DarkHaze
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erstellt am 14-03-2009 um 15:29
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Sorry, dass ich aus Zeitgründen gerade nur auf den Ausgangspost von TrashNoir eingehe. Also @TrashNoir
Zitat: Ob sich neue Kapazitäten ergäben, wenn sich Menschen als Kollektiv betrachten könnten, in welchem der Einzelne keine wichtigere Rolle spielen will, weil es ihm nicht um seine eigene Hervorhebung, sondern weil es ihm um die Weiterentwicklung der Gruppe "Meschen" geht?
Das ist kein Gedankenexperiment wert, sondern einen Blick in kollektivistische Gesellschaften, etwa Westchina oder besser Vietnam. Dort herrscht wenig Individualisierung, was sich auch auf das Gedankengut auswirkt. Normen, Werte und Regeln existieren eher in einem kollektivistischen Sinne; private Philosophien sind rar. Ich würde tendenziell annehmen, dass diese Form von Mentalität sinniger ist, wenn man Normsysteme als gemeinsame gesellschaftliche Wirkkräfte versteht. Im Gegensatz dazu scheint die individualistische Mentalität Wettbewerb zu fördern in der Form, als dass sich jeder die Normen setzt, die für ihn und die für ihn relevante Mesosysteme die ertragreichsten sind. Das resultiert in sozialen Dilemmata die in ihrer Summe einen harten, kalten und kalkulierenden Denkcharakter erfordern. Was ich damit eigentlich zum Ausdruck bringen will ist: Die verschiedenen Denkweisen, kollektivistisch und individualistisch, resultieren in qualitativ unterschiedlichen Kapazitäten. Entweder betrachtet man das Gedankengut, welches primär in den Beziehungen zwischen den Menschen und in der gemeinsamen Schnittmenge des Gedankenguts gespeichert ist (kollektivistische Anteile) oder man betrachtet primär das Gedankengut, welches primär in den interindividuell verschiedenen Beziehungsnormen und in der Differenzmenge des Gedankenguts gespeichert ist (individualistische Anteile). Keines von beidem ist "besser" oder "größer" oder sonst irgendwie was. Es sind ganz verschiedene Perspektiven auf das Wissen, die man nicht in Relation zueinander stellen kann, weil sie nicht quantifizierbar und zu unmittelbar miteinander verknüpft sind. Die Frage tiefer zu explorieren wäre bestimmt interessant, aber dazu fehlen mir definitiv die Erkenntnisse :-).
Zitat: Ist das Chaos der Unstruktur nun ins Unendliche Gewachsen? Wie Ruhe und Struktur finden? Gibt es einen Weg durch den Dschungel dieser sich wiederholenden, widerlegenden, sinnlosen und sinnvollen Informationsflut?
Ich denke hier werden zwei Dinge vermischt, die zwar zusammengehören, aber keinesfalls gleichwertig sind: A) Die Sozialisation eines Individuums und B) Die Wissenschaften in ihrer Entwicklung. Während der Sozialisiation, also während der gesamten Lebensspanne, konstituiert ein Individuum seine subjektive und seine objektive (Um-)Welt. Es lernt und (re)agiert - vor allem in den ersten Lebensjahren, aber auch darüber hinaus bis zum Lebensende. In dieser Zeitspanne wird eine gewisse Sprache und eine gewisse Kultur erworben. Dass dabei nur ein sehr kleiner Ausschnitt des gesamten Erkenntnisspektrums vermittelt wird, der teils typisch und teils atypisch ausfällt, ist logisch. Dahingegen entwickeln sich Wissenschaften, auch die Philosophie, weiter und weisen in ihrem Werdegang eine immer höhere Dynamik und eine immer ausgeprägtere Interdisziplinarität auf. Die Erkenntnisse differenzieren sich aus in kleinste Erkenntnisbereiche, die bei Bedarf anhand verschiedener konventioneller Gütekriterien überprüft werden; gleichzeitig konvergieren Einzeldisziplinen in Teilbereichen zu verschmolzenen Erkenntnisfeldern. In sofern kommt es zu einer Differenzierung und zu einer Zusammenführung gleichzeitig auf vielerlei Ebenen. Führt man A) und B) zusammen, wird schnell ersichtlich, dass in dem chaotisch anmutenden Wust aus "Erkenntnissen" nur ein willkürlicher, momentan dominanter Anteil erlernt und angewandt wird. Ich vermute, das ist der Punkt, den du in etwa meinst. Ich behaupte an dieser Stelle aber, dass es eine unzulässige Vereinfachung darstellt, dieses komplexe Netz an Erkenntnissen als nichtig zu erklären, nur weil es so etwas wie einen Zeitgeist gibt, der übrigens notwendig ist, um zumindest einen kleinen Teil des der Erkenntnissumme "sozialisierbar" zu machen. Angesichts der Tatsache, wie beschränkt das Erkenntnisvermögen einer einzelnen Person ist, ist es doch sogar sehr erstaunlich, wie sich die heterogene Masse an Individuen durch komplementäre und konträre Teilerkenntnisse ergänzt. Dass man die Zusammenhänge auf den ersten oder zweiten Blick nicht mehr erkennt, heißt lange nicht, dass diese Informationsflut sinnlos oder gar stupide repetitiv ist.
Zitat: Oder ist sie dazu verdammt, sich nur ständig selbst zu reproduzieren, schlimmstenfalls zu verblöden?
Den Begriff "Verblödung" schmeißt jeder in letzter Zeit um sich, ohne sich überhaupt begrifflich zu machen, was das bedeuten soll. Meist driften Personen, die man danach genauer fragt, ab in plattitüdenartige oberflächliche Darstellungen von ein paar Beispielen oder in maßlose Übergeneralisierung, in sofern ist der Begriff oft paradox, da er schnell auf den Verwendenden zurückfällt. Aber ich will ja auch nichts übergeneralisieren. Also: Was meinst du mit "Verblödung"?
Geändert von DarkHaze am 14-03-2009 um 15:33
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