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VampyreBK
Anwalt des Teufels


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Old Post erstellt am 18-07-2001 um 19:40 Füge VampyreBK zu Deiner Buddy-Liste hinzu Profil von VampyreBK anzeigen VampyreBK eine eMail schicken Mehr Beiträge von VampyreBK finden VampyreBK eine Private Nachricht schicken Beitrag bearbeiten/löschen Zitieren

Eine Kurzgeschichte, Prosa, wie immer man es nennen will, die ich vor ein paar Monaten mal geschrieben habe. Mich würde eure Meinung dazu interessieren, auch wenn auf den ersten Blick nicht unbedingt ein... "schwarzer" Zusammenhang zu erkennen ist. Und hier ist sie....:

Der Platz

(Copyright 2001 by Vampyre BK)

Ich war dem Fluss in die Berge gefolgt, wie ich es an so vielen Abenden vor einer Zeit einmal getan hatte, die mir ewig erschien und dennoch war es, als ob sich nichts hier verändert hätte, die Zeit geht spurlos an manchen Dingen vorbei...

Das Wasser des Flusses unter den Tragflächen der Messerschmitt glänzte silbrig im Licht des Vollmondes und wenn ich durch die geöffnete Haube des Cockpits in den klaren Nachthimmel empor sah, vermeinte ich jeden der leuchtenden Sterne über mir mit den Händen fassen zu können.

Vor der langgezogenen Nase der Maschine tauchten jetzt die beiden Berggipfel auf, die den Eingang des Tales markierten, wohin ich nie mehr zurückkehren wollte. Wie im Traum legte ich den schweren Jäger auf die Seite und folgte der Biegung des Flusses zwischen den Bergen hindurch in das Tal. Ich wusste nicht, ob es richtig war, das zu tun, aber warum wäre ich sonst hierher geflogen...

Ich kannte den Anflug noch so gut...

Über dem kleinen Nadelwald ließ ich die Motoren in Leerlauf gehen und dann verstummen, ich wollte nicht bemerkt werden. Das einzige Geräusch, das mich noch begleitet, war das Pfeifen des Fahrtwindes an den geöffneten Cockpitfenstern, dann sah ich sie im Mondlicht vor mir, die Runway der Bibliothek. In dieser Nacht brauchte ich keine Scheinwerfer und das war mir lieb so... es wäre auffallend gewesen.

Das dumpfe Poltern des Fahrwerks und das schrille Quietschen der Reifen beim Aufsetze auf den harten Beton erschien mir schon zu laut, aber nichts rührte sich. Niemand kam, um dem nächtlichen Geräusch nachzugehen, während die Maschine mit den im Fahrtwind langsam kreisenden Propellern ausrollte und auf dem kleinen Platz zum Stehen kam, wo sie so oft gestanden hatte.

Ich weiß nicht, wie lange ich in dem schon offenen Cockpit gesessen habe und mit dem Zwang kämpfte, die Motoren wieder anzulassen und einfach nur wieder im Nachthimmel zu verschwinden, dann stieg ich auf die Tragfläche und kletterte hinunter auf den kalten Beton. Der Schatten, den die große Maschine im Mondlicht warf, fiel über mich, als ich in die Knie ging und mit den Fingerspitzen über den Boden strich. Die Platten klafften an dieser Stelle etwas auseinander und ein einzelner Grashalm hatte sich zwischen ihnen ans Licht gekämpft. Versonnen sah ich den Halm eine Weile lang, dann riss ich ihn aus.... warum sollte er das Licht sehen?

Ich richtete mich auf und begann mich umzusehen. Der Flugplatz lag verwaist, das Dach des Hangars war in sich zusammengefallen und wildes Strauchwerk überwucherte bereits die Wände und den Vorplatz. Hier war lange niemand mehr gewesen... Ich begann zu zittern und steckte mir hastig eine Zigarette an. Das Tanklager war zwischen dem Buschwerk kaum noch zu erkennen und die wenigen Fässer, die hier noch lagen, rosteten stumm vor sich hin. Als ich näher trat, flüchtete eine Ratte quiekend aus einem der Fässer in die Dunkelheit. Trotz des leichten Treibstoffgeruches, der hier immer noch in der Luft hing und sich mit dem Duft der wilden Gräser vermischte, schien sie sich hier eingenistet zu haben.

Meine Schritte führten mich weiter am Hangar vorbei, meine Absätze klangen so laut auf dem Beton, das ich immer wieder einen besorgten Blick zu den Bäumen hinüberwarf, hinter denen sich der Park der Bibliothek erstreckte, aber nichts rührte sich.

Dann hatte ich das kleine Tor im Zaun erreicht. Fast völlig von Brennesseln überwuchert hing es schief in seinen Angeln und vor mir erstreckte sich der gepflegte Park der Bibliothek. Der laue Nachtwind trug von den hellerleuchteten grossen Fenstern Stimmenfetzen herüber, das Lachen der Anwesenden, Bruchstücke von Musik und Gesang. Ein Lächeln zwang sich auf meine Lippen, als ich die schattenhaften Bewegungen hinter den Scheiben verfolgte und an die Zeit dachte, als ich noch hier gewesen war, bis zu jenem unglückseligen Tag....

Das Lächeln erstarb so schnell, wie es gekommen war, ich drehte mich ruckartig herum und ließ meinen Blick über den verwaisten Platz vor mir schweifen, an dessen Ende das Flugzeug silbrig funkelte, so als wollte es sagen: "Es ist vorbei. Du hast hier nichts mehr verloren. Lass uns gehen...!"

Ich verschloss die Ohren vor den Stimmen und der Musik hinter mir und ging den Weg zurück, den ich gekommen war. Noch während ich ins Cockpit kletterte, ließ ich die beiden gewaltigen Motoren warmlaufen und trieb sie ein paar Mal nach oben. Sie würden das Geräusch nicht wahrnehmen, ich war nicht mehr existent...

Dann rollte ich langsam über den aufgeplatzten Beton, in dessen grauem Stein soviel steckte, zum Ende der Startbahn....

[...]

by Vampire (BK)


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"...und sie fliegen doch... mit 2 1.650 PS Daimler Benz - Motoren ..."

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VampyreBK
Anwalt des Teufels


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Old Post erstellt am 01-08-2001 um 19:11 Füge VampyreBK zu Deiner Buddy-Liste hinzu Profil von VampyreBK anzeigen VampyreBK eine eMail schicken Mehr Beiträge von VampyreBK finden VampyreBK eine Private Nachricht schicken Beitrag bearbeiten/löschen Zitieren

und eine neue kurzgeschichte aus BK's Feder, ungruftig, unschwarz, aber von mir.

Flug ohne Widerkehr


Nur einen ganz kurzen Moment lang sah ich aus den Augenwinkeln das Blitzen in der prallen Mittagssonne, dann waren sie schon über uns und im nächsten Augenblick brach die Hölle im Funk los.
"Spitfeuer... 3 Uhr..."
"Breche weg, breche weg...!"
"Schwarmführer, Spitfeuer 6 Uhr, wegbrechen, wegbrechen!!"
"Treffer, Treffer, ich steige.....!"
Hinter mir zerplatzte die Maschine des 3. Schwarmführers in einem leuchtenden Furioso von Trümmern und Feuer, dann donnerte schon die Spitfire in einer mörderisch engen Kurve über die Explosionswolke hinweg, dicht gedeckt von dem wütenden Abwehrfeuer meines Heckschützen. Sekundenbruchteile später stand der zweimotorige Zerstörer bereits auf dem Kopf und stürzte der dürren Erde Griechenlands entgegen. Nur erstmal Sicherheitsabstand zwischen uns und das Chaos bringen. Kein Pilot ist schneller tot als derjenige, der den Überblick verliert...
1500 Meter tiefer fing ich die Messerschmitt in einer dichten Regenwolke ab und ließ sie in einen leichten Steigflug übergehen.
"Verdammt, wo kamen die her???"
Unteroffizier Stahl schrie fast, als er sich zu mir umdrehte, doch ich konnte nur stumm mit dem kopf schütteln, während wir langsam wieder Höhe machten. Irgendjemand hatte ein paar Sekunden nicht aufgepasst und dann waren sie da gewesen. Über den Funk jagten sich immer noch die Meldungen und ich gewann langsam eine Übersicht; zwei der Zerstörer waren beim ersten Angriff abgeschossen worden, zwei waren mit uns zusammen weggebrochen und tauchten jetzt neben uns aus dem Dunst der Wolke auf und die restlichen elf Maschinen befanden sich in einer wilden Kurbelei mit einer ganzen Staffel Engländer.
Ich drehte langsam wieder an und als die tanzenden Punkte am Himmel langsam auf meine Frontscheibe zukrochen, bemerkte ich erst den kalten Schweiß, der an meinem Hals herablief...
"Aufgepasst, Stahl," rief ich, "Spitfeuer dreht auf uns ein!"
Einer der Tommies hatte unsere Kette zurückkehrender Messerschmitts gesichtet und riß seine Maschine herum. Ein kurzer Blick nach links und rechts, die beiden anderen Zerstörer hingen so nahe neben uns, daß sich fast die Tragflächen berührten, dann sah ich den Jäger in meinem Fadenkreuz immer größer werden. Mit mehr als 800 Stundenkilometern rasten wir aufeinander zu, dann zischten schon die verräterischen Leuchtspuren seiner 20mm-Kanonen an dem Cockpit vorbei. Unwillkürlich zog ich den Kopf ein und blieb ihm keine Antwort schuldig. Das preßlufthammerartige Wummern der beiden Rheinmetall 30mm-Kanonen erschütterte die Luft und im nächsten Augenblick riss die rechte Tragfläche der Spitfeuer unter den wuchtigen Treffern ab. Ich legte den Zerstörer kurz auf die Seite und sah dem unter uns davonfallenden Engländer nach.... das Cockpit war kaum mehr als eine wüste Ansammlung von Stahl und Glas... dann hörte ich schon hinter mir das helle Wummern von Stahl's MG.
"Spitfeuer hoch hinter uns! Sattelt auf!!"
Einer der anderen Zerstörer brach nach rechts weg und ich zog die schwere Maschine leicht nach oben. Ungerührt von dem bellenden Abwehrfeuer Stahl's schob sich die Nase des Engländers immer näher an uns heran.... dann zog unter ihm der andere Zerstörer steil nach oben und in dem wütenden Furioso seiner vier Kanonen hörte der Jäger innerhalb eines Augenblickes auf zu existieren.
"Danke, Rogoll," rief ich die siegreiche Maschine.
Der Engländer hatte seinen Überraschungsvorteil verspielt, dennoch waren die schweren zweimotorigen Messerschmitts den kleinen und wendigen Spitfires nicht gewachsen und in den nächsten zwei Minuten fielen drei weitere unserer Kameraden brennend vom Himmel.
Die Maschine Feldwebel Auer's stürzte vor mir mit einem stehenden Motor der rettenden Wolke entgegen, doch zwei der Tommies erkannten ihre Chance und stiessen der waidwunden Messerschmitt hinterher, innerhalb von Augenblick hatte ich meine 110 herumgerissen und stürzte hinterher, es war immer wieder ein unvergesslicher Eindruck, in dem fast senkrechten Sturzflug nur noch von den Gurten gehalten zu werden.... dann sah ich das Aufblitzen der MG's und Kanonen der beiden Engländer... Leuchtspurfäden schossen auf die Maschine Auer's zu und das Flackern der Einschläge trieb mir das Wasser in die Augen..... im nächsten Augenblick wanderte die erst der Spitfeuers in mein Fadenkreuz und erneut spuckten die vier Kanonen in dem Bug der Messerschmitt Tod und Vernichtung. Sofort montierte der Engländer ab und während wir weiterstürzten, flogen die Reste seiner Maschine an uns vorbei. Der andere jedoch feuerte weiter auf Auer und als ich das Cockpitglas der 110 unter den Treffern splittern sah, schloss ich die Augen... wieder ein Kamerad weniger, der heute zurückkehren wird.... der Engländer, der uns nun hinter sich bemerkte, war ein leichtes Spiel. Als er hochzog und langsam von unten in das Fadenkreuz wanderte, verspürte ich fast so etwas wie Befriedigung und das dumpfe Wummern der Kanonen, die heißen Stahl in ihn pumpten, weckte in mir das süße und gleichzeitig so bitterkalte Gefühl der Rache.
Als wir wieder auf Höhe waren, war nichts mehr zu sehen, die Engländer waren auf dem Rückflug und was von unserer Staffel noch übrig war, schleppte sich mit teilweise zerschossenen Motoren und Leitwerken zurück nach Athen.
Am Horizont konnten wir bereits die Dächer Athens erkennen und gingen in einen langsamen Sinkflug über, bis uns der kühle Nebel einer Wolke einhüllte, die über dem Hafen zu liegen schien. Der Höhenmesser näherte sich langsam dem Erdboden, doch die Wolke schien sich nicht aufzulösen. Stutzig geworden brach ich den Sinkflug ab und stieg langsam auf Sicherheitshöhe, Stahl hinter mir fluchte laut über den verdammten Bodennebel, der uns eventuell sogar zu einem Ausweichplatz zwingen konnte. Besorgt warf ich einen Blick auf die Treibstoffanzeige, die sich langsam dem roten Bereich näherte.
"Schwarmführer Zwo für Staffelführer," rief ich den Staffelführer, Hauptmann Lent, doch der Funk blieb bis auf ein leises Rauschen tot.
"Verdammter Schrott," stieß ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und zwang den schweren Zerstörer in einen steilen Steigflug. Ich musste aus dieser Wolke heraus, bevor ich völlig den Verstand verlor. Immer weiter stieg die Maschine und der graue Nebel hüllte uns ein, das stumme Schweigen nur unterbrochen von dem dumpfen Dröhnen der beiden Motoren.
"Stahl," rief ich nach hinten, "so groß kann die Wolke nicht sein!"
Als keine Antwort erfolgte, drehte ich mich um und sah ihn geduckt auf seinem Zwillings-MG liegend, den Blick starr in das undurchdringliche Grau hinter uns gerichtet. Stumm drehte ich mich wieder nach vorne und sah hinaus, der Nebel begann an den Scheiben abzuperlen und floss in stetigen Rinnsalen an ihnen hinunter. Ich versank in der Betrachtung der einzelnen Tropfen, die von dem Fahrtwind an dem Glas entlang getrieben wurden, bis sie an den Kanten von Stahl's MG-Führung abgerissen wurden und hinter uns verschwanden, einige von ihnen zogen graue Spuren hinter sich her, sie hatten den Mündungsqualm der Kanonen aufgenommen. Wie groß mochte diese Nebelbank noch sein? Mir fiel die Geschichte der Junkers Ju88 des Kampfgeschwaders 51 "Edelweiss" ein, die im August 1940 bei der Rückkehr von einem Angriff auf Portsmouth in eine Nebelbank geriet und erst weit nach der deutschen Grenze über Achmer wieder herauskam.... soviel Sprit hatten wir nicht mehr.... und ich begann mich seelisch auf den Ausstieg vorzubereiten. Hoffentlich befanden wir uns inzwischen nicht über der See. Augenblicke später nur brach die Sonne hervor und tauchte die einsame Maschine in ihren warmen Schein. Wir hatten es geschafft, aber.... wo waren wir?
Unter uns erstreckte sich bis zum Horizont eine weite sattgrüne Steppe, die unter Regen und einem stetigen Wind Wellen zeigte, die bis zum Horizont liefen.
Ich konnte auf der Karte keine Gegend erkennen, auf die dieses Bild gepasst hätte und daß der Regen aus dem Nirgendwo zu kommen schien, beruhigte mich noch viel weniger.
Hinter uns fiel die Wolke langsam zurück und der Wind bemächtigte sich der Maschine mit all seiner Kraft. Es war sinnlos, gegen ihn zu fliegen, wenn wir sowieso nicht wussten, wo wir waren, also ließen wir uns mit dem Rückenwind weiter über die schier endlose Steppe tragen.
Dann sah ich sie...
Weit vor uns am Himmel erstreckte sich eine gewaltige Ansammlung von Maschinen. Im ersten Moment realisierte ich nicht, was ich sah, dann schrie, fast kreischte ich schon Stahl an.
"Aufgepasst, Flugzeuge voraus!"
Wenn wir hier in eine englische Formation gerieten, waren wir tot, aber niemals würde ich sterben, ohne mindestens einen von ihnen mit mir genommen zu haben. Ich gab beiden Motoren Vollast und wir stiegen den näherkommenden Flugzeugen entgegen, die in einer lockeren Formation flogen, die sich weit über den blauleuchtenden Himmel erstreckte, immer mehr schienen es zu werden, es mussten hunderte, tausende von ihnen sein. Meine Knöchel zeichneten sich in den schwarzen Lederhandschuhen ab, je fester ich den Steuerknüppel umfasste, dann konnte ich die ersten Typen erkennen... doch bei allen Göttern was war das? Vorneweg flogen Heinkels und Ju88-Bomber, dicht gefolgt von britischen Blenheims und polnischen Elk-Bombern, dahinter eine Dornier und zwei italienische Macchi-Jäger, friedlich in Formation mit zwei französischen Morane-Jägern und einer amerikanischen Mustang. Japanische Zeros, dazwischen Ju87-Stukas und Messerschmitts.....
Wir stiegen über den Verband hinweg und sahen fassungslos auf die langen Ketten hinab, die unter uns vorbeizogen. Eine Spitfire tauchte plötzlich neben uns auf, der Pilot winkte uns lächelnd zu und stiess dann wieder an seinen Platz in der Formation hinab. Stahl vergass sogar zu feuern und über all dem lag ein Hauch von Glück und... Frieden....
Unter uns zogen jetzt zwei Schwärme von Messerschmitts vorbei, die ich anhand der Markierungen dem Zerstörergeschwader 26 zuordnen konnte, das momentan an der Ostfront kämpfte. Ab hier löste sich die Formation langsam auf, aber aus allen Himmelsrichtungen schienen sich mehr und mehr Flugzeuge unterschiedlichster Nationen und Typen der Formation anzuschließen. Wie aus Zwang legte ich den Zerstörer auf die Seite und reihte mich neben einer britischen Hurricane in der charakteristischen Tarnfarbe der Schlacht um England ein. Der Pilot winkte zu uns herüber und sah dann wieder auf seinen Vordermann, einen italienischen Torpedobomber SM79.
Wie in einem Traum folgten wir den Maschinen über die dunkelgrüne Steppe, einträchtig nebeneinander mit dem Engländer und auf der anderen Seite mit einer herangeschlossenen Me109. Ewig schein der Flug zu währen, aber die Zeit war bedeutungslos geworden unter dem Brummen der Motoren. Wärme, Zufriedenheit, Glück und Friede durchströmte mich, hier herrschte kein Krieg, kein nervenzerfetzendes Warten und Kämpfen, keine Angst zu sterben, brennend vom Himmel zu fallen und die Erde auf sich zurasen zu sehen....
Ich weiß nicht, wie lange wir flogen, der Treibstoff schien ewig zu halten und als ich mich umdrehte und hinter mir die ausenandergefächerten Ketten in der rotschimmernden Abendsonne sah, war mir, als ob ich hier nie wieder wegwollte, die Maschine schien von allein zu fliegen und erst, als sie sich langsam auf die Seite legte, achtete ich wieder auf die Flugzeuge vor mir. Die Formation ging in eine leichte Rechtskurve über und sank dem Erdboden entgegen, einem Flugplatz, wie ich ihn noch nie zuvor gesehen hatte. Unmengen von Stellplätzen und Hangars, unzählige Maschinen, die bereits gelandet waren, ausrollten oder gerade einschwebten, keine Luftabwehr die den Anfliegenden Feuer und Stahl entgegenschleuderte. Alles schien so... friedlich und warm.
Wie von selbst fuhren das Fahrwerk und die Landeklappen aus, die Maschine setzte zur Landung an, ohne, daß ich was getan hatte und ich war zufrieden...
Der Torpedobomber setze auf... dann die englische Hurricane.... und in diesem Moment begann der schwere Zerstörer zu rütteln, das Fahrwerk fuhr wieder ein und die Motoren dröhnten unter Vollast auf, als sich der Bug der Messerschmitt wieder dem Himmel entgegenhob.
"Nein," schrie ich, "nein, geh runter, du verdammtes Ding," und griff in die Kontrollen um wieder die Führung zu übernehmen und das Flugzeug auf die Erde zu zwingen. Doch vergebens, es war, als wollte sie nicht landen, es war, als wäre ihr selbst die Landung verweigert worden. Verzweifelt riss ich an dem Steuerknüppel und wandte meinen Blick hilfesuchend zu der 109, die neben uns geflogen war. Ich sah noch den Piloten uns zulächeln und winken, es lag so etwas wie Sehnsucht in seinem Blick und das Lächeln war traurig, dann wandte er sich wieder nach vorne und seine Maschine setze auf.
Tränen flossen über meine Wangen, als ich macht- und hilflos zusah, wie sich die Flugzeuge immer weiter von uns entfernten und der Zerstörer immer höher in den Abendhimmel emporstieg.
Kurz darauf empfing uns wieder die graue kalte Umarmung einer Wolke und das Flugzeug überließ mir wieder die Kontrolle. Mit einem Schleier vor den Augen trimmte ich den Zerstörer für einen langsamen Sinkflug aus und nach wenigen Minuten durchbrachen wir die Wolkenunterdecke in 1000 Metern Höhe. Vor uns leuchtete im licht der untergehenden Sonne die Akropolis und ein Blick auf die Treibstoffanzeige sagte mir, daß wir heil herunterkommen würden.
Es war ein Routineanflug, die Landebahn erstreckte sich leer vor uns und die geparkten Zerstörer schienen uns ein "Willkommen" zuzuwinken. Ein leichter Ruck ging durch die Maschine, als wir aufsetzten und langsam rollten wir auf den Stellplatz zu, dann kamen die Kameraden schon herbeigerannt.
Müde stieg ich aus dem Cockpit und richtete meine Frage an diejenigen, die mich stumm und fassungslos anstarrten: "Wer hat es von uns noch nach Hause geschafft?"
Es erfolgte keine Antwort, betreten senkten alle die Köpfe und erstaunt sah ich sie an, bis der Gruppenkommandeur sich ein Herz fasste und sagte: "Wir haben sechs Maschinen verloren und ihr wart vermisst. Wo habt ihr gesteckt?"
"Wir hatten uns verfranzt," erwiderte ich nur, "die anderen müssten erst vor ein paar Stunden gelandet sein!"
Nur das leise Atmen des Windes war zu hören, als der Kommandeur sagte: "Nachdem ihr nicht zurückgekommen seid, wurdet ihr als vermisst gemeldet... das war vor einer Woche...!"
Mir wurde schwarz vor Augen und als ich wieder erwachte, lag ich auf dem heißen Beton der Runway, neben mir Oberleutnant Rogoll und Unteroffizier Stahl, die versuchten, mir irgendeine hochprozentige Form von Alkohol einzuflössen... nichts lieber als das, ich setzte die Flasche an und ließ den Schnaps meine brennende Kehle hinunterfliessen. An diesem Abend betranken Stahl und ich uns bis zur Besinnungslosigkeit, jeder wollte die Geschichte hören, aber keiner wusste sich einen Reim darauf zu machen.
Am nächsten Tag kabelte ich einige der Registrierungsnummern, die ich mir an den Maschinen über dieser Steppe gemerkt hatte, nach Berlin. Ich wollte wissen, wer diese Piloten waren, denen ich dort im Frieden begegnet war.

Es waren ruhige darauffolgende Tage, wir lagen während der Bereitschaft auf den Tragflächen unserer Maschinen und ließen uns von der Sonne bräunen, der Engländer schien Urlaub vom Krieg zu machen.
Bis dann an einem Samstag morgen die Alarmsirene heulte, die Tommies hatten uns aufs Korn genommen, laut Radar befand sich eine große Gruppe Bomber mit geleitschutz im Anflug auf unseren Flugplatz.
Ich saß bereits in der Maschine und ließ die Motoren warmlaufen, als der Platzwart herbeigelaufen kam und mir einen Fetzen Papier in die Hand drückte.
"Euer Kabel aus Berlin, Herr Oberleutnant!"
Ich nahm den Zettel und stopfte ihn in die Brusttasche meiner Kombi, keine Zeit mehr ihn zu lesen, da der Staffelführer bereits zum Start rollte.
Innerhalb einer Minute war die III. Gruppe des Zerstörergeschwaders 76 in der Luft und stieg den Bombern entgegen. Stahl saß hinter mir an seinem MG und beäugte den Himmel in seiner gewohnten Manier.
Es dauerte nicht lange, dann erschienen die schwarzen Punkte vor uns.
"Herr Gott, sind das viele," ächzte ich, "aber wo ist der Geleitschutz?"
Über Funk kam der Befehl des Staffelführers.
"Wir greifen die Formation frontal an. Schiesst die Viermots aus der Formation!!"
Der Angriff von vorne war der erfolgversprechendste gegen die waffenstarrenden viermotorigen Bomber und die Trefferchance dabei am höchsten. Gefährlich war nur die Annäherung, wenn die Flugzeuge mit mehr als 600 Stundenkilometern aufeinander zurasen.
Ich nahm die Führungsmaschine der linken Kette aufs Korn und brach leicht aus der Formation aus dafür. Rasend schnell wurde der Engländer in meinem Fadenkreuz größer, und schon tanzten mir die ersten Leuchtspuren seines Abwehrfeuers entgegen. Ich wusste, daß diese Art von Angriff der Horror eines jeden Bomberpiloten war und zögerte noch einen Sekundenbruchteil, bevor ich die Maschine mit einem Hagel aus Geschossen eindeckte, dann war ich auch schon an ihm vorbeigerast und als ich über die Formation hinwegzog, sah ich ihn brennend zur Erde stürzen.
"Abschuss, Abschuss," rief ich ins Mikro und prompt kam die Antwort des Staffelführers, "bestätigt, guter Schuss!"
Ich zog den Zerstörer nach oben und ließ ihn dann senkrecht wieder auf die Bomber hinunterkippen, dieses Mal würde ich seinen Flügelmann aufs Korn nehmen. Langsam wanderte der große Bomber über die Frontscheibe und ich wollte gerade feuern, als Stahl schrie: "Spitfeuer, 6 Uhr!!!"
Im nächsten Moment ratterte auch schon sein MG los und ich schrie zurück: "Abwehren, abwehren, ich habe ihn gleich!"
Dann klirrte das Glas des Cockpits, die Messerschmitt erzitterte unter den Einschlägen und Stahl stieß einen gellenden Schrei aus. Er schrie noch immer, als ihm, ein paar Sekunden später eine Garbe aus den englischen MG's die Brust zerfetzte...
Das Flugzeug war außer Kontrolle und taumelte mit stotternden Motoren dem Erdboden entgegen. Erst jetzt bemerkte ich während meiner krampfhaften Versuche, die Maschine aus dem trudeln zu bringen, daß ich ebenfalls getroffen war, doch ich fühlte seltsamerweise keinen Schmerz aus den blutenden Wunden..
"Steig aus, steig aus," schrie der Staffelführer über Funk, "verdammt nochmal, steig aus!"
"Ich kann nicht, meine Beine sind zerschossen," schrie ich zurück und kämpfte weiter mit den Kontrollen, als mir der kleine Zettel aus der Brusttasche fiel.
Ich nahm ihn hoch und warf einen Blick darauf, Berlin hatte auf meine Anfrage wegen der Markierungen geantwortet....
"M8+VU, Me110C4, Fw. Reinhold, Uffz. Steinhoff, abgeschossen am 10.09.1940 über Dover;
E5+H1, Me109F2, Olt. Buchauer, abgeschossen am 05.01.1941 über Calais;
H2+U8, Me110D1, Olt. Bergmann, StUffz. Gabriel, abgeschossen am 24.12.1942 über Leningrad;
E5+G7, Me109G6, Lt. .........."

Ich richtete meinen Blick starr auf die immer schneller auf mich zurasende Erde und ließ den Zettel achtlos zu Boden fallen.....
"Sie sind nicht fort, Stahl, nur uns vorausgeflogen," flüsterte ich zu dem Toten hinter mir.

Wie von selbst legten sich nun meine blutigen Hände um den Steuerknüppel, bereit für die dunkelgrüne Steppe, zu der ich jetzt zurückkehren würde......


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schwarzes Herz 17m
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Old Post erstellt am 03-08-2001 um 02:54 Füge schwarzes Herz 17m zu Deiner Buddy-Liste hinzu Profil von schwarzes Herz 17m anzeigen schwarzes Herz 17m eine eMail schicken Mehr Beiträge von schwarzes Herz 17m finden schwarzes Herz 17m eine Private Nachricht schicken Beitrag bearbeiten/löschen Zitieren

Lob Lob Lob,geniale Geschichten,wirklich es macht Spass darin zu versinken,was ich aber noch super finde ist,dass du auch aus Frankfurt stammst.....Herrlich zu sehen,wie intelektuell wir doch sind.....
carpe Noctem

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