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Nnordy
Vakuum


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Old Post erstellt am 09-06-2009 um 09:17 Füge Nnordy zu Deiner Buddy-Liste hinzu Profil von Nnordy anzeigen Nnordy eine eMail schicken Besuche Nnordy's Homepage! Mehr Beiträge von Nnordy finden Nnordy eine Private Nachricht schicken Beitrag bearbeiten/löschen Zitieren

Abwärtsspirale. Je länger es dauert mit der Kurzarbeit, umso wertloser fühle ich mich. Bewerbe mich ständig und kriege nur Absagen. Das zehrt.
Und dann dieses Wochenende, an dem alles so furchtbar schief gelaufen ist. Es ist so schade - es hat eigentlich alles gut angefangen, und ich dachte, das Projekt hätte Zukunft. Doch irgendwas ist schief gegangen, und ich war wieder gefangen zwischen allen Stühlen. Du oben, ich in der Mitte, der Rest unten. Und ich, hin und her zwischen oben und unten und das einzig Gute daran war, daß die Worte aus mir herausflossen und es so zumindest ein positives Ergebnis hatte.

Ich hoffe so sehr, daß deine Entscheidung nicht endgültig ist, doch wenn sie es ist, und das sagte ich Dir gestern, dann werde ich es akzeptieren. Denn es bleibt mir auch nichts anderes übrig. Es soll Spaß machen, und den macht es Dir gerade nicht. Und ich, die ich dieses Gefühl, das Du erlebt hast, so gut kenne - ich werde nicht von Dir verlangen, daß Du dann weiter machst. Denn dafür liebe ich Dich viel zu sehr. Und dafür sehe ich viel zu viel von mir selbst in Dir.

Und trotzdem ich irgendwie damit umgegangen bin - seitdem befinde ich mich verstärkt auf der Bahn nach unten. Eines der letzten Refugien, die ich noch hatte, ist zu einem Alptraum geworden. Zur Zerreißprobe. Zum Kampf. Alles ist Kampf. Und jeder ist allein.

Ich weiß nicht, was mich mehr nach unten zieht - die Tatsache, wie es gelaufen ist und wie sehr Du darunter gelitten hast, oder die Aussicht darauf, daß es das unter Umständen nun gewesen ist. Einige würden frohlocken, würden sich freuen, schadenfroh sein. O ja, davon gibt es einige. Ich würde ein weiteres Grab in einer Ecke meines Herzens schaufeln, einen weiteren Traum begraben. Keiner hat Schuld. Nur leider funktionieren die meisten Dinge nie so, wie man sich das wünscht. Niemals.

Grau in grau. Mein Leben verliert seine Farben, und wieder mal habe ich keine Ahnung, wie ich es aufhalten kann. Ich brauche eine Veränderung, dringend, ich brauche Perspektiven, etwas, für das zu leben sich lohnt. Etwas, das meinen Alltag mit den leuchtenden Farben überzieht, die ich so liebe. Doch momentan ist da nur grau.

Was bleibt? Nur Buchstaben. Fliegendreck. Und doch das Einzige, was vielleicht verhindert, daß ich mich im Grau auflöse.

__________________
In memoriam:
TomTom (15.5.2003 - 18.7.2008)
the mighty Chinchilla-Kacksack, the one and only Chinchilla-Diva, world's famous Destroyer of all things possible, Über-Mama von vier niedlichen Nachwuchs-Zerstörern (*2005, *2006, *2007, *2008), Gefährtin (und manchmal auch Hausdrache) von Foggy.

Foggy (12.2.2005 - 18.6.2012)
unglaublich lieber, verschmuster und hin und wieder treudoofer Fellball, Weltmeister in Sandbad-Demonstrationen und Hoch-Weit-Sprung.

Nico (26.4.2008 - 23.11.2012)
Wüster und seinem Papa in Sachen Schusseligkeit in nichts nachstehender kleiner Kacksack, Energiebündel und Kämpfer bis zur letzten Sekunde.

Rest in peace. Ihr fehlt mir.


Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn't do than by the ones you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails.
Explore. Dream. Discover.
(M. Twain)



"To do is to be." - Platon
"To be is to do." - Kant
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Nnordy
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Graues Grau. Abwärts. Weiter und weiter. Es sind die kleinen Dinge, die manchmal am meisten weh tun.
So weh, daß ich mich vorhin an die Bilder von Dir, Opitz, klammerte, und die Tränen stumm über meine Wangen rannen. 10 Jahre Freundschaft einfach ausradiert, abgemeldet. Ich weiß, was mir fehlt. Eine beste Freundin, wie Du es warst, B. Aber das ist vorbei und zu Ende und ich werde niemals wissen was der Grund dafür war. "Menschen entwickeln sich und wir haben uns eben auseinander entwickelt." Solche Plattitüden von Dir zu lesen war schon vor Monaten ein Schock und ist es immer noch. Wann kann ich Dich endlich ganz loslassen, damit es nicht mehr weh tut? Ich habe deine Entscheidung akzeptiert - natürlich. Das ist auch eine Sache des Respekts. Doch an manchen Tagen ist es wie ein rostiges Messer, das in den Tiefen meines Herzens giftig vor sich hin gammelt. Eitert. Und ich kann es nicht herausziehen.

Manche Tage sind einfach nur Schmerz. Wie viele kleine Nadelstiche. Morgen habe ich nun endlich diesen beschissen Kernspin-Termin - wenn das Gerät nicht WIEDER kaputt geht - und werde dann hoffentlich wissen, was es ist. Ob es nur der Trigeminus ist oder doch was anderes. Egal wie - ich mag diese Anti-Epileptika nicht mehr nehmen. Auch wenn sie helfen. Aber sie machen mich noch müder, und in diesem Zustand rückt der Sommer in graue Ferne. Ich wäre heute so gern Motorrad gefahren, doch draußen nur Sturm und Regen. In mir Regen. Und an Tagen wie diesen hilft das von mir so geliebte Zitat "Es kann ja nicht immer regnen" nicht ein bißchen. Fühle mich hohl. Und die wenigen Freunde, die ich noch habe, scheinen mir seltsam entfernt. Es liegt nicht an ihnen, es liegt an mir. Unbemerkt hat sich die Maske wieder an mich herangeschlichen. Und ich hasse mich dafür, daß ich es habe geschehen lassen, daß ich nicht aufmerksamer war, es nicht bemerkt habe, bis es zu spät war. Ich werde es überleben. In nicht allzu weiter Ferne wird mein Leben vielleicht wieder zerbrechen. Noch mehr Löcher reißen. Und immer wieder werde ich feststellen, daß ich selbst daran schuld bin. Perfekt, Miss Longstocking. Soziale Inkompetenz ist mein 2. Vorname.

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Foggy (12.2.2005 - 18.6.2012)
unglaublich lieber, verschmuster und hin und wieder treudoofer Fellball, Weltmeister in Sandbad-Demonstrationen und Hoch-Weit-Sprung.

Nico (26.4.2008 - 23.11.2012)
Wüster und seinem Papa in Sachen Schusseligkeit in nichts nachstehender kleiner Kacksack, Energiebündel und Kämpfer bis zur letzten Sekunde.

Rest in peace. Ihr fehlt mir.


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Nnordy
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Schneckenhaus
Schneckenhaus
Keiner kommt hier raus
Keiner kommt hier raus
Sperr mich ein und
schließ das Tor
Keiner kommt hier rein
Und keiner kommt hier raus
im Schneckenhaus
im Schneckenhaus...


c/p Nnordy, 2009

Ja, Du hast es gleich richtig erfasst: Ich habe diese vermaledeite Situation sofort in einem Text verarbeitet. Wie ich es so oft tue. Geholfen hat es diesmal leider gar nicht. Außer, daß nicht ich mich verkrochen habe, sondern Du. Und ich konnte Dich so gut verstehen, und war doch hilflos, irgendwas zu ändern. Zwischen allen Stühlen. Der Song ist super geworden - Ironie des Schicksals. Die Hoffnung stirbt zuletzt - trotz allem. Ich möchte mit Dir weitermachen. Ich will keinen neuen Exnnord-Aufguß - das ist anderen vorbehalten, es gibt nur ein Original. Und ich weiß, daß es mit Dir in eine Richtung gehen würde, die weit genug von Exnnord weggeht um eigenständig gut zu sein. Aber das liegt überhaupt nicht in meiner Hand. Und ich kann nichts, gar nichts tun.

Der Kernspin hat nichts ergeben. Alles super, mein Hirn sieht genauso aus wie es aussehen soll. Nach 4 Wochen mit Anti-Epileptika ist von einem eventuell gereizten Trigeminus nichts zu sehen. Ich stehe also wieder am Anfang. Vielleicht sollte ich doch mal zum Heilpraktiker, denn so langsam habe ich von der Schulmedizin die Schnauze voll. Seit 6 Wochen bin ich jetzt von Arzt zu Arzt gerannt - Zahnarzt, Internist, HNO, Neurologe, Radiologe, und keiner findet was. Die Schmerzen hab ich mir aber definitiv nicht eingebildet. Und daß die Anti-Epileptika helfen leider auch nicht. Trotzdem kann es nicht der Weisheit letzter Schluss sein, daß ich diesen Scheiß noch monatelang schlucke. Ach verdammt. Irgendwas ist immer.

Einer der wenigen Momente in denen ich wieder mein altes draufgängerisches Selbst war - heute auf dem Motorrad. Ich mache mir weniger und weniger Kopf - und es wird immer besser. Ich freue mich drauf, morgen wieder mit dem Kater auf Tour zu gehen. Und ich liebe meine kleine Yamaha. Frei sein, der Wind zupft an mir, die Maschine beschleunigt und es ist fast wie fliegen. Meine Sorgen bleiben hinter mir, kommen nicht mit, und ein wundervolles Gefühl von Leichtigkeit, von Lebendigsein, durchströmt mich. Vielleicht fahre ich mir eines Tages damit den Schädel ein, doch das ist mir egal. Es ist das, was ich immer wollte, und einer meiner so lang gehegten Träume ist wahr geworden. Und eines der wenigen Schlupflöcher aus dem momentanen Grau.

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Old Post erstellt am 30-06-2009 um 09:36 Füge Nnordy zu Deiner Buddy-Liste hinzu Profil von Nnordy anzeigen Nnordy eine eMail schicken Besuche Nnordy's Homepage! Mehr Beiträge von Nnordy finden Nnordy eine Private Nachricht schicken Beitrag bearbeiten/löschen Zitieren

Why do all good things come to an end?

Es tut nicht mehr so oft weh, weil ich es schaffe, nicht mehr so oft daran zu denken. Nicht mehr so oft an Dich zu denken, B., die Du mehr als 10 Jahre meine beste Freundin warst. Ich schaffe es, Dich aus meinem Kopf zu vertreiben, zumindest manchmal. Und doch kommt es immer wieder hoch, spukt mir immer wieder die Frage, was da eigentlich passiert ist, durchs Hirn. Vielleicht habe ich unsere Freundschaft für zu selbstverständlich genommen. Vielleicht hast Du Dich von mir nicht mehr wertgeschätzt gefühlt, wie ein alter Hut, der ausgedient hat. Dabei hättest Du doch nur einmal den Mund aufmachen müssen. Ich war verliebt, in absoluter Euphorie, und habe dabei alles andere aus den Augen verloren - leider auch Dich. Und Du hast mir nie verziehen, wohl bis heute nicht. Alle paar Wochen höre ich mal was von Dir, bekomme ich eine Nachricht über eines der tollen sozialen Netzwerke. Das tut verdammt weh. Warum hast Du nichts gesagt?

Ich mache mir Vorwürfe, immer noch. Ich, mit meiner tollen Empathie, die dieses eine Mal komplett versagt hat. Ich habe nicht gemerkt, daß es Dir schlecht ging, habe nicht gemerkt, daß Du mich gebraucht hättest. Aber wie konntest Du jemals denken, Du seist mir egal? Eine Freundin wie Dich hatte ich nie zuvor. Jemanden, dem ich mich so öffnen konnte, mit dem ich so viel durchgemacht habe. Du und T. wart für mich da, als ich es am nötigsten brauchte, ich konnte mitten in der Nacht auftauchen - den Schlüssel hatte ich ja - und bei euch pennen, wenn es 'zuhause' nicht mehr ging. Das Gefühl von völligem Vertrauen, von einem sicheren Platz, und mindestens einem Paar offene Ohren - dafür werde ich Dir und ihm immer dankbar sein. Es war mehr, als jemals zuvor ein Freund für mich getan hat, und ich habe es Dir schlecht gedankt, das weiß ich. Und doch... warum mußte es so enden?

Es wird immer weh tun. Nach über einem halben Jahr habe ich damit aufgehört, mir vorzumachen, es würde irgendwann nicht mehr schmerzen. Es tut weh, weil ich es bis heute nicht ganz verstehe, weil ich nicht verstehe, was genau ich getan habe, um über 10 Jahre einfach auszulöschen, wie es wohl für Dich gewesen sein muß. Und Du wirst mir niemals verzeihen - was auch immer ich genau getan oder nicht getan habe. Auch das weiß ich mittlerweile, und ich muß es akzeptieren, muß, weil mir nichts anderes übrig bleibt, und kann es nicht. Ein bißchen ist es wie ein weiteres Stück, das aus mir selbst herausgebrochen ist, das mit Dir gegangen ist. Aber das darf ich ja nicht sagen, weil ich Dir ja keine "Jammer-Mails" schreiben soll (was natürlich von Dir nicht böse gemeint ist, wenn Du das so schreibst... das tat auch ziemlich weh...).

Letzten Monat durfte ich noch einmal einen Blick auf die alte B., die ich kannte, erhaschen - als Du aus F. zurück warst und ob des Verlaufs deiner Diplomarbeit nicht gerade glücklich. Da hörte ich die Freundin heraus, die ich mal hatte, da sah ich kurz den Menschen wieder, den ich einmal kannte. Und prompt war der Schmerz des Verlusts wieder so präsent, als sei er nie weggewesen. Die ganzen 3 Monate über habe ich immer wieder an Dich gedacht, Dir die Daumen gedrückt, auch Hilfe angeboten - die Du nicht angenommen hast. Und noch immer habe ich das Gefühl, das Du mir damit eine reindrücken willst, mich deine Abneigung spüren lassen möchtest, und ich verstehe nicht, warum das so ist. Wahrscheinlich ist es auch das Letzte, das ich mich hier, an einem der letzten Orte, die ich noch als Rückzugsgebiet nutzen kann, darüber auslasse, aber ich kann nicht anders. Bald ist dein Geburtstag, und es wird das 1. Jahr seit 13 Jahren sein, daß ich Dir nichts schenken werde, denn Du würdest es sowieso nicht wollen und außerdem bin ich ohnehin nicht da. Ganz zu schweigen davon, daß ich von einer eventuellen Geburtstagsfeier nichts erfahren werde, weil Du mich dazu nicht einladen würdest. Ach B.

Akzeptieren habe ich gelernt. Aber wenn ich nicht einmal verstehe, was überhaupt passiert ist, ist es fast unmöglich. Und es brennt, brennt, brennt - eine immer offene Wunde, die mal stärker und mal schwächer pocht. Und daß Melodramatik zu mir gehört, solltest Du nach so langer Zeit eigentlich wissen. Und daß es kein "Gejammer" ist, sondern ehrlich empfundenes Gefühl, im Grunde genommen auch. Schade.

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Es gibt so viele schöne Dinge.
Die Maus gestern Abend im Training.
Das kleine Eichhörnchen, das über die Straße lief und sich mit mir einen kurzen Staring-Contest lieferte.
Die Schäfchenwattewolken am blauen Himmel.
Die Sonne, wenn sie auf- oder untergeht und das Firmament blaurosaorangegelbrot färbt.
Die samtig schwarze Sternenhimmeldecke.
Das Strahlen in deinen Augen, wenn Du mich ansiehst, das Lächeln, das Du mir jeden Tag schenkst, das Feuer deiner Küsse und deine Umarmung, in der ich mich so sicher und geborgen fühle wie nirgendwo anders. Dein Lachen, deine unbändige Freude auch über ganz kleine Dinge, die Wärme die von Dir ausgeht, und dein niemals gebrochener Optimismus, dein Vertrauen in mich, deine Nähe zu mir, deine absolute Offenheit - ich bin so dankbar für all das und ich fühle so wahnsinnig viel für Dich in mir, daß mir fast die Worte fehlen. Glück - das sind viele kleine Momente. Und viele davon schenkst Du mir.
Bonjour, Madame Amour...

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Es tut nicht mehr weh. Dich gestern zu sehen, im Kreis deiner Bekannten und Freunde, lachend, scherzend – und deine Mail, Du würdest dich melden, wenn Du mal Zeit hast. Gestern habe ich wieder gesehen, wie ernst es Dir damit ist. Gestern habe ich zum ersten Mal ganz deutlich erkannt, wie feige Du geworden bist. Dass Du mir bis heute nicht sagen kannst, dass Du nichts mehr mit mir zu tun haben möchtest, dass Du mich immer noch hinhältst. Das ist so wahnsinnig arm. Es regt mich auf, aber es tut nicht mehr weh. Ich hab was Besseres verdient als diese miese Nummer, aber anyway – deine Entscheidung. Wie alles, was seit 1,5 Jahren passiert, und was ich bis heute nicht verstanden habe. Wenn ich das alles einbeziehe, auch einbeziehe, was ich gestern wieder erfahren habe, komme ich nicht umhin mich zu fragen, ob ich zu einem so wahnsinnig widerlichen Menschen mutiert bin, seitdem ich den Mut hatte, mein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Seitdem ich wieder mehr ich bin. Keine Ahnung, aber es muss wohl so sein. All die Menschen, die bis heute nie den Mut hatten, mir zu sagen, was Sache ist, die einfach still halten und hoffen, dass ich sie nicht sehe, oder dass sie mir nie wieder begegnen. Und dann die, die mir nach wie vor in den Weiten des Netzes hinterherlesen, begierig darauf, sich wieder über irgendetwas amüsieren zu können, und die vielleicht nur neidisch sind, weil die Intensität, die ich in meinem Leben habe, das ist, was ihnen möglicherweise fehlt. Keine Ahnung, und letztlich sind mir diese armseligen Leute auch fast egal. Aber Du – wirst es auch zunehmend, und das ist wohl auch gut so. Denn gestern habe ich gesehen, wie oberflächlich Du geworden bist. Ich wünsche Dir alles Gute, aber ich finde es schade, wie es heute ist. Ich weiß nichts mehr von Dir, aber ich weiß mit Sicherheit, dass ich Dir komplett egal geworden bin. Anyway, that’s life. Vielleicht kannst Du besser leben, jetzt, wo Du keine Gedanken mehr an mich verschwendest. Ich wünsche es Dir, denn dann wäre es das wert gewesen. Aber es ist schade, dass Du mich schon anlügst, um dich vor einer klaren Ansage zu drücken. Wie Du in der Vergangenheit versucht hast, mich dazu zu kriegen, diejenige zu sein, die diese Ansage macht. Sorry darling – das ist dein Job. Du hast es so gewollt, dann zieh es auch durch. Ich habe viel eingesteckt, vielleicht noch nicht genug. Vielleicht ist es ein Verbrechen, dass ich Madame Amour begegnet bin, dass es den Mann in meinem Leben gibt, der der Mann meines Lebens ist. Vielleicht ist es ein Verbrechen, dass ich meine ganze Kommunikation hauptsächlich über E-Mail mache, weil ich schriftlich viel besser rüberbringen kann, was ich meine, weil ich da viel strukturierter sein kann. Vielleicht, vielleicht. Aber Du – solltest es endlich tun. Gestern hat es so deutlich gezeigt, dass ich mich frage, ob Du es Dir lediglich noch nicht eingestanden hast oder warum Du es hinauszögerst, wie Du denken kannst, ich würde einfach so aufgeben. Du solltest mich besser kennen. Aber es wäre schön, wenn Du es noch über die Lippen brächtest. Das sollte ich Dir – nach 10 Jahren – doch wert sein. Wenn schon sonst nichts mehr.
Manchmal entwickelt man sich einfach auseinander. Manchmal muss man Leute verlassen. Aber nachtreten – muss man nicht. Sag es endlich. Damit ich endlich damit abschließen kann, und vielleicht irgendwann mal meinen Frieden damit machen kann. Ohne jemals verstanden zu haben, was eigentlich passiert ist.
Vielleicht wird es irgendwann eine andere Freundin geben, mit der es so ist, wie es mit Dir war. Ich würde es mir wünschen. Aber als der schreckliche Mensch, der ich zu sein scheine, hoffe ich da wohl vergebens.

An meine lieben Internet-Stalker: Ich hoffe, ich habe eure Erwartungen wieder voll erfüllt. Ihr seid widerwärtig.

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Manchmal wünsche ich mir mehr Immunität. Und mehr Gelassenheit. Dann würden mich manche Dinge nicht mehr kümmern. Aber es würde mich wohl auch weniger menschlich machen...

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Herbst

Auch wenn er mir auf die Stimmung drückt: Ich liebe den Herbst. Schon liegt am Morgen Nebel auf den Feldern, wird die Welt ein wenig unwirklicher, die Sonne ein blasses Himmelsgestirn mit schwindenden Kräften. Die Luft wird kühler, die Nächte wieder länger. Alles tritt einen Schritt zurück, auf den Schleier zu der für mich so untrennbar mit dem Herbst verbunden ist. Nebel-Wolken-Traum-Schleier. Die Vorfreude auf rot-gelb-bunte Blätter im Wald, Nüsse verbuddelnde Eichhörnchen, Zwielichtspaziergänge und watteweiße Land-Stadt-Fluß-Ansichten. Gedämpfte Töne, die Wiederentdeckung der Langsamkeit, Abschied vom Sommer und intensivere Nähe. Durch Laubhaufen rennen, in den Nebel eintauchen und die Welt für einen Wimpernschlag vergessen. Ich liebe den Herbst.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

(Hermann Hesse, November 1905)



Und wieder wird man mich missverstehen, wenn ich schreibe, dass ich mich in diesen Zeiten oft einsam fühle. Wird es falsch interpretieren als Gejammer, als Melodramatik, doch das ist nicht wahr. Menschen wie ich brauchen die Einsamkeit ab und an, brauchen das für sich sein und die Ruhe fernab vom Trubel lärmiger Menschenmassen. Mehr und mehr entfernt sich von mir, muss es wohl, doch es ist nicht mehr schlimm. Sanfte Melancholie wie die der blauen Stunde war schon immer wie eine zweite Heimat für mich, war schon immer etwas, das vertraut und freundlich war. Ich bin wie der Herbst. Werde transparent und leicht, löse mich auf in einer Windbö die die Blätter durcheinanderwirbelt und den Nebel auseinandertreibt. Und dann braucht es keine Masken und keine Contenance und kein Wissen mehr, in diesem elementare Zustand des einfach nur Seins. Allen Urteilen und Interpretationen entzogen, und wenn es nur für einen Moment ist. Es gibt die Sehnsucht noch, die Sehnsucht nach alten Gefühlen, nach Menschen, die mir einmal nahe waren und heute so weit weg sind wie der Mond, nach Zeiten in denen die Zeit keine Bedeutung hatte, in denen ich noch nicht wusste, wie abgründig Abschiede sind. Es gibt sie noch, doch auch sie verliert an Substanz, auch wenn ich weiß, dass sie nicht vergehen wird. Mein Wunsch nach Nähe, Wärme, Vertrauen ist ungebrochen. Doch im Herbst fällt das Akzeptieren leichter. Das Loslassen. Auch wenn die Hoffnung, einmal – und sei es nur für eine Geste – nichts zu verlieren, flackert, doch niemals erstirbt…

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TomTom (15.5.2003 - 18.7.2008)
the mighty Chinchilla-Kacksack, the one and only Chinchilla-Diva, world's famous Destroyer of all things possible, Über-Mama von vier niedlichen Nachwuchs-Zerstörern (*2005, *2006, *2007, *2008), Gefährtin (und manchmal auch Hausdrache) von Foggy.

Foggy (12.2.2005 - 18.6.2012)
unglaublich lieber, verschmuster und hin und wieder treudoofer Fellball, Weltmeister in Sandbad-Demonstrationen und Hoch-Weit-Sprung.

Nico (26.4.2008 - 23.11.2012)
Wüster und seinem Papa in Sachen Schusseligkeit in nichts nachstehender kleiner Kacksack, Energiebündel und Kämpfer bis zur letzten Sekunde.

Rest in peace. Ihr fehlt mir.


Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn't do than by the ones you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails.
Explore. Dream. Discover.
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Manchmal...

... ist alles viel zu schnell vorbei.

Ich habe es gelesen, hier. Und konnte es nicht fassen. Es ist gerade mal drei Wochen her, da habe ich euch beide noch zusammen in B. gesehen und dachte noch bei mir: Hey, es scheint ja doch zu klappen. Ich habe mich für euch gefreut - und natürlich auch für die Kleine. Und jetzt?

Leiden müssen immer nur die, die zurückbleiben. Man denkt immer, so etwas passiert nur anderen Leuten, doch niemals im eigenen Umfeld... So genau wird man vielleicht nie rausfinden, was passiert ist - vielleicht bist Du kurz am Steuer eingeschlafen, vielleicht war es dein Kreislauf, vielleicht auch nur eine kleine Unachtsamkeit oder etwas am Wagen war nicht in Ordnung. So furchtbar, die Meldung auf der Bullenseite lesen zu müssen, kalt, schlecht geschrieben und nicht ansatzweise dem gerecht werdend, daß da gerade ein Mensch mit Träumen, Wünschen und Sehnsüchten gestorben ist. Daß da gerade viel mehr als nur ein einziges Leben in Scherben liegt. Es ist unfassbar.

Ich kannte Dich nicht wirklich, wir haben uns einmal ein bißchen unterhalten, vor einem halben Jahr, als ihr zusammen in W. gewesen seid. Ich fand dich nett und lustig und dachte, na mal abwarten, aber ich habe damals gemerkt, was Du für sie, die Frau an deiner Seite, empfindest, und das hat mich für Dich eingenommen. Du hast sie wirklich geliebt, oder so war zumindest mein Eindruck. Und jetzt habe ich ein bißchen was über eure Pläne erfahren, und das macht alles nur noch schlimmer. Ach S. Selbst wenn ich Dich nicht kannte - und nun auch nie die Chance haben werde, Dich noch kennenzulernen - ich bin völlig fassungslos. Das, was da am Sonntag passiert ist, geht einfach über meinen Horizont. Manchmal ist alles in Sekunden vorbei.

Ich hoffe, Du findest den Frieden, den Du hier wohl nur schwer finden konntest. Und ich hoffe, daß die beiden Menschen, an die ich nun am meisten denke, das Nachleben ohne Dich ohne zu große Narben überstehen werden. Ich hoffe es inständig.

Was für ein verdammtes Scheiß-Jahr.

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Geändert von Nnordy am 29-09-2009 um 09:07

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Der Schock sitzt tief. Manchmal gibt es Zeiten im Leben, in denen alles auf wenige, dafür existenzielle Dinge zusammenschrumpft. Wie jetzt.

Erst die Todesnachricht, die mich tief erschütterte, auch wenn ich S. nicht gut kannte. Aber ich habe das alles schon einmal erlebt, schon einmal mitgemacht – wenn eine Liebe durch den unbarmherzigen Sensenmann auseinandergerissen wird. Viel zu früh. Alles, was noch hätte gesagt und getan werden müssen, zerbirst mit einem lauten Knall in tausend Scherben, die die Haut aufritzen und aus tausend Wunden bluten lassen. Es ist so viel schlimmer, wenn es unerwartet kommt, wenn da noch tausend Pläne, Träume, Wünsche waren… Alles weggewischt, in einem einzigen Moment. Vielleicht hat es mich deswegen so mitgenommen, weil momentan die Erinnerung an jene andere Zeit vor 16 Jahren, als meine beste Freundin das erleben musste, wieder so wahnsinnig präsent ist. Und vielleicht auch die Angst, das mir dies genauso geschehen kann. Der Gefährte und ich – wir haben so viele Träume, Wünsche, Pläne und Hoffnungen. Zum ersten Mal in meinem Leben glaube ich daran, dass einiges davon Wirklichkeit werden kann, dass Träume erfüllbar sind. Doch hinter uns allen steht der Tod. Und keiner weiß, wann seine Zeit gekommen ist.

Und jetzt meine Patentante, deren Vornamen ich als zweiten Namen trage. Vor zwei Jahren wurde bei ihr Darmkrebs diagnostiziert, der Tumor wurde entfernt, die OP lief gut. Danach kamen die Chemos, doch der Krebs streute in die Lymphknoten. Sie hat es dann in diesem Jahr mit einer anderen Chemo versucht, doch alles ging schief: Ihr Magen entzündete sich, so dass sie nichts mehr essen konnte, mittlerweile hat der Krebs alle Organe in Mitleidenschaft gezogen und sie hat überall Wasser eingelagert. Noch vor 5 Wochen sah sie einigermaßen in Ordnung aus. Heute war ich bei ihr im Krankenhaus, wo sie versuchen, sie vor der nächsten Chemo wieder hochzupäppeln. Ich wusste, dass sie nicht gut aussehen würde, da sie jetzt ca 2 Monate nichts mehr gegessen hat und sich nur von Flüssigkeit ernährt. Aber… Sie sah genauso aus, wie man in vielen Filmen Aidskranke oder Onkologiepatienten im Endstadium darstellt. Völlig abgemagert, der Kopf nur noch ein Schädel, über den sich ihre ledern wirkende Haut spannt. Sie hatte immer etwas Übergewicht, breite Hüften – alles weg. Sie muss etwa 20 Kilo verloren haben, wenn nicht mehr, und sieht aus wie der Tod selbst. Es dauerte einige Zeit, bevor ich in der Lage war sie anzusehen, ohne dass mir Tränen in die Augen schossen, denn die musste ich mir verkneifen – sie kann bestimmt alles gebrauchen, aber nicht das. Sie hat kaum noch Kraft, kann wegen ihrer dicken Beine auch nicht laufen, redet leise und langsamer, als ich es von ihr gewöhnt bin. Sie ist nur noch ein Schatten der lebenslustigen, energiegeladenen Frau, die ich mal kannte. Verdammt, sie ist erst 57, und ihr eigener Körper führt Krieg gegen sie. Einen Krieg, den sie nie gewinnen kann. Sie kann vielleicht einen Patt erzwingen, für einige Zeit, aber nie einen Sieg. Verdammt.

Dunkelheit legt sich über meinen Weg, den ich nicht weitergehen kann – zumindest jetzt nicht. Da ist zu viel, woran ich denken muss, zu viel, was mich traurig macht. Vielleicht darf ich mir einen kleinen Stillstand gestatten. Es wäre schon ein Fortschritt, wenn mal ein Tag ohne schlechte Nachrichten oder Missverständnisse, die kein Mensch braucht, vergehen würde. Ein Tag ohne Schmerz und Tränen und Schuld und Rache. Ein Tag, an dem einfach nur die Sonne scheint. Wie viele Sonnentage hat ein Leben?

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Old Post erstellt am 08-10-2009 um 14:07 Füge Nnordy zu Deiner Buddy-Liste hinzu Profil von Nnordy anzeigen Nnordy eine eMail schicken Besuche Nnordy's Homepage! Mehr Beiträge von Nnordy finden Nnordy eine Private Nachricht schicken Beitrag bearbeiten/löschen Zitieren

Der Anruf eben. Immer ist es ein Anruf, immer ist es meine Mutter. Meine Patentante liegt im Sterben, die Ärzte geben ihr noch ein, zwei Tage. Schon vor Wochen habe ich geträumt, dass sie stirbt. Wie viel schlimmer kann dieses verdammte Drecksjahr eigentlich noch werden? Ich möchte heute noch hin, mich verabschieden, wie ich es schon damals, vor 10 Jahren, bei meiner Ömi gemacht habe, mit dem Unterschied, dass meine Ömi im Koma lag und meine Tante noch wach und ansprechbar ist. Dann ist der Abschied so ungleich schwerer, denn alles, was man sagt, kommt einem so unpassend vor, so sinnlos. Was kann man schon jemandem mitgeben, der auf die andere Seite geht? Sie wollte noch so viel tun, noch so viel erleben. Hatte noch so viele Pläne. Und nun bin ich froh, dass sie es die letzten zwei Jahre durchgezogen hat, in die USA, nach Italien und Kanada gereist ist, nach Irland und sich nicht hat zurückhalten lassen. Es war von vornherein klar, dass sie den Kampf gegen den Darmkrebs nicht gewinnen kann. Ich hätte mir nur gewünscht, er hätte ihr mehr als nur knapp zweieinhalb Jahre gelassen.

Meine Worte verlassen mich. Sie verschwinden, die kleinen Leuchtpunkte in der dunklen Nacht, machen Raum für nichts als schwermütige Finsternis, die das Atmen fast unmöglich macht. Es ist, als ob die Welt sich zum Ziel gesetzt hätte, meine kleine Familie binnen weniger Jahre komplett auszulöschen. Bis keiner mehr da ist. Das Leben ist manchmal so verdammt ungerecht. Und wieder – finde ich keinen Sinn. Nichts.

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Old Post erstellt am 09-10-2009 um 10:10 Füge Nnordy zu Deiner Buddy-Liste hinzu Profil von Nnordy anzeigen Nnordy eine eMail schicken Besuche Nnordy's Homepage! Mehr Beiträge von Nnordy finden Nnordy eine Private Nachricht schicken Beitrag bearbeiten/löschen Zitieren

Wir waren zwei Stunden zu spät. Ich habe noch die Karte für sie fertig gemacht, einer der wenigen Wege, wie ich rüberbringen kann, was ich empfinde - "Stufen" von Hesse und "Ich habe dich so lieb" von Ringelnatz, dazu zwei Bilder vom Liebsten und mir. Vor dem Krankenhaus meinen Bruder noch einparken sehen, doch schon reingegangen, drin dann fragte der Gefährte nach dem Weg zur Toilette, als mein Bruderherz in die Halle kam. Wortlos haben wir uns umarmt, dann bin ich kurz zum Lokus, kam raus, alle weg. Also zurück in die Halle, dort standen meine Eltern, zusammen mit meinem Bruder, der Gefährte dreht sich zu mir, sagt fassungslos: "Wir sind zu spät, sie ist vor 2 Stunden gestorben..."

Es sind diese Momente, in denen die Welt kurz stehenbleibt, alles still ist, kein Atemzug, kein Wind, kein Geräusch mehr. Stille, die schmerzhaft auf die Ohren drückt, während in Dir alles NEIN schreit. "Nein, das kann nicht sein, das ist nicht wahr..." Zwei verdammte Stunden. 120 Minuten. Viel zu kurz und viel zu lang.

Wir sind dann noch hoch, für eine Stunde, haben sie noch mal gesehen, so gut es ging verabschiedet. Ihr Lebensgefährte, der sie über alles geliebt und alles für sie getan hat, in sich verschlossen.
Der letzte Urlaub, er ist gerade 6 Wochen her, beide waren zusammen in Oldenburg, bei meinem anderen Onkel, und obschon sie sehr geschwächt war und nicht mehr weit laufen konnte, sagte sie meiner Mama, das sei der schönste Urlaub gewesen, den sie je hatte.

Ich mochte sie sehr. Sie war eine coole Patentante - lebenslustig, energiegeladen, warmherzig und ungeheuer tolerant. Mich und meinen Stil fand sie immer cool, egal wie ausgeflippt auch immer. Und sie hat ihr Ding durchgezogen. In den letzten zwei Jahren ist sie mit meiner Cousine noch in die USA, nach Kanada, Irland und Italien gereist, hat mitgenommen was ging, vielleicht, weil sie geahnt hat, daß ihr nicht mehr viel Zeit bleibt. Sie wurde nur 57 Jahre alt.

Mein Bruder und ich standen an ihrem Bett, ich sagte ihr noch leise, sie solle die da oben - also Ömi, Opitz und ihren Papa - schön grüßen, mein Bruder fügte noch herzerwärmend hinzu, sie möge sie ordentlich aufmischen. Leises Lachen. Sie hätte es gemocht.

Gestern Abend dröhnte irgendwann der Schädel - zu viele Tränen und zu viel Kälte in mir. 2009 ist das furchtbarste Jahr meines Lebens. Und es ist noch nicht vorbei. Was kann jetzt noch kommen? Kann nicht endlich mal wieder etwas Gutes passieren, etwas Schönes, das ausnahmsweise mal nichts mit Verlust zu tun hat?

Manchmal, ganz selten, ist das Leben auch schön. Aber momentan kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wann es das letzte Mal so war. Eine weitere Lücke. Ein weiteres kleines Stück, das aus mir herausgebrochen ist. Erinnerungen an Weihnachtsbäckereien - ein Dutzend Jahre lang absolute Tradition. An Klamottentausch und Frauengespräche. Du wirst mir fehlen, Marion.

Marion B.
23.6.1952-8.10.2009

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Geändert von Nnordy am 09-10-2009 um 15:28

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In Deiner fröhlichen Art
hast Du stets ein Lächeln in unser Leben gezaubert.
Als der Schmerz Dir Deines nahm,
war es Zeit, Dich gehen zu lassen.


Der Spruch in ihrer Todesanzeige. Er ist so wahr. Menschen, die so warm sind wie sie es war, die das Leben so sehr lieben, die sich auch über kleine Dinge freuen können – die vermögen es, anderen zum Lächeln und zum Lachen zu bringen. Vielleicht war das auch eines der Dinge, die mich am meisten erschreckt haben, als ich sie vor zwei Wochen noch einmal sah – dass ihr Lächeln, ihre fröhliche, lebenslustige Art weg war. Ein dünner, geschwächter, fast schon transparent gewordener Mensch saß dort in diesem Krankenhausbett, mir so völlig fremd dass es weh tat sie anzusehen. Und von daher stimmt der Spruch vielleicht. Lebensfreude, Aktivität, das war es was sie ausmachte. Und was ihr zum Schluss genommen worden ist. Dennoch ist da Wut – Wut auf die Ärzte, die uns bis zum Schluss erzählt haben, sie kriegen sie wieder hin. Ich habe geträumt, dass sie es nicht schafft. Schon vor Wochen. Und ich wusste es, als ich sie sah. Trotzdem ist der Mensch wohl das einzige Wesen, das sich hartnäckig an eine Illusion namens ‚Hoffnung’ klammern möchte – und kann.

Ihr Lebensgefährte hat mir am SO eine mail geschrieben, sich für die Bilder bedankt, die ich ihm über meine Cousine hatte zukommen lassen. Er, der nach außen so beherrscht und wenig emotional ist, hat es mit ein paar wenigen Zeilen geschafft, dass ich wieder heulte wie ein Schlosshund. Indem er einfach nur schrieb, dass er mit der Liebe zu ihr das Wichtigste und Wertvollste gefunden hätte, was man im Leben nur finden kann. Und es wieder verloren habe. – Zu oft sieht man Menschen nur in ihren Funktionen. Und bei ihm hat sich für mich bewahrheitet, das unter der Oberfläche oft so viel mehr ist, als man von außen meint. Er hat alles für sie getan, hat bis zum Schluss bei ihr gestanden, sie nicht aufgegeben. Ich bewundere ihn für diese Stärke, und ich hoffe so sehr, dass ihm die Liebe erhalten bleibt, ohne ihn kaputtzumachen. 14 Jahren waren die beiden zusammen – ich weiß, was in einer solchen Zeit ‚zusammenkommt’, was man zusammen aufbaut. Und er tut mir so wahnsinnig, wahnsinnig leid. Und meine Cousine, die erst 30 ist, und jetzt schon ihre Mutter verloren hat.

Viel zu früh. Du hast viel zu früh gehen müssen. Nie und nimmer hätte ich gedacht, dass Du diejenige bist, die als nächstes geht. Vielleicht finde ich deshalb gerade nirgends Trost, selbst der Gefährte vermag es nicht, obwohl er für mich da ist, mich hält, mich mit Samthandschuhe anfasst. Nicht, wenn schon zwei von drei Familienmitgliedern Opfer dieser widerwärtigen Krankheit vor ihrer Zeit wurden, wenn Billionen von Euro in die Rüstung gepumpt werden statt in die Forschung, nicht wenn ich weiß, dass – hätte die Wissenschaft nur einen Bruchteil des Geldes, der in Tötungsmaschinerien investiert wird – man doch schon viel weiter sein müsste im Kampf gegen den Krebs. Es macht mich wütend, und zugleich unendlich traurig. Und da ist wieder die Angst – wer wird der Nächste sein, was werde ich diesem Menschen gegenüber versäumt haben, werde ich wieder nichts tun können? Hilflos. Ich fühle mich so furchtbar hilflos. Und traurig.

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Gestern war ihre Trauerfeier. Vorgestern Abend, nach der Fechtschule, aber noch vor Mitternacht, gingen der Gefährte und ich noch eine halbe Stunde im Wald sammeln – schöne Blätter, (leere) Buckeckern, Eicheln und Tannenzapfen, für die Tischdeko im Gemeindesaal, wo im Anschluss an die Trauerfeier noch Kaffee & Kuchen sein sollte. Ich habe die Blätter über Nacht getrocknet (mit dem Erfolg, dass sie sich am Morgen zum Teil eingerollt hatten…), die anderen Sachen gesäubert, und gestern früh alles eingepackt. Dann mit meinen Eltern zusammen kalte Platten mit halben belegten Brötchen vom Metzger geholt, zum Gemeindesaal gefahren, wo meine Cousine und ihr Freund schon am Vorbereiten waren. Ich half beim Dekorieren und aufbauen, um wenigstens ein bisschen was beitragen zu können. Um kurz vor halb elf rief der Gefährte an, der mittlerweile schon am Friedhof war – er war zu früh, daher war noch keiner da, und unsicher, ob er richtig sei. Mein Rückruf ergab, dass alles ok war, mittlerweile sei der Lebensgefährte meiner Tante eingetroffen (er grüßte und sagte dann nur „Ach, wenn’s doch nur schon vorbei wäre“), und ich schlug dann kurz danach – gemeinsam mit meiner anderen Tante und Onkel – ebenfalls dort auf, holte noch Blumen (orange-rot-farbene Rosen bzw. weiße Margariten) und ging dann in die Trauerhalle, wo ich zunächst mal meine Eltern wiedertraf und den Lebensgefährten begrüßte, der seine beiden Kinder (beide volljährig, der Sohn lebt bei ihm, die Tochter wohl allein, waren beide auch sehr traurig), seine Geschwister und seine Eltern dabei hatte. Es wurde immer voller, ich schätze, zum Schluss dürften so um die 70 Leute dagewesen sein, nicht nur Verwandte, sondern viele Freunde, Arbeitskollegen usw. usf. Ich glaube, sie hätte sich gefreut, denn sie war ein sehr geselliger Mensch und liebte Action.

Glücklicherweise wurde der Sarg nicht – wie damals bei meiner Ömi – durch die Wartehalle gekarrt, sondern befand sich schon in der Trauerhalle, darauf ein Bouquet von meiner Cousine, ihrem Vater und dem Lebensgefährten, zwei Bilder aus jungen Jahren meiner Tante waren aufgestellt, und da sie Oberinspektorin beim Tiefbauamt war, hatte natürlich auch der Magistrat der Stadt einen ziemlich großen Kranz geschickt, mit Schleife und allem Drum und Dran. Wir reihten uns ein, blieben dann kurz vor dem Sarg stehen (furchtbar, meine Oma zu sehen, wie sie im Rollstuhl saß und vor dem Sarg anfing zu weinen und zu wehklagen…), legten unsere Blumen ab und die Tränen liefen wieder… Mein Bruder, total erschüttert, hatte sich allein in die 2. Reihe, hinter meine Eltern, meine Cousine, die Tante und die Oma begeben, wir setzten uns daneben, ich verteilte Taschentücher und der Gefährte, trotz seiner Tränen, eine starke und warme Präsenz neben mir. Als die Pfarrerin dann anfing, zu sprechen, merkte ich, wie mein Bruder neben mir zitterte – ich hatte den starken Arm des Gefährten um mich, er niemanden. Also nahm ich kurzerhand seine linke Hand in meine rechte, und so saßen wir die ganze Zeit über, so nah wie selten in den vergangenen 30 Jahren. Es ist schon merkwürdig, wie ihr Tod die Familie zusammengeschweißt hat, zumindest jetzt. Trotz der etwas nervigen langsamen Aussprache der Pfarrerin (die aber wahrscheinlich für harthörige Menschen hervorragend geeignet ist) war es keine schlechte Andacht, sehr persönlich gerade an meine Cousine und ihren Lebensgefährten gerichtet, sie thematisierte darin sogar die Trennung meiner Tante von ihrem Mann, in sehr stilvoller Art und Weise. Meine Cousine verlas ein selbst geschriebenes Gedicht, ihr eigener Dank an ihre Mutter (sehr ergreifend die Passage „In meinem Haus ist kein Raum, in dem Du nicht bist“), das sie ohne Tränen und Zusammenbruch vorgelesen hat – Wahnsinn, wenn ich daran denke, wie schwer mir dies schon bei meiner Ömi fiel oder bei Opitz… Aber so ist sie – liegt vielleicht an ihrem Pflichtbewusstsein, erst die Aufgabe, dann darf man es sich gestatten, zusammenzubrechen… Danach wurde, also zum Schluss, noch „Der Weg“ gespielt, von Grönemeyer, das er für seine verstorbene Frau geschrieben hat, die 1998 an Krebs starb. Sie war ein Jahr jünger als meine Tante.

„…dein sicherer gang
deine wahren gedichte
deine heitere würde
dein unerschütterliches geschick

du hast der fügung
deine stirn geboten
hast ihn nie verraten
deinen plan vom glück
deinen plan vom glück

du hast jeden raum
mit sonne geflutet
hast jeden verdruß
ins gegenteil verkehrt

nordisch nobel
deine sanftmütige güte
dein unbändiger stolz
das leben ist nicht fair.

[…]

habe dich sicher
in meiner seele
ich trage dich bei mir
bis der vorhang fällt
ich trag dich bei mir
bis der vorhang fällt.“


Neben mir mein Bruder, stumme Tränen liefen über seine Wangen. Es war ein Impuls, ihn in den Arm zu nehmen – und dann standen wir beide, fest Arm in Arm, die Köpfe aneinander gelehnt, wie es selten vorkam in all den Jahren. Eine seltsame Verbindung, doch in diesem Moment suchten wir beide die Nähe des Anderen, selbst wenn wir dann nur gemeinsam weinten. Ich flüsterte Teile des Textes mit, den ich durch ein paar Mal lesen verinnerlicht hatte – auch deswegen, weil er so wahnsinnig gut zu ihr passte. Ihre Wärme und Lebensfreude reichte für jeden Raum. „Das Leben ist nicht fair.“

Dann hieß es "Abschied nehmen". Wir warteten, ließen natürlich erstmal die „erste Reihe“ vor. Zu dritt traten wir dann vor. Zu viele Tränen. Der Gefährte, der mich ebenfalls im Arm hatte, legte irgendwann seine Hand auf die Schulter meines Bruders, den ich selten so erschüttert gesehen habe. Genau betrachtet, war meine Tante eine Art 2. Mutter für ihn, da die Verbindung zwischen meiner Cousine und ihm schon als Kind sehr eng war, beide viel gemeinsam machten, auch als Teenager und selbst heute zum Teil noch. Draußen sammelte sich dann alles, man sah ihrem Lebensgefährten an, wie anstrengend das alles für ihn war, wie gern er geflohen wäre, an einen Ort ohne tausend „Ach, es ist ja so schlimm“ oder „Mein Gott, sie war doch noch so jung“ und ähnliches. Aber er blieb, tapfer – wir nutzten die Ausflucht, meiner Oma die Treppen zur Gemeinde hochhelfen zu müssen (was sogar stimmte, der Gefährte kam extra deswegen noch kurz mit, um das zu übernehmen). Meine Cousine hatte mehrere Collagen gebastelt, mit Bildern aus 6 Jahrzehnten, darauf viele Menschen, die schon längst nicht mehr da sind. Auch viele aus diesem Jahr, doch auf allen sieht sie noch einigermaßen gut aus.

Als alle da waren, kam ihr Lebensgefährte kurz zu mir, umarmte mich zu meiner großen Überraschung lang und sehr fest, schluchzte kurz an meiner Schulter, und ich flüsterte ihm nur zu „Irgendwann scheint auch wieder die Sonne“. Mir gehen die Worte aus – was kann man Tröstendes sagen, wenn einem selbst das Herz blutet? Ich kann nicht über sie reden, ohne einen großen Kloß im Hals zu bekommen, Wasser in den Augen zu spüren. Es waren auch danach noch viele da, doch ich setzte mich nirgendwo dazu, obwohl das kein Problem gewesen wäre. Stattdessen stand ich lange mit meinem Bruder an der Seite, unterhielt mich mit ihm, später mit dem Freund meiner Cousine. Obwohl ich einige Zeit das dringende Bedürfnis hatte, mich an den Tisch zu setzen, wo ihr Lebensgefährte mit seiner Familie saß, tat ich es nicht – ich traute mich nicht. Komisch, aber so war es. Im Kreise so vieler, die ihr so viel näher waren als ich (ja, da waren sie wieder, die Schuldgefühle – warum habe ich ihr nie eine Karte zum Geburtstag geschickt, warum habe ich sie nie angerufen?), kam ich mir schäbig vor. Auch, wenn meine Trauer echt ist.

Ich half noch beim Aufräumen und Putzen, danach setzte mich mein Bruder zuhause bei meinen Eltern ab, die noch meine Oma nach Hause brachten, die der ganzen Veranstaltung im Rollstuhl beiwohnen musste, da sie kaum noch laufen kann. Dort kam dann die nächste Hiobsbotschaft: Mein Onkel, der Bruder meiner Mutter, liegt im Krankenhaus – Angina Pectoris. Da er bereits vier Bypässe hat und ohnehin ein schwaches Herz, eine mittlere Katastrophe. Zumal ihm die Ärzte schon gesagt haben, dass sie ihn nicht noch einmal operieren können – das hält sein Herz nicht mehr durch.

Die Katastrophen nehmen kein Ende. Ich habe das ungute Gefühl, dass dieses Jahr noch mehr Leben fordern wird. Und ich frage mich, ob es nicht endlich mal aufhören kann. Wie wäre es – zur Abwechslung mal – mit etwas Schönem…

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In memoriam:
TomTom (15.5.2003 - 18.7.2008)
the mighty Chinchilla-Kacksack, the one and only Chinchilla-Diva, world's famous Destroyer of all things possible, Über-Mama von vier niedlichen Nachwuchs-Zerstörern (*2005, *2006, *2007, *2008), Gefährtin (und manchmal auch Hausdrache) von Foggy.

Foggy (12.2.2005 - 18.6.2012)
unglaublich lieber, verschmuster und hin und wieder treudoofer Fellball, Weltmeister in Sandbad-Demonstrationen und Hoch-Weit-Sprung.

Nico (26.4.2008 - 23.11.2012)
Wüster und seinem Papa in Sachen Schusseligkeit in nichts nachstehender kleiner Kacksack, Energiebündel und Kämpfer bis zur letzten Sekunde.

Rest in peace. Ihr fehlt mir.


Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn't do than by the ones you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails.
Explore. Dream. Discover.
(M. Twain)



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Nnordy
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Old Post erstellt am 28-11-2009 um 14:54 Füge Nnordy zu Deiner Buddy-Liste hinzu Profil von Nnordy anzeigen Nnordy eine eMail schicken Besuche Nnordy's Homepage! Mehr Beiträge von Nnordy finden Nnordy eine Private Nachricht schicken Beitrag bearbeiten/löschen Zitieren

Zeit heilt nicht. Zeit stumpft einfach nur ab, nimmt dem Schmerz etwas von seiner Schärfe, macht seine Klinge kürzer. Die Wunden bleiben offen, mal mehr, mal weniger. Es braucht nicht viel, um sie wieder aufzureißen.

Gestern war ich auf meiner Absolventenfeier, inmitten von anderen Magistern, Diplomanden, Bachelors und Masters. Letztere noch dünn vertreten, aber in ein paar Jahren wird es keine Magister und keine Diplomträger mehr geben, nur noch Bachis und Mastis. Humboldt würde sich im Grabe umdrehen. Die Reden des stellvertretenden Prodekans (einer meiner Philosophieprofs) und meines Betreuers (Germanistikprof) enthielten Appelle: Sich nicht das Denken abnehmen zu lassen. Nicht (nur) danach zu streben, möglichst effizient zu sein. Sich die Zeit zu nehmen, um auch mal "Umwege" zu gehen - die sich am Ende als der beste Weg erweisen können. Ich denke, das manche verstanden haben, was gemeint war. Immerhin waren es lauter geisteswissenschaftliche Absolventen. Dennoch: Ebenfalls in ein paar Jahren wird es die Wirtschaft geschafft haben, die Geisteswissenschaften zu einer Randerscheinung an den Unis und FHen zu machen. Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Ingenieurwissenschaften und IT, allenfalls noch ein klein bißchen Naturwissenschaft wie Biochemie oder ähnliches - das wird "gebraucht" und das wird bezahlt. Kein Platz für Dichter und Denker, Philosophen und Literaten. Es ist zum Kotzen.
Eigentlich bin ich schon seit Jahren raus aus diesem ganzen Uni-Betrieb. Ich hatte vergessen, wie sehr ich es geliebt habe, die dicke Atmosphäre von Wissen und Lektüre und offenen Diskussionen und Gedankenaustausch. Ich habe es mir gestattet, noch einmal einzutauchen, die lange Zeit des Studiums als warme Decke um mich zu hüllen und glücklich zu sein, daß ich es gemacht habe. Es waren ca. 75 Absolventen da, und davon war ich die Einzige, die - von meinem Betreuer - eine persönliche Widmung erhielt: "Als nächstes kommt eine Person, die lange Zeit an unserem Institut nur als A... firmierte..." - er bezog sich dabei auf meine HiWi-Tätigkeit bei ihm und die drei Tutorien, die ich gehalten habe. Ich lief rot an und fing breit an zu grinsen, so breit, daß ich dachte, mein Gesicht zerfällt gleich in zwei Hälften... Wir haben uns nie wirklich sehr gut verstanden, es gab zu viel was uns trennte, aber ich bin ihm dankbar, daß er mich so verabschiedet hat. Und als ich dann nach vorne ging, um meine - kopierte - Magisterurkunde in Empfang zu nehmen, konnte ich nicht anders als ihn anstrahlen. Und gleichzeitig merkte ich, wie sehr ich diesen Unibetrieb vermisse...

Später standen wir noch eine ganze Weile mit zwei meiner Dozenten rum, und das, was mir immer mal wieder durch den Kopf schießt, scheint eine Chance zu haben: die Promotion. Ich werde am Montag zu Herrn J. gehen, und wir werden mal darüber reden, "ergebnisoffen", wie er sagte. Er hat sogar schon angedeutet, daß er sich als Doktorvater zur Verfügung stellen würde. Ich werde auf jeden Fall hingehen, denn die sog. "freie Wirtschaft" wird mir immer mehr zuwider. Vielleicht ist es eine Chance. Vielleicht kann ich es sogar schaffen. Ich muß es versuchen - sonst werde ich mir nie verzeihen, daß ich es nicht wenigstens versucht habe...

Nur noch wenige Monate - dann sind wir hier weg, hier aus dieser Stadt, die 12 Jahre lang meine Heimat war. Wir gehen nicht weit weg - nur 45 Kilometer. Aber der Gefährte und ich sind beide genervt von der Pendelei jeden Tag. Wir könnten eine Altbauwohnung kriegen - hohe Decken, Stuck, alte Flügeltüren am Eingang und innen noch die Original-Holztüren. Alles in sehr gutem Zustand. 88 Quadratmeter, zwei Balkone, nur leider ist das Bad winzig. Ganz sicher ist es nicht, aber mal sehen.

Grau in grau. Aber selbst an verregneten Tagen entdecke ich noch Schönheit. Blätter, die im Wind tanzen, die Tropfen, die ich mysteriösen Mustern an der Scheibe hinunterlaufen. Die kahlen Bäume, die verheißungsvoll im Wind flüstern. Irgendwann wird es wieder Frühling. Und der Schmerz immer stumpfer.

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TomTom (15.5.2003 - 18.7.2008)
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