Montrose
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erstellt am 28-06-2005 um 12:24
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Zitat: - Rechtlich gesehen ja, aber den Täter gibt es auch schon vorher. Die Täterdefinition eines irakischen Revolutionsgerichtes würde ich zB nicht anerkennen
Es ist ein Unterschied, ob man sagt, eine Sache existiert nicht, oder ob man sagt, sie wird falsch angewandt. Daß ein "Revolutionsgericht" falsche Urteile spricht, heißt ja nicht, man solle die Justiz abschaffen, sondern es heißt, man muß die Justiz verbessern.
Nebenbei, Du flüchtest wieder einmal in den Irak, anstatt im eigenen Lande zu bleiben. Das habe ich oben schon einmal angemahnt, daß es keine Kunst ist, die Fremden mit Dreck zu beschmeißen. Unsere Aufgabe sind aber nicht die Iraker, sondern wir Deutschen. Deutschland ist unser Lebensraum, hier spielt die Musik für uns, und nicht irgendwo anders.
Der Trend ist bei den jüngeren Deutschen schon ein bißchen da, Probleme einfach "wegzuschaffen" anstatt sie zu lösen. Die Fragen der Moral und Konflikte sind ja da. Aber anstatt die Fragen zu beantworten, sagen manche: es gibt keine Moral, es gibt keine Konflikte. Und das ist so, wie wenn man mit verbundenen Augen Auto fährt.
Ja, was mich selbst zutiefst erstaunt, diese Morallosigkeit beißt sich überhaupt nicht mehr mit der religiösen Anschauung. Das Christentum wird geradezu als Freibrief mißverstanden: Jesus = Liebe = alles ist gut .... deshalb kann es überhaupt kein falsches Handeln mehr geben. Ich habe in letzter Zeit solche Leute kennengelernt und muß sagen: da wird wirklich jedes Fundament, auf dem man noch ein Unrechtsempfinden aufbauen könnte, ausgehebelt. Da wird das Höchste für das Niedrigste mißbraucht.
Sieht man von der Religion mal ab.... jedwede neudeutsche Moral ---vor allem dieser Idiotenbegriff Toleranz --- hängt völlig unbegründet in der Luft.
Das, was konkret zwischen Menschen abläuft, wird aufgelöst in irgendwelche nebelhaften Nichtskonzepte. Man redet nicht mehr über das, was man tut, sondern über Philosophie, über irgendetwas, daß möglichst weit weg von der Realität ist.
Schuld hingegen ist ein sehr einfacher Sachverhalt. Es gibt ja auch den Ausdruck "er/sie ist etwas schuldig geblieben". Damit ist gemeint: er/sie hat etwas unterlassen, was er/sie hätte tun müssen, um Schaden zu vermeiden.
Eine andere Frage ist, ob die Rechtmäßigkeit eines Urteils vom Gericht abhängt. "irakisches Revolutionsgericht" .... Woher willst Du wissen, ob es dort nicht Täterdefinitionen gibt, die man auch hier in Deutschland nachvollziehen könnte.
Wenn im Dritten Reich ein tatsächlicher Dieb als Dieb angeklagt und verurteilt wurde, dann ist das Urteil (auch nach heutiger Auffassung) rechtens, auch wenn der Gerichtshof einem Unrechtsregime angehörte.
Es ist ein ---vor allem auch in der linken Anarcho-Szene -- beliebter Trick, das Gericht durch seine Infragestellung oder Diffamierung abzuschaffen, weil man meint, man hätte mit dem Gericht auch die Schuld abgeschafft. Aber der Trick scheitert. Auch wenn ein falsches Verhalten nicht angezeigt, nicht verurteilt oder von einem falschen Gericht beurteilt wird oder es überhaupt kein Gericht gibt .... bleibt ein falsches Verhalten ein falsches Verhalten.
Zitat: - Was hat das mit Schuld zu tun?
Schuld wird im gesellschaftlichen Bewußtsein abgeschafft. Alles gilt als richtig. Das ändert aber nichts daran, das Handeln Konsequenzen hat... ob ich das jetzt schuld oder gut/böse oder falsch/richtig oder zweckmäßig/unzweckmäßig nenne, ist völlig egal.
Zitat: Und wo ist die Relativierung? Siehst du eine Relativierung von Schuld?
Überall. Wie schon gesagt, es ist sehr modern, alles für richtig zu halten. Und für die Konsequenzen kommt dann halt ein anderer auf. Pech gehabt.
Ich sehe das im privaten Bereich ... der Wegwerfmensch, die völlig überzogenen Erwartungen an die eigene Bedeutung und an andere.
Ich sehe das im politischen und wirtschaftlichen Bereich, in denen angeblich nur noch tote Mechanismen anstatt Menschen lenken, was ja wiederum eine Leugnung der Schuld ist.
Das Problem ist: wenn wir leugnen, daß wir am Lenkrad unseres Autos sitzen, dann können wir es nicht mehr steuern ... und fahren in den Abgrund.
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