[Die Lüge von den "guten alten Zeiten"] - German Gothic Board

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Die Lüge von den "guten alten Zeiten"

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geschrieben von: True Zombie

Ich hatte mich in letzter Zeit oft dabei ertappt, daß ich mich gedanklich in alte Zeiten träume: Als ich in meinen letzten beiden Beziehungen steckte, erfüllte es mich mit einer gewissen Wehmut, wenn ich an mein vorhergehendes Single-Dasein zurückdachte und sehnte es mir wieder herbei. Als ich dann jedoch wieder Single war, wurde ich wehmütig, wenn ich mich an meine Beziehungen erinnerte und wäre am liebsten wieder da gewesen. Was ich noch nicht so recht rausgefunden habe, ist ob man nur mit der Gegenwart nicht klarkommt, weil man in solchen verklärten Erinnerungen lebt oder ob die Gegenwart wirklich so beschissen ist, daß die Erinnerungen die einzige Zuflucht sind. Doch bin ich jetzt schonmal dahinter gekommen, daß ich mir beim Erinnern immer nur der schönen Seiten bewußt war. Und wenn ich mir jetzt aber klarmache, daß auch in jenen Zeiten nicht alles so golden war wie es mir in meinen Träumereien erscheint, und ich mir somit auch den beschissenen Aspekten jener Zeit wieder bewußt werde, relativiert sich der ganze Erinnerungskram und verliert dadurch seinen Reiz. Somit kehre ich dann wieder in die Gegenwart zurück und denke mir nur noch: Wenn in der Vergangenheit nicht alles rosarot war, egal ob als Single oder in Partnerschaften, kann auch in der Gegenwart nicht alles nur pechschwarz sein. Und somit geht das Leben weiter - schlecht und recht wie eh und jeh. Deshalb kann ich nur noch sagen: "Die guten alten Zeiten" hat es nie gegeben und sowas wird es auch nie geben. Und jeder der von solchen Zeiten schwärmt, lebt in einer Selbstverarschung.



geschrieben von: Scheol

Die Antwort liegt darin, dass der Mensch sich immer das wünscht, was er nicht hat. Klar ist das Selbstverarschung.

Ich schaue immer mal wieder in der Gegenwart vorbei...sozusagen als kurzer Besuch. Wenn ich das tue, dann schaue ich mich um was real um mich ist. Feste Werte wie Freundschaften, Lebensstil, materieller Wohlstand (subjektiv) etc.

Und ich muss sagen, ich stehe wirklich gut da.

Erinnerungen produziert das Gehirn immer wieder neu.
Wir rufen keine Informationen ab, die irgendwo liegen. Wir rufen eine knappe Information ab, diese wird dann mit Assoziationen gefüllt. Jedes mal, wenn du dich an eine bestimmte Sache erinnerst, hat dein Gehirn sie neu reproduziert. Demnach sind Erinnerungen zwingend verklärt. Entweder positiv oder negativ. Objektivität gibt es da nicht. No chance...



geschrieben von: Betrachter

Ist es denn wirklich so tragisch sich an etwas zu erfreuen, dass womöglich nie so geschehen ist? Ich für meinen Teil betrüge mich mit meinen Erinnerungen lieber selbst, als das ich an der Wahrheit verzweifle. Auch wenn es ein Armutszeugnis meinerseits ist.



geschrieben von: Scheol

Warum ist das ein Armutszeugnis?

Realität entsteht zu einem gewissen Teil aus Wahrnehmung (aber nicht ganz).

Es ist schlimmstenfalls eine Halbwahrheit.

Wenn man sich bewusst macht, einer Verklärung zu erliegen, diese aber dennoch nutzen möchte um sich daran zu erfreuen...wo ist das Problem?
Solange es dich im Leben und bei deiner menschlichen Entwicklung nicht behindert ist doch alles gut...



geschrieben von: Changeling II

...Man neigt halt eher dazu, sich die Vergangenheit schönzureden als die jeweilige Gegenwart...dabei ist die Vergangenheit nur selten besser gewesen, es wird nur in der Rückschau vieles schöngefärbt, weil es die Gegenwart vielleicht ein wenig ertäglicher macht,...



geschrieben von: True Zombie

WORD :)



geschrieben von: Kampfsau

Zitat:
Warum ist das ein Armutszeugnis?


Vielleicht ist die Behauptung etwas weit hergeholt aber ich glaube Menschen die dazu neigen, die Vergangenheit zu idealisieren oder gar die Gegenwart schlechtreden, die können kein halbwegs realistisches Bild von sich selbst entwickeln und sie entwickeln auch oft kein realistisches Bild von der Gegenwart.

Andererseits ist das natürlich auch ein Schutzmechanismus. Als Kind war man dann gar nicht so unbeliebt, der trinkende, brutale Vater war ja im Nachhinein gar nicht so besoffen und gewaltätig, eventuelle Kränkungen werden vergessen oder verdrängt und so kann man ein stärkeres Selbstbild konstruieren. In dieser Hinsicht ist Verklärung eine sinnvolle, psychologische Funktion unseres Gehirns.

Alternativ kann es natürlich auch eine Flucht in die Vergangenheit sein. Weil man unfähig ist, die Realität nach den eigenen Vorlieben zu beeinflussen oder weil man generell Angst vor Dingen hat, deren Ausgang ungewiss sind.

Wenn das geschieht, dann kann es in der Tat ein "Armutszeugnis" sein. Die Realität und die Geschichte sollte nicht etwas sein, dass man nach Belieben nach eigenen Wünschen umformen kann.

Denn dann hatte man nicht die Stärke, mit offenen Augen die Wahrheit zu sehen.

Zitat:
Es ist schlimmstenfalls eine Halbwahrheit.


Ich persönlich halte eine Ablehnung der Realität aufgrund von Gründen der persönlichen Eitelkeit und Frustration für keine kleine Sache und sie kann in der Tat schlimme Auswirkungen haben.

Nehmen wir nur die vielen Fälle von Geschichtsfälschung und das Leugnen von Völkermorden.

Es gibt Rechtsradikale, die leugnen den Holocaust oder reduzieren zumindest die Anzahl der Opfer dramatisch. Das Leid von Millionen Menschen wird geleugnet, damit ein paar Ultranationale das tolle Bild ihrere eigenen, sämtlichen anderen Nationen überlegenen Kultur und Heimat verbreiten können.

Warum regen sich z.B. soviele türkische Bürger darüber auf, dass Frankreich den Mord an den Armeniern vor einem Jahrhundert als Völkermord ansieht? Und das wo sich die Mehrzahl unabhängiger Historiker darüber einig ist, dass es zu Massentötungen an Armeniern kam?

Es kann ja nur sein, weil Frankreich die Wählerstimmen der Armenier begehrt, es kann ja nur daran liegen, dass man die Türken hasst.

Wo kommt man denn dahin, wenn man Verbrechen vergisst, nur weil einem die Verantwortung unangenehm ist? Mit einem solchen Denken ist zukünftigen Verbrechen Tür und Tor geöffnet.

Wenn solch ein Verleugnen kollektives Gedenken betrifft, für das niemand mehr persönlich Konsequenzen zu tragen hätte, dann funktioniert das natürlich auch für persönliche Schuld.

Tut mir leid , dass ich so ausschweife aber wenn schon jemand schreibt, schlimmstenfalls kann es zu einer Halbwahrheit kommen, halte ich das für nicht ganz richtig.


Zitat:
...Man neigt halt eher dazu, sich die Vergangenheit schönzureden als die jeweilige Gegenwart...dabei ist die Vergangenheit nur selten besser gewesen, es wird nur in der Rückschau vieles schöngefärbt, weil es die Gegenwart vielleicht ein wenig ertäglicher macht,...


Sich in die Vergangenheit zu verkriechen, ist auch ziemlich feige. Schließlich kann man alles mögliche über sie sagen und es ist in vielen Fällen schwer zu beweisen. Wer weiß schon was er vor 37 Tagen zu Mittag gegessen hat`? Und man möchte nach 10-20 Jahren noch genau wissen was für ein Mensch man war und was man so alles getrieben hat?

Es ist doch zwecklos sich an Vergangenes zu klammern. Wichtig sind doch die Lehren die man zieht und die einem in der Gegenwart und Zukunft helfen.

Wer mit der Gegenwart zufrieden ist oder genug zu tun hat, der braucht sich doch gar nicht in die Vergangenheit flüchten. Ich persönlich bin auch eher weniger nostalgisch.

Ich habe nicht das Gefühl, ich wäre gedanklich an irgendwelche vergangenen Zeiten gebunden . Ich denke auch nicht an all die schlechten Dinge der Gegenwart, ich seh auch positive Entwicklungen und nicht zuletzt ist doch der Punkt, dass solange wir nicht senil und unselbstständig sind, unsere Taten in der Gegenwart tatsächliche Relevanz haben. Wenn nicht für die Gesellschaft, dann zumindest für unser individuelles Leben.

Und die Zukunft ist nicht immer leicht und neben den guten Dingen, warten auch schlimme Erfahrungen aber das macht es auch irgendwie aufregend.
Es sind viele Entwicklungen, die außerhalb unserer Macht liegen. Mir sind allein schon in den letzten 3-4 Jahren Dinge passiert, die mein Wesen stärker beeinflusst haben, als die ganze Zeit davor.

Außerdem ist die Zukunft auch eine Chance. Die Vergangenheit, gerade wenn man sie halbwegs korrekt im Kopf hat, enthält oft viele Demütigungen oder Dinge, für die man sich schämt. Nur kann man nicht gerade auch daraus Kraft zehren? Kann man nicht auch Sühne oder Genugtuung dadurch erfahren, dass man in Zukunft ein anderer, wahrscheinlich besserer Mensch sein wird.



geschrieben von: Scheol

Zitat:
Vielleicht ist die Behauptung etwas weit hergeholt aber ich glaube Menschen die dazu neigen, die Vergangenheit zu idealisieren oder gar die Gegenwart schlechtreden, die können kein halbwegs realistisches Bild von sich selbst entwickeln und sie entwickeln auch oft kein realistisches Bild von der Gegenwart.


Ich glaube nicht, dass der Mensch zu einem realistischen Bild fähig ist.
Schon gar nicht von sich selbst. :)

Zitat:
Andererseits ist das natürlich auch ein Schutzmechanismus. Als Kind war man dann gar nicht so unbeliebt, der trinkende, brutale Vater war ja im Nachhinein gar nicht so besoffen und gewaltätig, eventuelle Kränkungen werden vergessen oder verdrängt und so kann man ein stärkeres Selbstbild konstruieren. In dieser Hinsicht ist Verklärung eine sinnvolle, psychologische Funktion unseres Gehirns.


Dem stimme ich zu.
Natürlich ist es immer besser, eine mißbrauchte Person, gleich welcher Mißbrauch vorliegt, findet die Kraft um anzuklagen.
Ich bin froh nicht in der Situation stecken zu müssen, das zu entscheiden.

Zitat:
Alternativ kann es natürlich auch eine Flucht in die Vergangenheit sein. Weil man unfähig ist, die Realität nach den eigenen Vorlieben zu beeinflussen oder weil man generell Angst vor Dingen hat, deren Ausgang ungewiss sind.


Auch das ist richtig. Hingegen ist dies ein normaler Prozess. Ähnlich deinem letzten Beispiel.
Vermeidung und Verdrängung sind besser ihr Ruf. Ich gehe hier von Extremsituationen aus.
Nicht jedoch von Extremen. Ich selbst weiß wie sehr man unter Menschen leiden kann, die sich das Leben schönlügen. Sobald eine Person direkt dadurch geschadet wird, endet der Spaß.


Zitat:
Wenn das geschieht, dann kann es in der Tat ein "Armutszeugnis" sein. Die Realität und die Geschichte sollte nicht etwas sein, dass man nach Belieben nach eigenen Wünschen umformen kann.


Das wird sich jedoch nicht vermeiden lassen. Wie gesagt; Erinnerungen reproduzieren sich immer wieder neu. Sie sind keine festen Datenbestände. Demnach ist jedes Mal der Blickwinkel anders. Lediglich unsere Assoziationen weisen uns in eine bestimmte Richtung. Objektivität ist subjektiv-fiktiv.

Zitat:
Denn dann hatte man nicht die Stärke, mit offenen Augen die Wahrheit zu sehen.


Vorrausgesetzt, es gibt immer eine Wahrheit. Ich möchte Wahrheit hier nicht gänzlich leugnen. Jedoch gibt es sie nicht in jedem Bereich. Besonders nicht, wenn wir an uns selbst denken. Zumal es immer eine nicht zu erfassende Anzahl von Aspekten gibt, die berücksichtigt werden müssten, damit man überhaupt in die Nähe einer Wahrheit kommt.

Zitat:
Ich persönlich halte eine Ablehnung der Realität aufgrund von Gründen der persönlichen Eitelkeit und Frustration für keine kleine Sache und sie kann in der Tat schlimme Auswirkungen haben.


Ich überhaupt nicht. Ich lehne eher Eitelkeit und Frustration ab, also, die extremen Formen. Aber wir haben darauf eh selten Einfluss...

Zitat:
Nehmen wir nur die vielen Fälle von Geschichtsfälschung und das Leugnen von Völkermorden.[...]


Deswegen sagte ich ja: "Solange es dich im Leben und bei deiner menschlichen Entwicklung nicht behindert ist doch alles gut..."

Ich hätte erwähnen sollen, dass Integrität m.E. zur menschlichen Entwicklung gehört. Eine Leugnung der Dinge würde auch anderen direkt schaden. Demnach hast du mit diesen Beispielen vollkommen recht.

Zitat:
Sich in die Vergangenheit zu verkriechen, ist auch ziemlich feige. Schließlich kann man alles mögliche über sie sagen und es ist in vielen Fällen schwer zu beweisen.


Genauso Feige ist es jedoch, sich in die Gegenwart zu verkriechen. Viele Menschen tun genau dies.
Die Vergangenheit sowie Zukunft wird unter dem Motto "Lebe den Moment" ausgeblendet. Auch das kann schlimme Folgen haben und ist keinesfalls besser.
Ein kompletter Überblick wäre utopisch.
Wir zehren von unseren Erinnerungen, weil sie uns zu dem machen, wer wir sind. Und das schwelgen in Erinnerungen führt zu einem entspannten Verhältnis zu mir selbst. Aktiv werde ich in der Gegenwart auch entspannt mit Menschen umgehen. Es wäre durchaus praktisch, die Sichtweisen auf Knopfdruck wechseln zu können.
Leider nicht ganz möglich, da Persönlichkeit meistens in Stein gemeißelt ist.


Zitat:
Wer mit der Gegenwart zufrieden ist oder genug zu tun hat, der braucht sich doch gar nicht in die Vergangenheit flüchten. Ich persönlich bin auch eher weniger nostalgisch.


Da Vergangenheit immer (!) verklärt ist, sehe ich das weniger dramatisch. Schließlich ist Nostalgie ein sehr schönes Gefühl, was einen immer wieder daran erinnert, wie schön das Leben war. Hier könnte man das "war" kritisieren. Aber oftmals hält uns dieses "war" über Wasser. Sonst käme man vielleicht angesichts der Gegenwartsverklärung noch auf dumme Gedanken...sprich...Nostalgie gibt vielen Menschen die Kraft weiter zu machen.

Zitat:
Ich habe nicht das Gefühl, ich wäre gedanklich an irgendwelche vergangenen Zeiten gebunden . Ich denke auch nicht an all die schlechten Dinge der Gegenwart, ich seh auch positive Entwicklungen und nicht zuletzt ist doch der Punkt, dass solange wir nicht senil und unselbstständig sind, unsere Taten in der Gegenwart tatsächliche Relevanz haben. Wenn nicht für die Gesellschaft, dann zumindest für unser individuelles Leben.


Daran ist weder etwas falsch, noch verkehrt. Es ist eben ein Konzept unter vielen.
Und ich glaube, selbst Nostalgische Menschen unterscheiden sich davon höchstens in Nuancen.
Und sollten sie es nicht tun, gibt es dafür Gründe.
Wie gesagt, solange es die Entwicklung nicht behindert und anderen schadet finde ich es weder feige, noch ein Armutszeugnis.

Manchmal ist es gut sich daran zu erinnern, wie schön das Leben sein kann. Die verklärte Vergangenheit ist für einen dann der Beweis. Why not?

Zitat:
Außerdem ist die Zukunft auch eine Chance. Die Vergangenheit, gerade wenn man sie halbwegs korrekt im Kopf hat, enthält oft viele Demütigungen oder Dinge, für die man sich schämt.


Das ist hoch subjektiv und verklärt. ;)

Zitat:
Nur kann man nicht gerade auch daraus Kraft zehren? Kann man nicht auch Sühne oder Genugtuung dadurch erfahren, dass man in Zukunft ein anderer, wahrscheinlich besserer Mensch sein wird.


Aber hallo!



geschrieben von: overdose

Was definitiv in der "guten alten Zeit" anders war: Die Qualität der Internetnutzer. Vor 5-10 Jahren waren die Leute agiler, man hat sich PMs geschrieben und getroffen, selbst wenn es nur zum Kaffee war. Die Kommunikation war lockerer und dennoch gaben sich die Menschen mehr Mühe. Ich habe in dem Zeitraum sowohl hier als auch in anderen Foren viele Mitglieder persönlich kennen gelernt und es war jedes Mal ein Vergnügen, egal ob man in Kontakt blieb oder nicht. Heute sind die Leute träge, faul, man wartet teils Wochen auf die Antwort einer PM, wenn überhaupt eine kommt. Dann sind die meistens kurz abgehakt, 5 Worte, tschüss. Treffen? Da muss ich erst meinen Kalender fragen! Zeit hat man für Facebook und Co., nicht für persönliches Miteinander. Gerade erst vorletzte Woche erlebt: Am Dienstag für den Freitag zum Treffen verabredet, wir sind da, die Verabredung nicht. Nachfrage ergab ein lapidares "Ups, vergessen", während in dem Zeitraum fleißig die Pinnwände anderer Facebook-Nutzer vollgeschrieben wurden. Fein. Ein Einzelfall? Für diese Woche vielleicht, in den letzten 2 Jahren eher die Regel. Masse statt Klasse, wie in so vielen Bereichen. Da braucht sich niemand über die "guten alten Zeiten" zu wundern.



geschrieben von: Scheol

Dies kann ich bestätigen.

Ich bin auf der trägen Seite.
Obwohl es mir tatsächlich an Zeit/Geld fehlt.
Damals war ich aktiver, wesentlich.



geschrieben von: Waldemar

Naja.. das alles subjektiv.

Aber ich mache das mal am Beispiel Hifi fest. Ich bin ein Musikliebhaber und habe immer lieber viel Geld für High End Hifi Sachen ausgegeben als für z.B. Autos oder andere sachen. Ich habe es nie bereut und vor kurzem habe ich mal einen Test für mich gemacht... Bin in Hifi Läden und habe mir so die neuen "teuren" Lautsprecher für 5000-8000 Euro und mehr angehört... Da wußte ich nicht ob ich weinen oder lachen solllte.. Die klingen alle sehr schlank, irgendwie gesoundet, unnatürlich und emotionslos. Als ich noch gutes Geld verdiente gönnte ich mir die Quadral Titan Mk4. Vielleicht kennt sie einer.. aufwendig gebaut und abgestimmt. Das war noch die typische "deutsche Wertarbeit". Sie sind heute noch schwer zu schlagen. Wenn, dann muss man extrem tief in die Tasche greifen. Dazu war ich immer ein Fan von Harman Kardon Verstärkern.. die alten klingen fantastisch.


http://lh4.ggpht.com/-3_zyNHVhClw/SwbTXhKrhDI/AAAAAAAACNI/e43CkkAa9M8/DSC00327.JPG

Dann habe ich mal mit einen Freund den Test für mich gemacht. Wie hört sich die neue Technik an? Maranzt angefangen, von dem man hört, er hätte schönen warmen räumlichen klang. Nacht einem Tag wußte ich, auch ein 1300 euro teurer maranzt kommt nicht an mein alten 20 Jahre alten harman ran. Vorallem nicht in der Räumlichkeit und Präzision. Obwohl der trotzdem gut klang. Ich hatte mal das Glück einen alten harman 930 zu hören. Das alte schlachtschiff der 70-80 ziger... selbst der hört sich besser an. Das ist einfach kaum zu glauben. Hätte ich auch nicht wenn ich ihn nicht gehört hätte.. wahnsinn was die damals geleistet haben!

Bei CD Playern sieht das ähnlich aus. Bei den alten Geräten hat man immerhin noch den "unverfälschten reinen" Klang und bei neuen Geräten kann es sein, dass diese nach modischen Trends unnatürlich gesoundet worden sind. Die sind dann für echte audiophile Wiedergabe in höchster Qualität nicht mehr geeignet und klingen irgendwie künstlich.

Wer heute den guten klang damaliger High End geräte haben möchten muss sehr tief in die Tasche greifen... und daher mein persönliches Fazit... Zu den alten Zeiten bekam man viel mehr Klang für das Geld... Aber dürfte keine echte Überraschung sein.



geschrieben von: overdose

Eine gute Anlage bringt in Zeiten totkomprimierter und basslastiger Musik eben nichts mehr, siehe hier: http://bassdruck.de/Text/dynamikschwund.htm

"Früher" war die Musik vielleicht nicht besser, aber sie war aufwändiger und dynamischer produziert.



geschrieben von: Waldemar

Guter Artikel.

"Der Tod von High-Fidelity - Im mp3-Zeitalter ist die Soundqualität schlechter als je zuvor"

Jop.. so geht schon eine ganze Weile. Aber zum Glück wehren sich ein paar alte Hasen und jene die noch ein Gehör haben.

Alan Wilder ex Depeche Mode Mitglied, Toningeneur und Soundtüftler hatte das mal ähnlich beschrieben. Die "Neuzeit" kennt nur schlechtes laut oder leise. Und hauptsache die Werbung ist laut.

Alles was Wilder mixed ist ein Genuß auf meiner Anlage. Und ja.. zum Glück gibt es noch Schallplatten. Manche klingen wirklich besser.. als eine CD und zwar deutlich

Aus einer Hifi Werkstatt:
In den 80-ca. 95 ging das so. Beispiel Verstärker. Der harman/kardon-Verstärker PM-665 wurde von einem besser klingenden PM-665vxi abgelöst, danach kam der noch kräftiger zupackende und gleichzeitig feiner zeichnende HK-6800. Und so weiter. Und immer so ... - Irrtum, es ging nicht so weiter.

Spätestens seit der Jahrtausendwende beobachten HiFi- Techniker eine Entwicklung, die ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hat. Einst kamen Väter zu uns mit einem HiFi-Gerät aus ihrer Studentenzeit und gaben uns den Auftrag: "Checken Sie diesen Verstärker mal durch. Den will ich meinem Sohn geben. Für mich selbst habe ich das neueste Modell vom gleichen Hersteller gekauft, weil ich mit dieser Marke immer zufrieden war."

Heute ist es umgekehrt: "Ich habe mir ein neues Gerät gekauft, aber das habe ich sofort meinem Sohn geschenkt für seine Studentenbude. Denn diese neuen Geräte klingen überhaupt nicht mehr so musikalisch wie die HiFi-Klassiker. Ich will wieder meinen guten alten harman/kardon hören. Aber manchmal fällt bei diesem 20 Jahre alten Verstärker der rechte Kanal aus ..." Die Generalüberholung ist bei den alten Geräten kein Problem. Sie klingen danach wie neu.



geschrieben von: Changeling II

Zitat:
Original geschrieben von Waldemar
Naja.. das alles subjektiv.

Aber ich mache das mal am Beispiel Hifi fest. Ich bin ein Musikliebhaber und habe immer lieber viel Geld für High End Hifi Sachen ausgegeben als für z.B. Autos oder andere sachen. Ich habe es nie bereut und vor kurzem habe ich mal einen Test für mich gemacht... Bin in Hifi Läden und habe mir so die neuen "teuren" Lautsprecher für 5000-8000 Euro und mehr angehört... Da wußte ich nicht ob ich weinen oder lachen solllte.. Die klingen alle sehr schlank, irgendwie gesoundet, unnatürlich und emotionslos. Als ich noch gutes Geld verdiente gönnte ich mir die Quadral Titan Mk4. Vielleicht kennt sie einer.. aufwendig gebaut und abgestimmt. Das war noch die typische "deutsche Wertarbeit". Sie sind heute noch schwer zu schlagen. Wenn, dann muss man extrem tief in die Tasche greifen. Dazu war ich immer ein Fan von Harman Kardon Verstärkern.. die alten klingen fantastisch.


http://lh4.ggpht.com/-3_zyNHVhClw/SwbTXhKrhDI/AAAAAAAACNI/e43CkkAa9M8/DSC00327.JPG

Dann habe ich mal mit einen Freund den Test für mich gemacht. Wie hört sich die neue Technik an? Maranzt angefangen, von dem man hört, er hätte schönen warmen räumlichen klang. Nacht einem Tag wußte ich, auch ein 1300 euro teurer maranzt kommt nicht an mein alten 20 Jahre alten harman ran. Vorallem nicht in der Räumlichkeit und Präzision. Obwohl der trotzdem gut klang. Ich hatte mal das Glück einen alten harman 930 zu hören. Das alte schlachtschiff der 70-80 ziger... selbst der hört sich besser an. Das ist einfach kaum zu glauben. Hätte ich auch nicht wenn ich ihn nicht gehört hätte.. wahnsinn was die damals geleistet haben!

Bei CD Playern sieht das ähnlich aus. Bei den alten Geräten hat man immerhin noch den "unverfälschten reinen" Klang und bei neuen Geräten kann es sein, dass diese nach modischen Trends unnatürlich gesoundet worden sind. Die sind dann für echte audiophile Wiedergabe in höchster Qualität nicht mehr geeignet und klingen irgendwie künstlich.

Wer heute den guten klang damaliger High End geräte haben möchten muss sehr tief in die Tasche greifen... und daher mein persönliches Fazit... Zu den alten Zeiten bekam man viel mehr Klang für das Geld... Aber dürfte keine echte Überraschung sein.



...mein erster Verstärker überhaupt war auch ein Harman/Kardon...weiss aber nicht mehr, was für ein Modell genau...das war in den späten Achtzigern, als diese Firma noch eine große Bedeutung hatte und großartige Qualität geboten wurde...was die heute produzieren, ist allerdings kommerzielle Massenware und daher auch nur noch bei Blödia-Markt und Co. zu finden...die "echten" HiFi-Fachgeschäfte -sofern die überhaupt noch existieren -befassen sich damit nicht mehr...

...von vielen dieser alten Herstellermarken ist heute sowieso nur noch der Name geblieben, Beispiel Thorens: die Marke gibt es zwar noch - aber nicht mehr "den" Thorens-Plattenspieler, wie ich ihn kenne...leider hat mein TD-166 kürzlich den Geist aufgegeben -Motorschaden - und "mein" Händler um die Ecke bekommt keinen Ersatzmotor mehr dafür - so dass ich mir jetzt wohl oder übel einen neuen LP-Spieler suchen muss...ein TD-2001 wäre da mein haushoher Favorit, leider sind die neu kaum noch zu bekommen -und falls doch, sündhaft teuer...der ganze neumoderne Krempel aus dem Blödia-Markt, natürlich komplett mit USB-Anschluss und anderem Firlefanz, den die Welt nicht braucht, kann man doch getrost in die Tonne kloppen...

...



geschrieben von: Waldemar

Mein Tipp für Thorens. Schau einfach in ebaykleinanzeigen. Da habe ich schon so manches Schnäppchen gemacht.

Natürlich kannst sowas nicht vergleichen mit den Chinakrachern aus Bödl Markt



geschrieben von: Kampfsau

Zitat:
Ich glaube nicht, dass der Mensch zu einem realistischen Bild fähig ist. Schon gar nicht von sich selbst.


Darum benutzte ich auch das Adjektiv "halbwegs" und es gibt in der Hinsicht sehr wohl wichtige qualitative Unterschiede.


Ich meine soetwas wie Perfektion kann es nicht geben, Objektivität ebensowenig, sollte man Selbige nicht trotzdem so gut es geht anstreben?


Jeder Mensch hat Schwächen und damit man mit diesen Umgehen kann, müssen einem diese auch bewusst werden.


Zitat:
Nicht jedoch von Extremen. Ich selbst weiß wie sehr man unter Menschen leiden kann, die sich das Leben schönlügen. Sobald eine Person direkt dadurch geschadet wird, endet der Spaß.


Die Grenzen sind da doch ziemlich fließend, wo fängt das an, wo hört das auf? Wenn Großvaddi mal wieder von der guten alten Zeit schwadroniert, dann tut man das mit einem Lächeln oder leicht genervt ab.

Nur das Problem ist, was ist denn jemanden schaden? Ist es ein Schaden, wenn man sich genervt fühlt? Ist es ein Schaden wenn der neue Lebenspartner an der idealisierten Form der früheren Beziehung gemessen wird, die es so nie gegeben hat?

Oder ist es erst dann, wenn man an eine Lüge glaubt, z.B. als Soldat, weil man nicht wahrhaben will, dass Freunde gestorben sind und man selber mordete aus den falschen Gründen?

Dass man lieber weiter mordet, als sich diesen Irrtum einzugestehen?


Zitat:
Das wird sich jedoch nicht vermeiden lassen. Wie gesagt; Erinnerungen reproduzieren sich immer wieder neu. Sie sind keine festen Datenbestände. Demnach ist jedes Mal der Blickwinkel anders. Lediglich unsere Assoziationen weisen uns in eine bestimmte Richtung. Objektivität ist subjektiv-fiktiv.


Wir reden hier nicht über Gott oder andere metaphysische Instanzen über die niemand wirklich etwas sagen kann. Natürlich kann dir niemand eine 100%ige Sicherheit geben, dass etwas genau so ist.

Selbst ein Vaterschaftstest hat immer noch den Bruchteil von einem % die Wahrscheinlichkeit, eine falsche Übereinstimmung anzuzeigen. Trotzdem kann man doch nicht die Vernunft, die Gesetze der Logik und alle handfesten Tatsachen völlig ausblenden, nur damit man sich besser fühlt. Nagut man kann es tun, ist aber immer noch ein Armutszeugnis.

Zitat:
Genauso Feige ist es jedoch, sich in die Gegenwart zu verkriechen. Viele Menschen tun genau dies. Die Vergangenheit sowie Zukunft wird unter dem Motto "Lebe den Moment" ausgeblendet. Auch das kann schlimme Folgen haben und ist keinesfalls besser. Ein kompletter Überblick wäre utopisch.


Man kann sich immer belügen. Es ist doch egal wie man das macht. Trotzdem kann man es doch anstreben, möglichst ehrlich zu sich selbst zu sein. Niemand ist immer rechtschaffend und gut, trotzdem sind das Maßstäbe bei denen es sich lohnt, sich an diesen zu orientieren.

Zitat:
Wir zehren von unseren Erinnerungen, weil sie uns zu dem machen, wer wir sind. Und das schwelgen in Erinnerungen führt zu einem entspannten Verhältnis zu mir selbst. Aktiv werde ich in der Gegenwart auch entspannt mit Menschen umgehen.


Du wirst so lange entspannt bleiben, wie dich niemand mit der verfärbten Vergangenheit konfrontrieren wird. Entspannt ist man erst, wenn man sich mit diesen schlimmen Dingen auseinandergesetzt hat und gelernt hat sich selbst trotz seiner Fehler zu akzeptieren.

Zitat:
Es wäre durchaus praktisch, die Sichtweisen auf Knopfdruck wechseln zu können. Leider nicht ganz möglich, da Persönlichkeit meistens in Stein gemeißelt ist.


Ich würde mir wünschen, weniger Menschen würden sich selbst etwas vormachen.

Und Persönlichkeiten sind meistens dann unformbar, wenn Menschen dazu neigen allem aus dem Weg zu gehen, was mögliche Reibungensflächen hätte.

Zitat:
Da Vergangenheit immer (!) verklärt ist, sehe ich das weniger dramatisch. Schließlich ist Nostalgie ein sehr schönes Gefühl, was einen immer wieder daran erinnert, wie schön das Leben war. Hier könnte man das "war" kritisieren. Aber oftmals hält uns dieses "war" über Wasser. Sonst käme man vielleicht angesichts der Gegenwartsverklärung noch auf dumme Gedanken...sprich...Nostalgie gibt vielen Menschen die Kraft weiter zu machen.


Oder man macht ein Ende, weil es niemals so schön sein wird, wie es damals war.

Ich dachte was uns am Leben erhalten hat ist die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Darum kann ich schon verstehen wenn alte Menschen an der Vergangenheit hängen, wo sie doch nur Krankheit und Tod erwartet. Alterssuizid ist übrigens gar nicht so selten.

Und wenn die Vergangenheit wirklich schön war, dann muss man sie doch auch nicht verklären um aus ihr Kraft zu schöpfen.

Zitat:
Das ist hoch subjektiv und verklärt.


Darum auch das Adverb "oft" ^^.

Ich sehe das nicht als verklärt oder war dein Leben früher nur gut oder nur schlecht? Ist dein Leben heute nur gut oder nur schlecht?

Es ist eben nicht so .

Zitat:
Ich bin auf der trägen Seite. Obwohl es mir tatsächlich an Zeit/Geld fehlt. Damals war ich aktiver, wesentlich.


Liegts vielleicht einfach am Alter und den Lebensumständen? Ich meine wenn ich nicht Urlaub habe wache ich seit Jahren schon um kurz nach 5 auf, mit 13 Stundentagen + den ganzen anderen Verpflichtungen die nichts mit Freude zu tun haben.

Und du hast neben deiner Arbeit noch die Abendschule. Wenn man dann noch eine Beziehung und eine Familie hat, dann verkommt vieles einfach zu Stress, auch schöne Dinge wie spontan mal einen Freund treffen.

Zu den Hifianlagen kann ich nicht wirklich etwas sagen, da ich nicht wirklich Geld habe, mir eine anständige Anlage zu kaufen, auch wenn das für mich eigentlich eine sinnvolle Investition ist. Das mit der Produktion der Alben kann ich aber bestätigen.





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