.. ich las von Hunger, von Umweltzerstörung, von Massentierhaltung, Atomkatastrophen und von den ganzen anderen Perversionen die unser System so mit sich bringt.
Ich fühlte mich schuldig, und ich war traurig - also tat ich was Kinder tun- ich weinte, ich weinte in voller Aufrichtigkeit um meine heile "Kinderwelt"...
Ich werde nie deinen offenen Hass und die Ohrfeige vergessen, die du mir mit den Worten: Du spinnst doch! " gabst, als du mich dabei "erwischt" hast.
24 Jahre, in denen ich nicht mehr geweint habe, wenn es jemand sehen konnte. 24 Jahre in denen ich nur gut bin, wenn ich stark und glücklich bin, so wie du es immer wolltest. Die Welt ist schön - wehe wenn nicht.
Mein Leben wäre anders verlaufen, wenn du mich damals einfach in den Arm genommen hättest.
geschrieben von: Demon17
Das Leben der Anderen ist nur um den Preis der Identifikation zu verstehen. Doch dieser Preis ist hoch. Wer ihn zahlt wird nicht mehr anders sein. Die Frage ist doch, wie siehst Du dich selbst und kannst Du damit leben was du siehst? ... und lassen sie dich so leben, wie du dich sehen willst? Ich wünsche dir und deinen Kindern das Leben, das ihr sucht.
Ach ja, ich vergaß die Tränen, die Tropfen welche die Mauern fortspülen an denen die Menschen zerbrechen. Wirst Du weiter ohne Mauern leben können? Wie ist das Leben, wenn die Wälle immer wieder brechen?
Liebe Grüße aus der Festung
demon17
geschrieben von: eine Andere
Guten Tag, Frau X wir "wissen" jetzt - ihr Sohn ist Autist, sie übrigens, so wie sich das anhört auch, aber das haben sie ja schon geahnt, nicht wahr ?
Ja.
Der einst geliebte Narr sagte gestern, ohne einen Funken der Überraschung zu mir: "Guck dir doch mal dein Leben an, wofür brauchst du die Diagnose denn noch ? Du warst eben schon immer anders.
Und ich verstehe plötzlich und mit der vollen Wucht eines neuen Gedankens, den ganzen Unterschied zwischen Akzeptanz und Gleichgültigkeit.
Ich wollte doch immer nur ich sein, und trotzdem geliebt werden.
Und in dem Moment, wo dieser Satz keinen Sinn mehr machte, hörte der Krieg plötzlich auf. Ich stehe in den rauchenden Trümmern meiner Identität, und langsam begreife ich, wogegen ich immer gekämpft habe, und das ich nie eine Chance hatte, egal wieoft ich die Fronten wechselte.
Mein Schwert ist stumpf und meine Rüstung nutzloser Ballast, Nichts ist mehr da, was es zu bezwingen gäbe.
Jede Rüstung ein Gefängnis
Jeder Sieg ein Verlust
Jede Niederlage eine Befreiung
Alles was bleibt, ist Vergebung und die Ahnung von Schmerz jenseits meiner Grenzen.
und nicht zuletzt mein Sohn, dem ich von ganzem Herzen wünsche, das ihm dieser Kampf erspart bleibt, den ich ihm mit auf seinen Weg gab.
Demon, ich danke dir für deine Worte, und ja.. ich bin bereit, meine Festung zu verlassen, auch wenn mich ein Ozean aus Tränen erwartet, bis ich Frieden finde.