dyonor
verlassen von allen guten geistern
Registriert seit: Mar 2005
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erstellt am 10-04-2005 um 19:06
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natürlich ist „Das Silmarillion" etwas ganz anderes als „Der Herr der Ringe", und ich kenne etliche leute, die es angefangen, aber nicht zu ende gelesen haben, weil sie nach „LOTR" etwas anderes erwartet haben. ich selbst mag es sehr, da ich mich sehr intensiv mit mythen beschäftige. zum einen hat Tolkien hier wirklich einen mythos verfasst, was sich in den sujets, im ton, auch in der entwicklung zeigt, die sich in seinen schriften sehr gut nachlesen lässt. die vorstufen zu diesem werk, im „Buch der verschollenen Geschichten" gesammelt, geben darüber deutlich auskunft; hier tritt auch der kontext zu tage, in den er das ganze eingebettet sehen wollte, z. b. was die elfen betrifft, die ja geschöpfe der englischen mythen und märchen sind, aber eben winzig klein (wie der Puck im „Sommernachtstraum"). insofern macht die deutsche übersetzung „elben" sinn (eigentlich ist „elf" ja „elfe" und „elves" der bekannte plural); aber die elben sind eben keine elfen, oder anders herum: aus den elben, die in Mittlerde verblieben (vor allem dunkelelben, moriquendi; besser noch: avari, widerstrebende) werden im laufe der jahrtausende des vierten zeitalters die elfen. sie sterben nicht, aber sie schwinden (im übrigen gleichen sie bei ihrem ersten auftritt im „Hobbit" noch sehr den scherzenden, bisweilen gar nicht edlen, verspielten kleinen geschöpfen der mythen).
Tolkien ist es mit dem „Silmarillion" sehr gut gelungen, die hintergründe für die englischen mythen zu liefern - also das zu erzählen, was man hätte erzählen können, hätte man eine derart ungebrochene tradition wie die isländer hinter sich gehabt. das buch beruht auf gründlichen kenntnissen der mythen des westens und nordens - die er, als professor für englische sprache, spezialität altenglisch, natürlich hatte. es zeugt aber auch von seiner erzählkunst, denn die geschichten sind nicht nur spannende und tragische heldenlieder, sondern auch in einer passenden sprache verfasst, in hoher sprache ... was mir nicht nur nach einem „hobby-autoren" aussieht ...
ich habe das „Silmarillion" mittlerweile genauso oft wie der „Herrn der Ringe" gelesen und möchte es nicht mehr missen. eine geschichte wie die von den kindern Hurins ist einfach eine mitreißende und exzellente erzählung, genauso wie die anderen, die von Beren und Luthien natürlich vornweg ...
@Paisuma: es ist kein alterswerk, sondern sein lebenswerk - er hat 1917 angefangen, es zu schreiben (Book of the Lost Tales); und - siehe oben - es soll ein mythos sein, keine erzählung. daher die anderen sprache und die geringere psychologisierung der charaktere (wobei das nicht auf alle zutrifft, Turin etwa ist ein wirklichere charakter, kein mythologischer typus)
Geändert von dyonor am 10-04-2005 um 19:08
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