devotion
belongs to passion
Registriert seit: Oct 2002
Wohnort: Im Herzen des Sturmes
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erstellt am 16-05-2003 um 18:33
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Manchmal schreibe ich Briefe, ohne sie abzusenden. Gelegentlich, weil der Empfänger nicht mehr in der Lage ist, diese zu lesen, oft auch, weil er oder sie nicht mehr in Kontakt mit mir steht oder meistens einfach, weil ich nicht möchte, dass der Empfänger sie erhält. Klingt seltsam, oder? Doch es ist gar nicht so abwegig, seine Gedanken und Gefühle erst einmal auf Papier (oder Monitor) zu bannen, bevor man sich selbst darüber klar wird, ob man sie dem anderen gegenüber wirklich äußern kann und will. Manchmal kann das nämlich ein riesengroßer Fehler sein. Manchmal aber auch genau das Gegenteil. Deshalb liegen bei mir jede Menge unabgeschickte Briefe herum, wo ich mich einfach nicht getraut habe, mich zu offenbaren. In einigen Fällen ist es heute zu spät dafür. In anderen Fällen war es richtig. Vielleicht habt Ihr ja auch unversandte Briefe ... die hier einen Platz finden könnten.
devotion
Mein geliebter Panther,
diese Mail wird Dich nie erreichen, genauso wie die Gedichte, die ich Dir schrieb. Oder vielleicht doch, irgendwann, nicht heute und nicht die nächsten Tage. Warum das so ist? Ich habe Angst vor Dir. Nein, nicht ganz, nicht vor Dir, sondern vor uns. Und selbst das ist missverständlich, denn offiziell gibt es gar kein "uns", nicht mal wir selbst gestehen es "uns" ein. Verwirrend, wahrhaftig. Wie die stundenlangen Telefonate, die sich manchmal ganze Nächte hinziehen, obwohl es einfacher wäre, ich würde mich in den nächsten Zug setzen und zu Dir fahren. Zwischen uns liegen keine Welten, zumindest nicht im räumlichen Sinne, jedoch in anderem schon.
Bist ein Großstadtindianer. Seh das Bild noch deutlich vor mir. Wie wir da auf den klammen schwarzen Steinen saßen, eingehüllt in eine Decke, die den Nieselregen abwehren sollte, was sie nicht tat. Ich mit meinen hohen Stiefeln, Du barfuß, wie fast immer. Der Met, der uns von innen wärmte. Das Schmunzeln der anderen, als wir uns dann endlich trennten und aus der Decke sich zwei so verschiedene Geschöpfe schälten, die kleine Gothica und der große Wildfang. Ja, Welten liegen zwischen uns. Und doch sind wir uns ähnlich. Fühlen ähnlich, denken ähnlich. Zu ähnlich manchmal.
Und schon steigt meine Angst wieder hoch. Machst mich zu Deiner Vertrauten. Ja, das freut mich, doch bin ich das wert? Hab auch Angst, Dir weh zu tun. Weiss sehr wohl, wie verletzlich Du hinter Deinen Masken bist. Suchst Nähe, suchst meine Stärke, wünschst Dir, dass auch ich mich öffne, Dir meine schwachen Seiten zeige. Und alle meine Selbstschutzmechanismen springen an. Ich konnte so lange gut mit Dir umgehen, so lange ich wusste, was Du von mir willst. So lange es nur "das Eine" war, war es Okay. Doch das war es eben nicht, niemals. Welch eine Überraschung.
Was soll ich Dir sagen? Dass ich Dir traue und misstraue gleichermaßen? Dass ich Dich liebe und mich vor Dir fürchte auch? Dass ich Dich begehre und gleichzeitig wünschte, Du hättest mir nicht gesagt, was Du empfindest für mich? Dabei hat sich ein Teil von mir so wahnsinnig darüber gefreut .. und freut sich noch, und weiss, dass wir uns die nächsten Tage irgendwann sehen werden, und ist begeistert darüber, während sich irgendwo eine zarte Stimme zu Wort meldet: "Ich habe Angst."
Und ich drehe mich im Kreis. Wieder mal. Und doch ist es auch wieder anders. Ich weiss, Du siehst mich manchmal klarer als ich mich selbst. Und das gibt mir Hoffnung, Hoffnung, dass Du in mir lesen kannst, wenn mir die Worte fehlen, wenn mich die Angst hindert, sie auszusprechen. Du bist geduldig, so lass mir Zeit, lass einem "Wir" Zeit. Ich werd versuchen, die Gräben zu überbrücken, die ich selbst gezogen habe, um mich zu schützen. Und doch kann ich nicht versprechen, dass ich es schaffe, dass ich Dich nicht zurückstoßen werde, Dich nicht so erfolgreich vergraulen, wie ich das bisher bei fast jedem geschafft habe.
Weisst Du, hier liegen Dutzende von Briefen, die meine vorige Beziehung nie erhalten hat. Ich bin mir nicht sicher, ob es etwas genützt hätte. Ich glaube nicht. Aber ich denke, es würde nützen, mit Dir darüber zu reden, was mich bewegt. Irgendwann. Wenn ich mir sicherer bin. Wenn diese zarte Stimme in meinem Innern schweigt. Oder ich stark genug bin, mich über sie hinwegzusetzen.
Ich glaub, Du bist es wert, diesen Kampf mit mir selbst. Ich habe zwar nicht die geringste Ahnung, wo das enden wird, doch ich freue mich darauf, Dich wiederzusehen. In Deiner Nähe gibt es keine Fragen, keine Zweifel, nur den Rausch des Augenblicks, durchbrochen nur selten von jenem Kind, das in mir verzweifelt um Gehör schreit: "Ich hab Angst!" Du weisst, dass es existiert, nimm ihm die Angst, bitte.
Deine Tigerin
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Die Erde ist eine Hölle, in der nur die Träume der Menschen Paradiese zu schaffen imstande sind.
Geändert von devotion am 16-05-2003 um 18:36
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