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Was ist Gothic? Für euch?

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geschrieben von: Dragaton

Hallo,

ich bin neu in diesem Forum und habe die Gothic-Kultur neu entdeckt. Nun wirft sich wiedermal die Frage auf, was ist Gothic, wann bin ich einer und muss ich dem Klischee entsprechen um ein ''echter'' Gothic zu sein? Ich stelle dieses Thema hier ein, da es eher eine philosophische Frage ist. Es gibt keine wirkliche Antwort, nur verschiedene Ansichten und ich würde gerne ein paar Eindrücke und Meinungen hören.

Nun sollte ich dann wohl auch anfangen.

Wie definiere ich mich? Als Gothic?

Nein, sicher nicht.

Gothic, darunter stellt man sich dunkel gekleidete Menschen vor, die genau die Sachen lieben, die den meisten Menschen Angst machen. Ich liebe die Farbe schwarz, Vollmond und allgemein die Nacht. Der Stil der Klamotten, dieses Skurile und auch die Musik, macht mich das zu einem Gothic? Das Philosophische am Gothic sein, was mit vorher nicht bewusst war und auch die Lebensweise gefallen mir sehr. Also, wieso zähle ich mich nicht zu den Gothics? Vielleicht, weil es schon fast normal ist sich so zu nennen. Wir wollen alle besonders sein, aber auch Menschen finden, die so sind wie wir, doch bin ich deswegen auch ein Gothic?

Nun, das sind sicherlich viele Fragen und viele Denkanstöße. Ich hoffe dieses Thema interessiert jemanden und ist hier auch passend. auch wenn es meine persöhnlichen Fragen mit einschließt, so sind es wohl auch Fragen die sich viele stellen.

Grüße Dragaton



geschrieben von: Seneca

Moderative Anmerkung:

Ich wäre unseren Experten sehr dankbar wenn sie erst mal andere zu Wort kommen lassen, bevor sie die Diskussion mit ihren deillusionierenden Details in der Luft zerfetzen.
Danke und kobaltblaue Grüße.

PS: Nicht jeder wird mit 20 Jahren Szeneehrfahrung geboren.



geschrieben von: fxsend

Da ich keine 20 Jahre Szeneerfahrung aufweisen kann, melde ich mich einmal zu Wort. Die Frage, was Gothic ist, stelle ich immer noch gerne, obwohl es kaum noch überraschende Antworten gibt. Und DIE Antwort schon gar nicht. Ich will hier auch keine Auflistung oder Top 10 der Antworten einstellen.

Für mich ist es mittlerweile nicht mehr wichtig, eine Definition von Gothic geliefert zu bekommen. Ich finde es auch müßig, sich um eine genaue Definition zu bemühen, die in den meisten Fällen doch eigentlich nur ein Versuch der Abgrenzung zu anderen Szenen oder Lebensstilen ist. Doch dazu ist die Vielfalt zu groß, der eigentliche Kern (mittlerweile?) zu ungewiss und die Motivation der Leute zu unterschiedlich.

Was für mich zählt ist, dass ich mich gerne in der "Szene" bewege, weil ich mich dort wohl fühle und interessante Menschen treffe. Dazu muss ich nicht dazu gehören, keinen inneren oder äußeren Mitgliedsausweis mit mir herumtragen. Meine Erfahrung ist, dass Akzeptanz keine Frage der "richtigen Klamotten" oder detaillierter Kenntnisse der schwarzen Musikhistorie ist. Zumindest nicht bei den Leuten, die ihre eigene Identität nicht über Oberflächlichkeiten definieren und sich deshalb nicht darum bemühen müssen, irgendwo dazuzugehören, um überhaupt zu existieren.



geschrieben von: Xenomorph

"Gothic" ist für mich so gesehen meine ganz persönliche und private Sichtweise der Welt...nicht mehr und nicht weniger...egal, was für andere nun "Gothic" ist oder nicht, ob es für sie nun dasselbe bedeutet oder etwas völlig anderes...für mich ist es einfach nur das, was meinen Vorlieben in Sachen Kleidung, Musik, Ästhetik, Philosophie, Literatur, Kunst und Lebenseinstellung entspricht...



geschrieben von: die nuss

ich kann mich nur wiederholen kinder. eine lebenseinstellung hat nichts damit zu tun, wie man sich anzieht oder was man konsumiert.

eine lebenseinstellung ist eine einstellung zum leben. und die ist bei den meisten immer gleich: selbsterhaltungstrieb - auch wenn alles so kacke ist.


gothic ist eine scheinwelt. die szene nur eine ansammlung von leuten, die jedes wochenende feiern. und sich für was besseres halten, aber nichts indieser welt bewegen.



geschrieben von: Xenomorph

Zitat:
Original geschrieben von die nuss
gothic ist eine scheinwelt. die szene nur eine ansammlung von leuten, die jedes wochenende feiern. und sich für was besseres halten, aber nichts indieser welt bewegen.


...du nimmst mir die Worte aus dem Mund - ist doch ganz genau mein Reden...



geschrieben von: Nezach

Zitat:
Original geschrieben von der nuss
eine lebenseinstellung hat nichts damit zu tun, wie man sich anzieht oder was man konsumiert.
Diese Ansicht teile ich nicht. Schwarze Kleidung ist für mich untrennbar mit dem Begriff "Gothic" verbunden und ich halte das weder für zufällig, noch für oberflächlich. Gothics heben sich von der grauen Masse Menschen ab. Sie sind Individualisten, und etwas Erhabenes, Edles liegt in ihrer Art zu denken, zu fühlen: zu leben.

Gothics zeichnet die Treue zu ihren Idealen aus. Daher rührt die Melancholie, die sie meist ein Leben lang begleitet. Der Tod ist im Bewusstsein von Gothics verankert und wird nicht verdrängt, wie dies von vielen Nicht-Gothics praktiziert wird. Gothics trotzen auf eine gewisse Weise dem Tod und gleichzeitig verbindet sie so einiges mit ihm. Gothics sind nachdenklich und in ihrer Nachdenklichkeit tiefgründig. Gothics haben eine gute Beziehung zur Ästhetik, und die Romantik spricht sie an.

Ich hatte mir nie die Frage gestellt, ob ich einer bestimmten Szene angehöre. Heute weiß ich, dass ich im Grunde immer Gothic war, denn die Finsternis – die ja nun mal schwarz ist – war meine ständige Begleiterin, und nur auf dem traurigen Weg über finstere Friedhöfe und durch stille Gassen konnte ich zu den Sternen finden, die andere (noch) nicht sehen können. Gothic ist letztlich gut und sogar am besten und ich wähle deshalb auch weiterhin, den schwarzen Weg zu gehen.



geschrieben von: Mestigoth

Zitat:
Original geschrieben von die nuss
gothic ist eine scheinwelt. die szene nur eine ansammlung von leuten, die jedes wochenende feiern [...], aber nichts in dieser welt bewegen.

Mehr muss sie doch erstmal auch gar nicht sein. Allein deshalb ist sie schon keine Scheinwelt. Warum müssen Szenen immer etwas bewegen? Was hat die Grunge-Szene bewegt? Was bewegen Drum&Bass- und Jungle-Fans? Die meisten Szenen entstehen durch Musik. Und Gothic bildet(e) dabei keine Ausnahme. Alles außerhalb davon ist Interpretationssache. Es gibt immer noch genügend Freiraum innerhalb der Gothic-Grenzen. Nur deshalb sind diese verschiedenen Gothic-Varianten möglich. Ein Fields-Goth sieht nicht nur anders aus als ein Batcaver. Beide Fraktionen haben nicht selten sogar völlig unterschiedliche Ansichten.

Das mit der Lebenseinstellung unterschreibe ich natürlich. EINE Lebenseinstellung kann es sowieso nicht sein. Genauso wenig wie es EINE Metal- oder EINE Techno-Lebenseinstellung gibt. Denn genau DAS würde die ach so hochgelobte Individualität stark in die Schranken weisen.

An meinem Standpunkt hat sich auch nach Jahren nichts geändert. Grundpfeiler einer jeden Szene sind Musik, themenspezifische Kleidung und ein damit verbundenes visuelles Ästhetikempfinden etc. Die Musik lässt sich nicht unter den Teppich kehren. Sie ist essentiell für den Erhalt einer Szene. Genau deshalb sind Rammstein-Fans eben Rammstein-Fans und keine Goths. Genau deshalb lassen sich Menschen aus dieser Kultur ausgliedern, ob das dem einen oder anderen nun gefällt oder nicht. Eine Szene besitzt nun einmal Merkmale und Grenzen. Und wenn ich mich damit nicht identifizieren kann, geht die Welt morgen auch nicht unter.

Zitat:
Original geschrieben von fxsend
Was für mich zählt ist, dass ich mich gerne in der "Szene" bewege, weil ich mich dort wohl fühle und interessante Menschen treffe.

Wenn du nicht weißt, was Gothic ist und es dich auch nicht sonderlich kümmert, woher willst du dann wissen, ob du dich innerhalb dieser Szene bewegst? Wenn ich mich unter einen Stapel Rammstein-Hoschis mische, die von sich glauben, sie seien Goths, glaubst du dann auch, du würdest dich innerhalb der Gothic-Szene bewegen, nur weil sie fälschlich dieses Etikett nutzen? Rammstein darfst du auch gerne mit Silbermond oder Vincent Raven (yeah!) austauschen, damit deutlicher wird, was ich meine. :p

Zitat:
Original geschrieben von Nezach
Diese Ansicht teile ich nicht. Schwarze Kleidung ist für mich untrennbar mit dem Begriff "Gothic" verbunden und ich halte das weder für zufällig, noch für oberflächlich. Gothics heben sich von der grauen Masse Menschen ab. Sie sind Individualisten, und etwas Erhabenes, Edles liegt in ihrer Art zu denken, zu fühlen: zu leben.

Merkst du was? Individualisten teilen wohl kaum dieselbe Lebenseinstellung. Denn dann wären sie keine Individualisten. Was du meinst, nennt man LEBENSGEFÜHL, und selbst das teilen nicht alle Goths miteinander. Sowas gibt es in keiner Szene.

Zitat:
Original geschrieben von Nezach
Ich hatte mir nie die Frage gestellt, ob ich einer bestimmten Szene angehöre. Heute weiß ich, dass ich im Grunde immer Gothic war

Was mich vielmehr interessieren würde ist, weshalb die Leute ihr dunkles Lebensgefühl immer mit "Gothic" betiteln. Sobald jemand glaubt, die Welt etwas düsterer zu sehen, als andere, kommt die Bezeichnung "Gothic" ins Spiel. Wer sagt dir, dass das Gothic ist? Warum nicht Black Metal? Die Anhänger dieser Szene sind auch "schwarz" und vertreten ihre Form eines schwarzen Lebensgefühls. Das, was Gothic tatsächlich war, wird überhaupt nicht mehr in Betracht gezogen. Dass diese Kultur eine bald 30jährige Geschichte besitzt, scheint überhaupt keinen zu interessieren.

Aber mit Punk ist es mittlerweile ja genauso. Ich hatte mir letztens erst eine Diskussion zur selben Frage in Bezug auf den Punk durchgelesen. Und jede zweite Antwort war "Punk ist eine Lebenseinstellung". Dasselbe inhaltsleere Geseiere. Denn was diese Einstellung beinhaltet, konnte auch niemand erklären. Dass mit dieser Szene auch ein gleichnamiges Musikgenre untrennbar verbunden ist, hat da keine Sau interessiert. Musik prägt eine Kultur. Wieso begreift das eigentlich niemand? Solche Szenen kommen doch nicht aus dem Nichts!



geschrieben von: die nuss

ein individiualist ist erst dann einer, wenn er auch wirklich individuell ist.

individualismus bedeutet nicht, dass man verschiedene musikstile hört, sich verschieden kleidet. individualismus gibts imo garnicht. wir handeln alle gleich, sehen nur verschieden aus. nackt sind wir alle gleich.

bin ich ein individualist wenn ich worte benutze, die man mir beigebracht hat?
bin ich ein individualist wenn ich meinen salat mit der schere schneide?

muss eine szene etwas bewegen? was bewegt eine szene? die menschen?
zählt das denn überhaupt?

fragen über fragen.

ach, die dnb szene ist eine musikszene. die lässt sich zwar auch aufteilen, aber es geht immer nur um musik. keine dresscodes wie bei gabber.



geschrieben von: Goat93

Zitat:
nackt sind wir alle gleich.


o_o

Das möcht ich dann doch mal wirklich bezweifeln....


Zitat:
Gothics heben sich von der grauen Masse Menschen ab. Sie sind Individualisten, und etwas Erhabenes, Edles liegt in ihrer Art zu denken, zu fühlen: zu leben.

1. Es gibt keine "graue" Masse Mensch mehr. Sondern eine
Megapuntpunte Masse Mensch, die sich bis ins kleinste
zersplittert. Goth ist da nur ein teil der Zersplitterung
2. Individualisten die alle gleich rumrennen, wie cooooooooool
und nun e schritte nach vorn, und 2 nach hinten und von
vorn 3 schritte nach vorn und 2 nach hinten und alle:
GLEIIIIiiiIIIiiiIIIIiiiIIICHSCHRIIIIIIIIIIIIiiiiii
iiiiiIIIiiiIiiIIITT
3. Irgendwie hab ich da auch was verpasst mit dem Leben.
Ging es da nicht eher um Todessehnsucht und Missevrstanden?
jetzt isses scho eine Pro Live Hippie Kommune o_0



geschrieben von: Seneca

Zitat:
Original geschrieben von Goat93
Ging es da nicht eher um Todessehnsucht und Missevrstanden?
jetzt isses scho eine Pro Live Hippie Kommune o_0



...Jetzt endlich auch als EBM



geschrieben von: Mestigoth

Zitat:
Original geschrieben von Goat93
Irgendwie hab ich da auch was verpasst mit dem Leben. Ging es da nicht eher um Todessehnsucht und Missevrstanden? jetzt isses scho eine Pro Live Hippie Kommune o_0

Bis Mitte der 90er behauptete man sogar, die Gothic-Szene hätte die höchste Selbstmordrate. Selbst 'ne britische Band - ich glaube, es waren Die Laughing (wie passend) - erwähnt diese hohe Anzahl von Freitodwählenden in einem Interview. Vielleicht war das ja einer der Gründe für den Niedergang der Szene Ende der 90er. :p



geschrieben von: Goat93

Zitat:
Original geschrieben von Seneca
...Jetzt endlich auch als EBM


*_* Geiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiil



geschrieben von: Mrs. Spookiness

Zitat:
Original geschrieben von die nuss
gothic ist eine scheinwelt. die szene nur eine ansammlung von leuten, die jedes wochenende feiern. und sich für was besseres halten, aber nichts indieser welt bewegen.


Wie die meisten Menschen auf dieser Welt - doch würden sie sich dann unterscheiden, was sie auch tun? Gibt es nicht Leute dieser Subkultur, die sich in den Welten anderer Menschen nicht wohlfühlen können? Es in der Szene aber tun? Was unterscheidet sie dann von dem Otto-Normal-Bürger? Oder gibt es dieses Idol von einem Sündenbock dann letzten Endes auch nicht mehr? Sind wir dann doch alle gleich?

Ich zumindest fühle mich in manchen Gesellschaften unwohl, mit ihren Thematiken, dem was sie als wichtig erachten, den Leuten, die in ihr verkehren.
In der schwarzen Szene war es noch nie so. Man konnte sich immer gut unterhalten über Gott und die Welt, Ästhetik, Philosophie, Diskussionsrunden der besonderen Art, Kunst, Literatur, politische Themen - kurz, es geht darum seine Meinung kundzutun, aber auch den anderen zuzuhören. Und diese Art der Diskussion wird deshalb so erlebenswert, weil die meisten Gothics sich Zeit nehmen über diese Dinge nachzudenken, immer ein bisschen verträumt, irrealistisch und sich dem Drang und der Hektik des alltäglichen Lebens entgegensetzend.
Und wer verändert schon was in der Welt? In einer Welt in der die Stimme des einzelnen immer weniger zählt - ob man etwas verändern kann oder will, hängt nicht mit der Szenenangehörigkeit zusammen, und eben genau das hat niemand behauptet. Was also die eigenartige Anschuldigung?
Jeder darf sich für etwas besseres halten, ist ja nicht verboten. Und wenn ich mir manchen Käse ansehe, über den sich Leute Gedanken machen und sich beschweren, dann kann ich Stolz sein, am Wochenende mit meinen Freunden in der Kneipe zu sitzen und stundenlang zu diskutieren. Über Themen, die, wenn sich wirklich einer dafür interessieren würde, wirklich die Welt verändern könnten. Ist zwar nur Theorie - aber immerhin etwas.



geschrieben von: Odessa

Genau deshalb sind Rammstein-Fans eben Rammstein-Fans und keine Goths.
---

Und zum 3. Mal in 5 Jahren ziehe ich Dir da liebevoll die virtuelle Bratpfanne über und vertrete die Meinung: sich einer Szene zugehörig zu fühlen weil "die Schnittmenge an Übereinstimmungen die größte ist", hat meiner Meinung nach nichts damit zu tun, welche Musik man hört. Ein Mensch - sogar ein Gote - ist mehrdimensional und fähig, seine Lebenseinstellung und Denkweise zu behalten auch wenn er mal Johnny Cash oder Deep Purple hört statt Deine Lakaien oder Sisters. Oder glaubst Du, daß ich oder werauchimmer "weniger" gotisch empfindet und sein Leben ändert in seinen geistigen, seelischen und sonstigen Grundeinstellungen, nur weil ihm während mancher Stunden nach harter Rammsteinmusik oder Bachs Orgel ist statt nach Lakaien oder Sigur Ros?

Ich bin - "sagten dann irgendwann Andere" - seit 25 Jahren Gote (wie es sich für jeden Altgruft gehört, verneine ich natürlich ansonsten immer einer zu sein) aufgrund meiner Lebenseinstellung und der Art, wie ich mit meinem an Schicksalsschlägen nicht armen Leben umgehe. Aber das hat nichts damit zu tun, ob ich mir dabei mal Sopor oder AC/DC anhöre. Das geht sicherlich den meisten Menschen so. Wäre es da nicht sehr anmaßend, würde man sagen daß ein Punk nur Punk, ein RocknRoller immer nur Rock and Roll und ein Gote nur "von wem auch immer als Gotenmusik festgelegte Gotenmusik" hören darf? Ich kenne eine Handvoll Punks in Soho, die gerne mal Vivaldi hören und dabei Tränen in die Augen kriegen. Ich kenne Reggaefans für die Bob Marley Gott ist, die aber auch auf Laibach abrocken. Und ich kenne zwei 53- und 65jhr. Schlagerfans, die sich meine DeineLakaien-CDs anhörten und mir später schrieben, sie hätten sich die "Kasmodiah" jetzt auch gekauft und hörten sie öfters zwischen Madonna und Nena. Diese Leute bezeichnen sich weiter als "Pop/Schlagerhörer", meine Punks würden their bollocks darauf verwetten daß sie 100% Punks sind und die Reggaefans würden aus Protest ihre ähm zum Ende hin etwas dicker werdenden "Zigaretten" rosa färben, würde ihnen jemand unterstellen daß sie keine Reggaes sind.

Gotentum war in den Anfängen eine Lebenseinstellung, die sich bei den meisten Goten dadurch auszeichnete daß man sich für die melancholischen, morbiden und dekadenten Dinge des Lebens interessierte. Die von mir erlebten Goten (ich kann wie immer nur von persönlichen Erfahrungen und nur die englische "Szene" betreffend reden) waren offen für alles, was nicht in genormten Denkschienen verlief; sie waren politisch engagiert und das weder links noch rechts, sondern "an humanen ethischen Werten orientiert im Einklang mit Natur und Mitgeschöpfen"; sie waren unterwegs in der Natur, alte Burgen, Ruinen und Wälder erforschend; sie zitierten Kafka, Baudelaire, Shakespeare, Byron und Wilde und zeichneten oder schrieben sich mit Leidenschaft die Seele leer und die Finger wund; sie lebten jede Emotion intensivst und schämten sich für keine; sie waren introvertierte Exzentriker und extrovertierte stille Wasser und da war kein Widerspruch darin, sondern es war authentisch das "was sie selbst waren". Und sie waren dies weder zwingend in Schwarz noch mit einer anderen "Uniform-Vorgabe", denn sie trugen vom weinroten victorian dress bis zur Lederkluft alles Mögliche. Sie dachten ja gerade NICHT in Uniformschablonen a la "Welche Kleidung muß ich tragen, welche Gesichtsfarbe darf ich haben und welche Stiefel nur damit ich trendy bin". Sie lebten ihre eigenen Porträts von Verfall, Lust, Leid und Dekadenz und genossen jede Sekunde ihres Lebens als wäre es die letzte, und meist gerade wegen der traurigen, schmerzenden, schwarzen Momente darin und der emotionalen Tiefe, die diese ihnen bescherten. Oder wie jemand mal sinngemäß formulierte: Wahre Goten sind nicht in einer Szene, sie SIND (ihre eigene) Szene.

Menschen wie diese Geschilderten waren es, die für mich "meine" private Gotenszene waren bzw. noch sind und weswegen ich mich diesem Gotentum zuordne/n lasse - WENN jemand denn schon meint, mich aus Gründen immer in eine Schublade stecken zu müssen oder wenn ich mich einer "Szene" zuordnen sollte anhand einer "was trifft denn am Meisten auf Dich zu?"-Skala.



geschrieben von: Mestigoth

Zitat:
Original geschrieben von Mrs. Spookiness
In der schwarzen Szene war es noch nie so. Man konnte sich immer gut unterhalten über Gott und die Welt, Ästhetik, Philosophie, Diskussionsrunden der besonderen Art, Kunst, Literatur, politische Themen - kurz, es geht darum seine Meinung kundzutun, aber auch den anderen zuzuhören. Und diese Art der Diskussion wird deshalb so erlebenswert, weil die meisten Gothics sich Zeit nehmen über diese Dinge nachzudenken

Dem kann ich nicht beipflichten. Viele Goths (und solche, die sich für Goths halten) sind absolute Vollhonks, die gerade bei heiklen Themen gerne abwinken.

@Odessa: Das Nudelholz bitte. :p

Zum fünfzigsten Mal in drei Jahren: Nein, es geht darum, welche Musik im Mittelpunkt steht, nicht darum, was nebenbei konsumiert wird. Die Musik eines Goths ist Gothic. Die Musik eines Punks ist Punk. Da ist es völlig Schnuppe, ob die nebenbei Vivaldi, Grindcore oder Juliane Werding konsumieren. Und diese Musik formte diese Szene und bestimmt einen Großteil ihres Daseins. Ein Rammstein-Fan wird nie ein Gothic sein, weil bei ihm Rammstein im Mittelpunkt steht. Sein Fan-Dasein bestimmt auch sein Erscheinungsbild (und die meisten sehen schlicht aus wie Metal-Prollos und nicht wie Goths).

Am Anfang der Szene-Entwicklung stand die Musik und ein Heiden-Modespaß. Selbst in Deutschland war es bis auf wenige Ausnahmen nichts anderes als eine Mode. Jemand, der mir erklären will, die Szene sei auf der Grundlage einer Lebenseinstellung entstanden, nehme ich nicht für voll. Ein Lebensgefühl, eine bestimmte Ästhetik etc. entsteht erst viel später. Es gibt kein einheitliches "gotisches Empfinden", da die Szene nicht einheitlich ist und es nie war. Nimm einen Sisters-Fan. Der kann auf die rockigen Sisters-Songs abfahren und die repräsentieren sein Gemüt. Ein anderer Sisters-Fan mag lieber die traurigen, schleppenden Songs à la Marian. Glaubst du allen Ernstes, diese Leute hätten dasselbe "gotische Empfinden"? Niemals. Dasselbe gilt für einen Bauhaus-Hörer versus The-Cure-Fan.

Finsternis muss übrigens nicht mit Melancholie einhergehen. Das beweist die Black-Metal-Szene. Wenn ich mich also mit Gothic-Musik, Gothic-Novels und anderem düsteren Kram beschäftige, heißt das nicht zwangsläufig, dass ich als hängeköpfige Heulsuse durch's Leben schreite. Das sagt Gothic definitiv nicht aus.



geschrieben von: Odessa

@Odessa: Das Nudelholz bitte :p
---

Nix da, die Art der internen Bestrafung sei mir überlassen, das ist das Vorrecht der (Goten-)Frau ;-).

Vielleicht meinen wir beide sogar irgendwie das Gleiche, nur drücke ich es anders aus oder komme auf anderen Denkwegen dahin wo Du an Eckpunkten auch stehst - denn dass natürlich AUCH die Musik mit eine Rolle spielt bei den meisten Goten, ist mir klar, und sie tut es ja auch bei mir. Mir gings nur darum klarzumachen, daß ich verschiedene Musikstile hören kann und trotzdem aber "gotisch" bin in meiner ganzen Lebensweise. Wenn ich meine gotische "Denke" lebe seit 45 Jahren, ändert sie sich nicht, wenn ich mal Rammstein höre, denn ich integriere z. B. gerade Rammstein und deren durchaus grenzwertige und von Einigen "pervers" genannten Texte in "mein" Verständnis von morbidem Schwarzsein :).



geschrieben von: Goat93

Zitat:
Gibt es nicht Leute dieser Subkultur, die sich in den Welten anderer Menschen nicht wohlfühlen können? Es in der Szene aber tun? Was unterscheidet sie dann von dem Otto-Normal-Bürger? Oder gibt es dieses Idol von einem Sündenbock dann letzten Endes auch nicht mehr? Sind wir dann doch alle gleich?


1. Dafür sind die Subkulturen ja da, das man sich in ihnen
Wohlfühlt. Allerdings versuchen viele damit einen Elitarismus
zu implizieren, der einfach nicht vorhanden ist. Ein Gothe
ist eben genauso strunzdoof wie ein Hopper oder eben
genauso Intelligent. Generell hat das nichts mit der Szene
zu tun, wie Dumm oder Intelligent ein mensch ist. Aber
(und das ist eben der Alltag) die Klischees bilden die Masse
innerhalb einer Szene. Wenn die Klischees Vollbusige Dumpf-
backen präsentieren, so sickert das irgendwann als ideal-
bild auch in die Szene selbst ein. Es gibt daher nicht "die
definierte Szene" sondern nur immer Teilaspekte, die jeweils
anders beeinflußt sind. Ob nun die aktuelle Subkultur wirklich
das ist, was es als Etikett trägt, möcht ich allerdings erheblich
bezweifeln. Umso mehr man sich einredet, es wäre so
tolles Diskutieren hier, nette Menschen und alle ach so
gebildet, umso weniger entspricht das meines Erachtens
der Realität, denn es scheint mir eher eine Art Selbstflucht
zu sein.

Das Sündenbgockbild ist eine totale Vereinfachung der Dinge
bei anderen. An sich müßte man schon drüber lachen, da
man selbst ja von anderen nicht so einfach abgestempelt
werden will, naja...es funzt trotzdem...

Viele Verhaltensweisen und Handlungen sind sehr identisch,
daher weiß ich nicht so recht ob man sagen kann, das eine
ist so dermaßen vom anderen zu trennen...

Zitat:
Ich zumindest fühle mich in manchen Gesellschaften unwohl, mit ihren Thematiken, dem was sie als wichtig erachten, den Leuten, die in ihr verkehren.
In der schwarzen Szene war es noch nie so. Man konnte sich immer gut unterhalten über Gott und die Welt, Ästhetik, Philosophie, Diskussionsrunden der besonderen Art, Kunst, Literatur, politische Themen.


Das Unwohlfühlen war eigentlich ein Hauptantrieb wieso ich
aus meinem normalen Umfeld raus wollte, ein paar Jahre später
hat mich die Vergangenheit allerdings eingeholt und diejenigen
zu denen ich geflüchtet bin in Zweiter Generation des Zeit-
punktes labern und handeln genauso wie jene, vor denen
ich geflüchtet bin. Ironie des Schicksals?
In der Schwarzen Szene kann man sehr gut seudophilosophieren
denn kaum jemand prüft was man sagt oder stellt sich
wirklich hin und sagt einmal, was wirklich ist. Diejenigen die
das machen sind die Bösen und Spaßverderber.
Politische Themen sind auch so eine Eingleisige Sache. Entweder
man ist auf einmal nen "Nazi Goth" oder "Politisch Blind" oder
man ist ein Teil der "Konsummasse". Also funzt das auch
nicht so richtig wirklich...

Diese Diskussionen kann man aber generell überall führen,
man braucht halt nur interessierte Leute dafür. Die sind aber
an keiner Szene gebunden...

Zitat:
weil die meisten Gothics sich Zeit nehmen über diese Dinge nachzudenken, immer ein bisschen verträumt, irrealistisch und sich dem Drang und der Hektik des alltäglichen Lebens entgegensetzend.

Halte ich auch gegen. Ich finde eher, die Goth sind dieser
Alltagshektik schon lange erlegen und sind eben nur noch
ein Teil des normalen Mainstreams.



geschrieben von: die nuss

blackmetal?


echt. bin raus


heuchler



geschrieben von: vengeance

Die Diskussion krnkt mal wieder da dran, dass nicht unterschieden wird, wie das Lebengefühl eigtl gemeint ist oder wie es empfunden wird und was heutzutage draus geworden ist.

Für mich ist es immer noch kein Schikerialauf und immer noch ein Ausbruch aus er Hektik.

Klar - Andere leben dsa ganz anders. Schade für sie. Aber mir auch egal. Weil mir auch die "Szene" egal ist. Mich interssiert zunächst nur und ausschliessliche die Thematik. Und wenn ich dann Leute finde die genauso ticken wie ich, kann ich mich mit denen austauschen.

Der Rest geht mir echt am Popo vorbei. Auch wenn sie vieles in den Dreck ziehen. Ich kann das eh net ändern.

Und zum Thema Musik/Rest - ich denke die Musik transportiert viel Thematik. Zumindest ist es für mich so. Die Musik macht mir die Atmosphäre greifbar (weil hörbar)
Daher ist die Musik klar unverzichtbar für mich. Aber ohne die Thematik, deren Wirt quasi die Musik ist, wäre diese auch uninteressant für mich.



geschrieben von: Goat93

Ok, irgendwie war es einfach Logisch das die Frage
jetzt kommt:

Wie isn das Lebensgefühl gemeint bzw. empfunden?



geschrieben von: sozialgrufti

da steht dir dieser typ gegenüber und du denkst nur "was will dieser arsch von mir?!" und aus einer leeren birne starren dich zwei glasige augen an. was willst du nun tun? wegrennen?



geschrieben von: gruftigirl

Früher konnte man das Phänomen Gothic eher beschreiben, als wie das heute der Fall ist.
Hobbymäßig streife ich regelmäßig durchs Netz, um Berichte und Bilder von "den früheren Goths" und ihrer Lebenseinstellung zu sammeln und muß schmerzlich feststellen, daß davon heute fast nichts mehr übrig ist. Allein schon das Optische. Damals sehr auffällig, schwarz only, trafen sie sich am Tag (!), geschminkt und gestylt, heute wird sich nur noch für Festivals und Clubs zurechtgemacht, im Alltag paßt man sich auch schön an, um nicht anzuecken. Der "Gothicstyle" selbst vermischt sich mit etlichen anderen Elementen, die eher an Techno, Rocker, Teds, Manga oder Beate Uhse erinnern... Himmel!!!! Da bleibt einem nur der Rückzug zu seinem eigenen Kosmos, eingehüllt in einen Traum, den man sich selber zurechtbastelt. Gothic ist undefinierbar, und ich sehe in letzter Zeit auch immer weniger Gemeinsamkeiten, da ist mir das niedlich anmutende Schimpfwort "Grufti" schon tausendmal lieber, denn damit kann ich meine Optik, mein Lebensgefühl und meine Musik noch am ehesten ettikettieren.
"Goth is what you make it", so ein bekannter Werbeslogan. Welcome to the real world.
Leider. :(



geschrieben von: Mestigoth

Ich habe nicht unbedingt ein Problem mit dem Fetisch-Kram. Überlagerungen mit anderen Post-Punk-Szenen (Psychobilly zum Bleistift) gab es auch damals schon. Auch halte ich Gothic nicht für undefinierbar. Man muss zur Kenntlichmachung eben eine fast 30jährige Geschichte mit einfließen lassen.

Eher ist es so, dass heute an sich keiner mehr Bock hat, Bestandteil einer Kultur zu sein und sich mit den festen Strukturen, die sich über Jahrzehnte gebildet haben, anzufreunden. Also mischen die Leute Komponenten verschiedener Szenen kunterbunt zusammen. Andererseits unterlassen sie es aber auch nicht, sich als Goths zu bezeichnen, obwohl von dieser Szene oft nur noch Spurenelemente vorhanden sind. Schizoides Volk. ;)

Gothic, wie du ihn suchst, gibt es nicht mehr. Es gibt keine Grufties mehr, Endzeitromantiker schon gar nicht. Von denen redete man noch anno 1996, danach finden sie überhaupt keine Erwähnung mehr. Was übrig blieb, sind eben jene Goths, die sich an den Früh-80ern orientieren (Bettkäfer) und ein paar Fields-Goths, die sich irgendwo in Großstädten wie Berlin verfestigt haben.

Selbst die Leute, die heute in Kleidern und Korsetts rumhüppen und von denen man meinen könnte, sie würden Dead Can Dance oder ähnliches konsumieren, entpuppen sich allzu oft als einfache Metal-Bräute mit Vorliebe für Within Temptation, Cradle of Filth und anderen Murks. Ein gutes Beispiel dafür, dass man sich nicht mal mehr am Aussehen orientieren kann, um eine Person einer bestimmten Szene zuordnen zu können. :p



geschrieben von: gruftigirl

Mestigoth, wie Recht Du hast.
Leider... :(



geschrieben von: vengeance

Oo
ein Beitrag von Mestigoth, dem ich sogar mal einigermaßen zustimmen kann. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Aber mich lässt das eigtl echt kalt. Wenn es keine strukturen mehr gibt, nach denen ich mich richten könnte, dann bin ich eben kein Grufti, aber das, was mich interessiert, ist gruftig.

Und zwar nicht im Sinne von Szenekrams sondern der Sache an sich (Ein Mausoleum z.b. zu studieren )

Schöne Nacht noch ! :)



geschrieben von: Lord_Fallerton

Zitat:
Original geschrieben von Odessa
Gotentum war in den Anfängen eine Lebenseinstellung, die sich bei den meisten Goten dadurch auszeichnete daß man sich für die melancholischen, morbiden und dekadenten Dinge des Lebens interessierte. Die von mir erlebten Goten (ich kann wie immer nur von persönlichen Erfahrungen und nur die englische "Szene" betreffend reden) waren offen für alles, was nicht in genormten Denkschienen verlief; sie waren politisch engagiert und das weder links noch rechts, sondern "an humanen ethischen Werten orientiert im Einklang mit Natur und Mitgeschöpfen"; sie waren unterwegs in der Natur, alte Burgen, Ruinen und Wälder erforschend; sie zitierten Kafka, Baudelaire, Shakespeare, Byron und Wilde und zeichneten oder schrieben sich mit Leidenschaft die Seele leer und die Finger wund; sie lebten jede Emotion intensivst und schämten sich für keine; sie waren introvertierte Exzentriker und extrovertierte stille Wasser und da war kein Widerspruch darin, sondern es war authentisch das "was sie selbst waren". Und sie waren dies weder zwingend in Schwarz noch mit einer anderen "Uniform-Vorgabe", denn sie trugen vom weinroten victorian dress bis zur Lederkluft alles Mögliche. Sie dachten ja gerade NICHT in Uniformschablonen a la "Welche Kleidung muß ich tragen, welche Gesichtsfarbe darf ich haben und welche Stiefel nur damit ich trendy bin". Sie lebten ihre eigenen Porträts von Verfall, Lust, Leid und Dekadenz und genossen jede Sekunde ihres Lebens als wäre es die letzte, und meist gerade wegen der traurigen, schmerzenden, schwarzen Momente darin und der emotionalen Tiefe, die diese ihnen bescherten. Oder wie jemand mal sinngemäß formulierte: Wahre Goten sind nicht in einer Szene, sie SIND (ihre eigene) Szene.

DAS ist mein Leben(-sgefühl) und ich habe es mir nicht ausgesucht. Ich entdeckte über Jahre und ohne Vorbilder, dass ich "anders" war. Als ich immer mehr Faszination (und Angst) vor/an diesem Anderssein fand, war ich bald froh zu wissen, dass ich nicht der einzige komische Kauz auf der Erde bin.
Danke Ilo, diese Worte hätte ich nicht besser schreiben können.

P.S.: Eine Metallerin hat mir mal gesagt, dass die 100%igen Rammstein-Fans in ihrer Szene für Prollos gehalten werden.



geschrieben von: darksideoflife

Zitat:
Original geschrieben von Odessa

[...]

Gotentum war in den Anfängen eine Lebenseinstellung, die sich bei den meisten Goten dadurch auszeichnete daß man sich für die melancholischen, morbiden und dekadenten Dinge des Lebens interessierte. Die von mir erlebten Goten (ich kann wie immer nur von persönlichen Erfahrungen und nur die englische "Szene" betreffend reden) waren offen für alles, was nicht in genormten Denkschienen verlief; sie waren politisch engagiert und das weder links noch rechts, sondern "an humanen ethischen Werten orientiert im Einklang mit Natur und Mitgeschöpfen"; sie waren unterwegs in der Natur, alte Burgen, Ruinen und Wälder erforschend; sie zitierten Kafka, Baudelaire, Shakespeare, Byron und Wilde und zeichneten oder schrieben sich mit Leidenschaft die Seele leer und die Finger wund; sie lebten jede Emotion intensivst und schämten sich für keine; sie waren introvertierte Exzentriker und extrovertierte stille Wasser und da war kein Widerspruch darin, sondern es war authentisch das "was sie selbst waren". Und sie waren dies weder zwingend in Schwarz noch mit einer anderen "Uniform-Vorgabe", denn sie trugen vom weinroten victorian dress bis zur Lederkluft alles Mögliche. Sie dachten ja gerade NICHT in Uniformschablonen a la "Welche Kleidung muß ich tragen, welche Gesichtsfarbe darf ich haben und welche Stiefel nur damit ich trendy bin". Sie lebten ihre eigenen Porträts von Verfall, Lust, Leid und Dekadenz und genossen jede Sekunde ihres Lebens als wäre es die letzte, und meist gerade wegen der traurigen, schmerzenden, schwarzen Momente darin und der emotionalen Tiefe, die diese ihnen bescherten. Oder wie jemand mal sinngemäß formulierte: Wahre Goten sind nicht in einer Szene, sie SIND (ihre eigene) Szene.

[...]




...es ist, als wenn Du in meiner Seele gelesen hättest und die Worte, die ich nicht für das Gefühl finden konnte ausgesprochen hast.

Danke dafür!

lg



geschrieben von: NeonForce

Ich verstehe die heutige Gothic Szene nicht mehr ... weil was ist da übergeblieben ? Ein haufen Leute die nicht mal wissen woher das ganze kommt ... und sich nach Katalogmode anziehen und auch nix anderes sind als Mitläufer ... geschweige von Musikgeschmack ... Schaut man sich nur mal die "Gothic" oder "Wave" Musik von heute an .. Billig produzierte scheisse aus dem Computer mit schlechten Volksmusik Texten zum mitsingen und das alles mit einen Eimer schwarzer Fabe übergossen und einen Tropfen Bösheit .. Fertig ...Einfach zum Kotzen !

Wen man heute zum Dj geht und nach einen Song fragt der wirklich was von gothic oder wave hat dan kennt der den nicht mal .... und dieses Technogebabbel wird den heutigen Gruftis die in die Szene neu reinkommen vorgesetzt

Doch einen kleinen Kern gibt es noch in dem ich mich persönlich am liebsten bewege .. echte New Wave Partys mit Musik die wirklich noch aussagen hat und das "düstere" / "endzeitstimmung" wiederspiegelt.

Gothic war damals eine Undergound Szene und was ist es heute ?
Gothic kommt vom Punk was ist da heute noch über ? Uniformierte SS Faschingsleute ? Mädchen mit Bunten Plastikzöpfen und einen Staubmaske ? ...... mir kommt es so vor wie wen das eine Loveparade für Schwarze geworden ist ...

Die meisten partys sind nur noch vermischtes aus allen möglichen Musikrichtungen die über die Jahre erfunden wurden wie "Future-Pop oder Batcave"

Ich für meinerseits bin "New Waver" und absuluter Retro Fan ... ich kan mit dem was derzeit einen als "Gothic" verkauft wird nix anfangen ....

Und das was hier in Bayern los ist ist wirklich armselig ...



geschrieben von: darksideoflife

Denkst du vielleicht, Dir geht das alleine so?

Wenn Du heute mit Joy Division (Ian, Gott hat Dich Seelig), Bauhaus, Sisters, Siouxsie, Cure oder die frühe GOD als Musikwunsch kommst, dann schauen Dich zwei große DJ Kulleraugen mit einer kleinen Träne an. Den Mukke Koffer hat er mit Sicherheit irgendwo im Keller neben den LP's eingemottet. Oder es kommt ein "Sorry Mann, das kann ich nicht auflegen, dann fege ich den Club leer... !" Häääää, was? Für den Veranstalter muss Umsatz rein, dass ist alles was heute zählt!

Ein Gothicevent mit der Mukke von damals wäre ein finanzielles Fiasko, denn das hört die heutige schwarze Szene halt nicht mehr, defacto käme auch keiner zu der Veranstaltung. Die meisten der ersten Generation rennen eh ihren Kindern, in ihrem Job oder ihren Träumen hinterher. Die haben keine Zeit mehr dafür und verstehen nicht, was mit ihrer Scene in der Zwischenzeit passiert ist. Die sind nicht sauer, das es in der zwischenzeit Musikalische neuentwicklungen gibt. Die sind sauer, weil ihr Ettikett auf alles aufgeklebt wird, was Geldeinahmen verspricht schwarz halbnackig und suspekt daherkommt.

stay goth ;)



geschrieben von: NeonForce

Wobei ich finde es schön das es auch viele junge leute gibt wie mich die die Musik von damals mehr schätzen als was heute läuft und auch sich so eine kleine Szene in der Szene aufgebaut hat.

Man hat dan seine eigenen Partys, Leute, Klamotten usw. aber irrgentwie gehört man doch dan zum großen Ganzen .. ich glaube das macht die Szene aus die kleinen aufteilungen .. auch wen nicht jede Stilrichung mit der anderen zurechtkommt .. aber was heute läuft das hat mit allendem nichts mehr zu tun und wen dan, wird eh nur noch gecovert und von alten Sachen abgeschaut .. man siehe MTV und den neusten Aderlass Sampler ....

Für den kleinen Kreis der wirklich noch sich als "Waver" fühlt sei gesagt: Es gibt den Undergound immer noch man muss nur danach suchen und halt nicht in die nächstbeste "Gothic" Disco fahren oder im Zillo nachlesen wie man sich Anzieht und welche Musik gerade läuft ...


Ich muss sagen ich bin Dj und mache Partys und ich kenn es wen man nach der ersten Party vom Besizer gesagt bekommt das geht nichts mehr mit einer weiteren Party.. Aber ich such mir immer Alternativlocations denen es nicht auf Profit ankommt.
Das sind dan Punkerschuppen oder Freizeitheime so wie damals wo keine große Bar dinnen ist mit 50 verschienen sorten Schnaps und riesiger Lichtanlage ... Das sind karge wände einer Industriehalle im Neonlicht mit Nebel wo dan auch zu Songs wie Bauhaus und Co. die richtige stimmung aufkommt und da tanzt auch keiner wie wen er gerade ne pille Extasy eingeschmissen hat ...

NEW WAVE IS NOT DEAD !



geschrieben von: Goat93

Generell würd ich mir wünschen, wenn es zumindest mal
ausgeglichene Dj Sets geben würd. In einigen Läden
bzw. Veranstaltungen (z.B Return of the Livinf Death
in Hamburg) hat man das ja auch schon, in vielen anderen
eben leider fast gar nicht bis gar nicht.

Es kann allerdings auch sein, das gerade die neu aufgezogenen
Partys die mit schlechten Dj Set sind, denn die Return ist
schon älter ^^"



geschrieben von: Lord_Fallerton

Hier in Hannover hat man den Luxus mehrerer Clubs, so dass die (ortsansässigen) DJs kommerziell lohnende Parties für die "alte" Generation und deren Nachfahren im Geiste veranstalten können - zumal ein Clubbesitzer und Veranstalter inclusive seines Teams dieser o.g. Generation angehören. Ein Glücksfall, vielleicht der richtige Riecher für ein potent(iell)es Publikum, denn die Damen und Herren älterer Jahrgänge sind zumeist in Lohn und Brot und somit als zahlende Gäste durchaus interessant.
Man gehörte geschlagen nützte man diese Gelegenheit nicht aus. Außerdem wird den Gästen so der Rahmen für ein wenig Jugendarbeit und Nachwuchsförderung gegeben. Es gibt zum Glück immer wieder jüngere, die wirklich Interesse und Begeisterung zeigen, die froh sind, dass ihnen jemand hautnah berichten kann von früher.
Nichts lässt sich besser nachvollziehen, als wenn man Antworten auf eigene, konkrete Fragen bekommt. Man kann (Lebens-)gefühl nicht immer nur mit Worten ausdrücken, weil die emotionale Komponente fehlt auf dem Papier alter Geschichtsbücher.



geschrieben von: crawler23

Gothic ist bunt, nur eben etwas mehr dunkelbunt ...

Es gibt so viele Facetten ich selbst kann diese nicht zusammenfassen jedoch schau ich gern mal hier und mal dort ...
Ich teile die Welt nicht in Gothic und Nichtgothic ein sondern in Farbabstufungen . Natürlich bediene ich auch einige Klischees die damit verbunden sind . Ich mag die Abenddämmerung und die Nacht, auch trage ich am liebsten schlichtes Schwarz habe in meinem Zimmer gedimmtes schwaches aber warmes Licht und höre gern dunkle atmosphärische Klänge (egal welcher Musikalischen Schublade) aber ab und zu mag ich eben auch mal das Sonnenlicht und helle schnelle Musik, auch mag ich viele verschiedenen Kulturen und ihre Lebensweisen . Es ist schwer da zu sagen ich sei Gothic denn für mich ist dieser Begriff so dehnbar wie stempelbar ...
Also bin ich ein Multikultidunkelbuntgruftigothic ? *g* Ich weiß es nicht, ich weiß nur wofür ich mich interessiere und was ich mag .

Ich mag das dunkle mystische, ich mag das Licht . Nur die Abwechselung von beiden Zuständen mit ihren Abstufungen macht für mich das Leben lebenswert .
Ich mag es meine Gedanken nicht nur um das Hier und jetzt kreisen zu lassen .
Ich mag mich nicht allein sehen aber mag auch die Einsamkeit, eben immer im Wechsel vom Alleinsein zur freundschaftlichen Gesellschaft .
Manchmal mag ich sogar das verschnörkelte altmodische sowie das marode verfallene . Alles ist endlich und doch blüht es nach der Endlichkeit immer wieder auf ...
Habe eine ganz eigene Vorstellung vom Tod . Diese Vorstellung zwinge ich keinem auf und noch erwarte ich das diese jemand teilen muss .


(oh je was schreibe ich hier denn für einen Quark xD) na ja aber ich meine das was ich geschrieben habe schon ernst .

Vielleicht ist auch alles mit dem Yin und Yang Symbol zu erklären ...
Das dunkle hat einen hellen Punkt in seinem inneren und die helle Seite hat einen dunklen Punkt im inneren . Vielleicht ist ja bei den meisten nur die Hülle schwarz aber das innere "erleuchtet" ... (trifft nicht auf alle zu)

Na ja erst die Nacht macht den Tag erklärbar und das Licht den Schatten oder ?


So nun abseits dieser komisch verschnörkelten Worte sage ich das nicht die Hülle über "Gothic" entscheidet sondern seine eigene Lebensweise und auch die eigenen Vorstellungen davon . Eben die Lebensweise in der man sich wohl fühlt . Das äußere und das musikalische/künstlerische sind ein schöner Nebeneffekt und auch diese Aspekte sind durchaus wichtig, sie prägen so was wie eine kleine Schutzhülle auch wenn unter diesen Schutzhüllen meist sehr verletzliche Wesen stecken ...

Aber gibt eben auch den spaßigen hellen Aspekt, Galgenhumor (klingt zwar nicht hell aber das Lachen das es bewirken kann is durchaus "hell" *g*) jap der punkige Aspekt der immer noch den Großteil der Gothicwurzeln im musikalischen ausmacht is nicht wegzudenken . Auch die mittelalterliche Gaudi und die fast schon sportliche Metal Musik sind wichtige Begleiterscheinungen .
Ach auch das Elektrogedudel ist ein eigenes kleines Musikuniversum .

Es lohnt sich nicht sich zu sehr auf eine Sache fest zu legen sondern Offenheit und Neugierde sind Eigenschaften die das Leben erst lebenswert machen egal welcher Szene man sich zugehörig fühlt . Man muss auch mal über seinen Tellerrand blicken ...
Das ist natürlich jedem selbst überlassen !

Hehe vielleicht ist ja die "böse" Absicht der Gothics am Abend Licht zu spenden und am Tag den Schatten zu spenden .

*arks* *meinekomischegedankenzudemthemaausschalt*






:D



geschrieben von: Phoenix1384

Einst versuchte ich so zu sein, wie alle anderen. Dann versuchte ich gothic zu sein. Doch beides, weder "die Anderen", noch "Gothic", kann dir sagen WER du bist und ich begriff, dass ich im Grunde auf der Suche nach mir selbst bin.



geschrieben von: devilcat

Interessant.... VIele behaupten das sie kein Goth/Gote (oder wie ihr es nennen wollt) sind. Aber ihr seid alle hier in einem Gothic Board. *lach*



geschrieben von: rosenkind

Zitat:
Nun wirft sich wiedermal die Frage auf, was ist Gothic, wann bin ich einer und muss ich dem Klischee entsprechen um ein ''echter'' Gothic zu sein?


Mein Rat: stelle dir nicht die Frage "was muss ich tun, um ein echter Goth zu sein", sondern die Frage "was liegt mir eigentlich". Viel zu oft werden Subkulturen (heute) leider Menschen getragen, die sich mehr nach den "Klischees" richten, als nach dem was eigentlich wirklich aus ihnen selbst heraus kommt. Das ganze endet dann in ewigen Pseudo-Gedöns (bei den "Jüngeren") und Szene-verfall-Leiern (bei den "Älteren"), was eigentlich ziemlich schade ist. Eine Lebenseinstellung oder Lebensgefühl, was ja so oft betont wird, kommt entweder aus einem selbst herraus oder eben nicht. Vielleicht ist man nicht der Obergruftie wie er im Buche steht, wenn man authentisch bleibt, aber es ist doch wesentlich schöner einen Nachtspaziergang mit Leuten zu machen, die auch gerne mal ins Solarium gehen, aber so einen Nachtspaziergang wirklich lieben, als mit einer Gruppe bleicher Gestalten, die nur des lieben Gruftieimages wegen durch die Dunkelheit wandern. ;)
Ohnehin scheinen mir Szenen, wenn man sie als absolut nimmt, wenn man "Mitglied" sein will und sich nicht nur einfach darin ab und an bewegen zu wollen, ein viel zu enges Korsett zu sein, um so etwas wie eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Letzten Endes interpretiert man, wenn man noch jung oder noch neu ist, viel zu viel in das alles hinein, was im Endeffekt eigentlich nur etwas ist, was von einem selbst kommt. Das, was die Szene ausmacht, ist Wirklichkeit nur etwas oberflächliches. Damit verlieren Nachtspaziergänge aber noch lange nicht ihren Wert ;), sie stehen nur nicht mehr unter dem Label "Gothic", sondern "Menschen, die gerne Nachtspaziergänge machen" und das ist oftmals viel viel wertvoller



geschrieben von: Goat93

Zitat:
Original geschrieben von devilcat
Interessant.... VIele behaupten das sie kein Goth/Gote (oder wie ihr es nennen wollt) sind. Aber ihr seid alle hier in einem Gothic Board. *lach*


Ich bin auch in einem Politik Board und bin kein Politiker
*Hysterisch lach*



geschrieben von: devilcat

Wat für ein Brüller. Aber man ist in einem Forum weil man sich mit den Dingen beschäftigt. TU ich zumindest. Und wie schon gesagt wurde gibt es viele Richtungen warum einer das ist was er ist.

Finds nur lächerlich das hier so viele in diesem Thread meinen sie seien keine und auch alle anderen wären keine nur weil es dann so und so war.

UNd Politiker kann doch jeder werden der leere Versprechen macht
:q
bye ihr hipphopper



geschrieben von: Goat93

Zitat:
Aber man ist in einem Forum weil man sich mit den Dingen beschäftigt


Jo, das macht dich aber noch lange nicht zu dem, womit
du dich beschäftigst, gelle ;)

Zitat:
Finds nur lächerlich das hier so viele in diesem Thread meinen sie seien keine und auch alle anderen wären keine nur weil es dann so und so war.

Is doch toll, das gibt dann keine Streitereien, wenn jemand
denkt er wäre was was er nicht ist :D :p



geschrieben von: Lord_Fallerton

Zitat:
Original geschrieben von Goat93
Jo, das macht dich aber noch lange nicht zu dem, womit du dich beschäftigst, gelle ;)
Eben. Ich bin in einem DVD-Forum, aber ich bin keine DVD. Denke ich zumindest...



geschrieben von: Goat93

Ach ja, wenns schon fies zugeht

Devilcats Vorstellung hier:

Zitat:
HI,
Ich bin 21 aus Bremen. Mache grade mein Fachabi fertig und lebe mit Freund, Kater und mit 5 Frettchen(zur Zeit 2 auf Pflege sonst nur 3) am Rande von Bremen

Obwohl ich immer in Schwarz rumlaufe bzw zu 99%^^ bin ich kein Gothicfrau.

An Music höre ich gerne:
Rock, Rock-Metal, Metal, Gothic-Metal

Wenn ihr mehr wissen wollt dann fragt.



Darf man fragen, was du dann hier machst, wenn di gar
keine Gothicfrau bist, es aber total lächerlich findest, das
man als Nicht Goth hier postet? :rolleyes:



geschrieben von: Frau Abgebrueht

Es wird alles Neue verurteilt.
Ihr habt die Szene von früher kennengelernt und es ist klar, dass man sich mit den neuen Abspaltungen nicht identifizieren kann.

Nur weil jemandem The Cure nicht gefällt, hat er gleich keine Ahnung von Musik?
Weil jemand bunte Plastikdreads trägt, kann er kein gothisches Lebensgefühl empfinden?

Es gibt neue Gruppierungen und die Leute finden sich untereinander zusammen. Wie sie sich nennen oder wie sie Gothic für sich selbst definieren, geht niemanden von uns etwas an und wir können es nicht verurteilen.
Pseudos gabs schon immer und wird’s auch immer geben. Aber was interessiert euch das? Wenn sie sich nur am Wochenende als Goth fühlen wollen, mein Gott, lasst sie doch?
Warum sind alle so verbittert und alles ist ja so scheiße heutzutage. Lebt doch euer eigenes Leben.


Auch wenn es euren alten Vorstellungen von Gothic überhaupt nicht entspricht.
Ihr habt mit diesen Leuten nichts zu tun, freut euch doch, dass ihr das "WAHRE" erleben und leben durftet. Junge Menschen haben nun mal nicht diese Szeneerfahrung und warum sollten diese nicht das Recht haben so etwas ähnliches (oder etwas eigenes) zu spüren und sich selbst finden zu können?

Und man ist eben nicht deswegen individuell und einzigartig, weil man die typische Definition von Gothic nicht vertreten kann. Man stützt sich irgendwie auf den Kern des Gothic-daseins, das Ganze ist eine grobe Einteilung und wir gehören alle irgendwo dazu, sonst wären wir wohl nicht hier. Was soll daran schlecht sein sich Goth nennen zu wollen? Die meisten haben doch nur Angst mit allen anderen über ein Kamm geschert zu werden, immer dieses Verlangen nach Individualität.
Natürlich ist jeder Mensch individuell, es gibt einige die ihr eigenes Ding durchziehen und andere die einfach so mitschwimmen, aber im Prinzip wurden wir alle von irgendwas beeinflusst, egal ob Musik oder soziales Umfeld oder oder oder... Und ihr solltet jedem Menschen seine eigene Entwicklung lassen.



geschrieben von: Goat93

Ganz unzynisch gefragt, wieso machen die ganzen jungen
Leute (und das ist in sich auch wieder nur ein Klischeepunkt,
denn viele sind gar nicht so jung) nicht ihr "Eigenes"...
Cyber Pagan Dance Music oder Aggrotech sind doch
tolle Begriffe :)
Ich mein, was ist es denn, das sie immer diese Schlagwörter
nutzen müßten, weil wegen vonnöten sind die doch eigentlich
gar nicht, oder?

Ansonsten spulst du auch nur die Klischees wieder ab, die
man ständig hört (was du uns ja eigentlich vorwirfst ^^")
Es ist scheißegal was man hört und wie man rumrennt,
solange man weiß warum man das macht und was man
macht, gelle ;)



geschrieben von: Krea

Zitat:
Lebt doch euer eigenes Leben.


Ich überlege grade, ob das nicht im Grunde eh jeder tut - für sich und aus seiner eigenen Sicht, versteht sich.
Die Sichtweise Anderer ist dabei m. E. für den Einzelnen mehr als irrelevant...



geschrieben von: rosenkind

Zitat:
Junge Menschen haben nun mal nicht diese Szeneerfahrung und warum sollten diese nicht das Recht haben so etwas ähnliches (oder etwas eigenes) zu spüren und sich selbst finden zu können?


Das erste hat mit dem zweiten nichts zu tun. Ich glaube inzwischen, Szenen fördern eigentlich das Gegenteil von "etwas eigenes spüren" und "sich selbst finden". Szenen erschaffen Normen, die sich fast bis hin zum Dogma steigern. Die ganze Pseudo-Diskussion ist ein gutes Beispiel dafür. Zum Pseudo wird jemand erklärt, der dem gewünschten Profil nicht entspricht. Das Problem ist ein Verselbstständigungsprozess des ganzen: in den Ursprüngen existiert keine Szene, in den Usprüngen existieren nur ganz individuelle Menschen, die irgendwann irgendwie feststellen, dass sie etwas gemeinsam haben, was sie verbindet, sie haben Persönlichkeit und Authentizität, im Laufe des Prozesses aber wird dieser Inhalt vom Menschen getrennt und "schwebt" quasi frei in der Luft, dieser freischwebende Inhalt wird plötzlich ein Kriterium um sich erlauben zu können zu sagen "ich gehöre dazu", denn dieser Inhalt ist bei einer größer werdenden Gruppe das einzige, was von außen noch wahrgenommen werden kann. Die sozialen Prozesse, die innerhalb einer kleineren Gruppe ablaufen, die die Sache eigentlich ausmachen, bleiben unsichtbar für Außenstehende. Die interessierten Außenstehenden übernehmen also den Inhalt der Gruppe, passen sich dem an und pressen sich somit in eine Form, die ursprünglich eigentlich gar keine vorgebene Form war, sondern letztendlich nur der Konsens der in der Urgruppe beteiligten Individuen. Je größer die Subkultur wird, umso mehr schreitet dieser Prozess voran, irgendwann kommt er dann auch an einen Punkt, so nicht mehr die Subkultur über die ihre eigenen Normvorgaben und Zwänge bestimmt, sondern einzelne aus der Gruppe zur Gallionsfigur werden und über das Recht darauf, zu bestimmen streiten, oder noch schlimmer: die Marktwirtschaft entdeckt die Subkultur und reißt dieses Bestimmungsrecht an sich. Am Ende ist die Szene ihrer eigentlichen Intentionen vollständig entfremdet. Diesen Punkt hat die Gothic-Szene längst erreicht bzw überschritten, was man an den Verfallsprozessen sieht. Das Problem ist allerdings und da gebe ich dir Recht, dass dieser Zustand nicht nur an den "jungen" liegt, sondern wird von allen mitgetragen, die sich mit der Szene identifizieren und andere, die sich auch damit identifizieren entweder als Gleichgesinnte ohne Berücksichtung der Gruppendynamiken ansehen oder aber als Eindringlinge, die in die Gruppe kommen und die Werte verkehren und damit eigentlich den "Inhalt" selbst von der Gruppe lösen und selbst als quasi "freischwebend" ansehen. Das passiert eigentlich immer und ist imo der Grund dafür, dass Szenen nur eine gewisse Haltbarkeitszeit haben.

Entgehen kann man dem ganzen übrigens dadurch, dass man versucht, eine neue "Urgruppe" zu schaffen: eine Urgruppe benötigt keine Szenekenntnisse, sondern lediglich eine gemeinsame Idee. Und die ist dann auch viel authentischer als das wissen darüber, welche Bands anno 1992 auf welchem Festival gespielt haben, wo anno 1980 welche LP das erste Mal veröffentlicht wurde, welcher der erste Club war und dergleichen mehr. Es sei denn natürlich, es handelt sich um eine Band, die ihr alle gerne hört, weil sie für euch eine Aussage haben und euch von daher definitiv für die Jahreszahlen interessieren und der besagte Club der erste ist, wo diese Band rauf und runter gespielt wird ;)



geschrieben von: Lord_Fallerton

Danke Rosi. Ich dachte immer mit Worten umgehen zu können, zumindest mit genügend Zeit, um an ihnen zu Feilen, damit ich mir nicht die Zähne daran ausbeiße, doch deine Deutung erscheint mir wahrhaft brilliant!



geschrieben von: Goat93

Zitat:
Original geschrieben von Krea
Ich überlege grade, ob das nicht im Grunde eh jeder tut - für sich und aus seiner eigenen Sicht, versteht sich.
Die Sichtweise Anderer ist dabei m. E. für den Einzelnen mehr als irrelevant...



ich denke, die meisten haben keine eigenen ansichten
sondern übernehmen die ansichten von anderen, speziell
dem, was ihnen als "szene" vorgegeben wird. es ist
erstaunlich wie schnell und wie hartnäckig sich z.b
gerüchte und falschinformationen überall verbreiten.
wenn jemand wirklich eigene ansichten hätte, so würden
diese sachen doch ausbleiben bzw. nicht einfach frag/
gedankenlos aufgenommen und kopiert werden.

ich denke, das meiste ist anpassung damit man "dazugehört"
rosenkind hat wiedereinmal einen wirklich klasse post
dazu abgeliefert :)



geschrieben von: rosenkind

vielen Dank ihr beiden für das Komplimnet ;)



geschrieben von: ShainaMartel

Für mich ist es...
...ein weltabgehobenes, distanziertes und verträumtes Lebensgefühl.
...süße Melancholie, verbunden mit Romantik, Fantastik und sich daraus ergebender Mystik.
...Philosophie, Intellekt und geistige Erhabenheit über die Masse, ohne dabei intolerant zu sein.
...das Befassen mit Themen, die auf mich selbst mystisch und anziehend wirken, unabhängig davon, wie andere darüber denken.
...seine eigenen Ziele und Ideale, die man im Leben hat, durchzuziehen, ohne dabei irgendwelchen oberflächlichen gesellschaftlichen Normen zu unterliegen.
...nette und intelligente Leute zu treffen, mit denen man sich gut unterhalten kann und bei denen sich nicht verstellen muss.
...das Genießen des Lebens in all seinen Facetten.
...ich selbst sein zu dürfen, eine Mischung aus Intro- und Extraversion, ein Individuum, das gerne nachdenkt und trotzdem auch mal Spaß hat.
...ein breites Interessenspektrum haben zu "dürfen", für das man in der normalen Gesellschaft zumeist belächelt wird.
...mein eigenes Leben zu führen und unabhängig zu sein.
...das, was um mich herum geschieht, distanziert zu beobachten, ohne Teil des Ganzen zu sein.
...die Bestärkung all dessen durch tolle, tiefsinnige, intelligente und gefühlvolle Musik.
...der Ausdruck dessen durch vielfältige, hauptsächlich mystisch-morbide orientierte Ästhetik, die durch das Aussehen nach außen dargestellt wird.



Edit;
...
Es geht schon wieder los :D ;)





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