Nnordy
Vakuum
Registriert seit: Oct 2003
Wohnort: in der 1. Schlachtreihe oder im Schneckenhaus
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erstellt am 15-01-2008 um 04:07
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Ich hatte es angekündigt, wie so vieles in meinem Leben - ein neuer Pfad. Passend, irgendwie, denn von der Zwischenstation, die mein Leben momentan ist, schicke ich mich an, neue Wege zu beschreiten. Sie sind anders als alles, was ich je erwartet oder gar auf dem Schirm gehabt hätte, doch sie sind meine, und das ist gut so.
"Atmen wird sowieso völlig überbewertet." Nein. Wie fühlt sich ein beinahe Ertrunkener, wenn der erste Stoß reinen Sauerstoffs in die fast zusammengefallenen Lungen gelangt? Nach einer langen Zeit, in der ich das Atmen fast verlernt hatte, in der ich auf reine Existenz, versunken in einer Lethargie, die ich mir selbst auferlegt hatte, reduziert war, habe ich nun begonnen, langsam wieder zu lernen was Leben heißt. Ich lebe wieder, habe die Existenz erweitert und erneuert und mir selbst ins Gesicht gesehen. Habe mich tiefer und tiefer in mich hineingegraben um endlich einmal den Gründen für meine Blockaden und falschen Mechanismen zu begegnen, und habe sie gefunden. Und ich habe angefangen, etwas dagegen zu tun. Habe damit aufgehört, mich selbst zu bekämpfen, denn diese Kämpfe habe ich immer verloren. Habe gelernt, was loslassen bedeutet. Es war eine harte Lektion, eine sehr schmerzhafte noch dazu, doch es lebt sich besser. Und schließlich habe ich auch gelernt, daß Akzeptanz der Schlüssel zu allem ist. Ich habe gelernt, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann, und sie gegebenenfalls loszulassen. Manche Dinge werde ich nie ändern können, im speziellen dann nicht, wenn ich nur Empfänger, nicht aber Sender bin - doch ich kann meinen Umgang damit ändern, und das ist eine ganze Menge.
Mein Leben ist das reine Chaos, doch ich liebe es dennoch. Mein altes Leben gibt es nicht mehr, das neue, so es denn eines geben sollte, hat noch nicht wirklich begonnen. Ich stehe an einer Zwischenstation, denn es sind noch einige Dinge zu klären und abzuschließen. Das Studium. Der Job. Und eigentlich wollte ich auch endlich, endlich weg von hier, weiter in den Norden oder in den Nordosten. Weg aus der Provinz, dorthin wo das Leben pulsiert, wo ich neu beginnen kann. Ich war an einem Punkt, wo mich hier nichts mehr hielt, und genau betrachtet ist das noch immer der Fall. In einem halben Jahr werde ich entscheiden müssen, ob ich gehe oder nicht. Wenn ich die ausstehenden Dinge abgeschlossen habe. An einem rosaroten Horizont zeichnen sich ein paar Sonnenstrahlen ab, die meinen Entschluß, dieser Stadt den Rücken zu kehren, vielleicht erschüttern könnten. Nichts muß, alles kann. Längst vergessene oder nie gekannte Gefühle fluten mit einem Mal mein Selbst, überfluten mich und mein Herz mit einer Wärme, die nach all der Zeit in den kalten Weiten des Äthers so wohltuend ist und sich anfühlt wie ein befreiender Atemzug. Ich hätte nie gedacht daß es einen Menschen geben könnte der so viel Wärme nicht nur ausstrahlt, sondern auch geben und teilen kann.
Es gibt einen letzten Rest eines kleinen Knäuels namens Furcht in meinem Bauch. Die Angst davor, nichts anderes als immer und immer wieder nur ein 'guter Anfang' zu sein. Doch diesmal ist alles anders. Ich muß vieles neu lernen, doch diesmal bleibe ich einfach, was ich bin - ich selbst. Keine Rollen. Keine Masken. Keine Show, denn es ist nicht nötig. Ich genüge, immer, wenn ich ich selbst bin. Feuer, nicht heiße Luft. Katze genauso wie Wölfin. Ich kann gut allein sein, doch ich genieße auch die Gesellschaft, denn ich kann es wieder. Ich ertrage wieder Menschen um mich herum, und endlich ist diese vermaledeite Glasscheibe in Stücke gesprungen, die mich immer davon abhielt, wahrhaft heranzukommen, die mich immer ins Abseits drängte, die mich immer beiseite schubste. Es gibt noch immer zwei Seiten an mir, Tag und Nacht, Leuchten und Dunkelheit. Es gibt die verkörperte Lebensfreude und die fleischgewordende Melancholie, es gibt die Sprüche die Lächeln auf Gesichter zaubern können und es gibt die erratischen Monologe die bis auf Seelengründe hinabtauchen können. Und dabei bleibe ich immer ich selbst, bleibe immer offen, bereit, alles anzunehmen, was das Leben mir offeriert. Ich dränge mich niemandem auf, und ich zwinge niemanden dazu, mir zuzuhören. Ich habe viel, sehr viel verloren, aber ich gewinne auch jeden neuen Tag Neues hinzu. Alte und neue Menschen sind in mein Leben getreten und beginnen, einige der schmerzhaften Lücken zu füllen. Ich beginne damit, meine wieder erwachten Träume zu leben, weiß, daß ich nun Dinge tun werde die ich mir vorher immer versagte, und fühle mich dabei lebendiger als je zuvor.
"Du bist total krank, mit Deiner Kamikaze-Einstellung..." Ja. Es ist mir gleich, ob ich lebe oder sterbe. Ich liebe das Leben, ich liebe mein Leben, doch wenn ich heute sterben müßte, wäre das in Ordnung, denn ich stehe an der Zwischenstation, an der ich mit mir im Reinen bin. Endlich lebe ich mein Leben so, daß ich mir selbst wieder in die Augen sehen kann. Endlich verstehe ich mich, nicht immer, aber doch öfter, und kann zu mir stehen. Ich habe noch nicht aus all meinen Fehlern gelernt, aber ich bin wieder sensibel für meine Gefühle und Bedürfnisse und erkenne die Zeichen, wenn sie auftreten. Nein, es wäre nicht schlimm, würde der Sensenmann heute an meine Tür klopfen und nach meinem Außenband auch mein ganzes Ich mitnehmen, denn zum 1. Mal kann ich sagen "Je ne regrette rien". Es war mein Weg, und es war vielleicht nicht der schönste, nicht der geradeste, nicht der beste, aber es ist meiner gewesen. Es gab Dinge, die ich zu bedauern, zu bereuen hatte, und ich habe es getan und habe dann meinen Frieden damit gemacht. Leben passiert heute, nicht in der Vergangenheit. Loslassen, auch hier. Es fiel schwer, sehr schwer. Aber es war nötig, und schließlich lösten sich meine Finger von dem, was mir einst lieb und teuer war. No regrets. Dankbarkeit, ja. Es gibt Nahziele, und es gibt Dinge, die ich gern noch tun würde, bevor ich abtrete. Doch wenn es nicht sein soll, dann ist es ok. Daher: Kamikaze. Angst gehört zu den Begriffen, die mir endlich, endlich gestohlen bleiben können und müssen, denn Angst lähmt. To hell. Ich will keine Angst mehr haben.
So stehe ich, atmend, an der Zwischenstation zwischen Vergangenheit und Zukunft, die sich Gegenwart nennt. Turbulent geht es hier zu, und ein Koffer ist wohl auch im falschen Zug gelandet, doch das ist kein Beinbruch. Es gibt auch dafür eine Lösung. Ich bin nicht allein, es gibt Menschen, die da sind, mich begleitet haben und begleiten, die mir zur Seite stehen und mich so sein lassen wie ich bin. Die mir helfen, wenn ich Hilfe brauche, die mir ihr Vertrauen schenken wie ich es umgekehrt auch tue, die mich nicht nach dem beurteilen was ich war sondern nur nach dem, was ich bin. Die nicht nach reinen Äußerlichkeiten gehen, sondern sich die Mühe machen, näher hinzuschauen. Die mich meine Grenzen suchen und testen lassen, denn das Wissen um die eigenen Grenzen ist notwendig, wenn ich im neuen Leben ankommen will. Grenzgängerin, as usual. Wie froh bin ich, daß es noch Menschen gibt, die nicht vorschnell urteilen. Und wie froh bin ich, daß ich so viel gelernt habe, daß ich endlich auch wieder weiß, wie atmen geht.
... One thing, I don't know why
It doesn’t even matter how hard you try, keep that in mind
I designed this rhyme, to remind myself how
I tried so hard
In spite of the way you were mocking me
Acting like I was part of your property
Remembering all the times you fought with me
I'm surprised it got so (far)
Things aren't the way they were before
You wouldn't even recognize me anymore
Not that you knew me back then
But it all comes back to me (in the end)
You kept everything inside and even though I tried, it all fell apart
What it meant to me will eventually be a memory of a time when
I tried so hard
And got so far
But in the end
It doesn't even matter
I had to fall
To lose it all
But in the end
It doesn't even matter...
(Linkin Park, In the end)
Was am Ende zählt, ist nur die Intensität des Moments. Jeden Moment bewußt und intensiv leben. Es ist nicht die Dauer, die zählt - es ist die Intensität. Nie zuvor habe ich so intensiv gelebt wie genau jetzt. Es ist überwältigend - und wunderschön.
Atmen. Ein - Aus.
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In memoriam:
TomTom (15.5.2003 - 18.7.2008)
the mighty Chinchilla-Kacksack, the one and only Chinchilla-Diva, world's famous Destroyer of all things possible, Über-Mama von vier niedlichen Nachwuchs-Zerstörern (*2005, *2006, *2007, *2008), Gefährtin (und manchmal auch Hausdrache) von Foggy.
Foggy (24.2.2005 - 18.6.2012)
unglaublich lieber, verschmuster und hin und wieder treudoofer Fellball, Weltmeister in Sandbad-Demonstrationen und Hoch-Weit-Sprung.
Nico (26.4.2008 - 23.11.2012)
Wüster und seinem Papa in Sachen Schusseligkeit in nichts nachstehender kleiner Kacksack, Energiebündel und Kämpfer bis zur letzten Sekunde.
Hugin (5.9.2007 - 13.6.2013)
Neugieriger, scheuer und dennoch sanftmütiger kleiner Fellball, Hochsprungmeister, Sandbadrekordhalter, tapferster aller Kämpfer und Ebenbild seiner Mama.
Rest in peace. Ihr fehlt mir.
Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn't do than by the ones you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails.
Explore. Dream. Discover.
(M. Twain)
"To do is to be." - Platon
"To be is to do." - Kant
"Do be do be do." - Sinatra
... Phoenixbaby im Aschehaufen...
Geändert von Nnordy am 15-01-2008 um 05:31
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