Nnordy
im Winterschlaftraumatod
Registriert seit: Oct 2003
Wohnort: in der 1. Schlachtreihe oder im Schneckenhaus
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erstellt am 05-04-2012 um 15:52
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Ich sitze… in einem dunklen Raum ohne Mobiliar, auf einem kalten Steinboden. Bekleidet nur mit einem meiner geliebten kurzen Samtkleidchen, Spagettiträger, meine Ringelstrümpfe habe ich an, aber die Stiefel sind weg. Es ist hier drin so kalt, daß mein Atem in deutlich sichtbaren kleinen Wolken durch die Luft wabert, und es würde mich nicht einmal wundern, wenn er zu Eiskristallen gefriert und leise klirrend am Boden zerspringt. Mir gegenüber eine Stahltür, an der weiße Farbe abblättert. Keine Fenster, irgendwo spendet eine trübe Funzel ein wenig steriles Neonlicht. Alles hier ist kalt. Völlig fruchtlos daher mein Versuch, mich vor der Kälte zu schützen, indem ich mich klein mache, die Knie angezogen bis zum Kinn, die Arme zwischen Oberschenkeln und Oberkörper, um nicht zu viel nackte Haut preiszugeben.
Ich warte… auf den Klang eines niederfallenden Richterhammers. Auf die vernichtende Verlesung des Urteils. Darauf, dass sich die Stahltür mit einem häßlichen Quietschen öffnet und mich ein Henker zu meinem letzten Gang abholt. Zitternd, aber ich werde mich nicht der Angst geschlagen geben. Ich werde mich nicht dafür schuldig fühlen, daß in mir ein Feuer brennt, das niemals verlöschen wird. Sie umkreist mich, die Angst, schaut mich an mit kalten grauen Augen, knurrend, bedrohlich. Tief atme ich ein, schließe meine Augen und gehe zurück, zu einem Moment in dem die Kälte keinerlei Platz hatte, weil die Hitze zweier Flammen jeden Raum und jede Pore flutete. Elektrisierend, voller Sehnsucht, voller Verlangen. Und dann kann ich fühlen, wie eine winzige Flamme aus der Vergangenheit hinüberspringt ins Hier und Jetzt und sich in meinem Inneren ausbreitet, so dass die Kälte weicht. Als ich meine Augen öffne, schaut mich die Angst immer noch an, doch sie spürt, ebenso wie ich, daß sich etwas verändert hat.
Ich lächle, mein raubtierhaftes Lächeln, entfalte meine Glieder und meine Muskeln. Begebe mich auf die Knie und blicke der Angst direkt ins Gesicht. Das leise Knurren einer großen Raubkatze. Muskeln und Nerven wie Stahlseile. Stemme mich auf die Füße, ohne den Blick abzuwenden. Du wirst mich nicht besiegen. Ich dränge sie zurück, das verunsicherte Monster, Schritt für Schritt, weil ich nicht gegen sie verlieren will. Noch ein Schritt. Sie kann nicht weiter, gefangen in einer Ecke. Blickduell. Gefletschte Zähne. Die Anspannung im Raum fast körperlich spürbar. Und auch wenn sich die Tür jetzt öffnen sollte, werde ich sie weiter in Schach halten. Vielleicht werden wir einen Waffenstillstand schließen. Denn der Weg, der jetzt vor mir liegt, auf dem Worte warten, die ich vielleicht nicht hören will, Gesten, die ich vielleicht nicht sehen will – den will ich ohne sie gehen. Dabei mache ich mir nichts vor. Bei der nächsten Begegnung wird sie noch bei mir sein. Und deshalb breite ich meine Arme aus, gehe lächelnd auf sie zu und bin bereit, Kratzer und Bißwunden davonzutragen, aber ich weiß, sie ist ein alter Teil von mir, der viel mehr werden kann als er jetzt ist. Sie kann mir dabei helfen, meine Mechanismen zu verstehen, Falsches zu erkennen und daran zu arbeiten. Ich blicke ihr in die Augen, die grauen Augen, die ihren Schrecken für mich verloren haben, nehme sie an und werde eins mit ihr, damit ich über mich hinauswachsen und dem Henker eine reinhauen kann, wenn er kommt, um mich zu holen.
Heute wird nicht über mich gerichtet, auch morgen nicht. Denn zuallererst werde ich mich selbst richten. Ja, ich stehe erst am Anfang des Weges. Natürlich habe ich Angst vor dem, was da kommen mag. Aber ich kann es nicht ändern und ich kann es nicht verhindern. Ich werde es einstecken und ich werde es überleben. Und wenn nur eine weitere Narbe bleibt – es war es wert. Etwas, das Du vielleicht nie verstehen wirst, aber ich. Daß ich das erkannt habe, war es wert. Denn es macht mein Leben und mein ganzes Sein so viel reicher, schmerzerfüllter, zwar, noch ambivalenter als es ohnehin schon ist, doch es ist ok. Ich bin. Nicht perfekt. Freakig. Durchgeknallt. Leidenschaftlich. Ungeduldig. Begeisterungsfähig. Dominant. Nur begrenzt kritikfähig. Tapfer. Hilfsbereit. Humorvoll. Mondsüchtig. Und noch so viel mehr. Es wird mich nicht umbringen. Und so beziehe ich Position, direkt vor der Tür, bereit für alles, was hereinkommen will.
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In memoriam:
TomTom (15.5.2003 - 18.7.2008)
the mighty Chinchilla-Kacksack, the one and only Chinchilla-Diva, world's famous Destroyer of all things possible, Über-Mama von vier niedlichen Nachwuchs-Zerstörern (*2005, *2006, *2007, *2008), Gefährtin (und manchmal auch Hausdrache) von Foggy.
Foggy (12.2.2005 - 18.6.2012)
unglaublich lieber, verschmuster und hin und wieder treudoofer Fellball, Weltmeister in Sandbad-Demonstrationen und Hoch-Weit-Sprung.
Nico (26.4.2008 - 23.11.2012)
Wüster und seinem Papa in Sachen Schusseligkeit in nichts nachstehender kleiner Kacksack, Energiebündel und Kämpfer bis zur letzten Sekunde.
Rest in peace. Ihr fehlt mir.
Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn't do than by the ones you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails.
Explore. Dream. Discover.
(M. Twain)
"To do is to be." - Platon
"To be is to do." - Kant
"Do be do be do." - Sinatra
... Phoenixbaby im Aschehaufen...
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